Jugendliche ohne Schulabschluß - Über das Verhältnis zwischen Schulabschluß und 'Normal-'Lebensverlauf


Hausarbeit, 2002
20 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Personen ohne Schulabschluß und ihr dreifaches Scheitern an der Normalbiographie
2.1. Die Charakterisierung der Problemgruppe
2.2. Das erste Scheitern am Schulabschluß und an der ersten Schwelle
2.3. Das zweite Scheitern in der Berufsausbildung
2.4. Das dritte Scheitern beim Erwerbseinstieg und im Erwerbsleben

3. Ausblick und Résumée

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Personen ohne Schulabschluß nach Geburtsjahr

Abb. 2: subjektive Bewertung des eigenen Abschlußzeugnisses

Abb. 3: Berufsausbildungsabschluß nach Schulabschluß

1. Einleitung

In seinem 1985 veröffentlichten Beitrag „Die Institutionalisierung des Lebenslaufs“, beschreibt Martin Kohli (1985) ein Lebenslaufregime, welches sich durch ein hohes Maß an Institutionalisierung entlang eines durch das chronologische Alter charakterisierten Zeitstrahls auszeichnet.

Die zentrale Institution ist dabei die Erwerbstätigkeit, auf die hin alle Lebensphasen ausgerichtet sind: Die Kindheits- und Jugendphase mit dem Hauptgewicht auf dem Erwerb von Qualifikationen als Vorbereitungsphase, das Erwachsenenleben als Aktivitätsphase und schließlich das Alter als (durch die vorhergegangene Aktivitätsphase finanzierten !) Ruhephase (Kohli 1985, S. 3).

Die mit dieser Dreiteilung verbundenen Altersgrenzen sind insbesondere bedingt durch die staatlich gelenkte Umverteilung von Einkommen aus der Aktivitätsphase heraus in die Vorbereitungs- und in die Ruhephase: „Wenn Menschen durch ihr Leben gehen, so finden sie, daß der Staat fast alle Ein- und Austritte definiert: in die Erwerbstätigkeit und […] heraus […], in die Ausbildung und aus der Ausbildung und in die berufliche Ausbildung und aus ihr heraus.“ (Mayer; Müller 1989, S. 57)

Das stark institutionalisierte und chronologisierte moderne Lebenslaufregime gibt dabei für jede Lebensphase gültige Normen und Rollen vor und erzeugt im Gegensatz zu früher ein höheres Maß an Stabilität, läßt dagegen aber auch weniger Reversibilität zu (Mayer 1996, S. 45).

Durch diese Regulierung gibt es aber jeweils auch Personen(-gruppen), die aus unterschiedlichen Gründen das Lebenslauf-Programm nicht erfüllen können oder wollen und deshalb mit den Lebenslaufinstitutionen in Konflikte geraten. Eine solche Gruppe stellen Personen ohne Schulabschluß dar, deren Verhältnis zu einem institutionalisierten Lebenslaufregime im vorliegenden Text untersucht werden soll.

Weiterhin stellen Personen ohne Schulabschluß aber auch eine Gruppe dar, an deren Beispiel anschaulich das Konzept des institutionalisierten Lebenslaufes in Frage gestellt werden kann. Denn Kohlis Lebenslaufkonzept, nach dem jene, die „das […] institutionalisierte Ablaufprogramm erfüllen können […] mit biographischen Perspektiven und Langfristigkeit belohnt“ (Solga 2002, S. 3) werden, scheint nicht schlüssiger, als eines, das Lebensverläufe als individuell zu betrachtende, multipel bedingte und durch Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Individuum entstandene Phänomene betrachtet.

Personen ohne Schulabschluß „beweisen“ zudem, daß die Lebenslaufinstitutionen die einzelnen Lebensläufe eben nicht vereinheitlichen, sondern daß es durch (mehr oder minder bewußte) Auseinandersetzung mit diesen Institutionen durchaus zu stark abweichenden Lebensverläufen kommen kann. Schlüssig scheint dabei das Konzept, das Lebensverläufe als Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen individuellem Handeln und institutionellen Strukturen, „als das Ergebnis einer komplexen Konfiguration von Prozessen – individuellen Entscheidungen und Handlungen, kollektiven Entscheidungen und Selektionsprozessen, politischen und institutionellen Randbedingungen sowie von kohorten- und periodenspezifischen Bedingungen“ sieht (Mayer 1996, S. 53).

2. Personen ohne Schulabschluß und ihr dreifaches Scheitern an der Normalbiographie

2.1. Die Charakterisierung der Problemgruppe

Personen ohne Schulabschluß[1] sind eine Gruppe, deren Bedeutung zunehmend geringer zu werden scheint. Haben in den Geburtskohorten 1900-1920 der Befragten des ALLBUS 2000[2] noch 8,7% keinen allgemeinbildenden Schulabschluß erworben, sind es bei den Geburtskohorten ab 1941 nur noch 1,9% (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Personen ohne Schulabschluß nach Geburtsjahr (in %) (Quelle: eigene Berechnungen, ALLBUS 2000)

Allerdings kann man wohl davon ausgehen, daß sich ihr Anteil auf diesem Niveau weiter stabilisieren wird[3]. Damit bilden diese Personen, wie noch zu zeigen ist, eine Gruppe, deren Chancen, ein der Normalbiographie ähnelndes Leben zu führen, niedriger sind.

