Die Buchzensur unter Francisco Franco in Spanien


Seminararbeit, 2004

22 Seiten, Note: sehr gut


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1. Begriffsdefinition Zensur
1.2. Francos Machtübernahme

2. Der Beginn der Zensur in Spanien – die Zensur von 1939-1951
2.1. Historischer Überblick
2.2. Beginn der Zensur
2.3. Zensur und Kirche
2.4. Die Legitimierung der Zensur
2.5. Ein Phänomen der Zensur – die Selbstzensur
2.6. Die Kontrollinstanzen
2.7. Die Verwaltung der Zensur
2.8. Die Buchzensur

3. Die zweite Epoche – die Zensur von 1951-1966
3.1. Historischer Rückblick
3.2. Die Buchzensur

4. Die letzte Phase der Franco-Diktatur – die Zensur von 1966-1975
4.1. Historischer Überblick
4.2. Die Verwaltung der Zensur
4.3. Die Buchzensur

5. Die Zensur übersetzter Werke

6. Die Zensur von Kinderliteratur
6.1. Die Zensurpraxis der Junta
6.2. Die Zensur ab 1967

7. Ein Beispiel für die Zensur – Tom Sawyer
7.1. Tom Sawyer in Spanien von 1938 bis 1956
7.2. Die Zensur von Tom Sawyer ab 1957

8. Zusammenfassung

Bibliographie:

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist der Versuch, die Zensurgeschichte jener Diktatur darzustellen, die in Europa einzigartig war. Vierzig Jahre lang wurde Spanien von einer einzigen Person regiert – Francisco Franco. Seine Persönlichkeit war fraglos ein bedeutender Faktor dafür, dass ein einziger Mann die Fäden eines Staates, beinahe ohne Widerstand anderer Staaten so lange in der Hand halten konnte. Francos Versuch, Spanien möglichst lange von fremden Einflüssen abzuschotten, begründete den Erfolg seiner Herrschaft, sowie die Verfolgung der Opposition und dem Verbot der freien Meinungsäußerung.

Die Zensur stellte für Franco ein Organ für die Kontrolle der Meinungen, und somit der Gesellschaft Spaniens dar und somit auch eine Festigung seiner Position.

Thema der Arbeit ist es, einen Überblick über die Zensurpraxis während der Franco-Ära, unter Einbeziehung der historischen Hintergründe, durch die die Wandlungen in der Zensurpraxis nachvollziehbarer gemacht werden sollen.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Buchzensur.

Der persönliche Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Zensur übersetzter Literatur in Spanien – im Besonderen der übersetzten Kinderliteratur, wofür Mark Twains Tom Sawyer als Beispiel herangezogen wird.

1. Einleitung

1.1. Begriffsdefinition Zensur

Zensur, vom lateinischen censere – beurteilen, bedeutet eine Art der Kontrollausübung und Überwachung von Veröffentlichungen und Meinungsäußerungen durch den Staat oder auch eine nichtstaatliche Institution. Zensur wird und wurde vor allem in totalitären Staaten als Machtmittel eingesetzt, um die Verbreitung nichtkonformer Meinungen zu verhindern. In solchen Staaten unterliegt das öffentliche Kommunikationssystem der staatlichen Kontrolle oder befindet sich in staatlichem Besitz während in demokratischen Staaten das Recht auf Pressefreiheit in der Verfassung verankert ist.[1]

1.2. Francos Machtübernahme

Der spanische Bürgerkrieg begann mit einem von Francisco Franco initiierten Militärputsch am 17. Juli 1936 und weitete sich rasch auf ganz Spanien aus. Durch die militärische Überlegenheit Francos brachte er rasch große Teile Spaniens unter seine Herrschaft.

Im April 1937 schloss Franco alle sympathisierenden Parteien in der faschistischen Falange zusammen, deren Führung er selbst übernahm.

Am 28. März 1939 gelang es Franco schließlich die Hauptstadt Madrid einzunehmen und er erklärte in der Folge den spanischen Bürgerkrieg am 1. April für beendet.

2. Der Beginn der Zensur in Spanien – die Zensur von 1939-1951

2.1. Historischer Überblick

Obwohl man bei der Diktatur Francos nicht von einem faschistischen System sprechen kann, so war die frühe Phase des Franquismus durchaus vom Faschismus geprägt. Dies ist nicht zuletzt auf den Einfluss der faschistischen Falange zurückzuführen, welche dem Regime Francos eine Ideologie verlieh, welche sich eng an den Idealen des italienischen Faschismus orientierte. Dennoch war der Faschismus nicht die einzige Ideologie im frühen Franquismus. Durch dieses Vertrauen Francos in verschiedene Gruppierungen, welche teilweise auch konkurrierten, konnte man seinen Führungsstil als „autoritär“ bezeichnen.

Regimegegner – vor allem liberale Oppositionelle – wurden festgenommen und exekutiert. Angestrebt wurde eine ultrakonservative Politik, welche sich am Spanien des 17. Jahrhunderts orientierte. Besonders hochgehalten wurden im Franquismus die Ideale Gott, Vaterland und Familie.

Doch das Regime hatte auch mit Problemen zu kämpfen. Eines der größten Probleme war der Hunger. Schwarzmarkt und Korruption blühten, und an den Rändern der größeren Städte bildeten sich Slums. Kurz gesagt: die Lebensqualität ließ zu wünschen übrig.

