Eine Illusion der Macht: Die Atombombe in der amerikanischen Politik gegenüber der Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkrieges


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: Sehr gut


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Inhaltsverzeichnis

1. Das Manhattan-Projekt

2. Verschiedene Möglichkeiten im Umgang mit dem Atomwaffenmonopol

3. Europa im Visier der Grossmächte

4. Die Frage sowjetischer Schützenhilfe im Krieg gegen Japan

5. Der Trinity-Test und die Konferenz in Berlin

6. Hiroshima und Nagasaki

7. Fazit

8. Bibliographie

Die erste Atomexplosion der Geschichte am 16. Juli 1945 auf dem Versuchsgelände Alamogordo in New Mexico stellte nicht nur eine Zäsur bezüglich der künftigen Kriegsführung dar, mit dem erfolgreichen «Trinity-Test» waren die USA definitiv im alleinigen Besitz der neuen Atomtechnologie. Hinsichtlich dieser Arbeit stellen sich mir zwei Fragen: Erstens, welche Pläne und Überlegungen bezüglicher ihrer Aussenpolitik und der Gestaltung der Nachkriegsordnung ergaben sich am Ende des Zweiten Weltkrieges für die Administration Truman aus dem Monopol auf die Atombombe? Zweitens, wie drückten sich die Konzepte realpolitisch aus, welche Politik wurde schliesslich effektiv betrieben? Dabei soll auf die Rolle der Politik gegenüber der Sowjetunion fokussiert werden. Der Einfluss Grossbritanniens und andere machtpolitische Wechselwirkungen sind dabei keinesfalls unwichtig, werden jedoch hier ausgeblendet.

1. Das Manhattan-Projekt

Der Trinity-Test ist in der Tat der Abschluss eines der gigantischsten Unternehmen des Zweiten Weltkrieges - des «Manhattan-Projekts». Als Albert Einstein 1939 in einem Brief an Präsident Roosevelt auf die Möglichkeit hinwies eine «extrem wirksame Bombe eines neuen Typs» konstruieren zu können, waren die Wissenschaftler tatsächlich noch weit von einer Verwirklichung ebendieser entfernt.1 Zu Beginn war es die Furcht vor einer deutschen Atombombe, welche die Wissenschaftler und dem Präsidenten als Motiv diente; die Gefahr war durchaus real, denn auch Hitler hatte ein Atomprogramm betrieben.2 Deshalb wollte Roosevelt den Nazis unbedingt zuvorkommen. In den ersten Jahren erzielte das Projekt keine grossen Fortschritte. Erst als es im Sommer 1942 aufgewertet und die gewaltige Summe von 2,5 Milliarden Dollar bewilligt worden war, kam die Arbeit in Schwung. Das Militär hatte nun die vollumfänglichen Kompetenzen, General Leslie Groves übernahm das Kommando. Sofort wurde mit Restrukturierungen begonnen und die Arbeit auf die neue Forschungsstätte in Los Alamos in der Wüste von New Mexico konzentriert - mit Robert J. Oppenheimer als Hauptverantwortlichem. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten zeitweilig über 100'000 Personen am Projekt.3

Die ganze Zeit über wurde alles äusserst geheim gehalten. Dirk Bavendamm schreibt dazu: «Tatsächlich war das ganze grauenvolle Geheimnis der Atombombe noch im Februar 1945 jenseits des Atlantiks nur dem Präsidenten, zwei Mitgliedern seines Kabinetts, Stimson und Stettinius [damaliger Aussenminister], einer Handvoll von Wissenschaftlern, vier Kongressleuten und einigen Gewerkschaftsführern bekannt. Der Rest der Welt tappte mit der Ausnahme Churchills und einiger anderer Briten über die Bedeutung von ‹Tube Alloys›, ‹X› oder ‹S-1› - so die Decknamen auf britischer und amerikanischer Seite - bis zu jenem Blitz, der die Wüste von New Mexico im Sommer 1945 heller erleuchtete als tausend Sonnen, vollkommen im Dunkeln. Selbst Roosevelts Vize-Präsident und Nachfolger, Harry S. Truman, wurde erst nach seiner Amtseinführung eingeweiht.»4

2. Verschiedene Möglichkeiten im Umgang mit dem Atomwaffenmonopol

Zum ersten Mal in Kontakt mit der Atombombe kam der neue Präsident nach der ersten Kabinettsitzung, als ihm Kriegsminister Henry Stimson eröffnete, dass die USA in der nächsten Zeit einen «neuen Explosivstoff von fast unglaublicher Zerstörungskraft» zur Verfügung haben würden.5

Am 25. April 1945 wurde die Angelegenheit dann erstmals umfassend diskutiert; anwesend an diesem höchst geheimen Treffen waren neben Truman, Henry Stimson und Leslie Groves. Stimson unterbreitete dem Präsidenten ein «memorandum which dealt not so much with the military use of the bomb as with its long-range political meaning», wie der Kriegsminister in seinen Memoiren festhielt.6 Diese Beschreibung zeigt sehr genau die beiden Aspekte der neuen Waffe auf, oder der beiden «Schienen» wie es Alperovitz formulierte, nämlich eine militärische und eine strategisch-politische.

