Schiller, Friedrich von - Vergleich der Werke 'Die Räuber' und 'Der Verbrecher aus verlorener Ehre'


Facharbeit (Schule), 2004

13 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Inhaltsangabe der beiden Werke
2.1 Die Räuber
2.2 Der Verbrecher aus verlorener Ehre
2.3 Epoche

3. Vergleich
3.1 Form
3.2 Personen
3.3 Handlung
3.4 Mordverbrechen
3.5 Sonstiges
3.6 Rolle der Frau

4. Wirkung

5. Schluss

6. Quellenangaben

7. Zitatangaben

1.Einleitung

Die Aufgabe meiner Facharbeit bestand darin die beiden Werke Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ und „Die Räuber“ zu vergleichen. Zunächst möchte ich auf das Leben Schillers bis zu der Entstehungszeit dieser Werke eingehen.

Friedrich Schiller wird am 10 November 1759 in Marbach am Neckar als Sohn eines Arztes geboren. 1764 lässt sich seine Familie in dem württembergischen Grenzdorf Lorch nieder, wo Schiller als Fünfjähriger die Dorfschule besucht. Die jährlichen Landesexamen in Stuttgart besteht er mit der besten Note.

Seine Kindheit verläuft bis zu seinem 14-ten Lebensjahr glücklich. 1773 wird er auf Befehl des regierenden Herzogs Karl Eugen und gegen seinen Willen in die militärische „Pflanzschule“ geschickt. Diese Schule wurde 1771 von dem Herzog Karl Eugen gegründet, damit der Nachwuchs an Beamten und Offizieren in seinem Reich gesichert ist. Auf dieser Schule herrschen die strengsten Regeln vor: es gibt keine Schulferien, kaum freie Stunden und der Besuch der Eltern wird überwacht. Dennoch widersetzt er sich den Regeln, wenn auch nur heimlich, indem er verbotene Lektüre von Lessing, Shakespeare und Rousseau liest. 1777 verfasst er genauso heimlich sein erstes Drama „Die Räuber“

Schiller nimmt das Jurastudium auf dieser Schule auf, jedoch als seine Noten sich verschlechtern, entscheidet er sich für das Medizinstudium, womit er 1780 fertig ist. Aus finanziellen Gründen entschließt er sich statt weiter zu studieren einen niedrigeren Beruf als Wund- bzw. Militärarzt anzunehmen. In diesen sieben Jahren des Aufenthalts kommt ihm das Gefühl Vieles verpasst zu haben hoch, so dass er mit der übrig gebliebenen Energie das Versäumte aufzuholen versucht. Aus fehlendem Interesse an seinem Beruf widmet er sich mehr dem Schreiben zu.

Sein erstes Werk „Die Räuber“ wird durch seinen Lehrer Abel inspiriert, der ihm eine wahre Begebenheit über den Verbrecher Friedrich Schwan, auch bekannt unter dem Namen „Sonnenwirtle“ erzählt.

Da er keinen Verleger für das Werk findet, sammelt er alle seine Ersparnisse und lässt es auf seine Kosten anonym drucken. Über einen Buchhändler in Mannheim gelangt der Roman zu dem Bühnenleiter von Dahlberg. Nach einiger Überarbeitung wird das Stück am 13.01.1782 in Mannheim uraufgeführt. Um zu sehen, wie das Publikum sein Stück aufnimmt, reist er heimlich zur Uraufführung an. Das Publikum ist begeistert.

2. Inhaltsangabe der beiden Werke

2.1 Die Räuber

Karl Moor, der ältere Sohn des Grafen Moor, macht sich während seines Studiums in Leipzig Schulden und teilt es in einem Brief seinem Vater mit. Sein jüngerer Bruder Franz legt die Situation zu seinem Gunsten aus und verbreitet Lügen über Karl. Aus Eifersucht begeht er Verrat an seinem Vater und seinem Bruder, indem er in Vaters Namen Karl für seine Taten tadelt. Enttäuscht über diese Reaktion des Vaters wendet sich Karl seinen negativen Freunden zu und gründet mit ihnen eine Räuberbande. Franz geht in seinen Lügen weiter und behauptet, dass Karl tot sei, um seinen Vater schneller eingehen zu lassen, um die Geliebte Karls Amalia für sich zu gewinnen und um als Alleinerbe dazustehen. Karl versucht währenddessen kämpft für Gerechtigkeit zu kämpfen. Als er einen Bandenmitglied rettet, kommen unschuldige Menschen ums Leben. Aus Sehnsucht nach der Heimat kehrt er als Graf von Brand zurück. Er wird bis auf Franz von keinem erkannt. Dieser versucht mit Hilfe von einem alten Diener Karl zu vergiften. Dieser Versuch scheitert jedoch. Als Karl von der schlechten Behandlung des Vaters erfährt, befreit er ihn. Der Vater stirbt aus Schande, als er im Räuber seinen Sohn erkennt. Franz sieht in einem Traum seine Verdammnis und begeht aus diesem Grund Selbstmord. Amalia fühlt sich zu dem Verbrecher hingezogen. Karl kann auf Grund eines Treueschwures nicht mit Amalia glücklich werden. Er bringt sie um, um sich von der Bande zu lösen. Anschließend stellt er sich der Gerichtsbarkeit und will die auf ihn ausgesetzte Belohnung einem armen Tagelöhner spenden.