So gelingt es beispielsweise über der Hälfte (55,8%; ALLBUS 1980-1998) der Personen ohne Schulabschluß nicht, nach ihrem Scheitern an der ersten Schwelle (wie der Übergang zwischen allgemeinbildender Schulbildung und beruflicher Ausbildung genannt wird) einen beruflichen Ausbildungsabschluß zu erlangen; sie scheitern also auch an der zweiten Schwelle, dem Übergang zwischen Berufsausbildung und Erwerbsleben.

Und ein Scheitern an dieser zweiten Schwelle hat auch in der Phase der Erwerbstätigkeit weiterhin Folgen: Im Jahre 2001 waren 37% der registrierten Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutschland Personen ohne Berufsausbildungsabschluß und bildeten damit die größte Gruppe der Arbeitslosen mit Besonderen Merkmalen, noch größer z.B. als die der Arbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen (IAB 2002). Durch die geringere Beteiligung am Erwerbsleben mit voraussichtlich geringen Löhnen, kann man auch einen eingeschränkten Erwerb von Rentenanwartschaften prognostizieren und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit der Armut im Alter. Es ist also festzustellen, daß der gesamte Lebenslauf dieser Personen stark von der Normalbiographie abweicht.

Neben diesem äußerlichen Lebenslaufscharakteristika ist auch die Frage von Schuldzuweisung und Selbstbild interessant zu betrachten. Heike Solga (2002, S. 9) weist darauf hin, daß Jugendliche ohne Schulabschluß „mit dem amtlichen Stempel des Defizitären versehen (nämlich ohne Schulabschluß zu sein, von einer Haupt-, wenn nicht gar Sonderschule zu kommen)“ seien (Hervorhebung im Original).

Das Fehlen eines allgemeinbildenden Schulabschlusses kann damit als primäre Abweichung von der Normalität im Sinne des labeling approach begriffen werden. Durch die geringe bzw. fehlende gesellschaftliche Toleranz dieses Normbruchs wird dann der abweichende Status dieser Personen konstruiert, die daraufhin die deviante Identität in ihr Selbstbild aufnehmen. Einen Beleg dafür könnte man in der Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit und des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BA/BIBB 2002) sehen, die über 350.000 Lehrstellensuchende[4] nach ihrer subjektiven Bewertung des eigenen Abschluß- bzw. Abgangszeugnisses befragten (Abb. 2). Jugendliche, die eine Sonderschule besuchten oder keinen Schulabschluß erlangen konnten, beurteilen dabei ihre Leistung deutlich schlechter als die Vergleichsgruppe; sie scheinen also die Beurteilung ihrer Leistung durch die Gesellschaft in ihr Selbstbild übernommen zu haben.

Doch wie stellt sich nun das oben erwähnte dreifache Scheitern der schulabschlußlosen Jugendlichen im Einzelnen dar?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: subjektive Bewertung des eigenen Abschlußzeugnisses (Quelle: BA/BIBB 2002)

2.2. Das erste Scheitern am Schulabschluß und an der ersten Schwelle

Als ein Effekt der Bildungsexpansion der letzten Jahrhunderte[5] läßt sich beschreiben, daß „Lernerfolg nach den Maßstäben der Schule zum fast ausschließlichen Kriterium sozialer Anerkennung und der Verteilung von Lebenschancen“ geworden ist (Mayer 1996, S. 57).

Dieses Anerkennungskriterium ist auch bei den Personen ohne Schulabschluß fest internalisiert; bei einem Test mit der ALLBUS-Variablen „Wichtigkeit von Ausbildung für gesellschaftlichen Erfolg“ ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Personen mit einem allgemeinbildenden Schulabschluß und denen ohne (eigene Berechnungen, ALLBUS 1980-1998).

Weiterhin existiert als gesetzlich fixierte Größe die neunjährige allgemeine Schulpflicht. Es sind somit alle Personen, die im entsprechenden Alter in Deutschland leben[6] verpflichtet, sich den institutionellen Anforderungen der Schule zu stellen. Daß es dabei verschiedene Gruppen gibt, denen es leichter oder schwerer fällt, diesen Anforderungen gerecht zu werden, braucht nicht betont zu werden. Um diesem Umstand gerecht zu werden, existiert daher auch die Dreiteilung (zzgl. Sonderschulen) des deutschen Schulsystems. Dennoch gibt es auch Personen, die selbst die Anforderungen der Hauptschule nicht erfüllen können.

