Friedrich Schiller: "Die Jungfrau von Orleans" - Bezüge zur Geschlechterpolitik der Französischen Revolution


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 1,7


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Inhalt

1) Einleitung

2) Frauen in der Französischen Revolution
2.1) Die Revolutionärinnen: Olympe de Gouges und Théroigne de Méricourt
2.2) Marie Antoinette
2.3) Die Anklagen gegen die politisch aktiven Frauen in Art und Konsequenz

3) Bezüge zwischen der Geschlechterpolitik der Französischen Revolution und Schillers „Die Jungfrau von Orleans“
3.1) Die Frauentypen im Stück
3.2) Die Frauentypen vor dem Hintergrund der Geschlechterkämpfe der Französischen Revolution
3.3) Fazit der Frauenrollen

4) Schillers Intention

5) Schlussbetrachtung

6) Literatur

1) Einleitung

In einem Brief an Goethe formuliert Schiller am 05. Januar 1798 einen Grundsatz zur Stoffwahl für seine Dramen. Schiller schreibt in diesem Brief:

„Ich werde es mir gesagt seyn lassen, keine andre als historische Stoffe zu wählen, frey erfundene würden meine Klippe seyn.“[1]

Diesen Grundsatz berücksichtigt Schiller in den folgenden Jahren und so basieren seine „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orleans“ und „Wilhelm Tell“ allesamt auf historischen Stoffen.

Schillers historische Dramen sind allerdings nicht etwa nur Dramatisierungen geschichtlicher Vorgänge, die sich genau an die historischen Fakten halten, sondern er stellt eine weitere Maxime für seine dramatischen Werke auf, die er am 20. August 1799 in einem Brief an Goethe deutlich werden lässt:

Überhaupt glaube ich, daß man wohl thun würde, immer nur die allgemeine Situation, die Zeit und Personen aus der Geschichte zu nehmen, und alles übrige poetisch frei zu erfinden, wodurch eine mittlere Gattung von Stoffen entstünde, welche Vortheile des historischen Dramas mit dem erdichteten vereinigte.[2]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem 1801 verfassten und uraufgeführten Stück „Die Jungfrau von Orleans“, das, wie erwähnt, zu den historischen Dramen zu zählen ist. Die Maxime der Verarbeitung geschichtlicher Ereignisse mit poetisch frei erfundenen Elementen gilt somit auch für dieses Stück Bei der Rezeption des Stücks fallen viele Aspekte auf, die mit dem historisch belegten Verhalten der Jeanne d’Arc nichts gemein haben, wie z. B. dass „Jeanne d’Arc in ihrem Pro-zeß, wie Schiller bekannt war, unwidersprochen darauf bestand, nicht mit dem Schwert in die Schlacht gezogen zu sein, kein Blut vergossen zu haben“[3].

Auf den markantesten Punkt der Abweichung vom Original weist Linder hin:

Was im übrigen das Historische anbelangt, so hat sich Schiller, wie bekannt, mit keinem seiner klassischen Dramen so weit von den tatsächlichen Fakten entfernt wie mit der Jungfrau von Orleans, indem er das Ende der geschichtlichen Figur auf dem Scheiterhaufen in eine Apotheose der dichterischen auf dem Feld ummünzte. Verbürgt ist allerdings – von dem Bewußtsein ihrer göttlichen Sendung und den daraus abgeleiteten Handlungsmotiven einmal abgesehen – das Jungfräulichkeitsgelübde der Johanna, welches der Dramatiker dann ja zur Grundlage des tragischen Notwendigkeitsprinzips macht.[4]

Diese Abweichungen von den historischen Fakten in seinem Schauspiel entsprechen Schillers Maxime der Behandlung historischer Vorlagen voll und ganz. Doch warum nahm er gerade diese Veränderungen vor?

Für ‚seinen’ Tod der Johanna stellt sich die Frage nach der Intention, die Schiller mit dieser Abweichung von geschichtlichen Fakten verband – auch vor dem Hintergrund, dass Papst Kalixt III. das Urteil gegen Jeanne d’Arc 25 Jahre nach ihrer Hinrichtung widerrief.

Warum stirbt Schillers Johanna auf dem Schlachtfeld und nicht auf dem Scheiterhaufen? Warum lässt er sie überhaupt sterben in seinem Stück? Eine Abweichung von historischen Fakten hätte ja auch bedeuten können, dass Johanna die siegreichen Kämpfe unbeschadet übersteht und überlebt - gerade vor dem Hintergrund ihrer Rehabilitation durch Papst Kalixt III. Aber stattdessen bleibt Schiller teilweise beim tatsächlichen Geschehen und bedient sich so eines alten, in der Literatur bekannten Motivs bei der Ausgestaltung seiner Figur:

Die im Stück immer wieder betonte Jungfräulichkeit der Johanna lässt an die Römerinnen Lucretia und Virginia[5] als Frauenopferfiguren denken. Die Art und Weise, wie sie sich auf dem Schlachtfeld verhält, und ihre geradezu euphorische Stimmung, wenn sie ans Kämpfen denkt und während des Kampfes[6], erinnern an die Amazonen, die „dem Krieg so leidenschaftlich ergeben“ waren.[7]

Eine weitere Auffälligkeit des Stückes ist, dass sich in ihm viele Parallelen zwischen den weiblichen Charakteren und real existierenden Frauen zu Lebzeiten Schillers im benachbarten revolutionären Frankreich zeigen.

Diese Parallelen sollen aufgezeigt werden. Hierzu wird sich der erste Teil der Arbeit mit der Geschlechterpolitik während der Französischen Revolution am Beispiel Olympe de Gouges’, Théroigne de Méricourts und Marie Antoinettes auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund wird der Text von Schillers Drama dann in einem zweiten Teil auf Parallelen zu der Geschlechterpolitik durchleuchtet und interpretiert. Aufgrund der in diesem zweiten Teil gewonnenen Erkenntnisse sollen die oben formulierten Fragen in einem Schlussteil beantwortet werden.

