Was für Ängste erlebt ein Kind bereits im Säuglings- und Kleinkindalter


Seminararbeit, 2003

22 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Angst
1.1. Was bedeutet Angst und wie zeigt sie sich?
1.2. Die Angst – Unser ständiger Begleiter
1.2.1. Eltern können ihr Kind zur Ängstlichkeit erziehen
1.2.2. Angst als erlernte Reaktion

2. Formen von Ängsten im Säuglings- und Kleinkindalter
2.1. Das Urvertrauen
2.2. Die Urangst
2.3. Die Achtmonatsangst / Das Fremdeln
2.3.1. Wie sollen Eltern mit dem Fremdeln ihres Kindes umgehen?
2.4. Die Trennungsangst
2.4.1. Was passiert, wenn ein Kleinkind unvorbereitet und überraschend von der Mutter alleingelassen
2.4.2. Was können Eltern tun, damit ihr Kleinkind nicht all zu große Angst vor einer bevorstehenden Trennung hat

3. Wie Kinder mit ihrer Angst umgehen / sie zu bewältigen versuchen
3.1. Das Kind weicht dem Objekt der Angst aus
3.2. Angstbewältigung im Spiel

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung „Psychoanalytische Pädagogik- Die Relevanz der ersten Jahre für die Persönlichkeitsentwicklung“, welche ich im Wintersemester 2002/2003 unter der Leitung von Frau Prof. Gertraud Diem-Wille besucht habe.

Ausschlaggebend für die Wahl meines Seminararbeit-Themas war eine Reportage, die ich vor kurzem im Fernsehen gesehen habe. Der Bericht schilderte eine Handlung, die mich wirklich erzittern ließ. Es ging um einen russischen Sportwissenschaftler, der auf wirklich brutaler Art und Weise schon die allerkleinsten Säuglinge „abhärten“ und sie für das spätere Leben stark genug machen wollte. Die Aktion spielte sich im Wasser ab, genau genommen in einem Eissee. Der Wissenschaftler demonstrierte vor laufender Kamera und im Beisein der Mutter des Babys, auf welche Weise man erreichen kann, dass das kleine Kind optimal für das spätere Leben voll Konkurrenz und Niederschläge vorbereitet wird.

Zu Beginn nahm der Sportwissenschaftler, welcher selbst auf einem Steg stand , die Beine des Kindes und tauchte lediglich den Kopf einige Male in das eiskalte Wasser. Dieser Handlung folgte dann aber wirklich das Unfassbare: Er nahm das Baby und schwang es einige Male in der Luft, bis er es dann in hohem Bogen und nach mehreren Saltos ins Wasser warf. Das Baby schrie so laut und mit einer solchen Angst, dass mir wirklich der Atme stockte.

Nach dem Auftauchen des kleinen Körpers nahm er es wiederum und wiederholte den Vorgang ein paar weitere Male. Als das Baby nach einem weiteren Wurf nicht mehr auftauchte, war er gezwungen, selbst in das eiskalte Wasser zu springen, um das Kleinkind zu retten.

Auch Stunden nachdem ich diese Bilder im Fernsehen gesehen habe, konnte ich das verzweifelte Schreien des Babys nicht vergessen. Zuerst wurde es ziemlich lieblos der Mutter entrissen und dann mit einer solchen Brutalität von einem fremden Mann in das Eisloch geschmissen. Es ist mir schon klar, dass alle Babies irgendwann einmal schreien, aber ich bin der Ansicht, dass es sehr wohl ein Unterschied ist, ob nun ein Baby nach Hunger schreit oder aus Angst um sein Leben.

Die Bilder des verängstigten Babys im Fernsehen haben mich auf die Idee gebracht, meine Seminararbeit dem Thema „Ängste im Säuglings- und Kleinkindalter“ zu widmen.

Ich wollte in Erfahrung bringen, was die ersten Ängste sind, die ein neugeborenes Kind empfindet, wie es überhaupt zum Gefühl der Angst kommt und wie die Eltern oder andere enge Bezugspersonen in bestimmten Angstsituationen, die bei ihrem Kind auftreten, am Besten reagieren sollten.

Im ersten Kapitel werde ich zu allererst erklären, was Angst überhaupt bedeutet und wie die allgemeinen Angstsymptome aussehen. Da die Angst ein ständiger Begleiter in unserem Leben ist und nicht einfach vom Himmel fällt, werde ich in diesem Kapitel einerseits die Entstehung der Angst schildern und andererseits auf die Tatsache eingehen, dass Eltern oft auch unbewußt ihre Kinder zur Ängstlichkeit erziehen.

Im zweiten Kapitel geht es ausschließlich um einige unterschiedliche Formen von Ängsten im Säuglings- und Kleinkindalter, die mir sehr geläufig erscheinen,

Das Gefühl der Angst ist eine der ersten Erfahrungen, die Neugeborene nach der Geburt machen. Soeben waren sie noch im wohlig warmen Bauch der Mutter und müssen nun in der kalten, grellen und lauten Welt zurechtkommen. Das macht den Säuglingen Angst. Sie wollen am liebsten wieder an den Ort zurück, an dem sie die neun Monate zuvor auch waren. Wenn es den Eltern in diesen ersten Lebenswochen des Kindes gelingt, dessen Bedürfnisse möglichst vollständig zu befriedigen, so wird das Baby sein ganzes Leben lang sein Urvertrauen begleiten.

Im Gegensatz zum Urvertrauen kann das Baby aber auch Urangst entwickeln.

Weiters werde ich in diesem Kapitel auch auf das Phänomen des Fremdelns, auch Achtmonatsangst genannt, eingehen und darstellen, wie Eltern mit dem Fremdeln ihres Kindes umgehen sollen.