Innerhalb der Rahmenbedingungen eines institutionalisierten Lebenslaufes haben diese Personen jedoch oft nicht genügend Handlungsspielraum oder gar ‑alternativen, um trotz des Scheiterns in der Schule innerhalb des Lebenslaufmusters Schule-Ausbildung-Vollerwerbsleben-Rente zurecht zu kommen oder gar davon abweichende individuelle Lebensläufe zu beschreiten.

Karl Ulrich Mayer (1996, S. 47) weist mit Blick auf Kohli darauf hin, daß die Voraussetzung zur Nutzung der Ordnung, Berechenbarkeit und der erweiterten individuellen Handlungsspielräume des institutionalisierten Lebenslaufkonzeptes eine hohe Anpassungsfähigkeit des Individuums sei, „das die marktmäßigen und wohlfahrtsstaatlich gesetzten Anreizsysteme optimal ausschöpft.“ Ob die Jugendlichen ohne Schulabschluß diesen Anforderungen gerecht werden, bleibt dabei zunächst offen. Nach dem Konzept des institutionalisierten Lebenslaufes führt die Tatsache, daß diese Personen den Hauptschulanforderungen nicht gewachsen sind, zu einer „ Ausgliederung von »Problemgruppen«“ (Kohli 1985, S. 23, Hervorhebung C.H.), d.h. diese Gruppen sind als Gegenbeispiele für dieses Konzept nicht mehr relevant.

Dennoch kann wohl behauptet werden, daß die Prozesse des Ausgliederns ein gesellschaftlich benötigter und staatlich gewollter Vorgang ist. Mayer und Müller (1989, S. 57) charakterisieren die Rolle des Staates in diesem Zusammenhang als „»gate keeper« und Chancenverteiler“ und Solga (2002, S. 7) unterstützt diese Behauptung mit ihrer Bemerkung, daß der Schulbesuch mehr ein Statuszuweisungs- als ein Statuserwerbsprozeß sei, der relativ unabhängig von den jeweils konkreten Positionsinhabern funktioniere.

So ist denn auch hier das in der Einleitung angesprochene Lebensverlaufskonzept schlüssiger, das unter anderem die Wechsel­wirkung zwischen institutioneller Struktur und individuellem Handeln in den Vordergrund stellt und den jeweils individuellen Lebensverlauf auch als Abbild der Sozialstruktur einer Gesellschaft begreift.

Zu untersuchen sei daher, wie das Individuum, das eine Position im unteren Bereich jener Sozialstruktur zugewiesen bekommt, mit dieser umgeht, zumal die gesellschaftliche Deutung der Positionszuweisung eben keine gesellschaftlichen Automatismen als Grund unterstellt sondern individuelles Versagen der Positionsinhaber (begründet durch Stigmata wie „nicht ausbildungsreif“, „nicht berufsreif“, „nicht beschäftigungsfähig“ usf.).

Hierzu wurde bereits oben auf das labeling approach hingewiesen. Zur gesellschaftlichen Funktion des Labeling-Prozesses kann noch angeführt werden, daß das Charakterisieren von Schulabschlußlosigkeit als abweichendes Verhalten die sozialen Benachteiligungen dieser Gruppe und die größere soziale Sicherheit der anderen Gruppen legitimiert.

Als Ansatz zur Erklärung des Umgangs mit dieser Positionierung stellen Volker Mariak und Lydia Seus (1993, S. 29ff.) das Konzept des »cooling out« vor, wobei sie sich auf Erving Goffman[7] berufen. »Cooling out« bedeute dabei, daß Verlierer so behandelt werden, daß sie kein gesellschaftliches Konfliktpotential bilden. Dies sei im Bildungssystem besonders wichtig, da „dort von jedem Schüler […] höchste Leistungs­an­strengung verlangt wird, aber nur wenige erfolgreich sein dürfen an­gesichts der Knappheit von qualifizierten Positionen. Diejenigen, die scheitern, müssen […] davon überzeugt werden, daß sie ihr Scheitern selbst verschuldet haben.“ (Mariak; Seus 1993, S. 29ff.)

Mariak und Seus führten dazu eine qualitative Panelanalyse Bremer Schulabgänger von Haupt- und Sonderschulen durch. Im Ergebnis Ihrer Studie unterscheiden sie Verlaufstypen, die sich von einander unterscheiden in der Art und Weise, wie mit schulischer Negativ-Selektion umgegangen wird.