Die Situation änderte sich erst nach dem Sieg der Alliierten, zu Beginn der 50er Jahre, dadurch, dass Spanien der Beitritt zur UNO verwehrt wurde und sich nun gänzlich vom Ausland isoliert sah.

Franco drängte die Falange zurück und Spanien wurde zum „katholischen und sozialen Rechtsstaat“[2] deklariert.

Doch dieser Wechsel im Führungsstil führte zu Widerstand – besonders in den Reihen der Falangisten, welche sich ihrer Illusion eines faschistischen Staates beraubt sahen. Einer davon war Dionisio Ridruejo, Francos Propaganda-Chef.

Auch unter den Monarchisten regte sich Widerstand gegen Francos Regime.

Doch aller Widerstand blieb ohne Erfolg und schließlich etablierte sich das Regime.

2.2. Beginn der Zensur

Die Wurzeln der Zensur unter Francisco Franco liegen schon im spanischen Bürgerkrieg, denn ab dem 18. Juli 1936, also einen Tag nach dessen Beginn, wurde in der so genannten „política de comunicación“ die Vorzensur für alle zur Veröffentlichung vorgesehenen Medien festgeschrieben.

Im Pornographie-Gesetz, welches im Dezember 1936 erlassen wurde, ließen sich klar die Tabuthemen des Regimes, welche bis zum Tode Francos gelten sollten, herauslesen: „…the early censorship bear the characteristic stamp of National-Catholic ideology, proscribing pornography specifically and immorality generally, along with attacks on the Church, the army and national unity.“[3]

Ebenso wie in Deutschland gab es Buchsäuberungen, die jedoch nicht so umfangreich waren. Die Buchsäuberungen beruhten vor allem auf der Basis des so genannten „blauen Katalogs“ verbotener Werke. Dieser blaue Katalog war zunächst noch unvollständig und wurde immer wieder durch die Praxis der Buchzensur von den Zensoren ergänzt.

2.3. Zensur und Kirche

Von Beginn an unterstützte die Kirche das franquistische Regime mit seiner konservativen Ideologie. Dies garantierte der Kirche umfangreiche Privilegien bei den Zensurbehörden.

Ab etwa 1950 bedeutete dies, dass die Kirche ohne große Probleme, mäßige Kritik am Regime üben „durfte“.

Um sich die Unterstützung der Kirche zu sichern, räumte Franco ihr zunehmend mehr Freiheiten. So waren zum Beispiel die Veröffentlichungen der Kirche – wie zum Beispiel die Zeitschrift Ecclesia von der staatlichen Zensur ausgenommen. Weiters verfügte die Kirche über ein Vetorecht „bei allen Publikationen, die als zuwider der katholischen Moral und dem katholischen Dogma erachtet wurden.“[4], eine eigene Presseagentur – LOGOS und eigene Zensurorgane, wie beispielsweise das Secretariado de la Comisión Episcopal para la Doctrina de la Fe.

2.4. Die Legitimierung der Zensur

Diese erfolgte am 22. April 1938 durch ein von Franco eingeführtes „Pressegesetz“, welches erst 1966 erneuert wurde, aber darauf möchte ich später zu sprechen kommen. Zwischen 1938 und 1966 wurden immer wieder Verordnungen erlassen durch welche die Zensurbestimmungen abgeändert wurden.

Um eine uneingeschränkte Kontrolle der Presse zu gewährleisten, rief Franco die Nationale Presse- und Propaganda-Delegation ins Leben. Selbige gliederte sich in den Radiodienst, den Pressedienst und den Propagandadienst, zu welchem auch die Buchzensur zählte.

Von nun an benötigten sämtliche Druckwerke die staatliche Erlaubnis. Im Pressegesetz wurde die Vorzensur verpflichtend festgeschrieben. Im Rahmen der Vorzensur wurden Manuskripte, Drehbücher und anderes zensiert und ein Dossier dazu angelegt, in dem die Zensoren Änderungen und Streichungen weitergaben.

Häufig kam es dann auch noch zu einer zweiten Nachzensur, wobei das fertige Produkt - das Buch oder der Film - noch einmal überprüft wurde.

2.5. Ein Phänomen der Zensur – die Selbstzensur

Die Angst davor, zensuriert zu werden, veranlasste viele Autoren dazu entweder „durch Selbstzensur oder durch die Entwicklung einer speziellen Schreib- und Denkweise von vornherein dafür zu sorgen, daß der staatlichen Zensur möglichst wenig Angriffsfläche geboten wurde.“[5] Die Schriftsteller mussten also dafür sorgen, das was sie tatsächlich sagen wollten, so in ihren Werken „einzubauen“, dass es für die Zensoren unmöglich war, die eigentliche Botschaft zu erkennen, sondern nur für die jeweiligen Leser. Ein Mittel dafür ist, eine besonders vielschichtige Symbolik zu verwenden.

2.6. Die Kontrollinstanzen

Die Zensoren waren Männer aus den verschiedensten Berufsgruppen. Die Zensorentätigkeit übten sie zumeist nur als Zweitberuf aus, da der Beruf des Zensors nicht besonders gut bezahlt wurde. Die Bezahlung erfolgte durch ein bestimmtes Honorar pro begutachtetem Werk.

Das Zensursystem war hierarchisch aufgebaut. Man begann als einfacher Zensor, und konnte auf der „Karriereleiter“ vom Behördenchef zum Generaldirektor für Buchzensur oder sogar zum Informationsminister aufsteigen.