2.2 Der Verbrecher aus verlorener Ehre

Christian Wolf ist ein Verlierer mir einem schlechten Äußeren. Er verliebt sich in Johanne, die er mit Geschenken überhäuft, um sie für sich zu gewinnen. Um diese zu finanzieren begeht er Wilddiebereien. Dabei wird er von dem Jäger Robert, der auch in Johanne verliebt ist, dreimal erwischt. Beim ersten Mal muss er eine Geldstrafe bezahlen, beim zweiten Mal kommt er für ein Jahr in das Zuchthaus und beim dritten Mal für drei Jahre ins Gefängnis. Während seines Gefängnisaufenthaltes wächst sein Rachegefühl gegenüber der Menschheit und seine Persönlichkeit wird ganz verdorben. Um nach dem Aufenthalt überleben zu können, muss er wieder Wilddieberei betreiben. Als Robert erneut seinen Weg kreuzt, bringt Wolf ihn um. Danach startet er unter dem Namen „Sonnenwirt“ eine professionelle Verbrecherkarriere. Er wird Anführer einer Bande, in der er das vorher vermisste Anerkennungsgefühl bekommt. Durch seine Taten wird er schnell zu einem gesuchten Verbrechen. Als er erkennt, dass er falsch handelt, flieht er von der Bande und möchte einen Neuanfang als Arbeiter bei einem Landesherren wagen. Er wird jedoch abgelehnt und will das Land verlassen. Bei einer Passkontrolle verhält er sich auffällig und stellt sich in einem Verhör anschließend selbst.

2.3 Epoche

Beide Werke sind der Epoche „Sturm und Drang“ zuzuordnen. Obwohl das Drama „Die Räuber“ einen klassischen Aufbau aufweist (fünf Akte), sind es auch viele Merkmale der Epoche „Sturm und Drang vorhanden. Es fängt schon damit an, dass die klassische Einheit des Ortes, der Handlung und der Zeit aufgelöst ist, denn das Drama spielt an mehreren Orten wie das Schloss der Familie Moor oder die Wälder, der Zeitraum beträgt ungefähr zwei Jahre und als Haupthandlungen stehen die Verbrecherlaufbahn Karls und Franz Intrigen im Vordergrund. Ich werde mich im Verlauf hauptsächlich mit der ersten Handlung beschäftigen.

Auch sprachlich weisen viele Merkmale auf diese Epoche hin. Es wird sehr viel Umgangssprache (verschiedene Schimpfwörter), Bildersprache und Ausrufe benutzt, die oft übertrieben erscheint.

Weitere Eigenschaften erkennt man am besten an den Hauptfiguren dieser Werke. Denn in beiden Werken ist der „große Kerl“, ein Rebell im Mittelpunkt. Dieser Rebell kämpft für seine individuelle Freiheit gegen die bestehende Ordnung in der Gesellschaft und könnte für viele Menschen dieser Zeit als Vorbild dienen.

3.Vergleich

3.1 Form

Das Werk „Die Räuber“ ist im Zeitraum von 1776-1781 entstanden. Es handelt sich hierbei um ein Drama, das klassisch in fünf Akte aufgeteilt ist: Die Einleitung besteht aus der kurzen Vorstellung der Hauptfiguren und des auslösenden Konfliktes (hier: die Schulden Karls). Dieser Konflikt führt zu den Intrigen Franz, die zur Folge die Verbrecherlaufbahn Karls haben, womit die Handlung steigt. Der Höhepunkt liegt darin, dass Karl erkennt falsch gehandelt zu haben und durch seine Rückkehr in die Heimat fällt die Handlung wieder. Jedoch mündet seine Rückkehr in einer Katastrophe, denn er erkennt seinen einzigen Ausweg aus seinem Räuberleben, indem er Amalia umbringt und sich anschließend stellt. Da das ursprüngliche Drama zu lang für die Bühnenaufführung war, musste es immer wieder gekürzt werden.

Das Werk „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ ist dagegen eine Kurzgeschichte, die fünf Jahre später in 1786 erschienen ist. Es lässt sich in zwei Teile einteilen. Teil eins geht von Zeile 1 bis Zeile 68 und beinhaltet das Vorgehen Schillers beim Verfassen dieser Geschichte und auch die Absicht, die er beim Leser erzielen will. Er möchte eine Distanz zwischen „dem historischen Subjekt und dem Leser“ schaffen (Z.26ff), um ihm ein eigenes Urteil zu ermöglichen (Z. 66 „dem Ausspruch des Lesers nicht vorgreifen“), wobei das Endergebnis (die Hinrichtung) schon vorweggenommen wird. In dem zweiten Teil (ab Z. 69 bis zum Ende) wird dann die ganze Geschichte sachlich und ohne Aufbau jeglicher Spannung geschildert.