Weit über die Hälfte ihrer Stichprobe hat die notwendigen Abkühlungsprozesse erfolgreich abgeschlossen. Dabei gibt es zwei etwa gleich große Untergruppen, die einen reagieren auf schulische Selektion mit Aspirationsverzicht und akzeptieren bspw., daß sie eben nur einen Hauptschul- und keinen Realschulabschluß erwerben konnten, oder daß nach dem (ggf.) erreichten Abschluß eben nicht die angestrebte Ausbildung zu bekommen ist. Die zweite Untergruppe kennzeichnet sich durch die Strategien „Selektionsvermeidung und Abkühlungsprävention“; d.h. ein etwa angebotener Realschulbesuch wird als zu riskant abgelehnt und lieber ein sicherer Hauptschulabschluß erworben. Diese Gruppe paßt also ihre Aspiration an ihr angenommenes Leistungsvermögen an (Mariak; Seus 1993, S. 33f.).

Ferner gibt es die andere Gruppe, deren Abkühlung (bisher) nicht erfolgreich verlief. Hier unterscheiden die Autoren drei Untergruppen: die erste Untergruppe reagiert auf die schulische Negativ-Selektion statt mit cooling out entweder mit Widerstand („Ich zeig’ Euch, was ich wirklich kann“ oder Verweigerung gegenüber dem Anforderungssystem) oder resignativ. Die zweite Untergruppe erlebt die Selektion im Wesentlichen bewußt erst zum Zeitpunkt des (geplanten) Eintritts in das Berufsausbildungssystem und ist mit den ihr zur Auswahl stehenden Ausbildungsangeboten (Berufsvorbereitungs-; ‑grundbildungsjahr, überbetriebliche Ausbildungen, Unerreichbarkeit der Wunschausbildung usf.) unzufrieden und akzeptiert diese allenfalls als Kompromiß auf Zeit. Die Personen in der letzten Untergruppe (>10%) scheitern mit der Abkühlung erst an der ersten Schwelle, indem sie mit der Berufsausbildung nicht zurecht kommen, sich dort ungerecht behandelt fühlen und dergleichen mehr und oft schon nach sehr kurzer Zeit wieder aus dem Berufsausbildungssystem ausscheiden (Mariak; Seus 1993, S. 34).

2.3. Das zweite Scheitern in der Berufsausbildung

Es deutet sich also bereits an, daß Jugendliche ohne Schulabschluß bereits am Ende ihrer Schullaufbahn mit frustrierenden Erlebnissen konfrontiert sind, deren Verarbeitung nötig ist. Doch wie oben bereits dargestellt, ist der fehlende allgemeine Schulabschluß nicht der letzte Punkt, der ein Leben dieser Personen außerhalb der Normalbiographie kennzeichnet.

Denn im Gegensatz zu dem Lebensverlaufsmuster Schule-Erwerbsleben-Altersruhestand, welches vor 50 Jahren noch maßgebliche Bedeutung hatte (Solga 2002, S. 5), und welches den Schulabschlußlosen dennoch ermöglichte, in der Normalbiographie anzukommen, hat die Institutionalisierung der Phase „Berufsausbildung“, wie oben schon angedeutet, eine weitere Hürde aufgebaut.

Ein erheblicher Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluß münden allerdings nach dem Ende der Schule nicht unmittelbar in eine Berufsausbildung ein, sondern verbringen noch einen oft nicht unerheblichen Zeitraum in verschiedenen Maßnahmen, die das erklärte Ziel haben, die Defizite dieser Jugendlichen aufzuarbeiten. Es handelt sich um Berufsvorbereitungsjahr, Berufsgrundbildungsjahr und dergleichen, die allerdings, wie Volker Mariak und Lydia Seus (1993, S. 33) feststellten, für ihre Teilnehmer eher den Charakter von „Warteschleifen“ vor dem eigentlichen Aufnehmen beruflicher Ausbildung haben. Im Schuljahr 1999/2000 waren 65,1% der 68.606 Teilnehmer an Berufsvorbereitungsjahren Personen ohne Schulabschluß, weitere 20,6% hatten nur einen Hauptschulabschluß erworben.

Doch liegt der Verdacht nahe, daß die Installation der Institution BVJ nur ein Versuch ist, die Abkühlungsprozesse des entsprechenden Klientel zu fördern, also schlußendlich keinen Zweifel bestehen zu lassen, daß ihr Versagen ausschließlich auf persönliches Unvermögen, nicht jedoch auf das Versagen gesellschaftlicher Strukturen zurückzuführen sei. Insofern stellen diese Institutionen gewissermaßen auch eine Unterstützung der Rechtfertigung der sozialen Benachteiligung der Personen ohne Schulabschluß dar. „ Wir haben es versucht, sie haben es nicht geschafft“ (Solga 2002, S. 4, Hervorhebung im Original); wir haben ihnen eine weitere Chance eingeräumt, die sie nicht in der Lage waren zu nutzen.

