Transaktionsanalyse


Facharbeit (Schule), 2003

8 Seiten, Note: 1


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1. Untersuchen Sie die folgende Gesprächsszene mit Hilfe der Transaktionsanalyse (TA).

Für diese Untersuchung wurde die Gesprächsszene in einzelne Abschnitte gegliedert, die jeweils einem der Transaktionsanalyse zugehörigen Ich zugeordnet werden können.

Die einzelnen Zuordnungen sind im Folgenden sowohl farblich als auch mit dem entsprechenden Zusatz gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während einer Sitzungspause sprechen Personalleiter (PL) und Ausbildungsleiter (AL) miteinander.

PL.: „In Ihrer Abteilung ist in den letzten Monaten wohl der Wurm drin. Jetzt hat der dritte Azubi aus dem ersten Lehrjahr das Handtuch geschmissen.“ (→ EL)

AL.: „Ja, da stimmt. Das hängt aber damit zusammen, dass auf die jungen Leute heutzutage kein Verlass mehr ist.“ (→ ER)

PL.: „Genau, nur noch auf Geld aus, keine Firmenloyalität mehr.“

- Winkt einem anderen Herrn grüßend zu. -

„Von wem sollen die auch so etwas lernen in unserer Ellenbogengesellschaft?“ (→ ER)

AL.: „Das ist der Trend unserer Zeit, - viel Spaß haben, - wenig arbeiten, - nur nicht anstrengen – und wenn mal etwas verlangt wird, macht man die Fliege. So was gab es früher einfach nicht, - aber das fängt ja schon in der Schule an, die werden doch gar nicht mehr gefordert.“ (→ ER)

PL.: „Ja, so ist das wohl, - aber wir müssen uns trotzdem deswegen in nächster Zeit zusammensetzen, um genauer zu untersuchen ...“ (→ ER)

AL.: „Sie wollen doch nicht andeuten, dass die Schuld bei mir oder in meiner Abteilung liegt?! So schnell lass ich mich nicht zum Sündenbock machen.“ (→ K)

PL.: „Nein, nein, auf keinen Fall, das dürfen Sie nicht falsch verstehen, das liegt mir fern.

Auf dem Gebiet der Lehrlingsausbildung haben Sie doch die besten Erfahrungen und für die Firma Wichtiges geleistet.

Nur, ... na ja, wir reden noch mal darüber, - der Chef will weitermachen.“ (→ ER)

Bemerkung:

Eine definitiv gültige Aussage über die zuzuordnenden Ich-Zustände lässt sich für ein solches in Papierform vorliegendes Gespräch natürlich nicht abschließend tätigen, da immer auch der Tonfall, die Gestik und die Mimik der Gesprächspartner in die Analyse mit einfließen müssen.

2.Klären Sie in diesem Zusammenhang theoretische Grundlagen und wichtige Grundbegriffe.

2.1 Theoretische Grundlagen

Die Transaktionsanalyse ist eine Persönlichkeitstheorie, deren Fundamente durch Eric Berne in den fünfziger Jahren entwickelt wurden.

In seiner Praxis als Psychiater fiel ihm auf, dass seine Patienten während einer Behandlung von einem auf den anderen Moment die Sprache, die Gestik und die Mimik änderten. Hierdurch kam Berne zu der Überzeugung, jeder Mensch bestehe nicht nur aus einer festen Persönlichkeit, wie bislang angenommen, sondern verinnerliche drei elementare Persönlichkeiten.

Nach seinen Beobachtungen unterteilte er diese Persönlichkeiten in die drei „Ich-Zustände“, das Eltern-, das Erwachsenen- und das Kindheits-Ich (EL, ER, K), wobei diese Zustände tatsächlichen Realitäten entsprächen, d.h. eine Person im Kindheits-Ich sei in diesem Moment tatsächlich ein kleines Kind.

Dieses Modell basiert wiederum auf dem Modell des Gehirns als HiFi-Tonbandgerät, welches Th. Harris auf Grundlage von Forschungsergebnissen des Neurochirurgen W. Penfield erstellte.

Penfield fand bei operativen Experimenten an ansprechbaren, wachen Probanden heraus, dass durch die elektrische Stimulation einzelner Hirnabschnitte Erinnerungen „hervorgelockt“ werden konnten. Die erneute Stimulation genau derselben Hirnregion löste auch dieselbe Erinnerung aus. Hierzu schrieb Harris später: „ Aus diesen Feststellungen ergibt sich, dass das Gehirn wie ein HiFi-Gerät originalgetreu jedes Erlebnis von der Geburt an aufnimmt, ...“[1]

Berne und Harris sind davon überzeugt, dass ein Mensch alles Erlebte, insbesondere aber die Erinnerungen der ersten fünf bis sechs Lebensjahre, originalgetreu im Gehirn abspeichert und das Erleben einer ähnlichen Situation wie eine elektrische Reizung aus oben erwähntem Penfield’schen Experimenten wirkt. Dieses Hervorrufen von Erinnerungen laufe jedoch häufig unterbewusst ab und es blieben lediglich schwer einzuordnende Gefühle übrig.

