Für multinationale Unternehmen, die Tochtergesellschaften im Ausland betreiben, ist es üblich, dass sie Mitarbeiter ins Ausland entsenden. Bei der Auslandsentsendung durchleben Auslandsmitarbeiter bei ihrer Anpassung an das neue Gastland, einen Prozess der Umstellung. Dieser Anpassungsprozess bedarf seitens der Betroffenen, einer psychologischen Verarbeitung und kann in ihrem Verlauf mit Problemen behaftet sein. Wie sich solche Probleme bei Auslandsmitarbeitern ausdrücken können, möchte ich anhand meiner Diplomarbeit am Beispiel deutscher Führungskräfte in Mexiko herausarbeiten. Die Fragestellung zum Forschungsfeld der vorliegenden Arbeit lautet: Auf welche Problemfelder können deutsche Auslandsmitarbeiter bei ihrer Ausland-sentsendung nach Mexiko treffen und wie erleben sie diesen Prozess persönlich? Zur Beantwortung meiner Forschungsfrage möchte ich eine Fallstudie durchführen. Dafür werden von mir drei deutsche Führungskräfte in Mexiko interviewt. Im Interview sollen die Befragten aus ihrer subjektiven Sichtweise berichten.
Zur Entwicklung und Durchführung der Interviews soll in Kapitel 2. das Untersuchungsdesign der Fallstudie vorgestellt werden. Dieser Abschnitt stellt die methodologische Vorgehensweise in der Sozialforschung dar und soll im weiteren Verlauf die Begründung zur Auswahl der Erhebungsmethode erläutern.
Das folgende Kapitel 3. beschreibt die zur Erhebung erforderlichen theoretischen Hintergründe zum Forschungsfeld. Hier werden Alltagskontexte der Untersuchten anhand bestehender Literatur zu meinem Forschungsthema beschrieben. Die daraus folgenden Erkenntnisse ermöglichen die Entwicklung durchführbarer Interviews. Im Laufe der Auseinandersetzung mit dem Forschungsfeld ergaben sich für mich folgende Fragen:
Welche Vorbereitungsmaßnahmen werden von deutschen Auslandsmitarbeitern für ihre Entsendung nach Mexiko getroffen?
Welche Erwartungen haben die Befragten an ihr neues Gastland Mexiko?
Welche kulturellen Besonderheiten gibt es in Mexiko?
Können Auslandsmitarbeitern über Erlebnisse eines Kulturschocks berichten?
Welche Unterschiede gibt es im Vergleich zu Deutschland bezogen auf das Mitarbeiterverhältnis?
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG - ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG
2. DAS UNTERSUCHUNGS DESIGN DER FALLSTUDIE
2.1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN EMPIRISCHER SOZIALFORSCHUNG
2.2 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW NACH WITZEL (1982; 1985)
2.3 INSTRUMENTE DES PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEWS
2.4 ZUR INTERVIEWSITUATION NACH LAMNEK (1989)
2.5 METHODEN ZUR AUSWERTUNG DES PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEWS NACH WITZEL (1985), MAYRING (1991) UND VOLMERG, SENGHAAS-KNOBLOCH & LEITHÄUSER (1986)
3. THEORETISCHE ERÖRTERUNG ZUM FORSCHUNGSFELD DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
3.1 EINFÜHRUNG UND BEGRIFFSDEFINITION DES INTERKULTURELLEN MANAGEMENTS NACH DÜLFER (1997)
3.2 ANNÄHERUNG EINER BEGRIFFSDEFINITION VON "KULTUR" ZUR DIFFERENZIERUNG KULTURELLER UNTERSCHIEDE VON GESELLSCHAFTEN NACH HOFSTEDE (1993)
3.3 URSACHEN BEI DER ENTSTEHUNG KULTURELLER UNTERSCHIEDE NACH HOFSTEDE (1993)
3.4 DIMENSIONEN VON KULTUR NACH HOFSTEDES (1993) ERHEBUNG: DIE MACHTDISTANZ ALS AUSDRUCK EMOTIONALER DISTANZ ZWISCHEN PERSONEN
