Hoyerswerda - Abschied Ost? - Aufstieg und Fall der zweiten sozialistischen Wohnstadt der DDR


Examensarbeit, 2002
50 Seiten, Note: 1,1

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Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Notwendigkeit eines Kokskombinates und einer Wohnstadt
1. 1. Die wirtschaftliche Ausgangslage der DDR nach 1945
1. 2. Über die Notwendigkeit eines Kokskombinates
1. 3. Der Entschluss zum Bau von „Schwarze Pumpe“
1. 4. Der Entschluss zum Bau einer Wohnstadt für das Kombinat

2. Die Lausitz
2.1. Die Morphologie
2.2. Die wirtschaftliche Entwicklung der Niederlausitz
2.3. Die Geschichte der Stadt Hoyerswerda

3. Das Kombinat und seine Wohnstadt bis Mitte der 60er
3.1. Bau und Inbetriebnahmen des Kombinats
3.2. Lage und Stimmung der Arbeiter im Kombinat
3.3. Die erste Planungsphase der Wohnstadt bis Juni 1956
3.4. Die zweite Planungsphase bis Oktober 1956

4. Der Wandel im sozialistischen Städtebau ab Mitte der 50er
4.1. Der Anfang des sozialistischen Städtebaus in der SBZ/DDR bis 1950
4.2. Das Endes des eigenen Weges und die Orientierung am sowjetischen Vorbild
4.3. Die Abkehr vom stalinistischen Bauen
4.4. Die Bedeutung des Wandels für die Planungen der Stadt Hoyerswerda
4.5. Das Ergebnis des Ideenwettbewerbs vom Oktober 1956
4.6. Der Wohnkomplex
4.7. Der Wohnkomplex in Hoyerswerda
4.8. Die Umsetzung der Planungen bis Mitte der 60er
4.9. Das Scheitern der Idee der Stadt als Erziehungsort
4.10. Die Verteilung der Wohnungen
4.11. Das industrielle Bauen

5. Das Kombinat Schwarze Pumpe bis 1989
5.1. Der Bergbau
5.2. Größe und Bedeutung des Kombinates Schwarze Pumpe
5.3. Die Belegschaft und die Wohnstadt

6. Die Neustadt bis 1989
6.1. Der Bau der Wohnkomplexe 7 bis 10
6.2. Die 80er Jahre
6.3. Hoyerswerda Neustadt – eine sozialistische Stadt?
6.4. Die Einwohner der Stadt
6.5. Beschäftigung

7. Das Kombinat Schwarze Pumpe ab 1989
7.1. Das Ende der Planwirtschaft
7.2. Die Bedeutung der Braunkohle
7.3. Das Lausitzer Revier nach 1989
7.4. Das Kombinat Schwarze Pumpe nach 1989
7.5. Beschäftigte im Bergbau nach 1989
7.6. Die Beschäftigungssituation der ESPAG nach 1989
7.7. Die Beschäftigungssituation in Hoyerswerda nach 1989

8. Die Entwicklung der Stadt Hoyerswerda nach 1989
8.1. Die Wende
8.2. Die Einwohnerzahl
8.3. Die Fortzügler
8.3.1. Die Zielgebiete der Fortzügler
8.3.2. Das Alter der Fortzügler
8.4. Die natürliche Bevölkerungsentwicklung
8.4.1. Die Geburtenzahlen
8.4.2. Die Sterbezahlen
8.4.3. Ergebnis
8.5. Der Bevölkerungsaufbau
8.6. Die Bevölkerungsentwicklung und der Bevölkerungsaufbau in ausgesuchten Stadtteilen
8.7. Die Stadtentwicklung
8.7.1. Die finanzielle Ausgangslage der Wohnungsgesellschaften
8.7.2. Die finanzielle Ausgangslage der Kommunen
8.7.3. Die Veränderung der Verteilung unterschiedlicher Statusgruppen
8.7.4. Die Probleme und Ziele der Stadtentwicklung
8.7.5. Der Wohnungsbestand
8.7.6. Die Leerstände
8.7.7. Die Rückbauten
8.7.8. Die Suche nach einer neuen Stadtgestalt

9. Entwicklungsprognose: Hoyerswerda 2015
9.1. Prognose der Wirtschaftsentwicklung
9.2. Prognose der Bevölkerungsentwicklung der Neustadt 2000 – 2015
9.2.1. Die Prognose der Jugendabwanderung
9.2.2. Die Prognose der zukünftigen Geburtenrate
9.2.3. Die zukünftige Entwicklung der über 25jährigen
9.2.4. Die zukünftige Einwohnerentwicklung der Neustadt bis 2015
9.3. Auswirkungen der Prognose auf die Alterszusammensetzung der Neustadt
9.4. Prognose der Haushaltsentwicklung und des zukünftigen Wohnungsbedarfs
9.5. Prognose der finanziellen Folgen des Einwohnerrückgangs und der Leerstandsbeseitigung
9.6. Aspekte einer zukünftigen Stadtentwicklung
9.6.1. Die Einstellungen der Jugend zur Neustadt
9.6.2. Die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung an die Neustadt
9.6.3. Perspektiven und Strategien zur Neuordnung der Neustadt
9.7. Der eigene Vorschlag zum zukünftigen Stadtumbau
9.7.1. Grundprinzipien
9.7.2. Die zukünftige Gestalt einiger ausgewählter Wohnkomplexe

10. Resümee und Ausblick

11. Aktueller Nachtrag

12. Quellenverzeichnis
12.1. Unveröffentlichte Quellen
12.2. Veröffentlichte Quellen

13. Literaturverzeichnis

14. Abkürzungsverzeichnis

15. Anhang

„Abschied Ost“?

- Aufstieg und Fall der „ sozialistischen Wohnstadt “ Hoyerswerda

Vorwort vom 4. August 2004

Fakten, Fakten, Fakten – Wer die Zahlen kennt, hat die Macht. Sollte dieser Spruch gelten, wären die Verantwortlichen von Hoyerswerda machtlos, denn sie scheinen sich seit der Wende wenn überhaupt nur halbherzig mit der wirklichen Lage ihrer Stadt zu beschäftigen. Die Wohnungsgesellschaft hält sich wie die Stadtverwaltung über ihre Planungen bezüglich der Zukunft bedeckt. Keiner rührt sich, keiner sagt etwas, keiner wagt etwas. Realitäten werden nicht benannt, Probleme nicht angesprochen, die Krise nicht konstruktiv angegangen. In der Neustadt leben heute (2004) nur noch rund 50% der Einwohner gegenüber dem Jahr 1988! – nur scheint das keinen so richtig zu beunruhigen. Denn 50% weniger Einwohner heißt auch, dass man viel weniger Wohnungen braucht. Statt sich darauf einzurichten, wird jedoch fleißig renoviert, statt abzureißen und Altschulden zu tilgen, macht man genau das Gegenteil. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die Vermietungsunternehmen zahlungsunfähig werden und zugleich die Stadt in die Finanzkatastrophe mit hineinzieht.

Und das ist noch nicht alles! Für die Neustadt gibt es bis zum heutigen Tage (4. August 2004) keine ausgewiesene Prognose der Einwohnerzahlen für die Jahre 2005, 2010 und 2015, die einigermaßen realistisch ist. Man fragt sich, wonach man in den Verwaltungen die nächsten Schritte der Stadtentwicklung plant.

Diese Arbeit versucht, die Stadt Hoyerswerda (Neustadt = zweite sozialistische Wohnstadt der DDR) in ihrer Entwicklung darzustellen und eine Prognose für die Zukunft zu entwerfen. Neben der Erläuterung der Architekturgeschichte liegt das Hauptaugenmerk auf der Erstellung von Tabellen und Zahlen, um anhand dieser Werte eine Prognose bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Einwohnerzahlen wagen zu können.

2005 jährt sich die Grundsteinlegung von Schwarze Pumpe und Neustadt zum 50igsten Mal – ob es noch einmal 50 Jahre geben wird?

Diese schriftliche Hausarbeit wurde am 15. 12. 2002 im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe I gemäß LPO (BASS 20-02 Nr. 11) von M. Rumler an der WWU Münster Institut für Geographie vorgelegt und ist mit der Note 1,1 bewertet worden. Nach der Rückgabe überarbeitete ich sie nochmals geringfügig und aktualisierte einige Angaben.

Bei Fragen kann man mir eine Mail schreiben: marc.o.rieck@gmx.de

M. Rumler

0. Einleitung

„Honecker hat Recht behalten. Der eklatante Mangel an Wohnungen in der DDR, so versprach er 1971, werde in den neunziger Jahren beseitigt sein. An der Wohnungsbaupolitik der SED lag es freilich nicht, dass sich diese Prophezeiung erfüllte. ... Erst der Untergang der DDR schuf die Voraussetzungen dafür, dass in kürzester Zeit gelingen konnte, was im Sozialismus nicht möglich war. Statt der DDR-typischen graubraunen Fassaden prägen heute überall leuchtende, frisch renovierte Häuser das Straßenbild. ... Das ist eine der großen Erfolgsgeschichten der deutschen Wiedervereinigung: Durch die gemeinsame Anstrengung von Ost und West konnte die Wohnungsnot in kurzer Zeit überwunden werden. ... Das niederschmetternde Ergebnis der historischen Anstrengung ist: Die Aufbauleistung war viel zu erfolgreich.“0 Rund eine Million Wohnungen sind in Ostdeutschland nicht vermietbar. Der Mietausfall durch Leerstand wird auf eine Milliarde EURO pro Jahr geschätzt. Vielen Städten und Gemeinden hängen die defizitären kommunalen Wohnungsgesellschaften wie Mühlsteine am Hals.[1] Und wie kam es dazu? Es herrscht „Aufbruchsstimmung im Osten. Ganze Jahrgänge verabschieden sich gen Westen. Sie verlassen strukturschwache Regionen wie die Altmark, die Lausitz und Vorpommern, in denen die Arbeitslosigkeit seit Jahren bei über 20 Prozent liegt. ... Seit 1992 haben an die 1,5 Millionen ihre ostdeutsche Heimat aufgegeben.“[2]

Abschied Ost – hunderttausende Verlassen ihre Städte, Dörfer und Gemeinden, weil es nicht genug Beschäftigung gibt. Diese hier vorliegende Arbeit möchte am Beispiel der Stadt Hoyerswerda Aussehen und Auswirkungen der Ost-West-Binnenwanderung beschreiben.

Warum gerade Hoyerswerda? Die Stadt besteht aus einer Alt- und einer Neustadt. Der Entschluss zum Bau der Neustadt fiel 1955 und kam einer Stadtneugründung gleich. Sie sollte als Wohnstadt für die nahe gelegenen Tagebaue, die Kraftwerke und das Kokskombinat Schwarze Pumpe dienen. Was nun jedoch die DDR-Stadtplanung am 30. Oktober 1956 vollzog, als sie den Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs kürte, war wie ein erster Abschied Ost – ein Abschied nämlich von den Idealen der stalinzeitlich sozialistischen Stadt. Hoyerswerda-Neustadt war die zweite sozialistische Stadt der DDR. Beim Bau folgte man nach Stalins Tod ganz anderen Prinzipien, als denen, die noch bei der Errichtung der ersten sozialistischen Stadt Eisenhüttenstadt galten. Mit der Annahme des Planungsentwurfs von Martin Röser im Oktober 1956 fiel zugleich eine Entscheidung über die Gestaltung der Zentren der zukünftigen Stadtneugründungen der DDR. Hoyerswerda hatte eine Pilotfunktion.

Wenn nach Dieter Richter „der Raum ... »Registrierplatte sozialer Aktivitäten« von Gruppen“[3] ist, diese sich jedoch jeweils in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen anders bewegen und somit ihren Raum auf ihre je eigene Art prägen, so wird zu klären sein, was an Hoyerswerda-Neustadt, wenn schon nicht stalinistisch, so doch typisch sozialistisch ist. Hierzu wird besonders auf Wertungen und Beschreibungen von Werner Wallert und Thomas Hoscislawski einzugehen sein.[4]

Da die Hauptursache für die Gründung und spätere Existenzgrundlage der Neustadt das Kokskombinat Schwarze Pumpe war, wird in dieser Arbeit versucht, ab 1955 die Entwicklungsverläufe des Kombinats und seiner Wohnstadt in einer chronologischen Zusammenschau darzustellen.

In einem zweiten Schritt wird die Entwicklung nach dem Herbst 1989 Gegenstand dieser Untersuchung sein. Der Systemwechsel verlangte sowohl von der Leitung des ehemaligen Kombinats wie auch von den Bewohnern und der Stadt- und Wohnungsverwaltung der Wohnstadt eine Neuorientierung. Dieser Prozess verlief - und verläuft noch - sehr schmerzhaft. Er führte wegen der Krise auf dem Arbeitsmarkt zugleich zu einem massiven Wegzug der Bevölkerung, einem Abschied von der Neustadt und so zu einer Krise in eben jener. Eine Folge der tiefen Verunsicherung war, dass ein Teil der Stadt- und Wohnungsverwaltung sich zur Zusammenarbeit mit mir nicht bereit erklärte und den Zugang zu Informationen verweigerte. So musste ich oft mit Schätzungen arbeiten, die der wirklichen Lage wohl nur annäherungsweise gerecht werden können. Ein großer Dank gilt daher der Wohnungsgenossenschaft und dem Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen, die mir durch Veröffentlichungen und Gespräche Einblicke in die Problemlage ermöglichten.

Das Ziel dieser Arbeit liegt in der Erstellung einer Einwohnerprognose für das Jahr 2015 und dem Entwurf einer zukünftigen Stadtgestalt bis 2020. Diese neue Neustadt wird - wie schon bei ihrer Gründung - wiederum einen Abschied Ost vollziehen müssen, soll aus einer meist von wenigen oft staatlichen Kräften bestimmten Stadt ein lebendiges, vor allem von den Bürgern getragenes Ganzes werden. Da ein wesentlicher Faktor in diesem Transformationsprozess die junge Generation darstellt, wurde von mir eine Umfrage unter Schülern durchgeführt.[5] Aus dem Ergebnis dieser Befragung und der Prognose der Einwohnerzahl 2015 werden abschließend die Fragen zu behandeln sein: Wie schrumpft die Neustadt sinnvoll? - und - Nach welchen Prinzipien sollte sich der Neuorientierungsprozess vollziehen?

Meine Lösung wird radikal ausfallen, weil es dafür ausschlaggebende und zwingende Gründe gibt. Ich hoffe, dass ich damit nicht diejenigen verletze, denen die Neustadt Heimat wurde und die sie mit aufbauten und nun sich um einen wesentlichen Teil ihrer Lebensleistung gebracht sehen könnten.

1. Die Notwendigkeit eines Kokskombinates und einer Wohnstadt

1.1. Die wirtschaftliche Ausgangslage der DDR nach 1945

Die Ausgangslage der ostdeutschen Industrie in den ersten Nachkriegsjahren war sehr ungünstig, da die Regierung der UdSSR ihre Reparationsansprüche gegenüber Deutschland in Höhe von 10 Milliarden Dollar (Preisbasis von 1933) nur in ihrem Besatzungsgebiet geltend machen konnte. Die Demontagen begannen im Sommer 1945 und umfassten bis Ende 1946 weit über 1.000 Betriebe bedeutender Industriezweige, vor allem der Eisen- und Stahlindustrie. Auch das zweite Gleis fast aller Bahnstrecken wurde demontiert. In der zweiten Phase entnahm die UdSSR Reparationen aus der laufenden Produktion. Danach gingen die etwa 200 wichtigsten und größten Betriebe als Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG) in den Besitz der Sowjetunion über. Die Wirtschaft der SBZ/DDR dürfte so bis 1953 mit der gewaltigen Summe von 54 Milliarden Mark zu laufenden Preisen (bzw. 14 Milliarden Dollar) belastet worden sein.[6]

Schließlich schnitt die Teilung Deutschlands die sowjetische Besatzungszone (SBZ) wirtschaftlich fast vollständig von ihrer traditionellen Beziehung zum Westen ab. Dringend benötigte Rohstoffe und Vorfabrikate standen nun nicht mehr zur Verfügung. „Über der ostdeutschen Wirtschaft lag somit von Anbeginn der Makel des Mangels, den sie nie richtig abstreifen konnte.“[7] Die sowjetische Besatzungsmacht installierte in der SBZ/DDR zudem ein Wirtschaftsmodell, das Ende der dreißiger Jahre in der UdSSR konstituiert und insbesondere durch die Kriegswirtschaft perfektioniert worden war. Der erste ostdeutsche Fünfjahresplan, gültig von 1951 bis 1955, sah besonders den Ausbau der Energie- und Brennstoffindustrie sowie der Hütten-, Stahl- und Walzwerke vor. Daraufhin stieg die Rohstahlerzeugung bis 1953 auf 2,1 Millionen Tonnen (das Doppelte der Erzeugung von 1936). Ähnliche Leistungen erzielten die Energiewirtschaft und die chemische Industrie. „Der schnelle Aufbau der Schwerindustrie entschied nicht nur über das Schicksal unserer Republik, indem damit ihre ökonomische und politische Unabhängigkeit gefestigt wurde; er entschied auch über die Zukunft der ganzen deutschen Nation. Das war der schwerste Schlag gegen die imperialistischen Spalter Deutschlands und ihre Pläne, unsere Republik ökonomisch in die Knie zu zwingen“[8], so das Geschehen aus DDR-Sicht. Die metallurgische Basis der ostdeutschen Wirtschaft sollte ein neues Eisenhüttenkombinat sichern. Ab Mitte August 1950 entstand jedoch bei Fürstenberg nicht nur das Kombinat, sondern zugleich die erste sozialistische Wohnstadt der DDR. Nicht genügend Beachtung fanden dagegen die Wirtschaftsbereiche der Konsumgüterindustrie und der Feinmechanik und Optik. Aus heutiger Sicht blieb der Aufbau des Sozialismus in der DDR ein von der UdSSR verfügtes Hinterherlaufen hinter gängigen Industrialisierungsformen, ein bloßes Nachahmen des sowjetischen Weges. Dort war der Aufbau der Schwerindustrie aufgrund der Rückständigkeit des Landes sinnvoll.[9] Für die DDR bedeutete der Aufbau dieser energieintensiven Wirtschaftszweige zwar, dass in den fünfziger Jahren die Industrieproduktion schnell wuchs, die Energieproduktion blieb jedoch hinter diesem Wachstum weit zurück.[10]

1.2. Über die Notwendigkeit eines Kokskombinates

Noch kam ein Großteil des Steinkohlenkoks für die ostdeutschen Hüttenwerke aus Polen. Wollte die DDR jedoch ihre Eigenständigkeit bewahren, musste sie auf einheimische Rohstoffe zurückgreifen. Mitte der fünfziger Jahre zeigte ein geologisches Gutachten, dass ein weiterer Aufschluss von Steinkohlelagerstätten in Ostdeutschland nicht möglich war.[11] Die DDR verfügte nur über einen Rohstoff in ausreichendem Maße: Rohbraunkohle. Um neben der Wärmeerzeugung vor allen Dingen Rohstoffgrundlagen für die metallurgische und chemische Industrie zu erhalten, musste eine höherwertige Veredlung der Braunkohle erreicht werden.[12] Schon 1951 wurden 1,05 Millionen Tonnen Benzin und Dieselöl aus Braunkohle erzeugt.[13] „Als die Professoren Bilkenroth und Rammler in den Jahren 1950/51 ein großtechnisches Verfahren zur Erzeugung von Braunkohlenhochtemperaturkoks [BHT-Koks] ... entwickelten und dieses Verfahren 1952 mit der Inbetriebnahme der ersten Kokerei auf Braunkohlenbasis in Lauchhammer erfolgreich großtechnisch angewendet wurde, war das die Geburtsstunde für das künftige Braunkohlenveredelungskombinat an dem noch zu bestimmenden Standort: Schwarze Pumpe.“[14] Dieser BHT-Koks sollte die DDR von ausländischen Energieimporten unabhängig machen.

1.3. Der Entschluss zum Bau von „Schwarze Pumpe“

Seit 1954 erarbeitete das Projektierungs- und Konstruktionsbüro Kohle in Berlin unter der Leitung von Professor Bilkenroth mehrere Studien für ein Kokskombinat in der Nachbarschaft des Kraftwerks Trattendorf. Die Notwendigkeit zur Errichtung des Kombinats wurde durch einen Ministerratsbeschluss vom 24. Juni 1954 unterstrichen, denn dieser forcierte die Entwicklung der Braunkohlenindustrie. Bis zum Mai 1955 lag das Ergebnis des Berliner Büros vor: Kokskombinat Schwarze Pumpe. Als Standort wurde das Gelände östlich der Ortschaft Brigittenhof vorgeschlagen. Dies war ein kohleflözfreier Platz, der dazu verkehrsgünstig lag und in unmittelbarer Nähe die Kohlefelder von Welzow Süd, Nochten, Burghammer und Spreetal als Rohstoffbasis hatte.[15] Die endgültige Bestätigung der Variante erfolgte am 23. Juni 1955. Der Ministerrat der DDR beschloss den Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe.[16] Der Beschluss sah den Bau von drei Brikettfabriken, drei Kokereien, drei Kraftwerken und einem Druckgaswerk vor. 12.000 Beschäftigte sollten die Versorgung der DDR für die nächsten 50 Jahre sichern. Der Schwerpunkt des Kombinats lag in der Braunkohlenveredlung, also der Herstellung von Elektroenergie, Koks und Gas, nicht primär in der Brikettprodunktion.[17] Die Entscheidung zum Aufbau des VEB Gaskombinats Schwarze Pumpe und seiner Bedeutung für die Energieversorgung der DDR künden von dem Ziel der Energiepolitik der DDR einer möglichst weitgehenden Unabhängigkeit von Energieimporten. Man wollte nationale Autarkie erreichen. Die Kosten der Energieversorgung der DDR-Volkswirtschaft im Vergleich zur Importenergie aus Steinkohle, Mineralöl oder Erdgas wurden nicht errechnet, da man keine kostbaren Devisen für Rohstoffimporte aufwenden wollte oder konnte.[18]

Für das Kombinat Schwarze Pumpe hatte das Ministerium für Schwerindustrie 1955 einschließlich der Tagebaue einen Arbeitskräftebedarf von 16.000 Arbeitern berechnet. So musste mit dem Kombinat, das mitten in der Trattendorfer Heide buchstäblich aus dem Boden gestampft wurde, zugleich die Infrastruktur der Region erheblich ausgebaut werden. Ohne Straßen und vor allem ohne den Bau von neuen Wohnungen war das Projekt nicht zu realisieren.[19] Das Kombinat brauchte eine eigene Wohnstadt.

1.4. Der Entschluss zum Bau einer Wohnstadt für das Kombinat

So wie in der jungen DDR das Subjekt der Industrieentwicklung der Staat war, entschied auch der Staat über die Stadtentwicklung, d.h. über die Art der Bodennutzung und über Ort, Art und Zeitpunkt von Investitionen. Der spezifische Anspruch des neuen sozialistischen Staates auf deutschem Boden lag besonders darin, dass über diese Fragen der Bodennutzung nicht private Eigentümer, d.h. das Kapital, sondern die Gesellschaft, d.h. die Partei entscheiden sollte. Die Kommunen vor Ort verloren als eigenständige politische Instanzen faktisch ihre Bedeutung. Sie waren dem Rat des Bezirkes und den jeweiligen Volksvertretungen unterstellt und bekamen von ihnen Anweisungen. Da die Kommunen über nur sehr geringe eigene Einnahmen verfügten, konnten sie keine selbständige Haushaltspolitik betreiben. Demnach wurden alle kommunalen Angelegenheiten durch diese Umstände unmittelbar zu Staatsangelegenheiten.[20] Folglich konnte zugleich ein Beschluss über den Bau des Kombinates Schwarze Pumpe und ein Beschluss über den Bau der zweiten sozialistischen Wohnstadt der DDR im Bezirk Cottbus gefasst und durchgesetzt werden. Das zentrale Projektierungs- und Konstruktionsbüro der Kohle Berlin stellte in eigener Regie bereits im Frühjahr 1954, beauftragt vom Ministerium für Schwerindustrie, neben den Erkundungen für einen Standort des Braunkohlenveredelungskombinats erste Überlegungen an, etwa vier Kilometer östlich von Spremberg die Wohnstadt von Schwarze Pumpe zu errichten. Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich das Ministerium für Aufbau ein, um Fragen der Gebietsplanung in die Diskussion um einen sinnvollen Standort der Neustadt einzubringen. Da es schon bei der Errichtung der ersten sozialistischen Stadt Fürstenberg zu Problemen wegen der parallelen Arbeit zweier Ministerien gekommen war, entschied man sich, Ende Juni 1954 das Staatliche Entwurfsbüro für Stadt- und Dorfplanung Halle zu beauftragen, geeigneten Baugrund zu suchen. Schon zwei Wochen später fiel anläßlich eines Ortstermins in Spremberg die Entscheidung, die Wohnstadt an die Kreisstadt Hoyerswerda anzulehnen. Nach gründlichen Voruntersuchungen des Bezirkshygieneinstituts lagen im Frühjahr 1955 die erforderlichen Daten für vier Gebiete in unmittelbarer Nachbarschaft Hoyerswerdas vor. Die Entscheidung fiel zugunsten der nördlichen Lage, da das Gebiet kohlefrei, der Baugrund günstig, die Beziehung zur Altstadt positiv, die Entfernung zum Kombinat vertretbar, der Erschließungsaufwand durch die schon bestehenden Fernstraßen und Eisenbahnanbindung relativ gering und die bioklimatischen und lufthygienischen Bedingungen optimal waren. Am 23. Juni 1955 bestätigte der Ministerrat neben dem Standort für das Kombinat endgültig ebenfalls den Standort nördlich der Altstadt Hoyerswerdas. Gleichzeitig wurden erste Angaben zur Größe der Stadt gemacht. In Abrundung der Altstadt sollten 1.000, in der Neustadt 7.000 und im Rahmen möglicher Erweiterungen 3.500 Wohneinheiten geschaffen werden. Zusammen mit den 5.500 vorhandenen Wohnungen ergäbe sich so für Hoyerswerda eine maximale Größe von 48.700 Einwohnern.[21]

2. Die Lausitz

2.1. Die Morphologie

Das Landschaftsbild der Lausitz wird von vier Großlandschaften geprägt: dem Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet, dem Spreewald, dem Lausitzer Becken- und Heideland und der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.[22]

Zu Beginn der Erdneuzeit (Alttertiär: Paläozän und Eozän) kam es im Lausitzer Raum zu Ablagerungen von Kaolinen durch Verwitterung des im Rahmen der variskischen Gebirgsbildung entstandenen Grundgebirges sowie Sanden, Schluffen und Tonen. Zusätzlich bildeten sich kleinräumige und geringmächtige Braunkohlenflöze.

Im Oligozän drang das Meer in mehreren Phasen in das nördliche Gebiet der Lausitz vor und führte zur Ablagerung von Sand-, Schluff- und Tonschichten sowie zur Ausbildung des geringmächtigen V. Lausitzer Flözhorizonts in den Gebieten um Lübben – Luckau – Calau. Zugleich bildete sich der großflächig verbreitete IV. Lausitzer Flözhorizont, der im Raum Welzow – Spremberg Mächtigkeiten von mehr als 10 Metern erreicht.

Im Miozän kam es zur Bildung von 3 weiteren Flözhorizonten, die durch teilweise mächtige Folgen von Sand-, Schluff- und Tonschichten voneinander getrennt sind. Davon erlangte der II. Lausitzer Flözhorizont infolge seiner Verbreitung und seiner Mächtigkeit die größte wirtschaftliche Bedeutung. Ist doch dieses Flöz rohstoffliche Grundlage der jetzigen und zukünftigen Kohle- und Energiewirtschaft in der Lausitz.[23]

Böden und Oberflächenformen im Landschaftsgefüge der Niederlausitz entstammen eiszeitlichen Ablagerungen. Die Eismassen des älteren Quartärs führten hier zur Herausbildung besonders tiefer Erosionsrinnen. Als markantes Beispiel ist die große Guben – Peitz – Cottbus – Lübben – Krausnicker Hauptrinne zu erwähnen. Alle in dieser Zeit entstandenen Rinnen zerteilen den II. Lausitzer Flözhorizont in viele große Kohlefelder. In den jüngeren eiszeitlichen Epochen (Elster-, Saale-, Weichsel-Glazial) stieß das Eis mehrmals vor, zog sich wieder zurück und hinterließ Grund- und Endmoränen, Sander und Urstromtäler. Eine der Endmoränen, die langgestreckt und hügelzugartig bis zu 170 m über NN erreicht, wird Lausitzer Grenzwall genannt. Weiterhin gibt es ausgedehnte Moore. Neben den überwiegend aus Sand, lehmigem Sand und sandigem Lehm bestehenden Böden, gibt es ebenfalls ausgedehnte Sumpf- und Moorböden.[24]

2.2. Die wirtschaftliche Entwicklung der Niederlausitz

Ausgehend von den ungünstigen naturräumlichen Standortbedingungen, den Auswirkungen der Kriege (Dreißigjähriger Krieg, Siebenjähriger Krieg) und der peripheren Lage zu den wirtschaftlichen Entwicklungsräumen Deutschlands, blieb der nördliche Teil der Lausitz bis in das 19. Jh. eine vorwiegend agrarisch geprägte Region, die zu den wirtschaftlich rückständigsten Gebieten in ganz Deutschland gehörte. Ein wenig effektiver Ackerbau auf den vorwiegend leichten und wenig fruchtbaren Sandböden (Roggen, Kartoffeln) und eine ausgeprägt extensive Viehwirtschaft (Schafe) waren die wirtschaftlichen Standbeine der Einwohner. In den Städten hatte sich die Tuchproduktion etabliert. Auch wurden Glassand und Ton abgebaut und Glas und Keramik produziert. Dies alles wurde jedoch vielfach bis zur Mitte des 19. Jh. in Heimarbeit betrieben.

Ab etwa 1850 setzte der industrielle Abbau der Braunkohle ein und mit ihm der Aufschwung der Lausitz. Bis zu dieser Zeit wurde die Braunkohle nur punktuell in kleineren Gruben gefördert. Die erste Kohle fand man schon 1789 bei Lauchhammer. 1851 wurde die erste Grube „Jenny“ im Grünhauser Forst bei Kostebrau angelegt, die die Braunkohle industriell abbaute.[25] 1866 breitete sich in der Nähe des Rittergutes Welzow die Grube „Clara“ aus. Beschäftigten die Bergwerksbetriebe der Niederlausitz um 1871 lediglich 430 Arbeiter, waren es 1906 bereits 12.000 Menschen. Aber erst mit der Erfindung der Brikettpresse konnte sich die Lausitzer Rohbraunkohle gegen die Steinkohle aus Schlesien und von der Ruhr behaupten. So entstanden zwischen 1872 und 1874 im nahegelegenen Senftenberger Gebiet die ersten Brikettfabriken und mit ihnen die ersten Betriebe des Maschinenbaus. Briketts aus Braunkohle bewirkten eine Art Wirtschaftswunder. Das Lausitzer Revier wurde zu einem beachteten Faktor auf dem deutschen Brennstoffmarkt.[26] Im Jahre 1936 hatte das Braunkohlenrevier, bezogen auf das Territorium der späteren DDR, einen Anteil von ca. 35% an der Braunkohlenförderung, ca. 40% an der Brikettierung und ca. 15% an der Elektroenergieerzeugung.[27] Die Industrialisierung nahm Einfluss auf die Einwohnerzahlen. Von 1885 bis 1925 nahm die Bevölkerung der Niederlausitz um 42% zu, von 1885 bis 1939 sogar um 52%.[28]

2.3. Die Geschichte der Stadt Hoyerswerda

Hoyerswerda war bis 1955 eine kleine unbedeutende Ackerbürgerstadt, in der nicht viel mehr als 7.000 Einwohner lebten. Keramische Funde belegen eine Besiedelung durch deutsche und sorbische Siedler vom Ende des 12. Jahrhunderts an. In der zweiten Hälfte des 13. Jh. erbauten deutsche Siedler eine Wasserburg. Es ist anzunehmen, dass mit der Burg die Keime einer Ansiedlung entstanden. Die älteste bekannte Quelle stammt aus dem Jahre 1268, als Hoyerswerda in der Oberlausitzer Teilungsurkunde des Markgrafen von Brandenburg erwähnt wird. Den Namen erhielt die Stadt vermutlich vom Herrn Hoyer von Friedeburg. Er wird 1272 als Besitzer der Feste Hoyerswerda genannt. Er kommt vermutlich auch als Gründer der Stadt in Betracht.[29]

Schnell entwickelte sich die Burg zu einer Grenzfeste zwischen Böhmen und Brandenburg. In rascher Folge wechselten die Eigentümer. Nachdem Kaiser Karl IV. 1371 Hogiswerda das Recht eines Wochenmarktes zubilligte, erhielt das Städtlein 1423 vom Freiherrn von der Duba das Privileg über das Stadtrecht und der freien Ratswahl.[30] Da die Burg 1467/68 Zufluchtsort der Hussitenanhänger war, wurde sie erst von Truppen des Sechsstädtebundes belagert und schließlich niedergerissen.

Im Dreißigjährigen Krieg blieb die Stadt zwar von großen militärischen Auseinandersetzungen verschont, der wechselnde Durchmarsch von katholischen und protestantischen Truppen brachte jedoch starke Belastungen für die Bevölkerung. Im Prager Friedensschluss von 1635 kam die Lausitz zum Kurfürstentum Sachsen.[31] Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 fiel die Herrschaft über Hoyerswerda an das Königreich Preußen und wurde 1817 der schlesischen Provinzialverwaltung Liegnitz zugeordnet.[32]

Der industrielle Aufschwung begann im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Eisenbahn, Glasindustrie und Braunkohlenbergbau sorgten für eine rapide Entwicklung. Die Stadt wurde erweitert, die Bevölkerung stieg von 2.300 Einwohnern im Jahre 1850 auf 6.000 im Jahre 1910. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erklärte man Hoyerswerda zur Festung. Durch Kampfhandlungen und willkürlich gelegte Brände wurden 40 % der Stadt zerstört.[33] Noch zehn Jahre sollte es dauern, bis die Stadt in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten würde.