2) Frauen in der Französischen Revolution

„Man sollte erwarten, daß die Revolution die Lage der Frau geändert hätte. Das trat aber nicht ein.“[8]

Dieses Resümee zieht Simone de Beauvoir hinsichtlich der Auswirkungen der Französischen Revolution auf die gesellschaftliche Stellung der Frau während der Ereignisse und nach ihrem Ende.

Gerade bei dem Marsch nach Versailles am 05.10.1789, also zu Beginn der Revolution, hatten Frauen noch eine große Rolle gespielt, waren sie doch Initiatoren dieses Ereignisses.

An diesem Tag zogen Tausende von Pariser Frauen [...] nach Versailles, um Brot und die Entlassung der Truppen zu verlangen. Und um den König nach Paris zu holen. [...]

Aus zeitgenössischen Berichten geht aber deutlich hervor, daß Frauen aller gesellschaftlichen Klassen dabei waren. Fehlendes Brot war für sie alle ein Problem. [...]

Mit Michelet läßt sich sagen: „Die Männer waren die Helden des 14. Juli, die Frauen die des 6. Oktober. Die Männer haben die königliche Bastille eingenommen, die Frauen haben das Königtum selbst überwunden, haben es in die Hände von Paris, das heißt der Revolution gebracht.[9]

Dieser Einsatz wurde auch honoriert, indem man den 05. bzw. 06. Oktober 1789 als Schlüsseldatum der Revolution zum „Tag der Weiber“ ernannte.

Wenn Frauen allerdings in der Folge organisatorisch, kulturell oder gar politisch in der Öffentlichkeit tätig wurden, stützten sie sich dabei auf das Wohlwollen und die Toleranz der betreffenden Behörden und örtlichen Autoritäten. Ihr neu gewonnener gesellschaftlicher Status blieb also mehr ein Privileg denn ein Rechtsanspruch.

Doch den Frauen sollte wieder die Rolle im häuslichen Bereich zukommen, so die Sicht der Männer. Zur Begründung dieser Haltung wurden Rousseausche Denkmuster angeführt, nach denen es die Bestimmung der Frau ist, den Haushalt zu führen und die Kinder zu erziehen – und nicht in der Öffentlichkeit tätig zu sein:

Was den Mann zur Einsicht seiner Pflichten führt, ist nicht sehr kompliziert; was die Frau zur Einsicht ihrer Pflichten führt, ist noch einfacher. Gehorsam und Treue, die sie ihrem Ehemann, Zärtlichkeit und Fürsorge, die sie ihren Kindern schuldet, sind so natürliche und einleuchtende Folgen ihres Standes, daß sie, ohne unglaubwürdig zu werden, dem inneren Gefühl, das sie leitet, nicht ihre Zustimmung versagen noch die Pflicht verkennen kann, solange ihre Neigung nicht verdorben ist.[10]

Für Männer stellten Frauen, die weiterhin politisch aktiv sein wollten und sich nicht mehr der alt hergebrachten Geschlechterordnung unterordnen wollten, eine schreckliche Vision dar – und eine Bedrohung ihrer eigenen Machtpositionen.

Die im Zitat Rousseaus erkennbare Sichtweise der Rolle der Frau hatte zur Folge, dass die Frauenvereine, die sich seit 1790 gegründet hatten, im Oktober 1793 verboten wurden. Per Dekret wurde den Frauen auch untersagt, sich in größeren Gruppen auf Straßen zu versammeln.

Diese Sanktionen begleitete eine regelrechte Hetzkampagne, die sich gegen alle politisch aktiven Frauen richtete. Durch die im November 1793 ausgesprochenen Todesurteile gegen Marie Antoinette, Manon Roland – die Gattin des ehemaligen Innenministers – und die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges erhielt die angestrebte Verbannung der Frau aus dem öffentlichen Raum neuen Auftrieb und Nachdruck. Die Verurteilungen stützten das Argument, dass Politik nicht Sache von Frauen sein konnte und durfte.

Der folgende Teil beschäftigt sich mit Olympe de Gouges und Théroigne de Méricourt auf Seiten der revolutionären und mit Marie Antoinette auf Seiten der royalistischen Frauen. Er geht ein auf die Anklagen und Diffamierungen, denen man diese drei Frauen aussetzte und die Mittel, die hierzu genutzt wurden.

2.1) Revolutionärinnen: Olympe de Gouges und Théroigne de Méricourt

Bei Olympe de Gouges und Théroigne de Méricourt handelt es sich um die herausragenden politisch aktiven Frauenrechtlerinnen. Die von Seiten der Männer geplante Wiedereinführung der alten Geschlechterordnung auf Basis den Rousseauschen Modells stieß bei ihnen auf heftige Kritik und Widerstand. Sie verlangten konkrete Rechte, die in eine ganz andere Richtung gingen.