„Aber manchmal können sie auch recht ängstlich und scheu sein. Fremde Orte, fremde Menschen können ihnen bisweilen ohne ersichtlichen Grund große Furcht einjagen...“[1]

Die Trennungsangst tritt bei Kindern etwa im zweiten Lebensjahr auf und wird ebenfalls in diesem Kapitel behandelt. In den folgenden Unterkapiteln versuche ich aufzuzeigen, was passieren kann, wenn ein Kind unvorbereitet und überraschend von der Mutter alleingelassen wird und wie Eltern ihr Kind schonend auf eine bevorstehende Trennung vorbereiten können.

Den Abschluss meiner Seminararbeit bildet die Frage, wie Kinder selbst mit ihrer Angst umgehen können und sie zu bewältigen versuchen.

1. Angst

1.1. Was bedeutet Angst und wie zeigt sie sich

Angst stammt vom lateinischen „angustus“ ab und bedeutet: Enge, Beengtheit. Angst entsteht dort wo es „eng“ wird. Angst tritt bei allen Menschen auf und ist ein beklemmend, bedrückend und als unangenehm erlebter Ich- Zustand, der für das Individuum eine Bedrohung darstellt, mit physiologischen Vorgängen verbunden ist und auch das Verhalten beeinflusst.[2]

Sobald wir vertrautes Gebiet verlassen und die Grenzen zu Neuem und für uns unbekanntes überschreiten, macht sie sich in zahlreichen körperlichen Symptomen bemerkbar, wie beispielsweise durch Herzklopfen, Atemnot, Schwindel, Harndrang und Durchfall.[3]

Kommt das Kind in eine Gefahrensituation, so handelt es meistens instinktiv und sucht Schutz. Ebenso kann es aber auch vor der Angst flüchten. Da der Fluchtreflex zum größten Teil biologisch verankert ist, lässt er sich nur sehr schwer beeinflussen.

Sobald das Kind die angstauslösende Situation verlassen hat, empfindet es ein intensives Gefühl der Erleichterung. Problematisch wird es aber, wenn das Kind versucht, Situationen die eine Angst auslösen könnten überhaupt meidet. Das heißt, dass es Angst vor der Angst bekommt. Ängstigt die Angst das Kind so sehr, dass es nicht mehr „normal“ darauf reagieren kann, dann wird die Angst zur Krankheit. In so einem Fall sollte beispielsweise fachkundiger Rat in einer Erziehungsberatungsstelle oder in einer psychotherapeutischen Praxis eingeholt werden.

Angst dient dem Menschen der individuellen Lebenssicherung. Ohne die Fähigkeit, Angst vor gefährlichen Situationen zu empfinden, wäre eine menschliche Zivilisation nicht denkbar.

Die natürliche und das Leben schützende Angst ist eine notwendige Vorbereitung auf eine gefährliche und bedrohliche Situation.

Wenn eine Mutter zum Beispiel mit ihrem 3 jährigen Sohn in der Stadt spazieren geht, dann sollte sie es auch einmal zulassen, dass ihr Kind ein paar Meter alleine vor ihr geht. Wenig sinnvoll ist es, wenn sie ihr Kind andauernd an der Hand hält um ja immer Kontrolle über ihr Kind zu haben. Dem kleinen Kind muss auch die Möglichkeit gegeben werden, verschiedene Erfahrungen zu machen um dadurch vielleicht auch einmal in eine Angstsituation zu kommen. Natürlich darf es nicht so weit gehen, dass das Kind ständig tun und lassen kann was es möchte, aber genauso wie für uns Erwachsene ist es auch für das Kind wichtig, dass es gewisse Grenzerfahrungen macht.

Erreicht diese Angst des Kindes jedoch ein Ausmaß, das ein normales Leben nicht zulässt, die Reifung des Kindes behindert und Alltagsabläufe in Frage stellt, dann verliert die Angst ihre Schutzfunktion und wird zu einem Problem in der Entwicklung des Kindes.

Ganz wichtig ist aber zu betonen, dass Angst sinnvoll und normal ist! Angst ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein Warn- und Alarmsystem das dem Kind hilft, auf Bedrohungen zu reagieren.

Nicht die Angst selber ist uns angeboren sondern lediglich die Fähigkeit, Angst zu erleben ist uns mitgegeben.[4]

1.2. Die Angst - Unser ständiger Begleiter

Eigentlich ist die Angst ein ständiger Begleiter in unserem Leben. Wir haben angst davor, dass unser Urlaubsflugzeug abstürzt oder dass wir mit dem Auto auf der eisglatten Autobahn einen Unfall verursachen. Genauso ängstigen wir uns vor dem noch unbekannten Chef oder den Kolleginnen und Kollegen wenn wir eine neue Arbeit aufnehmen.

Paul Suer schreibt in seinem Buch: „ die Angst scheint unlösbar mit unserem modernen Lebensalltag verbunden zu sein[5] und meint wohl damit, dass, auch wenn wir versuchen die angstbesetzte Situation zu vermeiden, uns vor ihr verstecken oder die Angst durch Medikamente oder Alkohol zu betäuben versuchen, das Gefühl der Angst in irgendeiner Form immer in uns sein wird.

1.2.1. Eltern können ihr Kind zur Ängstlichkeit erziehen

Das Kind lernt in seiner Familie vor allem durch Nachahmung, Identifikation und Konditionierung.