Die drei Ich-Zustände sind somit im Prinzip nur eine Einteilung der vorhandenen Erinnerungen in verschiedene (Erfahrungs-/Alters-) Kategorien.[2]

2.2 Wichtige Begriffe

2.2.1 Die drei Ich-Zustände

2.2.1.1 Eltern-Ich

Das Eltern-Ich entspricht einem angelernten Lebenskonzept, dass durch Erinnerungen (siehe auch HiFi-Gerät unter 2.1) der ersten fünf bis sechs Lebensjahre geprägt ist. Es sei „... eine ungeheure Sammlung von Aufzeichnungen im Gehirn über ungeprüft hingenommene oder aufgezwungene äußere Ereignisse, die ein Mensch in seiner Kindheit wahrgenommen hat.[3] (Harris) Hierbei ist es unerheblich, ob diese äußeren Ereignisse durch die Eltern, oder aber durch andere Personen – z.B. auch über das Fernsehen – herangetragen wurden.

In aller Regel handelt es sich hierbei um Befehle und Verhaltensregeln, die sich das Kind abschaut und ungeprüft, da ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage ist, das Erfasste kritisch zu reflektieren, aufzeichnet.

Gemäß der Theorie von Bernes und Harris, können derartige Aufzeichnungen von „unzweifelhaften Wahrheiten“ im Eltern-Ich im späteren Leben nicht mehr korrigiert werden.

2.2.1.2 Kindheits-Ich

Analog zur Aufzeichnung von äußeren Ereignissen der ersten Lebensjahre im Eltern-Ich, verläuft die Aufzeichnung von inneren Ereignissen im Kindheits-Ich. In Ermangelung geeigneter sprachlicher Mittel, bestehen diese zumeist aus Gefühlen.

Diese Gefühle basieren laut Harris auf dem Empfinden einer Hilflosigkeit. Gerät man in seinem späteren Leben in eine ausweglose Situation, dann sind es die Gefühle, die im Kindheits-Ich gespeichert sind, welche wieder erlebt werden.

2.2.1.3 Erwachsenen-Ich

Im Gegensatz zum Eltern- und Kindheits-Ich werden im Erwachsenen-Ich keine Reaktionen auf Erlebtes gespeichert. Vielmehr handelt es sich jetzt um aktiv beschaffte Informationen.

Ein Mensch, der im Erwachsenen-Ich handelt, erlebt auch nicht mehr nur Situationen, ohne Einfluss nehmen zu können, sondern trifft aktiv Entscheidungen. Es handelt sich also nicht mehr nur um das Abspielen eines HiFi-Gerätes, sondern vielmehr um ein Auswerten und Prüfen von gespeicherten Informationen, analog zu einem Computer, der Informationen aus seinem Speicher auswertet.[4]

2.2.2 Grundeinstellungen zum Modell der Transaktionsanalyse

Neben den zuvor erläuterten Ich-Zuständen gehören auch die Folgenden vier möglichen Grundeinstellungen zum Modell der Transaktionsanalyse:

Ich bin nicht o.k.- du bist nicht o.k.

Eine sehr zerstörerische Grundeinstellung, bei der davon ausgegangen wird, dass niemand so wie er ist, "gut" ist - man selbst nicht und die anderen auch nicht.

Ich bin nicht o.k. - du bist o.k.

Eine sehr weit verbreitete Grundeinstellung, mit der wir unseren eigenen Wert herabsetzen und andere Menschen für wertvoller als uns selbst halten.

Ich bin o.k. - du bist nicht o.k.

Hier misst man sich selbst einen höheren Wert als anderen Menschen bei.

Ich bin o.k. - du bist o.k.

Der von Eric Berne verfolgte Ansatz, mit dem wir unseren eigenen Wert und auch den Wert anderer Menschen erkennen und würdigen.[5]

Grundeinstellungen sind veränderlich

Die meisten Menschen verinnerlichen eine der Grundeinstellungen zu ihrer eigenen Person gemäß der gemachten Erfahrungen der Kindheit. Ein viel kritisiertes Kind neigt zu der Grundeinstellung Ich bin nicht o.k., ein viel gelobtes hingegen zu Ich bin o.k..