De Gouges verfasst 1791 die „Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne“[11], die ein für Männer provozierendes und radikales Gegenstück zur „Erklärung der Menschenrechte“ ist, hatten diese doch in Wirklichkeit nur die Rechte des Mannes formuliert. In Artikel I heißt es bei de Gouges: „La femme naît libre et demeure égale à l’homme en droits.“[12]

Die Reaktionen auf diese Forderungen und Provokationen waren eindeutig. Der Moniteu r schreibt am 19. November 1793 über sie:

Olympe de Gouges, geboren mit einer überspannten Phantasie, hielt ihren Wahnsinn für eine Eingebung der Natur. Es begann damit, daß sie ungereimtes Zeug daherfaselte; schließlich ging sie so weit, sich das Vorhaben der Verräter zu eigen zu machen, die Frankreich zu entzweien drohten. Ein Staatsmann wollte sie sein; das Gesetz wird diese Verschwörerin wohl dafür bestrafen, daß sie vergessen hatte, was sich für ihr Geschlecht geziemt.[13]

Sie [Olympe de Gouges] wurde nicht nur das Opfer einer bösartigen und hämischen Denunziationskampagne, [...] sondern sie wurde auch ganz konkret 1793 durch die Guillotine zu Tode gebracht und schließlich aus dem historischen Bewußtsein verdrängt.[14]

In ihrer „Déclaration des Droits de la femme et de la Citoyenne“ schreibt sie auch den folgenden Satz:

Nul ne doit être inquiété pour ses opinions mêmes fondamentales, la femme a le droit de monter sur l’échafaud; elle doit avoir également celui de monter à la Tribune; pourvu que ses manifestations ne troublent pas l’ordre public établi pas la Loi.[15]

Die Reaktionen auf die Forderungen Olympe de Gouges gingen so weit, dass man sie am 3. November 1793 per Guillotine hinrichtete – ein Rednerpult hingegen hat sie nie bestiegen.

Auch die bereits erwähnte Théroigne de Méricourt sah sich einer Denunziationskampagne in der Folge ihrer emanzipatorischen Tätigkeit ausgesetzt.

Die ersten Gerüchte und Geschichten über Théroignes vorrevolutionäre Vergangenheit stammen aus den ersten Jahren der Revolution, als sie bei den Patrioten an Popularität gewann und damit zur Zielscheibe der politischen Gegner der Revolution wurde. Anhand einiger realer Anhaltspunkte (wie z.B. ihre Aufenthalte in Italien und England, ihre Herkunft und Geldverhältnisse) erfanden die Royalisten Geschichten, die eindeutig darauf abzielten, die junge Revolutionärin und die neuen Ideale zu diffamieren.[16]

Interessant ist – auch im Hinblick der folgenden Darstellung des Prozesse gegen Marie-Antoinette und der Anklagen des Vaters Thibaut gegen seine Tochter Johanna in Schillers Stück – dass diese Denunziationen häufig aus Unterstellungen bestanden, die de Méricourt in das Licht von Laster und gar Prostitution stellten.[17]

Das Verbreiten der Gerüchte gegen de Méricourt hatte seine Ursache auch in der Forderung nach mehr Rechten für die Frauen. Die forderte sie auch bei einem Auftritt im Generalrat der Kommune am 24. März 1792 ein. Bei diesem Auftritt meinte ein Bürger, eine Verkehrung der Geschlechterverhältnisse feststellen zu können:

Unsere Frauen haben die Sorge für den Haushalt vergessen und ihre Spindel gegen Piken eingetauscht. Und vielleicht werden die Herkulesse der Revolution bald gezwungen sein, darauf zu verzichten, ihr zu dienen, um den Kindern ihrer besseren Hälfte, die Hungers sterben, ihren Brei zu geben, während die Mütter die neue Jungfrau von Orléans nachäffen. Soweit sind wir gekommen.[18]

Für Männer stellte diese Vision der Umkehrung der Aufgaben und damit der Machtverhältnisse eine schreckliche Vision dar.

Interessant – gerade in Hinblick auf die spätere Auseinandersetzung mit Schillers Tragödie – ist die Verbindung von de Méricourt und Jeanne d’Arc, die der oben zitierte Bürger herstellt.

Ein weiterer interessanter Punkt geht aus dem folgenden Zitat hervor:

Eine Gestalt wie Théroigne de Méricourt, die „verworfene Jeanne d’Arc der öffentlichen Plätze“ (Lamartine nach Duval), die „in beständigem Rausche“ nach Blut dürstet und wahnsinnig wird, eignete sich gut zur Abschreckung für die Frauen und als Projektionsfolie für den Frauenhass vieler Männer.[19]

Wieder gibt es einen direkten Vergleich mit Jeanne d’Arc. In diesem Fall lassen die Attribute, die mit dem Vergleich einhergehen, noch deutlicher an Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ denken, weil eine Metaphorik benutzt wird, die dem kriegerischen Kontext entstammt.

2.2) Marie Antoinette

Während des Prozesses gegen Marie Antoinette wurde ein Exempel statuiert, welches die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit in der Zukunft maßgeblich beeinflussen sollte. Die Liste der Vorwürfe gegen die ehemalige Königin umfasste nicht allein politische Vergehen, wie beispielsweise das Verschwenden öffentlicher Gelder. Man warf ihr auch die Unterstützung ihres Bruders Leopold II., des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, und die Anstiftung zu konterrevolutionären Verschwörungen vor.

Die Aufforderung Marie Antoinettes an die Königlichen Offiziere, auf der dreifarbigen Kokarde, den Farben der Revolution, herumzutrampeln – die Nachricht dieses Ereignissen gab „im Oktober 1789 den Anlass zu dem schicksalhaften Marsch der Pariser Marktfrauen nach Versailles“[20] - wurde während des Prozesses dargestellt als Folge einer Orgie, in deren Verlauf Marie Antoinette ihre Offiziere zu dieser Tat ermutigt habe.

In short, Marie Antoinette had used her sexual body to corrupt the body politic either through „liaisons“ or „intimacies“ with criminal politicians or through her ability to act sexually upon the king, his ministers, or his soldiers.[21]

Im Verlauf des Prozesses wurden auch Inzest-Vorwürfe geäußert. Marie Antoinette soll ihren achtjährigen Sohn zur Masturbation ermutigt haben, indem sie ihn zwischen sich und ihrer Schwester hat schlafen lassen. Als sich herausstellte, dass ein Hoden des Sohnes verkümmert war, warf man ihnen vor, diese Verkümmerung willentlich zugelassen zu haben, „to assure themselves of the right of ruling afterwards over his morals.“[22]

Auch Verfehlungen des ehemaligen Königs, der dem Volk gegenüber geheuchelt und Informationen verborgen habe, wurden ihr zur Last gelegt, denn sie habe ihm die Fähigkeit des Heuchelns und der Lüge gegen das Volk beigebracht.