Denn das Scheitern der Jugendlichen ohne Schulabschluß in einem BVJ scheint sehr wahrscheinlich. Obwohl die zur Verfügung stehenden Daten keine genauere Überprüfung ermöglichten, läßt sich doch vermuten, daß ein erheblicher Teil der 30.600 (46%) BVJ-Teilnehmer des Schuljahres 1997/1998, die die BVJ-Abschlußprüfung nicht erfolgreich absolvieren oder erreichen, Personen sind, die auch zuvor schon an einem allgemeinbildenden Schulabschluß gescheitert waren (BIBB 2001). Diese Prognose kann getroffen werden, da die allgemeinbildende Schule und die berufsvorbereitenden Maßnahmen eine hohe Isomorphie aufweisen und so ist es also nicht verwunderlich, daß die Jugendlichen, die bereits früher in einer ähnlichen Situation scheiterten auch diesen Anforderungen nicht gewachsen sind.

Die gleiche Prognose kann man auch für die Berufsausbildung treffen. Auch die Berufsausbildung, die ja zu einem großen Teil aus Berufs schule besteht, weist eine hohe Strukturähnlichkeit mit der allgemeinbildenden Schule auf. Obendrein finden viele der schulabschlußlosen Personen einen Ausbildungsplatz in einer über- oder außerbetrieblichen Berufsausbildung (Solga 2002, S. 14), was diesen Effekt noch verstärkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Berufsausbildungsabschluß nach Schulabschluß

(Quelle: eigene Berechnungen, ALLBUS 1980-1998)

Tatsächlich kann festgestellt werden, daß die Personen, die keinen allgemeinbildenden Schulabschluß erwerben konnten, ungefähr dreieinhalb mal so oft auch keinen Ausbildungsabschluß erwarben, wie die Personen mit Schulabschluß (Abb. 3).

Heike Solga macht im Zusammenhang mit den berufsvorbereitenden Maßnahmen auf einen interessanten und ernüchternden Tatbestand aufmerksam: Daß nämlich „jene Personen ohne Schulabschluß, die in ihrer ersten Ausbildungsepisode in eine berufsvorbereitende Maßnahme einmündeten, langfristig deutlich häufiger ohne Ausbildungsschluß blieben als schulabschlußlose Personen, deren erste Ausbildungsepisode eine Berufsausbildung […] gewesen ist.“ (Solga 2002, S. 14, Hervorhebung im Original)

Dieser Befund läßt die Terminologie „Berufsvorbereitung“ regelrecht zynisch erscheinen und stützt damit die Vermutung, daß das BVJ in erster Linie rechtfertigende Funktionen zu erfüllen habe und die Teilnehmer dieser Maßnahmen noch weiter von einem Einmünden in den Normallebenslauf entfernt.

So lassen sich auch regelrechte Maßnahmekarrieren feststellen. Von den Teilnehmern des JUMP-Sofortprogramms zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit befanden sich beispielsweise direkt nach Abschluß der Maßnahme 21,1% erneut in einer anderen Maßnahme, weitere 33% kehrten in die Arbeitslosigkeit zurück[8] (Dietrich 2001).

2.4. Das dritte Scheitern beim Erwerbseinstieg und im Erwerbsleben

Dementsprechend gestaltet sich auch der Übergang in das Erwerbsleben schwierig.

Die Personen ohne Schulabschluß tragen ein sehr viel höheres Risiko, arbeitslos zu werden (oder überhaupt nicht in das Erwerbsleben einzutreten) als jene mit Schulabschluß. Auch wenn sie zu der Gruppe gehören, denen es noch gelungen ist, einen beruflichen Ausbildungsabschluß zu erwerben, ist ihr Arbeitslosigkeitsrisiko höher als das von beruflich Ausgebildeten, die zuvor einen Hauptschul- oder höheren Abschluß erworben hatten. Diese Tatsache liegt darin begründet, daß die Mehrzahl der Tätigkeiten in Deutschland ein vergleichsweise hohes Qualifikationsniveau haben, und daß den Personen ohne Schulabschluß nur ein sehr kleines Arbeitsmarktsegment zur Verfügung steht. Dieses Segment wird im Wesentlichen durch die sogenannten Behinderten- und Hilfsberufe, sowie durch einige wenige Berufsprofile im Bereich Landwirtschaft, Handwerk und Hauswirtschaft gebildet. Dies sind meist auch die Bereiche, die am stärksten von Schwankungen im Arbeitsmarkt betroffen sind.

Zudem existiert in Deutschland kein Billiglohnsektor, der ggf. ermöglichen würde, gering qualifizierte Dienstleistungen zu geringen Preisen anzubieten und auf diese Weise eventuell qualifikationsarmen Personen eine Möglichkeit zur Berufstätigkeit bieten würde.

Ein weiteres interessantes Phänomen, was den Berufseinstieg von Personen ohne Schulabschluß betrifft, ist der Zeitpunkt des Eintrittes in das Erwerbssystem. In den Geburtskohorten 1964/1971 nehmen Personen ohne Schulabschluß erst deutlich später als ihre Altersgenossen mit Haupt- oder Realschulabschluß ihre erste, mindestens sechsmonatige Erwerbstätigkeit auf (gemessen am Median, dem Alter also, mit dem 50% ins Erwerbssystem eingetreten waren). Später folgen nur noch die Abiturienten, die aber zu einem hohen Anteil auch zeitintensive Studien absolvieren (Solga 2002, S. 29).

