Becker, Jurek - Jakob der Lügner


Facharbeit (Schule), 2002

19 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Der Autor
1.1 Biographie
1.1.1 Einstellung zum Judentum
1.2 Bibliographie

2. Das Werk
2.1 Exposition
2.2 Inhaltszusammenfassung
2.3 Interpretationen
2.3.1 Der Autor im Buch
2.3.2 Baumsymbolik
2.3.3 Komödie und Tragödie
2.3.4 Ghetto-Alltag
2.3.5 Bedeutung des Radios
2.3.6 Die beiden Enden
2.4 Personen & Charakteristika
2.4.1 Der Erzähler
2.4.2 Jakob
2.4.3 Kowalski
2.4.4 Lina
2.4.5 Mischa
2.4.6 Rosa
2.4.7 Das Ehepaar Frankfurter
2.4.8 Herschel Schtamm
2.4.9 Professor Kirschbaum
2.5 Form & Sprache
2.5.1 Form
2.5.2 Sprache
2.6 Wirkung
2.6.1 Rezeption
2.6.2 Widerspruch zum sozialistischen Realismus

3. Glossar

4. Quellenverzeichnis

1. Der Autor: Jurek Becker

1.1 Biographie

Jurek Becker wird 1937als Sohn einer Polin und eines aus Litauen stammenden Arbeiter in Lodz (Polen) geboren.

1939, im Alter von zwei Jahren, wird er mit seinen Eltern ins Ghetto umgesiedelt.

Danach lebt er in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen, wo er seine ersten deutschen Worte lernt. In dieser Zeit stirbt seine Mutter und er verliert seinen Vater aus den Augen.

Nach dem Krieg werden Jurek Becker und sein Vater durch eine amerikanische Hilfsorganisation wieder zusammengeführt und lassen sich in Ost-Berlin nieder. Er eignet sich der deutschen Sprache sehr schnell an, angespornt von finanziellen Belohnungen des Vaters und der Überzeugung, ohne das Beherrschen des Deutschs nicht in die Nachkriegsgesellschaft integriert werden zu können.

1955 macht Jurek Becker sein Abitur und leistet seinen Dienst in der Volksarmee der DDR. Nach abgeschlossenem Wehrdienst, wird er 1957 Mitglied der SED und schreibt sich für das Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin ein. Nach drei Jahren, 1960, wird er aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen.

Daraufhin beginnt er ein Studium für Film-Szenarien in Babelsberg, währenddem er Kabarett-Texte verfasst. Diese Universität verlässt er allerdings nach kurzer Zeit wieder. Von nun an lebt er als freischaffender Schriftsteller in Ost-Berlin.

Ab 1961 verfasst er Drehbücher für Kurzspielfilme für die DEFA.

1965 wird seine Drehbuchfassung von "Jakob der Lügner" von der DEFA abgelehnt. "Aus Enttäuschung und Wut über die Ablehnung"1, wie Becker selbst sagt, arbeitet er das Werk zu einem Roman um, der 1969 veröffentlicht und mit dem Heinrich-Mann-Preis der DDR, sowie dem Charles-Veillon-Preis der Schweiz ausgezeichnet wird. Das Buch ist ein internationaler Erfolg.

1972 wird er Mitglied des PEN. Im selben Jahr stirbt Jurek Beckers Vater.

1973 wird sein Roman "Irreführung der Behörden", der sich mit den Schwierigkeiten eines Schriftstellers in der DDR mit den Behörden auseinander setzt, veröffentlicht, und Becker wird in den Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR gewählt.

1974 wird "Jakob der Lügner" als Fernsehproduktion realisiert und zu einem internationalen Erfolg. Im gleichen Jahr erhält Jurek Becker den Literaturpreis der Stadt Bremen, im folgenden Jahr den Nationalpreis der DDR.

1976 wird er aus der SED ausgeschlossen, da er mit Schriftstellerkollegen gegen die Ausweisung Wolf Biermanns protestiert.

1977 tritt Becker aus dem Schriftstellerverband der DDR aus und zieht mit Genehmigung der DDR-Behörden nach West-Berlin.