Dissimulation, in contrast, threatened to undermine the Republic: it was the chief ingredient in every conspiracy; it lay at the heart of the counterrevolution. Thus, for example, to charge Marie Antoinette with teaching the king how to dissimulate was no minor accusation.

Dissimulation was also described in the eighteenth century as a characteristically feminine quality, not just an aristocratic one.

According to both Montesquieu und Rousseau, it was women who taught men how to dissimulate, how to hide their true feelings in order to get what they wanted in the public arena.[23]

Diese Vorwürfe wurden, anders als die der ‚Perversionen’ Inzucht und Homosexualität, abgelöst von ihrer Person und auf alle Frauen übertragen. Diese Denkweise lieferte die Begründung für den Ausschluss der Frauen aus der polis, dem öffentlichen Raum.

Promiscuity, incest, poisoning of the heir to the throne, plots to replace the heir with a pliable substitute – all these charges reflect a fundamental anxiety about queenship as the most extreme form of women invading the public sphere. […] The queen, then, was the emblem (and sacrificial victim) of the feared disintegration of gender boundaries that accompanied the Revolution[24]

Der Prozess, der mit der Hinrichtung Marie Antoinettes am 16.10.1789 endete, hatte weit reichende Folgen für Frauenrechte und Frauenbewegungen.

2.3) Die Anklagen gegen die politisch aktiven Frauen in Art und Konsequenz

Auffällig bei der Betrachtung der Vorwürfe, die man gegen die oben erwähnten Frauen erhob, ist, dass weder Vorwürfe noch Argumentation sachlich fundiert waren. Im Falle von Marie Antoinette und Théroigne de Méricourt ging man sogar so weit, dass Diffamierungen eingesetzt wurden, die dem sexuellen und pornographischen Kontext entstammen.

Mit der Begründung, die aktive Beteiligung der Frauen an der Politik führe zu jener >>Art von Störung und Unordnung, wie die Hysterie sie hervorbringt<<, hatte der Konvent Ende Oktober 1793 sämtliche Frauenklubs verboten.[25]

Das bereits erwähnte Verbot der Frauenvereine und das Versammlungsverbot waren die Konsequenz dieses Prozesses, der die althergebrachten Einstellungen zu Wesen und Rolle der Frau bestärkte.

Wie eingangs angesprochen, zeigte das Urteil eindeutig, dass Politik nicht Sache von Frauen sein durfte. Anhand der Urteile wurde eine Geschlechterordnung wieder hergestellt, die den Frauen keinerlei gesellschaftliche Fortschritte brachte, sondern im Gegenteil traditionelle Rollenbilder sicherte.

Allen Revolutionsgruppen gemein war und blieb ein Frauenbild, das von der erwähnten Rousseauschen Vorstellung einer naturgesetzlichen Unterwerfung der Frau unter den Mann ausging und daraus eine Unterteilung der Lebensbereiche in den übergeordneten, öffentlichen, männlichen und den untergeordneten, privaten, weiblichen ableitete.

They were not simply concerned to punish a leading counterrevolutionary. They wanted to separate mothers from any public activity [...] and yet give birth by themselves to a new political organism.[26]

Der öffentliche politische Raum, die polis, war in Männerhand und sollte es auch bleiben. Dies haben die Männer mit den Hinrichtungen de Gouges und Marie Antoinettes sowie den Diffamierungen aller drei erwähnten Frauen nachdrücklich demonstriert.

Die Mittel, derer sich die Männer bei der Re-Institutionalisierung der traditionellen Geschlechterrollen bedienten, werden noch bei der Betrachtung von Schillers Werk eine Rolle spielen.

3) Bezüge zwischen der Geschlechterpolitik der Französischen Revolution und Schillers „Die Jungfrau von Orleans“

3.1) Die Frauentypen im Stück

In den drei Charakteren Agnes, Isabeau und Johanna begegnen dem Leser, bzw. dem Zuschauer, drei unterschiedliche Frauentypen.

Agnes Sorel, die Geliebte Karls VII., stellt das für die damalige Zeit geltende Idealbild einer edlen Frau dar. Sie selbst macht keine Politik und greift nur dann in das Geschehen ein, als sie ihrem Geliebten ihr Kästchen mit Juwelen und Besitztümern anbietet. Diese kann Karl VII. nutzen, um seine Ziele weiterhin verfolgen zu können und somit seinen Thron zu sichern.

Agnes bietet dieses Opfer an, um ihren Geliebten zu unterstützen. Dieser honoriert dies wie folgt:

Erlaubte sie mir jemals ein Geschenk

Von höherem Wert, als eine frühe Blume

Im Winter oder eine seltene Frucht! Von mir

Nimmt sie kein Opfer an, bringt mir alle!

Wagt ihren ganzen Reichtum und Besitz

Großmutig an mein untersinkend Glück.[27]

In dieser Szene greift Agnes aktiv in das Geschehen ein, indem sie ihre private Finanzkraft aufwendet, um die politischen Ziele Karls zu unterstützen, und Karl sieht Agnes durch diese Tat nun als die Frau an, die ihm als Sieg bringende Frau prophezeit wurde:

Ja, nun erfüllt sich mir ein altes Wort

Der Weissagung, das eine Nonne mir

Zu Clermont im prophet’schen Geiste sprach.

