Das Menschenbild in Gerichtsshows


Facharbeit (Schule), 2003

9 Seiten, Note: 2+


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Inhalt

I. Die Gerichtsshows
a) Allgemein
b) Beispiel: „Vorstadtträume“[1]

II. Christliches Menschenbild

III. Menschenbild in Gerichtsshows
a) Beispiel: „Vorstadtträume“
b) Studie der ULR[2] Kiel

IV. Fazit

I. Die Gerichtsshows

a) Allgemein

Nach dem langsamen Ende der Talkshow am Mittag, kommt ein neues Format auf, die Gerichtsshow.

In Deutschland gibt es seit Ende 1999 die so genannte Gerichtsshow; die erste war Richterin Barbara Salesch (SAT.1). Am Anfang wurden in dieser Sendung echte Fälle des Schiedsgerichtes nachgespielt, diese erreichen aber nicht so hohe Quoten wie „harte“ strafrechtliche Fälle (vor allem Körperverletzung- und Sexualdelikte).

Die frei erfundenen Fälle werden von Laienschauspielern gespielt. Im Gegensatz dazu sind die Richter, Anwälte und Staatsanwälte „echt“. Die laienhafte Darstellung soll den Authentizitätseffekt noch verstärken, da man ja normalerweise auch nicht sehr viel Erfahrung vor dem Gericht hat. Die „Schauspieler“ bekommen circa 175 € und das Bahnticket zum jeweiligen Aufzeichnungsort, während die Richter hohe sechsstellige Summen bekommen sollen. Der Stil der Sendungen ist eher statisch und abbildrealistisch, das heißt, dass bewusst der Eindruck entstehen soll, dass Geschehen sei abgefilmt. Die Zuschauer wollen anscheinend das echte Leben sehen - die Abgründe des menschlichen Seins.

Das Publikum verlangt ein „lösungsorientiertes Fernsehen“ mit einem „Wertekoordinaten­system“ meint G. Marx von filmpool [3], das heißt, dass das Publikum anscheinend aus den Fernsehsendung lernen und so Hilfe für ihr Leben bekommen wolle. Laut des Deutschen Richterbundes würde es sich bei den Fernsehverhandlungen um einen scheinbar seriösen Mantel für Schmuddelthemen handeln, welche nichts mehr mit dem Gerichtsalltag zu tun hätten. Der CSU-Medienexperte Markus Söder bezeichnet sie als „getarnten Voyeurismus“. Martin Köhnke, Leitender Oberstaatsanwalt aus Hamburg meint, dass es „in Wirklichkeit […] bei den Hauptverhandlungen viel nüchterner [und] viel sachlicher“ zugeht und im Fernsehen alles mehr auf Effekte bedacht sei.

Das Familiengericht ist seit 2. September 2002 bei RTL, montags bis freitags um 15:00 Uhr auf Sendung. Dabei geht es vorwiegend um Eheauseinandersetzungen, Scheidung, Unterhalt und um Missbrauchsfälle in der Familie. Der vorsitzende Richter heißt Frank Engeland und die streitenden Parteien werden von den Rechtsanwälten Barbara von Minckwitz und Matthias Klagge unterstützt.

B) Beispiel: „Vorstadtträume“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht [4]enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodo Kretschmar Uschi Kretschmar Hans Wimpel Pamela Kretschmar Timo Kretschmar

Das geschiedene Ehepaar Uschi und Bodo Kretschmar streitet sich um das Aufenthalts­bestimmungsrecht ihres Sohnes Timo. Sie besitzen das gemeinsame Sorgerecht.

Der allein stehende Fernkraftfahrer (38 Jahre) macht sich Sorgen um seinen Sohn, welcher mit seiner Schwester bei der Mutter und ihrem Freund wohnt und bei dem die Polizei nach einem Diskobesuch Drogen gefunden hat. Seiner Meinung nach soll seine ehemalige Frau, welche einen neuen Freund (Herr Wimpel) hat und als Reinigungskraft tätig ist, denn gemeinsamen Sohn vernachlässigen.