3. Das Kombinat und seine Wohnstadt bis Mitte der 60er

3.1. Bau und Inbetriebnahmen des Kombinats

Nach dem Beschluss über den Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe vom 23.6.1955 folgte die Direktive über die finanzielle Förderung des Vorhabens. Der zweite Fünfjahresplan ab 1955 sah für den Ausbau der Energiewirtschaft mehr als zweieinhalb Mal soviel Investitionsmittel vor wie noch der erste Fünfjahresplan von 1951 bis 1955.[34]

Pathetisch wurde der Baubeginn beschrieben: „Vor Brigittenhof ... erstreckt sich eine große planierte Fläche, hineingeschlagen in das Grün der Trattendorfer Heide. ... Hier also soll beginnen, wovon die Zeitungen seit Wochen schreiben. ... Der erste Spatenstich ist angesagt – ausgeführt mit der Planierraupe. Das ist zeitgemäß und der Größe des Vorhabens angemessen: dem Aufbau des größten Braunkohleveredlungswerkes der Welt.“[35] Die ersten Erschließungsarbeiten gingen schnell voran. Schon bis September 1955 waren 1.000 Bauarbeiter auf der Baustelle, maßen das Gelände, erstellten die Versorgungseinrichtungen und bauten Gleise und Straßen. Aber es zeigte sich, dass das ganze Großprojekt schlecht geplant war. Einer der Bauleiter berichtete später: „Im September 1955 erhielt ich den Auftrag nach Pumpe zu fahren. ... Dort treffe ich Vermesser, die mir zeigen, wo die neuen, ersten Blocks gebaut werden sollen. Das war alles. Kein Werkzeug, keine Zeichnungen, keine Bude.“[36] Im August wurde mit dem Bau des ersten Wohnlagers begonnen. Hier sollten 2.000 Arbeiter eine Unterkunft finden. Die Bedingungen waren jedoch zu Beginn so schwierig, dass fast so viele die Baustelle verließen wie neu eintrafen. Der Winter 1955/56 lähmte mit lang anhaltenden Frösten bis –30°C die Aufbauarbeiten. Zeitweilig arbeiteten nur noch ca. 400 Arbeiter auf der Baustelle.[37] 1956 wurde ein schweres Jahr. Durch eine komplizierte politische Lage in Polen kam es zu Ausfällen von Steinkohle- und Koksimporten. Oft musste aus Mangel an Elektroenergie der Strom abgestellt werden, was auch in der Industrie zu Produktionsausfällen führte. Obwohl bis Ende 1956 etwa 8.000 Arbeiter auf der Baustelle Schwarze Pumpe eintrafen, fehlte es an Meistern und Technikern.[38] Um dem entgegen zu wirken, musste von Anfang an die Jugend mit auf die Baustelle. Zu Beginn des Jahres 1957 arbeiteten etwa 240 Jugendbrigaden mit über 2.500 Mitgliedern an diesem Brennpunkt des Aufbaus.[39]

Ende 1957 arbeiteten schon 12.000 Arbeiter auf der Baustelle. Anfang April 1959 beginnt in Schwarze Pumpe die Produktion. „Gegen 2.00 Uhr morgens zündet der Werkdirektor des VEB Kombinat Schwarze Pumpe, Genosse Willy Kühn, den Dampferzeuger 13 im Kraftwerk West. 2 Stunden später wird der erste Kondensations-Turbosatz von 25 MW angestoßen und gibt den ersten Strom an das Netz. Um 5.38 Uhr wird die erste Brikettfabrik West in Betrieb genommen. Die ersten Briketts mit dem Aufdruck »Flamme des Sozialismus« werden gepresst.“[40] Obwohl es Schwierigkeiten gab, wurde der Termin des Produktionsbeginns auf den Vorabend des 1. Mai vorverlegt, d.h. zwei Monate vor der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme. Der Dampf, ohne den keine Turbine angefahren werden kann, kam vom Kraftwerk Trattendorf und damit die Schonsteine für die angereiste Presse richtig qualmten, verbrannte man Autoreifen. Nachdem zwei Wagenladungen mit Brikett gepresst wurden, stand die Fabrik ein Vierteljahr still, da die pneumatische Förderung nicht arbeitete.[41]

Schon 1960 produzierte Schwarze Pumpe nur knapp mehr als die Hälfte von den geplanten 0,93 Milliarden kWh Elektroenergie, „was für die DDR einen volkswirtschaftlichen Verlust von 18,9 Millionen Mark bedeutete.“[42] Die erste Ausbaustufe war 1961 fertiggestellt. Sie umfasste eine Brikettfabrik mit einer Jahresproduktion von ca. 3 Millionen Tonnen und ein Kraftwerk mit einer Kapazität von 250 Megawatt. Wegen des immer noch andauernden Mangels von Brennstoffen für den privaten Hausbrand, wurde die Fertigstellung der Kokerei verschoben. Statt dessen erhöhte man die Produktion von Brikett, obwohl die Maschinen für diese Kapazität nicht konstruiert waren. Die Folge war, dass neue Anlagen eingebaut werden mussten.[43]

Die Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe erfolgte 1964. Neben Brikettfabrik und Kraftwerk ging ein Druckgaswerk in Betrieb, das ab Juli 1965 über eine Million m³ Stadtgas täglich produzierte.[44]

Am 13.9.1963 beschloss der Ministerrat der DDR das endgültige Produktionsprofil und den Endausbau des Kombinats. Bis Ende 1968 wurde auch die dritte Ausbaustufe mit Brikettfabrik und Kraftwerk fertiggestellt. Aber erst Ende 1969 konnte die eigentliche Produktion von Braunkohlenhochtemperaturkoks in der Kokerei beginnen.[45] Damit verschob sich der Termin der Fertigstellung um 6 Jahre. Auch von der anvisierten Produktion von 900 Millionen kWh Elektroenergie konnte 1965 erst eine Leistung von 450 Millionen kWh erbracht werden.[46] Am 14. November 1966 rollte der erste Kohlezug aus dem Großtagebau Welzow-Süd nach Schwarze Pumpe. Hier lagerten rund 600 Millionen Tonnen industriell gewinnbarer Kohle. Dieser Großtagebau war, ist und wird der wichtigste Kohlelieferant für Schwarze Pumpe bleiben.[47] „Bis zum Beginn der 60er Jahre war die Braunkohle für beide Industriebereiche [Energie- und Brennstoffindustrie und chemische Industrie] der wichtigste Rohstoff. In der Folgezeit wurde die Rohstoffgrundlage der organisch-chemischen Industrie weitgehend von Rohbraunkohle auf Erdöl umgestellt.“[48]

3.2. Lage und Stimmung der Arbeiter im Kombinat

Für die SED Zeitungen BZ war es „das kühnste Wirtschaftsprojekt, das wir bisher in Angriff genommen haben“[49], für die Bauarbeiter war es schnell das „ Messerstecherkombinat[50]. Einerseits hatte die SED mit den klassischen Problemen von Großbaustellen zu kämpfen, andererseits gab es eine Reihe von Schwierigkeiten, die das Ergebnis kurzsichtiger Planungen waren. Auf der Baustelle gab es eine hohe Kriminalität, oft Schlägereien, Alkoholmissbrauch, es herrschte ein rauher Umgangston und auch Prostitution gehörte zum Alltag.[51] Selbst das FDGB-Organ „Tribüne“ verschwieg nicht, dass die aus der ganzen DDR zusammengewürfelte Belegschaft nicht nur aus klassenbewussten Vorzeigearbeitern bestand: „Großbaustelle » Schwarze Pumpe «! Wie ein Magnet zieht dieses Bauvorhaben unserer Republik die Bauarbeiter an: klassenbewusste Kollegen, die wissen, dass hier fest zugepackt werden muss, Wandervögel vom Bau, die mal kurz ihre Nase hineinstecken müssen, und auch Goldsucher, die ohne viel Arbeit zu möglichst viel Geld gelangen wollen.“[52]

Daneben gab es einen großen Mangel an sozialen Versorgungseinrichtungen, wie Werksküchen, Wasch- und Duschräumen, Toiletten usw. Das hatte teilweise katastrophale hygienische Verhältnisse auf der Baustelle zur Folge. Im Oktober 1956 brach unter dem Küchenpersonal der Werksküchen eine Typhusepidemie aus. Auch die Trinkwasserversorgung war mangelhaft. So kam es dazu, dass drei der insgesamt 54 typhuskranken Arbeiter die Krankheit nicht überlebten.[53]

Neben diesen Schwierigkeiten traten Versorgungsengpässe, Wohnungsknappheit und der Mangel an Kindergartenplätzen und Freizeiteinrichtungen auf. Das war gerade deswegen so folgenschwer, weil die Belegschaft des Kombinates sehr jung war. Der oft verspätete Bau der Kindergartenplätze führte dazu, dass selbst 1965, also zehn Jahre nach Baubeginn, nur für 13 Prozent der Kinder ein Kinderkrippen- und nur für 17,5 Prozent ein Kindergartenplatz zur Verfügung stand. Von der Betreuung der Kinder hing für das Kombinat Schwarze Pumpe die Behebung des ständigen Arbeitskräftemangels und die Steigerung der Arbeitsproduktivität ab. Denn je mehr Kinder am Tag in öffentlichen Einrichtungen tagsüber versorgt waren, um so mehr Frauen konnten in den Produktionsprozess integriert werden.[54]

3.3. Die erste Planungsphase der Wohnstadt bis Juni 1956

Nach dem Beschluss über den Standort der neuen Wohnstadt wurde am 4. August 1955 eine Sonderkommission gebildet, um „die bestmögliche Lösung für die Stadtplanung Hoyerswerdas“[55] zu finden. Am 5. August 1955 erfolgte die Auftragsvergabe für die städtebauliche Planung beim Entwurfsbüro für Stadt- und Dorfplanung Halle, dem Entwurfsbüro für Hochbau Cottbus und dem Forschungsinstitut für Städtebau und Siedlungswesen der Deutschen Bauakademie.[56]

Mit dem Baubeginn von 1.000 Wohneinheiten, die als Erweiterung um die Altstadt und losgelöst von der Neustadtplanung erstellt werden sollten, wollte man inzwischen ohne rechte Planungsgrundlage zügig demonstrieren, dass der Ausbau Hoyerswerdas schnell vorangehen würde. Wie schon bei der Beschlussfassung, so erfolgte auch die Grundsteinlegung von Schwarze Pumpe und Neustadt Hoyerswerda am selben Tag. Nachdem der Minister Fritz Selbmann vormittags in der Trattendorfer Heide mit dem ersten Spatenstich den Baubeginn des Kombinats feierte, legte er am Nachmittag des 31. August 1955 den Grundstein für die ersten Wohnungen.[57] Man konzipierte die Gebäude mit kurzen Walmdächern, wodurch ihr Erscheinungsbild zeitlos wurde und in ganz in der Siedlungstradition der Heimstätten der 30er Jahre standen. Sie ließen keineswegs den Kontext einer sozialistischen Stadt erahnen.[58]

Die am 14. September 1955 in Hoyerswerda tagende Kommission zum Bau der Neustadt hatte drei ganz unterschiedliche Vorschläge der beauftragten Büros zur Gestaltung der zweiten sozialistischen Wohnstadt der DDR zu begutachten. Der erste Vorschlag des Entwurfsbüros für Hochbau Cottbus kam von Planern, die im Umfeld der Architekten arbeiteten, die schon für die Stadtplanung der »ersten sozialistischen Stadt« zuständig gewesen waren. Folglich wurde der Entwurf ganz im Sinne des dort noch bis Anfang 1955 verfolgten Konzepts der kompakten Stadt mit repräsentativen Magistralen und Dominanten entwickelt. Im Mittelpunkt stand der Zentrale Platz mit dem Haus der Partei.

Dieser Platz markierte zugleich den Kreuzungspunkt zweier leicht versetzter Achsen. Die eine dieser Achsen stellte mit Hilfe einer weiten Magistrale die Verbindung zur Altstadt her. Der zweite Vorschlag der Deutschen Bauakademie basierte auf einer leicht geschwungenen Magistrale, die sich zu einem Grünraum mit zentralem Platz weitete. Die Verbindung zur Altstadt wurde nicht formal betont, sondern lediglich durch einen peripher angeordneten Kulturpark hergestellt. Der dritte Entwurf stammte vom Entwurfsbüro Halle und hatte im Mittelpunkt eine zu einem Grünraum aufgeweitete Magistrale, die sich zu einem Kulturpark öffnete. Auch hier bekam die Verbindung zur Altstadt eine sehr geringe Bedeutung.[59]

Die Entwürfe wurden erneut im Rahmen einer »zentralen Arbeitstagung für Städtebau« am 22. September 1955 in Görlitz beraten. Sowohl der Vorschlag des Entwurfsbüros Halle wie der der Bauakademie wurden im Laufe der Diskussion mehrmals umgearbeitet, denn es schien eine große Unsicherheit in Bezug auf die neue Stadtgestalt zu herrschen. In der Sitzung vom 24. November 1955 ergab sich ein weiterer Grund für Verzögerungen. Nun waren neben den Chefarchitekten auch das Institut für Bauindustrie aus Leipzig und die Deutsche Investitionsbank vertreten. Das Protokoll vermerkte heftige Diskussionen über die Frage der Dimensionen der Wohnkomplexe. Worauf jedoch das unterschwellige Augenmerk lag, wird an dem Kriterium deutlich, dass dem Vorschlag des Entwurfsbüros Halle zur Annahme verhalf. Erst mit einem Nachweis der Wirtschaftlichkeit, der Zielsetzung, kleinere Wohnkomplexe zu schaffen, gelang es dem Hallenser Büro, sich bei Minister Heinz Winkler durchzusetzen. Ende Januar 1956 standen erneut Beratungen an. Diesmal wurde die Größenordnung der geplanten Verwaltungs- und Gemeinschaftseinrichtungen, die zum Beispiel den in der Sowjetunion üblichen Umfang pro Kopf der Bevölkerung bei weitem übersteige, kritisiert. Nach längerem Streit zwischen dem Ministerrat, der zentralen Aufbauleitung und den jeweils zuständigen Ministerien für Aufbau und Schwerindustrie, bestätigte der Ministerrat der DDR erst am 28. Juni 1956 die Grundkonzeption der Planung und fordert zugleich dennoch einen erneuten Ideenwettbewerb über die zukünftige Gestaltung der Magistrale, des Zentralen Platzes und der Wohnkomplexe. Hintergrund für diese Verzögerung dürften auf der einen Seite Unklarheiten über die entstehenden Kosten sein, zum anderen jedoch schlecht verlaufende Vorbereitungs- und Aufschließungsarbeiten für den ersten Wohnkomplex. Zudem bedrohte die Lieferzeit für »Engpassmaterialien« die rechtzeitige Inbetriebnahme des Betonwerkes.[60]

3.4. Die zweite Planungsphase bis Oktober 1956

Was jedoch nun in den Ausschreibungsunterlagen für den vom Ministerrat angemahnten Ideenwettbewerb stand bzw. eben nicht mehr stand, war ein Zeugnis des Wandels der Grundsätze des Städtebaus in der DDR, denn die Schriftstücke „machten keinerlei ideologische, sondern ausschließlich technische Vorgaben. Von den »Feiern des Volkes« ist nicht mehr die Rede, statt dessen sind dem städtebaulichen Programm Montageablaufpläne und Erläuterungen über die Reichweite des verfügbaren Turmdrehkranes beigefügt.“[61]

Die Überraschung war groß, als am 30. Oktober das Preisgericht den Entwurf prämierte, den das Hallenser Entwurfsbüro erarbeitet hatte. Warum diese Entscheidung geradezu revolutionär war, wird im nächsten Kapitel erläutert.

4. Der Wandel im sozialistischen Städtebau ab Mitte der 50er

4.1. Der Anfang des sozialistischen Städtebaus in der SBZ/DDR bis 1950

Die Planungen von Hoyerswerda-Neustadt vollzogen sich in einer Umbruchphase des sozialistischen Städtebaus. Nachdem Stalin am 5 März 1953 starb, besann man sich allmählich aufgrund eines enormen Kostendrucks auf Prinzipien, die schon in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in der damals noch Sowjetischen Besatzungszone angewandt wurden. Als nämlich die KPD 1945 den Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes erklärte, strebte sie anfangs keine Übertragung des Sowjetsystems, sondern einen eigenständigen Weg zum Sozialismus an. Der Wiederaufbau Deutschlands sollte frei von ideologischen Zwängen beginnen. Auf der Suche nach einer der neuen Zeit angemessenen Architektur, wandte man sich dem Bauhaus-Funktionalismus zu, dem in der Weimarer Republik gerade von Sozialdemokraten und Kommunisten Sympathien entgegen gebracht worden waren. Angesichts der vorausgegangenen Kriegszerstörungen schien sich nach 1945 die einmalige Chance zu bieten, den Wiederaufbau der Innenstädte mit einer grundlegenden Umgestaltung nach dem Leitbild der funktionellen Stadt zu verbinden. Das bedeutete vor allem die Neuordnung und Trennung von Wohn-, Arbeits- und Erholungsflächen. Als erste Nachkriegswohnbebauung ist hier ein im Krieg teilzerstörtes Gründerzeitviertel im Stadtteil Berlin–Friedrichshain zu nennen. Dieses Wohngebiet sollte aufgelockert, die Wohndichte auf 250 – 300 Einwohner pro ha reduziert, und durch eine offene Bebauung eine optimale Besonnung der Wohnungen gewährleistet werden. Breite Grünstreifen sollten die Wohnviertel in einzelne Wohnzellen untergliedern und so eine Stadtlandschaft entstehen lassen. Die Gestalt der Wohngebäude sowie die Größe und Grundrissschema der Wohnungen orientierten sich am sozialen Wohnungsbau der zwanziger Jahre.[62] Um das Bauen zu verbilligen, sah schon das Wohnungsbauprogramm der KPD von 1946 den „Übergang zu neuen modernen Bauweisen durch umfassende Rationalisierung, Normierung und Typisierung in der Wohnungsbauproduktion“[63] vor. Mit diesen Bestrebungen griff die KPD unbewusst auf die Anfänge des industriellen Bauens in der Sowjetunion in den zwanziger Jahren zurück. Damals knüpfte man nahtlos an den linken Fordismus bzw. an entsprechende politische Vorgaben der leninistischen Sozialauffassung an, da Sozialismus gleichbedeutend war mit Elektrifizierung, sprich Industrialisierung und Sowjetmacht. In Deutschland war ein führender Förderer des Fordismus und Taylorismus, d.h. der Massenproduktion von Wohnhäusern der Architekt Walter Gropius. Aus dieser Bewegung kamen später führende DDR-Architekten wie Hermann Henselmann und Richard Paulick, der ab November 1958 Mitglied im Aufbaustab für die sozialistische Wohnstadt Hoyerswerda war.[64]

Die KPD hatte 1946 auch andere Vorstellungen als die Besatzungsmacht, was den Grundbesitz betraf. Es sollte nicht wie in der Sowjetunion 1917 der gesamte Grund und Boden entschädigungslos nationalisiert werden, sondern man verlangte lediglich ein „neues Planungs-, Bau- und Bodenrecht als Instrument der gemeindlichen Selbstverwaltung, welches die Durchführung der Wiederaufbaupläne sichert und alle Hemmungen durch private Willkür im Interesse der Allgemeinheit ausschaltet“.[65]

4.2. Das Endes des eigenen Weges und die Orientierung am sowjetischen Vorbild

Spätestens mit der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 und dem Beginn des Kalten Krieges war Stalins vorsichtiger Versuch, den Westen durch die Freizügigkeit in der Sowjetischen Besatzungszone zu beeindrucken und von der Richtigkeit des Sozialismus zu überzeugen, vorbei. Ab 1950 begann die verstärkte Stalinisierung und griff auch auf die Kulturpolitik über. Der III. SED-Parteitag forderte einen radikalen Umschwung auf allen Gebieten des kulturellen Lebens. Die Parteiführung rief zur Überwindung der modernen Kunst, des sogenannten Formalismus und zur Orientierung am Prinzip des sozialistischen Realismus auf.[66] Der Aufbauminister der DDR verkündete daraufhin als neues Leitbild „die schöne deutsche Stadt“[67]. Das neue Leitbild sollte sich an der „edlen Tradition der deutschen Nation“[68] orientieren. Die stalinistische Architekturtheorie baute auf dem Begriff der Schönheit auf und verwendete die hiervon abgeleiteten Kriterien einer sozialistischen Architektur künstlerisch, historisch und national in weitgehend synonymer Bedeutung.[69] Merkmal dieser stalinistischen Phase des Städtebaus war die Magistrale als ein wesentliches Strukturelement und als Hauptachse. Sie wurde in der Regel auf den Industriebetrieb hin ausgerichtet, leitete den Strom der Arbeitskräfte und diente als Aufmarsch- und Paradestraße für Demonstrationen. Dieser Funktion entsprachen die zentrale Lage, die überdimensionierte Breite und die repräsentative Bebauung der zum Teil öffentlichen Gebäude der Magistrale. Gleiches galt für den Zentralen Platz.[70] Diesen begrenzten aufwändig gestaltete Gebäude unterschiedlicher Funktionen, darunter häufig der Kulturpalast und die Gebäude der Partei- und Staatsführung. Daneben fand sich als weiteres Element der sozialistische Wohnkomplex. Meist wohnten 3.000 bis 5.000 Einwohner in fünfgeschossigen Wohnblocks. In diesen Komplexen brachte man in eingeschossigen Bauten die Geschäfte des täglichen Bedarfs, Kindereinrichtungen und das Ambulatorium für die ärztliche Versorgung unter.[71] Diesem Grundmuster einer Stadtanlage entspricht die Konzeption der ersten sozialistischen Stadt der DDR Eisenhüttenstadt und die Gestaltung der Stalinallee, später Karl–Marx–Allee in Berlin.

Die Stalinisierung der DDR–Kulturpolitik war eingebettet in ein übergeordnetes politisches Ziel der SED, denn der sozialistische Realismus hatte eine bewusstseinsbildende Funktion. Er sollte die Herausbildung eines Nationalgefühls fördern, eine Identifikation mit dem bestehenden gesellschaftlichen System herstellen und den stabilen Aufbau der sozialistischen Volkswirtschaft sichern.[72] Daneben war die Stadt eine Erziehungsanstalt. Man stellte nämlich die Frage, wie sich der in Bälde zu erwartende neue, der sozialistische Mensch seine neuen Städte einrichten solle, um in ihnen die zu erwartenden, völlig neuen Verhaltensweisen und Lebensgefühle ausleben zu können. Daraus ergab sich im Umkehrschluss die Frage, „wie die neuen Städte beschaffen sein müssten, um diese neuen Verhaltensweisen hervorzubringen und zu fördern.“[73]

Die Phase der schönen deutschen Stadt[74] bzw. der stalinzeitlich sozialistischen Stadt[75] bzw. der konservative Formalismus[76] dauerte noch über Stalins Tod 1953 hinaus bis in die Mitte der 50er. Ausdruck dieser Zeit waren die im Juli 1950 beschlossenen Sechzehn Grundsätze des Städtebaus[77]. Sie markierten „den Beginn einer eigenständigen DDR–Städtebaupolitik“[78], denn man setzte einen bewussten Kontrast zum städtebaulichen Leitbild des Neuen Bauens der 20er Jahre und verstand sie als eine Art Gegenmodell zu den 1933 verfassten und als Charta von Athen bekanntgewordenen städtebaulichen Grundsätzen der Architekten des Neuen Bauens.[79] Simone Hain bezeichnet die 16 Grundsätze als »Charta von Moskau«[80], denn sie waren auf einer Reise nach Moskau formuliert worden, die führende DDR-Planer unternommen hatten, und während der sie ihre städtebaulichen Grundsätze radikal veränderten. So erschienen die Entwürfe, die von den DDR-Planern vorbereitet waren, den sowjetischen Kollegen zu idyllisch, zu kleinbürgerlich. Sie fragten: „Wo gehen die Demonstrationen hin? Wo ist der Aufmarschplatz? Wo sind die Regierungsinstitutionen und zentralen Kulturstätten?“[81] Die Stadt sollte eine Bühne für die Darstellung der neuen Volksdemokratie sein. Und folglich wurde im 6. Grundsatz die Aufgabe des Zentrums als Ort für politische Demonstrationen, die Aufmärsche und die Volksfeiern an Festtagen bestimmt. Der zehnte Grundsatz legte die Grundstruktur einer sozialistischen Stadt in Form der Wohnkomplexe fest. Die Grundsätze elf bis dreizehn forderten eine gute Versorgung mit Licht, Luft, Grün und die wirtschaftliche vielgeschossige Bauweise.[82] Bemerkenswert ist die Beschreibung der Rolle der Industrie beim Städtebau. „Städte werden in bedeutendem Umfang von der Industrie für die Industrie gebaut.“[83] Hierunter wurde jedoch noch nicht die vollständige Industrialisierung des Bauwesens verstanden, sondern die Forcierung des Wohnungsbaus im Interesse der industriellen Entwicklung. Anders als noch 1946 von der KPD gedacht, verfügte das Aufbaugesetz von 1950 die mögliche Inanspruchnahme von Grund und Boden, sogar die „Entziehung des Eigentums“[84] und schaffte so erst die Möglichkeit für die sozialistische Umgestaltung der Stadtzentren.

Die Entwicklung des industriellen Wohnungsbaus ging dagegen bis Mitte der 50er Jahre nur schleppend voran. In der Sowjetunion wurde sie bis 1954 nur an den neuen Industriestandorten als Nutzarchitektur geduldet.[85] In der DDR gab es keine bedeutenden Versuche, die Industrialisierung voranzutreiben. Die Folgen waren zu spüren. Während ab dem Kriegsende in der DDR bis 1956 nur 70.000 Neubauwohnungen erstellt wurden, waren es in der BRD im gleichen Zeitraum rund 3.500.000.[86] Damit konnte das Defizit in der Wohnraumversorgung, das für 1950 auf über 1 Million Wohnungen anzusetzen war, nicht verringert werden. Dazu kam, dass sich von den 140 Zementwerken nur neun auf dem Gebiet der DDR befanden und alle baustoffproduzierenden Betriebe von Demontagen betroffen waren. Die politische Einsicht in die Förderung des Wohnungsbaus begann erst nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953. Von diesem Zeitpunkt an überprüfte die Partei- und Staatsführung der DDR ihre Investitionspolitik und beschloss Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern und Wohnungen.[87]

4.3. Die Abkehr vom stalinistischen Bauen

Nach dem Tod Stalins entbrannte in Moskau ein Machtkampf um die Nachfolge. Ende 1954 entschloss sich Chruschtschow, der seine Position gegenüber seinem wichtigsten Rivalen Malenkow verteidigen musste, die krassen Mängel im sowjetischen Bauwesen und die Ursachen für lange Bauzeiten, überteuerte Bauausführung und mangelhafte Wohnraumversorgung zu benennen. Damit griff er ein populäres Thema auf, mit dem er seine Stellung im Machtkampf zu festigen hoffte. In einer programmatischen Rede auf der Moskauer Allunionsbaukonferenz im Dezember 1954 bekräftigte Chruschtschow die Forderung nach einer Ausarbeitung von Typenentwürfen und der Industrialisierung des Bauens durch die Entwicklung der Fertigteilbauweise.[88] In der Verzierung der Fassaden sah der neue KPdSU-Vorsitzende eine „ Verschandelung der Architektur, durch die lediglich Material vergeudet und unnötig Gelder ausgegeben werden“.[89] Gerade „die Politik der Industrialisierung des Bauwesens [wurde] eine wichtige Machtbasis Chruschtschows, die die Grundlage seiner Reputation als Reformer und Erneuerer bildete.“[90] Nachdem im Februar 1955 Malenkow zurücktrat, wurde Chruschtschows Kritik an der stalinistischen Architektur im November 1955 zur offiziellen Linie von Partei und Staatsführung.[91]

Die Entwicklungen in der Sowjetunion führten in der DDR zu großer Verwirrung und Unsicherheit, denn das, was erst vor wenigen Jahren gegen vielfältige Widerstände durchgesetzt worden war, konnte sich doch nicht über Nacht als falsch herausstellen. Walter Ulbricht erklärte auf der Baukonferenz der DDR im April 1955 im Namen der SED Führung, dass der Weg prinzipiell der Richtige sei. Um das Bauen aber zu verbilligen, war es insbesondere notwendig, den Aufwand an Architekturdetails zu senken, die mehr als die Hälfte der Kosten der Fassadenarbeiten ausmachten. Nun galt es, mit dem geringsten Aufwand an Mitteln, den höchsten künstlerischen Ausdruck zu erzielen. Die Bemühungen um eine nationale Architektur beschränkten sich fortan auf kostenneutrale Gestaltungselemente wie der Symmetrie des Baukörpers oder des Fensterformats.[92] Als Ergebnis der Baukonferenz beschloss der Ministerrat die „Durchsetzung des Prinzips der strengsten Sparsamkeit ... [und die] ... zielstrebige Industrialisierung des Bauens“.[93]

4.4. Die Bedeutung des Wandels für die Planungen der Stadt Hoyerswerda

Die Abkehr vom stalinistisch-handwerklich-traditionell geprägten Baustil hin zur funktionellen Stadt II[94] oder zur modernen sozialistischen Stadt internationalen Stils[95] beinhaltete eine Ablehnung der alten Stadtgestalt. So wurde bei der Planung von Hoyerswerda-Neustadt im September 1955 der erste Entwurf des Büros aus Cottbus, der noch ganz im alten Stil repräsentative Magistralen und Dominanten vorsah, in der weiteren Diskussion nicht einmal mehr erwähnt, als handelte es sich um einen Fehlgriff, den man besser übersah.[96] Auch die Unterlagen des Ideenwettbewerbs vom Oktober 1956 waren frei von jeglichen ideologischen Vorgaben, sondern schienen ihr Hauptaugenmerk auf die Gewährleistung industrieller und mechanisierter Baumethoden und auf die Erreichung eines höchsten Grades an Wirtschaftlichkeit zu richten.[97] Die Reformen in Moskau, die schwierige ökonomische Lage und die immer noch anhaltende Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westteil Berlins schien die Führung der DDR so zu verunsichern, dass jegliche Bemühungen, die Stadt als Erziehungsanstalt [98] zu konzipieren und in ihr die Macht des Arbeiter- und Bauernstaates zu repräsentieren, pragmatischen Erwägungen wichen. Dennoch mußte eine neue Stadtgestalt gefunden werden, machten doch die Verlautbarungen der DDR-Baukonferenz vom April 1955 darüber keine Angaben, was für eine Gestalt Industrialisierung hatte.

4.5. Das Ergebnis des Ideenwettbewerbs vom Oktober 1956

Die Prämierung des Entwurfs des Hallenser Entwurfsbüros kam einer Revolution im sozialistischen Städtebau gleich. Die zentrale Figur in dem Kollektiv war zweifellos Martin Röser. Sein Siegerentwurf gab dem Leitgedanken der Industrialisierung eine Gestalt: das flächige Zentrum. Röser hatte dies auf einer Bahnfahrt nach Hoyerswerda im September 1956 gezeichnet und damit gewissermaßen für die DDR erfunden.[99] Das bahnbrechende daran war, dass ein Hauptraum entstand, der von „ 4 typisierten Kaufhäusern gebildet [wird]. Zwischengespannt sind niedrige Spezialläden. Im Norden schließt das Kino an, im Süden ... das Kulturhaus ... .“[100] Wichtig war den Architekten nicht mehr die Magistrale, sondern die Silhouette der Neustadt, die wie eine raumbildende Kulisse wirkte, gebildet von einem Kranz von Hochhäusern.[101]

Eine Unterscheidung des Hauses der Partei und einem Hotel war nicht mehr auszumachen. Der zentrale Platz wurde nicht herausgehoben, sondern blieb lediglich „ein in Grünflächen eingebetteter Hartplatz“[102] Damit hielt die Entstalinisierung auch in den Städtebau der DDR Einzug. Das war der erste Schritt hin zu einer Stadtplanung, die gänzlich auf die Repräsentanz von politischen Institutionen verzichtete. Seit dem Martin Röser im August 1955 den betriebsinternen Wettbewerb zur Gestaltung von Hoyerswerda gewonnen hatte, war er maßgeblich an der Planung für die neue Stadt beteiligt. Nach seinem Muster gestaltete man später ebenfalls das Zentrum Eisenhüttenstadts, die Prager Straße in Dresden und das Zentrum Halle-Neustadts. Die westdeutsche Zeitschrift Baukunst und Werkform quittierte wenig später den im Ideenwettbewerb Hoyerswerda erkennbaren Kurswechsel erleichtert mit der Bemerkung, dass auch in der DDR nunmehr „ein gutes Wohnklima und die Rücksicht auf den Menschen in den Mittelpunkt des Planes“[103] gestellt wurde. Der Autor hoffte, „dass sich zugunsten der zukünftigen Arbeiterbevölkerung dieser Stadt die Auffassung eines gelockerten Städtebaus durchsetzt“ [104] und sah in dem vorliegenden Entwurf für den Wohnkomplex I ein Denkmal jener städtebaulichen Gesinnung gesetzt, die „mit Sozialismus nicht einmal in der äußeren Form zu tun hat.“[105]

Werner Durth schätzt die DDR des Jahres 1957 als relativ diskussionsfreudig ein, meint, dass man Grundsatzfragen in einer bis dahin nicht gekannten Offenheit ansprach. Dabei deutete sich eine Verschiebung der Argumentation an. Entscheidungen wurden nicht mehr aufgrund politischer, sondern aufgrund ökonomischer Parameter gefällt. Durth resümiert, dass „mit der Absage an die Stadtbaukunst Stalinscher Prägung ... der Architektur gewissermaßen das wichtigste Leitbild abhanden gekommen [ist]. Neue Parameter sozialistischer Architektur sind nicht mehr erkennbar“.[106] Wolfgang Kil zieht den Schluß: „Als dem sozialistischen Modellprojekt der Sozialismus abhanden kam, konnte es in die Zeitlosigkeit entkommen.“[107]

Das Zentrum der zweiten sozialistischen Stadt Hoyerswerda wurde also lediglich als ein Ort der reinen Erholung und Versorgung neu bestimmt. Im Oktober 1956 legte man zugleich die Wohnkomplexe und sonstige Einrichtungen fest. Die Magistrale wurde zu einer reinen Verbindungsstraße und verknüpfte den geplanten Bahnhof Neustadt mit der Fernverkehrsstraße 97. Die sieben Wohnkomplexe sollten sich links und rechts der Magistrale aneinanderreihen und gleichzeitig das Zentrum hufeisenförmig umfassen. Altstadt und Neustadt verband ein Kulturpark. Das Krankenhaus wollte man im Osten der Neustadt errichten.[108]

4.6. Der Wohnkomplex

Schon in den Sechzehn Grundsätzen von 1950 übernahm die DDR im zehnten Grundsatz zur gewünschten Gliederung der Stadt Stellung. Ihm zufolge besteht ein Wohngebiet aus Wohnbezirken, ein Wohnbezirk dagegen aus Wohnkomplexen, letztere wiederum aus einer Gruppe von Häuservierteln.[109] Da zu Beginn des Fünfjahresplanes das Nationale Aufbauprogramm vor allem dem Aufbau der Zentren galt, bot allein der Bau der Wohnstadt Eisenhüttenstadt die Möglichkeiten, Wohnkomplexe im Sinne der Grundsätze zu planen. Dabei übernahmen die Architekten Richtwerte aus der Sowjetunion. Anfang 1950 erschien in Moskau ein Aufsatz von Bylinkin,[110] der genauere Erläuterungen über die Größe und Form dieser Komplexe machte.[111] Die deutsche Übersetzung erschien in der DDR erst nach Stalins Tod. In ihr griff man vor allem die oft zitierte stalinsche »Sorge um den Menschen« auf. Die städtebauliche Folge war die Ausmerzung der Begriffe Zentrum und Stadtrand als Synonyme für Reichtum und Armut. Man verlangte, dass Millionen werktätiger Menschen an allen Vorzügen der modernen Kultur des Städtebaus teilhaben. Felix Boesler übertrug dieses sowjetische Konzept für die DDR und erarbeitete den Bedarf an Einrichtungen und deren Flächenanspruch. Boesler war einer der wenigen Experten, die aus dem »Dritten Reich« in die DDR übernommen wurden. Folglich flossen auch Überlegungen und Planzahlen aus der Zeit vor 1945 mit in die Ausarbeitungen ein.[112]

Im »Dritten Reich« wurden Grundformen für sogenannte Siedlungszellen erstellt. Man verstand sie als Glied einer Kette von gleichartigen Ortsgruppen, die auf eine Kernstadt als Lebensmittelpunkt bezogen wurden. Dabei waren Ortsgruppenhaus, Schule und HJ-Heim im Grünzug entlang einer Mittelachse variationsreich plaziert. Man sah Grundformen vor, in denen auf rund 60 Hektar 6.000 Einwohner in 1.500 Wohnungen wohnten, d.h. rund 100 Einwohner pro Hektar. In den nationalsozialistischen Entwürfen wurde eine zweigeschossige Bebauung der Zellen vorgesehen, um die Bindung an den Boden zu betonen.[113]

Für Eisenhüttenstadt übernahm Boesler die sowjetischen Zahlenvorgaben. Dort wurden für jeden Einwohner 11 m² Wohnfläche zugrunde gelegt. Innerhalb der Stadt variierte die Einwohnerdichte, lag aber mit 140 bis 580 Einwohnern pro Hektar deutlich über den Richtzahlen aus dem »Dritten Reich«. Meist herrschte eine viergeschossige Bebauung vor. Die Wohnkomplexgröße ergab sich aus dem Einzugsbereich der betriebskostenmäßig vorteilhaften dreizügigen 8-Klassen-Schule und ergab für die Bewohnerzahl demnach einen Richtwert von rund 5.000 Einwohnern.[114]

4.7. Der Wohnkomplex in Hoyerswerda

Auf dem Hintergrund dieser Zahlen begann Mitte 1955 die Diskussion und die Suche nach Größenordnungen für Hoyerswerda. Schon im September 1955 übertraf der Entwurf von Brigitte Schulz-Schünemann und Martin Röser alle Erwartungen der Kommission. Er unternahm „in mutiger Weise den Versuch ..., den völlig neuen Bedingungen entsprechend, einen neuen Weg der Gestaltung und neuen Form für den Städtebau zu finden“.[115] Aus einem anfangs starren System paralleler Kranbahnen entstanden bis zum November 1955 Variationen mit leicht abgewinkelten Zeilen und gestaffelter Bebauung. Der Vorschlag sah jedoch nur eine Kapazität von 3.500 Einwohnern vor, was deutlich weniger war, als die Planzahlen aus der UdSSR und von Boesler vorgaben und später nach oben korrigiert wurde. Im Januar 1956 traf man in Gegenwart Ulbrichts Entscheidungen über alle Richtwerte. So sollte jede Wohnung 3,5 Einwohner haben und die Wohnfläche 11 m² je Einwohner betragen. Bei sieben Wohnkomplexen zu je 5.000 Einwohnern ergäbe das eine Einwohnerzahl der Neustadt von 35.000. Bis zum April 1956 konnte der Entwurf für den Wohnkomplex I in allen technischen Details durchgearbeitet werden.[116]

Bemerkenswert an dieser Konzeption ist, dass sie die klassischen Wohnprinzipien des neuen Bauens der 20er Jahre diskussionslos weiterführt, d.h. die hochgradig normierte und rationelle Kleinwohnung für die industrielle Kleinfamilie und die Trennung der städtischen Funktionen. Weiterhin bestimmt die Logik der industriellen Baustelle und der Kranspiele die Anordnung der Gebäude maßgeblich. Die Gleichförmigkeit der Wohnungsgrundrisse und Fassaden sollte darüber hinaus die Gleichheit der Wohnbedingungen betonen. Private Flächen hatten im Wohnkomplex keinen Platz, auf Parzellierung wurde verzichtet.[117]