Militärisch gesehen, hat die Atombombe die Bedeutung als «legitime Waffe» erlangt, die im Krieg zur Massenvernichtung eingesetzt werden konnte - das galt nicht erst seit Hiroshima, schon Roosevelt hatte klare Vorstellungen über den militärischen Nutzen der neuen Waffe. In einem Aide-mémoire hatten Roosevelt und Churchill 1944 in Hyde Park festgelegt, dass die Möglichkeit bestand, die Atombombe gegen Japan einzusetzen - dies so lange, bis das Land kapitulieren würde.7 Ob Roosevelt sie auch gegen Deutschland eingesetzt hätte, bleibt unklar; da das Nuklearprogramm jedoch aus diesem Grund ins Leben gerufen worden war, ist der Gedanke durchaus realistisch. Der Wille zur Massenvernichtung von Menschenleben war jedoch angesichts der alliierten Luftangriffe auf Hamburg und Dresden, bei denen Hunderttausende von Zivilisten ums Leben kamen, ganz klar vorhanden.8 Im Bombenkrieg gegen Japan wurde die Brutalität der Massenvernichtung noch weiter gesteigert. Am 9. März 1945 brachten amerikanische Bombenteppiche die Atmosphäre über Tokio zum Glühen; schätzungsweise 130'000 Menschen starben im Feuersturm.9 Völkermord war zum legitimen Mittel geworden.10 Darin reihte sich auch die Atombombe ein; trotzdem ging ihre militärische Bedeutung noch darüber hinaus: Um eine Stadt zu vernichten, brauchte es nur noch eine einzige Bombe und die radioaktive Verseuchung verursachte schlimme Langzeitschäden an Mensch und Natur. Diese überwältigende, brutale Zerstörungskraft war es, welche die Amerikaner auf eine japanische Kapitulation hoffen liess. Eine rein militärische Betrachtung wird dem Gesamtproblem jedoch nicht gerecht. Schon allein die Tatsache, dass Europa und Fernost - die zwei Hauptfokusse der amerikanischen Aussenpolitik im Frühling und Sommer 1945 - geographisch an das Sowjetreich grenzen, ist Indikator genug, um zu zeigen, dass amerikanische Aktivitäten im Zusammenhang mit Europa und Fernost immer auch im Zusammenhang mit Sowjetrussland standen. Nun zurück zu Henry Stimson und der Besprechung vom 25. April. Der zu diesem Zeitpunkt 77-jährige Politiker hatte schon zum vierten Mal einen Ministerposten inne. Zudem war er Generalgouverneur auf den Phillipinen gewesen, hatte diplomatische Sonderaufträge in Südamerika übernommen und im ersten Weltkrieg gekämpft.11 All dies gab dem Republikaner eine reiche aussenpolitische Erfahrung und taktische Fähigkeiten mit - um Interessen durchzusetzen, war er «gelegentlich durchaus bereit, Kurven zu schneiden, die Warheit zurechtzutrimmen und Kontrolle auszuüben, um die Presse zu manipulieren».12 Der Sohn eines Bankiers und Arztes hat hinsichtlich der Atombombe die Lage meist differenziert und besonnen beurteilt - was auch aus seinen Tagebucheinträgen ersichtlich wird. Moralische Bedenken bezüglich der Entscheidung zum Abwurf der Atombombe waren immer wieder aufgetaucht, doch auch Stimson war in erster Linie Machtpolitiker und so mussten andere Anliegen zurückstehen.13 Nachdem Stimson im September 1945 in den Ruhestand getreten war, begann er zusamen mit George McBundy seine Autobiographie zu schreiben - ein Schriftstück, das mit kritischem Blick zu lesen ist, denn «Stimsons und Bundys Arbeit an den Memoiren wurde eindeutig davon beeinflusst, dass sie sich davor hüteten, während der ersten Jahre des Kalten Krieges der amerikanischen Politik in den Rücken zu fallen».14 Zwischen der nachträglich von der Regierung propagierten Version über die Hintergründe der Atombombeneinsätze und den tatsächlichen Vorgängen bestanden nämlich massive Diskrepanzen. An dieser Irreführung war auch Stimson beteiligt und so sind Beschönigungen, Wahrheitsbiegungen und Lügen ganz natürlich.15 Dies ist jedoch nicht so gravierend wie bei Trumans Darstellung - nach der Ansicht mancher Historiker war der Präsident im Grunde ein ruhmsüchtiger Opportunist gewesen16 - so begann doch den alt werdenden und von Herzanfällen heimgesuchten Kriegsminister schon kurz nach Hiroshima und Nagasaki das schlechte Gewissen zu plagen.17 Tatsache ist, dass an brisanten Stellen die sehr guten Tagebuchnotizen praktisch nicht verwendet worden waren.18 Gänzlich unbrauchbar sind die Zeilen in den Memoiren jedoch doch nicht, denn oftmals ist es einfach so, dass der Kontext zurechtgebogen worden ist, gewisse Aussagen jedoch durchaus zutreffend und nützlich sind19 - dies gilt auch für Trumans Memoiren, die ebenfalls ab und zu zitiert werden. Ansonsten sind jedoch die Foreign Relations of the United States, inklusive der darin enthaltenen Tagebucheinträge Stimsons, und der Appendix in Sherwins Buch viel verlässlicher.

In den ersten Absätzen des Memorandums legt Stimson klar die revolutionären Möglichkeiten der Atombombe dar. Er bezeichnet sie als «the most terrible weapon ever known in human history, one bomb which could destroy a whole city»20. Die USA hatten zu diesem Zeitpunkt nicht nur das Monopol auf den gesamten Herstellungsprozess, sondern kontrollierten auch sämtliche dafür benötigten Ressourcen.21 Stimson war sich im Klaren, dass diese Vormachtstellung nicht für immer existieren würde:

[…] physically the U.S. is at present in the position of controlling the resources with which to construct and use it and no other nation could reach this position for some years.

Nevertheless it is practically certain that we could not remain in this position indefinitely. […]

As a result, it is indicated that the future may see a time when such a weapon may be constructed in secret and used suddenly and effectively with devastating power by a wilful [sic] nation or group against an unsuspecting nation or group of much greater size and material power. With its aid even a very powerful unsuspecting nation might be conquered within a very few days by a very much smaller one, although probably the only nation which could enter into production within the next few years is Russia.

The world in its present state of moral advancement compared with its technical development would be eventually at the mercy of such a weapon. In other words, modern civilization might be completely destroyed.22

Welche weitreichenden und gravierenden Konsequenzen die neue Waffe haben konnte, war Stimson genau bewusst, die Machtverhältnisse würden durch die Atombombe stark in Bewegung geraten und ein Atomkrieg würde alles zerstören können. Die grösste Konkurrenz für das amerikanische Monopol wurde vor allem in der Sowjetunion geortet. Es galt also zu verhindern, dass die neue Technologie ausser Kontrolle geriet. Dazu erörterte Stimson verschiedene Möglichkeiten:

[…] 6. To approach any world peace organization of any pattern now likely to be considered, without an appreciation by the leaders of our country of the power of this new weapon, would seem to be unrealistic. No system of control heretofore considered would be adequate to control this menace. Both inside any particular country and between the nations of the world, the control of this weapon will undoubtedly be a matter of greatest difficulty and would involve such thorough-going rights of inspection and internal controls as we have never heretofore contemplated.23

Der erste Gedanke galt einer internationalen Kontrollorganisation, ein Ansatz, der besagt, dass nur kollektive Sicherheit dauerhafte und stabile Verhältnisse gewährleisten kann.

Präsident Roosevelt und Präsident Wilson haben diese Position stark vertreten. Roosevelts Vertrauen in kollektive Sicherheit hörte jedoch bei der Atombombe auf.24 Der Physiker Niels Bohr hielt es jedoch für unumgänglich, die Atomenergie ebenfalls unter internationale Kontrolle zu stellen - eine Ansicht, für die er auch Roosevelt zu gewinnen versuchte. Bohr wies darauf hin, dass «international control of atomic energy was only possible in an ‹open world›, a world in which each nation could be confident that no potential enemy was engaged in stockpiling atomic weapons. […] International inspectors must be granted full access to all military and industrial complexes and full information about new scientific discoveries».25 Genau an diesem Punkt markierte Stimson das Problem. Diese Art von Kontrollen seien «eine Sache von grösster Schwierigkeit». Kurz, es sei technisch nicht möglich. Ob dieses Argument nur vorgeschoben war, wird nicht klar. Darin verschachtelt ist ein zweites Argument, das eher politischer Natur ist. Die grosse Macht der Atombombe müsse von den Verantwortlichen unbedingt bedacht werden, meint Stimson am Anfang. Und zu den Kontrollen fügte er hinzu, dass diese in einem solch grossen Ausmass gar nie beabsichtigt worden seien. Ein internationales Kontrollsystem widersprach also den nationalen Interessen der USA. Stimson fuhr fort:

7. Furthermore, in the light of our present position with reference to this weapon, the question of sharing it with other nations and, if so shared, upon what terms, becomes a primary question of our foreign relations. Also our leadership in the war and in the development of this weapon has placed a certain moral responsibility upon us which we cannot shirk without very serious responsibility for any disaster to civilization which it would further.26

In diesem Abschnitt widmete sich der Kriegsminister einer weiteren Möglichkeit zur Wahrung der Sicherheit - bilaterale Zusammenarbeit und offener Informationsaustausch mit anderen Staaten. Diese Alternative hat Stimson hingegen ernsthaft in Betracht gezogen. Immerhin bezeichnete er sie als «zentrale Frage für unsere aussenpolitischen Beziehungen» und stellt die Frage, unter welchen Bedingungen mit anderen Ländern Informationen geteilt werden solle. Diese Bemerkung zeigt, dass Stimson die bilaterale Option für realpolitisch machbar hält. Es wird kein Land explizit genannt, doch es drängt sich die Sowjetunion auf. Ein letzter Punkt legt folgendes dar:

8. On the other hand, if the problem of the proper use of this weapon can be solved, we would have the opportunity to bring the world into a pattern in which the peace of the world and our civilization can be saved.27

Indem Stimson «andererseits» sagt, erhält der darauf folgende Satz ein Moment, das dem vorher genannten Inhalt entgegensteht. Es ist nun nicht mehr von Kooperation mit der UdSSR und anderen die Rede, sondern von unilateralem Vorgehen. Die eigenmächtige und «angemessene Verwendung der Waffe» durch die USA - wie genau wird nicht erwähnt - würde weitere Vorteile als nur Nationale Sicherheit und Weltfrieden bringen, was «darin» enthalten und weiter dazugehören würde, erwähnt Stimson nicht.28 Doch grundsätzlich wird erkenntlich, dass Stimson es für möglich gehalten hat, dass die Atombombe Amerika die Macht verleihen würde, die Welt nach den eigenen Vorlieben und Interessen zu gestalten. Konkretere Informationen bringt eine Aussage von General Groves, die er in einem Bericht über die Unterredung vom 25. April 1945 auf Papier gebracht hat: «A great deal of emphasis was placed on foreign relations and particularly on the Russian situation.»29 In Stimsons Memoiren lautet der direkt auf das Memorandum folgende Satz: «And it was already apparent that the critical questions in American policy toward atomic energy would be directly connected with Soviet Russia.»30 Die Art und Weise dieser Verbindung mit der Sowjetunion wird in einer Aussage des späteren Aussenministers Jimmy Byrnes klarer. Truman berichtet in seinen Memoiren:

Byrnes hatte mir bereits gesagt, dass die Atombombe unter Umständen ganze Städte vernichten werde; seiner Meinung nach würde uns dieses neue Kampfmittel in die Lage versetzen, bei Kriegsende unsere Bedingungen zu diktieren.31

Es ging Henry Stimson in der Unterredung vom 25. April primär darum, Präsident Truman im Detail mit der Faktenlage vertraut zu machen, und somit hat er die drei zur Disposition gestandenen Optionen dargelegt. Hierbei wurden aber nur die bilaterale Möglichkeit eines Informationsaustausches und der unilaterale Weg ernsthaft in Betracht gezogen. Welcher der beiden Pfade nun eingeschlagen werden sollte, liess Stimson offen.

3. Europa im Visier der Grossmächte

Im Frühjahr 1945 hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR stark verschlechtertet. Streitpunkt war vor allem die Polenfrage. Wie schon in Jalta drehte sich der Konflikt darum, wer die Regierungsgewalt innehaben sollte. An der Jalta-Konferenz im Februar wurde vereinbart, eine «Regierung der Nationalen Einheit» zu bilden, d.h. die provisorische, sowjetfreundliche Regierung durch Mitglieder der antikommunistischen «Londoner Polen» zu erweitern. In einem weiteren Schritt war vorgesehen, so bald als möglich, allgemeine und freie Wahlen abzuhalten. Stalin war dem nicht nachgekommen, hat entsprechende Aufforderungen zurückgewiesen und somit aus amerikanischer und britischer Sicht die Vereinbarungen verletzt. Das ist im Prinzip richtig, denn der Kompromiss über die provisorische Regierung enthielt klare und konkrete Vorgaben. Andererseits hatten Churchill und Roosevelt Stalins Interesse an einer sowjetfreundlichen Regierung in Polen akzeptiert.32 Tatsächlich wurde Polen zum Testfall gemacht. Truman bemerkte gegenüber dem sowjetischen Aussenminister Molotov, «dass die amerikanische Öffentlichkeit im polnischen Problem ein Symbol für die künftige Entwicklung unserer Beziehungen sehe».33 Mit dem konsequenten Fortschreiten der Roten Armee richtete die UdSSR in allen Ländern stalinistische Marionettenregimes ein - eine Entwicklung, die den amerikanischen und britischen Machthabern überhaupt nicht passte. Um der weiteren «Sowjetisierung» Osteuropas Einhalt zu gebieten, pochte Washington immer auf eine weitere Abmachung von Jalta - die «Erklärung über das befreite Europa». Diese verpflichtete die Siegermächte dazu, in den befreiten Ländern «demokratische Einrichtungen gemäss dem nationalen Selbstbestimmungsrecht einzuführen und hierfür baldmöglichst demokratische Wahlen durchzuführen.» In der Tat standen die Aktivitäten des Kremls im Widerspruch zum nationalen Selbstbestimmungsrecht, ansonsten war die Vereinbarung allgemein und sehr schwach formuliert, ausdrücklich ohne konkrete Umsetzungsmassnahmen.34 Klarere Abmachungen waren zuvor an der Konferenz von Moskau im Oktober 1944 zwischen Churchill und Stalin zu Stande gekommen. Rumänien, Bulgarien und Ungarn sollten zur sowjetischen, Griechenland zur britischen und Jugoslawien hälftig zur sowjetischen und britischen Interessensphäre gehören. Anfang 1945 gestanden schliesslich auch die USA der Roten Armee volle Kontrollbefugnisse in den von ihr besetzten Ländern zu.35 Angesichts dessen entbehrte ein amerikanisches Einmischen in sowjetische Angelegenheiten jeglicher Grundlage.

Die US-Interessen in Nachkriegseuropa waren machtpolitische und wirtschaftliche. Ein langer Krieg im Pazifik hätte dazu geführt, dass die USA und UK in Europa Truppen hätten abziehen müssen, was wiederum die sowjetische Übermacht weiter vergrössert hätte - und davor fürchteten sich viele amerikanische und britische Strategen enorm.36 Die amerikanische Dominanz in der Geopolitik musste weiter bestehen; eine fortschreitende Machtausweitung der Sowjetunion und ihr Zugriff auf kriegswichtige Infrastruktur, ausgebildete Arbeitskräfte, Rohmaterialien und strategisch günstige Kriegsbasen sollte unbedingt verhindert werden.37 Diese sollten den Westalliierten gehören - denn die Weltordnung nach dem Krieg sollte eine amerikanische sein. Sehr anschaulich zeigt dies die starke Zunahme amerikanischer Überseebasen; am Ende des Krieges hatte sich amerikanisches Militär bereits über den ganzen Planeten verteilt. «Overseas bases would enable the United States to interdict an attack from any source far from American shores», stellt Melvyn Leffler fest.38

Die produktive Wirtschaft war die Grundlage amerikanischer Weltmacht. Deshalb war es ungemein wichtig, dass Ressourcen und Absatzmärkte gesichert bleiben würden. Festlandeuropa und Japan mussten eine prosperierende Wirtschaft aufweisen und in das amerikanische Freihandelssystem eingebunden werden - eine Aufteilung der Weltwirtschaft in einen britischen und sowjetischen Block würde den US-Handel abwürgen, die Wirtschaft in eine Rezession stürzen und wiederum die Arbeitslosigkeit vergrössern. Ebenfalls sollten nationalistische Bewegungen unterbunden werden, weil diese der Sowjetunion zu Gute kommen könnten. «If they failed in these tasks, the correlation of power in the international system would be transformed. The Soviet Union would grow stronger, the United States weaker», meint Leffler dazu.39 Im gleichen Zusammenhang muss erwähnt werden, dass durch den Krieg praktisch ganz Europa zerstört worden war. «They have suffered so much and they believe so deeply that governments can take some action which will alleviate their sufferings»

- so der stellvertretende Staatssekretär Acheson über die europäische Bevölkerung. Stimson wies Truman am 16. Mai 1945 darauf hin, dass alle «damit rechnen, dass es im kommenden Winter in Mitteleuropa zu Seuchen und Hungersnöten kommt. Es muss unter allem Umständen verhindert werden, dass diese Länder durch Hungersnöte in eine Revolution oder in den Kommunismus getrieben werden.»40 Die Atombombe erschien den aus den oben genannten Gründen etwas ins Hintertreffen geratenen Westalliierten deshalb wie ein Geschenk des Himmels - «a badly needed ‹equalizer›, wie Stimson es formulierte.41 Ebenso erhofften sie sich von der neuen Waffe eine Verbesserung der Lage im Pazifik.