Wie sich im Laufe der Verhandlung herausstellt, hat Timo (der mit seiner Schwester, Pamela, bei der Mutter und Herrn Wimpel wohnen) Probleme mit ihm. Er soll äußerst streng sein und Timo Hausarrest verordnet haben, da er sein „heiliges“ Rasierwasser benutzt hat. Des Weiteren fügt Pamela hinzu, dass es für Timo besser wäre, wenn er bei seinem Vater wohnen würde, da angeblich Timo immer so alleine sei und sich vernachlässigt fühlen soll. Das Streitgespräch ist mit Beleidigungen seitens des Herrn Wimpel garniert, der Pamela als „blöde Göre“ tituliert.

Nun wird der Hauptprotagonist Timo in den Saal gerufen, doch die Zuseher werden mit etwas Werbung auf die Folter gespannt. Nach der mehr oder weniger langen Pause lässt Timo verlauten, dass er am liebsten mit seiner Schwester bei seinem Vater wohnen möchte, doch Pamela kann ihrer Ansicht nach nicht zu ihrem leiblichen Vater ziehen. Timo läuft zu seiner Schwester und reißt ihr ihre Tasche aus den Händen und findet Drogen. Pamela wird vom Freund ihrer Mutter gezwungen Drogen zu verkaufen. Dann fügt Herr Wimpel noch hinzu, dass Pamela „zu nichts anderem zu gebrauchen“ sei. Worauf hin er von den Eltern angebrüllt wird. Dann klärt uns Frank Engelland (Richter) darüber auf wie schlecht Drogen sind. Noch nicht genug mit gegenseitigen Beleidigungen, jetzt betitelt die Mutter den Herrn Wimpel als „Schwein“. Nun wird noch aufgeklärt warum Drogen bei Timo gefunden wurde: Freunde haben ihm erzählt, dass seine Schwester dealen würde, woraufhin er sie heimlich verfolgte und als die Polizei aufkreuzte wollte, er die Schwester beschützen indem er ihr die Drogen abnahm.

Daraufhin befindet der Richter, dass die Kinder bei ihrem Vater besser aufgehoben seien, bis die Mutter eine neue Wohnung hat. Der Richter geht noch einmal auf Herrn Wimpel ein indem er ihm eine Strafe androht und wobei ihm eine leichte Gehässigkeit und Arroganz anzusehen ist. Am Schluss wird der Zuschauer beruhigt, indem eingeblendet wird, dass Herr Wimpel 3 Jahre verbüßen muss.

II. Christliches Menschenbild

Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes [„Gott schuf den Mensch nach seinem Bild“][5], das heißt, dass er nach seinem Willen geschaffen hat. Dem Menschen wurde die erste Stelle unter allem Leben gegeben [„Machet sie euch untertan.“][6]. Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit hat er den Menschen die Fähigkeiten über die Erde zu herrschen gegeben. Dieses Satz [„Machet sie euch untertan.“]6 wurde oft falsch verstanden (unter anderem während der Industriellen Revolution, 19. Jahrhundert); er wurde etwas ungenau aus dem hebräischen übersetzt. Im Original wird ausgedrückt, dass der Mensch die Erde in Besitz nehmen und somit schützen und respektieren soll.

Adam und Eva als Sünder [Genesis 3] stehen stellvertretend für alle Menschen. Gott hat den Menschen unglaublich reich beschenkt, obwohl er es gar nicht verdient hat [Psalm 8].

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn [Lukas 15] geht es um einen Sohn, der nach Jahren veramt zum Vater zurückkehrt und welchem ihm sofort wieder vergibt und ein Tier schlachten lässt. In diesem Gleichnis wird deutlich, obwohl der Mensch immer und immer wieder sündigt oder sich von Gott abwendet, werden ihm die Sünden vergeben und er wird reich beschenkt.