Die ersten Bezugspersonen, die das Kind hat sind die Mutter und der Vater, also seine Eltern. Das Kind wird sich in den ersten Lebensjahren sehr stark am Verhalten seiner Eltern orientieren, wobei sie nicht nur Positives und für Sie Nützliches übernehmen können sondern auch die Ängstlichkeit ihrer Eltern annehmen können. Wenn Eltern zum Beispiel ständig darauf achten, dass sich ihr Kind vorsichtig genug verhält und jeder Gefahrenquelle ausweicht, dann wird die Selbständigkeit des Kindes massiv eingeschränkt und eine Angstbereitschaft des Kindes entwickelt. Eltern müssen den Kindern die Gelegenheit geben, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Es darf nicht so weit kommen, dass das Kind seine Umwelt lediglich als gefährlich einschätzt und zur Ängstlichkeit erzogen wird.[6]

Vor allem dann, wenn die Eltern selbst sehr ängstlich sind, kann es sein, dass kindliche Phobien (wie zum Beispiel die Angst vor Kühen oder dunklen Räumen) weiter bestehen. Wenn die Mutter überall Gefahren für ihr Kind sieht und glaubt, es könnte sich verletzen oder sich irgendwie gefährden, dann wird das Kind diese ängstliche Haltung der Mutter „erben“ und ein allgemein eher ängstlicher Mensch werden.

„Denn Angst wirkt ansteckend wie Schnupfen“.[7]

1.2.2. Angst als erlernte Reaktion

Genauso wie Eltern ihr Kind zur Ängstlichkeit erziehen können, kann die Angst auch die Folge einer erlernten Reaktion sein, einer so genannten Konditionierung.

Hierzu ein Beispiel: Ein 3 Jahre altes Mädchen muss zum Zahnarzt gehen. Im Vorfeld wurde sie von ihren Eltern umfassend und schonend darauf vorbereitet. Anfangs hat sie überhaupt keine Angst vor dem Zahnarzt, den sie noch nie gesehen hat. Auch als sie ihn, den Bohrer und den großen Stuhl zum ersten mal sieht, empfindet sie noch kein Gefühl von Angst. Sobald sie aber den Schmerz beim Bohren verspürt, erfolgt eine Kopplung. Sie hat nun angst und fürchtet sich vor dem Bohrer und dem unangenehmen Geräusch. In weiterer Folge verbindet sie die erlebte Angst nicht nur mit dem Zahnarzt, sondern auch mit der Praxis und dem weißen Kittel. Sobald sie nun das weiße Gewand des Arztes sieht oder die Praxis betritt, verspürt sie Angst, obwohl ihr ja noch gar nichts passiert.

Bereits ein Gedanke an die Situation kann angstauslösend sein.[8]

2. Formen von Ängsten im Säuglings- und Kleinkindalter

„Während der Geburt erlebt der Säugling in extremen Grade all jene Sensationen, die sich später (...) zeigen, wenn der junge Mensch Angst erlebt“.[9]

Nach Zulliger ist die Geburt eines Menschen besonders gewaltsam, schmerzlich und schrecklich- genau genommen traumatisch. Aus diesem Grund bringt sie wahrscheinlich das Muster zu späteren Ängsten mit sich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1. typisches Angstverhalten[10]

Zu den frühesten Erfahrungen unserer Kinder zählt das Gefühl der Angst. Das Neugeborene muss nun auf die vollkommene Geborgenheit und Sicherheit, die es im Mutterleib erfahren hat, verzichten. Die Geburt bringt so viele plötzliche Veränderungen für das Neugeborene mit sich: Der vertraute Pulsschlag der Mutter, die angenehme Wärme, die Weichheit und die selbstverständliche Nahrungszufuhr ohne selbst etwas dafür tun zu müssen, all das ist mit der Geburt vorbei. Nach der Geburt befindet sich das Baby in einer Welt, in der es zahlreiche Erfahrungen wie grelles Licht, Lärm, Hitze, Kälte und Hunger erst machen muss. Aus den ersten Unlustgefühlen, wenn es sich vernachlässigt fühlt, entstehen erste dumpfe Ängste. Es ist ihm zwar bewusst, dass die Mutter alles für sein Wohl macht, doch es muss auch lernen, dass die geliebte Mutter nicht immer sofort da sein kann, wenn es einmal schreit.[11]

Nach der Geburt ist das Neugeborene total abhängig von seinen Eltern.

In den ersten Lebenswochen möchte das Baby am liebsten wieder sein gewohntes Leben im Mutterleib fortsetzen. Es möchte das machen, was es die Monate zuvor auch getan hat, nämlich schlafen, satt sein, die Wärme spüren und den ihm vertrauten Herzrhythmus der Mutter fühlen. Das Neugeborene fühlt sich aus seiner vertrauten Welt herausgerissen und muss nun erkennen, dass es nun selbst etwas tun muss um an Nahrung zu kommen (wie etwa schreien) und dass es nie mehr so ein unbeschwertes Leben haben wird wie im Bauch der Mutter.[12]

2.1. Das Urvertrauen

„Schon beim Neugeborenen werden die ersten Weichen dafür gestellt, ob eine Mensch später seine Ängste bewältigen kann oder ob er ständig von ihnen gequält sein wird“.[13]

Gelingt es den Eltern in diesen ersten Lebenswochen des Neugeborenen dessen Bedürfnisse möglichst vollständig zu befriedigen, dann ist einer der wichtigsten Grundsteine für sein Leben gelegt. Kinder, die es mit Hilfe der Eltern geschafft haben, den geborgenen und angenehmen Zustand aus dem Mutterleib mit hinaus in die Welt zu nehmen, werden, was auch immer geschieht, dem Leben positiver gegenüberstehen als Menschen, die schon in diesem frühen Alter ganz oder teilweise auf die totale Befriedigung ihrer Bedürfnisse verzichten mussten.