Nach seiner Übersiedlung arbeitet er öfters als Gastdozent an überwiegend amerikanischen Universitäten. Unter anderem am Oberlin College in Ohio und an der Cornell-University in Ithaka, N.Y.

Ab 1980 lebt er wieder in Berlin und veröffentlicht zwei Bücher.

1983 wird Becker in Darmstadt in die Akademie für Sprache und Dichtung gewählt.

1986 erhält er für die Drehbücher der sehr erfolgreichen Fernsehserie 'Liebling Kreuzberg' den Adolf-Grimme-Preis in Gold und wird 1988 mit dem Deutschen Fernsehpreis der Telestar ausgezeichnet.

1989 gastiert er in Frankfurt am Main als Dozent an der Goethe-Universität.

1990 wird Jurek Becker mit dem Bayerischen Fernsehpreis, und 1991 mit dem Deutschen Filmpreis/Filmband in Gold geehrt.

Im folgenden Jahr erscheint Beckers letzter Roman "Amanda Herzlos". Am 14.3.1997 erliegt Jurek Becker in Berlin seinem Krebsleiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

1.1.1 Einstellung zum Judentum

Auf die Frage ob er Jude sei, antwortete Becker einst kühl: "Meine Eltern waren Juden"3. Diese Aussage findet sich auch in der Denkweise des Professor Kirschbaums im Roman wieder.4

Von seinem Vater, der selbst nicht besonders gläubig war, wurde er nicht als Jude erzogen. Becker selbst bezeichnet sich sogar als Atheist. Er ist der Meinung, jeder Mensch habe die Wahl, ob er dem jüdischen Glaube Folge leisten wolle oder nicht, es sei keine Frage der Rasse sondern eine bewusste Entscheidung für einen Glauben.

Er äusserte sich über die Gruppe von nennenswerten Schriftstellern jüdischer Abstammung folgendermassen: "Mein Judentum hat auch kein Glücksgefühl darüber zur Folge, dass ich, gewollt oder ungewollt, zu einer weit verzweigten Gruppe von Menschen gehöre, die, wie andere Gruppen vergleichbarer Grösse auch, Leistungen vollbringt, bewundernswerte und miserable. Ich empfinde keinen Stolz darüber, dass Kafka Jude war, (…). Ich ärgere mich nicht darüber, dass Max Frisch kein Jude ist (…).5Wie er selbst sagt, "musste" er sich erst in der BRD, und auf Grund antisemitischer Angriffe auf seine eigene Person, "als Jude fühlen".6

1.2 Bibliographie

- Jakob der Lügner. Roman. Aufbau 1969.
- Irreführung der Behörden. Roman. Hinstorff 1973.
- Der Boxer. Roman. Hinstorff 1976.
- Schlaflose Tage. Roman. Suhrkamp 1978.
- Nach der ersten Zukunft. Erzählungen. Suhrkamp 1980.
- Aller Welt Freund. Roman. Suhrkamp 1982.
- Bronsteins Kinder. Roman. Suhrkamp 1986.
- Warnung vor dem Schriftsteller. Drei Vorlesungen in Frankfurt. Suhrkamp 1990.
- Die beliebteste Familiengeschichte und andere Erzählungen. Insel 1991.
- Amanda herzlos. Roman. Suhrkamp 1992.
- Das Märchen von der kranken Prinzessin. Von Jakob erzählt - und dann von Lina. St.Gabriel 1993.
- Wir sind auch nur ein Volk: Der erste Arbeitstag. Der Rest der Familie. Suhrkamp 1994.
- Wir sind auch nur ein Volk: Der empfindliche Bruder. Stasi für Anfänger. Der zweite Sekretär. Suhrkamp 1995.
- Wir sind auch nur ein Volk: Die Westparty. Streik und andere Schweinereien. Der kurze Abschied. Suhrkamp 1995.
- Ende des Grössenwahns. Aufsätze, Vorträge. Suhrkamp 1996.

