Hannibal ad portas


Essay, 2003

7 Seiten

Anonym


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Einleitung

Die Worte „Hannibal ad portas“, die im Jahre 211 a.C. durch Rom schallten, sind noch heute sehr bekannt. Weniger bekannt allerdings dürfte ihre Bedeutung sein. Meines Erachtens sollen sie nicht nur für den direkten Marsch gegen Rom, sondern vielmehr für den zweiten punischen Krieg, bzw. den Marsch Hannibals gegen die Römer im Gesamten stehen. Der eigentliche Marsch von Hannibal gegen Rom 211 hätte es wohl nicht verdient derart in Erinnerung zu bleiben.

Der Sinn und Zweck Hannibals Blitzmarsches ist heute umstritten. Dachte er wirklich Rom belagern und einnehmen zu können oder war es nur ein strategischer Zug um das von den Römern belagerte Capua zu entlasten?

In der folgenden Niederschrift werde ich daher versuchen den Marsch Hannibals im Kontext der Belagerung der Stadt Capua durch römische Truppen zu beleuchten.

In der Geschichtsforschung wurde Hannibals Marsch zwar in seinen Einzelheiten im Feinsten erforscht, über den Zug gegen die Stadt Rom allerdings wurde vergleichsweise wenig geschrieben. Diesen Fakt sehe ich im Zusammenhang mit meiner o.g. These, nämlich dass der Zug an sich keine bedeutende geschichtliche Relevanz hat. Zwei Aufsätze deutscher Autoren, die sich diesem Thema widmeten, wurden in der Zeit des 3. Reiches geschrieben und sind nicht in unserer Bibliothek vorhanden.

„Rom erzitt’re! Rom erbebe!

Lausch des Echos fernen Schall!

Von den Alpenfirnen donnert

Die Lawine Hannibal.

Hannibal mit seinem Heere,

Einem Riesengletscher gleich,

Steigt herab vom Hochgebirge –

Und zerstört ein ganzes Reich.

Hannibals Marsch gen Rom

Nachdem Hannibal die Römer so vernichtend bei Cannae geschlagen hat, stellte sich die Frage, wo sein nächstes Ziel liegen würde. Hannibals Krieg war nicht darauf ausgelegt, Rom zu zerstören, vielmehr war sein Ziel die Befriedung Italiens und das Zurückdrängen des römischen Imperiums. Eine Zerstörung Roms wäre einer Befriedung der Region eher nicht zuträglich. Zudem hatte Hannibal ein anderes Ziel erreicht: die großen Stämme der Samniter und Lukaner, die campanischen Städte und die Zwölf-Stämmegemeinschaft der Bruttier schwenkten zu Hannibal über, während sie vorher Bundesgenossen der Römer waren.

Hannibals Unterfeldherren empfahlen Hannibal nun den Sieg zu nutzen und endlich Rom einzunehmen. Der Unterfeldherr Mahabal sollte dazu gesagt haben: „ Zu siegen verstehst du Hannibal, nicht aber den Sieg zu nutzen

Jedoch wäre eine Eroberung Roms zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Zwar waren Hannibals Verlust nach der Schlacht von Cannae nicht so hoch, aber die Kampfmoral und die Ausstattung ließen zu wünschen übrig. Die Stärke seines Heeres wird für das Jahr 211 unterschiedlich groß bewertet. Während Walter Görlitz in seiner Hannibalbiographie von 50.000 Mann spricht, redet Otto Meltzer in seiner „Geschichte der Karthager“ von einem Heer von höchstens 26.000 Mann. Doch selbst mit der Annahme von Görlitz wäre eine militärische Übernahme der Stadt Rom wohl nicht möglich gewesen.

Hannibal zog darauf nach Capua, um dort zu überwintern. Von dort unternahm er weitere Feldzüge durch Italien, konnte aber keine weiteren Erfolge erzielen. Im Jahre 211 gelang es nun dem römischem Heer Capua zu belagern. Hannibal hatte mittlerweile den Winter in dem Gebiet von Tarent verbracht und schickte seinen Neffen Hanno Bomilkar zur Unterstützung nach Capua. Er konnte den Ring jedoch nicht durchbrechen, so dass Hannibal mit seinem Heer und einigen Kampfelefanten gegen die Belagerer aufzog. Er positionierte seine Streitkräfte in den Bergen oberhalb Capuas und bot den Römern eine Feldschlacht an, die diese jedoch nicht annahmen, sondern Capua weiter belagerten.