Wenn ein Kind die ersten Lebenswochen als befriedigend erlebt und Urvertrauen in die Umwelt entwickeln kann, wird es diese erste Vertrauensbasis nie mehr verlieren. Je größer ein solches Urvertrauen eines Kindes ist, desto mehr wird es sich später selbst zutrauen Aufgaben, die von Eltern oder Lehrern gestellt werden, zur Zufriedenheit der anderen und ganz besonders zur eigenen Zufriedenheit bewältigen. Ebenso wird es ihm wahrscheinlich leichter fallen, Situationen, die Angst machen, zu bewältigen und es wird auch mit Fehlschlägen besser umgehen können und nicht sofort aufgeben, wenn eine Sache nicht gleich gelingt. Vertrauen in sich selbst zu haben ist laut Niederle und Weninger die Basis dafür, nicht vor jeder neuen Situation Angst zu haben.

2.2. Die Urangst

Ein Kind, um das sich die Mutter nicht genug gekümmert hat und das oft lange schreiend im Kinderwagen liegen musste ohne dass die Mutter darauf reagiert hat, wird sich ganz anders entwickeln. Das Kind wird sehr bald erkennen, wie unfähig und hilflos es ist. Statt Urvertrauen entwickelt es Angst - Urangst -!

Wenn die Bedürfnisse der Kinder immer ausreichend befriedigt wurden, wird sie ein Leben lang ihr Urvertrauen begleiten. War das nicht der Fall, dann tritt an die Stelle des Urvertrauens die Urangst: Etwa Angst vor dem Alleinsein und dem Versagen.

Die Urangst kann dazu führen, dass das Kind sich später im Beruf nichts zutraut und immer gleich resigniert, wenn Schwierigkeiten auftreten.[14]

2.3. Die Achtmonatsangst / Das Fremdeln

Erst nach einigen Monaten des Zusammenlebens haben sich die Eltern mit ihrem Kind und dieses mit den Eltern eingelebt. Das Kind vergnügt sich auch mit fremden Besuchern, die ihm ein Spielzeug vor das Gesicht halten und dabei lächeln. Die Eltern finden nun endlich wieder Zeit für sich selber und nützen die Abende, an denen der Babysitter das Kind hütet, um irgendetwas gemeinsam zu unternehmen.[15]

Doch zwischen dem sechsten und dem achten Monat erfolgt im Verhalten des Kindes gegenüber anderen Menschen eine entscheidende Wandlung. In diesem Stadium unterscheidet das Kind schon deutlich zwischen „Freund“ und „fremd“. Bisher sah es noch keinen Gegensatz zwischen den eigenen und den Händen der Mutter, denn sie erschienen ihm wie die gemeinsamen Hände.

In diesem Stadium aber unterscheidet das Kind generell zwischen sich und anderen. Alle Sinnesorgane nehmen an dieser Veränderung teil.

Nun wird das Kind nicht mehr mit einem Lächeln reagieren, wenn eine fremde Person nickend an seinen Kinderwagen tritt. Jedes Kind reagiert anders; es kann „schüchtern“ den Blick abwenden, mit den Händen die Augen verdecken, das Gesicht in der Bettdecke verstecken oder weinen und schreien. Es verweigert ganz einfach den Kontakt zu einer fremden Person.[16]

„Das Fremdeln stellt eine erste erkennbare Angstreaktion dar, in der das Kleinkind angstvoll `begreift` , dass es nicht mehr Teil der Mutter ist“.[17]

Spitz bezeichnete das Phänomen des Fremdeln mit der Achtmonatsangst und er hält es für die früheste Manifestation von Angst.

Nähert sich eine fremde Person dem Baby, reagiert es darauf, dass diese nicht die Mutter ist; es ist der Ansicht, dass es von der Mutter verlassen wurde. Wenn sich ein Fremder dem etwa acht Monate alten Kind nähert, wird es in seinem Wunsch enttäuscht, die Mutter wiederzuhaben.

Obwohl das Kind mit der fremden Person keine unangenehmen Erfahrungen gemacht hat, tritt ein Angstgefühl auf. Diese Angst ist eine Reaktion auf die Wahrnehmung, dass das Gesicht des Fremden nicht mit den Gedächtnisspuren vom Gesicht der Mutter übereinstimmt. Das Kind lehnt die Person mit dem fremden Gesicht ganz einfach ab, weil es nicht seine Mutter ist.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Die Achtmonatsangst[19]

Zwar bezeichnet Spitz das Fremdeln mit der Achtmonatsangst, was aber nicht heißen soll, dass Säuglinge erst im achten Monat Fremdes und Vertrautes unterscheiden können.

Sie reagieren auch schon vorher unterschiedlich darauf, je nachdem, mit wem sie es zu tun haben.

In der Mitte des ersten Lebensjahres aber, also um den sechsten bis achten Monat herum, erreicht der Säugling eine Entwicklungsstufe, in der er das Auf- und Abtreten der Personen und deren unterschiedliche Bedeutung für sein Leben in größerer Deutlichkeit durchschaut. Aus dieser Gegebenheit heraus kann- aber muss sich keine Fremdel- Reaktion entwickeln.[20]

2.3.1. Wie sollen Eltern mit dem Fremdeln ihres Kindes umgehen?

Eltern sollten bedenken, dass, auch wenn ihr Säugling Angst gegenüber Fremden verspürt, immer noch seine Lust auf Neues gegenwärtig ist. Jedoch ist es von Seiten der Eltern sehr wichtig, dass die Annäherung des Fremden auf das kleine Kind in kleinen Dosierungen erfolgen sollte. Der Säugling sollte beispielsweise neben der Mutter mit ein bis drei anderen Personen bekannt gemacht und von diesen erst einmal mitversorgt werden. So kann der Säugling erst einmal langsam an die neuen Personen in seinem Umfeld gewöhnt werden. Wird der Säugling jedoch plötzlich von einer relativ hohen Dosis an Fremden überrascht, dann wird seine natürliche Neugier überrannt und das kleine Kind beginnt seine einstige Freude und Neugier in Angst umzuwandeln.