Ein Weib, verhieß die Nonne, würde mich

Zum Sieger machen über alle Feinde,

Und meiner Väter Krone mir erkämpfen.[28]

Wird Agnes hier noch ein Einfluss, der allerdings nicht von ihrer Persönlichkeit, sondern ihrem Geld herrührt und zudem einzig in der Hilfe des Mannes besteht, auf politischer Ebene zugestanden, geht er kurze Zeit später verloren.

Denn es trifft die Nachricht von Johanna ein, die das Heereskommando übernahm, eine Schlacht gewann und im Anschluss versprach Orleans zu retten.[29]

Es ist also Johanna, die Einfluss auf der politischen Bühne gewinnt.

Sie ist ein Mädchen vom Land, das sich schon in der patriarchalisch geführten Familie nicht wie eine Frau nach der Geschlechterrolle verhält, die zu Schillers Zeit und auch zur Zeit der realen Jeanne d’Arc galten. Den Bestrebungen des Vaters sie zu verheiraten, widersetzt sie sich – im Gegensatz zu ihren Schwestern. Der Vater, dessen Machtposition als pater familias sie somit antastet, äußert sein Missfallen über Johannas Verhalten:

O das gefällt mir nimmermehr und deutet

Auf eine schwere Irrung der Natur!

Das Herz gefällt mir nicht, das streng und kalt

Sich zuschließt in den Jahren des Gefühls.[30]

Beachtenswert ist der Vorwurf des Vaters, eine „schwere Irrung der Natur“ läge vor. Dieser Vorwurf stellt die Sittlichkeit der Johanna in Frage und wird für die Schlussbetrachtung von Bedeutung sein.

In dem Stück kämpft Johanna für das Gute, doch zeigt sie auch eine Protesthaltung Personen gegenüber, die in der gesellschaftlichen Hierarchie über ihr stehen.

In der Figur der Isabeau ist der dritte Frauentypus angelegt, der in dem Schauspiel auftritt.

Isabeau ist hart und böswillig, deutlich erkennbar in der Abkehr von ihrem Sohn, Karl VII.[31]

Während der Vorwurf Thibauts gegen Johanna, bei ihr läge „eine schwere Irrung der Natur“ vor während des Dramas durch das Verlieben in Lionel entkräftet wird, sind die sittlichen Vorwürfe gegen Isabeau im Text sowohl angelegt als auch belegt.

Isabeau ist die Figur des Bösen, sie trägt alle negativen Eigenschaften in sich, die man zu Schillers Zeiten Frauen dann zutraute, bzw. andichtete, wenn sie Einfluss nahmen außerhalb der häuslichen Sphäre.

3.2) Die Frauentypen vor dem Hintergrund der Geschlechterkämpfe der Französischen Revolution

Von den drei Frauen in Schillers Drama findet eine keine Entsprechung mit den drei Frauen, die im zweiten Teil der Arbeit vorgestellt wurden: Agnes Sorel. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich zwischen ihr und der Französischen Revolution und der damaligen Geschlechterrollen keine Parallelen ziehen lassen.

Agnes stellt das Idealbild einer tugendhaften Frau dar, wie Rousseau es ausgemalt hatte.[32]

Im Gegensatz dazu weisen sowohl Isabeau als auch Johanna Parallelen auf zu den Frauen aus der Geschichte Frankreichs.

Isabeaus Darstellung erinnert stark an die Vorwürfe gegen Marie Antoinette. Sie ist für die missliche Lage Frankreichs direkt mitverantwortlich, führt ein sexuell ausschweifendes Leben und verstößt gegen das Prinzip der Familiensolidarität.[33]

Was im realen Frankreich erfunden und als Diffamierung eingesetzt wurde, wird in diesem Text belegt und benutzt, um die Figur der Isabeau als schlechten Charakter zu zeichnen.

Johanna weist Bezüge zu den Frauen Méricourt und de Gouges auf.

Im häuslichen Umfeld widersetzt sie sich der väterlichen Macht. Die Konsequenz ist zunächst die erwähnte Anklage der „Schweren Irrung der Natur“. Die Infragestellung des Patriarchs gipfelt als Gegenreaktion in dessen Anklage gegen sie, sie sei eine Hexe.[34]

Der Vater unterwirft Johanna im Beisein des Königs, der schwach und stumm bleibt.

An dieser Stelle wird der Konflikt zwischen polis und eukos entschieden. Der pater familias stellt seine Herrschaft wieder her und entscheidet den Konflikt zwischen polis und eukos auch für sich. Der Vater ist wieder Herrscher über seine Tochter – niemand sonst.

Der Vorwurf, den Thibaut seiner Tochter macht, weckt Erinnerungen an die Diffamierungen gegen de Gouges im Moniteur.

Als Johanna später rehabilitiert wird, also vom Vorwurf, eine Hexe zu sein, befreit ist, ist ihr Tod eine logische Konsequenz aus der Tatsache, dass sie zu diesem Zeitpunkt die erste Person im Staat und nicht abzusehen ist, dass sie sich jemals in die gesellschaftlich anerkannte und eingeforderte Rolle der Frau eingliedern wird.

In diesem Fall wird Johannas Opfer notwendig zur Re-Integration der alten Ordnung im politischen Bereich, nicht im häuslichen.

Johannas Weg in dem Stück erinnert somit an den Weg der Frauen während der Französischen Revolution beim Marsch nach Versailles und in der folgenden Zeit.[35]

Ihre Bemühungen und Erfolge, sowohl die Johannas im Drama und die der Frauen 1789, werden von der Männerwelt mit Freuden aufgenommen, doch dürfen sie in der Folge nicht an der Macht der Männer rütteln.

Innerhalb des Stückes wird dies durch das Handeln des Vaters ganz direkt deutlich.

Mit ihrer Tötung, die ja nicht von Karl VII. direkt verübt wurde, schuf Schiller einen symbolischen Tod, der an die Niederschlagung der Frauenbewegungen zu Zeiten der Französischen Revolution erinnert.