Gott gab den Menschen noch einfache Regeln (Dekalog)[7] als Gesetz für das Zusammenleben.

III. Menschenbild in Gerichtsshow

a) Beispiel : „Vorstadtträume“

Hierbei beziehe ich mich abermals auf die[8] Sendung vom 14.11.2003 „Vorstadtträume“.

Bodo Kretschmar: Er wird in der Sendung als sorgender Vater dargestellt, was auch über sein Äußeres transportiert wird. Er wird als bürgerlicher LKW-Fahrer im Holzfällerhemd mit grauen Haaren dargestellt, dem man fast alles abkaufen würde.

Uschi Kretschmar: Sie macht ein eher unsympathischen Eindruck, sie hat ein modisches Sommerkleid, ist gut gebräunt und trägt eine elegante Frisur. Sie wirkt etwas eingebildet und man bekommt den Eindruck, dass sie sich mehr um ihr Äußeres als um ihre Kinder kümmert.

Hans Wimpel: Er trägt ein buntes Hemd und hat eine Glatze, so wie man eigentlich nicht im Gerichtssaal erscheint. Des Weiteren wirkt er übertrieben so, als ob es ihn gar nicht so sehr interessiere und er genervt wäre. Eine Person, mit der man eher keinen Umgang pflegen würde.

è Die Personen werden sehr übertrieben und klischeehaft dargestellt, so dass man schon bald einen Eindruck hat, wer der „Böse“ sein kann.

b) Studie der ULRKiel

Die Unabhängige Landesanstalt [9] für Rundfunk und neue Medien Kiel hat in einer Studie von 10 verschiedenen Gerichtshows (darunter auch Das Familiengericht) festgestellt, dass die Ausländer sehr klischeehaft dargestellt werden. Dies lässt sich an den äußeren Merkmalen (Hautfarbe oder bestimmten Accessoires), als auch an der Sprache und dem Auftreten erkennen:

- Ein US-amerikanischer GI-Soldat mit dunkler Hautfarbe trägt einen kurzen Bürstenharrschnitt, einen Ohrring im linken Ohr, spricht mit starkem amerikanischen Akzent und legt ein überhebliches und von sich eingenommenes Benehmen an den Tag. Der wegen Vergewaltigung und Defloration[10] Angeklagte rechtfertigt seine Tat unter anderem damit, dass alle deutschen Mädchen darauf aus seien eine „heiße Nacht mit GIs [zu] haben“. (Jugendgericht, RTL, 12.02.02)
- Der indische Rosenverkäufer Ranjid Kamaraj spricht deutsch mit sehr starkem Akzent, so dass die Richterin ihn fragen muss: „Verstehen Sie?“. Der Inder verhält sich eingeschüchtert und fast schon unterwürfig. Seine Familie in traditioneller Kleidung, welche im Publikum sitzt, entspricht einer typischen indischen Familie. Der Inder ist Opfer seines deutschen Arbeitgebers. (Jugendgericht, RTL, 13.02.02)

Die ausländischen Personen sind in den Fernsehgerichten oft die Täter, sehr deutlich wird dies bei einem türkischen Mann, welcher seiner Frau aufgrund von kulturellem Hintergrund Gewalt antut: Murat Yikit rechtfertigt diese Tat damit, dass seine Frau nicht mehr, wie es in der moslemischen Religion üblich sei, unberührt war und sie quasi nur noch „second hand“ oder wie ein gebrauchtes Handy sei. (Richter Alexander Hold, SAT.1, 14.02.02)

IV. Fazit

Wie schon in III. dargelegt, werden die Personen sehr klischeehaft und übertrieben dargestellt, wobei eine große Gefahr darin besteht, dass die Zuschauer diese Eigenschaften zu schnell auf andere projizieren, da ja in der Gerichtshow Realität und Fiktion verschwimmen.