Säuglinge wenden bestimmte Techniken an, mit denen sie sich fremde Dinge vertraut machen. Wenn ein Baby zum Beispiel einen neuen Gegenstand entdeckt, dann nimmt er diesen Gegenstand immer wieder in die Hand, wirft ihn dann kurz weg um ihn dann anschließend wieder zu sich heran zu nehmen. Dieser Gegenstand wird dann von ihm gedreht, und betrachtet.

Diese Art der Erkundung zeigt dem Erwachsenen, wie der Säugling mit den einfachsten Mitteln anfangen muss, sich mit der Umwelt vertraut zu machen und wie hoch der Grad der Neuheit und Fremdheit aller Dinge am Anfang des Lebens ist. Der schrittweise Vorgang der Entdeckung eines Gegenstandes hilft dem Kind, sich selbst mit den Dingen verbunden zu fühlen und sie sich anzueignen.

Für die Eltern sollte es auch nicht verwunderlich sein, dass eine neue Frisur oder ein neuer Hut der Mutter den Säugling in Schrecken versetzen kann. Von seinen engsten Bezugspersonen speichert der Säugling nämlich frühzeitig Bilder - ganz besonders von ihren Gesichtern und Kopfformen.

Kommt die Mutter also mit einem neuen Hut, der ihre Kopfform optisch verlängert, nach Hause, kann es passieren, dass das Baby zunächst abweisend reagiert, weil es keine Ähnlichkeit mehr mit seinen ursprünglich eingeprägten Bildern der Mutter erkennt.

Bei allem Neuen was dem Säugling begegnet, ist er auf das Feedback der Eltern angewiesen.

Die Eltern sollten sich daher bewusst sein, dass sich der Säugling am Gesichtsausdruck, im Klang der Stimme und in der Körpersprache seiner Bezugspersonen vergewissert, ob die Begegnung mit dem Fremden gefahrvoll sein wird, oder nicht.

Dieses Feedback hat zwei Bedeutungen:

1. Zum einen holt sich der Säugling dabei Informationen, um die Realität besser einschätzen zu können.
2. Zum anderen will er sich dadurch auch über seine eigenen Gefühle klarer werden.

Je nachdem wie dieses Feedback für ihn ausfällt, reagiert er eher neugierig oder angstvoll.

Die Bezugsperson hat also einen nicht geringen Einfluss auf das Erleben und Reagieren des Säuglings. Da die Gefühle des Säuglings noch recht mehrdeutig sind, lässt es sich kaum vermeiden, dass die Gefühle des Säuglings durch die der Mutter oder des Vaters manipuliert werden.

Für einen fremden Beobachter ist es oft erstaunlich zu sehen, was für eine Ähnlichkeit im Verhalten zwischen dem Kind und seinen Eltern besteht.[21]

2.4. Die Trennungsangst

Etwa im zweiten Lebensjahr kommt es zur Trennungsangst. In diesem Alter hat das Kind noch keine Vorstellung von Zeit. Die Mutter ist z.B. beim Verlassen des Raumes, quasi für „immer“ weg, da das Kind noch keine Erfahrungen mit Zeitspannen hat. Erst wenn das Kind immer wieder aufs Neue erlebt, dass die Mutter wiederkommt, kann diese Trennungsangst allmählich überwunden werden. Angstminderer können in dieser Zeit auch Kuscheltiere oder Schmusedecken sein.

Es macht einem Kind Angst, nachts aufzuwachen und allein zu sein, zurückzukommen und niemanden finden, nicht gehört werden, wenn es weint. Das Kind hat Angst vor dem wiederholten Verlassenwerden der Eltern, auch wenn diese nach kurzer Zeit wieder zurückgekommen sind.

Nachdem das Kleinkind die Phase des Fremdelns überwunden hat, sollte es lernen, zeitweise ohne Vater und Mutter auszukommen. Spätestens dann, wenn es in den Kindergarten kommt, wäre es gut, wenn es für sich die Sicherheit erworben hat, dass die Eltern immer wieder zurückkommen.[22]

2.4.1. Was passiert, wenn ein Kleinkind unvorbereitet und überraschend von der Mutter alleingelassen wird?

Wenn die Mutter vom Kind weggeht, dann schreit das Kind laut und verzweifelt und steht aber währenddessen innerlich mit der Mutter in Verbindung.

Du Bois schreibt weiter, dass das Kleinkind mit dem Schreien nicht nur Schmerz sondern auch Wut und Empörung zum Ausdruck bringt. Dieser Zustand kann zwar mit „Angst“ bezeichnet werden, jedoch ist es besser, erst einmal von Stress und vegetativer Erregung zu sprechen.

- Die Protestphase

Das Kind ist wütend und verängstigt, weil es zum Beispiel von der Mutter allein gelassen wird. Weinen und Schreien soll ihm helfen, die Verbindung zu dieser Person wieder herzustellen.

Wenn das Kind nach einer Weile merkt, dass die Mutter immer noch nicht da ist, kann es nach einer kurzen Erholungspause erneut mit dem Schreien fortsetzen, auch wenn die Mutter zwischenzeitlich wieder zurückgekommen ist. Obwohl die Mutter also wieder beim Kind ist, schreit dieses immer noch, da ihm in diesem Moment einfällt, was es der Mutter sagen wollte, und zwar, dass sie nicht weggehen darf!