Zensiert wurde von ihnen alles, was zur Veröffentlichung bestimmt war. Dies ging vom Sportbericht über den Roman bis hin zu Lyrikbänden und Theaterstücken. Kein Schriftstück, das für die Öffentlichkeit gedacht war, blieb von der Zensur verschont.

Medien, welche nach Ansicht Francos besondere Wirkung auf die Öffentlichkeit hatten, wurden häufig sogar zweifach kontrolliert.

Am stärksten kontrolliert wurde die Presse, und auch für Theaterstücke und Filme wurden nicht selten zehn bis zwanzig Zensoren eingesetzt.[6]

Für die Buchzensur waren etwa 30 Mitarbeiter zuständig, davon waren einige fest angestellte Beamte, andere hingegen freie Mitarbeiter.

Durch die große Anzahl an Büchern, welche zensiert werden mussten, konzentrierten sich die Zensoren häufig nur auf bestimmte Schlüsselbegriffe. Dadurch waren die Zensurgutachten häufig lückenhaft, was aber wiederum den Autoren die Möglichkeit gab, durch das Vermeiden bestimmter Begriffe eher der Zensur zu entgehen.

Dass die Zensoren aber dennoch nicht nachlässig arbeiteten, zeigte sich daran, dass ihnen kein Werk entging, welches der Diktatur ernsthaft gefährlich werden hätte können.

2.7. Die Verwaltung der Zensur

Von 1939 – 1941 war die Zensur dem Informationsministerium unterstellt. Ab 1942 wurde die Zensur offiziell von der Falange durchgeführt. Die neue Behörde trug den Namen Vicesecretaria de Educacíon Popular. 1942 entließ Franco alle falangistischen Zensurchefs und die Zensur war von nun an - bis 1951 Aufgabe des Bildungsministeriums, welches vom Katholizismus dominiert wurde.

Ab 1951 übernahm das Ministerium für Information und Tourismus die Zensurtätigkeiten. An der Kombination des neuen Ministeriums lässt sich bereits eine Neuorientierung Spaniens erkennen – weg vom Faschismus, hin zu einem beginnenden Massentourismus.

2.8. Die Buchzensur

Wie schon oben erwähnt legte das Pornographie-Gesetz vom 23. Dezember 1936 schon während des Krieges die Tabus fest, welche bis zum Tode Francos für das Regime gelten sollten. Die Buchhändler und Verleger hatten die Aufgabe, sämtliche Werke mit „zersetzendem“ Inhalt abzuliefern.

Sämtliche Werke, die das System kritisierten, wurden streng verfolgt.

Geprägt wurde diese frühe Phase der Buchzensur sowohl von der Kirche als auch vom Militär, welche Anweisungen an die Zensurbehörden schickten.

Wie groß die Macht der Kirche im Bereich der Buchzensur tatsächlich war, zeigt sich im Folgenden:

Wie die Zensurgutachten erkennen lassen, bestand

Das Gros der Literatur in den 40er Jahren aus sakralen

Werken, historischen Heldenromanenunpolitischen

Liebesromanzen und biederen Familiengeschichten.[7]

Nun möchte ich auf die Themenbereiche zu sprechen kommen, die zu Zensur führten:

- Die Darstellung der spanischen Geschichte, denn die Helden der Geschichte mussten völlig makellos dargestellt werden.
- Darstellungen der zweiten Republik und des spanischen Bürgerkrieges, welcher als Befreiungskrieg für Spanien anzusehen war.
- Feindbilder des Franquismus, welche zum Beispiel der Sozialismus, Anarchismus oder Kommunismus waren und als Wurzel alles Bösen angesehen wurden, da sie angeblich die traditionellen Werte verachteten. Außerdem sollte die spanische Einheit gewahrt werden, was unter anderem zum Verbot der spanischen Nationalsprachen im Jahr 1939 führte.
- Kritik an den Verbündeten des Franquismus (zum Beispiel Deutschland und Italien)
- Darstellungen der Wirklichkeit: Diese mussten unpolitisch, harmlos und positiv sein, also dem Moralbild des Franquismus entsprechend.
- Kritik an der aktuellen Politik des Regimes
- Moralische Verstöße, wie zum Beispiel: Angriffe auf die katholische Kirche – Martin Luthers oder Calvins Werke waren verboten, und Ähnliches. Auch Darstellungen von Sexualität oder allgemein unmoralischen Handlungen, wie Ehebruch, Selbstmord, usw.

Kurz gesagt wurden also sämtliche Verstöße gegen die guten Sitten, besonders gegen die „moral sexual“ sowie Verstöße gegen die Kirche und die politischen Grundsätze des Regimes geahndet.[8]

Aber es gab auch noch andere Mittel, um die Anzahl an Publikationen zu beeinflussen, wie zum Beispiel die Limitierung der Höhe der Auflage, die Papierzuteilung oder die Zuteilung von großen oder kleinen Kinosälen.

3. Die zweite Epoche – die Zensur von 1951-1966

3.1. Historischer Rückblick

Die Aufnahme Spaniens in die Weltgemeinschaft führte zu Veränderungen im Regime. Das Land war von nun an nicht nur integriert, sondern Francos Regime wurde auch anerkannt, was sich in einem Stützpunktabkommen mit den USA zeigte, sowie daran, dass nun Spanien Anleihen an amerikanischen Banken gewährt wurde.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung – die 50er Jahre werden auch die Jahre des spanischen Wirtschaftswunders genannt – wurde Spanien der Aufstieg zu einer Industriegesellschaft ermöglicht.