4. Die Frage sowjetischer Schützenhilfe im Krieg gegen Japan

«Even the immediate tactical discussion about the bomb involved the Russians. Much of the policy of the United States toward Russia, from Teheran to Potsdam, was dominated by the eagerness of the Americans to secure a firm Russian commitment to enter the Pacific war», umschreibt Stimson in seinen Memoiren die US-Interessen.42

Grundsätzlich galt auch gegenüber Japan die «Unconditional Surrender»-Forderung; das Land sollte gänzlich besiegt und unter amerikanische Besatzung gestellt werden. Der Preis dafür schien hoch zu werden. Tausende von amerikanischen Soldaten liessen bei der Rückeroberung von zum Teil nur kleinen Territorien ihr Leben.43 Eine weitere Verlängerung des Krieges hätte möglicherweise viel militärische und finanzielle Substanz gekostet, die für die Erhaltung der Machtstellung in der Nachkriegszeit unbedingt von Nöten war. Deshalb versuchten die USA die Sowjetunion, zu einem Eintritt in den Krieg gegen Japan zu gewinnenein militärischer Vorteil, der politisch aber ein Nachteil war. Ein möglicher sowjetischer Vorstoss in die Mandschurei und nach Korea bereitete den Planern in Washington grosses Kopfzerbrechen, denn die Macht des Kremls durfte auch im Osten nicht zu gross werden. Das Dilemma wurde vorläufig so gelöst, dass versucht wurde, durch ein Abkommen den sowjetischen Einfluss klar zu begrenzen. Schon an der Konferenz in Kairo im November 1943 hatten dies Roosevelt, Churchill und Chiang Kai-schek festgelegt.44 Im Frühling und Sommer 1945 regte sich starker Widerstand gegen die Zugeständnisse Roosevelts - dahinter standen vehement antikommunistische Kräfte, die sich vor allem im State Department fanden, wie z.B. der Botschafter in Moskau Averell Harriman.45 Doch auch Henry Stimson störte sich an der Situation, wie er rückblickend festhielt, war er im Juni 1945 «disturbed to find that a part of the Russian price was a Soviet lease of Port Arthur and Soviet participation with the Chinese in the control of the Manchurian railways. This agreement was accompanied by a Russian promise to leave the Chinese in full control of Manchuria, but in the light of the Polish situation Russian promises of this character no longer seemed reliable.»46

Washington fürchtete sich nicht nur vor sowjetischen Marionettenregimes in der Mandschurei und Korea, sondern auch vor einer möglichen Schwächung der chinesischen Macht durch Maos Rebellen, was eine Kontrolle des Kremls über ganz Chinas bedeutet hätteein Albtraum für die Machthaber im Weissen Haus.47

Auch noch zu Beginn der Konferenz in Potsdam gingen Truman und seine Berater jedoch davon aus, dass die Sowjets gegen Japan gebraucht würden. An seinem ersten Treffen mit Josef Stalin konnte Truman erfahren, dass die Sowjets Mitte August bereit sein würden, in den Krieg gegen Japan einzutreten und den chinesischen Nationalisten Unterstützung gewähren würden - eine Nachricht, die den Präsidenten sehr freute.48

5. Der Trinity-Test und die Konferenz in Berlin

Die Bombe und die Möglichkeiten, die sich daraus zu ergeben schienen, wurden nun immer mehr zum bestimmenden Faktor in der amerikanischen Politik gegenüber der Sowjetunion. Ein Treffen mit Stalin wurde hinausgeschoben, Oppenheimer und seine Leute «standen unter enormem Druck, vor der Konferenz von Potsdam fertig zu werden».49 In Washington rechnete man fest mit der Bombe. Am Combined Policy Meeting vom 4. Juli im Pentagon, als man auch den Einsatz gegen Japan festlegte, präsentierte Henry Stimson seine Pläne hinsichtlich Potsdam:

The Chairman [Stimson] said he was thinking of an earlier period, viz., the forthcoming meeting with Stalin. His opinion had been very much influenced by the probable use within a few weeks after the meeting. If nothing was said at this meeting about the T.A. weapon [Atombombe], its subsequently early use might have a serious effect on the relations of frankness between the three great Allies.50

Der Abwurf der Nuklearwaffe sollte die amerikanischen Forderungen quasi «unterstreichen», den «Widerstand» der Sowjets brechen und sie konzilianter machen. Stimson verfolgte jedoch immer noch eine Alternative zum unilateralen, harten Kurs, den er im April dem Präsidenten vorgeschlagen hatte. Im Prinzip ist hier die Alternative des bilateralen Informationsaustausches zu erkennen, die der Kriegsminister auch im April als realistisch betrachtet hatte - nur gestalteten sich die Ausführungen jetzt konkreter:

He [Stimson] had therefore advised the President to watch the atmosphere at the meeting. If mutual frankness on other questions was found to be real and satisfactory, then the President might say that work was being done on the development of atomic fission for war purposes; that good progress had been made; and that an attempt to use a weapon would be made shortly, though it was no certain that it would succeed. If it did succeed, it would be necessary for a discussion to be held on the best method of handling the development in the interests of world peace and not for destruction. If Stalin pressed for immediate disclosure the President might say that he was not prepared to take the matter further at the present time.51

Wiederum ist hier die Rede von «Offenheit» - ein Begriff, der unklar bleibt. Im Kontext wird jedoch klar, dass er sich nicht nur auf die Gespräche bezieht, sondern auch auf Entscheidungen. Es ist ein quid pro quo: Wenn die Sowjets kooperieren, würden die Amerikaner auch kooperieren - dies jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze; die USA sollten Taktgeber sein. Kurz gesagt: Zuerst musste Stalin Zugeständnisse machen, dann würde er das Angebot bekommen, darüber zu diskutieren. Er würde jedoch nicht das Recht haben, Forderungen zu stellen. Trotzdem zeigt dieser Vorschlag, dass Stimson weiterhin daran glaubte, das Problem durch gegenseitige Kooperation lösen zu können.

