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Was ist 'Konkrete Kunst'?

Die Ansprüche der Künstler an ihre Kunst im Spiegel des Zeitgeistes der dreißiger Jahre

Title: Was ist 'Konkrete Kunst'?

Seminar Paper , 2003 , 27 Pages

Autor:in: Oliver Pipping (Author)

Art - Painting
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Befasst man sich mit der Moderne des 20. Jahrhunderts, so findet man zahlreiche theoretische Texte mit denen die Künstler versuchen, ihr Schaffen zu kommentieren und für das Publikum zugänglicher zu machen. Dies scheint insbesondere bei den Schweizer Konkreten der Fall gewesen zu sein, die ihre Künstlertexte teilweise sogar in regelmäßigen Publikationen herausgeben wollten, wie etwa der im Allianz-Verlag erschienene Textband „Almanach neuer Kunst in der Schweiz“ 1 oder das 1944 erstmalig erschienene Bulletin „abstrakt/konkret“ 2 . Doch wohl wie kaum ein anderer Künstler hat wie Max Bill sein Werk mit zahlreichen Traktaten begleitet. Damit ist er nicht nur als Maler, Architekt, Bildhauer und Designer, sondern auch als Theoretiker, Schriftsteller, Kritiker und Pädagoge bekannt geworden. Für Eduard Hüttinger repräsentiert Bill den „inbegriff des denkenden künstlers“ 3 , der den eignen werken die schlüssigsten Kommentare selbst mitgeliefert und damit „zwischen dem wortbereich und dem formbereich eine fruchtbare spannung“ 4 hergestellt habe. Eine solche Einheit von Traktat und Kunstwerk zeigt sich meiner Meinung nach besonders deutlich bei Bills „fünfzehn variationen über ein thema“ 5 . In diesen Traktaten der Schweizer Konkreten, stößt man sehr häufig auf Begriffe aus den Bereichen der Technik, Wissenschaft und Mathematik. Da ist die Rede von ausdruckslosen Standardelementen, die durch Anwendung von überprüfbaren und regulierenden Gesetzmäßigkeiten zu Modulen einer Serie werden. Es ist die Rede von einer mathematischen Denkweise und davon, dass das Denken in der Form des Kunstwerks direkt wahrnehmbare Information würde. 6 Nicht nur die Individualität des Künstlers, sondern auch seine Intention soll zugunsten objektivierbarer Strukturgesetze in den Hintergrund treten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der modernen Schweizer Kunstszene

2.2 Vorläufer der „Konkreten“

3.1. Die Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei“ in Zürich 1936

3.2. „Die XIX. Nationale Kunstausstellung“ in Bern 1936

4. Die Rolle der „Allianz“

5. Was ist Konkrete Kunst?

5.1. -Nicht abstrakt

5.2. -Eigenständigkeit

5.3. -Universalität

5.4. -Überprüfbarkeit

5.5. -Äquivalenzprinzip

5.6. -Variabilität

6. „die mathematische denkweise in der kunst“

6.1. -Irrationalität

7. Strukturprinzipien

8. Die Funktion von konkreter Kunst

9. Versuch eines abschließenden Kommentars

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Wesen der "Konkreten Kunst" und deren theoretische Fundierung durch den Künstler Max Bill, wobei sie den historischen Kontext der 1930er und 1940er Jahre als prägenden Einflussfaktor auf die künstlerische Haltung beleuchtet. Ziel ist es, das Missverständnis der Konkreten Kunst als rein "trockene" oder "gefühlskalte" Angelegenheit zu revidieren und ihre sozial-utopische Funktion als intellektuelles Gegenmittel zur damaligen politischen Manipulation aufzuzeigen.

  • Historische Rahmenbedingungen der modernen Schweizer Kunstszene in den 1930er Jahren.
  • Die Rolle der Künstlervereinigung "Allianz" als progressives Netzwerk.
  • Theoretische Grundlagen der Konkreten Kunst: Nicht-Abstraktion, Eigenständigkeit und Universalität.
  • Mathematik und Logik als Instrumente der gestalterischen Ordnung statt als Selbstzweck.
  • Die gesellschaftliche Funktion konkreter Kunst als Schutz vor ideologischer Vereinnahmung.

Auszug aus dem Buch

Was ist Konkrete Kunst?

Im Katalog der Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik“ formulierte Max Bill die Prinzipien der konkreten Kunst, wie folgt: „konkrete kunst nennen wir jene kunstwerke, die aufgrund ihrer ureignen mittel und gesetzmässigkeiten – ohne äusserliche anlehnung an naturerscheinungen oder deren transformierung, also nicht durch abstraktion- entstanden sind.“

Hier wird also konkrete Kunst ganz eindeutig von der abstrakten Kunst abgegrenzt. Abstrakte Kunst enthalte demnach immer noch Elemente der gegenständlichen Welt, auch wenn diese nicht mehr klar erkennbar sind. Es gibt also immer noch etwas, das durch die künstlerischen Gestaltungsmittel repräsentiert wird. Anders ist es bei der konkreten Kunst: im konkreten Kunstwerk ist die repräsentierte Form gleichzeitig dargestellte Form. Eben das meint Bill, wenn er sagt, ein konkretes Kunstwerk stelle nichts anderes mehr dar als sich selbst.“

In der ´Zeitproblemeausstellung´ wurde konkrete Kunst von der Presse häufig noch als abstrakte Kunst bezeichnet. Die jungen Künstler wehrten sich aber gegen diese Behauptung: „unsere schöpfungen sind so wenig abstrakt als eine pflanze oder ein mineral sein könnten, die aus ihren natürlichen gesetzen form und farbe erhalten.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Max Bill ein und stellt die theoretischen Grundlagen der Konkreten Kunst vor, wobei die Spannung zwischen mathematischer Strenge und spielerischem Ausdruck thematisiert wird.