Doch trotz dem Aufwärtstrend der spanischen Wirtschaft gab es noch immer soziale Probleme. Die Preise stiegen, die Löhne der Arbeiter wurden jedoch von der Regierung an die neuen Preise angepasst, was vielerorts zu Streiks führte.

Die 60er Jahre waren für Franco allgemein von Unruhen geprägt. Die unterdrückten ethnischen Gruppen der Katalanen und Basken zeigten zunehmend Widerstand gegen das Regime. Katalonien forderte die Bewahrung seiner Nationalsprache entgegen den Bestimmungen Francos und die Basken formierten sich in der Untergrundorganisation ETA (Abkürzung für Euzkadi Ta Azkatasuna – Baskenland und Freiheit) gegen die systematische Unterdrückung ihrer Minderheit durch Francos Regierung.

Zudem verlor Franco auch die Unterstützung der katholischen Kirche, welche sich immer stärker der Opposition zuwendete.

3.2. Die Buchzensur

Geprägt wurde diese Phase der Buchzensur vor allem von den nationalkatholischen Ideologien. Doch die Kirche besaß eine eigene Zensurbehörde – nur Bücher mit „Nihil obstat“ durften bedenkenlos gelesen werden. Zwischen 1944 und 1954 erschien die katholische Zeitschrift „Ecclesia“, welche von der staatlichen Zensur ausgenommen war und Bücherbewertungen abdruckte.

Feindbilder des Franquismus blieben weiterhin der Liberalismus, Sozialismus, Marxismus, usw.

Doch die Zensurkriterien für die Medien hatten sich bereits geringfügig geändert:

- Während Angriffe auf die Politik des Regimes immer noch verboten waren, war es hingegen erlaubt, Kritik an den ehemaligen Verbündeten Francos zu üben.
- Angriffe auf die Moral waren untersagt, mit einer Ausnahme jedoch: wissenschaftliche Abhandlungen zum Beispiel über Sexualität oder Homosexualität waren von nun an erlaubt, insofern sie keine „obszönen Tabuwörter“ enthielten und in keiner Weise die Moral der Kirche angriffen.
- Unmoralische Handlungen, wie Diebstähle oder Selbstmord wurden ebenfalls nicht mehr zensuriert, jedoch fanden Werke mit Helden, die einen allzu „auffällig freizügigen Lebenswandel führten“[9] keinen Einzug in die Literatur.
- Angriffe auf die katholische Religion waren zwar verboten, dennoch wurden kritische Werke auf wissenschaftlicher Basis genehmigt. Kritik an der Institution Kirche wurde jedoch aus den Werken gestrichen.
- Jegliche Angriffe auf Gruppen des Regimes blieben auch weiterhin tabu. Während jedoch früher das ganze Buch verboten wurde, so wurden nun nur noch einzelne Stellen gestrichen.
- Nicht mehr zensiert wurde außerdem ab 1961 die literarische Qualität der Werke.

4. Die letzte Phase der Franco-Diktatur – die Zensur von 1966-1975

4.1. Historischer Überblick

In den 60er Jahren divergierten die Bestrebungen Francos, einerseits durch eine Öffnung, die als notwendig erschien, andererseits war es den Franquisten wichtig, bestimmte Grundprinzipien weiterhin zu erhalten.

Weiters vollzog sich in den 60ern ein Wandel in der Bevölkerung – das Bildungsniveau stieg und es gestaltete sich immer komplizierter, das Volk in Unmündigkeit zu halten.

Im November 1966 wurde schließlich ein Staatsorgangesetz erlassen. Dieses beinhaltete unter anderem die Religionsfreiheit und eine Änderung im Arbeitsrecht.

1969 setzte Francisco Franco seinen Nachfolger fest: Prinz Juan Carlos de Borbón.

4.2. Die Verwaltung der Zensur

Bis 1969 hielt der Informationsminister Fraga Iribarne die Fäden der Zensur in Spanien in der Hand. Fraga Iribarne zeichnete sich, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, durch eine liberalere Einstellung aus und verneinte stark reaktionäre Merkmale der Zensur.

Ab 1969 übernahm dann Alfredo Sánchez Bella die Führung des Zensurapparates, was durch die ultrakonservative Art Bellas zu einer erneuten Zunahme an Streichungen führte und daraus resultierten wiederum Konflikte mit den Autoren der Werke.

So führte der rasche Wechsel der Führung des Zensurapparates dazu, die bereits instabile Situation der Zensur weiter ins Schwanken zu bringen.

Der letzte Zensurchef unter Franco war Miguel Cruz Hernández, der jegliche Vorzensur ablehnte und die Verleger aufforderte, nicht mehr von der „freiwilligen Konsultation“ Gebrauch zu machen.[10]

Die Zensurrate sank, deshalb wurden jedoch viele Bücher ganz beschlagnahmt. Beanstandete Werke wurden fast gar nicht mehr geahndet.

4.3. Die Buchzensur

Die letzte Phase der Buchzensur zeichnete sich unter anderem durch eine größere Toleranz bei moralischen und sexuellen Themen aus. Selbstverständlich blieben Angriffe auf das Regime jedoch weiterhin verboten.

Außerdem durften nun Werke von Exilautoren – zensiert natürlich, gedruckt werden.