2. Das Werk: Jakob der Lügner

2.1 Exposition

Wo: Jüdisches Ghetto Lodz, Polen Wann: 2. Weltkrieg, ab 1940

Wer: Jakob Heym, Mischa, Kowalski, Rosa, Herr und Frau Frankfurter, Lina, Herschel und Roman Schtamm, Professor Kirschbaum und seine Schwester, Leonard Schmidt, weitere Ghettobewohner und Offiziere7

Was: In einer Notlüge behauptet der Jude Jakob Heym, ein streng verbotenes Radio zu besitzen. Er berichtet den Ghettobewohner von den anscheinend ausgestrahlten Neuigkeiten, und verbreitet so, mit den erzählten Lügen über das Näherrücken der Roten Armee, Hoffnung und neuen Lebensmut unter seinen Mitmenschen.

2.2 Inhaltszusammenfassung

Eines Abends wird Jakob Heym von einem Wachtposten angehalten, da es anscheinend nach halb Acht sei, und er sich nun wegen Missachtung der Sperrstunde auf dem Revier zu melden habe. Jakob gehorcht ehrfürchtig und betritt das von den Ghettobewohnern gefürchtete Gebäude. Während er nach dem zuständigen Beamten sucht, dringt aus einem Zimmer eine Radiomeldung, in der es heisst, die Russen seien bereits vor Bezanika, also nur noch 400 Kilometer entfernt. Jakob meldet sich beim zuständigen Deutschen und erklärt ihm den Grund seines Besuchs. Dieser eröffnet Jakob, der Wachmann habe sich einen Scherz erlaubt, die Sperrstunde sei noch nicht übertreten und er solle nun nach hause gehen.

Erleichtert eilt Jakob zu seiner Wohnung, immer noch verwirrt über das soeben Erlebte.

Am nächsten Tag schleppt er mit Mischa bei der Arbeit auf dem Güterbahnhof Kisten, als dieser bei der Wachablösung gerade einen Versuch starten will, Kartoffeln aus einem Wagen zu stehlen. Um seinen Kollegen davon abzuhalten, erzählt er ihm von den Russen, doch Mischa reagiert nicht. Daraufhin schildert ihm Jakob das ganze Erlebnis auf dem Revier in einer Kurzfassung. Als Mischa immer noch auf die Kartoffeln fixiert ist und zum Sprung ansetzt, hält ihn Jakob am Bein fest. Auf dem Boden liegend, erwidert Jakob auf Mischas hasserfüllten Blick, er habe ein Radio. Mischa strahlt und Jakob ist wütend, dass es so weit gekommen ist und er das gesagt hat. Er beschliesst den Jungen noch einige Zeit seiner Freude zu überlassen und ihn später der Wahrheit zu berichtigen, wozu er aber im Laufe des Tages keine Gelegenheit mehr findet.

In der Mittagspause setzt sich Jakobs langjähriger Bekannter Freund Kowalski neben ihn und murmelt nach minutenlangem, von Schweigen erfülltem Suppenlöffeln, ob es Neuigkeiten gäbe. Jakob, der die Hintergründe dieser Frage genau kennt, gibt zuerst keine Antwort; erst als Kowalski das Argument der Freundschaft zur Sprache bringt, bestätigt er die Nachricht, die seinem ehemaligen Nachbarn zu Ohren gekommen war, bittet ihn jedoch schleunigst, Niemandem davon zu erzählen und geht.

[...]


1 Zitiert in http://www.pausenhof.de/biographien/biob001.asp

2 Http://arcadepub.com/author/index.cfm?fa=ShowAuthor&Person_ID=197

3 Zitiert in http://www.pausenhof.de/biographien/biob001.asp

4 Vgl: 2.4.9

5 Zitiert in http://www.pausenhof.de/biographien/biob001.asp

6 Zitiert in http://www.pausenhof.de/biographien/biob001.asp

7 Vgl. Charakteristiken 2.4

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Becker, Jurek - Jakob der Lügner
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V109034
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Becker, Jurek, Jakob, Lügner
Arbeit zitieren
Anita Suter (Autor), 2002, Becker, Jurek - Jakob der Lügner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109034

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