Piaget, Theorie der kognitiven Entwicklung


Seminararbeit, 2005

9 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Piagets Theorie der Kognitiven Entwicklung

Organisation, Äquilibration und Adaptation

Assimilation

Akkommodation

Literaturverzeichnis

Einleitung

Philosophen haben sich seit jeher Gedanken über die Beschaffenheit des Denkens und der Sprache gemacht. Manche wie z. B. John Locke, haben das Bewusstsein des Neugeborenen als völlig leer, als tabula rasa betrachtet, das darauf wartet, von den Erfahrungen des Lebens beschrieben zu werden, wie z. B. eine Festplatte, die erst im Laufe des Lebens mit Programmen und Dateien gefüttert zu werden.

Die Psychologen und Philosophen, die in der Tradition von Locke stehen, betonen die Auswirkungen von Schulung und Erfahrungen auf die Entwicklung des Kindes.

Andere hingegen, wie Platon, betrachteten bestimmte Ideen als universell gegeben, was bedeute, dass sich das Denken von einem angeborenen gemeinsamen Ursprung her entwickle. Alles was erscheint entsteht aus einer Idee, die schon vorher existieren muss.

Hier wird die Entwicklung, als die Entfaltung von Fertigkeiten und Ideen, die solange schlummern, bis die Reifung ihren Ausdruck gestattet, betont.

Jean Piaget, ein Schweizer Psychologe, der seine Arbeit von ca. 1935 bis zu seinem Tode 1980 leistete, bemühte sich die geistige Entwicklung des Kindes durch Versuche und Beobachtungen verstehen zu lernen.

Er studierte die Entwicklung des Denkens, der Wahrnehmung, der Sprache und der Intelligenz, die Entstehung von Konzepten der Kausalität und Moral.

Ein Großteil seiner früheren Daten stammen aus der Beobachtung des spontanen Verhaltens seiner eigenen Kinder und deren Reaktionen auf klug ausgedachte kleine Experimente.

Diese Daten und spätere systematischere Versuchsreihen führten Piaget zur Formulierung einer Reihe von Prinzipien, die auf das breite Spektrum der Entwicklungsprozesse angewandt werden konnten, mit denen er sich beschäftigte.

In der vorliegenden Semesterarbeit beschränke ich mich auf die Darstellung der zugrunde liegenden Entwicklungsprinzipien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung

Nach Piaget löst sich das Denken von Geburt an zunehmend von der sinnlichen Wahrnehmung und schreitet zu immer differenzierteren Lösungsformen auf abstrakt-begrifflicher Grundlage fort. Er kommt zu dem allgemeinen Ergebnis, dass die von ihm bei den Kindern analysierten logischen Strukturen konstruiert, d.h., vom Kind selber entwickelt werden und zu ihrer Ausformung (zumindest im westlichen Kulturkreis) ein gutes Dutzend Jahre brauchen. Piagets allgemeine Entwicklungsprinzipien – Äquilibration, Assimilation und Akkommodation – stellen Versuche dar, die Fragen nach dem wie, zu beantworten.

Organisation, Äquilibration und Adaptation

Mit dem Konzept der Äquilibration hebt Piaget seine Theorie von den Widerspiegelungstheorien (Locke, u. a. ) ab. Nicht Abbildung, sondern Konstruktion ist die Idee im Konzept der Äquilibration. Die Konstruktion kann durch Erfahrungen, Wort Bild oder Beispiele beeinflusst oder angeregt sein, die ist aber nicht empirisches Lernen, sondern eine neue Strukturierung und Organisation, ob kreativ und selbständig entdeckt oder nur nachvollzogen. Organisation bezieht sich darauf, dass Elemente des geistigen Lebens (Schemata) zunehmend zu größeren Systemen oder Ganzheiten verflochten werden, die ihrerseits wieder neue noch komplexere Schemata darstellen. Das geistige Leben des Kindes besteht nach Piaget aus einem organisierten System von Ideen über das Selbst, andere Menschen, Dinge in der Umwelt und schließlich über Dinge, die nicht gegenwärtig sind, einschließlich abstrakter Ideen. Anfangs funktioniert diese System mit äußerster Einfachheit, aber je mehr das Kind mit seinem eigenen Körper und mit den Menschen und Dingen seiner Umgebung in ein Wechselspiel tritt, desto mehr neue und komplexere Erkenntnisse entwickeln sich.