Im Jahre 1966 wurde schließlich ein neues, angeblich liberales, Pressegesetz erlassen, in dem zum Beispiel die Umwandlung der Vorzensur (consulta previa) in eine consulta voluntaria – eine freiwillige Vorzensur festgeschrieben war. „De facto änderte das aber nichts, weil sich die Behörde nach wie vor die letzte Entscheidung vorbehielt und weil niemand das Risiko eingehen wollte, es auf diese letzte Überprüfung ankommen zu lassen.“[11]

Die Zensurkriterien für die letzte Phase von Francos Diktatur waren folgende:

- Zensiert wurden Angriffe auf die politischen Grundsätze, aufgehoben wurde jedoch
- die Pflicht zur Verherrlichung der spanischen Geschichte.
- Weiters wurden teilweise fiktionale Texte zum Thema des spanischen Bürgerkrieges geduldet (zum Beispiel: J. M. Gómez Talaveras A Concise History of Spain).
- Neue Feindbilder waren vor allem nationalistische Schriften der Katalanen und Basken.
- Die Angriffe auf die katholische Kirche erfuhren eine Zensurschwächung, es wurden nur noch etwa ein Drittel der Verstöße verfolgt.
- Angriffe auf die Moral wurden nur noch selten zensiert, allerdings wurden nun in Trivialromanen versteckte Erotikszenen, welche in der zweiten Zensurepoche erlaubt – oder aber auch nicht als solche „entdeckt“ worden waren - nun als illegale Pornographie verboten.
- Angriffe auf Institutionen und Gruppen des Regimes wurden mit Beginn der 70er Jahre wieder strenger zensiert.

Weiterhin gab es – wie in jeder Phase des Zensursystems unter Franco zu jedem Buch eine Akte mit dem Zensurgutachten.

Nur noch 43 Prozent der Verstöße, egal ob Streichungen oder Verbote wurden tatsächlich geahndet (1961 waren es noch 63 Prozent gewesen)[12]

5. Die Zensur übersetzter Werke

Zu den Ideologien des Franquismus gehörte aber auch nicht zuletzt die Fremdenfeindlichkeit. Diese Tatsache beruht vor allem auf dem Gedanken, ein einheitliches, starkes Spanien zu schaffen, was zum Beispiel, wie schon oben erwähnt im Verbot der Nationalsprachen zu tragen kam.

Besonders im frühen Franquismus fielen so viele Werke, die nicht dieser Ideologie entsprachen, der Zensur zum Opfer – und dies betraf unter anderem viele ausländische Werke. Dennoch oblag die letzte Entscheidung, ob ein Werk Francos Ideologie entsprach oder widersprach dem persönlichen Ermessen des Zensors. Dadurch ist es sehr schwierig, eine einheitliche Basis für die Zensur übersetzter Werke festzulegen.

Übersetzungen gab es vor allem bei Werken aus Sub-Genres, wie etwa Detektivromane. Immer wieder wurde von den Institutionen des Franquismus versucht, den Lesern die patriotische Literatur spanischer Autoren ans Herz zu legen. Der Kopf der Seccion de Oidenación Bibliographica, Miguel Herrero hielt so zum Beispiel ein Plädoyer für eben solche Literatur bei der nationalen Buchmesse 1942.

Außerdem wurde versucht, durch Preise oder Förderungen, die spanischen Autoren dazu zu bringen, sich den Genres, aus denen es vorwiegend Übersetzungen gab, zuzuwenden.

Die Werke sollten von hoher Qualität sein, um den Ansprüchen Herreros zu genügen. Doch er konnte nicht allzu lange an seinen Idealen festhalten. Schon 1945 kam es zu einem Boom an Comic-Büchern, die beinahe ohne pädagogischen Wert waren und von geringerer Qualität waren.

Um diese Tatsache zu rechtfertigen, wurde versucht einen anderen Vorteil an den Comic-Büchern zu sehen: „reading such texts may at least implant the habit of reading in the young, and serve as an introduction to more substantial fare.“[13]

Schon daran, dass die Comic-Bücher überhaupt zum Verkauf freigegeben wurden, zeigt auch die Tendenz Spaniens zu einem offeneren Markt.

Ein Beispiel aus dem Angebot von Comics zu dieser Zeit ist El Coyote, eine Westernserie von José Mallorquí mit spanischen Helden. Erschienen von 1944 bis 1951 in 130 Ausgaben.

Besonders Übersetzungen aus dem Englischen gewannen von 1942 an mehr und mehr an Beliebtheit. Die Anzahl der Übersetzungen stieg bis 1945 stetig an (von 16% im Jahr 1942 auf 35%), erlebte 1946 schließlich einen kleinen Einbruch (nur noch 31%), ließ sich dadurch aber nicht stoppen und stieg bereits 1948 (32%) wieder an.[14]

6. Die Zensur von Kinderliteratur

Zuerst ein kleiner Einblick in die Sicht des Kindes während dem Franquismus:

[…] the child is he perfect embodiment of the regimes’

pledge to herald a new beginning, for the child represents

both the abscense of past and the promise for the future.

At the same time, the child symbolizes regeneration, and

therefore continuation, and so represents not merely

newness, but the perennial renewal of the old.[15]

Zu Beginn von Francos Diktatur gab es keine eigenen Gesetze für Kinderliteratur. Im Pressegesetz von 1938 gab es nur vage Vorschriften für die Beurteilung von Kinderliteratur. Klar war jedoch, dass sie einen erkennbaren erzieherischen Wert haben sollten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder vor „falschen“ Ideologien und Weltanschauungen ferngehalten wurden.