Ganz gefährlich ist dies bei Jugendlichen, welche ihr Ausländerbild unter anderem aus dem Fernsehen übermittelt bekommen:

- Bei den ausländischen Tätern, welche meist in der Rolle der Täter sind, werden vermeintliche typische Merkmale der Menschen und ihrer Kultur betont. Die Merkmale und Verhaltensweise der Ausländer einer Nationalität werden verallgemeinert bzw. ihr Verhalten bewertet und daraus aufgrund einer Kombination von Eindrücken Orientierungen abgeleitet. So wird zum Beispiel ein Ausländer als Türke und Macho „erkannt“, wenn er schwarze, gegelte Haare hat und überbetont männliches Auftreten zeigt. Einem Türken, aber auch dem Russen wird generell aggressives Verhalten zugeschrieben; den Russen und Osteuropäer darüber hinaus vor allem Diebstahl und Drogenhandel.
- Eine Steigerung gegenüber der Talkshow lässt sich daran erkennen, dass die Ausländer kein gutes Deutsch sprechen und nicht nur noch verbal agieren, sondern physischen Gewalthandlungen ausüben. So wird der Unterdrücker der Frau hier zum Vergewaltiger. Am Schluss einer Sendung wird das Bild durch das Urteil noch einmal bestätigt.
- Viele Kinder halten die Gerichtsshows auch für Abbildungen der Wirklichkeit, ein 13jähriger Junge meint: „Gerichtsshows beruhen ja im Prinzip auf der Realität, bloß mit anderen Leuten und anderen Namen“

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man seine Kinder nicht einfach vor dem Fernseher setzt um Ruhe zu haben, denn so können sie ein Zerrbild bekommen, da sie noch sehr beeinflussbar sind. Wenn überhaupt sollte man Gerichtsshows mit ihnen nur gemeinsam anschauen und danach mit ihnen darüber sprechen.

Ich persönlich schaue mir auch manchmal gerne Gerichtsshows (am liebsten das Familiengericht) an, da ich die Fälle amüsant finde. Es ist eine gute Unterhaltung nach einem anstrengenden Schultag.

Bibliografie:

- Märkische Allgemeine: Kritik an der neuen Gerichtsshow-Welle, www.maerkischeallgemeine.de/?loc=3_7_2&id=465304&weiter=355, 2002
- Matthias Pfeiffer: Heftaufschriebe „Was ist der Mensch“, 2003
- RTL-Newmedia: Das Familiengericht, www.rtl.de/tv/tv_757157.html, 2003
- Studentenschaft der Juritischen Fakultät der Universität zu Köln: Jura Report Nov/Dez 2002, Köln, 2002, S. 5 ff.
- Thomas Hausmanninger (Katholisch Theologische Fakultät Uni Augsburg): Sehnsucht nach Normen? Das neue Ordnungsfernsehen der Gerichtsshows, www.kthf.uni-augsburg.de/lehrstuehle/sozethik/online_b/Gericht.shtml, 2002
- Unabhängigen Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien (ULR) Kiel: Was guckst du, was denkst du? Der Einfluss des Fernsehens auf das Ausländerbild von Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren, Kiel, Schmidt & Klaunig, 2000, S. 22 ff., 120 f
- Vorarlberg Online: Die neue Gerichtsshow-Welle, www.vol.at/tmh/sub/Medien/medien-114768.shtm, 2002

[...]


[1] Familiengericht, RTL, 14.11.03

[2] Unabhängige Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien

[3] Film- und TV-Produktion: u.a. Das Familiengericht, Das Jugendgericht, Richterin Barbara Salesch

[4] Familiengericht, RTL, 14.11.03

[5] Gen 1,27

[6] Gen 1,28

[7] Zehn Gebote

[8] Familiengericht, RTL, 14.11.03

[9] Unabhängige Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien

[10] Entjungferung

8 von 9 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild in Gerichtsshows
Note
2+
Autor
Jahr
2003
Seiten
9
Katalognummer
V108715
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenbild, Gerichtsshows
Arbeit zitieren
Andreas Schmid (Autor), 2003, Das Menschenbild in Gerichtsshows, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108715

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