Auch die Streuung ist bei den Abschlußlosen sehr deutlich höher. Der Unterschied zwischen dem 5er und dem 95er Perzentil beträgt bei ihnen ca. 13 Jahre, bei den Personen mit Realschulabschluß etwas über 8 Jahre und bei den Hauptschulabsolventen nur ca. 7,5 Jahre (nach Solga 2002, S. 29). Der Grund dafür scheint in den zahlreichen zusätzlichen Berufsvorbereitungs- und Berufsbildungs­maßnahmen zu sein, sowie ggf. in individuellen „Warteschleifen“ (z.B. FSJ), um mit zeitlicher Verzögerung noch in den Wunschberuf einzutreten. Diese Vermutung bestätigen auch die Untersuchungen von Karl Ulrich Mayer (1996, S. 56ff.), der eine deutliche Expansion der Ausbildungszeiten im Kohortenvergleich feststellt[9].

Allerdings liegt dieser Befund in der Form nicht für jüngere Geburtskohorten vor. Die Streuung des Berufseintritts der Schulabschlußlosen lag noch bei den untersuchten 1930er, 1940/50er und 1955/1960er Jahrgängen etwa auf dem Niveau der Realschulabsolventen und damit unter dem der Personen mit Hauptschulabschluß; das oben skizzierte Bild bietet sich erst ab Jahrgang 1964/1971. Und auch das mediane Eintrittsalter lag bei den beiden älteren Kohorten noch unter den Personen mit Schulabschluß, bei der 1955/60er dann zwischen den Realschul- und den Hauptschulabsolventen und ist erst bei der jüngsten Kohorte das höchste (Solga 2002, S. 28).

3. Ausblick und Résumée

Dieser verspätete Eintritt erschwert nicht nur die Position auf dem Arbeitsmarkt, sondern wirkt sich mutmaßlich im weiteren Lebensverlauf auch auf den Altersruhestand aus. Da durch verspäteten Erwerbseintritt die Anzahl der Lebensjahre, in denen Rentenanwartschaften akkumuliert werden können, sinkt, und ferner Personen ohne Schulabschluß wegen des ihnen vorbehaltenen Arbeitsmarktsegmentes mit geringeren Einkommen rechnen müssen, läßt sich vorhersagen, daß auch ihr Alterseinkommen geringer sein wird, als das ihrer Altersgenossen mit mehr schulischem Bildungserfolg. Man könnte also ein viertes Scheitern im Ruhestand vorhersagen.

Vielleicht käme jedoch der oben erwähnte Billiglohnsektor den Bedürfnissen der Schulabschlußlosen entgegen. Mariak; Seus (1993) stellen bei ihren Probanten fest, daß diese nach der Schule oft kein Bedürfnis nach Berufsausbildung haben, sondern erst einmal Jobben wollen, also einer zwar ungelernten allerdings bezahlten und der Schule strukturunähnlichere Tätigkeit nachgehen wollen. Jedoch beugen sie sich, verstärkt durch die mangelnde Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften (d.h. die Arbeitsmarktbedingungen) und die gesellschaftlichen Erwartungen (repräsentiert durch die Hinweise von Lehrern, Eltern, Berufsberatern usf.), dem Quasi-Zwang, eine Berufsausbildung wenigstens zu versuchen. Das ihr Scheitern hier nicht verwunderlich ist, wurde oben bereits angedeutet.

Nach dem Scheitern an der Berufsausbildung ist jedoch der Weg in die Normalbiographie noch mehr verstellt als bisher, und es bestehen nur die Alternativen, gar nicht (mehr) ins Erwerbsleben einzumünden oder aber eine ungelernte Tätigkeit zu suchen. In letzterem Fall wären die Personen also letztendlich in den Lebensverlauf eingemündet, der ihnen bereits vor dem Versuch einer Berufsausbildung vorgeschwebt hatte und der ihnen eine zusätzliche Frustration (sowie weiteren Zeitverlust vor dem Eintritt ins Erwerbsleben) erspart hätte. Ferner könnte durch Weglassen der Phase der beruflichen Ausbildung und durch Verkürzung der Schulausbildungszeit[10] der Erwerbseintritt der Personen früher erfolgen, womit sie die Möglichkeit hätten, geringere Einkommen durch längere Erwerbszeiten oder fehlende formale Qualifikationen durch informelle, z.B. Berufserfahrung, zu kompensieren und so schlechte Startchancen zumindest etwas auszugleichen.

Bleibt also abzuwarten, ob sich ein solcher Sektor sich in den nächsten Jahren etablieren wird und ob er die Erwerbssituation von Personen ohne Schulabschluß verbessern wird.