Durch die Veränderungen des Regimes – weg vom Faschismus – und die Einrichtung des Ministeriums für Information und Tourismus wurde ein neuer Zensurapparat, eigens für die Kinderliteratur mit dem Namen Junta Asesora de Prensa Infantil ins Leben gerufen, welche Zensurrichtlinien für Kinderliteratur festlegte. Erwähnt werden sollte jedoch auch, dass es der Junta erlaubt war, jedes beliebige Buch als Kinderliteratur zu deklarieren.

6.1. Die Zensurpraxis der Junta

Eingeteilt wurde die Zensur in Kategorien, die ich nun einzeln kurz erläutern möchte.

- Religion

Verboten waren alle Angriffe auf den Klerus, das Dogma oder Rituale der katholischen Kirche, ebenso wie Anspielungen auf andere religiöse Konfessionen.

- Sexualität

und unmoralische Handlungen wie Scheidung, denn die Ehe wurde als „purely spiritual union in the sight of God“[16] angesehen waren ebenso verboten.

- Gesellschaft und Verhalten

Verbrechen und andere „krankhafte“ Taten des menschlichen Charakters wurden aus der Kinderliteratur verbannt.

- Ironie

Ironie oder Satire waren nicht mit der franquistischen Ideologie vereinbar.

6.2. Die Zensur ab 1967

Im Jahr 1967 gab es einige Änderungen in der Zensur von Kinderliteratur – durch das Pressegesetz von 1966. Im Gegensatz zur Literatur für Erwachsene blieb bei der Kinderliteratur die verbindliche Vorzensur jedoch erhalten. Im wesentlichen waren die neuen Vorschriften jedoch nur eine Vereinfachung der Vorschriften von 1956.

7. Ein Beispiel für die Zensur – Tom Sawyer

7.1. Tom Sawyer in Spanien von 1938 bis 1956

Die Zensur von Mark Twains Tom Sawyer in Spanien begann Ende 1941.

Die erste Ausgabe des Werkes von Espasa Calpe wurde für seine literarische Qualität gelobt.

Überhaupt war Tom Sawyer in der frühen Periode des Franco-Regimes unheimlich beliebt. Die Edition, die von Marco veröffentlicht wurde – eine Ausgabe, die das Werk beinahe bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht: „Satire is eliminated […], the social milieu in which the narrative unfolds are transposed into bland pictures“[17] – und mit damals sehr beliebten Comic-Graphiken ausgestattet war, konnte ohne Probleme mit den Zensoren veröffentlicht werden.

Später wurden solch radikale Adaptionen eine gängige Form der Veröffentlichung von Tom Sawyer.

In dieser Phase der Zensur wurde das Werk jedoch in den wenigsten Fällen als Kinderliteratur angesehen. Eine der wenigen Ausgaben, in denen betont wird, dass es sich um Literatur für Kinder handelt, ist die von Nausica: „This ist he only case in the period before 1957 in which a full-length edition of the work is openly referred to as a children’s book.“[18]

Diese Übersetzung wurde später auch von anderen Herausgebern benutzt, allerdings von den Zensoren nicht als Kinderliteratur angesehen.

Daran erkennt man, wie willkürlich die Entscheidung, ob es sich bei einem Werk um Kinderliteratur handelt oder nicht, damals war. Diese Entscheidung oblag dem Verlag, dem Zensor oder beiden.

Erst in der späteren Zensurperiode wurde Tom Sawyer beinahe ausschließlich zur Kinderliteratur gezählt, aber darauf möchte ich später noch genauer zu sprechen kommen.

Wie bereits erwähnt, war das Werk Tom Sawyer ein sehr beliebtes. Zwischen 1943 und Mitte 1957 kamen so 16 Ausgaben des Werkes zur Zensur. Einige Beispiele dafür sind: Die Edition von Molino, 1943 oder die katalanische Ausgabe von Cruzet im Jahr 1952.

Ab 1954 wurde ein eigener Zensurapparat für Kinderliteratur eingerichtet. Von nun an ignorierten die Zensoren vielfach die Bewertung, ob Tom Sawyer nun ein Werk für Kinder sei, oder nicht. Ab diesem Zeitpunkt wurden viele Ausgaben überhaupt danach bewertet, dass es in einer vorherigen Ausgabe bereits freigegeben worden war: „After the first six editions, therefore, the great majority of censorship documents relating to Tom Sawyer include a reference to a previous censorship report […]“.[19]

Und das, obwohl die Werke eigentlich unabhängig voneinander hätten bewertet werden sollen. Es erwies sich jedoch einfach als sehr praktisch, auf ein vorhergegangenes Werk zurückzugreifen.

7.2. Die Zensur von Tom Sawyer ab 1957

Zwischen 1957 und 1980 wurden unglaubliche 51 Anträge zur Veröffentlichung einer Version von Tom Sawyer gestellt.

Durch die Ausgabe Ferma, welche 1957 als Kinderliteratur klassifiziert wurde, setzte sich nach und nach die Bezeichnung des Werkes als Literatur für Kinder durch.

Ende der 50er Jahre wurden schließlich vom Regime eigene Normen für die Zensur von Kinderbüchern eingeführt. Dies führte jedoch auch zu Problemen – unter anderem auch bei der Zensur von Tom Sawyer. Erstens stellt sich nun die Frage, ob die einzelnen Ausgaben für Kinder geeignet sind, oder eben nicht und – wenn sie zur Kinderliteratur zählen - ob sie den Normen für die damalige Kinderliteratur entsprachen.