4.8. Die Umsetzung der Planungen bis Mitte der 60er

Der am 27. Juni 1957 im Beirat für Bauwesen beschlossene Stadtbebauungsplan für Hoyerswerda entsprach weitgehend dem Wettbewerbsentwurf des Hallenser Entwurfsbüros. Zu dieser Zeit begann man im Wohnkomplex I schon, die ersten Häuser in Großblockbau- und Großplattenbauweise zu errichten, denn den Grundstein legte man bereits am 2. Mai. Ende Juni 1957 war folglich das Datum, mit dem eine Epoche industrieller Bauweise einsetzte, die das Bauen der DDR in den nachfolgenden dreißig Jahren prägen sollte. Die Blockbauweise war die erste Form der Montagebauweise. Die Blöcke wurden anfangs im Schwenkbereich des Turmdrehkranes aus Ziegeln vorgefertigt und nach dem Abbinden mittels Mörtelfugen miteinander verbunden. Später wurden diese Blöcke aus Beton in einem Plattenwerk vor den Toren der Stadt gefertigt. Diese Blockelemente erreichten schon eine halbe Geschosshöhe. Im I. Wohnkomplex, der, wie in Größe und Form geplant, nach zweijähriger Bauzeit 1959 fertiggestellt wurde, verputzte man noch die einzelnen Blöcke. Im zweiten Komplex, in dem der Bau sich wegen schleppender Aufschließungsarbeiten bis Ende 1960 hinzog, wurden die einzelnen Bauelemente oberflächenfertig verbaut. Ab dem dritten Wohnkomplex errichtete man die Gebäude nur noch in Großplattenbauweise. Die Blockbauweise kam generell nicht mehr zum Einsatz. Bei der Montage von Großplatten verbaute man nur noch geschosshohe oberflächenfertige Wandbauteile, die schon mit Fenstern und Türen vorgefertigt wurden Diese Platten montierte man mit Hilfe eines Portalkrans. Er konnte Lasten bis zu 6,4 Tonnen 20 Meter hoch heben. Der Portalkran war schienengebunden. Da das Umsetzen des Kranes in eine andere Richtung viel Zeit in Anspruch nahm, reduzierte man dieses auf ein Minimum. Die Anordnung der einzelnen Wohnblöcke erfolgte deshalb entlang der Schienen.[118] So unterwarf man die Struktur des Wohnkomplexes dem Verlegemuster der Montagemaschinen, d.h. dem „Diktat der Kranbahn“.[119]

Obwohl meist zugleich auch die Kindereinrichtungen errichtet wurden, herrschte zu dieser Zeit ein dramatischer Mangel an Kinderkrippen- und Kindergartenplätzen. 1956 gab es nur eine Kinderkrippe mit 56 Plätzen und drei Kindergärten. Erst ab 1970 konnten alle Mütter für ihre Kinder einen Krippen- oder Kindergartenplatz erhalten.[120] Der Kombinatsdirektor von Schwarze Pumpe schilderte 1962 die Struktur der Neustadt folgendermaßen: „Die Kollegen, die aus allen Gegenden der DDR hierher kommen, sind alle jüngeren Alters. Man kann sagen, dass in Hoyerswerda-Neustadt nur eine Generation wohnt, meist junge Ehepaare, die Kinder haben bzw. sich Kinder anschaffen. Hoyerswerda-Neustadt ist die kinderreichste Stadt der DDR.“[121] Eine Folge der fehlenden Kindereinrichtungen war, dass die Frauen nur bedingt arbeiten konnten. Dazu gab es eine nur mangelhafte Lebensmittelversorgung. Obst, frisches Gemüse, Brot, Eier und Käse waren in den HO-Verkaufsstellen, die teilweise noch provisorisch in Schuppen ohne Kühlaggregate untergebracht waren, oft nicht erhältlich. Obwohl 1958 die Lebensmittelkarten abgeschafft wurden, mussten die Käufer eben jener Produkte weiterhin ihre Ausweise vorzeigen. Vereinzelt drohten die über die Versorgungslage verärgerten Arbeiter sogar mit spontanen Protestveranstaltungen oder legten kurzfristig die Arbeit nieder, wie zum Beispiel im Sommer 1957, als eine zusätzliche Lebensmittelkarte für Pumpe–Arbeiter abgeschafft werden sollte.[122] 1961 schreibt sogar ein SED–Genosse: „In Zeitungen und Illustrierten wird viel vom Kombinat geschrieben, von neuen Wohnungen, Kühlschränken usw. Was ist denn aber da? Nichts. Alles bloß Schwindel. Ich bin selbst darauf reingefallen.“[123]

„Das Kombinat und die Wohn- und Versorgungsmöglichkeiten waren in dem hier untersuchten Zeitraum [1955–1965] extrem ungleichzeitig gewachsen, der patriarchalische Staat wurde seinen Pflichten nicht gerecht: Nicht nur die Wochenendpendler, auch ein Großteil der anderen Arbeiter mußten weiter in den Barackensiedlungen wohnen.“[124]

Ab den 60er Jahren begann man mit dem Bau des Zentrums, jedoch anders als zuerst geplant, wurden vorläufig nur Wohnungen gebaut. So entstand 1960 das erste acht-geschossige Hochhaus der DDR in Plattenbauweise an der Magistrale.[125] Schnell war Industrialisierung im Wohnungsbau gleichbedeutend mit Verzicht. Den für Hoyerswerda-Neustadt geplanten Hauptraum mit den vier typisierten Kaufhäusern, den Spezialläden, dem Kino und dem Kulturhaus hat es so nie gegeben. Die Rolle des Zentrums übernahmen bis 1968 Holzbuden. Brigitte Reimann schrieb am 4.11.1963 nach einer Tagung in Berlin über die weiteren Arbeiten an der Neustadt: „Die Baupläne sind zum Teil einfallslos, zum Teil einfach irreal. Auf dem Papier nimmt es sich gut aus, wenn an drei Ecken der Stadt ein Stadion liegt, für die in Wahrheit aber keine Mittel da sind. Wir sprachen darüber, wie denn eine soz. Stadt aussehen muß, wie weit ein soz. Leben abhängig ist von den Räumlichkeiten, die für die Begegnung geschaffen werden. ... Kann man sich mit Räumen für die Hausgemeinschaften begnügen? Wie suchen die Leute den Kontakt mit anderen? Suchen sie ihn überhaupt? ... Pläne für Schlafstädte mit Zentrum“[126].

Ein entscheidender Qualitätsverlust bei Gebäuden und bei Wohnungen trat mit der durchgängigen Verwendung der Großplatte im IV. Wohnkomplex ein. Neben den Einzelblocks treten nun verschieden lange Häuserblocks. In diesem Komplex montierte man ab 1963 sogar erstmals die Dachhaut aus großformatigen Wellbetonplatten. Zugleich entstanden die gesellschaftlichen Einrichtungen in Montagebauweise.[127]

4.9. Das Scheitern der Idee der Stadt als Erziehungsort

Hatte Brigitte Reimann anfangs noch wie viele DDR-Intellektuelle an die Erziehung zum sozialistischen Menschen geglaubt und sah in der Neustadt eine Chance zum Neubeginn, so stellte sie doch immer wieder fest, dass es keinen Neubeginn gab. Schon zur Maiparade 1964 schrieb sie: „Von hoch oben, aus dem 7. Stock, sah der Umzug ganz heiter und feierlich und bunt aus: Bergmannsuniformen, die FDJ-Hemden, Sport-Jerseys, Volkstrachten, die Schalmeien-Kapelle und Fanfarenzüge (die ich noch immer nicht hören mag) – ... und ich staune wie viele Leute schon in unserer Stadt wohnen. Von unten, zu ebener Erde, sieht die Welt sich freilich ganz anders an: Dieter, der auf der Tribüne gestanden hatte, kam nachher zu uns rauf, um einen Kaffee zu trinken, und erzählte, mit wie mürrischen Mienen die Leute vorbei gelatscht seien. Und dann schwärmten die beiden Veteranen Jon und Dieter von den Maifeiern der ersten Nachkriegsjahre“.[128] Ein Jahr später berichtete Brigitte Reimann ihrem Tagebuch aus dem Urlaub an der Ostsee: „Auf der Dorfstraße steht eine Waage, und natürlich mußten sich alle wiegen, mit Studententricks. Ein Herr kam dazu, der seine Tochter wiegen wollte, der empörte sich, weil wir ihm nicht sofort Platz machten, und als einer von uns eine Bemerkung machte, er warte ja noch keineswegs »eine Viertelstunde«, sagte er pikiert: »Und ich dachte, Sie gehören zur besseren Gesellschaft.« ... Was hat der Sozialismus nun eigentlich verändert? Auto und Konto sind die Götzen wie »drüben«, und ein Titel zählt mehr als ein Charakter.“[129]

4.10. Die Verteilung der Wohnungen

Nach dem Beschluss des Ministerrats vom 23. Juni 1955 sollten knapp 11.500 Wohnungen in Erweiterung der Altstadt und in der ganzen Neustadt entstehen.[130] Davon waren 7.800 nur für Arbeiter der Schwarzen Pumpe vorgesehen.[131] Schon in der Planung von 1956 fehlten 1.000 Wohnungen, und das schon in der pessimistischen Annahme, dass nicht 9.000, sondern nur 4.000 Arbeiter zu diesem Zeitpunkt auf der Baustelle arbeiten würden.[132] Der vereinbarte Verteilungsschlüssel sah vor, dass 81 Prozent der Wohnungen an Arbeiter des Kombinates und die restlichen 19 Prozent an andere Wohnungssuchende vergeben werden sollten. Real erhielt die Kombinatsleitung wesentlich weniger. Oft unterschrieben Arbeiter einen Vertrag bei Schwarze Pumpe nur um eine Wohnung zu erhalten und kündigten dann nach kurzer Zeit wieder, ohne jedoch ihre Wohnung wieder freizugeben.[133] So überrascht eine Berechnung der Industriekreisleitung von 1961 nicht, wonach nur 51 Prozent der fertiggestellten und bezogenen Wohnungen tatsächlich von Pumpe-Arbeitern bewohnt wurden.[134]

Auch die Fertigstellung der Wohnungen verzögerte sich. Im Januar 1962 konnten erst 3.800 Wohnungen bezogen werden. Von diesen waren nur 2.682 für Familien des Kombinates bestimmt. Es fehlten zu diesem Zeitpunkt folglich 1.500 bis 2.000 Wohnungen für Kombinatsangehörige. Schon 1962 mussten mehr als 50 Prozent aller Familien auf eine Dreizimmerwohnung zwei bis zweieinhalb Jahre warten.[135] Angesichts der weiteren Vergrößerungen der Belegschaft des Kombinates bedeutete dieser Bauverzug, dass 1965 statt 9.230 nur 6.150 Wohnungen fertig sein würden. Ohne Wohnungen konnte die Werkleitung die Fluktuation nicht eindämmen. Den Arbeitskräftewerbern in allen Bezirken fehlten die Argumente.[136]

4.11. Das industrielle Bauen

Der Hauptweg zur Beseitigung der Wohnungsknappheit war die Industrialisierung des Bauens. Höhere Produktivität, geringere Kosten und kürzere Fertigungszeiten waren in der Bauwirtschaft in erster Linie nur durch große Serien gleichartiger Produkte zu erreichen.[137] Im Anfangsstadium konnte man auf Erfahrungen der UdSSR zurückgreifen, später traten zunehmend eigene Entwicklungen in den Vordergrund. 1953 entstand in Berlin–Johannisthal ein Experimentalbau in Plattenbauweise.[138] Ab 1955 wurden genormte Wohnungstypen entwickelt. In Hoyerswerda baute man im ersten Wohnkomplex seit 1957 verstärkt mit genormten Großplatten für Wände, Decken und Fensterformen. Im Betonwerk Groß-Zeißig, dem ersten Werk dieser Art in der DDR, lief am 1. April 1957 die erste „Großplatte“ in Geschoßhöhe vom Band. Aber es sollte noch zwei Jahre dauern, bis die Technik so weit ausgereift war, dass man ausschließlich zur Plattenbauweise übergehen konnte.[139] Durch die Einführung der Plattenbauweise sollte eine Senkung der Bauzeit auf 27 Prozent und eine Senkung des Gesamtarbeitszeitaufwandes auf 62 Prozent der Ziegelbauweise erzielt werden.[140] Kostete eine Wohnung in Ziegelbauweise noch 38.000 Mark, so betrugen die Kosten für die gleich große Wohnung in Plattenbauweise nur 18.000 Mark. Durch den hohen Komplettierungsgrad der fertigen Großplatten und die Montage durch den Portalkran, dauerte die Fertigstellung eines Blocks mit 32 Wohnungen nur noch etwa 14 Tage. „Hoyerswerda-Neustadt war die erste Großsiedlung der DDR, die ausnahmslos in Montagetechnologie entstand. Und entsprechend prompt kamen die Folgen der rigiden Technologieherrschaft zum Vorschein. Sture Gebäudefluchten und einfallslose Freiräume: Das Diktat der Kranbahn setzte aller malerischen Stadtkomposition ein krasses Ende.“[141] Dieter Richter geht in der Bewertung des sozialistischen Städtebaus in Anbetracht dieser Bemühungen sogar soweit, dass er ab etwa 1962 eine dritte Aufbauphase mit dem Begriff „ Industriemäßiger Massenwohnungsbau“[142] beschreibt.

Nicht ganz geklärt ist jedoch, woher das Wissen über die Fertigung von Großplatten stammt, denn erst ab etwa 1953 begann der zweite Durchbruch der Industrialisierung der Bautechnik. Zu dieser Zeit begannen Raymond Camus, der aus dem Automobilbau (Citröen) kommende französische Ingenieur wie auch fast gleichzeitig Eduard Fougea, Direktor der französischen Firma Coignet, sowie auch die dänischen Ingenieure Nielsen und Larsen weltweite Aufmerksamkeit zu finden, indem sie den Gedanken der Vorfertigung konsequent mit dem Wohnungsbau verbanden. Der international anerkannt führende Kopf der technologischen Forschung in Westdeutschland war Robert von Halász. Es gibt nun Anzeichen dafür, dass Halász mit führenden Bauingenieuren Ostdeutschlands kooperierte und so der DDR die Anpassung der Bauwirtschaft an die Vorgaben der UdSSR erst ermöglichte.[143] Man bezieht sich dabei auf die Äußerungen des DDR Architekten Günther Hirschfelder der meinte, dass die Sowjetunion bei der Entwicklung der technisch-konstruktiven Grundlagen des industriellen Bauens keine Rolle spielte, sondern dass die Bauakademie sich an dem dänischen System Larsen und Nielsen und an dem französischen Systemen Coignot und Camus orientierte.[144] Für die Auffassung von Hirschfelder spricht die Tatsache, dass die ersten Plattenwerke für die DDR aus Finnland importiert wurden und die ersten Experimente mit industriellen Bauweisen noch vor der Rückkehr der Spezialisten aus der UdSSR begannen.[145] Brigitte Reimann, die schon seit Januar 1960 in Hoyerswerda wohnte, schrieb während eines Aufenthalts in der Sowjetunion im Juli 1964 noch sehr positiv über den industriellen Wohnungsbau in der DDR: „Man scheint hier eine Periode durchzumachen, die wir gerade hinter uns haben. Wir lernen vom Westen, wo es für uns vorteilhaft ist. ... Mir wird noch schwach, wenn ich an die neuen Häuser in Zerlinograd denke: häßliche starre Kasernen. Dagegen ist Hoyerswerda ein Paradies. Wir sind in der industriellen Bauweise viel weiter.“[146] Sie wird sich in den nächsten Jahren zunehmend unwohler in diesem Paradies fühlen.

5. Das Kombinat Schwarze Pumpe bis 1989

5.1. Der Bergbau

Seit Ende der 60er Jahre stellte man Rohstoffe der chemischen Industrie nicht mehr aufwändig aus Rohbraunkohle her, sondern erzeugte sie aus sowjetischem Erdöl. Ab 1970 förderte die DDR mit über 250 bis 300 Millionen Tonnen Rohbraunkohle pro Jahr regelmäßig mehr als ein Viertel der Weltjahresproduktion.[147] Aufgrund der Ölpreiskrise 1977 beschloss die SED auf ihrem IX. Parteitag, sich noch stärker zur Braunkohle hinzuwenden. Die auf den zentralen Vorgaben beruhende radikale Auskohlungspolitik sah bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts den Raubbau an den vorhandenen Reserven vor.[148] Seit Beginn der 80er Jahre wurde sogar die Nutzung der Braunkohle in der chemischen Industrie wieder stärker entwickelt, um die importierten Erdölmengen von 21 bis 22,8 Millionen Tonnen pro Jahr auf gleichbleibenden Niveau zu halten. Die Substitution von Erdöl durch Rohbraunkohle und Erdgas hatte eine schnelle Steigerung der Braunkohlenförderung und –verarbeitung zur Folge, so dass der Anteil der Braunkohle am Primärenergieverbrauch der DDR von 62,9 Prozent im Jahr 1980 auf 70,2 Prozent 1985 stieg, die geförderte Menge von 285,1 Millionen Tonnen 1980 erhöhte sich auf 312,2 Millionen Tonnen 1985. Somit hatte die Rohbraunkohle einen überragenden Anteil an der Deckung des Gesamtverbrauchs an Primärenergie.[149] Wegen des massiven Abbaus sank der Bestand der relativ oberflächennahen Kohleflöze. Mussten 1960 nur 2,87 m³ Abraum für eine Tonne Kohle bewegt werden, stieg diese Zahl bis 1980 auf 4,22 m³, denn lag die durchschnittliche Tagebauteufe 1960 noch bei 30 m, so war sie 1980 schon doppelt so tief.[150]

Der Abbau erfolgte jedoch ohne Rücksicht auf ökologische Gesichtspunkte. Da in der Niederlausitz die Mächtigkeit der Flöze nur 8 bis 10 m betrug, musste man, um eine Millionen Tonnen Rohbraunkohle zu gewinnen, durchschnittlich etwa 10 ha abgraben. Seit dem Beginn des Bergbaus wurden hier insgesamt ca. 800 km² Fläche devastiert.[151] Gerhard Gundermann drückt es nach 1989 so aus: „Die Menschen, die von der Industrie leben, können nicht mit der Industrie leben. Schmerzhaft im Bergbau ist besonders: Alles, was wir verbrauchen, wie es so schön heißt, ist auch verloren. Wenn wir traditionell Energie gewinnen, indem wir Heimat verheizen, ist Wärme gewonnen, aber Heimat verloren.“[152]

5.2. Größe und Bedeutung des Kombinates Schwarze Pumpe

Bis Mitte der 60er Jahre war das Kombinat Schwarze Pumpe immer noch im Aufbau begriffen. Folglich blieb man in diesen Jahren weit hinter den Erwartungen, was die Produktion anging, zurück. Wegen ständiger Änderungen, die Größe und Form des Endzustandes des Kombinates betrafen, traten Fehlplanungen auf, die erhebliche Kosten verursachten. Dennoch wuchs die Produktion. Die starke Nachfrage nach Brikett, die auch für die Weiterveredlung benötigt wurden, lässt sich an der Steigerung der Produktionsmengen von 64.000 Tonnen im Jahre 1959 auf fast 5,2 Millionen Tonnen 1965 erkennen. Die Produktion von Stadtgas begann ab 1964, die Kokserzeugung setzte 1969 erst ein.[153]

Die wirklich wirtschaftlich erfolgreiche Periode für das Kombinat begann erst Mitte der 70er Jahre. In steigendem Maße konnten nun auch erwirtschaftete Erträge zur Verbessrung der sozialen Belange der Belegschaft eingesetzt werden. Von 1970 an erreicht auch die Erzeugung von Elektroenergie ihren vorgesehenen Wert und lag in den Folgejahren über 8.000 kWh. 1972 wurden im Kombinat Schwarze Pumpe 57 Prozent des Stadtgases der DDR produziert, 17 Prozent der Briketts und 45 Prozent des Kokses.[154]

Aber auch weiterhin gab es durch plötzliche Kälteeinbrüche starke Störungen. Zum Jahreswechsel 1978/79 froren die Tagebaue fest. Im Kombinat erhielt man nur eine Notbekohlung aufrecht. Landesweit brachen die Stromnetze zusammen.[155]

1980 erfolgte eine Umbildung unter den Kombinaten in der DDR. Schwarze Pumpe gliederte man eine Vielzahl früher eigenständiger Betriebe zu, so dass insgesamt rund 40.000 Mitarbeiter im Kombinat arbeiteten. Man erzeugte rund 87 Prozent des Stadtgases bezogen auf den Bedarf der DDR, 100 Prozent des Braunkohlenhochtemperaturkokses, 45 Prozent der Brikett und 11 Prozent des Stromes aus täglich ca. 175.000 Tonnen Rohbraunkohle und 3.700 Tonnen Steinkohle.[156]

5.3. Die Belegschaft und die Wohnstadt

Trotz der großen Schwierigkeiten, die es sowohl beim Aufbau des Kombinates wie auch bei der Unterbringung der Arbeiter gab, wuchs die Belegschaft kontinuierlich. Geschah dies in den ersten Jahren noch zögerlich, so schaffte vor allem der Mauerbau im Jahr 1961 Planungssicherheit, beendete er doch die Möglichkeit der Flucht aus der DDR über die noch offene Grenze West-Berlins. „An diesem Sonntag verstanden viele Kumpel und Bauarbeiter des Kombinats Schwarze Pumpe das Geschehen noch nicht bis in seine letzte politische Konsequenz, begriffen eher spontan, dass das, was in den letzten Tagen in Berlin geschah, auch eine Entscheidung für ihre eigene friedliche Zukunft war. Über die offenen Grenzen hatte sich eine wirtschaftliche Ausplünderung der DDR auf Kosten ihrer Bürger vollzogen.“[157] Die offizielle Sicht der SED verschwieg den wahren Grund, d.h. die Unzufriedenheit der Bürger und nannte nur die Ausplünderung oder das Ausbluten der DDR als Entstehungsgrund der Mauer. Dies war nach dem 13. August 1961 beendet. Arbeiter, vor allem Facharbeiter mussten in der DDR bleiben. Der Aufbau des Kombinats konnte in den folgenden Jahren sicherer vollzogen werden. Arbeiteten 1960 nur 5.644 Beschäftigte im Kombinat, waren es 1965 mit 13.333 schon mehr als doppelt so viele. 1975 erreichte die Belegschaft mit 17.888 ihren Höchststand und nahm bis 1989 auf 15.189 leicht ab.[158]

Wohnten 1961 nur 51 Prozent der Belegschaft in Hoyerswerda[159], so steigerte sich diese Zahl auf rund 70 Prozent in den 80er Jahren.[160] Werk und Wohnstadt waren von da an eng miteinander verbunden.

6. Die Neustadt bis 1989

6.1. Der Bau der Wohnkomplexe 7 bis 10

Seit den ersten Jahren des Aufbaus bleibt das einzig Beständige der Wechsel der Chefarchitekten. Aber auch sie hielten an dem Konzept der sozialistischen Wohnkomplexe aus den 50er Jahren fest. Bernd Hunger ist der Meinung, dass im historischen Rückblick nicht das im internationalen Kontext der Städtebauentwicklung stehende städtebauliche Konzept das Problem ist, „sondern die Qualität und Einseitigkeit seiner praktischen Realisierung mit einer fast nur noch auf diesen Zweck ausgerichteten Wohnungsbauindustrie, die soziale Planung seiner Realisierung über die Entmachtung der Kommunen durch zentrale Planung, [sowie] die Sturheit, mit der die DDR – Führung ein einmal entwickeltes Konzept des Wohnungsbaus jahrzehntelang mit nur geringen Modifikationen beibehalten hat.“[161] Das Konzept des reinen Wohnens wurde nicht in Frage gestellt, obwohl mittlerweile Wohngebiete entstanden waren, die die ursprünglichen Dimensionen eines Wohnkomplexes weit überschritten hatten. „ Wohnungsbau statt Städtebau[162] auf diese treffende Formel brachte Bruno Flierl jene Epoche. Um mehr Urbanität zu erzielen, vor allem aber Kosten zu sparen, wurde seit Mitte der 60er die Bebauung bedeutend dichter. In Hoyerswerda errichtete man die Gebäude in den Wohnkomplexen 8 und 9 (Baubeginn 1966) in langen Häuserreihen mit Durchgängen. Auch durch die Errichtung von 11-Geschossern verdichtete sich die Einwohnerzahl dieser Komplexe. Sie war dreimal höher als im Wohnkomplex 1. Ein hilfloser Versuch, der Monotonie der Wohnkomplexe zu begegnen, war die künstlerische Ausgestaltung der Stadt mit Springbrunnen, Freiplastiken und Wandbildern. Aber auch das half nicht, die Plattenbauweise zu „retten“.[163]

1968 erfolgte, nachdem ab 1960 die achtgeschossigen Wohnhäuser errichtet wurden, die Fertigstellung des »CENTRUM-Warenhauses«. Es war ein großer Block, der einsam und allein auf einem Platz stand, der ja eigentlich für vier Kaufhäuser bestimmt war. Damit endeten die revolutionären Planungen von Martin Röser und wichen der Notwendigkeit, Geld einzusparen. Im Jahr 1968 eröffnete auch der Komplex des Kreiskrankenhauses.[164]

Brigitte Reimann, die 1964 noch von dem Paradies Hoyerswerda schreibt[165], zitiert im Dezember 1968 einen Architekten, für den Hoyerswerda eine vertane Chance war, „eine verpfuschte Stadt, ein mißglücktes Experiment.“[166] Seit diesem Jahr fühlt sie sich nicht mehr heimisch und nimmt Abschied von der Stadt. „Alles schmeckt nach Abschied. ... In den letzten Jahren sind die Gruben abgesoffen ... Das Becken mit der Kohlentrübe ist voll gelaufen, ein fettig schwarzer See; damals (wann? vor drei oder fünf Jahren?) sah man noch den Boden, die Birken und Sträucher, die nun längst ertrunken sind. Merkwürdig, wie man sein Herz an diese öde Landschaft gehängt hat, an diese unmögliche Stadt, an die Leute [...]. Unser Centrum-Kaufhaus sieht elegant aus, ist aber schon ziemlich runter gewirtschaftet, schlampig wie alle Läden und Restaurants hier, die nach wer weiß welchem teuflischen Prinzip träge und lotterig werden, kaum bestehen sie ein paar Wochen. Trotzdem – wenn ich denke, daß nur ein paar Blöcke in einer Sandwüste standen, als wir hierher kamen, und jetzt ist es eine Stadt von fast 60000 Einwohnern, und das Kombinat ist ein riesiger Komplex geworden (in dem so gut wie nichts ordentlich funktioniert). Die Kohle geht zu Ende, vielleicht ist Hoy in zwanzig Jahren eine Geisterstadt wie die verlassenen Goldgräber-Siedlungen. Trotzdem (das sage ich schon wieder) haben wir für ein Theater gekämpft; das war mein letzter Streich hier, und die Leute vom Bezirk werden mich jedenfalls in übler Erinnerung behalten. Der Theaterbau war, nachdem Siegfried ihn durchgesetzt hatte (nach jahrelangen Kämpfen) wieder gestrichen worden. Cottbus will ein repräsentatives Zentrum bauen, auch auf unsere Kosten.“[167]

Die Typisierung der Bauweisen wurde ab 1965 weiter vorangetrieben. Die Wohnungsbauserie 70 (WBS 70) bildete, 1970 vorgestellt, den Endpunkt einer insgesamt wenig variantenreichen Typenentwicklung für Wohnungen nach dem normativen Leitbild der industriellen Kernfamilie. Im Typ P 2, der vor allem im Wohnkomplex 9 gebaut wurde, standen dem angenehm zugeschnittenen Wohnzimmer zwei kleinere Zimmer gegenüber, wobei das winzige 8 m² große Kinderzimmer das Wohnen mit mehr als einem Kind zur Zumutung werden ließ. Die so wichtigen Räume Küche und Bad sind zu engen, nicht mehr direkt belichteten Nebenflächen geschrumpft. Die von den Architekten ursprünglich geplante Gebäudetiefe von 12 m wurde aus Kostengründen auf 10,40 m zusammengestrichen, womit die Enge des Wohnraums fest geschrieben war.[168] Brigitte Reimann ließ angesichts dieser Entwicklung ihre Romanheldin Franziska Linkerhand fragen: „Bauen heute? Die Fabrikation eines Massenartikels. Der Architekt heute? Zulieferer ohne Beziehung zur fertigen Ware. Sein Arbeitsethos: vorgegebene Kennziffern einhalten; sein Ehrgeiz: Zeichnungen termingerecht abliefern.“[169]

Für den Zeitraum nach 1965 war die Einführung der Raumzellenbauweise vorgesehen, die eine fast vollständige Verlagerung des Ausbaus in die Vorfertigung ermöglichte. Jedoch kam man nicht über eine experimentelle Erprobung allein in Hoyerswerda im siebten Wohnkomplex hinaus. Die durch die Vorfertigung erreichten Kostensenkungen wurden durch die Transport- und Montagekosten, der zum Teil sehr schweren und großen Raumzellen, bei weitem übertroffen.[170]

Wie in der ganzen DDR wurden auch in Hoyerswerda ab Mitte der 60er Jahre so viele Wohnungen wie noch nie gebaut. Aber eben ausschließlich in Form der randstädtischen Neubaugebiete. Damit verbesserten sich die Wohnverhältnisse insgesamt. Jedoch wurde der Verfall der überlieferten Stadt in Kauf genommen.

6.2. Die 80er Jahre

In den 80er Jahren verschärften sich die ungünstigen ökonomischen Bedingungen. Dennoch führte der rapide enger werdende finanzielle Spielraum der DDR nicht zu einem radikalen Umdenken und neuen ökonomischen Instrumenten, sondern trotz eines allgemeinen Sparprogramms verblieb man in den alten Denk- und Organisationsmustern. Somit war der schleichende Untergang vorprogrammiert: der rückläufige Anteil von Investitionen war nicht mehr ausreichend, um die einfache Reproduktion der Bausubstanz zu sichern. Da das Ziel der DDR – Wohnungspolitik darin bestand, die Mieten für jeden erschwinglich zu machen, blieb der staatliche Mietpreis weit unter den wirklichen Kosten für die Bewirtschaftung. „Anders gesagt, die DDR lebte in den letzte Jahren auf Kosten der Vergangenheit, durch Herunterwirtschaften des überlieferten städtebaulichen Erbes, und auf Kosten der Zukunft, durch Vernachlässigung jeglicher Langzeit-Ökonomie des Bauens und Bewirtschaftens der Wohngebiete. Die außerökonomische Betrachtungsweise der Wohnraumversorgung erwies sich zunehmend als verhängnisvoll: Zwei Drittel der Bewirt-schaftungskosten für den Wohnungsbau wurden aus dem Staatshaushalt gedeckt, zur Aufrechterhaltung der niedrigen Mietpreise erhielt das Wohnungswesen 1988 rund 16 Milliarden Mark an staatlichen Subventionen, das Achtfache gegenüber 1970.“[171]

Diese Hypothek auf die Zukunft sollte sich nach der Wirtschafts- und Währungsunion 1990 schnell als schwere Belastung herausstellen, denn plötzlich wurden aus den Verbindlichkeiten der Wohnungsgenossenschaften und –gesellschaften, die in der DDR quasi nur auf dem Papier bestanden, zu wirklichen Schulden auf dem freien Kapitalmarkt, die mit D-Mark abgezahlt werden mussten.

6.3. Hoyerswerda-Neustadt – eine sozialistische Stadt?

Werner Wallert fragte 1974, ob „in der DDR – und vergleichbar in den anderen Ländern des sozialistischen Lagers – ein neuer Typus der Stadt entstanden [ist]?“[172] Er antwortete ohne jede Einschränkung mit Ja und begründet es damit, dass die politischen und wirtschaftlichen Grundlagen des DDR-Staates entscheidend einen neu gestalteten Raum prägen. Wallert meinte, dass sich die neuen Städte in Physiognomie, Struktur und Funktion von den kapitalistischen Orten unterscheiden, weil sie bestimmt werden von kollektiven Lebensformen. Deshalb sieht er in seiner Gegenwart, d.h. 1974, einen qualitativ andersartigen Stadttypus entstehen: die sozialistische Stadt.[173] Wallert schien selbst Mitte der 70er Jahre mit sozialistischer Stadt noch die Stadt des stalinistischen Leitbildes der Zeit zwischen 1950 und 1955 zu meinen, deren Zentrum im bewussten Gegensatz zur City der kapitalistischen Stadt stehen sollte, nämlich nicht als ein Ort „vordergründig kommerzieller Zentralität des Kaufens und Verkaufens, des Handels und der Geschäfte, ... sondern primär als Ort kommunikativer Zentralität, ... als Ort einer auf gesellschaftliche Gemeinsamkeit orientierten räumlichen Ordnung“.[174] Für ihn beinhaltete das Zentrum Gebäude und Anlagen der Bildung, Kultur und Erholung, der Tagungen, Kongresse und Begegnungen, also zentralen Einrichtungen gesellschaftlicher Kommunikation. Bei all dem sah er, dass vieles noch Theorie war.

Ist Hoyerswerda-Neustadt eine sozialistische Stadt geworden? Aus dem Rückblick gesehen, d.h. aus dem Ende der Planungsumsetzungen, lässt sich diese Frage scheinbar nicht eindeutig beantworten. Betrachtet man die Physiognomie des Zentrums, muss man die Frage mit Ja und Nein beantworten. Schon Brigitte Reimann schrieb 1963: „Natürlich ging es wieder um die Industrialisierung, das Bauen mit vorgefertigten Teilen, und natürlich hat U[llmann] recht: wir müssen so schnell und so billig wie möglich bauen. ... Mir scheint jedoch, dass diese Typenhäuser, mag ihre Fassade auch abwechslungsreich gestaltet sein, nicht das Gesicht der sozialistischen Baukunst repräsentieren. Mir kommt der Verdacht: moderne Architektur ähnelt sich im Osten wie im Westen. Wie, wenn Architektur nicht in hohem Maße an Klassen gebunden, wenn sie Ausdruck einer modernen Geisteshaltung wäre, die wir – in vielen Zügen jedenfalls – mit dem Westen gemein haben?“[175] Das Zentrum der Neustadt bildete seit 1968 nur ein Kaufhaus. Demnach konnte von einem Ort, der primär durch kommunikative Zentralität gekennzeichnet war, durch Gebäude der Bildung, Kultur und Begegnungen nicht die Rede sein. Fast 30 Jahre lang, bis zur Eröffnung des Hauses der Berg- und Energiearbeiter 1984, gab es kein großes öffentliches Gebäude in der Neustadt, kein Museum, keine politischen Verwaltungseinrichtungen, kaum Freizeit- oder Sportmöglichkeiten. Nach der Arbeit hielt man sich höchstens in kleinen Gemeinschaftsräumen innerhalb des eigenen Wohnblocks oder im Kleingarten auf. Einzig eine kleine Bibliothek und eine kleine evangelische Kirche waren am Rande der Neustadt zu finden. So gesehen entstand in Hoyerswerda–Neustadt eine öffentlich nicht lebendige Stadt, unpolitisch und unkirchlich, d.h. nach Wallert unsozialistisch, was, wenn man unter sozialistisch weitestgehend stalinistisch versteht, auch seine Richtigkeit hat. Hoyerswerda war eine zutiefst unstalinistische Neugründung. Fasst man jedoch unter den Begriff sozialistisch, dass alles von einer Parteiführung gelenkt wurde, d.h. es keine Bürgerbeteiligung gab, dass Religion im öffentlichen Leben keinen Platz hatte, und dass im Zentrum größerer Städte nicht in großem Maße der Konsum, Banken und Versicherungen standen, sondern nur die Einrichtungen, die unbedingt nötig waren, dann ist Hoyerswerda Neustadt eine zutiefst sozialistische Stadt.

Betrachtet man die Stadtstruktur der Wohnkomplexe, so könnte man geneigt sein, diese als sozialistisch zu bezeichnen. Das Anordnungsprinzip der Gebäude nach dem Muster des Wohnkomplexes war zwar in seiner Art nicht primär auf die Anwendung im Sozialismus[176] beschränkt, kam hier jedoch in einer sehr ausgeprägten Form zur Verwirklichung.

Sieht man Hoyerswerda–Neustadt unter dem Gesichtspunkt der Funktion, so war es eine Schlafstadt. Freilich plante man diese Stadt nicht von vornherein als eine solche. Da man jedoch vieles nicht verwirklichte, gab es nur das absolut Lebensnotwendige. Die Stadt hatte kein Eigenleben. Keine »Bürgerschaft« war soziales Subjekt der lokalen Selbstverwaltung. In Hoyerswerda starb die Gesellschaft ab, weil alles nicht »von unten«, sondern »von oben« entwickelt geplant und gesteuert wurde.[177] Im Vordergrund stand die gesellschaftliche Notwendigkeit der Unterbringung der Arbeiter von Schwarze Pumpe und das unter der Bedingung, möglichst wenig Aufwand an finanziellen Mitteln bereitstellen zu müssen. Hoyerswerda-Neustadt wurde so zum Versuch, dem im Sozialismus ständig vorfindlichen Mangel durch Industrialisierung ein Höchstmaß an Wohnraum abzuringen. Die Form, die das ganze annahm, schien der politischen Führung letztendlich nicht wichtig zu sein. Auch das scheint die Neustadt zu einer typisch sozialistischen Stadt zu machen.