Bowlby nannte dieses Stadium der Trennungsreaktion „Protest“.

- Verzweiflungsphase

Bleibt die Mutter aber einige Stunden und vielleicht sogar ganze Tage vom Kind fern, beginnt dieses zu resignieren.

Das Kind ist verzweifelt, sieht ein, dass sein Schreien die Mutter nicht zurückholen kann und findet keine Erklärung dafür, wieso es von er Mutter „verlassen“ wurde. Das Verhalten des Kindes wird nun ruhiger und es lässt sich sogar von einer fremden Person auf den Arm nehmen. Manche Menschen glauben zu Unrecht, dass das Kind sich nun endlich mit der Trennung abgefunden hat und das Alleinsein akzeptiert. In Wahrheit ist das Kind zutiefst verletzt und verzweifelt und hat kaum mehr eine Hoffnung, die Mutter wieder zu sehen.

Diese seelische Verfassung wurde von Bowlby als „Verzweiflung“ bezeichnet.

- Phase der Hoffnungslosigkeit

Wiederholen sich die ersten zwei Phasen mehrmals und über längere Zeiträume, wird das Kleinkind einsehen, dass Schreien und Weinen die Verbindung zur Mutter bei einer erfolgten Trennung nicht wiederherstellen können.

Das Baby möchte sich vor einer erneuten Enttäuschung schützen und wird deshalb die Mutter, die zum Beispiel aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes mehrere Tage vom Kind wegblieb , mit einem leeren Gesichtsaudruck empfängt und so tun, als ob es die Mutter nicht kennt.

Das typische Verhalten mit dem das Kind sonst die Mutter an sich bindet, wird nach kurzer Zeit aber wieder übernommen.[23]

2.4.2. Was können Eltern tun, damit ihr Kind nicht all zu große Angst vor einer bevorstehenden Trennung hat?

Im Verlauf des Lebens absolviert jedes Kind kleinere und größere Trennungen und muss mit den daraus entstehenden Konsequenzen fertig werden.

Beispielsweise erfolgt eine Trennung, wenn die Mutter wieder zu arbeiten beginnt, die Familie den Wohnort wechselt oder das Kind in den Kindergarten kommt.

Ganz wichtig ist es, dass die Eltern eine bevorstehende Trennung immer sorgfältig vorbereiten und das Kind nicht damit „überfallen“, denn bei so genannten „organisierten“ Trennungen, bei denen das Kind genau weiß, dass es nur für eine bestimmte Zeit von den Eltern getrennt ist, wird es anders reagieren als wenn die Trennung ohne jede Absprache mit dem Kind erfolgt. Eltern müssen sich bewusst sein, dass jede längere Trennung vom Kleinkind als vollkommener Verlust erlebt wird, was für Erwachsene Menschen oftmals nicht nachvollziehbar ist. Wenn kleine Kinder in ihrer gewohnten Lebensweise durch irgendeine Unvorhergesehenheit gestört oder von etwas liebgewordenen getrennt werden, dann reagieren sie mit Angst. Sie haben Angst vor einer neuen Erfahrung oder vor einem neuen Umfeld.

Die Bezugspersonen des Kindes sollten auch darüber im Wissen sein, dass ein dutzend schmerzhafte und dramatische Abschiede für das Kind weniger schädlich und folgenreich sind als eine lange, ohne Unterbrechung erfolgte Abwesenheit der Eltern .

Im Falle einer Trennung oder Scheidung der Eltern denken die Kinder oft, dass sie am Streit und an der daraus folgenden Trennung Schuld sind.

Dem Kind muss ganz genau erklärt werden, dass die Scheidung der Eltern nicht den „Verlust“ eines Elternteils für das Kind bedeutet und die Eltern dürfen ihr Kind auf gar keinen Fall für sich vereinnahmen, da Kinder eine eigene, dritte Partei sind und eigene Interessen haben.[24]

Wenn sich das Kind von sich aus von der Bezugsperson entfernt, wird es kaum Probleme geben. Es entfernt sich nur so weit, wie ihm dies ohne Angst möglich ist.

Geht jedoch die immer beim Kind gewesene Mutter plötzlich wieder arbeiten, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Von Vorteil wäre es, wenn das Kind sich langsam an die Abwesenheit der Mutter gewöhnen könnte und die Person, die es später vielleicht betreuen wird, schon davor im Beisein der Mutter kennen lernen kann .[25]

3. Wie Kinder mit ihrer Angst umgehen / sie zu bewältigen versuchen

Es gibt keinen Menschen, der in der Angst leben kann auch wenn es Leute gibt, die sich freiwillig in eine, für andere Menschen gar bedrohliche Situation bringen nur um den gewissen „Kick“ zu spüren, indem sie beispielsweise, lediglich an einem Seil angebunden, von einer Brücke stürzen, wozu ich allerdings viel zu ängstlich wäre.

Auf einem Rummelplatz zum Beispiel bezahlt man Geld dafür, einige Minuten Angst erleben und überleben zu dürfen. Ein bisschen Geld führt uns so zur Gewissheit, dass man stärker ist als die Angst. Genauso geschieht es, wenn wir uns einen Horrorfilm anschauen: Wir bezahlen Geld dafür, dass wir Angst haben dürfen. Ganz wichtig dabei ist aber der Aspekt, dass wir die uns Angst machende Situation stets als Sieger verlassen.

Jeder Mensch, jedes Kind geht unterschiedlich mit seiner Angst um, und es gibt ganz bestimmt kein Patentrezept, welches verspricht, dass die Angst so verhindert werden kann. Das ist auch deshalb gar nicht möglich, weil jeder Mensch ganz individuell ist und Angst auch unterschiedlich empfindet.