Der Trinity-Test in New Mexico übertraf schliesslich jegliche Erwartungen. Erste Meldungen vom 16. und 17. Juli wurden von den Amerikanern erfreut aufgenommen - schliesslich war man nun endgültig im Besitz der neuen Waffe.52 «The bomb as a merely probable weapon had seemed a weak reed on which to rely, but the bomb as a colossal reality was very different», erinnerte sich Henry Stimson später.53 Am Eröffnungsplenum vom 17. Juli ging Truman gleich in die Offensive und forderte barsch «the immediate reorganization of the present governments in Rumania and Bulgaria». Noch schärfer gebärdete sich Byrnes am 20. und 21. Juli und beschwerte sich über die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der US- Vertreter und der US-Presse in Osteuropa.54 Der sich kooperativ zeigende Stalin wurde durch diese scharfen Angriffe vor den Kopf gestossen.55 Am 21. Juli traf schliesslich ein ausführliches Memorandum von General Groves in Potsdam ein. Die drei Augenzeugenberichte hätten überwältigender nicht sein können. «The test was successful beyond the most optimistic expectations of anyone», schrieb Groves. Die Bombe riss einen drei Meter tiefen und 330 Meter breiten Krater in den Boden; der Sand in der Umgebung schmolz zu grünem Glas.56 General Thomas Farrell berichtet über die Explosion:

The effects could well be called unprecedented, magnificent, beautiful, stupendous and terrifying. No man-made phenomenon of such tremendous power had ever occurred before. The lightning effects beggared description. The whole country was lighted by a searing light with the intensity many times that of the midday sun. It was golden, purple, violet, grey and blue. It lighted every peak, crevasse and ridge of the nearby mountain range with a clarity and beauty that cannot be described but must be seen to be imagined. […] the strong, sustained, awesome roar warned of doomsday and made us feel that wpuny things were blasphemous to dare tamper with the forces heretofore reserved to the Almighty.57

Der Effekt auf Jimmy Byrnes und Harry Truman war augenscheinlich - man besass jetzt schliesslich eine «Waffe Gottes». Stimson schrieb am 21. Juli in sein Tagebuch:

They [Truman und Byrnes] were immensly pleased. The President was tremendously pepped up by it and spoke to me of it again and again when I saw him. He said it gave him an entirely new feeling of confidence and he thanked me for having come to the Conference and being present to help him in this way.58

Dieser Schub aus Selbstvertrauen, Zuversicht und Übermut offenbarte sich schliesslich sogleich in der darauf folgenden fünften Plenumssitzung, wie das Protokoll deutlich zeigt:

Stalin: […] The three governments should make a statement that they will renew diplomatic relations with the satellite governments [Rumänien, Bulgarien, Finnland].

Truman: I can not agree.

Stalin: Then these two questions will have to be postponed.

Truman: We will not recognize these governments until they are set up on a satisfactory basis.59

Im anderen Protokoll, das in der dritten Person verfasst ist, steht weiter:

The President stated that the meeting would proceed and that this question would be passed over.60

Diese Direktheit und Kompromisslosigkeit Trumans ist auch bei dem darauf folgenden Diskussionspunkt - der Westgrenze Polens - zu erkennen:

Truman: I propose that the matters of the Polish frontier be considered at the peace conference after consultation with the Polish government of national unity. We decided that Germany with 1937 boundaries should be considered starting point. We decided on our zones. […] Now another occupying government has been assigned a zone without consultation with us. We can not arrive at reparations and other problems of Germany if Germany is divided up before the peace conference. I am […] sympathetic with what Russia proposes regarding the western frontier, but I do not want to do it that way.

Stalin: The Crimea decision was that the eastern frontier of Poland should follow the Curzon line. As to the western frontier, it was decided that Poland was to receive territory in the west and north in compensation.

Truman: That is right, but I am against assigning an occupation zone to Poland.61

Churchill erzählte Stimson am nächsten Tag seine Eindrücke über die fünfte Plenarsitzung:

He [Churchill] said: «Now I know what happened to Truman yesterday. I couldn’t understand it. When he got to the meeting after having read this report he was a changed man. He told the Russians just where they got on and off an generally bossed the whole meeting.»62

Und in seinen Memoiren schreibt Truman über die Sitzung vom 21.:

Mit wachsender Ungeduld hörte ich der endlosen Debatte über Dinge zu, die an dieser Konferenz doch keine Regelung finden konnten, aber kostbare Zeit beanspruchten. […] gab es doch viel dringlichere Fragen zu regeln. Wie gesagt, ich wurde sehr ungeduldig, und manchmal wäre ich am liebsten aus der Haut gefahren.63

Es zeigt sich, dass Truman, und darauf Stalin ebenfalls, an tragfähigen Kompromissen gar nicht interessiert waren, im Prinzip war der Präsident nur gekommen, um die Klingen zu kreuzen. Er verlangte entweder volle Kooperation oder wollte bis auf die Friedenskonferenz warten, um sich dann durchzusetzen - und die Atombombe würde ihm die Macht dazu verleihen. Diese Überlegungen wurden vor allem auch durch Aussenminister Byrnes vorangetrieben, auf den sich Truman voll verliess. Stalin liess sich auf dieses Machtspiel ebenfalls ein und vertrat ebenso kompromisslos - jedoch in etwas blumigerer Sprache - seine Meinung. Und auch der russische Diktator verschob bei Nichtkooperation Diskussionspunkte auf später.64 Auf die amerikanische Expansion folgte eine sowjetische Expansion: In den nächsten Tagen meldete Stalin sein Interesse an den Dardanellen und einer Basis in der Türkei an, liebäugelte mit den früheren italienschen Kolonien und kritisierte - im Hinblick auf den zuvor erfolgten amerikanischen Vorwurf wegen den Satelliten in Osteuropa zu Recht

- die anglo-amerikanische Vorherrschaft in Italien; des weiteren sondierte er die Lage bezüglich Korea. All dies gefiel den USA überhaupt nicht und somit beschlossen sie, die Bombe nicht auf den Verhandlungstisch zu legen - welche die eine der beiden Optionen darstellte, die Stimson am 4. Juli am Combined-Policy-Committe-Treffen skizziert hatte (siehe oben).65

Am 24. Juli drohten die Amerikaner abzureisen - egal ob mit oder ohne Übereinkunft. «The President said he was anxious to do as much work was possible because when there was nothing more upon which they could agree he was returning home.»66 Schliesslich wurde die Konferenz am 2. August ohne nennenswerte Abmachungen beendet, was eigentlich ein Misserfolg bedeutete und als ein Scheitern der Konferenz hätte gewertet werden müssen. Einzig die Einrichtung des Aussenministerrats kann als klare Verbesserung der amerikanischen Position gesehen werden. Doch, die Zuversicht der Amerikaner gründete auch nicht auf den Ergebnissen der Verhandlungen in Potsdam, sondern auf dem Effekt, den die Pilzwolke über Japan auf die sowjetische Haltung haben würde, d. h., die tief beeindruckten Sowjets würden sich gegenüber amerikanischen Forderungen viel fügsamer machen, der Schwerpunkt der Macht würde sich voll nach Washington verschieben. Auf dieser Annahme gründete die amerikanische Politik in Potsdam; die Wahl fiel also auf Stimsons zweite Option vom 4. Juli. Die Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki war die brutale Konsequenz davon:67

Truman later stated that, following receipt of news that the Alamogordo test had been successful, he had called together Byrnes, Stimson, Leahy, Marshall, Arnold, Eisenhower, and King and hat asked them for their opinions as to whether the bomb should be used, and the consensus had been that it should.68

6. Hiroshima und Nagasaki

Doch nicht nur machtpolitische Überlegungen allein waren entscheidend für den Einsatz der Atombombe. Neben der «zweiten Schiene» - um auf diesen Begriff zurück zu kommenexistierte weiterhin die von militärischer Logik geprägte «erste Schiene». Wie in Kapitel vier dargestellt, hatte auch bezüglich der Beendigung des Krieges gegen Japan für die USA ein grosser Teil der Aufmerksamkeit der Sowjetunion gegolten. Henry Stimsons Tagebucheintrag vom 23. Juli 1945 enthält folgendes:

The President had told me [Stimson] at a meeting in the morning that he was very anxious to know whether Marshall felt that we needed the Russians in the war or whether we could get along without them and that was one of the subjects we talked over.69

Dass Truman die Einschätzung des Generalstabchefs wünschte, zeigt, dass er eine militärische Analyse brauchte. Ein sowjetisches Eingreifen war zwar politisch unerwünscht, doch wenn ein amerikanischer Alleingang in der militärischen Realität nicht funktionieren würde, war man wohl oder übel auf die Schützenhilfe der Roten Armee angewiesen. Stimson weiter:

We had desired the Russians to come into the war originally for the sake of holding up in Manchuria the Japanese Manchurian Army. That now was being accomplished as the Russians have amassed there forces on that border […] and were poised, and the Japanese were moving up positions in their Army. But he pointed out that even if we went ahead in the war without the Russians, and compelled the Japanese to surrender to our terms, that would no prevent the Russians from marching into Manchuria anyhow and striking, thus permitting them to get virtually what they wanted in the surrender terms. […]

Marshall felt as I felt sure he would that now with our new weapon we would not need the assistance of the Russians to conquer Japan.70

Die Bindung der japanischen Truppen in der Mandschurei, eines der militärischen Ziele, war also bereits erreicht. Zudem war Japan sowieso schon massiv geschwächt.71 Militärisch wurden die Sowjets nach Einschätzung Marshalls also ebenfalls nicht mehr gebraucht. Sie waren nicht mehr notwendiges Übel, sie waren nur noch Übel allein. Stalin und seinen Leuten wurde hier in keiner Weise mehr vertraut und von Abmachungen war hier ebenfalls keine Rede mehr. Indem der Generalstabschef und Stimson einen sowjetischen Angriff als unvermeidlich betrachteten, jegliche Abmachungen als wertlos ansahen, stilisierten sie die Angelegenheit zum Wettlauf um China und Korea. Und um Japan zu besiegen und damit die Sowjetunion zu stoppen, würde der Einsatz der Atombombe genügen.

Natürlich gab es Alternativen zur Verwendung dieser schrecklichen Waffe. Die Hinschlachtung der Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki war keine militärische Notwendigkeit, ja gar überflüssig gewesen.72 Denn die japanische Führung war schon lange bereit gewesen, zu kapitulieren - unter einer Bedingung: die Institution des Kaisers musste erhalten bleiben. So warteten die Japaner im Prinzip nur auf eine günstige Gelegenheit, um sich in Ehre und ohne das Gesicht zu verlieren, zu fügen. Dies war im Weissen Haus bekannt und stiess nicht bei allen auf Ablehnung. Der stellvertretende Marineminister Ralph Bard machte z.B. den Vorschlag an die Japaner eine Warnung abzugeben, bevor die Atombombe eingesetzt werden würde. Wenn der Erhalt des Kaisers gewährleistet werden würde, würde Japan diese Drohung als willkommene Gelegenheit genutzt haben, um zu kapitulieren.73 Die Potsdamer Erklärung vom 26. Juli wäre ebenfalls so eine Gelegenheit gewesen. Anstatt eines entsprechenden Zusatzes wurde Japan jedoch mit der kompletten Zerstörung gedroht.74 Von zahlreichen Wissenschaftlern kam der Vorschlag, die Bombe vor einem militärischen Einsatz zuerst öffentlich zu demonstrieren. In einer Petition appellierte der Physiker Leo Szilard an Truman, auf einen Einsatz der Nuklearwaffe zu verzichten.75 Doch auch diese Aktion blieb erfolglos.

Für Truman, Byrnes, Stimson und die anderen Spitzenfunktionäre war eine andere Logik wichtiger. Damit im Kreml ein Schock ausgelöst werden würde, musste die Atombombe mit möglichst grosser psychologischer Wirkung eingesetzt werden - d.h. es sollte eine Terrorbombardierung sein76, die gleichzeitig auch zu einer sofortigen Kapitulation Japans führen würde und den Angriff der Roten Armee abschneiden würde.77 Und so wurde am 6. August 1945 um 8.15 Uhr die erste Atomwaffe gegen die bislang unzerstörte Stadt Hiroshima eingesetzt. Eine Fläche von 13 Quadratkilometern wurde völlig zerstört, über 200'000 Menschen starben im nuklearen Feuer oder an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Nun wurden die Sowjets aktiv, erklärten Japan den Krieg und marschierten am Morgen des 9. August in die Mandschurei ein. Am gleichen Tag um 11.02 Uhr wurde eine weitere Atombombe abgeworfen, diesmal auf die Stadt Nagasaki. Sieben Quadratkilometer wurden fast komplett verwüstet, 75'000 Menschen starben sofort, gleich viele erlagen später den Verletzungen und Verstrahlungen.78 Am 10. August ging im Weissen Haus das japanische Kapitulationsangebot ein - die Potsdamer Erklärung wurde akzeptiert, doch es wurde ein Fortbestehen des Kaisers gefordert. Die amerikanische Regierung nahm das Angebot an - nachdem die Atombombe demonstriert worden war, hatte das Zugeständnis keine grössere Wichtigkeit mehr. Am Mittag des 15. August verkündete Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans, die am 2. September offiziell besiegelt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war es den Sowjets gelungen, weit nach China vorzudringen und Port Arthur zu besetzen, zudem wurden die Kurilen und die Sachalin-Insel erobert.79 Die Sowjetunion hatte ihre Macht im Fernen Osten also weit ausgebaut.

Von einem «Schock» oder sonstigen demoralisierenden Effekten, die auf den Einsatz der Atombombe zurückgeführt hätten werden können, war unter den Sowjets überhaupt nichts zu spüren. Schon in Potsdam reagierte Stalin völlig unbeindruckt auf Trumans Bemerkung über das «neue Kampfmittel von aussergewöhnlicher Zerstörungskraft».80 Denn der sowjetische Diktator wusste durch Agentenberichte relativ genau Bescheid über die amerikanischen Aktivitäten.81 Somit stellte der atomare Blitz über Hiroshima und Nagasaki auch keine grosse Überraschung mehr dar. An «Kooperation» dachten die Machthaber im Kreml erst recht nicht. An der ersten Aussenministerkonferenz im September 1945 machte Molotov Witze über die Bombe und spielte ihre Bedeutung herunter.82 Der Plan, mit der neuen «Wunderwaffe» die amerikanische Hegemonie durchzusetzen, schlug demnach vollends fehl. Auf das verstärkte amerikanische Vorpreschen folgte eine intensivierte Expansion von sowjetischer Seite - zuerst in Potsdam auf diplomatischer und dann im Krieg gegen Japan auf militärischer Ebene.83 Anstatt sich dem amerikanischen Atomwaffenmonopol zu beugen, beschloss man es zu brechen und baute sowjetische Atomwaffen - und so nahm der von nicht wenigen befürchtete Rüstungswettlauf seinen Anfang.84

7. Fazit

Die Administration Truman standen verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit dem Monopol auf die neue Atomtechnologie offen, deren Gefahrenpotential für die ganze Welt von Anfang an erkannt worden war. Zusammengefasst zeigen sich folgende Ergebnisse der ersten zu Beginn gestellten Frage:

In strategisch-politischer Hinsicht bestanden drei Handlungsalternativen, wobei die Beziehung zur Sowjetunion im Vordergrund stand. Die Option einer internationalen Kontrolle hatte Kriegsminister Stimson schon im Memorandum vom 25. April ausgeschlossen. Er und die anderen Spitzenfunktionäre hielten zwei Möglichkeiten für realpolitisch machbar: Erstens, ein bilateraler Informationsaustausch mit dem Kreml und gegenseitige Garantien würden für Sicherheit sorgen. Zweitens, eine unilaterale Verwendung, um den amerikanischen Hegemonialanspruch durchzusetzen, die Sowjets in die Knie zu zwingen und Zugeständnisse abzuringen. Hinsichtlich der bevorstehenden Zusammentreffen mit Stalin in Potsdam präsentierte Stimson am 4. Juli beide Handlungsalternativen. Entweder würde es mit dem sowjetischen Diktator ein quid pro quo geben oder eine Machtdemonstration der «Wunderwaffe» gegen Japan, wodurch die Sowjets eingeschüchtert werden würden. Nach dem erfolgreichen Test in New Mexico am 16. Juli waren die Amerikaner vom Erfolg der harten Linie vollends überzeugt.