Schließlich kann festgestellt werden, daß Personen, denen es nicht gelingt, einen allgemeinbildenden Schulabschluß zu erlangen, weit davon entfernt sind, einen Normallebenslauf, den z.B. Kohli (1985) skizzierte, zu durchlaufen.

Der Lebenslauf dieser Personen ist (zumindest in den jüngeren der jeweils untersuchten Geburtsjahrgänge) bestimmt von Verzögerungen und Scheitern an den meisten der wesentlichen Übergänge. Sie verlassen erfolglos und zeitlich später als viele ihrer erfolgreichen Altersgenossen das Schulsystem, um dann nach verspätetem Eintritt in den Berufsbildungsbereich auch dort häufig zu scheitern. Auch in das Erwerbsleben treten die meisten verspätet oder gar nicht ein, auch dort sind sie durch geringere Arbeitsplatzsicherheit häufiger Frustrationen ausgesetzt und schließlich wirkt die lebenslange Benachteiligung mutmaßlich im Ruhestand fort.

Der institutionalisierte Lebenslauf mit seinen gesellschaftlich bestimmten Normalabläufen scheint also für diese Personengruppe während der gesamten Lebenszeit nicht relevant zu sein und kann daher auch nicht als Erklärungsmodell herangezogen werden. Daher ist, wie eingangs angeführt, ein Lebensverlaufsmodell schlüssiger, welches die einzelnen Etappen eines Lebensverlaufes als Ergebnis eines Wechselwirkungsprozesses zwischen gesellschaftlichen und institutionellen Anforderungen und individuellen Handlungen und Ressourcen sieht.

Literaturverzeichnis

BA/BIBB (Bundesanstalt für Arbeit; Bundesinstitut für Berufsbildung), 2002: Grundauszählung differenziert nach Geschlecht und Schul­abschluss. http://www.bibb.de/forum/projekte/erste_schwelle/6_2002/ geschlecht_schule.pdf, download: 15.12.2002

BIBB, 2001: Übergang von der Schule in die Berufsausbildung. Statistische Analysen zur „Ersten Schwelle“.

http://www.bibb.de/forum/projekte/erste_schwelle/16_2001/ meldung16_2001.htm, download: 15.12.2002

Dietrich, Hans, 2001: JUMP, das Jugendsofortprogramm. Unterschiede in den Förderjahren 1999 und 2000 und der Verbleib der Teilnehmer nach Maßnahmeende. IAB-Werkstattbericht 3/26.02.2001. Nürnberg

IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), 2002: Zahlenfibel. Besondere Personengruppen unter den Arbeitslosen 2001.

http://doku.iab.de/zfibel/03_05_01.pdf, download: 15.12.2002

Kohli, Martin, 1985: Die Institutionalisierung des Lebenslaufs. Historische Befunde und theoretische Argumente. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 37, S. 1-29

Mariak, Volker; Seus, Lydia, 1993: Stolpersteine an der ‚ersten Schwelle’: Selektion, Aspiration und Abkühlung in Schule und Berufsausbildung. In: Leisering et al. [Hg.]: Moderne Lebensläufe im Wandel. Beruf – Familie – Soziale Hilfen – Krankheit. Weinheim, S. 27-45

Mayer, Karl-Ulrich; Müller, Walter, 1989: Lebensverläufe im Wohlfahrtsstaat. In: Weymann, Ansgar [Hg.]: Handlungsspielräume. Untersuchungen zur Individualisierung und Institutionalisierung von Lebensläufen in der Moderne. Stuttgart, S. 41-60

Mayer, Karl-Ulrich, 1996: Lebensverläufe und gesellschaftlicher Wandel. In: Behrens, Johann; Voges, Wolfgang [Hg.]: Kritische Übergänge. Statuspassagen und sozialpolitische Institutionalisierung. Frankfurt/Main; New York, S. 43-72

Solga, Heike, 2002: Ohne Schulabschluss – und was dann? Bildungs- und Berufseinstiegsbiografien westdeutscher Jugendlicher ohne Schulabschluss, geboren zwischen 1930 und 1971. Selbständige Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit: Bedingungen und Folgen mangelnder Berufsausbildung“ Working Paper 2/2002. Berlin http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/forschung/nwg/arbeitsberichte.htm download: 15.12.2002

[...]


[1] „Personen ohne Schulabschluß“ meint dabei Hauptschüler (ganz selten Realschüler), die die Schule verlassen haben, ohne einen Schulabschluß zu erwerben und Personen, die an einer Sonderschulausbildung teilgenommen haben.

[2] Die in diesem Text benutzten Daten entstammen der kumulierten „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ aus den Jahren 1980-1998 (im Folgenden: ALLBUS 1980-1998) bzw. aus dem Jahre 2000 (im Folgenden: ALLBUS 2000). ALLBUS ist in den Jahren 1980-1986 und 1991 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert worden. Die weiteren Erhebungen wurden von Bund und Ländern über die GESIS (Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen) finanziert. ALLBUS wird von ZUMA (Zentrum für Umfragen, Methoden und Analyen e.V., Mannheim) und Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung (Köln) in Zusammenarbeit mir dem ALLBUS-Ausschuß realisiert.