Eine dieser Normen ist zum Beispiel, dass die Ausgaben für Kinder, bis auf seltene Ausnahmen, die Kussszene zwischen Tom und Becky, nicht enthalten, und somit von den Zensoren oft gestrichen wurden (zum Beispiel in Ausgaben von Ferma, Juvetud 1957 und 1966 – in der Version von 1966 ist der Kuss enthalten und S opena – der erste Versuch zur Veröffentlichung war 1958), zumindest ab dem Zeitpunkt, ab dem Tom Sawyer als Kinderliteratur angesehen wurde. In einer Edition wurde sogar jegliche romantische Verbindung zwischen Tom und Becky „abgeschafft“. Frühere Ausgaben für Erwachsene dagegen enthielten die Kussszene: „[…] it suggests that the mere portrayal of children kissing was not itself objectionable in a work of fiction for adults.“[20]

Ebenso verboten für ein Kinderbuch war die Szene, in der Tom und Huck nackt im Mississippi herumtollen.

Ab März 1960 durfte die FHER -Edition publiziert werden. Diese Version, mit nur 64 Seiten Umfang war zwar explizit für Kinder gedacht, enthielt aber trotzdem die Kussszene. Die FHER -Edition existierte später auch als Reprint.

Ebenfalls 1960 erschien nun endlich eine Ausgabe von Sopena, übersetzt von María Alfaro – die erste Übersetzung des Werkes von ihr war bei Aguilar 1948 erschienen.

Durch diesen Umstand hatte das Werk keinerlei Probleme mit der Zensur.

Besonders spektakulär erscheint die Zensurgeschichte einer Ausgabe von Ferma, die 1963 zur Zensur eingereicht wurde. In Erwartung eines positiven Zensurberichts und somit einer Erlaubnis zur Veröffentlichung waren bereits vor der Zensur des Werkes 6000 Stück gedruckt worden. Doch es kam anders: „For the first time in the Franco era, therefore, permission to publish an edition of Tom Sawyer was apparently denied outright.“[21]

Später im Jahre 1963 wurde das Werk abermals zur Zensur eingereicht. Diesmal mit einer fertigen Druckkopie des Werkes. Der einzige Unterschied war, dass das Buchcover ein Aufkleber mit der Aufschrift „Lectura para Adultos“ zierte. Ein intelligenter Einfall. In dieser Form – als Werk für Erwachsene – wurde die Ausgabe nun erlaubt und Ferma musste lediglich die Buchcovers erneuern, was natürlich wesentlich billiger kam, als alle 6000 Stück der Auflage erneuern zu müssen, um den Inhalt der Zensur anzupassen.

1966 versuchte Juventud ein Reprint seiner 1957er Version aufzulegen. Doch im Gegensatz zum ersten Zensurreport wurde eine viel größere Anzahl an Passagen beanstandet.

Von 1967 bis 1973 wurde Tom Sawyer schließlich nur noch als Kinderliteratur angesehen und als solche zensiert.

8. Zusammenfassung

Der Zensurapparat Francos war ein bedeutender Bestandteil der Diktatur und stellte eine Voraussetzung für das lange Bestehen von Francos Herrschaft.

Zensur ist aber viel mehr als ein abgrenzbarer Begriff. Sie lenkt öffentliche Meinungen, verbreitet Ideologien und dient zur Verfolgung solcher Meinungen, die der Ideologie zuwider laufen.

Um einen lückenlosen Apparat der Kontrolle zu installieren, ist es notwendig, schon in den jüngsten Empfängern von Medien, den Samen des Regimes zu pflanzen und so neuen Nachwuchs zu „erziehen“, der die Ideologie weiter trägt und so zu deren Fortbestand beiträgt.

Zensur muss also schon in der Kinderliteratur ansetzen, um regimekonforme Kinder heran zu erziehen und so jeden Keim von Widerstand eigentlich schon an der Wurzel zu ersticken. So nimmt die Zensur einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft und ihre Entwicklung – von Anfang an.

Franco hatte allerdings auch einen entscheidenden Vorteil bei der Einführung seines Zensurapparates. Er musste nur die Zensursituation, welche vor der Einrichtung der Republik geherrscht hatte wieder aufgreifen, und diese an seine Vorstellungen anpassen, welche, wie oben beschrieben, während des Regimes häufig modifiziert wurden.

Ein weiterer wichtiger Faktor in Francos Zensurpolitik ist seine enge Verbindung zur katholischen Kirche. Sie hatte großen Einfluss auf die Inhalte, die vermittelt werden durften und unterstützte Francos Diktatur, der die „traditionellen Werte“ – Gott, Familie und Vaterland hochhielt.

Außerdem nahmen die beiden Pressegesetze von 1938 und 1966 nachhaltigen Einfluss auf die Zensur. Dennoch ließen beide Gesetze Freiraum zur eigenen Interpretation offen.

Die Zensur war allgegenwärtig – nichts, was veröffentlicht wurde, war nicht vorher durch die Hände der Zensoren gegangen. Die Zensur diente als eine Art „Volkserziehung“, um die Menschen mit Informationen und Inhalten zu „füttern“, die den Gedanken der Diktatur entsprachen.

In totalitären Systemen ist Zensur ein unumgänglicher Faktor, um die Macht über einen längeren Zeitraum in der Hand eines oder weniger Menschen zu erhalten. Nur wenn die Menschen in Unwissenheit über Tatsachen, die dem Regime schaden könnten gehalten werden, kommt es dazu, dass Widerstand gar nicht erst aufkeimt.