In militärischer Hinsicht war der Plan entstanden, durch den Einsatz der Atombombe eine schnelle Kapitulation Japans zu erzwingen, so den drohenden Kriegseintritt der Roten Armee zu verhindern und eine Machtausweitung des Kremls im Fernen Osten zu verhindern. Diese

Konfrontationspolitik wurde konsequent in die Tat umgesetzt. So zeigen sich folgende Erkenntnisse für zweite der zu Beginn gestellten Fragen:

Im Wissen um den voraussichtlichen Schock auf Stalin und seine Leute verhielten sich die USA an der Konferenz in Potsdam gegenüber der Sowjetunion äusserst hartnäckig und kompromisslos. Schliesslich wurde am 6. August die erste Bombe auf Hiroshima abgeworfen, drei Tage später wurde Nagasaki bombardiert. Doch, die Pläne der Amerikaner zerronnen wie Sand, der nukleare Holocaust hatte weder einen Einfluss auf die Haltung der Sowjets, noch konnte er die Rote Armee stoppen. Im Gegenteil: Schon in Potsdam gebärdeten sich Stalin und seine Leute angesichts des amerikanischen Drucks vermehrt expansiv und bis zum Ende des Krieges hatte die Rote Armee weite Teile der Mandschurei erobert. Die sowjetisch- amerikanischen Beziehungen brachen auseinander und der Kalte Krieg nahm seinen Anfang. Anstatt sich unter amerikanischer Hegemonie zu einen, zerfiel die Welt in zwei imperialistische Blöcke, die sich mit einem mörderischen Atomwaffenarsenal in Schach hielten.85

8. Bibliographie

Alperovitz, Gar, Hiroshima: Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe, Hamburg 1995 Bagge, Erich, «Keine Atombombe für Hitler», in: Michael Salewski, Das Zeitalter der Bombe: Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute, München 1995 Bavendamm, Dirk, Roosevelts Krieg: Amerikanische Politik und Strategie 1937-1945, Berlin 21998

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Wikipedia: Die freie Enzyklopädie, <http://de.wikipedia.org>, 10. August 2004

[...]


1 Dirk Bavendamm, Roosevelts Krieg: Amerikanische Politik und Strategie 1937-1945, München 1998, S. 354 f.

2 Erich Bagge, «Keine Atombombe für Hitler», in: Michael Salewski (Hg.), Das Zeitalter der Bombe: Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute, München 1995, S. 27-49, hier S. 48 f. Schon sehr früh zeigte sich jedoch für Deutschland, dass es nicht möglich war, eine Atombombe zu entwickeln.

3 «Manhattan-Projekt», <http://de.wikipedia.org/wiki/Manhattan-Projekt>, 16. Oktober 2003; Dirk Bavendamm, Roosevelts Krieg, S. 359 f.

4 Ebenda, S. 360

5 Harry S. Truman, Memoiren Band 1, Bern 1955, S. 23

6 Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service in Peace and War, New York 1947, S. 635; Auch diese Sitzung - wie sämtliche Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Atombombenprojekt - standen unter umfassender Geheimhaltung. So wurde General Groves vor der erwähnten Sitzung durch unterirdische Geheimgänge in die Nähe des Amtszimmers gebracht. Denn es sollten auf keinen Fall Stimson und Groves von den in der Nähe wartenden Presseleuten zusammen gesehen werden. Siehe Stimsons Tagebuch vom 25. April 1945, in Gar Alperovitz, Hiroshima: Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe, Hamburg 1995, S. 148

7 Aide-Mémoire of Conversation, Hyde Park, 18. September 1944, in: Foreign Relations of the United States: Conference of Berlin (Potsdam), 1945, Volume II, Washington 1960, S. 1371

8 Nach dem Feuersturm auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar, fielen am Morgen des 15. noch einmal Bomben. «Dahinter stand die Überlegung, man könne noch mehr Chaos und Unheil anrichten, wenn ein Angriff stattfand, solange noch Feuerwehren und Aufräumkommandos auf den Strassen im Einsatz waren, die dann selbst Opfer von Treffern werden konnten», schreibt Martin Gilbert in Der Zweite Weltkrieg: Eine chronologische Gesamtdarstellung, München 1989, S. 640

9 Dirk Bavendamm, Roosevelts Krieg, S. 357; Martin Gilbert, Der Zweite Weltkrieg, S. 648

10 Am 16. Februar hatten japanische Soldaten in Manila etwa 100'000 Zivilisten getötet, in Auschwitz hatten die Nazis bis Ende Mai eineinhalb Millionen Juden ermordet. Ebenda, S. 640 und S. 528

11 Otfried Dankelmann (Hg.), Biographisches Lexikon zur Weltgeschichte: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Frankfurt a. M. 2001, S. 1170f.

12 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 468

13 Ebenda, S. 465f.

14 Ebenda, S. 530

15 Ebenda, S. 531

16 Ebenda, S. 544-559. Der Emporkömmling Truman hatte die korrupte Parteimaschine der demokratischen Partei geschickt genutzt, um aufzusteigen und war noch mehr als andere dazu bereit die Wahrheit zu verdrehen - «und den Leuten zu erzählen, was sie hören wollten».

17 Ebenda, S. 467

18 Ebenda, S. 536

19 Zudem stehen die von mir zitierten Stellen hauptsächlich im Bezug auf das offizielle Dokument vom 25. April.

20 Henry Stimson, «Memo Discussed With the President», The White House, Washington, 25. April 1945, in: Martin Sherwin, A World Destroyed: The Atomic Bomb and the Grand Alliance, New York 1975, Appendix I (S. 291f.); siehe auch Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 635f.

21 Im September 1944 haben die USA und Grossbritannien mit Belgien ein Abkommen zur Ausbeutung von Uranerzen in Belgisch-Kongo geschlossen. Siehe Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 150

22 Henry Stimson, «Memo Discussed With the President», The White House, Washington, 25. April 1945, in: Martin Sherwin, A World Destroyed, Appendix I (S. 291f.); siehe auch Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 635f. - dort fehlt der Nebensatz, wo Russland erwähnt wird!

23 Henry Stimson, «Memo Discussed With the President», The White House, Washington, 25. April 1945, in: Martin Sherwin, A World Destroyed, Appendix I (S. 291f.)

24 Martin Sherwin, «The Atomic Bomb and the Origins of the Cold War», in: The Journal of American History (1973/4), S. 948

25 Martin Sherwin, A World Destroyed, S. 94

26 Henry Stimson, «Memo Discussed With the President», The White House, Washington, 25. April 1945, in: Martin Sherwin, A World Destroyed, Appendix I (S. 291f.)

27 Ebenda.

28 «Weltfrieden» war ein Teil der Weltordnung nach amerikanischem Muster und Interesse, die, kurz gesagt, liberale Demokratie und freie Marktwirtschaft propagierte. In der Atlantik-Charta/Charta der Vereinten Nationen hat das amerikanische Ideal grosses Gewicht erhalten. Siehe Jürgen Heideking, Geschichte der USA, Tübingen 2003, S. 342; «Vereinte Nationen», <http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinte_Nationen#Geschichte>, 31. Juli 2004; Ausserdem: Die Welt in den Frieden zu bomben und zwei Städte zu vernichten, um die Zivilisation zu retten, ist nicht nur komplett zynisch, sondern auch eine etwas sonderbare Logik, die man von amerikanischer Seite jedoch bis heute immer wieder hören konnte.