Hannibals neue Strategie zielte darauf die Römer von Capua fortzubewegen. Er hatte zweierlei Pläne: entweder sollten die Römer einen Teil der Besatzungsarmee abzweigen, die Hannibal zuerst hätte schlagen können, um danach die Besatzung zu durchbrechen.

Sein anderer Plan war das neu aufgestellte Heer der Konsuln zu besiegen, um so die römische Zufuhr zu unterbinden. Die Idee, die Stadt Rom wahrhaftig einzunehmen, kann Hannibal nur als ultima ratio in Betracht gezogen haben.

Wie der Blitz die Eiche splittert,

Schlug der Punier Roms Kohorten.

Eh’ sie es zu fürchten wagen,

Steht er schon vor ihren Pforten.

„Hannibal steht vor den Mauern.

Hannibal steht vor den Toren.

Hannibal, der uns zu hassen

Schon als Knabe hat geschworen.“

In einem Eilmarsch durch Samnium und das Sabinerland erreichte er nach weniger als 10 Tagen den Anio, der 3 Kilometer oberhalb Roms in den Tiber mündet. Dieser Fluss war von erheblicher Bedeutung, da er die Trinkwasserversorgung der Großstadt gewährleistete. Hannibal schlug nun sein Lager in der Nähe von Rom auf. Die genauen Angaben variieren hier zwischen einem und sieben Kilometern von der Stadtmauer entfernt. Das Landvolk um Rom drängte wegen ihrer Schutzlosigkeit in die Stadt, um hinter ihren Mauern Schutz zu suchen. Dies führte natürlich dazu, dass die große Angst der Römer vor dem Einmarsch Hannibals noch verstärkt wurde.

Die Römer waren von dem Zug Hannibals überrascht worden und dachten nun, dass Hannibal die römischen Truppen bei Capua geschlagen hätte. Wäre dies der Fall gewesen, hätte es für Rom sehr düster ausgesehen.

Als dann noch die von Hannibal zu den Römern desertierten numidischen Reiter, die sich in der Stadt befanden, durch Rom ritten, dachten viele, dass Hannibals Armee bereits die Mauern durchbrochen hätte.

Hannibals Truppen reichten aber bei weitem nicht aus, die Stadt einzunehmen. Eine letzte römische Mobilisierung hätte vermutlich dreimal soviel Kämpfer, als Hannibal besaß, aufstellen können. Zudem war die von den Konsuln aufgestellte Legion gegenüber Hannibals Lager in Stellung gegangen. Ihre Schlagkraft könnte einem Angriff Hannibals nicht wirklich stand halten, aber zumindest doch einer weiteren Abschreckung Hannibals und einer Sicherung der Stadtmauern zuträglich gewesen sein.

Auf eine lange Belagerung konnte Hannibal sich nicht einlassen, weil das Hinterland nicht genügend gesichert war und er in Versorgungsschwierigkeiten gekommen wäre.

Rom war durch einen Verteidigungsring aus einer zehn Meter hohen und vier Meter breiten Mauer umgeben und war so nur sehr schwer einzunehmen. Eine Belagerung mit einer Aushungerung wäre die einzige Möglichkeit zur Einnahme gewesen und die Zeit dafür hatte Hannibal nicht.

Hannibal wartete daher besorgt auf die Nachricht, dass Truppen von Capua abgezogen werden würden, um Rom zu Hilfe zu eilen, er zog nach Osten, um den von ihm erhofften Legionen aus Campanien entgegnen zu können. Dabei musste er den Anio durchschreiten, dessen Brücken zuvor jedoch von den Römern zerstört worden waren. Bei der Durchquerung wurde Hannibal von der Legion angegriffen, seine Kavallerie konnte den Angriff zwar sofort abhalten, jedoch hatte er Verluste von 300 Mann und ihm konnte ein Teil seiner Beute genommen werden.