3.4.1 Machtdistanz in der Familie
3.4.2 Machtdistanz in der Schule
3.4.3 Machtdistanz am Arbeitsplatz
3.5 KULTURSCHOCK UND KULTURELLE ANPASSUNG ALS FOLGE EINES WECHSELS IN EIN GASTLAND
4. DIE RAHMENBEDINGUNGEN DER VORLIEGENDEN EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
4.1 ZUR KONTAKTAUFNAHME MIT DEN INTERVIEWPARTNERN IN MEXIKO
4.2 ZUR AUSWAHL EINER STICHPROBE VON INTERVIEWPARTNERN IN MEXIKO
4.3 ENTWICKLUNG EINES FRAGELEITFADENS
4.4 ZUR DURCHFÜHRUNG DER INTERVIEWS MIT DEUTSCHEN FÜHRUNGSKRÄFTEN IN MEXIKO
5. EXEMPLARISCHE FALLSTUDIEN – DARSTELLUNG VON BEFRAGUNGSERGEBNISSEN (THEMATISCH)
5.1 PERSÖNLICHE VORBEREITUNGSMAßNAHMEN VON DEUTSCHEN FÜHRUNGSKRÄFTEN FÜR DIE AUSLANDSENTSENDUNG NACH MEXIKO
5.2 WAREN DIE VORBEREITUNGSMAßNAHMEN AUSREICHEND?
5.3 PERSÖNLICHE ERWARTUNGEN AN MEXIKO
5.4 ZUM ERLEBEN KULTURELLER BESONDERHEITEN IN MEXIKO
5.5 PROBLEMATISCHE SITUATIONEN - EIN BEISPIEL FÜR ERLEBTE FETTNÄPFCHEN
5.6 ERLEBNISSE EINES KULTURSCHOCKS
5.7 VERHÄLTNIS VON MITARBEITER UND VORGESETZTE – EIN VERGLEICH ZWISCHEN MEXIKO UND DEUTSCHLAND
5.8 UMGANG MIT LOB UND TADEL DER BEFRAGTEN
5.9 ZUM ZEITVERSTÄNDNIS IN MEXIKO
6. ERKENNTNISGEWINN UND NUTZBARKEIT DER ERGEBNISSE – HINWEIS E FÜR DEUTSCHE FÜHRUNGSKRÄFTE ZUR KONSTRUKTIVEN BEWÄLTIGUNG PERSÖNLICHER PROBLEME BEIM AUSLANDSEINSATZ IN MEXIKO
6.1 ÜBERGREIFENDE DISKUSSION DER ERGEBNISSE
6.1.1 Vorbereitungsmaßnahmen zur Auslandsentsendung nach Mexiko
6.1.2 Erlebnisse eines Kulturschocks
6.1.3 Kulturelle Unterschiede zwischen mexikanischen Mitarbeitern und deutschem Vorgesetzten in Mexiko
6.2 HANDLUNGSEMPFEHLUNG
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die persönlichen Problemfelder, mit denen deutsche Führungskräfte bei einer Auslandsentsendung nach Mexiko konfrontiert werden. Das Ziel der Fallstudie ist es, die subjektive Erfahrung dieses Anpassungsprozesses zu beleuchten, kulturelle Besonderheiten im beruflichen Alltag zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für deutsche Fach- und Führungskräfte abzuleiten.
- Psychologische Bewältigungsprozesse bei Auslandseinsätzen
- Interkulturelles Management im Vergleich: Deutschland und Mexiko
- Kulturschock und soziale Anpassung
- Machtdistanz und Hierarchiedenken in mexikanischen Unternehmen
- Umgang mit Zeitverständnis, Lob, Tadel und Eigeninitiative
Auszug aus dem Buch
Problematische Situationen - Ein Beispiel für erlebte Fettnäpfchen
Herr M.: "Ja. Ich hatte einen Mitarbeiter, er war mein Vertreter, ausgebildeter mexikanischer Ingenieur. Mit dem haben wir mal Probleme besprochen, die wir in einer Lagerhalle hatten. Wir kamen jeden Morgen in den Betrieb und stellten fest, dass in dieser Lagerhalle große Unordnung herrschte. Das ist immer von der Nachtschicht verursacht worden. Dann haben wir diskutiert, da fehlt wohl die Aufsicht in der Nachtschicht. Was machen wir denn da und dann hat dieser, mein Vertreter, vorgeschlagen: 'Schicken Sie mich doch in die Nachtschicht. Ich regele das.' Ich habe das für einen sehr proaktiven Vorschlag gehalten und bin darauf eingegangen und dann, die Vereinbarung war in der folgenden Woche. Bevor er in die Nachtschicht ging, in den folgenden Tagen nach dem Gespräch, da lief er herum mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Ich habe mich immer gefragt, was hat er denn. Und dann habe ich ihn mal angesprochen, was mit ihm los sei. Dann sagte er: 'Ich bin ihr Vertreter und bin hier jeden Tag. Ich helfe Ihnen immer und ausgerechnet mich schicken Sie in die Nachtschicht.' Ich sage dann: 'Wieso denn? Sie haben es doch selber vorgeschlagen.' 'Ja aber in die Nachtschicht schicken wir immer die Leute, die man loswerden will, die so nix taugen. Die werden sozusagen abgeschoben. Ich habe erwartet, dass Sie mir sagen, nein, Sie können doch nicht in die Nachtschicht gehen. Ich brauche Sie doch.' Das hatte ich überhaupt nicht gecheckt. Da habe ich den also beleidigt, ohne das zu wollen. Und das war für mich ein Lehrbeispiel, wie man auch mit den Mexikanern umgehen kann. Das sie oft auch Sachen vorschlagen, aber es eventuell auch gar nicht meinen."