3.3) Fazit der Frauenrollen

In Agnes Sorel legt Schiller das Ideal der damaligen Rolle der Frau in der Gesellschaft an, in Isabeau ihren direkten Gegensatz.

Johanna steht zwischen den beiden Figuren. Sie kämpft für das Gute, doch ihr Tod ist notwendig zur Re-Integration einer Ordnung, in der ein Mann über die Geschicke des Staates bestimmt, nicht eine Frau.

Hier handelt es sich also im Sinne des Seminars, in dessen Rahmen diese Arbeit entsteht, um ein Frauenopfer. Denn „eine Frau [muss] sterben, damit eine politische Ordnung bewahrt werden kann.“[36]

4) Schillers Intentionen

Dass Schiller eine genaue Kenntnis der Vorgänge in Frankreich hatte, kann vorausgesetzt werden. In einem Brief an seinen Freund Körner schreibt er am 26. November 1792:

Wenn Du diese Zeitung nicht liest, so will ich sie Dir sehr empfohlen haben. Man hat darin alle Verhandlungen in der Nationalconvention in Detail vor sich und lernt die Franzosen in ihrer Stärke und Schwäche kennen.[37]

In diesem Brief empfiehlt Schiller die Lektüre der Zeitung Moniteur – eben der Zeitung, die den Artikel über de Gouges veröffentlicht hatte, der im zweiten Teil der Arbeit zitiert wurde.[38]

Als >>kriegerische Weibsbilder<<, als >>emanzipierte Frauen<<, als >>abscheuliche Metzen<<, als hässliche und anmaßende Frauen<<, kuzt: als Amazonen, sind sie von den Zeitgenossen beschimpft und bekämpft worden.[39]

„Auffällig ist, daß sich die kämpferischen Frauen während der Revolutionszeit selbstbewußt auf das antike Amazonenvorbild bezogen [...]“[40] Die Anlage der Johanna als eine amazonenhafte Figur lässt sich vor diesem Hintergrund erklären. Zumal auch die wirkliche Jeanne d’Arc in dieser Zeit in Frankreich „zur volkstümlichen, aktivistischen Kämpferin umgestaltet“ wurde und somit „zum Sinnbild des Freiheitswillens des Französischen Volkes stilisiert“[41] wurde.

Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum Schiller seine Johanna auf dem Schlachtfeld sterben lässt und nicht auf dem Scheiterhaufen.

Zu dem Zeitpunkt, als ihr Vater sie unterwirft und die Macht ausübt, die ihm aufgrund seiner familiären Stellung zusteht, ist Johanna wegen ihrer Verdienste um das Vaterland eine gefeierte Heldin.[42] Nach seiner Anklage gegen sie, eine Hexe zu sein[43], wäre seine Machtposition wieder hergestellt, die sie infrage gestellt hatte. Ihr Weigern, seinen Aufforderungen, sich zu verheiraten, nachzukommen, ließe sich dadurch erklären, dass sie eine Hexe ist – nicht dadurch, das Thibaut als pater familias versagt und somit nicht die oberste Autorität darstellt.

Doch die Folgen wären groß. Johanna ist für die feindlichen Truppen das „Furchtgespenst, vor dem sie so gezittert!“[44]. Würde sie auf einem Scheiterhaufen verbrannt, so wäre das Symbol der kriegerischen Überlegenheit, das Johanna für die gegnerischen Soldaten darstellt, tot.

Die Folgen, die das nach sich zöge sind im Text selbst angelegt:

Sie ist eine Zauberin! Ihr ganzer Zauber

Ist euer Wahn und euer feiges Herz!

Eine Närrin ist sie, die für ihren König

Sich opferte, und jetzt den Königslohn

Dafür empfängt – Bringt sie zu Lionel –

Das Glück der Franken send ich ihm gebunden,

Gleich folg ich selbst.

Und:

Ich spotte dieser Weichlinge! Wir haben

Sie vor uns her gescheucht in zwanzig Schlachten,

Eh dieses Heldenmädchen für sie stritt!

Das ganze Volk veracht ich bis auf eine,

Und diese haben sie verbannt. – Komm, Fastolf!

Wir wollen ihnen einen zweiten Tag

Bei Crequi und Poitiers bereiten.

Ihr, Königin, bleibt in diesem Turm, bewacht

Die Jungfrau, bis das Treffen sich entschieden,

Ich lass Euch funfzig Ritter zur Bedeckung.[45]

Mit der Gefangennahme Johannas erwacht in den Engländern sofort wieder, trotz aller Niederlagen, der Wille, in die Schlacht zu ziehen. Weil sie den Grund der Niederlagen in der Figur der Johanna sehen, sind sie sich sicher, die Schlacht für sich zu entscheiden und den Krieg doch noch gewinnen zu können.

Eine Hinrichtung Johannas auf dem Scheiterhaufen hätte ähnliche Konsequenzen im Denken der Engländer gehabt. Doch im Falle ihres Todes hätte Johanna nicht mehr in die Schlacht eingreifen können – die Engländer hätten somit gewonnen, zumindest wäre ein Sieg wahrscheinlicher geworden.

Die Franzosen ziehen nur in die Schlacht, weil sie durch Raimonds Auskunft die Jungfrau in der Burg gefangen wissen und weil sie sicher sein können, dass sie eben keine Zauberin oder Hexe ist.

Herr sie ist keine schwarze Zauberin!

Bei Gott und allen Heiligen bezeug ich’s.

Im Irrtum ist das Volk. Ihr habt die Unschuld

Verbannt, die Gottgesegnete vertoßen!

[...]

Ihr Gefährte war ich

Auf der Flucht in dem Ardennerwald,

Mir hat sie dort ihr Innerstes gebeichtet.