Die Frage nach der sozialen Segregation bliebe noch zu untersuchen. War nicht die Annäherung der Klassen und Schichten ein hochrangiges und immer wieder propagiertes Ziel der Gesellschaftspolitik der DDR und somit ein typisches Merkmal für eine sozialistische Stadt? Hoyerswerda war die Stadt, die für die Arbeiter des Kombinates gebaut worden war. Die Betriebsleitung wohnte in Spremberg. In der Neustadt gab es zudem keine alteingesessene Bevölkerung, sondern meist nur junge Familien, die aus der ganzen Republik hierher zogen. Die Großelterngeneration fehlte ganz.[178] In der Neustadt lebten demnach weder besonders Privilegierte noch Marginalisierte, auch schon deshalb nicht, weil die sozialen Unterschiede in der DDR-Gesellschaft insgesamt sehr niedrig ausgeprägt waren.[179] Insofern wies Hoyerswerda eher die typischen Merkmale einer Neubausiedlung auf, als einer sozialistischen Stadt.

Hoyerswerda Neustadt - im Zentrum ganz ähnlich einer kapitalistischen Stadt mit einer »vordergründig kommerziellen Zentralität des Kaufens und Verkaufens«, in einer modernen Architektur erstellt, die »sich im Osten wie im Westen« ähnelte, der Funktion nach eine Schlafstadt, für die nur das Nötigste geplant und gebaut wurde, unpolitisch, »von oben« entwickelt und verwaltet. In ihr lebten »weder besonders Privilegierte noch Marginalisierte«. Sie war auf keinen Fall eine stalinistische Stadt mit einem dominanten politisch repräsentativen Zentrum. Hoyerswerda war eine Stadt der Notwendigkeiten und Einsparungen und deshalb eine typische Stadt im Sozialismus.[180]

6.4. Die Einwohner der Stadt

Die Zahl der Einwohner dokumentiert den unvergleichlichen Aufstieg der Stadt Hoyerswerda. Lebten vor Baubeginn z.B. 1950 nur rund 7.350 Einwohner in der Stadt, stieg die Zahl 1956, d.h. nach dem Beginn der Erweiterungen der Altstadt, auf rund 9.600 und 1957, d.h. dem Baubeginn der Neustadt, auf rund 12.350. Nach der Fertigstellung der Wohnkomplexe eins und zwei bis 1960 verdoppelte sich fast die Bevölkerung der Stadt auf rund 24.550 Einwohner. Die Zuwachsraten sind bis 1975 bedeutend. In den ersten fünf Jahren bis 1960 zogen rund 17.000 Menschen neu in die Stadt, in den fünf Jahren bis 1965 sogar über 19.000 und von 1965bis 1970 ca. 14.700.

Tab. 1: Einwohnerzahlen der Stadt Hoyerswerda von 1950 bis 1989

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[181]

* Schätzung [182]

Nach wuchs die Stadt nur noch langsam, erreichte 1981 mit 71.124 Einwohnern ihren Höchststand und schrumpfte bis 1989 leicht auf 67.900 Einwohner.[183] Bei der Verteilung kann man davon ausgehen, dass Ende 1989 rund 10.200 Menschen die Altstadt und rund 57.700 die Neustadt bewohnten.

Die Altersstruktur der Stadt Hoyerswerda war Mitte der 60er Jahre einzigartig, denn es war die kinderreichste Stadt der DDR. 78,9 Prozent aller Hoyerswerdaer Haushalte waren Familien mit Kindern; im DDR – Durchschnitt waren es nur 56,6 Prozent.[184] Selbst 1989 war die Stadt im DDR – Vergleich sehr jung, denn in Hoyerswerda waren 35,9 Prozent aller Einwohner unter 25 Jahren, in der DDR waren es nur 32,9 Prozent.[185]

Die natürliche Bevölkerungsbewegung war bis zur Wende 1989 positiv. So kamen 1987 im Kreis Hoyerswerda 1.544 Kinder lebend zur Welt. Im gleichen Zeitraum starben 1.091 Menschen. Folglich ergab sich ein natürlicher Zuwachs von 453 Einwohnern im Kreis.[186] Ein ähnliches Bild ergibt sich für das Jahr 1989. In diesem Zeitraum wurden 1.445 Kinder lebend geboren, starben 1.098 Menschen, so dass sich ein positiver Zuwachs von 347 Einwohnern im Kreis Hoyerswerda ergab.[187] Dennoch nahm die Bevölkerung der Stadt seit 1981 leicht ab. Besonders auffällig ist die Entwicklung von Mitte 1989 bis zum 31.12.1989. Lebten vor der Grenzöffnung am 30.6.1989 noch 69.200 Menschen in der Stadt, waren es am Jahresende nur 67.881 Einwohner, d.h. es gab einen Wanderungsverlust von 1.319 Personen.[188]

6.5. Beschäftigung

In der gesamten DDR war der Prozentsatz derjenigen, die im arbeitsfähigen Alter waren und wirklich einer Beschäftigung nachgingen, sehr hoch. Um den Arbeitskräftemangel zu beheben, wurde alles dafür getan, dass vor allem die Frauen trotz Kindern und Familien arbeiten konnten. Von den 10,83 Millionen Personen im arbeitsfähigen Alter 1988, d.h. 65 Prozent von der Gesamtbevölkerung (1988: 16.675.000), arbeiteten tatsächlich 8,98 Millionen Menschen (inklusive Auszubildende), d.h. es gab eine Erwerbsquote von rund 82,9 Prozent. Das Verhältnis von Gesamtbevölkerung und den Berufstätigen lag bei 53,85 Prozent.[189] Trotz der einsetzenden Fluchtbewegung und der politischen und ökonomischen Wende ab Mitte des Jahres lagen die Werte für 1989 auf Vorjahresniveau.

Die Erwerbsquote für die Stadt Hoyerswerda zu errechnen, ist nur annäherungsweise und im Zusammenhang mit der Betrachtung des Kreises Hoyerswerda und des Kreises Spremberg möglich, da nur so die Arbeiter von Schwarze Pumpe zu berücksichtigen sind. In beiden Kreisen wohnten zusammen rund 152.600 Einwohner. Im arbeitsfähigen Alter befanden sich ca. 102.500 Personen, von denen 91.680 arbeiteten.[190] Folglich ergaben sich eine Erwerbsquote von rund 89 Prozent und ein Verhältnis Einwohner–Berufstätige von ca. 60 Prozent. Obwohl diese Werte nicht exakt für die Stadt Hoyerswerda aufschlüsselbar sind, kann man wohl davon ausgehen, dass von den 67.881 Einwohnern am Jahresende 1989 schätzungsweise mindestens rund 39.300 erwerbstätig waren, d.h. knapp 58 Prozent. Diese Zahl errechnet sich ebenfalls, indem man zu den 45.783 Erwerbstätigen, die im Kreis Hoyerswerda (Wohnbevölkerung 1989: 109.846) arbeiteten[191], die 18.000 Pendler hinzu rechnet und die Gesamtzahl anteilig auf die Stadt bezieht. Aus dem Kreis Hoyerswerda arbeiteten nämlich rund 12.000 Personen im Kombinat Schwarze Pumpe, 1.000 wurden in Knappenrode beschäftigt und 5.000 fuhren in Großbetriebe des Kreises Spremberg.[192]

Die Werte im bezug auf das Verhältnis Einwohner und Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter lagen 1989 im Kreis Hoyerswerda mit 67,2 Prozent über dem Wert der DDR mit ca. 65 Prozent. Deutlich höher war auch der Wert der Erwerbsquote: geschätzte 89 Prozent in der Stadt und dem Kreis Hoyerswerda und 82,9 Prozent in der DDR.

Die Industriepolitik der DDR förderte die Entwicklung der Lausitz und im Besonderen den Aufstieg der Stadt Hoyerswerda. Hier waren Einkommen, Wohnraumversorgung und Wohlstand weit besser als im DDR-Durchschnitt. Das alles war jedoch nur unter der Bedingung möglich, die Braunkohle um jeden Preis nutzen und veredeln zu müssen.

7. Das Kombinat Schwarze Pumpe ab 1989

7.1. Das Ende der Planwirtschaft

Mit dem Ende der Herrschaft der SED in den Herbsttagen des Jahres 1989 kam zugleich das Ende der Herrschaft des Plans über die Wirtschaft. Dies bedeutete eine Zäsur von kaum vorstellbarer Größe. Der Zustand der Unternehmen war schlecht und oft nur unter den Bedingungen der DDR-Isolation gegenüber dem Westen und der DDR-Integration gegenüber dem Osten aufrechtzuerhalten. Die ostdeutsche Republik war zum Zeitpunkt der deutschen Einheit wirtschaftlich bankrott. Die sozialen Errungenschaften konnten nur auf Pump und zu Lasten der Zukunftsinvestitionen finanziert werden.[193] Die DDR-Wirtschaft litt am Ende der 80er Jahre an einer Reihe von schwerwiegenden Mängeln, wie ihrer unzureichenden internationalen Wettbewerbsfähig, ihrem überalterten Kapitalstock, dem unzureichenden Strukturwandel, leistungsfeindlichen Lohnstrukturen, verzerrten Preisrelationen und der mangelhaften Infrastruktur. Dazu kam die geringere Arbeitsproduktivität gegenüber der BRD. Sie erreichte Ende der achtziger Jahre knapp ein Drittel des Produktivitätsniveaus der Bundesrepublik. Ein weiteres Hindernis für die schnelle Anpassung an die Weltwirtschaft war die versteckte Arbeitslosigkeit durch einen proportional hohen Besatz an Beschäftigten in Verwaltungen des Staates und der Wirtschaft.[194]

Für die ehemals volkseigenen Betriebe musste man nach der Wende auf der einen Seite neue Eigentümer finden. Zu diesem Zweck fasste die Regierung der DDR am 1. März 1990 den Beschluß zur Anstalt der treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums. Alle Generaldirektoren der ehemaligen DDR-Kombinate erhielten den Auftrag zur Umwandlung ihrer Betriebe in Kapitalgesellschaften.[195] Auf der anderen Seite sahen sich die Betriebe vor veränderte Absatzbedingungen gestellt. Statt Planvorgaben und einer oft marktbeherrschenden Monopolstellung, regierten nun Marktnachfrage und freier Wettbewerb. Mit der Währungsumstellung am 1. Juli 1990 brachen all diese Probleme in geballter Form über die Unternehmen herein und führten zu einer Implosion der Ostwirtschaft. Da die Betriebe nicht über die normalerweise üblichen Sicherheiten verfügten, bürgte die Treuhandanstalt allein im Zeitraum Juli bis September 1990 für Kredite in Höhe von 25,4 Milliarden DM. Die ostdeutsche Wirtschaft wurde zur Subventionierungswirtschaft, die zum Glück einen Zahlmeister hatte: die Treuhandanstalt. Dazu setzte mit der neu gewonnenen Konsumfreiheit der Run auf Westprodukte ein, so dass für viele Betriebe der Markt wegfiel.[196] So halbierte sich die Industrieproduktion bis zum Herbst 1990 gegenüber 1989 und fiel bis April 1991 sogar auf 30 Prozent des Ausgangsniveaus. Seit 1990 droht, wie schon in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eine Deindustrialisierung der ostdeutschen Wirtschaft. Das alles ließ die Zahl der Erwerbstätigen von 9,7 Millionen im Jahre 1989 auf 6,7 Millionen 1992 zurückgehen[197].

7.2. Die Bedeutung der Braunkohle

Das Ende der DDR bedeutete ebenfalls das Ende der Energieautarkiepolitik. Die Unabhängigkeit von Energieimporten um jeden Preis wich einem weltweit offenen Energiemarkt und dieser setzte nur sehr bedingt auf Braunkohle. Deckte die DDR ihren Verbrauch an Primärenergie noch 1989 zu 68 Prozent aus der heimischen Braunkohle, tat das die Bundesrepublik nur zu 8,5 Prozent. Dabei war der Energieverbrauch der DDR um 26 Prozent höher als in der BRD. 81 Prozent der Bruttostromerzeugung kamen 1989 in der DDR aus Braunkohle, im Westen dagegen nur 20 Prozent. In ostdeutschen Privathaus-halten heizte man direkt oder indirekt fast ausschließlich mit Braunkohlenbrikett, die Westdeutschen dagegen fast gar nicht. Dabei gab es keine Preistransparenz. Noch 1990 wurde der Energiemarkt in den Haushalten der DDR mit elf Milliarden Mark subventioniert. Ab 1991 begannen der Subventionsabbau und die Förderung von Heizungen auf der Basis von Erdöl und Erdgas. Die Briketts verloren ihren Preisvorteil gegenüber den nun frei verfügbaren Energieträgern.[198] Die «guten Zeiten» für die Nutzung der Braunkohle auf dem Gebiet der ehemaligen DDR waren damit zu Ende.

7.3. Das Lausitzer Revier nach 1989

Seit 1990 vollzogen sich auch in der Lausitz tiefgreifende Umstrukturierungsprozesse. In Folge des Wegfalls der Subventionen und des Ausbleibens der Nachfrage nach Rohbraunkohle und Braunkohlenveredlungsprodukten kam es zu einem drastischen Einbruch der Förder- und Produktionsmengen. Wurden in der Lausitz 1990 noch 168 Mill. Tonnen Braunkohle gefördert, waren es 2001 lediglich 57,5 Mill. Tonnen, d.h. 34,2 Prozent. Auch die Einsatzstruktur der Rohbraunkohle veränderte sich im Zuge der Umstrukturierung. Wurden 1990 nur knapp 40 Prozent der geförderten Braunkohle für die Stromerzeugung und 60 Prozent für die Veredlung genutzt, erzeugte man im Jahre 2001 aus 95 Prozent der geförderten Rohbraunkohle Strom und veredelte nur 5 Prozent. Braunkohlenhochtemperaturkoks und Stadtgas wurden gar nicht mehr erzeugt.[199] Statt 22,1 Mill. Tonnen Brikett 1990 produzierte man 2001 nur noch 0,65 Mill. Tonnen, d.h. 3 Prozent.[200]

7.4. Das Kombinat Schwarze Pumpe nach 1989

Unter den am 1. März 1990 gefassten Beschluss der Regierung der DDR zur Umwandlung der Betriebe und Kombinate in Kapitalgesellschaften fiel auch das Kombinat Schwarze Pumpe. Diese Umwandlung erfolgte im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Währungsunion. Am 29. Juni 1990 bildete sich aus dem Stammbetrieb die E nergiewerke S chwarze P umpe AG (ESPAG).[201]

Obwohl die Bedeutung der Braunkohle nach der Wende spürbar rückläufig war, profitierte die ESPAG im ersten Geschäftsjahr von den hohen Energiesubventionen der ehemaligen DDR. Trotz der hohen Preise für Stadtgas, Brikett und Rohbraunkohle begann man wegen der explosionsartigen Lohnerhöhungen mit einem massiven Personalabbau. Die ESPAG erzielte in ihrem ersten Geschäftsjahr vom 1. Juli 1990 bis zum 31. Dezember 1991 ein Betriebsergebnis von 707 Millionen DM. Nach der Verschmelzung mit dem zweiten Braunkohlenunternehmen der Lausitz zur L ausitzer B raunkohle AG (LAUBAG) im 1993 endete die Eigenständigkeit des ehemaligen Kombinats Schwarze Pumpe. Ein Blick auf das Betriebsergebnis des neuen Unternehmens, das 1993 lediglich noch 30,3 Prozent des Gewinns des ersten Geschäftsjahres ausmachte, verdeutlicht, dass nur eine Konzentration die Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Lausitzer Braunkohle war.

Tab. 2: Betriebsergebnisse der Lausitzer Braunkohle Aktiengesellschaften

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [202]

Die einzelnen Betriebsteile mussten sich den neuen Marktbedingungen anpassen. Die Kokerei wurde 1992 geschlossen, denn die erforderlichen Kosten konnten schon 1991 trotz großer Subventionen nur zu 82 Prozent gedeckt werden.[203] Von den 24 Brikettfabriken im Lausitzer Revier überlebte nur eine der drei Fabriken von Schwarze Pumpe. Von den 9,5 Millionen Tonnen[204] Brikett, die 1989 noch in drei Fabriken im Kombinat erzeugt wurden, blieben Ende 2001 nur 650.000 Tonnen.[205] Das Gaswerk, das 1987 noch 7,4 Mrd. m³ Gas aus Braunkohle erzeugte, stellte Mitte der 90er Jahre die Produktion ein. Die drei Kraftwerke des ehemaligen Kombinats wurden nach und nach abgerissen. Am 25. Oktober 1993 legte man den Grundstein für Aufbau von zwei neuen 800 MW Kraftwerksböcken. Es war ein Gemeinschaftskraftwerk der ESPAG und der VEAG. Die Inbetriebnahme erfolgte am 3. Juni 1998 im Beisein des Bundeskanzlers. Der Bau des Werkes kostete über 4 Mrd. DM.[206]

7.5. Beschäftigte im Bergbau nach 1989

Dass nach der Wirtschafts- und Währungsunion mit der Bundesrepublik Deutschland die Löhne und Gehälter nicht auf DDR-Niveau bleiben konnten, war allen Verantwortlichen bewußt. Schon am 31. Mai 1990 schloss man den ersten Manteltarifvertrag für die insgesamt 125.000 ostdeutschen Arbeitnehmer der Braunkohle- und Glasindustrie ab. Er orientierte sich stark am westdeutschen Vorbild. Nach Inkrafttreten der Regelung am 1. Januar 1991 stiegen die Bruttoeinkommen der Arbeitnehmer im Jahre 1991 um 36 Prozent und im Jahre 1992 um weitere 45 Prozent. Das Ziel von der Treuhandanstalt und den Gewerkschaften war es, den Aufholprozess zum westdeutschen Einkommensniveau schnellstmöglich voran zu bringen. Wenn sich jedoch die Löhne am westlichen Vorbild orientieren sollten, wurde es zwangsläufig erforderlich, die ost- und westdeutsche Arbeitsproduktivität miteinander zu vergleichen. Im Bereich »Bergbau und Energie« erreichte die Produktivität im Jahre 1990 jedoch nur 31 Prozent des westdeutschen Niveaus. Durch massiven Personalabbau fand 1994 eine Angleichung der Niveaus statt.[207] Waren 1989 noch 79.016 Arbeiter[208] im Lausitzer Revier mit der Förderung und Verarbeitung von Rohbraunkohle beschäftigt, nahm diese Zahl in den ersten Jahren jeweils um rund 13.000 Beschäftigte ab und erreichte schon nach drei Jahren 1992 mit 39.258 die Hälfte der ursprünglich Beschäftigten. Nach zwölf Jahren 2001 arbeiteten nur noch 8,5 Prozent der ehemaligen Erwerbstätigen in Braunkohlenunternehmen.[209]

Die Wege des Personalabbaus waren dabei vielfältig. Als ein zentrales Element erwies sich das Altersübergangsgeld, das seit der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 die Möglichkeit schaffte, dass Arbeitnehmer ab dem 60. Lebensjahr ein vorgezogenes Ruhegeld erhalten konnten. Die Probleme am Arbeitsmarkt wurden so zu einem großen Teil über die Sozial- und Rentenversicherungskassen bewältigt und stürzten diese in eine große Krise. Ab dem Jahr 1992 nahmen Sanierungsgesellschaften einen weiteren wesentlichen Teil der Belegschaft in eine von der öffentlichen Hand finanzierte Arbeit auf.[210]

Die überwiegend im Bereich Braunkohle tätigen Sanierungsgesellschaften beschäftigten am 1.4.1993 bereits 7.017 Arbeitnehmer. Zum 1.1.1994 verdoppelte sich diese Zahl schon auf 15.442 Beschäftigte. Da diese Arbeiter jedoch immer nur für maximal drei Jahre angestellt werden können, sank ihre Zahl zum 1.1.1997 auf lediglich noch 8.515 und lag zum 1.1.2002 bei 3.815 Beschäftigten. Die Sanierungsgesellschaften verzögerten nur den Personalabbau und milderten für einige Jahre die schweren Folgen der Arbeitslosigkeit. Eine neue Perspektive boten sie nicht. Dem Lausitzer Revier, das über ein Jahrhundert durch die Braunkohle einen Wirtschaftsaufschwung erlebt hatte, wurde das Rückrad gebrochen. Zehn Jahre nach der Wende arbeiteten im Bereich Braunkohle und Sanierung nur noch 13.418 Beschäftigte, d.h. 17 Prozent des Ausgangsniveaus von 1989. „Wo die DDR unter unsäglichen Kraftanstrengungen Industriepolitik zugunsten traditionell strukturschwacher Landesteile betrieben hatte, stellt nun ein sich selbst überlassener Markt nichts als den Status quo ante wieder her, also die dünn besiedelte, ärmlich dahin dämmernde Krisenregion. Für die damals schnell, wahrscheinlich zu schnell gewachsenen Industrie-Wohnstädte weitab der Ballungszentren bedeutet dies: Sie sind schlicht überflüssig.“[211]

Tab. 3: Mitarbeiterentwicklung im Lausitzer Revier (mit Auszubildenden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[212] [213]

7.6. Die Beschäftigungssituation der ESPAG nach 1989

Der Stammbetrieb des Kombinates Schwarze Pumpe, der zur ESPAG wurde, beschäftigte 1990 im Jahresdurchschnitt 16.042 Arbeiter und Auszubildende. Bis zum Ende der ESPAG 1993 arbeiteten noch 7.320 Beschäftigte und Auszubildende in dem Unternehmen.[214] Ein Teil der Belegschaft fand in ausgegründeten Betrieben einen neuen Arbeitsplatz. Bis Ende 1991 betraf das 753 Beschäftigte.[215] Nach 1993 können nur noch die Mitarbeiter von ESPAG und LAUBAG zusammen betrachtet werden und bieten deshalb kein aufschlussreiches Bild für die ESPAG. Die Entlassenen gingen direkt (oder indirekt durch die Vorruhestandsregelungen) zu 26 Prozent in die Rente. 20 Prozent verließen das Werk von sich aus, 17 Prozent wurden gekündigt. 29 Prozent gingen in Sanierungsgesellschaften und 8 Prozent fanden eine neue Arbeit in ausgegründeten Unternehmen.[216]

Die Stadt Hoyerswerda als Wohnstadt für die Arbeiter und Auszubildenden von Schwarze Pumpe war von dem massiven Abbau der Arbeitsplätze direkt betroffen. Es gibt keine genauen Statistiken über die Anzahl der Mitarbeiter, die in Schwarze Pumpe arbeiteten und in der Neustadt lebten. Das Statistische Amt in Hoyerswerda schätzt die Zahl auf 70 Prozent[217], d.h. dass von den 16.042 Arbeitern und Auszubildenden 1989 rund 11.200 Menschen in Hoyerswerda wohnten. Mit dem Schrumpfen der Braunkohlenförderung und – verarbeitung war das Wachsen der Arbeitslosigkeit in der Stadt eingeläutet worden.

7.7. Die Beschäftigungssituation in Hoyerswerda nach 1989

Unter Punkt 6.5. wurde versucht, eine Schätzung in bezug auf die Menschen, die im Jahr 1989 in der Stadt erwerbstätig waren, aufzustellen. Der größte Anteil der Beschäftigten dürfte im Bereich des Bergbaus und des produzierenden Gewerbes gearbeitet haben. Hierzu zählten sicherlich 11.200 der 18.000 Pendler[218] aus dem Kreis Hoyerswerda, die in Schwarze Pumpe arbeiteten und in der Kreisstadt wohnten, so dass in diesem Bereich rund 17.000 Menschen aus Hoyerswerda erwerbstätig gewesen sein dürften. In den übrigen Wirtschaftsbereichen, wie Dienstleistungen, Baugewerbe, Handel, Gastgewerbe und Verkehr unterschied sich die Situation wohl kaum wesentlich von der des Jahres 1991.[219] Geht man folglich von den rund 39.300 Berufstätigen aus, so ist anzunehmen, dass sich diese wie folgt auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche im Jahre 1989 verteilten:

Tab. 4a: Schätzung der Erwerbstätigen in Hoyerswerda nach Wirtschaftsbereichen für 1989

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[220] [221]

Tab. 4b: Erwerbstätige in Hoyerswerda nach Wirtschaftsbereichen für 1999

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [222]

Nach zehn Jahren lag die Erwerbsquote trotz hoher Abwanderung bei nur knapp 64,4 Prozent. Zwar lag die Stadt Hoyerswerda im Jahr 1999 (Einwohner 51.558)[223] mit rund 430 Erwerbspersonen je 1.000 Einwohner eher im oberen Drittel im Vergleich zu anderen Kreisen des Freistaates Sachsen, aber sie befand sich zugleich im oberen Drittel der Kreise, die die stärkste negative Veränderung in diesem Verhältnis aufwiesen.[224] Das bedeutet, dass kaum in einem anderen Gebiet des Freistaates die Menschen so hart von den negativen wirtschaftlichen Folgen des Transformationsprozesses betroffen waren, wie in der Stadt Hoyerswerda. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ESPAG Dieter Schwirten schrieb: „Freiheit bedeutet das Fehlen von Sicherheit. Nach rechts und links abbiegen, sich die Finger verbrennen, das bringt Erfahrungen, das sind die Zinsen des Lebens.“[225] Das diese Erfahrungen für viele Menschen von Hoyerswerda hieß, hier plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden, war eine bittere Erkenntnis.

Am gravierendsten war der Rückgang der Erwerbstätigenzahlen im Bereich des produzierenden Gewerbes. Hier nahm die Beschäftigungszahl um rund 13.800 Menschen ab. Dieser Rückgang auf lediglich 18,8 Prozent des Ausgangsniveaus von 1989 korrespondiert mit den ähnlich starken Schrumpfungen der Gesamtbeschäftigten im Bergbau und den Sanierungsgesellschaften.[226]

Wolfgang Kil sieht diese Krise nicht als eine Konjunkturelle, sondern sie „signalisiert einen Epochenbruch. Und niemals zuvor wurde im reichen und allzeit auf »Sozialverträglichkeit« achtenden Westen ein Strukturwandel dermaßen planlos und ungeschützt dem Selbstlauf überlassen – direkt über dem Abgrund. Zwischen dem Niedergang des »alten« Ruhrgebiets und der kollapsartigen Preisgabe der ostdeutschen Industrie hat sich die Schraube der gesamtökonomischen Widersprüche offenbar um ein paar entscheidenden Windungen weiter gedreht.“[227]

Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeitete 1999 bei öffentlichen- und privaten Dienstleistungen und der Verwaltung. Das ist deutlich mehr als im Landesdurchschnitt üblich und weist auf eine zukünftig abnehmende Entwicklung hin. An zweiter Position standen die Erwerbstätigen aus dem Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr. Konnte die Bauwirtschaft noch in den Jahren 1992, 1994 und 1995 knapp 5.000 Menschen beschäftigen, brach auch in diesem Bereich 1999 in Folge der Konjunkturflaute die Zahl der Beschäftigten auf weniger als die Hälfte ein.[228]

Durch den Wegfall der Braunkohlenindustrie hat die Stadt Hoyerswerda große Bedeutung als Arbeitgeber für Beschäftigte aus dem Umland. 1999 waren 47,1 Prozent aller Beschäftigten Einpendler und nur noch 25,7 Prozent Auspendler. Eine Besonderheit der Stadt ist, dass bei einer der höchsten Arbeitslosenquoten im Freistaat (25,5 Prozent) das Pro-Kopfeinkommen 927 EURO beträgt, welches nach Chemnitz und Dresden das höchste in Sachsen ist.[229] Auf der anderen Seite stieg die Anzahl der Sozialhilfeempfänger von 7 pro Tausend im Jahre 1991 auf 21 pro Tausend im Jahre 2000 an.[230]

Die weiteren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind trübe. Die LAUBAG musste nach 1999 weitere 1.000 Beschäftigte entlassen, in den Sanierungsgesellschaften verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen sogar um 2.600.[231] Die Arbeitslosigkeit blieb 2001 mit durchschnittlich 6.450 erwerbslosen Personen auf hohem Niveau.[232]

„Wenn es doch bloß eine Idee gäbe, für die es sich Ausharren lohnte.“[233] Mit dieser Zukunftslosigkeit wollten sich ehemals „klassenbewusste Kollegen, ... Wandervögel vom Bau ... und Goldsucher“[234] nicht abfinden. Und da viele noch nicht einmal eine Generation in der Neustadt lebten, zogen sie wieder fort, der Arbeit hinterher, wie sie es gewohnt waren, aus einer Stadt, die für sie schon immer nur eher eine Schlaf- als denn eine Heimstätte war, aus einer Gegend, „wo die Kühe mager sind wie das Glück.“[235]

8. Die Entwicklung der Stadt Hoyerswerda nach 1989

8.1. Die Wende

Ist der Raum eine »Registrierplatte«[236], so bekommt demnach eine Stadt oder ein Land die Befindlichkeitsstörungen ihrer Einwohner zu spüren. Zu eben einer solchen führte die politische Wende 1989 in der DDR bei den meisten ihrer Bewohner. „Eine »seelische Pleite«, wie einer das nennt, haben sie alle erlebt, nachdem der Staat, dem sie über Jahrzehnte emotional verbunden waren, und sei es nur in tiefer Verachtung, sich plötzlich wie ein Spuk aufgelöst hat.“[237] Die neue Freiheit bedeutete das Fehlen von Sicherheit.[238] Mit einem Schlag waren gewohnte Rahmenbedingungen wie die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die soziale Rundumversorgung und die Subventionierung von Lebensmitteln und Mieten abgelöst worden von freier Preisbildung, Wettbewerb und Gefährdung des Arbeitsplatzes. Der Staat fing dies zum Teil durch die Sozial- und Währungsunion vom 1. Juli 1990 ab, die eine Ausdehnung des westdeutschen sozialen Netzes auf das Gebiet der ehemaligen DDR bedeutete und eine soziale Katastrophe für sozial Schwache verhinderte. Über Nacht ereignete sich im Osten eine »Wohlstandsexplosion ohne wirtschaftliches Fundament«. Das ermöglichten Transferleistungen aus den alten Bundesländern, die von 1991 bis 2001 rund 2 Billionen DM betrugen und mit rund 1,5 Billionen DM durch staatliche Kredite finanziert wurden.[239] „Kaum eine andere Industrienation hätte wie die Bundesrepublik rund eine Billion EURO in die Einheit investieren können, ohne daran zu zerbrechen.“[240]

Weil jedoch der wirtschaftliche Transformationsprozess die Existenzgrundlage der Menschen im Osten bedrohte und sie mit der Einheit die Möglichkeit hatten, sich frei zu bewegen und endlich auch zwischen Ost und West zu vergleichen, widerfuhr den fünf neuen Bundesländern, was schon Ulbrichts und Honeckers DDR nicht verhindern konnte: Die Menschen liefen davon. Aus der Existenzfurcht im Osten wurde eine „ Existenzflucht[241] in den Westen. Das rotleuchtende A der Arbeitsämter stellte seit der Wende das Symbol des Abschwungs da und wurde schließlich das Signal zur Abreise und zum Abschied Ost. »Ich muß gehen, damit meine Kinder eine Zukunft haben«, sagte eine Frau, als sie ihre Heimat verließ.[242] Was konnte die Übernahme von sozialen Standards und die soziale Absicherung gegen das „Daseinsproblem der Überflüssigen“[243] ausrichten?

Aber auch die, die noch im östlichen Deutschland bleiben wollten, nahmen durch die neuen Eindrücke aus dem Westen ihre Heimat anders wahr. Nach 1989 entdeckten die DDR-Bürger nicht nur ihre Individualität wieder, sondern zugleich auch den Wunsch, diese, wenn es finanziell möglich war, in unterschiedlichen Formen auszudrücken, zum Beispiel durch ein eigenes Haus. Zogen viele Menschen vor der Wende gerne in die Plattenbauten, weil es dort Heizung, fließend Wasser und eine Rundumversorgung gab, erschien ihnen nun das Einerlei der Platte nicht mehr ihren Vorstellungen zu entsprechen. Sie erkannten zunehmend die Mängel der Großsiedlungen, wie Monotonie, Anonymität, geringe Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten als Mieter und praktische Unzulänglichkeiten wie fehlende Parkplätze. Und so zogen finanzstarke Familien oder Besserverdienende in sanierte Wohnungen der Altstadtviertel oder wanderten ins Umland und bauten sich ein Haus (Suburbanisation).[244]

Mit der Wende 1989 änderten sich ebenfalls die Rahmenbedingungen für die Kommunen, denn diese erhielten durch eigene Ressourcen und Entscheidungsmöglichkeiten ein Stück Freiheit.[245] Leider mussten sie schnell erkennen, dass dieses Stück Freiheit sehr klein war und stark von den Zuweisungen des Bundes und des Landes abhing.

8.2. Die Einwohnerzahl (aktualisiert bis 31.12.2003)

Bevor die Ungarn die Grenzen im Frühjahr 1989 öffneten und damit den Bewohnern der DDR ein Fluchtventil boten, lebten Mitte 1989 ca. 69.200 Einwohner[246] in Hoyerswerda, rund 10.200 Menschen in der Altstadt und ihren Erweiterungen aus den 50er und 60er Jahren und rund 59.000 Einwohner in der Neustadt.[247]

Mit dem Niedergang der DDR, verlor Hoyerswerda seine Existenzgrundlage das Kombinat Schwarze Pumpe.[248] Die nun einsetzende Abwanderung und Suburbanisierung betraf die Stadt stark, verlief jedoch nicht in allen Gebieten gleichmäßig. Die Neustadt hatte bedeutend härter als die Altstadt unter Fortzügen zu leiden. Noch während des Jahres 1989 setzte die Fluchtbewegung ein. Binnen eines halben Jahres verließen 1.320 Einwohner[249] die Stadt, binnen des nächsten halben Jahres bis Mitte 1990 verließen weitere 2.480 Menschen[250] Hoyerswerda. Schnell wurde ein unentbehrliches Mittel der Stadtplanung die Prognose der Einwohnerzahlen. Die erste Prognose stammte von Stadtplanern der Gruppe Hardtberg und wurde 1992 erstellt, zu einem Zeitpunkt, als nur noch ca. 61.100 Menschen in Hoyerswerda lebten, d.h. dass in drei Jahren schon über 8.100 Einwohner (ca. 2.700 pro Jahr) die Stadt verließen. Diese Prognose errechnete für das Jahr 2012 eine Einwohnerzahl von rund 43.800.[251] Das bedeutete, dass in den nächsten 10 Jahren rund 17.300 Menschen die Stadt verlassen würden. Wie sich bei den späteren Prognosen zeigen sollte, war es ein mutiger Versuch, mit einer Abwanderung von rund 1.730 pro Jahr zu rechnen, gingen doch die folgenden Hochrechnungen alle von weit geringeren Zahlen aus. Die Prognose des Statistischen Landesamtes Kamenz von 1995 gab für das Jahr 2010 eine Spanne von 43.500 bis 45.900 Einwohnern an.[252] Die Stadtplaner der Gruppe Hardtberg glichen darauf ihre Prognose von 1992 diesen viel optimistischeren Zahlen an. Sowohl das Statistischen Landesamt wie auch die Gruppe Hardtberg unterließen es, eindeutig ausgewiesen, wo diese Einwohner wohnten bzw. wegzogen. Dabei war ja gerade das entscheidend, um die Stadtplanung auf eine richtige Grundlage zu stellen. Außerdem wurden ab 1993 umliegende Dörfer eingemeindet, so dass sich die Gesamteinwohnerzahl erhöhte und den drastischen Abwanderungsverlust der Stadt verdeckte. Schlüsselt man nun aber die Bevölkerungszahl nach den einzelnen Gebieten auf, ergibt sich ein dramatisches Bild für die Entwicklung in der Neustadt.

Tab. 5: Einwohnerzahlen der Stadt Hoyerswerda jeweils zum 31.12. eines Jahres

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [253]

* Schätzungen ( ... ) = Einwohnerzahlen vor der Eingemeindung [254]

Aufgrund dieser Bestandsaufnahme ergeben sich sehr aufschlussreiche Befunde. Erstens ist festzustellen, dass von den 29.936 Einwohnern, um die allein die Stadt Hoyerswerda zwischen 1988 und 2003 abnahm, ca. 96,4 Prozent aus der Neustadt kamen und nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Menschen aus der Altstadt. Durch die Abwanderung verzeichnete die Neustadt in dem Zeitraum von 1988 bis 2003 einen dramatischen Einwohnerrückgang von 28.859 Personen, d.h. ein Verlust von 48,8 Prozent. Zweitens ist bemerkenswert, dass eine unterschiedliche Abnahmeintensität in den einzelnen Jahren zu verzeichnen war. Verringerte sich die Einwohnerzahl der Neustadt in den dreizehn Jahren von 1988 bis 2001 um durchschnittlich 1.976 Personen pro Jahr, lag der Mittelwert in den vier Jahren von 1992 bis 1995 mit ca. 1.321 Einwohnern pro Jahr deutlich unter dem allgemeinen Mittelwert, in den sechs Jahren von 1996 bis 2001 aber mit durchschnittlich 2.273 deutlich darüber. Von einem langsamen Abebben der Abnahme kann demnach nicht die Rede sein. Drittens erweisen sich die Prognosen der Jahre 1992 bis 1996 in der Berechnung der Einwohnerzahlen als zu optimistisch. Nahm man 1992 noch an, dass Hoyerswerda erst im Jahre 2012 ca. 43.700 Einwohner zählen würde, erreichte die Stadt diesen Wert schon 2001. Viertens steht der großen Abnahme der Bevölkerungszahl der Stadt Hoyerswerda (-29.936 Personen) nur eine relativ geringe Zunahme der Einwohnerzahlen der Dörfer gegenüber (+1.450 Personen), d.h. der überwiegende Teil der Fortzügler muss entweder nach Sachsen oder in andere Bundesländer gezogen sein.