Die Bedrohung gegen Rom war nicht weiter aufrechtzuerhalten, mittlerweile hatte er sich zu weit nach Osten entfernt, so dass ein Rückzug gegen Rom nicht mehr überraschend hätte kommen können und den Römern genug Zeit für Verteidigungsvorbereitung geblieben wäre. Auch die Nachricht aus Campanien, dass die Belagerung gegen Capua in voller Stärke aufrecht erhalten würde, machte dies unmöglich. Anscheinend hatten die Römer Hannibals Plan durchschaut und aus Rom Nachricht erhalten, dass die Situation in Rom keiner fremden Hilfe bedarf.

Vor seinem Abzug sprengte Hannibal noch einmal die neue Legion, die ihm die Konsuln in Zuversicht auf ihre militärische Stärke gegenüberstellten.

Hannibals erste Erfolge waren hauptsächlich seiner neuen Kriegstaktik zu verdanken. Die Römer brauchten Zeit, sich an diese neuen Arten der Kriegsführung zu gewöhnen und entsprechend zu handeln. Zu diesem Zeitpunkt kann man nun davon ausgehen, dass sie Hannibals Taktik durchschauten.

Hannibal war sich zu diesem Zeitpunkt seiner misslichen Lage bewusst, er zog nicht wieder nach Capua, sondern überließ die Stadt mit den eingeschlossenen Karthagischen Truppen und dem Adel, der sich mit den Karthagern verbündete, ihrem Schicksal. Rom nahm die Stadt ein und ließ keine Gnade walten. Achtundzwanzig Sezessionisten nahmen sich selbst das Leben, 53 Adlige wurden öffentlich ausgepeitscht und dann geköpft.

Und er wandt’ sich nach Kampanien.

Schlug noch manche schöne Schlacht.

Mit Bezug doch auf das Ende

Hat er nicht zuletzt gelacht.

Hannibal zog in größter Eile durch die ihm getreuen Gebiete Samnium, Apulien und Lukanien über Bruttium nach Rhegion. In den nächsten Jahren verlor er zunehmend die Schlachten und zog im Jahre 202 nach Karthago zurück, wo er die Schlacht bei Zama verlor und die Ära Hannibal ihrem Ende zuging.

Schluss

Abschließend lässt sich sagen, dass der Zug Hannibals gegen Rom wirklich nur ein strategischer Ablenkungsversuch war, der u.a. wegen, für ihn, unglücklichen Zufällen, nicht in einem Sieg endete. Wäre die neu aufgestellte römische Legion ihm unterwegs entgegen gekommen hätte er sie vernichtend schlagen können und Rom hätte wesentlich weniger Schutz gehabt. Eine Einnahme wäre dann evtl. sogar möglich gewesen. Aber dies geht in den Bereich der Spekulationen, über die ich nicht genug sagen kann. Um die Frage zu beantworten, ob Hannibal Rom hätte einnehmen können, müsste ein intensives Studium und ein genaues Abwiegen der Heeresgrößen und der Verbündeten sowie der Sicherheitslage im Hinterland geschehen. Dies würde aber den Rahmen dieses Essays sprengen.

Christoph Höltke

Literatur

Görlitz, Walter: Hannibal – Eine politische Biographie, Stuttgart 1970.

Huss, Werner: Karthago, 2. Aufl., München 2000.

Meltzer, Otto: Geschichte der Karthager, 3Bde., 3. Bd.

Morlock, Herman: Hannibal ante portas!, Hamburg 1907.

Seibert, Jakob: Forschungen zu Hannibal, Darmstadt 1993.

Zlattner, Max: Hannibals Geheimdienst im zweitem punischem Krieg, Konstanz 1997.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Hannibal ad portas
Hochschule
Universität zu Köln
Jahr
2003
Seiten
7
Katalognummer
V108723
ISBN (eBook)
9783640069170
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurz Hausarbeit
Schlagworte
Hannibal
Arbeit zitieren
Anonym, 2003, Hannibal ad portas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108723

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