Niemand kann in der Angst leben, sondern auch Kinder versuchen sie zu bekämpfen, zu überwinden oder sich durch bestimmte Maßnahmen vor ihr zu schützen.

3.1. Das Kind weicht dem Objekt der Angst aus

Kleine Kinder ängstigen sich oft vor großen Tieren, wie den Kühen oder auch vor dunklen Räumen, wie dem Keller.

Gelingt es nun dem Kind, seine Angst vor Kühen zum Beispiel an ein Objekt zu fixieren, dann braucht es das Objekt seiner Angst nur mehr zu umgehen und zu vermeiden, um angstfrei sein zu können.[26]

Also wird sich das Kind von nun an nicht mehr in dies Nähe von Ställen mit Kühen oder in den Keller begeben, weil es genau weiß, dass diese Situation bei ihm Angst auslösen würde.

Mit zunehmendem Alter, wenn das Kind die Erfahrung gemacht hat, dass eine Kuh eigentlich ganz lieb ist und dass im Keller auch keine Gespenster wohnen, verschwinden die kindlichen Phobien und die dazugehörenden Kinderängste wieder.

Oft können Kinder auch dabei beobachtet werden, wie sie sich selber Mut machen und bewusst, gefährliche Situationen aufsuchen. Um ja nicht von der Angst eingeholt zu werden, singen sie zum Beispiel laut, wenn sie in ein dunkles Zimmer hineingehen um irgendetwas daraus zu holen.

Das Kind kann dem Objekt seiner Angst aber nicht immer ausweichen kann, wie etwa dann, wenn es sich nachts fürchtet alleine im Bett zu schlafen.

Wie eine solche Angst vom Kind bewältigt werden kann, werde ich im nächsten Unterkapitel darstellen.

3.2. Angstbewältigung im Spiel

Im Spiel finden Kinder sehr viele Möglichkeiten ihre Ängste selber zu bearbeiten, wobei es für sie durchaus erforderlich ist, die Eltern in ihr Spiel miteinzubeziehen. Das Spiel hilft dem Kind

- seine Ängste mitzuteilen
- Lösungsmöglichkeiten vorzuspielen, die es sich zur Bewältigung seiner Angst (von den Eltern) wünscht.

„Spiel ist die Sprache des Kindes. Wenn man Kindern beim Spielen zusieht, weiss man, wie es ihnen geht“.[27]

Durch genaues Zuhören können nicht nur Therapeuten, sondern auch Eltern, mit ihrem Kind über das Spiel kommunizieren.

Ein Beispiel dazu:

Ein kleines Mädchen bringt eines abends ihre Puppe ins Bett und schimpft dabei ganz laut mit ihr. Dann beginnt die Puppe im Spiel plötzlich zu weinen. Die Mutter, die sich im Nebenzimmer befindet, hört allem ganz genau zu. Sie macht sich auf den Weg zu ihrer Tochter und fragt sie, warum denn die kleine Puppe so weint. Daraufhin gibt sie ihrer Mutter zur Antwort, dass sie, die Mutter der Puppe, nun endlich ihre Ruhe möchte und darum die Puppe jetzt sofort schlafen müsste. Sie weint deshalb so bitterlich, weil sie ganz einfach nicht ins Bett möchte.

Die Mutter denkt daraufhin über sich selber nach, und wie sie die abendliche „Zu-Bett-geh -Situation“ für ihre Tochter gestaltet. Sie bemerkt, dass sie auch immer recht gestresst ist und dem Kind zu spüren gibt, dass sie nach einem anstrengenden Tag nur noch ihre Ruhe möchte, woraufhin ihre Tochter oftmals weinend eingeschlafen ist.

Im Spiel ihrer Tochter verhält sich diese mit der Puppe genauso wie sie, die Mutter, im täglichen Leben mit ihrer eigenen Tochter. Daraufhin beschließt sie dies zu ändern und sich von nun an, mehr Zeit für die Abendgestaltung mit ihrer Tochter zu nehmen.

Am nächsten Tag, liest sie ihrer Tochter eine schöne Gute-Nacht-Geschichte vor und flüchtet nicht mehr hastig aus dem Kinderzimmer. Das Kind schläft ruhig und ohne Angst ein und auch die Puppe muss nicht mehr weinen, als sie das kleine Mädchen ins Bett bringt.

Das Mädchen hat das positive Verhalten ihrer Mutter übernommen und verhält sich gegenüber ihrer Puppe im Spiel nun auch viel geduldiger.

Eltern können durch das Spiel ihres Kindes auf viele Dinge darauf kommen, auf die sie sonst vielleicht nie gekommen wären. Das kindliche Spiel kann ihnen sozusagen die „Augen öffnen“. Die Eltern sind, wie im oben beschriebenen Beispiel für die Realität verantwortlich. Die Angst ist in diesem Fall auf die Realität bezogen und kann nur durch das abendliche Handeln der Mutter geändert werden.[28]

Es gibt kindliche Phobien, Kinderängste, die mit zunehmendem Alter von selber wieder verschwinden. Wo sie jedoch konstant sind, sich mit zunehmendem Alter gar steigern, dem Kind das Leben dadurch erschweren und die Eltern sich auch nicht mehr zu helfen wissen, sollten sie Fachleute (wie etwa Erziehungsberatungs- und Hilfestellen) aufsuchen, und sich beraten lassen. Auf gar keinen Fall sollte von den Eltern versucht werden, auf dem Wege von Strafen die Angst zu beseitigen. Auf diese Art wird lediglich eine „Verschiebung“ des Symptoms erreicht.[29]

4. Schlusswort

Da im Referat, welches meine Gruppe im Seminar vorgetragen hat, der Aspekt der Angst im Kindesalter nur kurz gestreift wurde, wollte ich im Rahmen meiner Seminararbeit näher auf diese Thematik eingehen. Ich habe mich dabei nur auf den Bereich der Ängste im Säuglings- und Kleinkindalter beschränkt.