8.3. Die Fortzügler

8.3.1. Die Zielgebiete der Fortzügler

Die Zahlen über Zuzüge und Fortzüge liegen erst für den Zeitraum von 1992 bis 2000[255] vor und erfassen die Gesamtgemeinde, d.h. sie beinhalten ab dem 1.1.1993 die Ortschaften, die nach und nach eingemeindet wurden.[256] Daraus ergibt sich die Abweichung zwischen den Einwohnerverlust der Alt- und Neustadt und der Kommune Hoyerswerda.

Von den 9.481 Einwohnern, die per Saldo die Gemeinde Hoyerswerda zwischen 1995 und 2000 verließen, blieben 52 Prozent in Sachsen, ca. 10,7 Prozent zog nach Brandenburg, weitere 10,4 Prozent ging nach Bayern, ca. 8 Prozent nach Baden-Württemberg, rund 5 Prozent zog nach Nordrhein-Westfalen. Die restlichen knapp 14 Prozent verteilen sich auf die übrigen Bundesländer.[257] Bemerkenswert ist, dass der überwiegende Teil der Fortzügler, die in den Freistaat Sachsen zogen, in den Landkreis Kamenz gingen. Das bedeutet, dass 40,4 Prozent aller Fortzügler in der näheren Umgebung Hoyerswerdas blieb.[258]

Tab. 6: Zu- und Fortzüge aus Hoyerswerda 1991 bis 2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [259]

Seit 1990 nahm die Einwohnerzahl vieler Umlandgemeinden stark zu. Wohnten zum Beispiel 1990 in Wittichenau noch 5.088 Einwohner, stieg die Zahl bis 1999 um 1.167 auf 6.255 Einwohner an. Auch in Elsterheide erhöhte sich die Einwohnerzahl um 962 Personen in diesen neun Jahren.[260] Der Grund für den Umzug lag dabei sicherlich in dem Wunsch, in einem eigenen Haus zu wohnen. Hätte die Stadt Hoyerswerda Baugrund ähnlich günstig und in ausreichendem Umfang anbieten können, wären diese Menschen in der Stadt geblieben. Dabei ist die Tendenz zu verzeichnen, dass seit Mitte der 90er die Zahl derjenigen zunahm, die sich weiter entfernt von Hoyerswerda eine neue Heimat suchten. Gingen per Saldo 1995 nur knapp 20 Prozent aller Fortzügler in die alten Bundesländer, waren es im Jahr 2000 gut 47,4 Prozent, d.h. dass 1995 per Saldo noch über 80 Prozent der Fortzügler Hoyerswerdas in die neuen Bundesländer zog, im Jahr 2000 jedoch nur noch etwas mehr als die Hälfte. Der Hauptgrund hierfür dürfte im langsamen Niedergang der Lausitzer Braunkohlenindustrie liegen und darin, dass kaum neuen Arbeitsplätze in der Region, ja überhaupt in den Neuen Bundesländern entstehen. Aber auch innerhalb Sachsens verschob sich das Zielgebiet der Fortzügler. So war die Zahl derjenigen, die in den Nahbereich, d.h. den Landkreis Kamenz zogen, in den letzten Jahren spürbar rückläufig. Verlor Hoyerswerda 1995 noch 852 Einwohner an das Umland, waren es im Jahre 2000 nur noch 455 Personen. Im gleichen Zeitraum konzentrierte sich alles zunehmend auf Dresden. Gingen 1995 nur 53 Personen in die Landeshauptstadt, stieg die Zahl bis 2000 auf 119 an.[261]

8.3.2. Das Alter der Fortzügler

Die Stadtplaner Hoyerswerdas erkannten schon nach wenigen Jahren, dass neben der Zahl der Abwanderer zugleich ihr Alter für die weitere Entwicklung der Gemeinde wichtig ist, denn nicht alle Altersgruppen wandern mit der gleichen Intensität ab. Bereits im Leitbild 2030 wurde eine erste Analyse diesbezüglich erstellt. Damals kam man zum Schluss, dass „bei den Abwanderungen die Altersgruppen der etwa 20-30-Jährigen überproportional vertreten sind und auch die 30-40-Jährigen noch deutlich über dem Durchschnitt liegen, während sie bei Altersjahrgängen 40-60 Jahre und unter 20 Jahre etwa durchschnittlich hoch sind. Die Altersgruppe über 60 Jahre wandert nur in geringem Maße ab.“[262] Die Verfasser des Leitbilds verglichen für diese Analyse alle Abweichungen im Bevölkerungsaufbau des Jahres 1996. Um die Beurteilung in bezug auf die unterschiedliche Intensität der Abwanderung einzelner Altersgruppen zu stützen, sollen hier die Veränderungen einzelner Jahrgangsgruppen im Zeitraum von 1996 bis 2001 verglichen werden. Die Sterbefälle sind dabei nicht heraus gerechnet. Da die Neustadt besonders stark unter den Fortzügen zu leiden hat, wird sie hier besonders aufgeführt. Bei der Gesamt Kommune muss beachtet werden, dass die Zahlen wegen der Eingemeindungen nicht ganz so aussagekräftig sind.

Tab. 7: Veränderungen in den Altersgruppen Hoyerswerdas im Zeitraum 1996 bis 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[263] [264] [265] [266]

Die Werte zeigen sehr deutlich, dass es vor allem Jugendliche sind, die, wenn sie die Schule, zugleich auch ihre Stadt verlassen. So zogen aus Hoyerswerda zum Beispiel von den Jahrgängen 1977 bis 1981, die 1996 ungefähr 15 bis 20 Jahre alt waren, aus der Kommune 32,1, aus der Neustadt sogar 37,4 Prozent aus Hoyerswerda fort. Auch die Jahrgänge 1972 – 1976, die keine Lehrstelle oder danach keine Arbeit fanden, verließen mit 32,5 bzw. 37,8 Prozent überproportional stark die Stadt. Die Gruppe der Fortzügler teilte sich dabei nicht gleichmäßig in Jungs und Mädchen. Tendenziell gingen mehr Mädchen aus der Stadt. Von 1996 bis 2001 gingen von den ungefähr 16jährigen Mädchen (Jahrgang 1980) rund 36,5 Prozent wobei im gleichen Zeitraum nur 22,7 Prozent Jungs die Stadt verließen. Ein ähnliches Bild ergab sich für die Jahrgänge 1978 und 1977.[267] Dies wird später dazu führen, dass der Stadt die zukünftigen Mütter fehlen. Bei dem Vergleich zwischen Kommune und Neustadt fällt die unterschiedliche Entwicklung der besonders jungen Jahrgänge 1992 – 1996 auf. Man kann dies wohl nur so deuten, dass sehr viele Familien mit kleinen Kindern vorzugsweise aus dem Umland und der Altstadt in diesem Zeitraum Hoyerswerda verlassen haben müssen, diese Abwanderung jedoch die Neustadt nicht so stark betraf. Insgesamt kann man zusammenfassend sagen, dass in ganz besonders großem Umfang die 15-25jährigen aus der Stadt ziehen. Der neue deutsche Osten – ein Land ohne junge Menschen?

Es sind nicht nur die jungen Menschen, auch die unter 40jährigen kehren überdurchschnittlich ihrer Heimat den Rücken. Diese Personen fühlen sich oft als zu Jung, um schon arbeitslos zu sein und versuchen, sich woanders noch einmal eine Heimat aufzubauen.

Es gibt für Hoyerswerda noch keine Untersuchung darüber, wer die Menschen sind, die die Stadt verlassen, welchen Bildungsgrad sie haben, welche Ideen und Visionen. Der Soziologe Wolfgang Weiß befürchtet aber eine »intelligenzmäßige Ausdünnung« vieler Regionen. Er meint, dass die »Existenzflucht ... mit einer demographischen Implosion endet.«[268] „Jetzt gehen alle, die noch irgend etwas bewegen könnten. Es ist lähmend, wie damals, als in den Achtzigern alle nach dem Westen abhauten. Alle, die eigentlich hier gebraucht worden wären. Jetzt passiert das wieder, und wieder gehen die Jungen. Nach dem Westen, wo noch Arbeit ist. Hier sind bald nur noch Rentner, die nichts weiter wollen als ihre Ruhe.“[269] Professor Rüdiger Pohl vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle meint dazu: „Die schwachen Regionen laufen leer. Dort macht es keinen Sinn, in die Beleuchtung von Feldwegen zu investieren.“[270] Hoyerswerda wird dabei zum Modell, denn hier läuft die Schrumpfung im Zeitraffer. „»Wir haben eine Pilotfunktion «, sagt Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig (PDS). Will heißen: Hoyerswerda übt, was anderen Ost-Städten noch geballt bevorsteht: Rück-sanierung, Abriss, Schrumpfung. Beim Einwohnerstand von 35.000, hofft Brähmig, wird mit der Massenflucht Schluss sein: »Die Talfahrt setzt sich nicht unendlich fort.«“[271] Stellt sich die Frage, woher der Oberbürgermeister diese Gewissheit nimmt. Gerade durch die Abwanderung der Jugend fehlen der Stadt die zukünftigen Mütter und Väter.

Vergleicht man die heutige Situation mit der in den 50ern und 60ern, so kann man feststellen - die Ersten, die kamen, die Stadt bevölkerten, aufbauten und ihr eine Zukunft gaben, waren junge Menschen mit Kindern - die Ersten, die nun die Stadt verlassen und ihr damit die Zukunft nehmen, sind wieder Jugendliche und Familien mit Kindern. Sie sind ein Seismograph für die wirtschaftliche Lage einer Region. Sie zeigen den Abschwung durch den Abschied an.

8.4. Die natürliche Bevölkerungsentwicklung

8.4.1. Die Geburtenzahlen

Hoyerswerda-Neustadt war die wohl »kinderreichste Stadt der DDR«.[272] Spätestens mit der politischen und wirtschaftlichen Wende änderte sich dies gewaltig. Da vor der Wende nur der ganze Kreis Hoyerswerda statistisch erfasst wurde, können keine Angaben über die genauen Geburtenzahlen vor 1992 getroffen werden. Lediglich anhand der Jahrgänge, die 1995 das erste Mal aufgeschlüsselt vorliegen, ergeben sich Rückschlüsse über die Geburtenzahlen für die Stadt. Trotz der schon einsetzenden Abwanderung wiesen die Jahrgänge 1986 bis 1989 durchschnittlich 819 Kinder auf. Ab 1990 schrumpfen die Jahrgänge. 1992 kamen mit lediglich 385 Lebendgeborenen in der Stadt rund 56,5 Prozent weniger Kinder zur Welt, als es durchschnittlich in den vergangenen Jahren war. Im Mittel wurden in den Jahren 1992 bis 2000 ca. 328 Kinder geboren, d.h. nur rund 40,1 Prozent im Vergleich zu den Werten der Zeit 1986 bis 1989.[273]

Beachtlich ist, dass sich trotz der Abnahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter die Geburtenzahlen in den Nachwendejahren relativ konstant um einen Mittelwert von 328 Kindern bewegten. Erklärbar ist dies nur dadurch, dass die Frauen, insgesamt betrachtet, mehr Kinder bekamen. Als Kennzeichen für die Entwicklung der Zahl der Geburten in bezug auf die Frauen wird die Fruchtbarkeitsziffer verwendet, d.h. die Geborenen je 1.000 Frauen im Alter von 15-45 Jahren. Nach der Wende sank diese Ziffer von 37,1 (1990) auf 23,9 (1994) dramatisch und stieg danach wieder an.[274]

Tab. 8: Veränderung der Fruchtbarkeitsziffer in den Jahren 1996 bis 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[275] [276] [277]

Trotz der relativ starken Schwankungen lag die Stadt Hoyerswerda mit einem Wert von 32,5 Kinder je 1.000 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren im Jahr 2001 unter dem Niveau der Bundesrepublik (1999 alte Bundesländer: 48,5 / neue Bundesländer: 34,0).[278] Dabei ist festzuhalten, dass sich die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter jährlich durchschnittlich um 621 Frauen und in allen fünf Jahren insgesamt 26,4 Prozent verringerte. Diese Abnahme ist jedoch nur deshalb so niedrig, weil in diesen Jahren Eingemeindungen stattgefunden haben. Vergleicht man die Gegenüberstellung in der Tabelle unter Punkt 8.3.2., so ergibt dies, dass die Abnahme der Jahrgänge 1981 bis 1956, d.h. die 15- bis 45jährigen, der Neustadt mit fast 32 Prozent (5,3 Prozent/Jahr) deutlich darüber lagen. Für die Prognose der zukünftigen Geburtenrate bis 2015 wird demnach mit der jährlichen Abnahme der Neustadt zu rechnen sein.

8.4.2. Die Sterbezahlen

Von 1992 bis 2000 starben durchschnittlich 544 Menschen pro Jahr. In den ersten fünf Jahren lag diese Zahl um einen Mittelwert von 560,[279] in den Jahren von 1997 bis 2000 um einen Wert von 525.[280] Die Abnahme der Anzahl der Sterbefälle ist über mehrere Jahre betrachtet proportional zur Abnahme der Einwohnerzahlen in dieser Altersgruppe. Die Angleichung der Lebenserwartung zwischen alten und neuen Bundesländern wird zwar weiterhin stattfinden, jedoch nur sehr langsam.

8.4.3. Ergebnis

In den Jahren 1992 bis 2000 nahm die Bevölkerung durch einen Sterbeüberhang jährlich um durchschnittlich 216 Personen ab. Dabei ist zu beobachten, dass diese Zahl in den ersten fünf Jahren mit durchschnittlich 234 darüber, in den Jahren 1997 bis 2000 mit 194 darunter lag. Die natürliche Bevölkerungsabnahme hat sich demnach in den letzten Jahren, einerseits durch das Ansteigen der Geburten, andererseits das Abnahmen der Sterbefälle, etwas verlangsamt.

8.5. Der Bevölkerungsaufbau

Im Kreis Hoyerswerda lebte vor der Wende eine hohe Anzahl von Menschen unter dem Alter von 65, selbst im Vergleich zum Bezirk Cottbus, der in bezug auf die DDR positivere Zahlen aufzuweisen hatte als der Durchschnitt der Republik. Der Kreis Hoyerswerda lag, blickt man auf den Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, mit 67,7 Prozent an erster Stelle im Bezirk Cottbus. In bezug auf den Anteil von Kindern an der Einwohnerschaft wiesen nur Cottbus-Stadt, der Kreis Jessen und Weißwasser mehr auf. Vergleicht man den Anteil der Personen im Rentenalter zu den Werten des Bezirkes, so lag der Kreis Hoyerswerda mit 11,9 Prozent an dritter Stelle beginnend mit dem niedrigsten Anteil.[281]

Da es nicht möglich ist, für die Stadt Hoyerswerda eine eigenständige Übersicht über die Altersstruktur vor der Wende zu erstellen, werden im folgenden Daten aus dem Kreis Hoyerswerda herangezogen, um die Situation zum Jahresende 1989 zu schildern. Obwohl die Territorien von Kreis und Stadt nicht deckungsgleich sind, ist der Vergleich dennoch sinnvoll, denn erstens lebten knapp 64 Prozent der Einwohner des Kreises in der Stadt Hoyerswerda und zweitens korrigiert die meist ältere Umlandbevölkerung den Altersdurchschnitt eher nach unten, so dass er auf keinen Fall zu positiv ist.

Tab. 9: Wohnbevölkerung nach Altersgruppen in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[282] [283] [284] [285]

Die Verschiebung der prozentualen Verteilung der Altersgruppen binnen der zwölf Jahre nach der Wende 1989 ist gewaltig. Die Tabelle Veränderungen in den Altersgruppen Hoyerswerdas im Zeitraum 1995 bis 2001 unter Punkt 8.3.2. hat ergeben, das gerade die unter 40jährigen, besonders die jungen Schulabgänger in großem Ausmass abwandern. Die Folge ist eine Alterspyramide, die nicht nur den für Ostdeutschland charakteristischen Rückgang der Geburten ab 1990 zeigt, sondern zugleich den starken Einschnitt in den Jahrgängen 1979 bis 1967. In diesem Bereich ist zugleich der Überschuss an Männern zu bemerken, der auf die etwas höhere Abwanderung der jungen Frauen hinweist. Auffallend ist zudem der im Vergleich zu den jüngeren Jahrgängen hohe Anteil von Menschen über 55. Wie die Untersuchung des Alters der Fortzügler ergab, wandert diese Gruppe weit unterdurchschnittlich ab. Nahm die Altersgruppe der über 65jährigen in den Nachwendejahren um knapp Prozent zehn zu, verringerte sich im gleichen Zeitraum die Anzahl der unter 18jährigen um diesen Betrag. Erstaunlich ist hierbei, dass die Altstadt einen um einen Prozentsatz niedrigeren Anteil an über 65jährigen aufweist. Diese Gruppe scheint demnach mit ihrer Wohngegend etwas zufriedener zu sein.

Der Altersaufbau zeigt in Hoyerswerda schon lange keine Pyramide mehr, sondern gleicht eher einem Baum, der auf einem gefährlich dünnen Stamm steht, dessen unteres Laubwerk zwei große Fehlstellen aufweist und dessen Krone so groß ist, dass sie beim nächsten Sturm den ganzen Baum wegen ihres Übergewichts umzustürzen droht. Die Bevölkerung im östlichen Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich älter werden als die im westlichen Teil der Republik.

8.6. Die Bevölkerungsentwicklung und der Bevölkerungsaufbau in ausgesuchten Stadtteilen

In der Altstadt gibt es zwei größere Gebiete, die stark an Einwohnern verloren haben. Zum einen zogen von 1994 bis 2001 aus dem Gebiet der Spremberger Vorstadt 35,1 Prozent der Bevölkerung aus.[286] Das liegt vor allem daran, dass im Bereich Elsterbogen ein Teil leerstehender Gebäude aus den 60er und 70er Jahren ganz leergezogen und dann rückgebaut wurden, da man hier Platz für individuellen Wohnungsbau schaffen wollte. An die Stelle der 294 Wohnungseinheiten der alten Blöcke könnten 120 Einheiten in neuen kleineren Häusern treten.[287] Das Projekt harrt jedoch noch seiner Verwirklichung. Der zweite größere Bereich liegt am Bahnhof. Hier verringerte sich die Einwohnerzahl um 31,4 Prozent zwischen 1994 und 2001. Um 36,5 Prozent zugenommen hat dagegen der Bereich der inneren Altstadt. Die Modernisierungen und Instandsetzungen der Altbausubstanz schufen in diesem Stadtteil ein sehr angenehmes Wohnumfeld. Im Gebiet der Dresdner Vorstadt siedelten sich in den Jahren 1994 bis 2001 ca. 31,2 Prozent mehr Anwohner an.[288] Insgesamt nahm die Einwohnerschaft der Altstadt um nur 9,5 Prozent ab. Im Vergleich zu den anderen Altstadtgebieten war die Dresdner Vorstadt 1996 mit einem Altersdurchschnitt von etwas mehr als 37 Jahren der »jüngste« Teil.[289]

In der Neustadt gab es keinen Wohnkomplex, in dem die Einwohnerzahl im Zeitraum von 1994 bis 2001 zugenommen hat, jedoch nahmen sie auch nicht überall gleich stark ab.

Im Zentrum Neustadt (-56,5%), dem Wohnkomplex 8 (-44,4%) und 9 (-42,2%) war die Schrumpfung bedeutend höher als der durchschnittliche Wert von –28,2 Prozent. In diesen Komplexen wanderten wohl deshalb so viele Menschen ab, weil die Gebäude sehr dicht und sehr hoch gebaut wurden. Der Leerstand in diesen Gebieten beträgt trotz Rückbau schätzungsweise 2.650 Wohnungen, d.h. 35,6 Prozent. Unterhalb des Abnahmedurchschnitts liegen der Wohnkomplex 1 mit –17,1% und der Komplex 2 mit –16,4%.[290] Einerseits ist das zurückzuführen auf das Alter der Einwohner. Der WK 10 ist mit einem Durchschnittsalter von rund 31 Jahren der »jüngste« Stadtteil Hoyerswerdas. Unter Jugendlichen ist dieser Ort sehr beliebt. Außerdem werden die Mieter, die ihre alten Wohnungen, wenn man diese rückbauen will, freiziehen müssen, größtenteils in diesen Komplex umgesiedelt. Bei den Stadtteilen WK 1 und 2 ist das Durchschnittsalter mit 45,7 und 41,0 Jahren eher sehr hoch.[291] Hier wohnen oft noch die Erstmieter in den inzwischen sehr schön renovierten dreigeschossigen Gebäuden, die Ende der 50er noch mit großzügigen Grünstreifen angelegt wurden. Der Leerstand in diesen beiden Wohngebieten liegt schätzungsweise bei 215 Wohnungen, d.h. ca. 6,8 Prozent.[292]

8.7. Die Stadtentwicklung

8.7.1. Die finanzielle Ausgangslage der Wohnungsgesellschaften

Der größte Teil der Wohnungen der Stadt Hoyerswerda war genossenschaftliches- oder kommunales Eigentum. Nach der Wende übernahmen 1991 die Wohnungsgesellschaft 15.051 Wohnungseinheiten[293] und die Wohnungsgenossenschaft 10.324 Wohnungen.[294] Mit den Wohnungen haben die Gesellschaften auch Schulden geerbt, die vom Bundesfinanzminister aus den Bilanzen des DDR-Staatshaushaltes errechnet wurden, da ab 1960 die DDR-Regierung den Wohnungsneubau über langfristige Kredite der DDR-Staatsbank finanzierte. Die Tilgung und die auf niedrigem Niveau festgeschriebene Verzinsung dieser Kredite übernahm nicht der Mieter, sondern letztlich der Staatshaushalt. Im Zuge der Währungsunion und der Auflösung der DDR-Staatsbank wandelten sich die Kredite, die eher den Charakter von Subventionen und damit von »Scheinverbindlichkeiten« hatten, zu »realen« Bankkrediten. Diese betrugen im Juli 1990 insgesamt rund 36 Mrd. DM, d.h. dass eine Neubauwohnung mit durchschnittlich rund 15.000 DM belastet war. Vor allem auf den Wohnungen aus den letzten Baujahrgängen lagen Kredite von bis zu 135.000 DM.[295] „Man hätte diese ‘Altschulden‘ auch schlicht vergessen können, wie es bei einem großen Teil der Produktionsanlagen auch geschehen ist – aber mit ihrer Etablierung wurde ein wirksamer Mechanismus der Einführung ‘marktgerechter‘ Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Wohnungsversorgung in Gang gesetzt. Den städtischen Wohnungsbaugesellschaften (wie auch den Wohnungsgenossenschaften) war es dadurch unmöglich gemacht, ihre Bestände sofort freihändig zu verkaufen oder gar zu verschenken.“[296] Man fasste damals diesen Beschluss, weil man dachte, dass diese Grundschulden durch die Miete abbezahlt werden könnte. Es kam jedoch ganz anders. Auf der einen Seite stiegen durch das »Gesetz über die Anpassung von Kreditverträgen ...« ab Juli 1991 die Zinsen der Kredite auf 10 bzw. 10,7 Prozent. Schon Ende 1993 belief sich die Schuldenlast deshalb auf 51 Mrd. DM. Auf der anderen Seite zogen mehr und mehr Mieter aus und die Einnahmen sanken. Daraufhin einigten sich der Bund und die Kreditgeber auf die Übernahme der Schulden, die über 150 DM/m² Wohnfläche lagen, d.h. dass auf eine Durchschnittswohnung nur noch 9.000 DM Schulden entfielen. Ab Mitte 1995 sollten dann die Restschuld und die Zinszahlungen von den Mietern selbst übernommen werden.[297] Aber dies war wegen der hohen Leerstände unmöglich und die Verbindlichkeiten stiegen weiter. Die Wohnungsgenossenschaft Hoyerswerda wies für das Jahr 2001 eine Altschuldenlast von 94,38 EUR/m² Wohnfläche aus, was bei einem Bestand von rund 570.000 m² eine Höhe von rund 53,8 Millionen EUR Schulden ergibt.[298] Die Höhe der Altschulden bei der Wohnungsgesellschaft ist nicht bekannt.

Mit der Altschuldenhilfeverordnung (AHGV) vom 28.08.2000 verknüpfte der Bund die Förderung der Tilgung der Altschulden mit dem Rückbau von Gebäuden. Ist ein Wohnungsunternehmen in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet, d.h. weist es eine Leerstandsquote von mindestens 15 Prozent auf, gibt es ein Sanierungskonzept, beteiligt sich das jeweilige Bundesland und auch die kreditgebenden Banken[299], dann gewährt der Bund eine Teilentlastung der Altschulden in einer Höhe von maximal 76,69 EUR/m² rückgbebauter Wohnfläche.[300] So erließ die KfW per 31.12.2001 für 829 Wohnungseinheiten der Wohnungsgesellschaft die Altschulden und bewilligte für weitere 5.364 Wohnungen, d.h. 36 Prozent des Bestandes von 1991, den zukünftigen Rückbau.[301]

Durch die hohen Altschulden und die Verbindlichkeiten, die durch Modernisierungen entstanden, sind die Wohnungsgesellschaften kaum noch finanziell handlungsfähig. Dringende Investitionen können nur noch in geringem Ausmaß durchgeführt werden. So konnte die Wohnungsgesellschaft 2001 nur 8,7 Millionen EURO in ihren Bestand investieren – im Jahr 1999 waren es noch 24,8 Millionen EURO.[302] Außerdem machte die Gesellschaft 2000 wegen hoher Abschreibungen einen Bilanzverlust von 40,9 Millionen EURO und ein Jahr darauf einen von 12,2 Millionen EURO.[303] Die Gesamtverbindlichkeiten der Wohnungsgesellschaft wie der Genossenschaft betrugen im Jahr 2001 je ca. 190,2 Millionen EURO.[304]

8.7.2. Die finanzielle Ausgangslage der Kommunen

Nicht nur die Wohnungseigentümer, auch die Stadt Hoyerswerda sieht sich vor eine finanziell kaum lösbare Aufgabe gestellt. Mit ihrem extremen Einwohnerverlust hat sie nicht weniger, sondern mehr Aufgaben zu leisten. Hoyerswerda erhält jedoch für diesen Mehraufwand, wie den Eigenanteil bei Rückbaumaßnahmen, über den Finanzausgleich weniger Mittel, da diese Zuweisungen an die Einwohnerzahlen gekoppelt sind. Der Verlust von einem Einwohner kostet die Stadt Schlüsselzuweisungen in Höhe von 1.500 DM/Jahr und vermindert die Kreditaufnahmefähigkeit um 2.000 DM/Jahr. Bei 1.500 Einwohnern weniger verringern sich die Schlüsselzuweisungen um 3 Millionen DM und die Kreditaufnahmefähigkeit um 4 Millionen DM.[305] Am 31.12.1999 betrug die Verschuldung insgesamt 109.021.000,- DM, d.h. eine Prokopfverschuldung von 2.013 DM. Sinken jedoch die Einwohnerzahlen, ist die Stadt gezwungen, Gelder für den Schuldenabbau bereitzustellen. Diese kann die Stadt dann nicht als Eigenanteil für Rückbauprojekte einsetzten, was zur Folge hat, dass Zuschüsse von Land und Bund nicht beantragt werden können. Das Endergebnis ist, dass wegen fehlender Zuschüsse kein Rückbau stattfindet und wegen des fehlenden Rückbaus gibt’s keine Altschuldenentlastung. Im Jahr 2000 konnte die Verschuldung der Stadt um 6,6 Millionen DM auf 102.380.000 DM gesenkt werden, d.h. 1.991 DM Schuldenlast pro Einwohner.[306] Weil die Gesellschaften die Schulden nicht zurückzahlen können, geben Bundes- und Landesbanken neue Kredite aus. Dadurch steigen die Verbindlichkeiten weiter. „Darlehen helfen weder den Wohnungsunternehmen noch den Kommunen. Die Städte und Gemeinden sind heute nicht mehr in der Lage, irgendwelche Kofinanzierungen für Bundesprogramme zu leisten.“[307]

8.7.3. Die Veränderung der Verteilung unterschiedlicher Statusgruppen

Nach der Wende geriet die Einwohnerschaft Hoyerswerdas durch die Abwanderung und Suburbanisierung in erheblichem Umfang in Bewegung. Dies hatte zugleich soziale Strukturveränderungen zur Folge. Finanzstarke Familien oder Besserverdienende zogen aus den dicht bebauten Wohnkomplexen 8 und 9 der Neustadt in sanierte Wohnungen der Altstadt Hoyerswerdas oder bauten sich ein Haus im Umland. Die Folge der Abwanderung aus der Neustadt war eine Schwächung der Sozialstruktur. Im Wohnkomplex 8 und 9 leben zur Zeit neben dem Wohnkomplex 5 die meisten Arbeitslosen der Stadt.[308] Während es die jüngeren Menschen aus der Neustadt zog, blieb die ältere Bevölkerung weitestgehend in ihren Quartieren. Ein Teil dieser Altersgruppe, die meist über hohe Rentenbezüge verfügt, kaufte sich im Wohnkomplex 1 Wohnungseigentum.

Über die Jahre stieg die Beliebtheit der Altstadt stark an. Zuzügler bevorzugten dieses Gebiet. Ein Zeichen dafür ist, dass in diesem Teil Hoyerswerdas die Einwohnerzahl seit der Wende fast stabil blieb. Die Folge war hier ein steigender Mietpreis.

8.7.4. Die Probleme und Ziele der Stadtentwicklung

Stadtplanung und Stadtumbau muss in Hoyerswerda unter den schwierigen Bedingungen stark verschuldeter Haushalte und dramatischen Bevölkerungsverlusten stattfinden. Bauten alle bisherigen Stadtentwicklungskonzepte auf der Prämisse des Wachstums auf, erfordern die hohen Einwohnerrückgänge der Neustadt von knapp 44 Prozent[309] in nur 13 Jahren ein Umdenken und einen Paradigmenwechsel. Man ist schnell geneigt, Brigitte Reimann zuzustimmen und zu sagen: „Alles schmeckt nach Abschied. ... Vielleicht ist Hoy in zwanzig Jahren eine Geisterstadt wie die verlassenen Goldgräber-Siedlungen.“[310] Oder mit Wolfgang Kil ist man versucht, „loslassen [zu] üben ... , mit der Hoffnung [zu] spielen, dass es sich auch lohnen könnte, den »geordneten Rückzug« anzutreten.“[311] Die Stadt als „Seismograph gesellschaftlicher Entwicklung“[312] verzeichnet ein gewaltiges Erdbeben, das, wenn es so weiter geht, alles zerstört. Durch den Niedergang der Braunkohlenindustrie ist nicht nur die Existenzgrundlage der Menschen, sondern auch die der Stadt weggebrochen. Hoyerswerda befindet sich in einer Krise. Nun ist die Krise aber eigentlich ein sehr produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.[313] „Warum erwecken viele Partner der Diskussion den Eindruck, als stünde unsere Stadt vor dem Untergang? Steht heute zur Debatte, Hoyerswerda aufzugeben oder geht es darum, dass Neues gestaltet werden soll, was unserer Stadt gut zu Gesicht stünde?“[314] In dieser Krise fokussieren sich alle Probleme auf die Neustadt von Hoyerswerda als ein »funktionalistisches Stadtgebilde«. Aber die funktionalistische Stadt ist eben keine Stadt. Sie gleicht eher einer großen Architekturansammlung: fertig und nicht flexibel, lebendig nur durch ökonomische Hilfen von außen, dabei ohne eigenständiges ökonomisches Herz, gebaut für die Gesundheit der Menschen, nicht jedoch selbst als Stadtgebilde gesund, gering in Vielfalt an Standorten, Wohnformen und Eigentümern.[315] Neben diesen strukturellen Problemen, galt es bisher aus, das Angebot an Park- und Spielplätzen und Freizeit- und Sportanlagen zu verbessern.

Nun ist man auf der Suche nach Strategien der Überlebenssicherung und nach Zielen des Städtebaus und der Stadtentwicklung. Ein Vorschlag knüpft an das Stadtwappen der drei Eichen an und sieht vor, Hoyerswerda als Dienstleistungszentrum, als touristischen Anziehungspunkt und als Schmiede für innovative Ideen zu entwickeln. Jedoch gilt es für alle diese Ziele, die Grundlagen noch zu legen. Die schwierigste Aufgabe ist die Schaffung von Arbeitsplätzen im Hoheitsbereich der Stadt. In erster Linie bedeutet das den weiteren Ausbau der zentralörtlichen Funktionen und die Stärkung der Stadt als Dienstleistungszentrum. Da dies jedoch kaum Arbeitsplätze in großem Maße schafft, „wird überlegt, inwiefern die neue städtebauliche Qualität [die noch zu erstellen wäre] von Hoyerswerda als weicher Standortfaktor herangezogen werden kann.“[316] Daraus ergibt sich jedoch ein Konflikt mit den Zielen der Wohnungswirtschaft, denn diese richtet ihr Augenmerk auf wirtschaftliche Konsolidierung, d.h. Bestandspflege, groß angelegten Rückbau und Belegung der Altbestände. Neue städtebauliche Qualitäten würden das Überangebot nur noch größer machen und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verhindern. Die Folge ist, dass man nur lebt, um zu überleben, zum wirklichen Aufbruch nach vorne fehlen Kraft, Mut, Hoffnung und Geld. Und so bleibt es dabei, „die Bebauungsstruktur entsprechend dem Bevölkerungsrückgang und dem damit zusammenhängenden Rückgang des Wohnraumbedarfs schrittweise zu »entdichten«.“[317] Entdichten und dabei doch den städtischen Zusammenhalt anstreben – auch dies ist eine neuartige Aufgabe. Die Frage bleibt: Wie wenig Dichter verträgt die Stadt und ab wann bilden größere Freiflächen keine Verbesserung mehr? Wie bleibt die Infrastruktur bezahlbar?[318]

8.7.5. Der Wohnungsbestand

Der größte Teil des Wohnungsbestandes der Stadt Hoyerswerda, über 90 Prozent, sind Mietwohnungen. Von diesen befinden sich 84 Prozent in den Händen der beiden Großvermieter Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft. Derzeit sind 75 Prozent des Wohnungsbestandes Plattenbauten, 20 Prozent sind Altbauten und 5 Prozent wurden nach 1989 errichtet.[319]

In den letzten Jahren zeichnete sich in Hoyerswerda eine starke Tendenz zur Verkleinerung der Haushaltsgrößen ab. Im Schnitt waren ca. 65 Prozent aller Haushalte der Gesamtstadt Ein- oder Zweipersonenhaushalte. Dies ist zum Teil durch die Alterung der Bevölkerung, durch die sinkende Kinderzahl und durch die Trennung von Partnerschaften zu begründen. Eine Folge dieser Haushaltsverkleinerung und –vermehrung war ein Anstieg der Durchschnittswohnfläche von 1990 bis 1996 um rund 4 m² auf 32 m²/Einwohner.[320] Jedoch verringerten sich die Leerstände der Neustadt durch den Anstieg der Wohnfläche pro Einwohner und das Wachstum der kleinen Haushalte nur geringfügig.