Wir sind ständig getrieben, Dinge zu tun, die wir bereits tun können, aber so oft wir handeln, streben wir auch danach, den Anpassungsgrad und die Komplexität unseres Verhaltens und unserer mentalen Strukturen zu erhöhen. Das Konzept der Äquilibration stellt im Grunde Piagets Theorie der Motivation dar.

Eine kognitive Struktur (Schema) besteht aus Elementen, die bestimmten Aufbaugesetzmäßigkeiten unterworfen sind. Eine solche Struktur regelt sich weitgehend selbst, d. h., sie stellt eine ursprüngliche Ganzheit dar und besteht aus einem System von Beziehungen und Transformationen. Die kognitiven Strukturen bestehen aus Gruppen von Schemata, die sich nach gewissen Entwicklungsgesetzen verändern. Das Schema wird hier als typische Weise des Menschen verstanden, bestimmte Klassen von Umweltgegebenheiten zu handhaben. Ein solches Schema existiert als kognitives Schema, dass sich in gewissen Handlungsschema ausdrückt (z. B. dem Schema des Werfens, Klopfens, Multiplizierens u. ä. ).(Stangel-Taller 2004)

Schemata machen verschiedenartige Gegenstände zu gleichartigen(z. B. zu solchen, die man werfen, mit denen man klopfen, die man multiplizieren kann usw.), erleichtern somit kognitiv den Umgang mit der Umwelt. Schemata werden zur Erinnerung in das Gedächtnis aufgenommen und zur Wiedererkennung von Gegenständen als die wesentlichen Züge reaktiviert bzw. abgerufen. (Stangl-Taller 2004)

Für Piaget sind die Inhalte nur sekundär von Interesse, da sie sich ständig ändern und zu wenig Regelmäßigkeit zeigen. Hier zeigt sich wiederum, die Einstellung, dass es weniger wichtig sei an welchen Gegenstände das Individuum sein kognitiven Strukturen ausbildet, da an gleichen Gegenständen Verschiedenes und andererseits auch an verschiedenen Gegenständen Gleiches gelernt werden kann.

Piaget stellt den kognitiven Strukturen die kognitiven Funktionen gegenüber. Unter den Funktionen versteht er grundlegende Möglichkeiten des Menschen, die Umwelt zu bewältigen, die Anpassung des Menschen an die Umwelt leisten. Die wesentliche Funktion, die zur Formung einer Struktur führt, ist hierbei die Assimilation. Diese bildet mit der zweiten Funktion, der Akkommodation , einen kognitiven Gesamtprozess die Adaptation.

Die Adaptation wird als fortgesetzter Austausch zwischen Organismus und Umwelt beschrieben. Dieser Prozess resultiert seinerseits in einer ständig wachsenden Komplexität unserer mentalen Strukturen , die dadurch immer besser imstande sind, die Anforderungen der Umwelt effizient zu bewältigen. Piaget vertritt zwei komlementäre Konzepte, die spezifizieren, wie sich Anpassung vollzieht: auf dem Wege der Assimilation und der Akkommodation.

Assimilation

Das Konzept der Assimilation geht davon aus, dass jeder Organismus eine Tendenz hat, Dinge aus der äußeren Umwelt in sich aufzunehmen, die sich darin vorfinden. So haben wir bestimmte körperliche Strukturen und Funktionen, die es uns ermöglichen, bestimmte Nahrungsmittel zu verdauen, und nach diesen Nahrungsmitteln suchen wir und verleiben sie uns ein. Piaget behauptet jedoch, die vorhandenen Strukturen oder Schemata tendieren dazu, nur jene Reize aus der Umwelt in sich aufzunehmen, die sie verkraften können. Mit anderen Worten: „Nahrung“ für das Denken wird so ausgewählt, dass sie für das jeweilige Entwicklungsniveau des Denkapparates verdaubar ist.

Diese Selektion bedeutet praktisch, dass ein Säugling (oder Kind) dazu neigt, nur jenen Teil der Welt wahrzunehmen, den er aufgrund seines bereits vorhanden Wissens begreifen kann, obgleich durch das Hineinpressen neuer Informationen in die nicht ganz passenden vorhandenen Muster gewisse Verzerrungen entstehen können. Er tendiere auch dazu, nur auf Situationen zu reagieren, mit denen er bereits vertraut ist und für welche die alten Reaktionen mehr oder weniger angemessen sind. Assimilation ist also ein konservatives Prinzip, das darauf abzielt, einen geistig-psychischen Status quo aufrechtzuerhalten. Genauer: Assimilation meint im wesentlichen ein aktives Interpretieren, Einordnen oder Deuten von Objekten und Ereignissen der Außenwelt in Begriffen der eigenen, gerade verfügbaren und bevorzugten Art, über diese Dinge zu denken. In den Anfängen ist die Assimilation im wesentlichen die Nutzung der Außenwelt durch das Subjekt, um die ihm angeborenen oder erworbenen Schemata zu stärken und zu vertiefen.