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG - ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG: Definition der Forschungsfrage zur psychologischen Belastung deutscher Expatriates in Mexiko und Begründung der Wahl einer qualitativen Fallstudie.
2. DAS UNTERSUCHUNGS DESIGN DER FALLSTUDIE: Erläuterung der methodischen Grundlagen, insbesondere der Anwendung des problemzentrierten Interviews nach Witzel zur Erfassung subjektiver Sichtweisen.
3. THEORETISCHE ERÖRTERUNG ZUM FORSCHUNGSFELD DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Einordnung der Thematik durch Begriffe wie interkulturelles Management, kulturelle Dimensionen nach Hofstede und die Phänomenologie des Kulturschocks.
4. DIE RAHMENBEDINGUNGEN DER VORLIEGENDEN EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Dokumentation des Auswahlprozesses der Interviewpartner und des methodischen Vorgehens bei der Erstellung des Frageleitfadens.
5. EXEMPLARISCHE FALLSTUDIEN – DARSTELLUNG VON BEFRAGUNGSERGEBNISSEN (THEMATISCH): Präsentation und Analyse der Interviewdaten zu Themen wie Vorbereitung, Kulturschock, Führungskultur und Zeitverständnis.
6. ERKENNTNISGEWINN UND NUTZBARKEIT DER ERGEBNISSE – HINWEIS E FÜR DEUTSCHE FÜHRUNGSKRÄFTE ZUR KONSTRUKTIVEN BEWÄLTIGUNG PERSÖNLICHER PROBLEME BEIM AUSLANDSEINSATZ IN MEXIKO: Synthese der Ergebnisse aus Theorie und Empirie mit praktischen Empfehlungen für den Berufsalltag in Mexiko.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Management, Deutschland, Mexiko, Führungskräfte, Fallstudie, Kulturschock, Machtdistanz, Sozialforschung, Anpassungsprozess, Auslandseinsatz, Eigeninitiative, Hierarchiedenken, Problemzentriertes Interview, Personalmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die persönlichen Herausforderungen und Anpassungsprobleme, denen deutsche Führungskräfte bei der Entsendung in mexikanische Tochtergesellschaften begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf interkulturellen Differenzen im Führungsstil, dem Erleben von Kulturschocks, dem unterschiedlichen Verständnis von Pünktlichkeit und der Dynamik zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die subjektiven Erfahrungen von Expatriates zu entwickeln, um daraus Erkenntnisse für eine effektivere Vorbereitung auf Auslandseinsätze in Mexiko zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet das problemzentrierte Interview nach Witzel und die zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring, um individuelle Erfahrungen systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Hintergründe (z.B. Kulturdimensionen von Hofstede) mit den praktischen, exemplarischen Fallstudien der drei interviewten Führungskräfte verknüpft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind: Interkulturelles Management, Kulturschock, Machtdistanz, Eigeninitiative, Anpassungsprozess und Expatriates.
Wie gehen die befragten deutschen Führungskräfte mit der fehlenden Pünktlichkeit ihrer mexikanischen Mitarbeiter um?
Die Führungskräfte berichten von verschiedenen Strategien: Einige setzen auf klare Ansagen und Sanktionen wie kleine Geldstrafen, andere versuchen, durch engere Einbindung in Arbeitsprozesse ein besseres Verständnis für Termine zu schaffen.
Wie unterscheidet sich die Kommunikation von Kritik in Mexiko im Vergleich zu Deutschland?
Die Studie verdeutlicht, dass deutsche Führungskräfte Kritik in Mexiko sehr behutsam und diplomatisch verpacken müssen, da die mexikanischen Mitarbeiter aufgrund eines ausgeprägten Stolzempfindens und der Hierarchie deutlich empfindlicher auf direkten Tadel reagieren als deutsche Arbeitnehmer.
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- Torsten Ewers (Author), 2002, Interkulturelles Management als persönliches Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10886