Die Wohnungsunternehmen tätigten in den Jahren nach 1989 in großem Umfang Investitionen. Die Wohnungsgesellschaft investierte insgesamt 550,5 Millionen DM in ihren Bestand.[321] Im Jahr 2000 waren von den ca. 8.640 Wohnungen 35 Prozent komplex-modernisiert. Die 5.623 teilmodernisierten Wohnungen wurden zu 80 Prozent mit einer neuen Heizung und zur Hälfte mit neuen Fenstern ausgestattet.[322]

Der Bestand der Wohnungsgenossenschaft weist einen höheren Anteil an komplex-modernisierten Wohnungen auf. Rund die Hälfte der Wohnungen setzte man seit der Wende vollständig instand, 36 Prozent wurden teil- und 13 Prozent nicht bzw. geringfügig modernisiert. Ein Prozent des Bestandes sind Neubauten.[323]

Die Finanzierung der umfangreichen Baumaßnahmen lässt sich für die Jahre 1995 bis 1997 anhand der Wohnungsgenossenschaft nachzeichnen. In diesem Zeitraum investierte das Unternehmen ca. 154,3 Millionen DM in seinen Wohnungsbestand. 70,2 Prozent dieser Summe bezahlte man durch Kredite, 28,4 Prozent durch Eigenmittel und 1,4 Prozent durch Zuschüsse. Von den 103,3 Millionen DM Verbindlichkeiten stammten rund 83,9 Prozent von Bundes- bzw. Landesbanken. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bewilligte dabei mit 62,3 Millionen den größeren, die Sächsische Aufbaubank mit 28,6 Millionen den kleineren Teil der Gesamtsumme.[324] Ähnliches dürfte ebenfalls in bezug auf die Verhältnismäßigkeiten und die Art der Kreditgeber für die Wohnungsgesellschaft gelten. Das sehr große Engagement der quasi staatlichen Banken ist jedoch ein negatives Warnsignal. Denn neben den sicherlich günstigeren Konditionen dürften die hohen Altverbindlichkeiten der Wohnungsunternehmen und die dadurch mangelhafte Bonität eine Hauptrolle bei der Wahl der Kreditgeber spielen. Es ist jedenfalls schwer vorstellbar, dass eine auf dem freien Markt tätige Privatbank das hohe Risiko eingehen würde, einem völlig überschuldeten und von Mieterflucht gekennzeichneten Unternehmen große Kredite anzubieten. Für die Bundes- und Landesbanken bedeutet es, dass sie die sehr hohen Risiken bei der Kreditvergabe bewusst in Kauf nehmen. Es zeichnet sich jedoch für die Zukunft ein dramatischer Rückgang an Kreditbewilligungen ab.

Die Bestandsentwicklung ist gekennzeichnet von den Bemühungen, die Menge der Wohnungen durch Verkauf, durch Zuschnittsänderungen oder Rückbau den rückläufigen Einwohnerzahlen anzupassen und vom Markt zu nehmen. Dies trifft vor allem für die Neustadt zu, da sich die Bestände in der Altstadt zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Tab. 10: WE-Bestandsentwicklung bei den beiden Großvermietern 1991-2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[325] [326]

Obwohl die Angaben in bezug auf die Wohnungsgesellschaft sehr unzureichend sind, ergibt sich folgendes Bild: Beide Gesellschaften begannen ab dem Jahr 2000 mit einem massiven Rückbau, auch weil von diesem Zeitpunkt an der Abriss von Wohnungen gekoppelt war an die Teilentlastung von Altschulden. Die Gesamtzahl der wegen Rückbau oder Zusammenlegung vom Markt genommenen Verwaltungseinheiten betrug bis 2001 ca. 1.370 Wohnungen. Dennoch hat die Stadt für das Jahr 2001 einen Leerstand von 4.856 Einheiten zu verzeichnen.

Die Veränderungen im Zuschnitt bedeuteten vor allem, dass die Wohnfläche pro Wohnung vergrößert wurde. Diese Flächenvergrößerung geschah zugunsten geräumigerer Küchen, Bäder und Wohnzimmer. Die Umbauten waren sehr aufwendig. Trotz höherer Mieten ist in solchen Wohnungen kaum Leerstand zu verzeichnen, im Gegenteil, die Nachfrage für solch modernisierten Wohnraum kann gegenwärtig noch nicht gedeckt werden.[327] Über die Anzahl der Verkauften Wohnungen liegen keine Angaben vor.

8.7.6. Die Leerstände

Die Gründe für die Leerstände liegen in den Strukturen Hoyerswerdas begründet. Die Existenz einer Stadt ist gefährdet, wenn man ihr einerseits die ökonomische Grundlage, d.h. den Braunkohlentagebau und die braunkohlenverarbeitende Industrie, entzieht und andererseits, wenn sich die Bewohner in der vorherrschenden Wohnform nicht mehr wohl fühlen. Da nach der Wende beide Faktoren auf Hoyerswerda-Neustadt einwirkten, ergaben die Leerstände seit Mitte der 90er im Stadtbild deutlich wahrzunehmende Größenordnungen. Viele Fenster hatten keine Gardinen mehr und nachts blieben mehr und mehr Wohnungen unbeleuchtet. Die Wohnungsgenossenschaft wies für das Jahr 2001 eine Leerstandsquote von 15,4 Prozent aus, die Wohnungsgesellschaft eine von 25,1 Prozent.[328] Es muss festgehalten werden, dass es in der Altstadt kaum nennenswerte Leerstände zu verzeichnen gibt, sondern hier wegen umfangreicher Rückbaumaßnahmen mit lediglich ca. 65 nicht vermieteten Wohnungen zu rechnen ist. Der überwiegende Teil der Leerstände befindet sich in der Neustadt, verteilt sich hier jedoch ungleich auf die einzelnen Wohnkomplexe. Da die Großvermieter aus Wettbewerbsgründen keine genauen Angaben zu Größe, Typ und Lage der Wohnungen machen, hat die Stadt eigene Berechnungen angestellt, die aber insgesamt einen zu geringen Leerstand angeben, so dass an dieser Stelle eigene Schätzungen angestellt wurden.

Tab.: 11 Leerstandsschätzung für Hoyerswerda–Neustadt im Jahre 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[329] [330]

Die Tabelle zeigt deutlich eine unterschiedliche Verteilung der Leerstände auf einzelne Wohnkomplexe. Die Schätzungen der Stadt und die eigene Prognose liegen nicht nur in bezug auf die Gesamthöhe der leerstehenden Wohnungen deutlich auseinander, sondern zugleich auch in der Annahme der Verteilung, was zum einen daran liegt, dass bei der eigenen Schätzung die rückgebauten Wohnungen mit in die Prognose eingeflossen sind. Nach der städtischen Prognose sind im Zentrum der Neustadt etwas mehr als die Hälfte aller Wohnungen nicht belegt, gefolgt von dem Wohnkomplex 10 mit ca. 31,1 Prozent und den Komplexen 8 und 9 mit zusammen 23,3 Prozent Leerstand. Die eigene Prognose käme unter Hinzufügung der geschätzten rückgebauten Wohnungen in bezug auf das Zentrum der Neustadt mit 49,1 Prozent zu einer ähnlichen Leerstandsrate wie die städtische Prognose, weicht jedoch in der Einschätzung der Komplexe 8 und 9 mit 41,1 Prozent, den Komplexen 1 bis 7 mit einem jeweils doppelt so hohem Leerstand und Rückbau und dem Wohnkomplex 10 mit lediglich 20,7 Prozent erheblich von dieser ab.

Diese zum Teil hohen Leerstände bringen Verunsicherungen mit sich, erleichtert den Abschied, weil Freunde ebenfalls der Stadt den Rücken zukehrten. Das Sterben einer Stadt wird offensichtlich. Heimat droht verlorenzugehen. Beginnt sich die Spirale erst einmal abwärts zu drehen, nimmt sie selbst positive Erscheinungen wie die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen mit sich in die Tiefe. Doch sind Leerstände nicht nur ein trauriger Zustand oder ein psychologisches Problem für die Einwohner einer Stadt. Sie kosten vor allem die Eigentümer viel Geld. So stiegen die Kosten aufgrund von Mietausfällen durch Leerstände bei der Wohnungsgenossenschaft von 458.200 EURO im Jahre 1994 auf 2,86 Millionen EURO im Jahr 2000.[331] Bei der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda belief sich der Mietausfall aufgrund der Leerstände 1990/91 noch auf 82.000 EURO, steigerte sich aber auf 8,1 Millionen EURO im Jahr 2001.[332] Ein m² leerstehende Wohnfläche kostet im Jahr mindestens 30 EURO. Davon entfallen ca. 10 EURO auf Zinszahlungen für Modernisierungsdarlehen und Altschulden. Eine durchschnittlich 60 m² große Wohneinheit kostet demnach im Jahr rund 1.870 EURO.[333]

8.7.7. Die Rückbauten

Im Leitbild 2030 der Stadt Hoyerswerda gab man an, was für Kriterien für Rückbaubereiche gelten sollten. Es waren ein hoher Einwohnerverlust, geringe Standort- und Wohnviertelqualität, eine gute visuelle Wirkung der Beseitigung von Gebäuden, mangelnde Beliebtheit dieser Wohnungstypen, eine Eignung der dann freien Flächen für eine Nachfolgenutzung und die Wirtschaftlichkeit des Abrisses.[334]

Erfahrungen mit Abbrüchen hat die Stadt seit 1997. Am 1. Juli 1997 begann die Wohnungsgesellschaft mit der Abtragung von drei Geschossen an den Hochhäusern am Lipezker Platz. Der dann neue 8-Geschosser wurde altersgerecht umgebaut. Die Wohnungsgenossenschaft begann mit dem Abriss erster Häuserzeilen in der L.-Herrmann-Straße im Jahre 2000.[335] Bis Ende 2001 bauten beide Gesellschaften ca. 1.154 Wohnungen zurück und für 2002 dürften es nochmals 665 Einheiten gewesen sein.

Entsprechend der Zahl der leerstehenden Wohnungen bildete die Stadt Schwerpunktgebiete, um besser auf die dortigen Gegebenheiten reagieren zu können. Als relativ stabile Stadtteile gelten die Komplexe 1 bis 7, 10 und die Altstadt. Instabil wären nach dieser Festlegung die Komplexe 8, 9 und das Zentrum der Neustadt.[336]

Bis zum Jahr 2002 blieb in den Komplexen 1 bis 7 und 10 der Bestand im Wesentlichen erhalten. Lediglich Einzelrückbaumaßnahmen führten zur lokalen Entdichtung. Die Altstadt wurde in ihrer Gesamtheit und Eigenständigkeit aufgewertet. Lediglich am Elsterbogen begann man 294 Wohneinheiten rückzubauen, um Platz für neue Wohnformen zu schaffen.[337] In dem instabil eingeschätzten Komplex 8 wurden bis Anfang 2001 rund 275 Einheiten abgerissen. Hier begann man sogar an einer Stelle, Freiflächen neu zu bebauen. Da das Zentrum der Neustadt am stärksten von Leerständen betroffen war, baute man hier bis 2002 ca. 498 Wohnungen zurück.[338]

Für viele Einwohner setzt der Rückbau Zeichen – meist negative. Manchem, der die Stadt mit aufbaute, schwant etwas. „Hier wird nicht mit gelassener Routine auseinander genommen, was einst nach ausgeklügelten Verlegeplänen zusammengefügt wurde. Nein, kein »geordneter, selektiver Rückbau«, sondern ein Zerschmeißen, Zerwürgen, Zerstampfen, wie von einer großen, wilden Wut getrieben. Oder von einer abgrundtiefen Gleichgültigkeit.“[339] Ja, Rückbau ist Vernichtung, jedoch Vernichtung von etwas, was keiner mehr braucht. Was übrig bleibt, sind Freiflächen. Dennoch müssen „wir [...] zu neuen Stadtgestaltungen kommen, denn »Stadt« heißt gebaute Kommunikationsfläche – und nicht Freiraum für Wind und Sand.“[340]

Das alles kostet zudem noch Geld. Bis 2001 betrugen die reinen Abrisskosten für die 951 bis dahin vom Markt genommenen Wohnungen rund 2,71 Millionen EURO, d.h. rund 2.870 EURO pro Wohnung. 1,53 Millionen EURO wurden dabei mit Mitteln aus dem Braunkohlesanierungsabkommen bezahlt, weitere 770.000 EURO finanzierten Bund und Land über die Städtebaufördung und rund 409.000 EURO mussten vom Eigentümer bzw. der Stadt aufgebracht werden.[341] Ausgaben für den Umzug der noch im Haus wohnhaften Altmieter sind darin nicht enthalten, müssen aber auch vom Vermieter getragen werden. Die Rückbaukosten pro Wohnungseinheit insgesamt liegen deshalb bei 5.112 EURO.

8.7.8. Die Suche nach einer neuen Stadtgestalt

Hoyerswerda scheint in bezug auf die Stadtentwicklung des östlichen Deutschlands immer eine Vorreiterrolle einzunehmen. Als Mitte der 50er das alte stalinistische Konzept der sozialistischen Stadtplanung überwunden wurde, war man schon einmal auf der Suche nach einer neuen Stadtgestalt für Hoyerswerda-Neustadt und in einem Wettbewerb setzten sich nicht die alten konventionellen und aufwendigen Vorschläge durch, sondern die rationellen Pläne, d.h. fast ausschließlich Wohnungsbau statt Städtebau. Die Form des flächigen Zentrums prägte dann die ganze damalige DDR. Sieben Jahre nach dem Ende der sozialistischen Ära der Neustadt gab es einen neuen Wettbewerb. Der Siegerentwurf wollte zwar unkonventionell aber aufwendig durch Um- und Anbau des Altbestandes die Neustadt in eine Parklandschaft verwandeln, in der Stadtvillen die bisher einförmige Struktur ergänzen sollten. Und wie in den 50er Jahren war eines der Hauptargumente gegen den Plan das fehlende Geld und die sich schnell ändernden Realitäten führten wie damals zu einer eher pragmatischen Umsetzten des Möglichen, d.h. fast ausschließlich Rückbau statt Neubau. Beides, Auf- und Rückbau, wurde und muss mit nur geringem finanziellen Aufwand geleistet werden. Und wenn Brigitte Reimann ihre Romanheldin Franziska Linkerhand damals fragen ließ: „Bauen heute? Die Fabrikation eines Massenartikels. Der Architekt heute? Zulieferer ohne Beziehung zur fertigen Ware. Sein Arbeitsethos: vorgegebene Kennziffern einhalten; sein Ehrgeiz: Zeichnungen termingerecht abliefern“[342], so könnte man heute fragen: Rückbau heute? Abriss eines Massenartikels. Der Architekt heute? Freiflächenplaner ohne die Chance zu bekommen, Neues gestalten zu dürfen. Sein Arbeitsethos: möglichst viel Gebäude und damit Altschulden abzutragen; sein Ehrgeiz: Wege zu finden, die kommunalen Eigenanteile an den Rückbaukosten aufzubringen.

Dem drohenden Übermaß an Freiflächen setzte die Wohnungsgenossenschaft bis jetzt nur den Neubau von vier Stadtvillen im achten Wohnkomplex entgegen. Wie vor knapp fünfzig Jahren sind die Erfordernisse heute viel weitgehender, aber genau wie damals beginnt man heute mit kleinen zaghaften Schritten, erstellt große Pläne und scheitert an den finanziellen Möglichkeiten. Hoyerswerda war und ist immer eine Gefangene in den Umständen ihrer Zeit. Nie konnte sie eigenständig agieren, oft noch nicht einmal selbständig und angemessen reagieren.

Erste eigene Versuche der Stadtgestaltung beschränkten sich auf die Sicherung des Bestandes der Neustadt. Ohne gleich nach einer neuen, nachsozialistischen Stadtgestalt zu fragen, begann man seit 1993 mit der Kompaktsanierung. Ziel war es, durch Modernisierung und Wohnumfeldverbesserung, d.h. zum Beispiel durch die Schulhofumgestaltung, die Anlage von rund 1.000 Parkplätzen, vielen Fahrverkehrs-, Rad- und Fußwegen das zu erstellen, was schon immer zum Wohnen fehlte.[343] Die Struktur und Gestalt der Stadt erfuhr dadurch keine wesentlichen Veränderungen.

Ab dem Jahr 1995 wurde zunehmend deutlich, dass die Neustadtsanierung nicht allein mit der Instandsetzung und der Wohnumfeldverbesserung ihr Bewenden haben könne. Strukturelle Probleme kamen zum Vorschein, die nach anderen Maßnahmen verlangten als den bisher ergriffenen. So begann ab 1996/7 eine Phase erster Pläne für die städtebauliche Neuorientierung mit einem Wettbewerb für den Wohnkomplex 8, dessen Aufgabe es war, eine Bau- und Nutzungsstruktur zu entwickeln, die eine nachhaltige Stadtentwicklung ermöglicht. Dabei sollten die Bewerber auf der einen Seite große Teile der auf Dauer zu erhaltenden Plattenbauten einbeziehen und auf der anderen Seite mit Hilfe neuer architektonischer Impulse andere Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Der Siegerentwurf schlug für den Wohnkomplex 8 einen räumlich gefassten Stadtpark mit wechselnden Randsituationen vor und konzipierte somit das erste Mal ein neues Entwicklungsmodell: Die Stadt als Parklandschaft, in die sich Häuser in differenzierten Größen eingliederten. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Landschaft waren Stadtvillen, die sich als individuelle Gebäudeform von den zusammenhängenden Häuserzeilen in Plattenbauweise absetzen sollten. Durch eine vielseitige Abfolge von Freiräumen wollten die Architekten über die Wohnkomplexe 3 und 1 eine Anknüpfung zur Altstadt erstellen.[344] Die Durchführung dieses Wettbewerbsvorschlages wurde jedoch durch die sehr engen finanziellen Spielräume und die immer stärker werdende Abwanderung unmöglich.

Mit dem Jahr 1997 begann die Phase des Rückbaus von Plattenbauten, erst zaghaft, dann drei Jahre später mit dem Abriss ganzer Gebäudezeilen. Bis auf eine Wiederbebauung blieben alle anderen Flächen frei. Zunehmend stellte sich die Frage, seit wann eine Stadt aus Leerflächen besteht, aus zufälligen Löchern im Stadtgrundriss, die denen in einem Schweizer Käse ähneln?[345] Selbst wenn die Stadtverwaltung diese Freiflächen begrünt und auf das Leitbild der Parkstadt verweist, scheint es doch die Vorstufe zum Modell Schwedt zu sein, d.h. »Verringerung zugunsten einer Aufforstung«[346]. Durch den Rückbau entschulden sich die Wohnungsunternehmen. Die Frage nach dem danach, nach der Gestalt der Nachfolgenutzung scheint offen zu bleiben, bietet nur der Illusion Platz, hier die Chance zu haben, Neues gestalten zu können.[347]

Als einen gelungenen Versuch einer Phase des konzeptionellen Neubaus kann man den Aufbau neuer Versorgungsinfrastruktur im Zentrum der Neustadt betrachten. Ab 1992 errichtete ein Großinvestor das Lausitz-Center auf der Fläche, die seit 1957 für Kaufhäuser, Kinos und kleinere Geschäfte von Martin Röser vorgesehen war. Der Neubau schloss insofern an die Funktions- und Ortswahl der alten Pläne an, setzte jedoch mit der Form einer Mall, an der 55 Läden liegen und mit der das neue C&A-Kaufhaus und das alte ehemalige CENTRUM-Warenhaus verbunden werden, neue Akzente. Dieses Center bietet mit den beiden Kaufhäusern den Kunden eine Verkaufsfläche von 25.000 m². Durch die zentrale Lage ist es gut für die Bewohner der Neu- und Altstadt zu erreichen. Die Mall hat eine beträchtliche Attraktivität entwickelt und wird auch gezielt von weither angefahren.[348] So konnte das sonst für das östliche Deutschland so typische Wachsen von extra urbanen Einkaufszentren verhindert werden.[349] Der Betreiber will sogar die Flächen, die durch den Abriss der umliegenden 11-Geschosser frei werden, erwerben, um das Center auszubauen.

Ein wirkliches Konzept für eine Phase der Neuordnung der Wohnungsbestände für die ganze Neustadt scheint noch nicht gefunden. Zwar begann man zaghaft im Januar 2001 mit dem Bau von vier Stadtvillen auf den Rückbauflächen abgerissener Wohnblöcke im Wohnkomplex 8 und folgte so dem Siegerentwurf des Wettbewerbs von 1996/7. Die vier Villen sind sogar komplett vermietet. Die Wohnungsgenossenschaft möchte mit der Errichtung dieser Gebäude ein positives Signal für die Umgestaltung von Hoyerswerda setzten.[350] Aber da eine Villa jedoch 1,6 Millionen DM in der Fertigstellung kostete[351] und der finanzielle Rahmen der Genossenschaft sehr eng ist, bleibt zu befürchten, dass diesen Villen nur noch wenige folgen werden.

Einer der Visionäre, die über das neue Stadtbild Hoyerswerdas nachdenken, ist Baubürgermeister a.D. Walter Hamacher. Seiner Meinung nach muss sich die Stadt durch den Bau neuer städtebaulicher Qualitäten verändern. Wenn man dies nicht tue, zögen noch mehr Menschen fort. Sein Hauptziel heißt Vitalisierung. Er geht von der Prämisse aus, dass sich 40 Prozent der Wegziehenden Eigentum in der unmittelbaren ländlichen Nachbarschaft von Hoyerswerda suchen, das sie in dieser Form nicht in der Stadt finden. Diese Angebotslücke müsste die Stadt, so wie sie es kann, füllen.[352] Er will damit den Trägern der

Suburbanisierung, den jüngeren Familien mit Kindern und denjenigen, die über ein höheres Einkommen verfügen, ein Angebot in der Stadt machen. Als Gestalt für diese Neubebauung steht zum Beispiel die Form einer Grachtenstadt zur Diskussion. Der Wideranstieg des Grundwassers könnte dazu genutzt werden, dass zwischen der Alt- und Neustadt entlang des Flusses Elster an kleinen Teichen und Kanälen neue kleine Ein- oder Mehrfamilienhäuser entstünden. Diese Art der Gestaltung mit Wasserflächen wäre eine Wiederbelebung historischer städtebaulicher Merkmale, die schon in der Altstadt zu finden sind. So könnte ein neues Image für die Stadt gewonnen werden und diejenigen, die eine neue Art zu Wohnen suchen, könnten in Hoyerswerda bleiben.[353] Man darf dabei nicht vergessen, dass auch dieses Konzept für den Altbestand der Neustadt das Ende bedeutet.

Eine zweite Vision ist eine Seestadt. Seit 1997 gehört ein Teil des Gebietes des ehemaligen Tagebaus Scheibe, der dicht an das Stadtgebiet Hoyerswerdas grenzt, der Kommune. An den Randbereichen des ca. 700 Hektar großen Sees könnte man nicht nur Strand und Wanderwege errichten, sondern zugleich einen eigenen Stadtteil, der die besondere Attraktivität des Seeufers nutzt. Die Seestadt entstünde mit einem exklusiven Wohnangebot, Freizeiteinrichtungen, Orten für Weiterbildung, Forschung und neuen Technologien (Slogan: »PC am See«).[354] Da beide Projekte jedoch mit Bau- und Erschließungskosten von rund 60 bis 70 Millionen DM anzusetzen wären, erscheint ihre Realisierung sehr unwahrscheinlich.

Eine weitere Möglichkeit, neue Bauformen in die Neustadt zu errichten, stellt die Nachfolgenutzung der Freiflächen durch Eigenheime da. Diese würden privat errichtet und finanziert. Die Einfamilienhausstadt als neues Leitbild? Leider nimmt die Nachfrage nach Eigenheimen stark ab. Wurden 1996 noch 106 Anträge zur Baugenehmigung einer 1- oder 2-Familinenhauswohnung gestellt, waren es im Jahr 2000 nur noch 39. Weiterhin fehlt der Bevölkerungsgruppe, die aufgrund ihres Alters eine starke Nachfrage nach Eigenheimen erwarten lässt, das Vertrauen in die Zukunft aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit (mehr als 25 Prozent) und der hohen Sozialhilfeempfängeranzahl (mehr als 28 Prozent).[355] Außerdem verringerte sich die potentielle Zielgruppe, d.h. diejenigen, die in den Nahbereich Hoyerswerdas übersiedelten. Zogen per Saldo im Jahre 1995 noch 56,5 Prozent aller Fortzügler in den Landkreis Kamenz, waren es im Jahre 2000 nur noch 24,4 Prozent, denn tendenziell siedeln sich die Menschen jetzt weiter entfernt von Hoyerswerda wieder an.[356]

So beschränkt sich Stadtplanung erst einmal auf die Auswahl der Gebäude, die rückgebaut werden sollen. Die Beantwortung der Frage der Nachnutzung und der Stadtgestalt nach den Rückbaumaßnahmen bleibt der Zukunft überlassen.

9. Entwicklungsprognose: Hoyerswerda 2015

9.1. Prognose über die Wirtschaftsentwicklung

Wenn man über die Zukunft einer Stadt Aussagen treffen will, muss zugleich etwas über ihre Existenzgrundlage gesagt werden. Das wirtschaftliche Fundament Ostdeutschlands brach seit 1989 zunehmend weg. Bisher konnte der völlige Zusammenbruch des Arbeitsmarktes nur durch zum größten Teil öffentlich finanzierte Beschäftigung verhindert werden. Die Folge war ein großes Ungleichgewicht in der Beschäftigungsstruktur. Der Freistaat Sachsen kann jedoch nicht auf längere Sicht die überwiegende Zahl der Erwerbstätigen Hoyerswerdas in der öffentlichen Verwaltung, in ABM usw. anstellen. In den nächsten Jahren wird deshalb die Zahl der Beschäftigten, zum Beispiel in den Sanierungsgesellschaften, weiterhin zurückgehen.[357] Auch im Baugewerbe und in dem Bereich Handel und Gastgewerbe gibt es Überkapazitäten, die nicht auf mehrere Jahre bestehen bleiben können. Die Stadtverwaltung sieht kaum Chancen für die Ansiedlung von Industrie und hofft auf den Ausbau der Zentrumsfunktionen und auf zukünftig 250 bis 280 Arbeitsplätze durch innovative Dienstleistungen und durch das Wachstum von Zulieferbetrieben.[358] Um Aussagen über die Beschäftigungssituation 2015 zu treffen, werden wegen der eingangs beschriebenen Umstände die Rückgänge der Erwerbstätigenzahlen von 1994 bis 1999 für die nächsten Jahre linear fort geschrieben, d.h. eine Abnahme von etwas mehr als 2.100 Erwerbstätige in jeweils fünf Jahren. Folglich würde sich diese Situation ergeben:

Tab. 12: Prognose der Erwerbstätigen in Hoyerswerda nach Wirtschaftsbereichen für 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[359]

Mit einem geschätzten Anteil von 54,8 Prozent im Bereich öffentliche und private Dienstleistungen wird ein Großteil des Arbeitsmarktes für 2015 weiterhin nur durch staatliche Finanzierung gestützt werden. Wie lange dies der Freistaat tragen kann, bleibt offen.

In der Stadt Hoyerswerda arbeiten schon jetzt viele Menschen aus dem Umland, da von den Fortzüglern gut 40 Prozent ins nähere Umland gezogen sind. Wahrscheinlich bleibt es zukünftig dabei, dass viele Arbeitnehmer aus dem Umland in der Stadt arbeiten werden. Folglich werden viele von den 15.500 Erwerbstätigen, die in und um Hoyerswerda 2015 schätzungsweise noch arbeiten, nicht in der Stadt wohnen. Hoyerswerda wird wohl auch weiterhin eine der höchsten Arbeitslosenquoten in Sachsen haben, ob dem jedoch wie bisher zugleich eines der höchsten Pro-Kopfeinkommen gegenübersteht, bleibt fraglich.

Da die Menschen nach drei Jahren Arbeitslosigkeit in die Sozialhilfe überwechseln, wird die Sozialhilfequote in den nächsten Jahren stark ansteigen und die Finanzen der Kommune sehr fordern. Die Erwerbsquote sinkt zukünftig wohl deutlich unter den bundesdeutschen Durchschnitt und führt folglich zu einer verstärkten Abwanderung.

Dadurch, dass sich die Betriebe in der Region verkleinern, wird zukünftig ebenfalls die Anzahl der Ausbildungsplätze abnehmen. Schon heute (Stand 2002) stehen den 1.347 Bewerbern nur 458 gemeldete Ausbildungsplätze für das ganze Gebiet der Arbeitsamtsgeschäftsstelle Hoyerswerda gegenüber. Von diesen 458 Stellen werden dabei lediglich 270 Plätze von Betrieben gestellt, d.h. dass gut 41 Prozent durch staatliche Bildungsträger eingerichtet wurden. Wie in der Vergangenheit, wo der Wert vor zwei Jahren bei nur 30 Prozent lag, wird sich dieser Anteil auch zukünftig noch erhöhen. Da es keine genaue Statistik im Arbeitsamt gibt, konnte die Anzahl der Bewerber, die in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin usw. eine Lehrstelle fanden, nur mit rund je 120 bis 150 Jugendlichen geschätzt werden. Es bleibt zu befürchten, dass auch dieser Anteil der Fortzügler stark zunimmt.[360]

9.2. Prognose der Bevölkerungsentwicklung der Neustadt 2000 - 2015

9.2.1. Die Prognose der Jugendabwanderung

Wie sich unter Punkt 8.3.2. herausstellte, wandern ganz besonders stark die jungen Menschen aus der Stadt Hoyerswerda ab. Um diesen Bereich für die Prognose der zukünftigen Abwanderung besser einschätzen zu können, wurde von mir eine Umfrage unter Schülern erhoben. Befragt wurden insgesamt 321 Schüler, 184 aus zehnten Klassen dreier Realschulen und 137 Schüler aus zwölften Klassen dreier Gymnasien der Stadt Hoyerswerda zwischen dem 1. und 15. August 2002. Die Schüler gingen in die jeweils letzte Klasse ihrer Schulform und mussten sich deshalb mit der Frage beschäftigen, wo sie nach ihrem Schulabschluss wohnen und in die Lehre bzw. zur Universität gehen wollen. Da die Schüler an Gymnasien etwas älter sind als die an den Realschulen und die Gymnasiasten ihre Vorstellungen bezüglich des zukünftigen Lebensweges schon genauer überdacht haben, fielen die Voten generell entschiedener aus als bei den Realschülern. Auf die Frage Nr. 6: Wohin gehst Du nach Beendigung der Schule? antworteten die Schüler folgendermaßen:

Tab. 13: Auskünfte über den Verbleib oder das Fortgehen aus Hoyerswerda

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ganz deutlich wird, dass rund 76 Prozent aller Befragten sich mit dem Gedanken beschäftigen, die Heimat zu verlassen, in den Gymnasien sind es sogar ca. 90 Prozent. Rund ein Drittel der Schüler will sicher Hoyerswerda verlassen, unter den Gymnasiasten liegt dieser Anteil mit 43,8 Prozent bedeutend höher. Sehr gering (2,8 Prozent aller Befragten) ist der Anteil derjenigen, die in der Stadt oder der Umgebung bleiben möchten, wobei auffällt, dass unter den Realschülern der Anteil mit 4,3 Prozent erheblich über dem Durchschnitt liegt.

Die Gründe für den Aufbruch (Frage Nr. 7) konzentrieren sich mit 72,5 Prozent auf die schlechten Aussichten in den Bereichen: Ausbildung, Arbeit und Zukunft. Insgesamt ist für ein Drittel der Mangel an Ausbildungsplätzen der Hauptgrund, Hoyerswerda zu verlassen. Bei den Realschülern beträgt dieser Anteil sogar fast die Hälfte. Weitere insgesamt 24 Prozent sehen über das Ausbildungsplatzproblem hinaus keine Zukunft in der Stadt und der Region. Durch den hohen Anteil an Gymnasiasten folgt an dritter Stelle mit 19,4 Prozent der Fortzugsgrund Universität. 16,5 Prozent sehen in den schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt der Lausitz die Ursache für ihr weggehen. Das mangelhafte Freizeitangebot, das Ost-/West-Lohngefälle, oder private Gründe sind dagegen kaum Gründe für die Gedanken an einen möglichen Fortzug. Die Jugendlichen, die sich schon um eine Lehrstelle bemühten, wurden mit den schwierigen Bedingungen der Ausbildungsplatzsituation der Lausitz konfrontiert und erwarten in Zukunft kaum eine Besserung.

Die Antworten auf die Frage Nr. 8: Wohin gehst Du? entsprechen tendenziell den unter Punkt 8.3.1. festgestellten neueren Entwicklungen. So möchte der größere Teil eher weiter entfernt von Hoyerswerda in Zukunft wohnen. Mit insgesamt 41,6 Prozent möchte eine bedeutende Anzahl der Jugendlichen in die alten Bundesländer gehen, wobei der Anteil unter den Mittelschülern mit 47,5 Prozent sogar noch höher ist. An nächster Position folgen, mit fast gleicher Verteilung bei Gymnasiasten und Mittelschülern, mit insgesamt 29 Prozent die sächsischen Städte Dresden und Leipzig. Nach Berlin möchten insgesamt gerne ca. 13 Prozent, in den Osten allgemein knapp 10 Prozent. Einen großen Unterschied gab es zwischen Gymnasiasten und Mittelschülern in bezug auf den Wunsch, ins Ausland zu ziehen. Da von den Schülern an Gymnasien einige schon einen längeren Auslandsaufenthalt erlebten, könnten sich hier gut 10,5 Prozent vorstellen, dort auch ganz zu leben. Bei den Mittelschülern sind es dagegen nur 2,5 Prozent. Interessant sind ebenfalls die Antworten auf die hypothetische Frage Nr. 10. Die Schüler sollten angeben, wo sie sich vorstellen könnten, vorausgesetzt es gäbe Arbeit, eine Wohnung zu mieten, in der Altstadt Hoyerswerdas oder der Neustadt. Obwohl von allen Befragten insgesamt ca. 38 Prozent in der Neustadt wohnten, würden sich dort nur 25,2 Prozent der Schüler zukünftig eine Wohnung mieten. 38,3 Prozent gaben an, dass sie unter keinen Umständen in der Neustadt leben wollten. 22,4 Prozent würden dies tun, wenn man weiterhin sanierte und für die restlichen knapp 39 Prozent müsste ziemlich viel passieren, damit sie dort hinzögen. Schlüsselt man die einzelnen Befragten nach Schulformen auf, so kann man feststellen, dass tendenziell eher Mittelschüler, die auch zu 47,3 Prozent aus der Neustadt kamen, in dieser auch zu knapp 60 Prozent zukünftig wohnen möchten. Von den in der Neustadt wohnenden Gymnasiasten wollten nur 29 Prozent weiterhin dort leben. Auch bei denjenigen Mittelschülern, die in der Altstadt und dem Umland Hoyerswerdas lebten, könnten sich jeweils knapp 10 Prozent vorstellen, später einmal in die Neustadt zu ziehen, was bei den Gymnasiasten kaum der Fall war. Bemerkenswert unter den Gymnasiasten ist der Trend zum Wohnen im Umland (53,3 Prozent) und in der Altstadt (33,6 Prozent).[361]

Die Folgerung für die Prognose lautet demnach, dass die Jugend in immer stärkerem Maße aus der Neustadt in Regionen der Republik gehen wird, die Ausbildung, Arbeit und Zukunft bieten können. Für diejenigen, die bleiben wollen, gilt, dass diese wohl eher in das Umland oder in die Altstadt Hoyerswerdas ziehen würde, als in die Neustadt. Zogen in den fünf Jahren von 1996 bis 2001 rund 32,1 Prozent der jungen Jahrgänge 1972 bis 1976 aus der Gesamtstadt Hoyerswerda bzw. 37,4 Prozent aus der Neustadt, dürfte sich dieser Prozentsatz in der nächsten Zeit noch erhöhen. In der Prognose bis 2015 werde ich den Rückgang der Einwohnerzahlen bis 2005 bezogen auf die Jugend mit einem Anteil von 38 Prozent ansetzten. Diese Quote wird in den darauffolgenden Jahren nach meiner Einschätzung leicht steigen, so dass sich bis 2010 eine Rate von 40 Prozent Abwanderung ergibt und für 2015 ein Anteil von 42 Prozent.

Von den 21,5 Prozent, die laut Umfrage wahrscheinlich oder sicher in Hoyerswerda bleiben möchten, stammt der größte Teil von Realschulen. Diese Schüler wollen sich nach Auskunft der Lehrer meist erst mit dem Halbjahreszeugnis um eine Lehrstelle bewerben und denken deshalb oft erst ab Anfang 2003 über ihren zukünftigen Lebensweg nach. Über die Hälfte aller 65 Schüler, die bleiben möchten, wollen dies, weil es ihnen in der Familie gut geht, weil sie viele Freunde in der Stadt haben oder weil sie sich in Hoyerswerda wohl fühlen. 29 Prozent würde gerne in der Heimat eine Lehrstelle suchen. Zu bedenken ist, dass mit zunehmender Abwanderung auch ganze Familien und Freundeskreise wegziehen. Somit nehmen die Gründe ab, nach der Ausbildung wieder in die Region zurückzukehren.

9.2.2. Die Prognose der zukünftigen Geburtenrate

Um die Anzahl der Neugeborenen zu bestimmen, ist es nötig, Aussagen über die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter und die Fruchtbarkeitsziffer zu treffen. Die hohen Abwanderungsverluste von 5,3 Prozent pro Jahr[362] unter den Frauen im Alter zwischen 15 und 45 werden nach meiner Einschätzung für die nächsten Jahre weiter ansteigen (+0,5 Prozent pro 5 Jahre), so dass man bis 2005 mit einer durchschnittlichen Abnahme von 5,8 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter, bis 2010 mit 6,3 Prozent und bis 2015 mit 6,8 Prozent rechnen könnte. Die Fruchtbarkeitsziffer wird von dem Wert 32,5 dagegen wohl weiterhin steigen. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Ausgangslage setze ich die Steigerung mit 0,2 Prozent pro Jahr niedrig an. So ergeben sich folgende Schätzwerte:

Tab. 14: Prognose der Geburten bis 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Fruchtbarkeitsziffer würde sich mit einem Wert von 35,3 im Jahr 2015 unter dem Niveau von 1990 (37,1) und 1991 (37,8) und unter dem Niveau der alten Bundesländer (40-50) befinden.[363] Mir scheint dieser Wert dennoch realistisch, weil auf der einen Seite die Frauen stark von der Unsicherheit um den Arbeitsplatz betroffen sind, ähnlich wie in den Nachwendejahren. Auf der anderen Seite werden die Frauen, die noch in Hoyerswerda wohnen, immer älter werden, da gerade die jungen Mädchen nach Beendigung der Schule abwandern.