2.1 Die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der modernen Schweizer Kunstszene: Dieses Kapitel analysiert das Europa der 1930er Jahre und die Schweiz als Zufluchtsort für Avantgarde-Künstler vor dem Hintergrund von Faschismus und Nationalismus.

2.2 Vorläufer der „Konkreten“: Hier werden die frühen Künstlerkreise und Einflüsse wie der „Moderne Bund“, Dadaismus und Kontakte zum Bauhaus als Wurzeln der konkreten Kunst beschrieben.

3.1. Die Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei“ in Zürich 1936: Der Abschnitt dokumentiert die kulturpolitische Bedeutung dieser Ausstellung als erste große Präsentation Konkreter Kunst und die Reaktionen der zeitgenössischen Presse.

3.2. „Die XIX. Nationale Kunstausstellung“ in Bern 1936: Diese Ausstellung wird als traditionalistisches Gegenstück kontrastiert, das den nationalen Status quo der Schweiz betonen wollte.

4. Die Rolle der „Allianz“: Die Gründung der „Allianz“ wird als notwendige Vereinigung junger Künstler analysiert, um progressive Ziele gegen konservative Widerstände zu verteidigen.

5. Was ist Konkrete Kunst?: Das Kapitel definiert den Begriff durch die Abgrenzung von der abstrakten Kunst und erläutert zentrale Maximen wie Nicht-Abstraktion und Eigenständigkeit.

6. „die mathematische denkweise in der kunst“: Hier wird Max Bills Traktat interpretiert, wobei die Mathematik als nützliches, aber nicht als das alleinige Werkzeug für geistige Ordnung dargestellt wird.

7. Strukturprinzipien: Die Untersuchung befasst sich mit den gestalterischen Grundregeln wie Reihung, Rhythmus und Progression, die als Ordnungsprinzipien dienen.

8. Die Funktion von konkreter Kunst: Das Kapitel beleuchtet den sozial-utopischen Anspruch der Künstler, die Welt durch die Durchdringung des täglichen Lebens mit konkreter Ästhetik zu verbessern.

9. Versuch eines abschließenden Kommentars: Ein persönliches Resümee, das betont, wie die konkrete Kunst durch ihre logische Strenge den Betrachter zur freien, nicht-manipulativen Fantasie anregt.

Schlüsselwörter

Konkrete Kunst, Max Bill, Schweizer Kunstszene, Allianz, Geometrie, Strukturgesetze, Abstraktion, Zeitgeist, Avantgarde, gesellschaftliche Funktion, Mathematische Denkweise, Äquivalenzprinzip, Variabilität, Moderne, Kulturpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der Konkreten Kunst und deren Entwicklung in der Schweiz der 1930er und 1940er Jahre, insbesondere anhand der Schriften und Werke von Max Bill.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Konkreter zu abstrakter Kunst, die Rolle mathematischer Strukturen in der künstlerischen Gestaltung sowie die gesellschaftspolitische Funktion der Kunst als Gegenmittel zur Propaganda.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit zielt darauf ab, das Vorurteil zu widerlegen, Konkrete Kunst sei eine emotionslose oder trockene Kunstform, und nachzuweisen, dass sie als bewusste, demokratische Antwort auf den damaligen Zeitgeist fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die auf der Analyse von zeitgenössischen Künstlertraktaten, Ausstellungskatalogen und Presseberichten der 1930er Jahre basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die politischen Rahmenbedingungen, die Rolle der „Allianz“, die Prinzipien der Konkreten Kunst (wie Überprüfbarkeit und Variabilität) sowie die Interpretation von Max Bills theoretischen Schriften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Konkrete Kunst, Max Bill, Strukturprinzipien, gesellschaftliche Funktion, Avantgarde und ideologische Unabhängigkeit charakterisiert.

Wie unterschieden die Konkreten ihre Kunst von der abstrakten Malerei?

Max Bill und andere Konkrete argumentierten, dass abstrakte Kunst lediglich Formen aus der Natur verzerrt oder vereinfacht, während konkrete Kunst aus eigenen, logisch nachvollziehbaren Gesetzen entsteht und „sich selbst“ darstellt.

Warum spielt das Thema der Manipulation in der Arbeit eine so große Rolle?

In den 1930er Jahren wurde Kunst häufig zu Propagandazwecken instrumentalisiert. Die Konkreten sahen in einer Kunst, die auf universellen, nachprüfbaren Gesetzen beruht, ein Heilmittel, da sie den Betrachter zur eigenständigen Reflexion zwingt und somit keinen Raum für fremdbestimmte ideologische Beeinflussung lässt.

Welche Bedeutung hatte die Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei“ für die Künstler?

Sie gilt als die erste große kulturpolitische Präsentation der Konkreten Kunst in der Schweiz und diente als oppositionelles Korrektiv zur konservativen, nationalen Kunstausstellung, um den Anspruch der Avantgarde zu etablieren.

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Details

Title
Was ist 'Konkrete Kunst'?
Subtitle
Die Ansprüche der Künstler an ihre Kunst im Spiegel des Zeitgeistes der dreißiger Jahre
College
University of Freiburg
Course
Proseminar WS 2002/2003: Abstrakte und konkrete Kunst
Author
Oliver Pipping (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V108374
ISBN (eBook)
9783640065714
ISBN (Book)
9783656246336
Language
German
Tags
Konkrete Kunst Proseminar Abstrakte Kunst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Pipping (Author), 2003, Was ist 'Konkrete Kunst'?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108374
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