In Martern will ich sterben, meine Seele

Hab keinen Anteil an dem ew’gen Heil,

Wenn sie nicht rein ist, Herr, von aller Schuld![46]

Während die Franzosen in die Schlacht ziehen, um Johanna zu befreien, glauben sie Engländer, die Moral der Franzosen sei gebrochen und somit der Weg frei zum Sieg.

Johanna kann sich mittels eines Kraftaktes aus der Gefangenschaft befreien, der sie wieder als Gottgesandte auf der Bühne in Erscheinung treten lässt. Mit einem Schwert bewaffnet, stürzt sie in ihre letzte siegreiche Schlacht, in der sie jedoch tödlich verwundet wird.

Aus den obigen Erläuterungen der fatalen Konsequenzen, die eine Hinrichtung Johannas nach sich gezogen hätten, wird klar, warum diese nicht stattfindet. Johanna wird rehabilitiert und ist wieder aktiv und siegreich. Warum muss sie dennoch am Ende sterben?

Auf Johannas Weigerung, die patriarchalische Ordnung anzuerkennen und ihr zu folgen, wurde schon eingegangen. Daraus ergibt sich ein Grund für die Notwendigkeit ihres Todes: Ihre konstante Verweigerung, sich zu verheiraten, macht klar, dass sie sich niemals einem Mann unterwerfen wird und somit niemals voll in die Gesellschaft eingegliedert werden kann.

Ein weiterer Grund ist, dass ihre Macht, die sie aufgrund ihrer Siege in den Schlachten und des unangezweifelten göttlichen Auftrages hat, die oberste Autorität im Staat darstellt. Der göttliche Auftrag macht die Helden dem Herrscher zumindest ebenbürtig. Die Siege Karls VII. werden immer mit Johanna in Verbindung gebracht werden – womit sie als Heldin in göttlichem Auftrag in der Hierarchie nicht unter ihm steht..

Die letzte Schlacht ist notwendig, um den Feind endgültig zu schlagen. Johanna muss sterben, damit die Geschlechterordnung gewahrt bleibt. Eine eigenständige, emanzipierte Frau ist nicht tragbar, wenn sie so viel Macht hat und selbst Diffamierungen, wie die des Vaters, nicht in der Lage sind, sie gefügig oder stumm zu machen.

Die letzten Regieanweisungen des Stücks geben einigen Aufschluss:

Die Fahne entfällt ihr, sie sinkt tot darauf nieder – Alle stehen lange in sprachloser Rührung – Auf einen leisen Wink des Königs werden alle Fahnen sanft auf sie niedergelassen, dass sie ganz davon bedeckt wird.[47]

In der schon zitierten Ankündigung des Seminars[48] heißt es auch: „Das Seminar soll der Frage nachgehen, warum das so ist – warum sich das Fundament des Staates allzu oft über einer weiblichen Leiche errichtet.“[49]

Schiller lässt Johanna unter Fahnen verschwinden. Frankreich ist durch und mit ihrer Hilfe gerettet worden. Das Fundament des Staates wird nun über ihr errichtet werden.

5) Schlussbetrachtung

Schiller schuf mit seiner romantischen Tragödie „Die Jungfrau von Orleans“ ein Stück, in dem sich Bezüge zu Frauen erkennen lassen, die zu Zeit der Revolution in Frankreich in der Öffentlichkeit standen und die aufgrund der Deutlichen Parallelen sicher auch gewollt angelegt sind. Allein die Ausgestaltung der Johanna als eine Amazonenfigur weist einen direkten Bezug zu Théroigne de Méricourt auf, die auch als „Amazone der Freiheit“ bezeichnet wurde, was Schiller wiederum sicher aus der Lektüre des Moniteur bekannt war.

Doch eine Frau kann nicht die Autorität des Patriarchats in Frage stellen und schon gar nicht die höchste Autorität in einem Staat darstellen. In diesem Punkt weicht Schiller nicht von dem gängigen Rollenbild ab, dass er in seinem Gedicht „Der beste Staat“[50] selbst so formuliert:

„Woran erkenn´ ich den besten Staat?“ Woran du die beste Frau kennst –

daran, mein Freund, daß man von beiden nicht spricht.

6) Literatur

Primärliteratur

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Hamburg 1992.

Olympe de Gouges: Declaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne. In: Benoîte

Groult: Olympe de Gouges. Œvres. Paris 1986.

Titus Livius: Die Anfänge Roms. Römische Geschichte Buch I-V. Hg. von Manfred

Fuhrmann. München 1991.

Jean-Jacques Rousseau: Emil oder Über die Erziehung. Paderborn 1993.

Friedrich Schiller: Die Jungfrau von Orleans. Stuttgart 2002.

Norbert Oellers: Schillers Werke. Nationalausgabe. Band 2I. Weimar 1983.

ders.: Schillers Werke. Nationalausgabe. Band 29. Weimar 1977.

Liselotte Bumenthal: Schillers Werke. Nationalausgabe. Band 30. Weimar 1961.

Sekundärliteratur

Helga Grubitzsch, Roswitha Bockholt: Théroigne de Méricourt. Die Amazone der Freiheit.

Pfaffenweiler 1991

Karl S. Guthke: Die Jungfrau von Orleans. In: Helmut Koopmann (Hg.): Schiller-Handbuch. Marbach 1998.

Lynn Hunt: Symbole der Macht. Macht der Symbole. Frankfurt a. M. 1989.

Lynn Hunt: The many bodies of Marie Antoinette: Political Pornography and the Problem of the Feminine in the French Revolution. In: Lynn Hunt (Hg.): Eoiticism and the body politic. Baltimore 1991. S. 108-130.

Jutta Linder: Schillers Dramen. Bauprinzip und Wirkungsstrategie. Bonn 1989.