Die Zahl der Geburten wird nach dieser Prognose nach einem leichten Anstieg in den Jahren 1996 bis 2000 wieder stark sinken. Demnach nimmt die Stadt zukünftig auch infolge der natürlichen Bevölkerungsbewegung zunehmend stärker ab.

Die Prognose, die dem Leitbild 2030 zugrunde liegt, geht für 2006 für die Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre von 967 Kleinkindern aus. Die eigene Prognose ergibt viel geringere Zahlenwerte. Für diese Altersgruppe errechnet sich ein Wert von 670 Kindern. Die Abweichung wird für das Jahr 2016 noch deutlicher. Das Leitbild 2030 schätzt die Zahl der Kinder zwischen 0 und 3 Jahren auf 1.004 Kindern. Die eigene Prognose weist für diesen Zeitraum jedoch nur knapp 370 Kleinkinder aus.[364]

9.2.3. Die zukünftige Entwicklung der über 25jährigen

Die Mobilität dieser Altersgruppe ist sicherlich mit zunehmendem Alter rückläufig. Der Teil der Bevölkerung, der noch einer Beschäftigung nachgehen möchte, wird fortgehen, da, wie unter Punkt 9.1. angedeutet, die zukünftigen Erwerbsmöglichkeiten stark eingeschränkt sein werden. Rechnet man folglich mit der geschätzten Zahl von 15.500 Erwerbstätigen, ergibt sich ein Rückgang im Vergleich zu 1999 von 6.900 Erwerbstätigen. Viele von diesen Mensch werden sich mit der Perspektive: Langzeitarbeitslosigkeit nicht abfinden. Da hierzu ebenfalls ein Teil der durchschnittlich ca. 6.400 Arbeitslosen[365] kommt, wird man für die relativ jungen Jahrgänge wie für die über 40jährigen, die noch beruflich tätig sein möchten, weiterhin mit hohen Abwanderungsraten rechnen können. Meiner Einschätzung nach werden diese Quoten nicht ganz so hoch sein wie in der Neustadt von 1996 – 2001, jedoch höher als die Prozentzahlen aus der gesamten Kommune in diesem Zeitraum, die durch Eingemeindungen leicht verfälscht wurden. Deshalb nehme ich für meine Schätzung den Mittelwert und, da die Abwanderung so hoch war, vermindere diesen um eins, um die Abnahme zwischen 2000 und 2005 zu ermitteln. Da Jahr um Jahr die Bevölkerung insgesamt älter und dadurch weniger mobil wird, nehmen alle Quoten ab 2005 alle fünf Jahre um 1 Prozent ab.

9.2.4. Die zukünftige Einwohnerentwicklung der Neustadt bis 2015

Da für die weitere Stadtentwicklung Hoyerswerdas die zukünftige Entwicklung der Neustadt besonders bedeutungsvoll ist, soll hier der Versuch unternommen werden, mit Hilfe der Teilanalysen aus den Punkten 9.2.1. bis 9.2.3. eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung der Neustadt bis 2015 zu erstellen.

Tab. 15: Prognose der Einwohnerentwicklung der Neustadt von 2000 bis 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[366] [367]

Seit 1988 verließen bis zum Jahr 2003 gut 48,8 Prozent der Bevölkerung der Neustadt Hoyerswerdas ihre Heimat. Würde diese Prognose eintreffen, wohnten 2015 nur etwas mehr Menschen in der Neustadt als im Jahr 1960[368], d.h. noch ca. 32 Prozent der Einwohnerschaft von 1988 und etwas mehr als die Hälfte der heutigen Bevölkerung.

Der Vergleich der prozentualen Abnahme in jeweils zehn Jahren zeigt, dass von Jahr zu Jahr - im Verhältnis betrachtet - mehr Menschen die Stadt verlassen. Gingen in den zehn Jahren von 1988 bis 1998 nur 32,3 Prozent, waren es von 1991 bis 2001 schon 36,1 Prozent. Stellt man nun diese Entwicklung den prognostizierten Einwohnerzahlen gegenüber, so würde sich dieser Trend bis 2005 mit 39,5 Prozent Abnahme in zehn Jahren fortsetzen, dann sich jedoch wieder rückläufig entwickeln, bis er im Jahr 2015 im Vergleich zu 2005 eine Verlustquote von 34,0 Prozent erreichen würde.

Trotz des angenommenen leichten Rückgangs der Abwanderungsquoten kommt es weiterhin in einem großen Maße zu Fortzügen. Ob sich das dann in der Wirklichkeit auch so ereignet wie prognostiziert, wird sich zeigen. Die wahrscheinlich leicht überhöht errechneten Zukunftswerte in bezug auf die Abwanderung bieten jedoch die Chance, sich in der Stadtplanung ohne Illusionen auf diese sehr kleinen Einwohnerzahlen einzurichten. Man könnte so der Gefahr entgehen, ständig die zu positiv bewerteten Prognosen fortlaufend nach unten korrigieren zu müssen und in der Zwischenzeit Projekte zu starten, die viel zu groß bemessen sind oder sich nicht ganz auf den Rückbau konzentrieren.

Die negative Einwohnerzahlenentwicklung der Altstadt wird langsamer verlaufen als die der Neustadt. Ausgehend von den 9.135 Einwohnern[369] im Jahr 2000 und einem Rückgang von geschätzten 10 Prozent in fünf Jahren dürfte es 2005 eine Einwohnerschaft von ca. 8.220, für 2010 eine von ca. 7.400 und für das Jahr 2015 eine Zahl von rund 6.660 Einwohnern geben. Zählt man nun alle Daten zusammen, beliefe sich die Einwohnerzahl für die Alt- und Neustadt für das Jahr 2015 auf 25.466 Personen.[370] Wie radikal der Wert dieser Prognose ist, zeigt ein Vergleich mit den Werten, mit denen z.B. die Wohnungsgesellschaft arbeitet und plant. Sie stützt sich auf die Schätzung des Statistischen Landesamtes von 1998 und prognostiziert in ihrem Geschäftsbericht von 1999 eine Bevölkerungszahl von 30.000 bis 35.000 Einwohnern, ohne dazu zu sagen, für welches Jahr das gelten soll. In ihrer Zeitung für die Mieter gibt sie im April 2001 für das Jahr 2015 die Prognose von 34.000 Einwohnern[371] in Hoyerswerda ohne Eingemeindungen an, d.h. 8.534 Einwohner mehr als die Prognose dieser Arbeit.

9.3. Auswirkungen der Prognose auf die Alterszusammensetzung der Neustadt

Durch den massiven Fortzug der Jugend aus der Stadt und die sinkende Zahl der Geburten wird der Anteil der älteren Menschen in Hoyerswerda stark steigen. Nach der Prognose für die Neustadt ergäbe sich folgendes Bild:

Tab. 16: Prognose der Wohnbevölkerung der Neustadt nach Altersgruppen in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Danach verdoppelte sich der Anteil der Rentner schon nach gut zehn Jahren und würde weiter auf einen Anteil von 37,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2015 steigen, d.h. im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen um gut 17,7 Prozent zunehmen. In den prognostizierten fünfzehn Jahren halbierte sich dagegen der Anteil der Menschen im Alter zwischen 18 und unter 30. Diese Gruppe hätte mit über 74 Prozent am stärksten unter den Fortzügen zu leiden. Hohe Rückgänge wären mit 56,7 und 57,4 Prozent auch bei den Altersgruppen der unter 18jährigen und der Menschen zwischen 30 und unter 65 zu verzeichnen. Daraus ergäbe sich ein sehr unausgewogenes Gesamtverhältnis von älterer und jüngerer Bevölkerung, was die Stadt auch durch die natürliche Bevölkerungsbewegung nachhaltig schrumpfen ließe.

9.4. Prognose der Haushaltsentwicklung und des zukünftigen Wohnungsbedarfs

Allgemein vollzog sich in den letzten Jahren eine starke Tendenz zur Verkleinerung der Haushalte. Wohnten 1994 noch durchschnittlich 2,32 Personen in einer Wohnung, waren es im Jahr 2001 nur knapp 2,08.[372] Drei Ursachen werden auch in den nächsten Jahren zu einer Verkleinerung der Haushalte führen, denn die Alterung der Bevölkerung bewirkt zukünftig noch stärker als in der Vergangenheit einen Anstieg des Anteils alleinstehender älterer Personen. Weiterhin wird die sinkende Kinderzahl zu immer geringeren Familiengrößen führen. Zum dritten steigt auch zukünftig durch verringerte familiäre Bindungen oder das Abwandern der Kinder in den westlichen Teil Deutschlands der Anteil alleinstehender Personen. Die kleineren Haushalte könnten sich aus diesen genannten Gründen auf 74 Prozent mehren. Die derzeitige Wohnungsstruktur, die im Schnitt zur Hälfte aus 3-Raumwohnungen und nur zu 24 Prozent aus 2-Raumwohnungen besteht, wäre darauf nicht eingerichtet, denn gut zwei Drittel der Wohnungen sind größer als 73 m² und nur ein Drittel hat eine geeignete Größe von 37 bis 57 m².[373] Aus der Verkleinerung der Haushalte folgte ein geringer Mehrbedarf an Wohnungen, der jedoch in keinem Verhältnis zum Wachsen des Leerstandes stehen wird. Die durch die weiter fortschreitende Alterung der Bevölkerung zukünftig hohe Zahl an vor allem älteren 1-Personenhaushalten hat zur Folge, dass in einigen Jahren immer mehr Wohnungen frei werden, da es keinen familiären Nachmieter mehr geben wird.

In den Jahren 1994 bis 2001 verkleinerte sich das Verhältnis von Einwohner zu bewohnten Wohneinheiten durchschnittlich um ca. 0,04 pro Jahr.[374] Um die zukünftig benötigten Wohnungen zu errechnen, wird eine Entwicklung für die Stadt mit dem Wert von 0,0385 für die nächsten Jahre angenommen, so dass daraus für die Neustadt bis zum Jahr 2015 ein Verhältnis von 1,52 Einwohner pro Wohnung entstünde und für die Altstadt errechnete sich eine Relation für 2015 von 1,60. Daraus ergäbe sich folgender Gesamtwohnungsbedarf für die Neu- und Altstadt:

Tab. 17: Schätzung des Wohnungsbedarf für Hoyerswerda bis 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [375] [376]

Nach dieser Prognose würden im Vergleich zu 1994 insgesamt 9.618 Wohnungen bis 2015 nicht mehr benötigt, wovon 9.261 Wohnungen in der Neustadt und 357 Einheiten in der Altstadt liegen würden. Bei vollständigem Abriss wäre das insgesamt ein Bestandsrückgang von über 36,8 Prozent.[377] Da bis 2002 schon 2.035 WE vom Markt genommen wurden, ergibt sich noch ein Rückbauvolumen von ca. 7.583 Einheiten.

Interessant an den Hochrechnungen der Stadtverwaltung Hoyerswerda von 2001 ist, dass man hier zwar die Einwohnerzahl bis 2010 mit 35.000 Personen relativ hoch angibt, jedoch bei den rückzubauenden Wohnungen mit rund 8.500 Einheiten[378] ebenfalls einen sehr hohen Wert ermittelte. Subtrahiert man von diesen im Jahr 2001 geschätzten 8.500 WE die rund 665 Wohnungen, die 2002 abgerissen wurden, ergibt sich mit dem Wert von 7.835 eine Zahl, die sich der von mir prognostizierten (7.583 WE) sehr ähnelt. Die Wohnungsgenossenschaft plant im Gegensatz dazu noch weiter. In ihrem Geschäftsbericht 2001 lässt sie erkennen, wieviel Bestand über einen längeren Zeitraum nur noch übrig bleiben wird. Die Genossenschaft hat nicht ohne Grund lediglich 50 Prozent ihrer Wohnungen komplexmodernisiert, denn es soll vermieden werden, „dass nach ca. 15 Jahren bei weiterem Bevölkerungsrückgang gegebenenfalls komplexmodernisierte Wohngebäude rückgebaut werden müssten.“[379] Demnach rechnet die Genossenschaft mit einem stärkeren Anstieg der rückzubauenden Wohnungen als es diese Prognose tut.

Da sich die Größenordnungen der städtischen mit denen dieser Prognose in bezug auf den Leerstand ähneln, folge ich auch den städtischen Planungen, die für die einzelnen Wohnkomplexe Größenordnungen des Leerstands benennen. Da die städtische Berechnungen jedoch in der Summe nicht 8.500, sondern nur 7.640 Wohnungen erreichen, können diese Werte fast ohne Korrektur übernommen werden. Nach der kommunalen Prognose wird die Altstadt als stabil eingeschätzt. Die Wohnungen, die durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung frei werden, könnte man sicherlich größtenteils durch den Zuwanderungsgewinn belegen, so dass ich hier von wahrscheinlich nur 63 leerstehenden Wohnungen ausgehe. Für die Neustadt prognostiziert man wie schon in der Vergangenheit[380] einen sehr unterschiedlichen Verlauf der Leerstandsentwicklung für einzelne Wohngebiete. Die Wohnkomplexe 1 bis 4 werden, da sie eine besonders alte Bevölkerungsstruktur aufweisen, stark von dem natürlichen Bevölkerungsrückgang betroffen sein. Hier dürften demnach wohl rund 1.150 Wohnungen nicht mehr vermietbar sein. Die Komplexe 5 bis 7 unterliegen zukünftig einem stärkeren Wegzug. Demnach stünden dort wohl ca. 1.550 Wohnungen leer. Die Wohngebiete 8 und 9 verzeichnen zukünftig, weil sie noch eine relativ junge Einwohnerschaft aufweisen, wohl mit den stärksten Bevölkerungsrückgang. Diese instabilen Komplexe weisen schon heute einen Leerstand nach eigener Schätzung von gut 1.880 Wohnungen auf, d.h. 34,6 Prozent. Für das Jahr 2015 könnte dieser ohne weitere Rückbaumaßnahmen auf 3.200 unvermietete Einheiten ansteigen, d.h. bei vollständigem Abriss würden im Vergleich zu 1994 ca. 65,4 Prozent des Bestandes vernichtet werden. Der 10. Wohnkomplex wird als heute noch jüngstes Wohngebiet in den nächsten Jahren von den stärksten Abwanderungen und Haushaltsverkleinerungen betroffen sein. Man nimmt an, dass die hier vor allem lebenden Singles, die preisgünstigen Wohnraum suchten, sich nicht langfristig an das Wohngebiet binden werden. Demnach wird von einem Leerstand bei nicht stattfindendem Rückbau von rund 936 Wohnungen ausgegangen. Für das Zentrum der Neustadt waren in der ursprünglichen Stadtplanung von 1957 für dieses Gebiet keine Wohnungen vorgesehen, sondern die Errichtung zentraler Bauten.[381] Nach den jetzigen Prognosen könnte dieser Zustand bald hergestellt werden, denn durch die Abwanderung ist hier wohl zukünftig mit einem Leerstand von gut 1.350 Wohnungen zu rechnen, d.h., würde man alle diese vom Markt nehmen, eine Bestandsminderung von 77,9 Prozent.[382]

Beide Wohnungsunternehmen wollen dem Leerstand entgegentreten. Die Genossenschaft möchte von 2000 bis 2010 insgesamt 1.628 Verwaltungseinheiten vom Markt nehmen. Sie konzentriert sich dabei auf die Wohnkomplexe 8 und 9 und das Stadtzentrum der Neustadt.[383] Die Wohnungsgesellschaft sieht in den nächsten Jahren vor, 5.364 WE rückzubauen, ohne dabei in ihrem Geschäftsbericht Angaben über die Verteilung auf einzelne Wohnkomplexe zu machen.[384] Zusammen mit den schon 329 rückgebauten Einheiten der Wohnungsgenossenschaft und den 825 Einheiten der Wohnungsgesellschaft ergibt das ein Gesamtrückbauvolumen von 8.146 Wohnungen bis zum Jahr 2009, welches größtenteils sogar schon von der KfW genehmigt worden ist.

9.5. Prognose der finanziellen Folgen des Einwohnerrückgangs und der Leerstandsbeseitigung

Die anfallenden Aufwendungen für die Beseitigung der nicht vermieteten Wohnung sind enorm. Würde man jedes Jahr rund 500 Wohneinheiten abreißen, kostete dies insgesamt bei 85,20 EURO pro m² und einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 60 m² rund 2,56 Millionen EURO pro Jahr. Für alle 6.992 noch rückzubauenden Wohnungen bis 2009 bedeutete das insgesamt Kosten von 35,74 Millionen EURO. Selbst wenn der städtische Eigenanteil weiterhin nur bei 33,3 Prozent der Kosten liegen würde, d.h. bei ca. 11,9 Millionen EURO, wäre das für die Kommune und die beiden Großwohnungseigentümer nicht zu finanzieren. Die Stadt müsste nämlich wegen des Rückgangs der Bevölkerung einerseits, da sie nur etwas mehr als 1.020 EURO Kreditaufnahmefähigkeit pro Einwohner haben darf, ihre Schulden von 52,35 Millionen EURO im Jahr 2000 auf ca. 26,84 Millionen EURO senken und andererseits hätte sie, da die Schlüsselzuweisungen bis 2015 im Gegensatz zu 2000 von 38 Millionen EURO auf nur noch 20,1 Millionen EURO sinken würden, bedeutend weniger Einnahmen. Auch für die Wohnungseigentümer ändert sich durch den Auszug von Mietern die Ertragslage negativ. Ohne umfangreiche staatliche Hilfen wären die Unternehmen und die Kommunen sehr schnell zahlungsunfähig.[385]

9.6. Aspekte einer zukünftigen Stadtentwicklung

9.6.1. Die Einstellungen der Jugend zur Neustadt

Für die weitere Entwicklung der Neustadt Hoyerswerdas[386] ist die Meinung der jungen Menschen zu diesem Stadtteil besonders wichtig, weil gerade sie es sind, die sich, wenn sie eine Lehrstelle in der Region gefunden haben, eine eigene Wohnung suchen, d.h. als potentielle Neumieter in Betracht kommen könnten. Mir war es leider nur an zwei Schulen (A. Schweitzer Mittelschule und Foucault-Gymnasium) möglich, einige weiterführende Fragen an die Schüler zu stellen, dennoch ergaben diese ein Stimmungsbild, was sich auch in den Antworten der anderen im Fragebogen Befragten wiederfinden lässt.

Dass die Neustadt selbst bei denjenigen, die dort wohnen, nicht übermäßig beliebt ist, zeigt die Auswertung der Frage 12. So würden lediglich 58,6 Prozent aller in der Neustadt wohnenden Mittelschüler und sogar nur 28,6 Prozent aller dort ansässigen Gymnasiasten weiterhin dort leben wollen. Betrachtet man sich die Aussagen der Schüler jenseits des Fragebogens, wird deutlich, warum dies so ist. Gefragt nach Adjektiven, die die Jugendlichen der Neustadt zuordnen würden, folgten zumeist negative Eigenschaftswörter, wie laut, leer, verlassen, öde, kalt, grau, dreckig, kriminell und langweilig. Letzteres galt übrigens auch für die Altstadt, jedoch ergänzt durch grün, gemütlich und historisch. Sicherlich hat dies viel mit den Strukturen und Gebäuden der Neustadt zu tun, die als verschachtelt und zu hoch empfunden werden. Befragt nach dem eigenen Wunschhaus, gaben weit über 80 Prozent der jenseits vom Fragebogen interviewten Schüler den Traum von einem Einfamilienhaus an. Trotzdem fällt auf, dass die Schüler der A. Schweitzer Mittelschule, die ich außerhalb des Bogens befragte und die zu über 70 Prozent in der Stadt Hoyerswerda wohnten, zugleich wieder zu 70 Prozent in eine Klein- bzw. Großstadt ziehen möchte. Bei den Jugendlichen des Foucault–Gymnasiums war der Anteil sogar noch höher. Hier kamen nur etwa die Hälfte aus der Stadt. Dennoch würden 60 Prozent zukünftig gerne städtisch leben.

Befragt nach der Zukunft der Stadt, antwortete die überwiegende Mehrheit aus beiden Schulen, dass es die Neustadt 2020 nicht oder nur noch sehr klein geben wird. Auf jeden Fall würde es wohl keine Plattenbauten und keine Hochhäuser mehr geben. Ein Mittelschüler erkannte sehr richtig, dass das jedoch vor allem daran liegen wird, ob „man sich Mühe gibt“, denn „man muss Ideen haben“. Auf welche Problemfelder sich diese Ideen in bezug auf die ganze Stadt beziehen müssten, konnten alle Befragten in der offenen Frage 14 angeben. An erster Stelle der zu lösenden Aufgaben stand für knapp die Hälfte die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, denn 37,5 Prozent der Schüler forderte die Schaffung von Arbeitsplätzen und 12 Prozent die Verbesserung der Infrastruktur. Für ein Viertel war die Förderung von Jugendeinrichtungen wichtig, für weitere 22,4 Prozent die Sanierung der Neustadt, die für viele gleichbedeutend war mit dem Abriss von ungenutzten Wohnblöcken.

Daraus ergeben sich für die zukünftige Stadtentwicklung aus der Perspektive der Jugendlichen folgende Schwerpunkte: die Neustadt müsste niedriger und grüner werden, sollte mehr kleinere Single-Wohnungen und Jugendeinrichtungen aufweisen und mit, wie aus dem Wunsch nach Einfamilienhäusern deutlich wird, mehr individuelleren Wohnformen mit dazu gehörigen privaten Grün- und Gartenbereichen durchmischt sein.

9.6.2. Die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung an die Neustadt

Neben den jüngeren Einwohnern ist es vor allem die ältere Bevölkerung, die zunehmend das Stadtbild prägen wird und an der sich die Stadtplanung zu orientieren hat. Professor Ulf Sadowski von der Hochschule Zwickau formulierte anlässlich einer Tagung zum Stadtumbau Hoyerswerdas den Begriff vom Altenheim Deutschlands. Er verband damit die Perspektive für die Stadt, die sich ändernden Altersstrukturen als Stadtmarketing-Konzept zu nutzen. „Andere Städte haben sich frühzeitig darauf eingestellt, dass ihre Einwohner immer älter werden und die gesamte Infrastruktur darauf umgestellt – mit Erfolg.“[387] Natürlich sehen das auch die beiden Wohnungsunternehmen von Hoyerswerda und stellen eine verstärkte Nachfrage nach Erdgeschosswohnungen fest.[388] Wo liegt jedoch das Problem bei diesem so gut klingenden Vorschlag des Altenheims für Deutschland? Erstens ziehen alte Menschen generell nicht mehr gerne aus ihrer angestammten Wohngegend weg. Das nützt einerseits der Neustadt, weil ihr so ein Großteil der älteren Mieterschaft auf längere Zeit erhalten bleibt. Andererseits schränkt dass jedoch zugleich das Potential von auswärtigen älteren Zuzüglern stark ein. Zweitens baute man vor 1989 bei so gut wie allen Häusern aus Kostenersparnisgründen die Kellerräume nicht vollständig unter die Erde, so dass keine Wohnung im Erdgeschoss ebenerdig zu erreichen ist, sondern immer nur über Treppen. Weiterhin besteht ein Großteil der Wohngebäude aus 3-, 4- bzw. 5-Geschossern, die nicht mit Fahrstühlen ausgestattet sind, d.h. eine Erreichbarkeit ebenfalls nur über Treppen. Eine Nachrüstung wäre äußerst aufwendig, da in den Treppenhäusern kein Platz dafür eingeplant wurde und zudem pro Fahrstuhl wegen der relativ niedrigen Geschosshöhe immer nur sehr wenige Wohnungen erreicht werden könnten. Außer in einigen altersgerecht umgebauten Wohnungen gibt es in den 28 Elfgeschossern Fahrstühle. Diese hohen Gebäude dürften jedoch kaum bei den älteren Menschen beliebt sein, da sie zu unübersichtlich und anonym sind.[389] Forcierte man also als Leitidee das Altenheim Deutschlands, so würde es erstens nur das Altenheim Hoyerswerdas und der näheren Region werden und zweitens bedeutete es für den jetzigen Bestand das Ende, da er nicht geeignet für diese Nutzung scheint. Neuinvestitionen in erheblichem Umfang wären notwendig, die wohl nur von privaten Investoren und Wohlfahrtsverbänden geleistete werden könnten. Einen Kompromiss zwischen Abbruch und Neubau stellt zum Beispiel der Umbau der Hochhäuser am Lipezker Platz 1 und 2 dar. Hier wurden 3 Geschosse abgetragen und das ganze Haus altersgerecht umgebaut.[390] Dies könnte vielleicht eine Perspektive für einige 11-Geschosser darstellen.

9.6.3. Perspektiven und Strategien zur Neuordnung der Neustadt

Unter Punkt 9.4. wurde der Versuch unternommen, für die einzelnen Wohnkomplexe eine Leerstandsprognose bis 2015 zu erstellen. Die Frage, die geklärt werden muss, ist, nach welchen Grundsätzen man zukünftig die Abrisse vollziehen will, d.h. wie schrumpft eine Stadt wie Hoyerswerda sinnvoll? Bis zu diesem Zeitpunkt baute man anhand der Leerstände die Gebäude zurück, was zur Folge hatte, dass man vor allem im Zentrum und den Komplexen 8 und 9 Häuser abriss. Ginge es so weiter, würden die Wohngebiete 8 und 9 um 65,4 Prozent schrumpfen, das Zentrum gar um ca. 78 Prozent. Doch wie sieht ein Stadtteil aus, der nur noch 34,6 bzw. 22 Prozent seines Gebäudebestandes aufweist? Was passierte auf der anderen Seite mit den Altschulden, baute man diese WE nicht zurück?

Die rein rechnerischen Möglichkeiten sind nach den Äußerungen des Bau- und Finanzbürgermeisters Stefan Skora relativ übersichtlich. Demnach ergäben ein Rückbauvolumen von ca. 8.500 Wohnungen: „266 Viergeschosser á la Wohnkomplex I bis IV, 142 Fünfgeschosser der WK VIII/IX oder 22 der noch 28 in der Stadt elfgeschossigen Hochhäuser“.[391] Der Rückbau ist jedoch kein Rechenspiel, sondern muss nach Prinzipien erfolgen, soll er geordnet verlaufen. Von diesen Richtlinien gibt es jedoch viele. Jost Schulze aus dem Sächsischen Staatsministerium des Innern forciert den Abriss von außen nach innen. Der Schwerpunkt des Rückbaus sollte dabei „weder perforierend (Herausnahme einzelner Wohnblocks) oder durch Geschoss-Kürzung erfolgen“, sondern durch „Abriss ... möglichst kompletter Bebauungsstrukturen“.[392] Er sieht die Vorteile darin, dass man erstens nicht die komplette unterirdische Infrastruktur kostenaufwändig erhalten müsste und zweitens, dass man sich nicht unbedingt um eine Nachfolgenutzung sorgen brauchte, sondern schnell massiv Rückbau betreiben und so vor allem die Altschulden tilgen könnte. Drittens würde zugleich die Anlage von Parks entfallen, die bei den zukünftigen Rückbauvolumina flächenmäßig Größenordnungen erreichen würden, die kaum noch kostengünstig zu gestalten und unterhalten wären, denn durch die Maxime »von außen nach innen« entstünden die großen Freiflächen nicht in der Stadt, sondern an ihrer Peripherie, so dass der Wald die Stadtränder zurückerobern könnte.

Ein zweites Prinzip, vertreten vor allem durch die Stadtverwaltung, sieht den Erhalt der ganzen Stadtgestalt vor, d.h. alle Wohnkomplexe sollen in ihrer Struktur erhalten bleiben. Wie bisher würde dem Leerstand entsprechend rückgebaut werden und bei Bedarf ein Neubau von z.B. Stadtvillen, altersgerecht und mit kleinen Wohnungen, erfolgen.[393] Das Ansinnen, die Stadt in ihrer Gestalt zu erhalten, scheint positiv zu sein, jedoch nur, wenn statt des Altbestandes neue Gebäude errichtet würden, denn sonst entstünden zwischen den wenigen noch bewohnten Wohnblocks riesengroße Parklandschaften. Um dies zu verhindern, wird unter anderem von dem ehemaligen Baubürgermeister Hamacher das verschärfte Prinzip vertreten, „ es wird nur da abgebrochen, wo im voraus die Nachnutzung klar ist.“[394] Er will dadurch „zufällige Löcher im Stadtgrundriss [und] eine Schweizer–Käse-Stadt“[395] verhindern. Das gelingt nur, wenn man einen Nachnutzer findet. Wegen der schwierigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte und der Wohnungsunternehmen, scheiden diese für die Zukunft als Großinvestor aus. Private Geldgeber für größere Projekte fänden sich wenn überhaupt nur für attraktive Wiederbebauungen zum Beispiel im Zentrum. In den Außenwohnkomplexen bliebe höchstens die Hoffnung auf den Bau von Eigenheimen, der jedoch stark Rückläufig ist.[396] Da es also kaum Nachnutzer gäbe, könnte kaum abgerissen werden, was keine Altschuldenentlastung bedeutete. Die Stadtgestalt bleibe zwar erhalten, geprägt jedoch von verlassenen, leerstehenden Gebäuden. Die Neustadt würde zu einer Geisterstadt.

9.7. Der eigene Vorschlag zum zukünftigen Stadtumbau

9.7.1. Grundprinzipien

Im eigenen Ansatz verbindet sich der von Wolfgang Kil geprägte Begriff vom geordneten Rückzug [397], d.h. für mich: massiver Rückbau, mit einem Gedanken der Überschrift dieser Arbeit, nämlich dem Abschied Ost, d.h. dem Abschied von dem Modell der sozialistischen, sprich der von wenigen oft staatlichen Kräften bestimmten Stadtplanung und Entwicklung.

Der Rückbau ist so kostengünstig wie möglich zu organisieren, d.h. Schrumpfung der Neustadt von außen nach innen, von oben nach unten und Abriss möglichst kompletter Bebauungs- und unterirdischer Infrastrukturen. Nur so ist eine Altschuldenentlastung durch die KfW zu erreichen. Da Schuldenabbau in diesem Falle jedoch nicht heißt, weniger Geld auszugeben, sondern im Gegenteil in den Abriss zu investieren, erfordert dies in den nächsten Jahren viel Energie und Kapital der Stadtverwaltung und der Wohnungseigentümer.

Die Gebiete, deren Bestände man über mehrere Jahre verteilt schrittweise frei ziehen und rückbauen müsste, wären die Wohnkomplexe 8, 9 und 10, die Erweiterungen des 1., 3. und des 5. WK sowie das Zentrum. Alle diese Gebiete wurden sehr eng und relativ hoch bebaut, weisen schon heute große Leerstände auf, liegen oft weit vom Zentrum entfernt und bieten zum Teil günstige Neubebauungschancen. Das Prinzip der privatwirtschaftlichen Nachnutzung der entstehenden Freiflächen führt zu einer Risikoverlagerung und Schonung der Finanzen der Stadt. Es bestünde aber die sehr wahrscheinliche Gefahr, dass sich keine privaten Investoren für eine Neubebauung finden und deshalb viele der ehemals bebauten Grundstücke ungestaltet bleiben. Dies Wagnis muss die Kommune jedoch eingehen, will sie die Chance einer zwar kleineren, aber dafür lebendigeren Stadt eröffnen, die sich aus eigenen Kräften konstituiert, mit privatem Kapital, privaten Ideen und privater Verantwortung. Denn nur so könnte der Abschied von der ehemals sozialistischen Stadt hin zur Bürgerstadt gelingen. Die Funktion der Kommune bestünde darin, den Bemühungen der Bürger und der Investoren Hilfestellungen zu geben, den massiven Rückbau mit zu planen und die Entwicklung neuer Bebauungspläne - gekoppelt an die Suche nach Geldgebern - zu forcieren. Um anstelle der Freiflächen nicht überall kostenintensive Parks anlegen zu müssen, könnten die Außenbereiche als Grünland genutzt werden. Als Leitbild für die zukünftige Stadtgestaltung der innerstädtischen Freiflächen könnte nicht die Park-, sondern die Gartenstadt dienen. Damit folgt dieses Konzept den Wünschen der Jugendlichen nach einer niedrigeren und grüneren Stadtstruktur, die auch individuellere Wohn- und Lebensformen zulässt. Gleichzeitig hätte auch die ältere Bevölkerung die Chance, einen Garten im unmittelbaren Nahbereich ihrer Wohnungen zu haben.

9.7.2. Die zukünftige Gestalt einiger ausgewählter Wohnkomplexe

Obwohl die Aussichten für den 10. Wohnkomplex mit einem heutigen Leerstand von ca. 19,1 Prozent nicht so negativ anmuten, wird sich zukünftig die Insellage fernab des Stadtzentrums negativ auswirken. Deshalb wird in diesem Ansatz die völlige Aufgabe dieses Komplexes angestrebt. Bis 2005 könnte zuerst der südliche Teil des WK rückgebaut werden, da hier eine Teilperspektive zur Nachnutzung der Freiflächen in einer Erweiterung des daneben liegenden Eigenheimstandorts Grünewaldring liegen könnte, da dieser sehr gut angenommen wird.[398] Bis 2015 wird dann schrittweise, so wie es der Leerstand ergibt zurückgebaut. Die für das Jahr 2015 geschätzten 500 noch bewohnten Wohnungen könnten bis 2020 leergezogen und abgebrochen werden.

Obwohl in den Wohnkomplexen 8 und 9 bis 2001 schon rund 350 WE abgerissen wurden, ergäbe sich dennoch bis zum Jahr 2015 ein geschätzter Leerstand von knapp 59 Prozent (gemessen am Bestand von 1994). Bei völliger Beseitigung der nicht mehr genutzten Häuser ergäbe das insgesamt eine Bestandsminderung von 65,4 Prozent. Die noch bewohnten Gebäude stünden dann sehr vereinzelt und würden, als Restgebilde für sich betrachtet, kaum sinnvoll erscheint. Deshalb scheint es mir vernünftig, bis 2020 den 9. WK vollständig und den 8. Komplex bis auf 100 WE rückzubauen. Die vier Stadtvillen könnte man vielleicht durch Gärten und neue Einfamilienhäuser mit dem 1. WK verbinden.

Die Erweiterungen des 1. und des 3. Wohnkomplexes bieten sich vor allem wegen ihrer ungünstigen Lage an den Hauptverkehrsachsen zum Rückbau an. Die Erweiterung des 1. WK könnte bis 2005 einer Eigenheimsiedlung weichen, die man je nach Bedarf mit Gärten versieht, welche die Bewohner des 1. und des 3. WK´s zwar neu anlegen müssten, dann jedoch sehr gut erreichbar wären. Durch diese Neuansiedlung bestünde die Möglichkeit, eine Verbindung zu den Stadtvillen des WK 8 zu schaffen. Die Erweiterung des 3. WK könnte man bis auf ein Gebäude je nach Leerstand abreissen. Die Erweiterung des 5. Wohnkomplexes liegt sehr nah am Zentrum. Bis 2020 würden hier vor allem die sehr hohen Gebäude abgerissen werden. Wegen seiner günstigen Lage bestünde vielleicht sogar Interesse für eine Nachnutzung durch Eigenheime und Gärten.

Das Zentrum der Neustadt weist schon mit einem heutigen Leerstand von ca. 38,2 Prozent den höchsten Anteil unbewohnter Wohnungen auf. Hier böte ein radikaler Rückbau bis 2005 privaten Investoren die besten Möglichkeiten, attraktive neue städtebauliche Qualitäten zu schaffen. An dieser Stelle erscheint der Bau von Stadtvillen wegen der guten Erreichbarkeit des Lausitz–Centers und der Altstadt sinnvoll und könnte deshalb der jüngeren und älteren Einwohnerschaft Anreize bieten, ins Zentrum zu ziehen.

Die Wohnkomplexe 1 bis 7 würden übereinstimmend mit den städtischen Planungen in ihrem Bestand erhalten bleiben und nur an einigen Stellen punktuell entdichtet werden.