Da jedes Ereignis aber nur genau ein mal passiert, wird die neue Variante des Geschehens Informationen enthalten, die das alte Schema nicht enthält, „diese neuen Reize werden [ ] selbst nicht mehr ignoriert und somit setzt dann die Akkommodation ein.“(DTV-Atlas 1987)

Piaget unterscheidet mehrere Formen der Assimilation:

Reproduktive Assimilation: Kinder üben Schemata, indem sie sie wiederholen und dadurch konsolidieren.

Generalisierende Assimilation: die Spanne der Stimuli, die zu einem Schema assimiliert werden können, vergrößern sich.

Wiedererkennende Assimilation: Objekte werden gleichzeitig zu den Generalisierungen differenziert. Bei der Anwendung unterschiedlicher Schemata merkt das Kind, dass diese unterschiedlichen Schemata sich offensichtlich auf unterschiedliche Objekte beziehen. Das Kind erkennt ein Objekt wieder, wenn es das passende (differenzierte) Schema anwendet.

Gegenseitige Assimilation: Schemata assimilieren (koordinieren) sich gegenseitig so, dass umfassendere, stärker organisierte Schemata entstehen.

Akkommodation

Die Akkommodation tritt nur dann auf, wenn es eine Diskrepanz oder Störung gibt, für die der Organismus noch kein bewährtes Schema besitzt. Sie stellt insofern ein Ergänzung der Assimilation dar, als die Akkommodation einsetzt, wenn neue Reize nicht an die vorhandenen Schemata assimiliert werden ,aber zu hartnäckig sind, um ignoriert zu werden. Akkommodation bedeutet einfach ausgedrückt, dass neue Schemata gebildet oder alte modifiziert bzw. zusammengefügt werden, um komplexere neue Organisationsformen zu schaffen.

Jede menschliche Handlung ist grundsätzlich vielschichtig und deshalb begegnen uns Assimilation und Akkommodation gleichzeitig aber in unterschiedlichen Gewichtungen.

Die geistige Entwicklung stellt das ständige Bestreben dar, in unserem Verständnis der Welt um uns herum zu wachsen; wobei das, was wir zu verstehen suchen, nicht das völlig Neue ist, sondern vielmehr das fast Verstandene, das an den Grenzen unseres gegenwärtigen Fassungsvermögens liegt.

Piaget hat somit gezeigt, dass die kognitive Entwicklung nicht nach einem festgelegten Muster abläuft, sondern von vielfältigen Faktoren abhängig ist. Sie ist zum einen abhängig von der Fähigkeit Reize aufzunehmen, von der Qualität der Reize...usw.

Die kognitive Entwicklung ist zwar von den Zeitabschnitten in denen spezielle Entwicklungsschübe stattfinden „universell“, jedoch ist das „Futter“ das Kinder für die Entwicklung brauchen eventuell sehr unterschiedlich. Auch sind die Vorraussetzungen der Umwelt für jedes Kind so individuell, dass für jedes Kind eine eigene „Erfahrungswelt“ und somit auch Lernumgebung? exsistiert. Hier haben die Konstruktivisten eine entwicklungspsychologische Basis.

Literaturverzeichnis

DTV- Atlas zur Psychologie Bd. 2 1987 München

Hetzer/Todt, Seiffge-Krenke, Aibinger: Angewandte Entwicklungspsychologie des Kindes- u. Jugendalters;UTB Heidelberg 1990

Krech/Crutchfield u. a.: Grundlagen der Psychologie, Bd. 4;Weinheim 1985

Stangl-Taller, Arbeitsblätter zur Kognitiven Entwicklung,Wien:2004

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Piaget, Theorie der kognitiven Entwicklung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V109199
Dateigröße
343 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Piaget, Theorie, Entwicklung
Arbeit zitieren
Angelika Marioth-Majewski (Autor), 2005, Piaget, Theorie der kognitiven Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109199

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