29 Leslie Groves, «Report of the Meeting with the President», The White House, Washington, 25. April 1945, in: Martin Sherwin, A World Destroyed, Appendix J (S. 293f.)

30 Henry L. Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 636

31 Harry Truman, Memoiren Band 1, S. 122

32 Martin Sherwin, A World Destroyed, S. 152

33 Harry Truman, Memoiren Band 1, S. 107

34 Paper zur Konferenz von Yalta, Proseminar Kriegskonferenzen, WS 03/04, Historisches Institut, Universität Bern; Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 239

35 Dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 2: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, München 2003, S. 487; Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 277

36 Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 638; Melvyn Leffler, A Preponderance of Power: National Security, the Truman Administration, and the Cold War, Stanford 1992, S. 11

37 Ebenda.

38 Ebenda, S. 56

39 Ebenda, S. 10 und 35

40 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 152f.

41 Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 638

42 Ebenda, S. 637

43 Martin Gilbert, Der Zweite Weltkrieg, S. 641-644

44 Gegenüber Stalin wurde nichts erwähnt, das Abkommen bestand lediglich gegenüber China. Siehe Paper zu den Konferenzen von Teheran und Kairo, Proseminar Kriegskonferenzen, WS 03/04, Historisches Institut, Universität Bern

45 Melvyn Leffler, A Preponderance of Power, S. 31; Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 197

46 Henry Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 637

47 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 195-198

48 Truman-Stalin Meeting, Potsdam, 17. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 45; Melvyn Leffler, A Preponderance of Power, S. 37

49 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 159 und 167

50 Minutes of Combined Policy Meeting, Pentagon, Washington, 4. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 941f.

51 Ebenda.

52 Harrison to Stimson, Washington, 16. und 17. Juli 1945, FRUS, Pots. II, S. 1360f.

53 Henry L. Stimson and McGeorge Bundy, On Active Service, S. 637

54 Proposal by the US Delegation, «Implementation of the Yalta Declaration on Liberated Europe», Babelsberg, 17. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 643f.; Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 282f.

55 Ebenda.

56 «Trinity-Test», <http://de.wikipedia.org/wiki/Trinity-Test>, 17. Juli 2004; Leslie Groves, «Memorandum for the Secretary of War. Subject: The Test», Washington, 18. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 1361f.

57 Ebenda.

58 Tagebucheintrag Henry Stimson, 21. Juli, in: FRUS, Pots. II, S. 1361

59 Fifth Plenary Meeting, Potsdam, 21. Juli, in: FRUS, Pots. II, S. 216

60 Ebenda, S. 207

61 Ebenda, S. 217

62 Stimson-Churchill Conversation, Potsdam, 22. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 225

63 Harry Truman, Memoiren Band 1, S. 367

64 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 284-287; Melvyn Leffler, A Preponderance of Power, S. 37f.; Die beidseitige Hartnäckigkeit wird auch ersichtlich in Harry Truman, Memoiren Band 1, S. 367-369

65 Sixth/Seventh/Eigth Plenary Meeting, Potsdam, 22./23./24. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 264-267, 312- 314, 370-374; Tagebucheintrag Stimson, 23 Juli, in: FRUS, Pots. II, S. 260

66 Eight Plenary Meeting, Potsdam, 24. Juli, in: FRUS, Pots. II, S. 367

67 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 288-291; Martin Sherwin, A World Destroyed, S. 227; Melvyn Leffler, A Preponderance of Power, S. 38

68 [Informelles Treffen, vermutlich am 21. Juli 1945, Potsdam], in: FRUS, Pots. II, S. 1361

69 Tagebucheintrag Stimson, in: FRUS, Pots. II, S. 1324; Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 294f.

70 Ebenda.

71 Wieland Wagner, «Das nukleare Inferno», in: Michael Salewski, Das Zeitalter der Bombe, S. 78

72 Ebenda.

73 Ralph Bard, «Memorandum on the Use of S-1 Bomb», in: Martin Sherwin, A World Destroyed, Appendix O (S. 307f.)

74 Ebenda, S. 80, Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 328f., Proclamation Calling for the Surrender of Japan, Potsdam, 26. Juli 1945, in: FRUS, Pots. II, S. 1476

75 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 211-213. Die Petition wurde von 69 weiteren Wissenschaftlern unterschrieben.

76 Ebenda, S. 570 und 575. Das ‹Target Committee› hatte festgelegt, dass zwei psychologische Faktoren wichtig waren: «1. die grösste psychologische Wirkung auf Japan und 2. der ausreichend spektakuläre Ersteinsatz, damit die Bedeutung der Waffe international anerkannt wird […].» Es sollte also Erfolg auf der ersten, wie auch auf der zweiten Schiene unbedingt garantiert werden.; Siehe auch Wieland Wagner, Das nukleare Inferno», in: Michael Salewski, Das Zeitalter der Bombe, S. 75; Dirk Bavendamm, Roosevelts Krieg, S. 363

77 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 450f.

78 Ebenda, S. 453; Wieland Wagner, Das nukleare Inferno», in: Michael Salewski, Das Zeitalter der Bombe, S. 72f.; Martin Gilbert, Der Zweite Weltkrieg, S. 711-714; «Hiroshima», <http://de.wikipedia.org/wiki/Hiroshima#Geschichte>, 9. August 2004; «Nagasaki», <http://de.wikipedia.org/wiki/Nagasaki>, 6. August 2004

79 Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 454-458; Martin Gilbert, Der Zweite Weltkrieg, S. 715-721 15

80 Harry Truman, Memoiren Band 1, S. 426

81 Jürgen Heideking, Geschichte der USA, S. 338

82 Martin Sherwin, A World Destroyed, S. 238

83 Mit der ersten Schiene war man auch völlig falsch gelegen: Die Atombomben hatten nie einen durchschlagenden Effekt auf die japanische Führung gehabt. Dies wird schon daran erkenntlich, dass das Kapitulationsangebot immer noch Bedingungen stellte. Zudem diskutierte die japanische Führung tagelang, ob überhaupt kapituliert werden sollte - der Grund dafür war vor allen Dingen der Angriff der Sowjetunion gewesen und nicht die Atombomben. Die Wirkung entfaltete sich nie wie erhofft: Anstatt dass der sowjetische Kriegseintritt gestoppt wurde, wurde er sogar noch intensiviert - ob aufgrund der Bombenabwürfe (was der diametral entgegengesetzten Wirkung der Bombe entsprechen würde), ist nicht klar. Siehe Gar Alperovitz, Hiroshima, S. 454

84 Martin Sherwin, A World Destroyed, S. 238

85 Jürgen Heideking, Geschichte der USA, S. 343 und 350; Dtv-Atlas Weltgeschichte Band 2, S. 505 und 519 17

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Eine Illusion der Macht: Die Atombombe in der amerikanischen Politik gegenüber der Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkrieges
Hochschule
Universität Bern
Veranstaltung
Proseminararbeit Neuste Geschichte
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V109033
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Illusion, Macht, Atombombe, Politik, Sowjetunion, Ende, Zweiten, Weltkrieges, Proseminararbeit, Neuste, Geschichte
Arbeit zitieren
Raphael Jenny (Autor), 2004, Eine Illusion der Macht: Die Atombombe in der amerikanischen Politik gegenüber der Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109033

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