Die Zensur – und somit die Initiierung einer einzigen gängigen, besser, erlaubten Meinung ist ein sehr praktisches Instrument um ein Regime am Leben zu erhalten.

Die Zensur in Spanien ist ein Beispiel für Zensur über einen so langen Zeitraum, wie in Europa kein zweites existiert. Dies ist ein Zeichen dafür, dass – trotz der teilweise vagen Formulierung in den Pressegesetzen, der spanische Zensurapparat seinen Zweck fraglos meisterhaft erfüllt hat.

Besonders in der ersten Periode wurden Gegner des Regimes und Verstöße in den Medien so rigoros verfolgt, dass es bald kaum noch Gegner gab, oder diese kleine Opposition, sich abwartend auf einen besseren Zeitpunkt erfolgreich im Hintergrund gehalten hat.

Inzwischen ist die Zensur in Spanien – wie in den meisten anderen europäischen Ländern kein Thema mehr. Die demokratisch gewählte Regierung ist dazu verpflichtet, jede Form von Zensur zu verbieten. Durch die Anerkennung der Menschenrechte, wird jedem Mensch die freie Meinungsäußerung garantiert. Die Medien sollen kein Instrument dafür sein, Menschen im Ungewissen zu lassen, sondern sie zu informieren – und zwar so umfassend, dass jeder dazu in der Lage ist, sich seine eigene Meinung zu bilden.

Medien, besonders Bücher sollen kein Instrument sein, um Menschen zu unterdrücken, sondern um zu bilden und zu unterhalten.

Bibliographie:

Gabriele Knetsch: Bücherzensur und Umgehungsstrategien im Franquismus (1939-1975). Vervuert. Frankfurt am Main 1999.

Hans Jörg Neuschäfer: Macht und Ohnmacht der Zensur. Literatur, Theater und Film in Spanien (1933-1976). Metzler 1991.

Ian Craig: Children’s Classics under Franco. Censorship of the „William“ Books and The Adventures of Tom Sawyer. Peter Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien 2001.

Regine Schmolling: Literatur der Sieger. Der spanische Bürgerkriegsroman im gesellschaftlichen Kontext des frühen Franquismus. Vervuert. Frankfurt am Main 1990.

Petra Tischler: Die Zensur in Literatur und Film in Spanien unter Francisco Franco (1936-1965) mit besonderer Berücksichtigung der politischen Randbedingungen. Diplomarbeit. Wien 1997.

Andrea Rapp: Das Zensursystem der franquistischen Diktatur und seine Auswirkungen auf den Printmedienbereich. Diplomarbeit. Wien 1999.

Theresa Mayr: Untersuchungen zur Zensur in Spanien: Antonio Machados Juan de Mairena. Diplomarbeit. Wien 2002.

Petra Mühlbauer: Die Diktatur unter Franco und ihre Wirkung auf die Literatur dieser Zeit. http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/pos/10219.html. zuletzt aufgerufen am 09.02.2004.

Microsoft Encarta Professional. 2003.

[...]


[1] Siehe Microsoft Encarta Professional. 2003 zum Eintrag Zensur.

[2] Gabriele Knetsch, Die Waffen der Kreativen. Vervuert. Frankfurt am Main 1999. S. 68.

[3] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien 2001. S. 19.

[4] Andrea Rapp, Das Zensursystem der franquistischen Diktatur und seine Auswirkungen auf die Printmedien. Diplomarbeit. Wien, 1999. S. 56.

[5] siehe: Hans Jörg Neuschäfer, Macht und Ohnmacht der Zensur. Metzler. Stuttgart 1991. S. 42.

[6] siehe: Hans Jörg Neuschäfer, Macht und Ohnmacht der Zensur. Metzler. Stuttgart 1991. S. 43.

[7] Gabriele Knetsch, Die Waffen der Kreativen. Vervuert. Frankfurt am Main 1999. S. 81.

[8] siehe auch: Hans Jörg Neuschäfer, Macht und Ohnmacht der Zensur. Metzler. Stuttgart 1991. S. 43.

[9] Theresa Mayr, Untersuchungen zur Zensur in Spanien. Diplomarbeit. Wien 2002. S. 43.

[10] Gabriele Knetsch, Die Waffen der Kreativen. Vervuert. Frankfurt am Main 1999. S. 214.

[11] Hans Jörg Neuschäfer, Macht und Ohnmacht der Zensur. Metzler. Stuttgart 1991. S. 47.

[12] siehe: Gabriele Knetsch, Die Waffen der Kreativen. Vervuert. Frankfurt am Main 1999. S. 217.

[13] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 45.

[14] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 49.

[15] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 50-51.

[16] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 57.

[17] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 89.

[18] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 90.

[19] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 93.

[20] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 107.

[21] Ian Craig, Children’s Classics under Franco. Lang. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien. S. 111.

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Die Buchzensur unter Francisco Franco in Spanien
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
PS Vergleichende Sozialgeschichte der Literaturen: Literatur in Diktaturen. Formen literarischer Kommunikation in totalitären Strukturen.
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V108606
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buchzensur, Francisco, Franco, Spanien, Vergleichende, Sozialgeschichte, Literaturen, Literatur, Diktaturen, Formen, Kommunikation, Strukturen
Arbeit zitieren
Monika Salamon (Autor), 2004, Die Buchzensur unter Francisco Franco in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108606

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