Abhängig von der momentanen Situation kann ein Mensch von einer zur nächsten Grundeinstellung wechseln. Auch sind Sprünge bezüglich der Grundeinstellung zur eigenen Person denkbar. Dies ist dann abhängig vom gefühlten, erlebten eigenen Status (Chef, Untergebener, Gleichrangiger) und dem momentanen Gefühl zur anderen Person innerhalb der entsprechenden Situation.

2.2.3 Transaktionen - Elementarbausteine der Kommunikation

Unter der kleinsten Einheit der Kommunikation versteht man die Transaktion.

Davon gibt es drei Typen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

2.2.3.1 Komplementäre Transaktionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von einer komplementären oder auch parallelen Transaktion spricht man, bei einer Kommunikation, bei der beide Partner aus dem gleichen Ich-Zustand heraus handeln.[6]

Bei einer komplementären Transaktion antwortet der/die Angesprochene aus dem Ich-Zustand, der angesprochen wurde und spricht den Ich-Zustand an, aus dem er/sie angesprochen wurde. Es müssen also nicht beide Gesprächspartner in dem selben Ich-Zustand sein.

Normalerweise verlaufen derartige Kommunikationen problemlos. Es besteht jedoch auch die Gefahr das ein solches Gespräch nicht zu einem Ende kommt. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der eine Gesprächspartner aus einem Unmut heraus den anderen Gesprächspartner tadelt und dieser aus dem angesprochenen Ich-Zustand heraus reagiert (EL <-> K). Es könnte hier zu einer Vorwurf – Trotz Kette kommen, die zu keinem Ergebnis führt.

2.2.3.2 Gekreuzte Transaktionen

Bei einer gekreuzten Transaktion reagiert der Angesprochene Gesprächspartner nicht aus dem Ich-Zustand heraus, der angesprochen wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine solche Transaktion unterbricht den bisherigen Kommunikationsfluss. Dies kann zu Auseinandersetzungen zwischen den Gesprächspartnern führen. Gezielt kann diese Transaktion aber eingesetzt werden, um ein „leerlaufendes“ Gespräch wieder in geordnete Bahnen zu führen.

Stellt ein Gesprächspartner zum Beispiel eine sachliche Frage und sein/ihr Gegenüber fasst diese Frage als Vorwurf auf und reagiert nicht wie erwartet aus dem Erwachsenen-Ich, sondern mit Trotz aus dem Kindheits-Ich, ist eine Auseinandersetzung vorprogrammiert. Andererseits kann einem wütenden und Vorwürfe machenden Kunden (Eltern-Ich an Kindheits-Ich) auf diese Art der „Wind aus den Segeln“ genommen werden, indem der angesprochene Verkäufer nicht trotzig (Kindheits-Ich) sondern sachlich (Erwachsenen-Ich) reagiert.

2.2.3.3 Verdeckte Transaktionen

In den meisten Gesprächen wirken jedoch nicht ausschließlich die beiden offen erkennbaren Transaktionen sondern auch der Tonfall, die Gestik und die Mimik an der Kommunikation mit.

Dieses „zwischen den Zeilen lesen“ bezeichnet man als verdeckte Transaktion.

Hierbei spielen Erfahrungen, die man mit dem Gesprächspartner zuvor gemacht hat, eine große Rolle und lassen einen Gesprächspartner das Gesagte anderweitig interpretieren.

Oftmals führen verdeckte Transaktionen zu unterschwelligen Konflikten, da die eigentliche Problematik nicht offen behandelt wird.[7]

Quellen

a) Dipl.-Kommunikationswirtin Konnerth, T. „www.zeitzuleben.de/“
b) Dipl.-Logopäde Hamann, U. „http://www.transaktionsanalyse.net“, bzw. „http://home.t-online.de/home/reinhard.foos/ta/“
c) Jörgenshaus, G. (1997), „Die Transaktionsanalyse als Mittel der Erkennung und Beilegung von Konflikten in der Schule“ (Hausarbeit für die Universität Bonn)

[...]


[1] Aus: http://home.t-online.de/home/reinhard.foos/ta/grund.htm

[2] Vgl. http://home.t-online.de/home/reinhard.foos/ta/ta.htm

[3] Aus http://home.t-online.de/home/reinhard.foos/ta/el_ich.htm

[4] Vgl. http://home.t-online.de/home/reinhard.foos/ta/ew_ich.htm

[5] http://www.zeitzuleben.de/inhalte/ko/transaktionsanalyse/einstellungen.html

[6] Vgl. http://www.zeitzuleben.de/inhalte/ko/transaktionsanalyse/transaktionen.html

[7] Vgl. http://www.zeitzuleben.de/inhalte/ko/transaktionsanalyse/transaktionen.html

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Details

Titel
Transaktionsanalyse
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
8
Katalognummer
V108455
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transaktionsanalyse
Arbeit zitieren
Frank Dunsche (Autor), 2003, Transaktionsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108455

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