Eckart Peterich: Götter und Helden der Griechen. Frankfurt a. M. 1958.

Ernst Schulin: Die Französische Revolution. München 1988.

Inge Stephan: Hexe oder Heilige? Zur Geschichte der Jeanne d’Arc und ihrer literarischen

Verarbeitung. In: Karl Heinz Götze, Jost Hermand, Gert Mattenklott, Klaus R. Scherpe, Jürgen Schutte, Lutz Winckler (Hg.): Die verborgene Frau. Sechs Beiträge zu einer feministischen Literaturwissenschaft. Göttingen 1983. S. 35-66.

dies.: „ Da werden Weiber zu Hyänen“. Amazonen und Amazonenmythen bei Schiller

und Kleist. In: Hiltrud Bontrup, Jan Christian Metzler (Hg.): Aus dem Verborgenen zur Avantgarde. Ausgewählte Beiträge zur feministischen Literaturwissenschaft der 80er Jahre. Hamburg 2000. S. 97-117.

[...]


[1] NA. Bd. 29. S. 183.

[2] NA. Bd. 30. S.86.

[3] Karl S. Guthke: Die Jungfrau von Orleans. In: Helmut Koopmann (Hg.): Schiller-Handbuch. Marbach 1998. S. 449.

[4] Jutta Linder: Schillers Dramen. Bauprinzip und Wirkungsstrategie. Bonn 1989. S. 85.

[5] Titus Livius: Die Anfänge Roms. Römische Geschichte Buch I-V. Hg. von Manfred Fuhrmann. München 1991.

[6] Vgl.: Friedrich Schiller: Die Jungfrau von Orleans. Stuttgart 2002. V. 1503-1505 und V. 2272-2274.

[7] Eckart Peterich: Götter und Helden der Griechen. Frankfurt/M. 1958. S. 86.

[8] Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Hamburg 1992, S. 150

[9] Ernst Schulin: Die Französische Revolution. München 1988. S. 79.

[10] Jean-Jacques Rousseau: Emil oder Über die Erziehung. Paderborn 1993, S. 415

[11] Olympe de Gouges: Declaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne. In: Benoîte Groult: Olympe de Gouges. Œvres. Paris 1986. S. 101.

[12] ebd. S. 102

[13] s.: Inge Stephan: „ Da werden Weiber zu Hyänen“. Amazonen und Amazonenmythen bei Schiller und Kleist. In: Hiltrud Bontrup, Jan Christian Metzler (Hg.): Aus dem Verborgenen zur Avantgarde. Ausgewählte Beiträge zur feministischen Literaturwissenschaft der 80er Jahre. Hamburg 2000. S. 100.

[14] ebd. S. 101.

[15] Gouges: Droits de la Femme. S. 104.

[16] Helga Grubitzsch, Roswitha Bockholt: Théroigne de Méricourt. Die Amazone der Freiheit. Pfaffenweiler 1991. S. 60.

[17] Zu den Vorwürfen gegen Théroigne de Méricourt: s. ebd. S. 60f; S. 271.

[18] so ein Bürger nach dem Auftreten Théroigne de Méricourts im Generalrat der Kommune.

[19] Grubitzsch, Bockholt: Théroigne. S. 336.

[20] Lynn Hunt: Symbole der Macht. Macht der Symbole. Frankfurt a. M. 1989, S. 77

[21] Lynn Hunt: The many bodies of Marie Antoinette: Political Pornography and the Problem of the Feminine in the French Revolution. In: Eriticism and the body politic. Hg. von Lynn Hunt, S. 111

[22] ebd. S. 115

[23] ebd. S. 113

[24] ebd. S. 123

[25] Hunt: Macht. S. 130

[26] Hunt: Political Pornography. S. 125

[27] Schiller: Jungfrau. V. 621-626.

[28] ebd. V. 651-656.

[29] vgl. ebd. I/8+9

[30] ebd. V. 61-64.

[31] ebd. V. 726-738.

[32] S. Anm. 9

[33] Vgl. Schiller: Jungfrau. V. 1411-1460.

[34] Vgl. ebd. IV/11.

[35] hierbei sollten auch die damaligen, direkten Vergleiche Méricourts mit Jeanne d’Arc berücksichtigt werden.

[36] Aus: „Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester 2003“. S. 16.

[37] NA. Bd. 26. S. 170.

[38] s. Anm. [13]

[39] Stephan: Hyänen. S. 101.

[40] ebd. S. 101f.

[41] Inge Stephan: Hexe oder Heilige? Zur Geschichte der Jeanne d’Arc und ihrer literarischen Verarbeitung. In: Karl Heinz Götze, Jost Hermand, Gert Mattenklott, Klaus R. Scherpe, Jürgen Schutte, Lutz Winckler (Hg.): Die verborgene Frau. Sechs Beiträge zu einer feministischen Literaturwissenschaft. Göttingen 1983. S. 56.

[42] vgl. Schiller: Jungfrau: 2954-2969.

[43] vgl. ebd. V. 2986-2996.

[44] vgl. ebd. 3218.

[45] ebd. 3378-3387.

[46] ebd. V. 3328-3307.

[47] vgl. ebd. S. 137.

[48] s. Anm. 10.

[49] ebd. S. 17.

[50] NA. Bd. 2I. S. 320.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Friedrich Schiller: "Die Jungfrau von Orleans" - Bezüge zur Geschlechterpolitik der Französischen Revolution
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Frauenopfer und Staatsräson
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V108711
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Schiller, Jungfrau, Orleans, Bezüge, Geschlechterpolitik, Französischen, Revolution, Frauenopfer, Staatsräson
Arbeit zitieren
Uwe Jahn (Autor), 2003, Friedrich Schiller: "Die Jungfrau von Orleans" - Bezüge zur Geschlechterpolitik der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108711

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