Die geschätzten 7.583 rückzubauenden Wohnungen[399] von 2003 bis 2015 (und 2020) verteilten sich demnach derart auf die einzelnen Komplexe und die Altstadt:

Tab. 18: Bestandsentwicklung in den einzelnen Stadtteilen Hoyerswerdas bis 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Prozentzahlen beziehen sich immer auf den Bestand von 1994

Aus dieser Übersicht ergibt sich, dass bis zum Jahre 2020 der Rückbau der Wohnkomplexe 8 bis 10 und der Erweiterungen des 1., 3. und des 5. Komplexes vollzogen werden könnte. Demnach könnte die neue Neustadt folgendermaßen aussehen: Bis 2015 würde der Rückbau der geschätzten 7.583 Wohnungseinheiten ca. 38,45 Millionen EURO kosten, was einen Eigenanteil für die Wohnungseigentümer von 12,80 Millionen EURO bedeutete. Es bleibt zu bedenken, dass es wegen der zukünftig starken Erhöhung der Einpersonenhaushalte eine vermehrte Nachfrage nach kleineren Wohnungen geben wird. Der jetzige Bestand ist mit seinen zu ²/3 über 70 m² großen WE[400] dafür ungeeignet. Würden demnach von Privatinvestoren neue attraktive, kleinere Wohnungen im Zentrum errichtet, könnte sich der Leerstand in den alten und zu großen WE drastisch erhöhen, so dass man noch mehr Gebäude abreißen müsste. Die Stadtverwaltung sieht dagegen eine Chance darin, durch Wohngruppen gerade ältere Bürger zu stärken, die Miete für den Einzelnen zu sänken und die Vereinsamung zu verhindern helfen.[401]

Trotz einzelner neuer und erfolgreicher Nutzungsvarianten wird der Gebäudebestand der Neustadt schrumpfen, bis 2020 wohl um 56,2 Prozent. Das ist in diesem Umfang wohl einmalig.

10. Resümee und Ausblick

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“[402]

In den Planungen von Hoyerswerda-Neustadt setzte sich das Ende des Stalinismus durch. Mit der Prämierung des Entwurfs von Martin Röser gelang dem DDR-Städtebau der Anschluss an internationale Leitbilder, die seit den dreißiger Jahren die Auflockerung der Stadt propagierten. Der sozialistische Staat, die Partei oder andere Organe kamen in Hoyerswerda-Neustadt mit keinem eigenen Gebäude vor. Die DDR-Presse titelte: „Diese Stadt wird goldrichtig“.[403] Viele zehntausend Menschen verließen ab 1955 ihre angestammte Heimat, waren Neulanderoberer, folgten der Verheißung „von neuen Wohnungen, Kühlschränken usw.“[404] Doch schnell war der Goldrausch vergangen, und die ökonomischen Zwänge machten durch die Industrialisierung der Bauprozesse der Verheißung von einer lebendigen Stadt ein Ende. Es ging nicht mehr um schönes, sondern nur noch um billiges Bauen. Hoyerswerda-Neustadt wurde eine Schlafstadt mit Zentrum, [405] denn sie hatte nur einen Zweck zu erfüllen, Wohnstadt des Kombinats Schwarze Pumpe zu sein. Und dieser Zweck sollte mit möglichst geringem Aufwand realisiert werden. Dabei war selbst den damals Verantwortlichen irgendwie bewusst: Diese Stadt ist nicht von Dauer. Schon Fritz Selbmann, der als DDR-Wirtschaftsminister am 31. August 1955 den Grundstein für das Kombinat und die Wohnstadt legte, sagte über die Neustadt: „Ich will nicht sagen, dass für die Ewigkeit gebaut werden kann, aber sicherlich kann sie solange stehen, bis wir einmal, das bis dahin sicherlich der Fall sein, aus der Atomenergie soviel Energie haben, dass wir nach der Kohle nicht mehr zu suchen brauchen.“[406] Die DDR tat dies jedoch über 30 Jahre, und die Stadt wuchs und wuchs. Als man nach der Wende das größte Braunkohlenveredelungskombinat der Welt Schwarze Pumpe nicht mehr benötigte, begann nicht nur die Krise auf dem Arbeitsmarkt der Lausitz, sondern auch die Krise der dazugehörigen Wohnstadt Hoyerswerda-Neustadt. In nur zehn Jahren bis 1999 fielen im Lausitzer Revier knapp 65.600 Arbeitsplätze im Bergbau weg[407], und wieder brachen Menschen aus ihrer Heimat auf, fast 27.000 Einwohner Hoyerswerdas bis 2001. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Lothar Kühne, einer der großen Raumtheoretiker des letzten Jahrhunderts, aus dieser Gegend stammte. Er stellte fest: „Die eigengesetzlichen Bewegungen dieser Moderne kennen wir noch nicht. Und wir sollten zögern, das Auf und Ab ihres Werdens als diese bereits zu deuten. Aber ihr Werden scheint gewiss. Wenn es nicht die Tugenden der Menschen sind, die sie dahin führen, werden es ihre Nöte sein, die sie immer vor diese Aufgabe stellen.“[408] Im Gegensatz zu Kühne lernen wir heute immer mehr die Bewegungen der Moderne kennen, auch wenn wir ihr Ziel noch nicht so ganz ersehen können. Antrieb für diese Bewegungen sind die Nöte der Menschen. „Schwache Regionen laufen leer“[409] und die Lausitz ist wieder so eine schwache Region. Und weil das so ist und bis 2015 wohl nochmals die Hälfte der Einwohner die Stadt Hoyerswerda verlassen wird, steht die Verwaltung vor der Aufgabe, damit umzugehen. Sie muss sich darauf einstellen: Offenheit wagen, Zahlen zu Leerständen und Rückbauten veröffentlichen, mit den Bürgern das Gespräch suchen, damit diese die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Freizugs erkennen. Die Verwaltung und die Politik muss den Rückbau und die Schrumpfung wollen, d.h. den Haushalt konsolidieren, damit so viel Geld wie möglich in den Abbruch investiert werden kann, denn nur so ist der finanzielle Zusammenbruch zu verhindern. Bei alle dem muss man die einheimische Industrie und den Mittelstand fördern, denn nur hier entstehen Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die die Jugend in der Stadt halten können.

Hoyerswerda-Neustadt - keine bleibende Stadt? An der TU-Cottbus wurde schon mal das Szenario „durchgespielt“, die ganze Stadt bis 2020 völlig abzureißen. Die „Stadtentleerung“ würde nach ihren Berechnungen rund 1,86 Mrd. EURO kosten.[410] Der Zeitungsartikel schlug ein wie eine Bombe und führte zu großer Verunsicherung. Aber es geht nicht darum, die ganze Stadt aufzugeben, sondern die zukünftige suchen wir. Die neue Stadt Hoyerswerda wird kleiner und niedriger sein, vielleicht ganz ohne die Wohnkomplexe 8, 9 und 10, wie der Vorschlag dieser Arbeit lautet, oder vielleicht auch anders. Was wäre an einer zukünftig kompakten Neustadt, die aus den sehr schönen ursprünglichen Komplexen 1 bis 7 besteht, schlecht? Wäre es nicht schlimmer, mit ansehen zu müssen, wie man versucht, die ganze Stadtanlage um jeden Preis zu erhalten und wegen fehlender Nachnutzung nicht rückbauen würde und deshalb eine Geisterstadt entstünde?

Am 17.12.2002 ist die erste Stadtratssitzung über das Neuordnungskonzept der Neustadt. Vielleicht besteht die Moderne ja nur in einem andauernden Auf und Ab. Vielleicht ist ihr einziges Merkmal die Bewegung, ein fortwährendes Werden ohne rechtes Ziel. Hoyerswerda wäre dann ein Paradigma dafür. Sie wuchs, fast aus dem Nichts kommend, zu einer bedeutenden Wohnstadt heran, schrumpft nun in einem Prozess, der für alle Beteiligten sehr schmerzhaft ist und wird hoffentlich bald zu einer schönen Kleinstadt. Zwischendurch war Hoyerswerda - und in den Erinnerungen ihrer Bewohner ist sie es noch, - die heimliche „Hauptstadt im Revier“.[411]

11. Aktueller Nachtrag

12. Quellenverzeichnis

12.1. Unveröffentlichte Quellen

- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)

- BLHA Bz. Ctb. Rep. 931 SED-Kreisleitung Schwarze Pumpe

- Bundesarchiv Außenstelle Potsdam (BArch-Po)

- BArch-Po DG 2 Ministerium für Schwerindustrie (bis 1958)

- Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch)

- SAPMO-BArch DY 30/ IV Sekretariat ZK der SED

12.2. Veröffentlichte Quellen

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13. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

15. Anhang

15.1. Anhang zu Punkt 8.6. Schätzung des Leerstandes in den einzelnen Wohnkomplexen 2001

Wohn- Anzahl: Anzahl Ver- Geschätzte

komplex - Ein- - Wohn- -geschätz. - Ein- änderung Verteilung

wohner ungen Leerstand wohner EW Rückgang Leer-

in % WE stand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [412]

[...]


0 BURGER, R., Leerstand als Chance, S. 12.

[1] Vgl. BURGER, R., Leerstand als Chance, S. 12.

[2] PANNENBORG, R. u.a., Treck aus der Tristesse, S. 52.

[3] RICHTER, D., Die Sozialistische Großstadt, S. 183.

[4] Siehe Kap. 4: Der Wandel im soz. Städtebau und Punkt 6.3: Hoyerswerda-Neustadt – eine soz. Stadt?

[5] Zu Art und Durchführung der empirischen Befragung siehe Punkt 9.2.1,

[6] Vgl. WEBER, H., Die DDR, S. 12.

[7] HORNICH, S., Das gebrochene Rückrat, S. 10.

[8] HORN, W., Die Errichtung der Grundlagen des Sozialismus in der Industrie der DDR, S. 60.

[9] Vgl. WEBER, H., Die DDR, S. 37f.

[10] Vgl. MÜHLFRIEDEL, W. / WIESNER, K., Die Geschichte der Industrie der DDR bis 1965, S. 229.

[11] Vgl. WIEßNER, K., Die energetische Basis in der DDR, S. 52.

[12] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 29.

[13] Vgl. SCHULZ, F., Drei Jahrhunderte, S. 132.

[14] ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 29.

[15] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 8.

[16] Vgl. BArch-Po DG2/11203, Bl. 120: Beschluß 13/2a über den Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe, vom 23.6.1955.

[17] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 19f.

[18] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 62.

[19] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 20.

[20] Vgl. HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 6ff.

[21] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 488.

[22] Vgl. GEORGI, B., Braunkohlenabbau und Landschaftshaushalt, S. 344.

[23] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 19ff.

[24] Vgl. GEORGI, B., Braunkohlenabbau und Landschaftshaushalt, S. 344.

[25] Vgl. KOWALKE, H., Sachsen, S. 418f.

[26] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 5f.

[27] Vgl. KOWALKE, H., Sachsen, S. 419ff.

[28] Vgl. KOWALKE, H., Sachsen, S. 419ff.

[29] Vgl. ROSCHMANN, E. / WIRTH, J., Hoyerswerda, S. 7.

[30] Vgl. HEMPEL, K.-H., Hoyerswerda, S. 6.

[31] Vgl. ROSCHMANN, E. / WIRTH, J., Hoyerswerda, S. 8.

[32] Vgl. HEMPEL, K.-H., Hoyerswerda, S. 7.

[33] Vgl. ROSCHMANN, E. / WIRTH, J., Hoyerswerda, S. 8.

[34] Vgl. HÜBNER, P., Zum Kohle- und Energieprogramm, S. 197.

[35] HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 3f.

[36] HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 17.

[37] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 31.

[38] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 20f.

[39] Vgl. VEB KOMBINAT SCHWARZE PUMPE (Hrsg.), Zwanzig Jahre, S. 11.

[40] HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 31f.

[41] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 36f, Hervorhebung im Original.

[42] SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 22.

[43] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 27.

[44] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 41.

[45] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 22.

[46] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, Plan S. 8 und Tabelle S. 23.

[47] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 93.

[48] SCHERF, K., Ökonomische und soziale Geographie der DDR, S. 148.

[49] BERLINER ZEITUNG , Schwarze Pumpe – lichtvolle Zukunft, S. 10.

[50] REIMANN, B., Ankunft im Alltag, S. 29.

[51] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 22f.

[52] TRIBÜNE, Großbaustelle Schwarze Pumpe, S. 5.

[53] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 25f.

[54] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 27.

[55] Vgl. SAPMO-BArch, ZPA, ohne Signatur vom 10.8.1955.

[56] Vgl. DURTH, W., Aufbau, S. 531.

[57] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 31.

[58] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 493.

[59] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 490.

[60] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 492-495.

[61] DURTH, W., Ostkreuz, S. 496.

[62] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 38 – 46.

[63] Das Wohnungsprogramm der KPD, S. 49.

[64] Vgl. HANNEMANN, C., Die Platte, S. 37ff.

[65] Das Wohnungsprogramm der KPD, S. 51.

[66] Vgl. Der Kampf gegen den Formalismus, S. 434 und. S. 439.

[67] BOLZ, L., Vom deutschen Bauen, S. 56.

[68] HOFFMANN, E., Ideologische Probleme der Architektur, S. 75.

[69] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 61.

[70] Vgl. KARGER, A.,/WERNER, F., Die sozialistische Stadt, S. 521.

[71] Vgl. WALLERT, W., Sozialistischer Städtebau in der DDR, S. 180f.

[72] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 65.

[73] KARGER, A.,/WERNER, F., Die sozialistische Stadt, S. 519.

[74] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 55f.

[75] Vgl. KARGER, A.,/WERNER, F., Die sozialistische Stadt, S. 521.

[76] Vgl. RICHTER, D., Die Sozialistische Großstadt, S. 184.

[77] Grundsätze des Städtebaus, In: Der Städtebau in der DDR. Ein Beitrag zum deutschen Aufbau. Hrsg.: Ministerium für Aufbau der DDR, Berlin 1950. (folgend zitiert aus: DURTH, W., Aufbau, S. 84–87.)

[78] HUNGER, G., Die Bedeutung großer Neubaugebiete, S. 595.

[79] Vgl. FLIERL, B., Stadtgestaltung in der ehemaligen DDR als Staatspolitik, S. 51.

[80] HAIN, S., Die andere Charta, S. 60.

[81] HAIN, S., Die andere Charta, S. 56.

[82] Vgl. DURTH, W., Aufbau, S. 86f.

[83] DURTH, W., Aufbau, S. 85.

[84] WALLERT, W., Sozialistischer Städtebau in der DDR, S. 177.

[85] Vgl. HANNEMANN, C., Die Platte, S. 51.

[86] Vgl. RICHTER, D., Die Sozialistische Großstadt, S. 186.

[87] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 141f.

[88] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 132.

[89] Besser, billiger und schneller bauen, S. 50.

[90] HANNEMANN, C., Die Platte, S. 57.

[91] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 139f.

[92] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 134-138.

[93] Bekanntmachung des Beschlusses des Ministerrats, S. 298.

[94] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 132.

[95] Vgl. KARGER, A., WERNER, F., Die sozialistische Stadt, S. 526.

[96] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 490.

[97] Vgl. KÜMMEL, D., Hoyerswerda-Neustadt, S. 241 u. 243.

[98] Siehe dazu Punkt 4.2.

[99] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 496.

[100] Vgl. BArch-Po HD 1, Bündel 1425, abgedruckt in: W. Durth, Aufbau, S. 538.

[101] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 496, Abbildung aus: DURTH, W., Ostkreuz, S. 496.

[102] Vgl. BArch- Po HD 1, Bündel 1425, abgedruckt in: W. Durth, Aufbau, S. 538.

[103] CONRADS, U., Städtebaulicher Ideenwettbewerb für die neue Wohnstadt Hoyerswerda, S. 100.

[104] CONRADS, U., Städtebaulicher Ideenwettbewerb für die neue Wohnstadt Hoyerswerda, S. 105.

[105] CONRADS, U., Städtebaulicher Ideenwettbewerb für die neue Wohnstadt Hoyerswerda, S. 106.

[106] DURTH, W., Ostkreuz, S. 505.

[107] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 22.

[108] Vgl. KÜMMEL, D., Hoyerswerda-Neustadt, S. 243.

[109] Vgl. DURTH, W., Aufbau, S. 86.

[110] BYLINKIN, N., Stalins städtebauliche Grundsätze, In: Studienmaterialien, Heft 5, 1953.

[111] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 500.

[112] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 500ff.

[113] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 503.

[114] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 87.

[115] Protokoll über das Preisgericht zur Entscheidung des innerbetrieblichen Wettbewerbs über die Ausarbeitung von Ideenskizzen für die Stadtplanung Hoyerswerda, 9. September 1955, Archiv Martin Röser, unveröffentlicht.

[116] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 504f, Abbildung aus: DURTH, W., Ostkreuz, S. 503.

[117] Vgl. HUNGER, G., Die Bedeutung großer Neubaugebiete, S. 596.

[118] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 505f, und HEMPEL, K.-H., Hoyerswerda, S. 18f.

[119] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 22.

[120] Vgl. VEB KOMBINAT SCHWARZE PUMPE (Hrsg.), Zwanzig Jahre, S. 50f.

[121] SAPMO-BArch DY 30 IV 2 / 603 / 64, Bl. 439, vom 16.3.1962.

[122] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 23f.

[123] BLHA Bz. Ctb. Rep. 931 IV / 4 /13 / 067 vom 22.02.1961.

[124] SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 26f.

[125] Vgl. KÜMMEL, D., Hoyerswerda-Neustadt, S. 246f.

[126] REIMANN, B., Ich bedaure nichts, S. 358.

[127] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 506f.

[128] REIMANN, B., Abschied, S. 27f.

[129] REIMANN, B., Abschied, S. 146f, (Hervorhebung im Original).

[130] Vgl. DURTH, W., Ostkreuz, S. 488.

[131] Vgl. SAPMO-BArch DY 30 IV 2 / 603 / 64, Bl. 417, 07.03.1962.

[132] Vgl. BLHA Bez. Ctb. Rep. 930 IV / 2 / 6 / 739, 06.10.1955.

[133] Vgl. SAPMO-BArch DY 30 IV 2 / 603 / 64, Bl. 420f, 16.03.1962.

[134] Vgl. BLHA Bez. Ctb. Rep. 930 IV / 2 / 6 / 739, November 1962.

[135] Vgl. SAPMO-BArch DY 30 IV 2 / 603 / 64, Bl. 418, 07.03.1962.

[136] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 90.

[137] Vgl. WALLERT, W., Sozialistischer Städtebau in der DDR, S. 181.

[138] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 79.

[139] Vgl. KÜMMEL, D., Hoyerswerda-Neustadt, S. 247.

[140] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 100.

[141] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 22.

[142] RICHTER, D., Die Sozialistische Großstadt, S. 186.

[143] Vgl. HANNEMANN, C., Die Platte, S. 54f.

[144] Vgl. HANNEMANN, C., Die Platte, S. 62.

[145] Vgl. HANNEMANN, C., Die Platte, S. 62f.

[146] REIMANN, B., Abschied, S. 59f.

[147] Vgl. ROTHER, K., Deutschland – die östliche Mitte, S. 161.

[148] Vgl. ROTHER, K., Deutschland – die östliche Mitte, S. 161.

[149] Vgl. SCHERF, K., Ökonomische und soziale Geographie der DDR, S. 148 – 151.

[150] Vgl. SCHERF, K., Ökonomische und soziale Geographie der DDR, S. 152.

[151] Vgl. GEORGI, B., Braunkohlenabbau und Landschaftshaushalt, S. 345.

[152] GUNDERMANN, G., Rockpoet und Baggerfahrer, S. 32f.

[153] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 36 und ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 52f.

[154] Vgl. VEB KOMBINAT SCHWARZE PUMPE (Hrsg.), Zwanzig Jahre, S. 60.

[155] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 43ff.

[156] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 47.

[157] HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 38.

[158] Vgl. HÜBNER, P. / RANK, M., Schwarze Pumpe, S. 36 und ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 200.

[159] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 91.

[160] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Beschäftigte im Bergbau, S. 1.

[161] HUNGER, G., Die Bedeutung großer Neubaugebiete, S. 599f.

[162] FLIERL, B., Stadtgestaltung in der ehemaligen DDR als Staatspolitik, S. 52.

[163] Vgl. KÜMMEL, D., Hoyerswerda – Neustadt, S. 247.

[164] Vgl. HEMPEL, K.-H., Hoyerswerda, S. 20.

[165] REIMANN, B., Abschied, S. 60.

[166] REIMANN, B., Abschied, S. 225.

[167] REIMANN, B., Abschied, S. 212f

[168] Vgl. HUNGER, G., Die Bedeutung großer Neubaugebiete, S. 601.

[169] REIMANN, B., Franziska Linkerhand, S. 390.

[170] Vgl. HOSCISLAWSKI, T., Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, S. 174.

[171] HUNGER, G., Die Bedeutung großer Neubaugebiete, S. 607.

[172] WALLERT, W., Sozialistischer Städtebau in der DDR, S. 182.

[173] Vgl. WALLERT, W., Sozialistischer Städtebau in der DDR, S. 182.

[174] FLIERL, B., Stadtgestaltung in der ehemaligen DDR als Staatspolitik, S. 58.

[175] REIMANN, B., Ich bedaure nichts, S. 330.

[176] Siehe Punkt 4.6.

[177] Vgl. HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 10.

[178] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 12.

[179] Vgl. HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 18f.

[180] Siehe Überschrift: HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus.

[181] Vgl. HEMPEL, K.-H., Hoyerswerda, S. 19.

[182] Vgl. STAATLICHE ZENTRALVERWALTUNG FÜR STATISTIK (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1957, S. 20; 1960/61, S. 27; 1966, S. 16; 1971, S. 12, 1976, S. 10; 1981, S. 12; 1986, S. 10; 1990, S. 10.

[183] Siehe Tabelle 1.

[184] Vgl. SOLDT, R., Von Eisenbiegern und Brikettpressern, S. 93.

[185] Ergibt sich aus: STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 1990 Bezirk Cottbus, S. 31, und 2. STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S. 389.

[186] Vgl. STAATLICHE ZENTRALVERWALTUNG FÜR STATISTIK (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1989, S. 368f.

[187] Vgl. STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S. 406f.

[188] Ergibt sich aus: STATISTISCHES BUNDESAMT (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der BRD 1991, S. 1991 und STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S. 10.

[189] Ergibt sich aus: STAATLICHE ZENTRALVERWALTUNG FÜR STATISTIK (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1989, S. 1, 17, 360.

[190] Ergibt sich aus: RUDOLPH, H., Beschäftigungsstrukturen in der DDR vor der Wende, S. 487.

[191] Vgl. RUDOLPH, H., Beschäftigungsstrukturen in der DDR vor der Wende, S. 487.

[192] Vgl. GROß, J. u.a., Arbeitmarktpolitischer Handlungsbedarf, S. 192.

[193] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 196.

[194] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 131.

[195] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 68.

[196] Vgl. GUSINSKI, G. v., Vom Plan zum Markt, S. 23ff.

[197] Vgl. GÖRTEMAKER, M., Kleine Geschichte der BRD, S. 380f.

[198] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 62ff.

[199] Zahlenwerte errechnet aus: WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 46.

[200] Vgl. WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 41ff.

[201] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 50f.

[202] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 93f.

[203] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 126.

[204] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 87.

[205] Vgl. WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 42.

[206] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 209.

[207] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 133ff.

[208] Vgl. SCHULZ, F., Drei Jahrhunderte, S. 162.

[209] Vgl. WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 45.

[210] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 136f.

[211] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 24.

[212] Vgl. WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 45.

[213] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 139.

[214] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 200.

[215] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 96.

[216] Vgl. APEL, H., Zerstörte Illusionen, S. 138f.

[217] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Beschäftigte im Bergbau, S. 1.

[218] Vgl. GROß, J. u.a., Arbeitmarktpolitischer Handlungsbedarf, S. 192.

[219] Hierfür liegen Daten vor, In: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Erwerbstätige der Stadt, S. 2f.

[220] Ergibt sich bei einer Erwerbsquote von ca. 89 %, siehe Punkt 6.5.

[221] Zahl beinhaltet alle Personen im Alter von 15 bis unter 65 (männlich) bzw. 60 (weiblich) zuzüglich 5/12 der Personen des Altersjahres von 14 bis unter 15 und ergibt sich aus Angaben in: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1997, 1998, 1999, S. 17.

[222] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Erwerbstätige der Stadt, S. 3.

[223] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1997, 1998, 1999, S. 17.

[224] Vgl. STATISTISCHES LANDESAMT DES FREISTAATS SACHSEN (Hrsg.), Erwerbstätige im Freistaat Sachsen 1991 – 2000, S. 8f.

[225] ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 76.

[226] Siehe hierzu Tabelle 3 unter Punkt 7.5.

[227] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 24.

[228] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Erwerbstätige der Stadt, S. 2ff.

[229] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 5.

[230] Vgl. HAMACHER, W., Stadtumbau, S. 80.

[231] Vgl. WIRTSCHAFTSVERBAND KOHLE (Hrsg.), Jahresbericht 2001, S. 45 und 51.

[232] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistischer Bericht Januar 2002, S. 4.

[233] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 25.

[234] TRIBÜNE, Großbaustelle Schwarze Pumpe, S. 5.

[235] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 25.

[236] RICHTER, D., Die Sozialistische Großstadt, S. 183.

[237] DER SPIEGEL, Selbstbewußtsein auf Null, S. 94.

[238] Vgl. ESPAG (Hrsg.), Geschichte eines Unternehmens, S. 76.

[239] Vgl. GÖRTEMAKER, M., Kleine Geschichte der BRD, S. 384 – 387.

[240] REPKE, I. u.a., Wieder der doofe Rest?, S. 44.

[241] REPKE, I. u.a., Wieder der doofe Rest?, S. 43.

[242] Vgl. PANNENBORG, R, u.a., Treck aus der Tristesse, S. 52.

[243] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 24.

[244] Vgl. HARTH, A. u.a., Soziale Segregation, S. 39ff.

[245] Vgl. HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 19.

[246] Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der BRD 1991, S. 61.

[247] Schätzung

[248] Siehe Punkt 7.6.

[249] Einwohner am 31.12. 1989: 67.880 (aus: STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 1990 Bezirk Cottbus,, S. 25.)

[250] Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der BRD 1992, S. 59.

[251] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 22.

[252] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 22.

[253] Für 1988 vgl. STAATLICHE ZENTRALVERWALTUNG FÜR STATISTIK (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der DDR 1989, S. 10 und für die Jahre 1989 bis 1993 vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 4.

[254] Vgl. für die Jahre 1994 - 2001 STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten 2003, S. 3f.

[255] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 22-25.

[256] 1993 Bröthen/Michalken, 1994 Knappenrode, 1996 Schwarzkollm/Zeißig, 1998 Dörgenhausen.

[257] Ergibt sich aus STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 23f.

[258] Ergibt sich aus STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 23ff.

[259] Ergibt sich aus STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 22f.

[260] Ergibt sich aus: FISCHER, A., Entwicklung des Landkreises Kamenz, S. 55.

[261] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 24.

[262] STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 6.

[263] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 20.

[264] Schätzung anhand: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 29.

[265] Ergibt sich aus: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 13.

[266] Schätzung anhand: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 9.

[267] Werte 1996 vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 20, Werte 2001 vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 13.

[268] REPKE, I. u.a., Wieder der doofe Rest?, S. 43.

[269] KIL W., Vineta ohne Glocken, S. 20f.

[270] PANNENBORG, R. u.a., Treck aus der Tristesse, S. 58.

[271] PANNENBORG, R. u.a., Treck aus der Tristesse, S. 56, (Hervorhebung im Original).

[272] Vgl. SAPMO-BArch DY 30 IV 2 / 603 / 64, Bl. 439, vom 16.3.1962.

[273] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 19 und 30.

[274] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 11.

[275] Errechnet aus: 1996: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistischer Bericht Dezember 2001, S. 4, 1997-1999: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 20ff, 2000: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 12.

[276] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistischer Bericht Dezember 2001, S. 4.

[277] Errechnet aus: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 13.

[278] Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch für die BRD 2001, S. 71.

[279] Errechnet aus: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 30.

[280] Errechnet aus: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistischer Bericht Dezember 2001, S. 4.

[281] Vgl. STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 1990 Bezirk Cottbus, S. 35.

[282] Vgl. STATISTISCHES AMT DER DDR (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 1990 Bezirk Cottbus, S. 31.

[283] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 22.

[284] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 9.

[285] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 8f.

[286] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 6.

[287] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 46.

[288] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 6.

[289] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 23.

[290] Errechnet sich aus: Anhang zu 8.6.

[291] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 1995/1996, S. 23.

[292] Errechnet sich aus: Anhang zu 8.6.

[293] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Wohnen 04/2001, S. 6.

[294] Vgl. BOTTWAR, G., Städtebauliche Umgestaltung, S. 95.

[295] Vgl. BORST, R., Volkswohnungsbestand in Spekulantenhand?, S. 108.

[296] HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 33.

[297] Vgl. BORST, R., Volkswohnungsbestand in Spekulantenhand?, S. 109f.

[298] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 10/17.

[299] Vgl. www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/Kreditprogramme .../Altschulde.js. abgerufen am 01.10.2002.

[300] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 7.

[301] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 7.

[302] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 99, Anlage 1, S. 16; WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 2.

[303] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Beteiligungsbericht 2000, S. 17; WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 8.

[304] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 4; WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 17.

[305] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 24.

[306] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 5.

[307] GÖTZ, P., Stadtumbau – eine aktuelle Aufgabe der Stadtpolitik, S. 12.

[308] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 23.

[309] Vgl. Punkt 8.2.

[310] REIMANN, B., Abschied, S. 212f.

[311] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 26.

[312] NAMYSLOH, J., Städte sind Seismographen gesellschaftlicher Entwicklung, S. 103.

[313] Verfasser des Zitats unbekannt.

[314] SCHMIDT, M., Auf der Suche nach einer Zukunft der Stadt, S. 81.

[315] Vgl. HAMACHER, W., Aufgaben und Möglichkeiten, S. 68.

[316] STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 17.

[317] KÖLLNER, M., Das Baukonzept für die Zukunft, S. 261.

[318] Vgl. LAMBERT, H., Städte im Umbau, S. 85.

[319] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 7.

[320] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 19.

[321] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Wohnen 04/2001, S. 9.

[322] Vgl. FAßL, M., Konzept zur Wohnungsbestandsentwicklung, S. 91.

[323] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 9.

[324] Vgl. BOTTWAR, G., Soziales, sicheres und solides aber gleichzeitig komfortables Wohnen, S. 22.

[325] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 8ff.

[326] Vgl. FAßL, M., Konzept zur Wohnungsbestandsentwicklung, S. 91; WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 99, Anlage S. 14; ders. Geschäftsbericht 00, S. 2.

[327] Vgl. BOTTWAR, G., Städtebauliche Umgestaltung, S. 96.

[328] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht, S. 7, STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Beteiligungsbericht 2000, S. 25.

[329] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 21.

[330] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 8.

[331] Vgl. BOTTWAR, G., Städtebauliche Umgestaltung, S. 96.

[332] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 7.

[333] Vgl. WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT HOYERSWERDA eG (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, Anlage 3.

[334] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 92.

[335] Vgl. HAMACHER, W., Stadtumbau, S. 74.

[336] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 25.

[337] Vgl. Anhang zu 8.6.

[338] Vgl. Anhang zu 8.6. Tabelle zu Fußnote 4b.

[339] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 20.

[340] SCHMIDT, M., Auf der Suche nach einer Zukunft der Stadt, S. 82.

[341] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 27/46.

[342] REIMANN, B., Franziska Linkerhand, S. 390.

[343] Vgl. HAMACHER, W., Von der Wohnsiedlung zur Stadt, S. 31.

[344] Vgl. HAMACHER, W., Von der Wohnsiedlung zur Stadt, S. 34ff.

[345] Vgl. SCHMIDT, M., Auf der Suche nach einer Zukunft der Stadt, S. 82.

[346] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 71.

[347] Siehe Punkt 9.6.3 und 9.6.4.

[348] Vgl. HAMACHER, W., Kann sich eine Stadt neben dem Center auf der grünen Wiese behaupten, S. 27ff.

[349] Vgl. HÄUßERMANN, H., Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus, S. 25ff.

[350] Vgl. BOTTWAR, G., Städtebauliche Umgestaltung, S. 97f.

[351] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 26.

[352] Vgl. HAMACHER, W., Aufgaben und Möglichkeiten, S. 68ff.

[353] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Bericht zur Stadtentwicklung 1995 – 2001, S. 41.

[354] Vgl. HAMACHER, W., Aufgaben und Möglichkeiten, S. 72.

[355] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 8f.

[356] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistische Jahresberichte 2000/2001, S. 22ff, u. Punkt 8.3.1.

[357] Siehe Punkt 7.7., 8.7.1 und 8.7.2.

[358] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 6.

[359] Schätzung anhand Punkt 9.2.4.

[360] Auskunft erteilte Frau M. Goldschmidt von der Pressestelle des Arbeitsamtes Bautzen am 5.11.2002.

[361] Eigene Befragung.

[362] Siehe Punkt 8.4.1.

[363] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 11.

[364] Eigene Schätzung und STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 14.

[365] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Statistischer Bericht Januar 2002, S. 4.

[366] Eigene Schätzung nach: STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 9.

[367] Schätzung siehe Punkt 9.2.1. bis 9.2.3.

[368] Vgl. Tab. 1.

[369] Vgl. Punkt 8.2.

[370] Vgl. Nachtrag. In der neusten Prognose des stat. Landesamtes wird für 2015 mit 33.100 bis 32.200 EW für die ganze Gemeinde Hoyerswerda gerechnet, d.h. ca. 27.000 EW für Alt- und Neustadt.

[371] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Wohnen 04/2001, S. 13.

[372] Vgl. Anhang zu 8.6.

[373] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Städtebauliches Leitbild 2030, S. 7.

[374] Vgl. Anhang zu 8.6.

[375] Vgl. Punkt 9.2.4.

[376] Vgl. Punkt 9.2.4.

[377] Vgl. Anhang zu 8.6.

[378] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 10.

[379] WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 19.

[380] Vgl. Punkt 8.6. und Anhang zu 8.6.

[381] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 3f.

[382] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 3f.

[383] Vgl. BOTTWAR, G., Städtebauliche Umgestaltung, S. 97.

[384] Vgl. WOHNUNGSGESELLSCHAFT mbH HOYERSWERDA (Hrsg.), Geschäftsbericht 01, S. 7.

[385] Vgl. Punkt 8.7.2.

[386] Alle Angaben aus eigener Befragung.

[387] KRÜGER, R., Altersheim Deutschlands?, S. 11.

[388] Vgl. FAßL, M., Konzept zur Wohnungsbestandsentwicklung, S. 91.

[389] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 23.

[390] Vgl. HAMACHER, W., Stadtumbau, S. 74.

[391] JORDAN, U., Von Kernstadt bis Stadtkern, S. 5.

[392] JORDAN, U., Von Kernstadt bis Stadtkern, S. 5.

[393] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 25ff.

[394] HAMACHER, W., Stadtumbau, S. 74.

[395] HAMACHER, W., Aufgaben und Möglichkeiten, S. 70.

[396] Vgl. Punkt 8.7.8.

[397] Vgl. KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 26.

[398] Vgl. WINKLER, T., Der Wald erobert Land zurück, S. 10.

[399] Die Differenz zu den prognostizierten 8.248 Rückbau-WE für die Gesamtstadt ergibt sich, da hier der Rückbau des Jahres 2002 (665 WE) schon eingerechnet wurde.

[400] Vgl. Punkt 9.4.

[401] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Stadtumbau Ost, S. 23.

[402] Brief an die Hebräer, Kapitel 13, Vers 14.

[403] Presseartikel der ZEIT IM BILD ist abgedruckt in: KÜMMEL, D., Hoyerswerda – Neustadt, S. 241.

[404] BLHA Bz. Ctb. Rep. 931 IV / 4 /13 / 067 vom 22.02.1961.

[405] Vgl. REIMANN, B., Ich bedaure nichts, S. 358.

[406] KÜMMEL, D., Hoyerswerda – Neustadt, S. 241.

[407] Vgl. Punkt 7.5.

[408] KÜHNE, L., Haus und Landschaft, S. 239.

[409] PANNENBORG, R. u.a., Treck aus der Tristesse, S. 58.

[410] Vgl. WINKLER, T., Studentenidee: Stadt völlig abreißen, S. 11.

[411] KIL, W., Vineta ohne Glocken, S. 23.

[412] Vgl. STADT HOYERSWERDA (Hrsg.), Strukturdaten der Stadt, S. 21.

49 von 50 Seiten

Details

Titel
Hoyerswerda - Abschied Ost? - Aufstieg und Fall der zweiten sozialistischen Wohnstadt der DDR
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,1
Autor
Jahr
2002
Seiten
50
Katalognummer
V108876
Dateigröße
857 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es geht um Braunkohle, das Kombinat Schwarze Pumpe, den sozialistischen Wohnungsbau, die Platte und den Plattenbau, Hoyerswerda und die zweite sozialistische Wohnstadt der DDR
Schlagworte
Hoyerswerda, Abschied, Aufstieg, Fall, Wohnstadt
Arbeit zitieren
Marco Rumler (Autor), 2002, Hoyerswerda - Abschied Ost? - Aufstieg und Fall der zweiten sozialistischen Wohnstadt der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108876

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