Aufgrund von schon besuchten Vorlesungen im Rahmen meines Studiums, waren mir einige Gesichtspunkte, welche von mir erarbeitet wurden, nicht mehr gänzlich unbekannt.

Ich wollte auf die Wichtigkeit der Bildung eines Urvertrauens in den ersten Lebenswochen eingehen und auch den gegenteiligen Aspekt - die Urangst - nicht ganz unerwähnt lassen.

Im Weiteren habe ich versucht anhand der Angst vor Fremden (der Achtmonatsangst) und der Trennungsangst, zwei für mich sehr wesentlichen Ängste in den ersten Lebensjahren, näher zu beschreiben.

Dabei erschien es mir auch von Bedeutung, aufzuzeigen, wie Eltern auf das Fremdeln und die Trennungsangst ihres Kindes im besten Fall reagieren sollten.

Ganz wichtig dabei ist, dass sie wissen, dass die Ängste ihres Kindes meist entwicklungsbedingt sind und nur phasenweise auftreten.[30] Ängste sind also ganz normal und wie im ersten Kapitel bereits erwähnt „ständige Begleiter unseres Lebens“.

Wenn eine Mutter nach einer Weile des Getrennt-seins von ihrem Kind zu diesem zurückkehrt, darf sie ihm nicht böse sein, falls dieses sich über ihre Rückkehr gar nicht zu freuen scheint. Die größte Angst des Kindes besteht nämlich darin, von der Mutter / vom Vater nicht geliebt oder verlassen zu werden. Kinder brauchen das Gefühl des Geliebt werden und es darf ihnen an liebevollem Zureden von Seiten der Eltern nicht fehlen!

Literaturverzeichnis

Du Bis, Reinmar: Kinderängste. Erkennen - verstehen - helfen. Zweite, unveränderte Auflage. München: C.H. Becksche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), 1995.

Kosubek, Siegfried: Angst und Wut bei Kindern. Ein Elternratgeber. München: Humboldt - Taschenbuchverlag Jacobi KG, 1997.

Niederle, Monika/Weninger, Karl: Kinderängste. Wien: J&V Schulbuchverlag GmbH, 1992.

Reid, Susan/Trowell, Judith: Versteh dein Kleinkind. Ein praktischer Elternratgeber für das 3. und 4. Lebensjahr. Weinheim: Beltz Verlag, 1997.

Spitz, René A.: Vom Säugling zum Kleinkind. 11. Auflage. Stuttgart: Klett - Cotta, 1996.

Suer, Paul: Wenn Kinder Angst haben. Wie Eltern Sicherheit und Vertrauen geben können. Wege und Methoden zur Angstbewältigung. München: Südwest Verlag GmbH in der Verlagshaus Goethestraße GmbH & Co. Kg., 1998.

Zulliger, Hans: Die Angst unserer Kinder. Zehn Kapitel über Angstformen, Angstwirkungen, Vermeidungen und Bekämpfung der kindlichen Ängste. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1966.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typisches Angstverhalten eines Kleinkindes (Quelle: Suer, Paul, 1998, S.18)

Abbildung 2: Typische Reaktion eines Kindes, das fremdelt (Quelle; Spitz, René, 1996, S. 167)

[...]


[1] Reid/Trowell, 1997, S. 183

[2] Vgl. Kosubek, 1997, S. 9

[3] Vgl. Suer, 1998, S. 12

[4] Vgl. Kosubek, 1997, S. 10

[5] Suer, 1998, S. 7

[6] Vgl. Kosubek, 1997, S. 13

[7] Zulliger, 1966, S. 71

[8] Vgl. Kosubek, 1997, S. 13ff

[9] Zulliger, 1966, S. 14

[10] Quelle: Suer, 1998, S. 18

[11] Vgl. Suer, 1998, S. 18

[12] Vgl. Niederle/Weninger, 1992, S. 10

[13] Niederle/Weninger, 1992, S. 8

[14] Vgl. Niederle/Weninger, 1992, S. 10 ff

[15] Vgl. Du Bois, 1996, S. 50

[16] Vgl. Spitz, 1996, S. 167

[17] Suer, 1998, S. 19

[18] Vgl. Spitz, 1996, S. 167ff

[19] Quelle: Spitz, 1996, S. 167

[20] Vgl. Du Bois, 1996, S. 50f

[21] Vgl. Du Bois, 1996, S. 51ff

[22] Vgl. Niederle/Weninger, 1992, S. 26f

[23] Vgl. Du Bois, 1996, S. 64ff

[24] Vgl. Du Bois, 1996, S. 71

[25] Vgl. Niederle/Weninger, 1992, S. 26

[26] Vgl. Zulliger, 1966, S. 70

[27] Niederle/Weninger, 1992, S. 78

[28] Vgl. Niederle/Weninger, 1992, S. 79

[29] Vgl. Zulliger, 1966, S. 167

[30] Vgl. Kosubek, 1997, S. 16

21 von 22 Seiten

Details

Titel
Was für Ängste erlebt ein Kind bereits im Säuglings- und Kleinkindalter
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Seminar
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V108592
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kind, Säuglings-, Kleinkindalter, Seminar
Arbeit zitieren
Michaela Gmeiner (Autor), 2003, Was für Ängste erlebt ein Kind bereits im Säuglings- und Kleinkindalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108592

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