[3] Oder sogar wieder ansteigen. Der ALLBUS 2000 weist für die 1961-1970er Geburtskohorten nur 1,5% Schulabschlußlose auf und dagegen für die 1971-1980er Kohorten wieder 2,4%. Das wären somit wieder mehr als in den 1931-1940er Kohorten, von denen zumindest ein erheblicher Teil am Ende des zweiten Weltkrieges bzw. in den ersten Nachkriegwirren im Alter des Schulabgangs waren. Doch lassen die geringen Besetzungszahlen noch keine Trendaussagen zu.

[4] In dieser Befragung wurden jedoch nur diejenigen Personen erfaßt, die sich um eine duale Ausbildungsstelle bemühten. Es ist also zu erwarten, daß sich das Bild bei der Befragung aller Schulabgänger noch weiter Richtung schlechte Beurteilung („unterdurchschnittlich“) bei den Abschlußlosen und gute Beurteilung („überdurchschnittlich“) bei den Abiturienten verschieben würde, da sowohl Personen, die sich nicht für eine Ausbildung interessierten als auch Studienplatzbewerber nicht erfaßt wurden.

[5] Nach Mayer (1996, S. 53ff.) beginnt die Bildungsexpansion mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1717, erreicht aber ihre Wirkung auf die Gesamtbevölkerung erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

[6] An dieser Stelle sei der Hinweis angebracht, daß sich diese Ausführungen im Wesentlichen auf Jugendliche beziehen, die in Deutschland geboren sind. Heike Solga weist darauf hin, daß die Datenlage für Schulabschlußlose mit Migrationshintergrund noch schlechter ausfalle, als die ohne „miserable“ Datenlage für Personen ohne Schulabschluß insgesamt, man könne allerdings davon ausgehen, daß Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger keinen Schulabschluß erwerben, als ihre in Deutschland geborenen Mitschüler (Solga 2002, S. 5).

[7] Goffman, Erving, 1962: On Cooling the Mark Out: Some Aspects of Adaption to Failure. In: Rose, A. [ed.]: Human Behavior and Social Processes. Boston, S. 482-505 (Literaturangabe: Mariak; Seus 1993, S. 42)

[8] Nur weiter sechs Monate später nach Abschluß der Maßnahme waren sogar schon wieder 21,6% in einer neuen Maßnahme, jedoch waren nur noch 25% arbeitslos (Dietrich 2001).

[9] Aber auch ein Schrumpfen des Sektors unqualifizierter Arbeit. Im kumulierten Bildungs- und Berufsverlauf der 1929-1931 geborenen Männer befinden sich im Alter von ca. 30 Jahren ungefähr 40% in unqualifizierten Berufen, die 20 Jahre später geborenen Männer nur noch zu ca. 20%. Bei Frauen kann man die gleiche Tendenz, jedoch wegen der Familienarbeit, die bei den untersuchten Männern überhaupt nicht auftaucht, auf niedrigerem Niveau (ca.32% und ca.18%) feststellen (Mayer 1996, S. 59ff.)

[10]...die ja durch die gesellschaftlichen Erwartungen, daß man es wenigstens mehrfach versucht haben muß, bevor man sich ein Scheitern eingesteht, bei Personen ohne Schulabschluß in den letzten Jahrzehnten immer länger geworden ist; beinahe so lang inzwischen wie die von Abiturienten (Solga 2002, S. 7)

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Details

Titel
Jugendliche ohne Schulabschluß - Über das Verhältnis zwischen Schulabschluß und 'Normal-'Lebensverlauf
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Einführung in die Lebensverlaufsforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V109228
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Aufsatz argumentiert ein dreifaches Scheitern von Jugendlichen ohne Schulabschluß an der durch die insbesondere sozialstaatlichen Institutionen vorgegebenen "Normalbiographie": i. an der Transitionen zwischen Schule und Berufsausbildung ii. während der Berufsausbildung und iii. am Übergang Ausbildung / Erwerbseinstieg. Dazu werden empirische Belege der ALLBUS Datensätze 1980 bis 1998 und BA/BIBB-Daten herangezogen. Es wird ein 4. Scheitern im Rentenalter vorausgesagt.
Schlagworte
Jugendliche, Schulabschluß, Verhältnis, Normal-, Lebensverlauf, Einführung, Lebensverlaufsforschung
Arbeit zitieren
B.A., M.Phil. Christian Holz (Autor), 2002, Jugendliche ohne Schulabschluß - Über das Verhältnis zwischen Schulabschluß und 'Normal-'Lebensverlauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109228

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Titel: Jugendliche ohne Schulabschluß - Über das Verhältnis zwischen Schulabschluß und 'Normal-'Lebensverlauf


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