Durch den ähnlichen Verlauf der Geschichten kann man daraus schließen, dass die Kurzgeschichte und das Drama auf dem selben historischen Schicksal des Friedrich Schwan aufbauen. Um den historischen Ursprung zu verdeutlichen wird zu Beginn der Kurzgeschichte hingewiesen, dass das eine „wahre Geschichte“ ist (Z.2). Trotz der vielen Ähnlichkeiten gibt es auch viele Unterschiede in den beide Erzählungen, die ich hier auflisten werde.

3.2 Personen

Im ersten Akt des Dramas werden die Personen vorgestellt: Karl Moor ist ein beliebter junger Mann, der aus einer wohlhabenden Familie kommt. Es besteht eine enge Bindung zum Vater, dem Grafen Maximilian Moor. Karls Bruder Franz Moor dagegen ist mit einer „Bürde von Hässlichkeiten“ (1) versehen und ist eifersüchtig auf das gute Verhältnis zwischen dem Vater und dem Bruder. Hinzu kommt noch die Eifersucht zu der Cousine Amalia, der Geliebten Karls. Aus diesen Gründen nutzt Franz die Gelegenheit und schmiedet eine Intrige, die Karl als Anlass dient sich der Räuberbande zuzuwenden. Franz ist in dieser Geschichte der Konkurrent von Karl.

Die Hauptperson aus „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ ist das Gegenteil zu Karl Moor. Er kommt aus einer Familie der Mittelschicht und wächst ohne Vater auf. Er ist von Geburt an nicht besonders hübsch ( „unscheinbare Figur“, „plattgedrückte Nase“ ... Z.74 ff) und ist äußerlich eher mit Franz Moor zu vergleichen, dessen Äußeres durch seine „Lappländernase“ (2), „Mohrenmaul“ (3) oder „Hottentottenaugen“ (4) gekennzeichnet ist. Diese Umstände führen dazu, dass er bei seiner Angebeteten Johanne erfolglos ist. Trotzdem versucht er sie durch Geschenke, die er mit Wilddieberei finanziert, zu beeindrucken. Dabei wird er vom Jäger Robert, der auch an Johanne interessiert ist, erwischt. Hier ist Robert der Rivale Christians.

3.3 Handlung

Karl fühlt sich von der Gesellschaft in diese Situation gezwungen und möchte Rache an der Gesellschaft üben (5). Er übernimmt sofort die Anführerrolle und macht sich innerhalb der Bande einen neuen Rivalen, denn im Gegensatz zu Spiegelberg, der für seinen Nutzen die Verbrechen begeht, möchte Moor für Gerechtigkeit sorgen. Dafür muss er jedoch ungerechte Mittel verwenden.

Wolf, der von Robert mehrmals beim Diebstahl erwischt wird, wird von der Gesellschaft immer mehr und mehr verstoßen: Johanne flieht von ihm und er bekommt noch nicht einmal die Stelle als Schweinehirt, was ihn schließlich zu erneutem Diebstahl veranlasst, um überleben zu können. Man kann erkennen, dass Wolf stufenweise aus der Gesellschaft verstoßen wird. Im Gegensatz zu Moor kann man sagen, dass bei Wolf die Schuld für seine Verbrecherlaufbahn in der Gesellschaft liegt und nicht nur durch Intrigen des Rivalen zu Stande kommt. Er wird wieder erwischt und kommt für drei Jahre ins Gefängnis. Hier wird die Grundlage für sein Verbrecherdasein gelegt, denn er wird innerhalb seines Aufenthaltes durch die Umgebung geprägt, gegen die er anfangs versucht anzukämpfen (z.B. durch Gebete) (6), er verliert das seinen Stolz, das einzige, was ihm in der Welt blieb („mein Stolz krümmte sich unter der Schande“ Z.124) und passt sich schließlich an. Von Rachegefühlen („glühenden Hass“) (7) überfüllt verlässt er das Gefängnis als „Lotterbube“ (Z.123). Er beschließt sich an der Gesellschaft zu rächen, indem er die Gesetze bricht. Hier besteht ein erneuter Unterschied zu Moor, der die betrügerischen Menschen bestrafen möchte, wozu er aber das Gesetz brechen muss.

3.4 Mordverbrechen

In beiden Erzählungen kommt es zu einer Mordtat. Bei Wolf geschieht es aus Rache an seinem Rivalen Robert, der ihm erneut bei einem Wilddiebstahl auflauert. Zwar hat Wolf zuerst Hemmungen, denn „Rache und Gewissen rangen hartnäckig und zweifelhaft, aber die Rache gewanns“ (8). Moor hingegen will seinen Treuschwur gegenüber seinem Freund einem Hauptmann einhalten und möchte ihn befreien und bei dieser Rettungsaktion kommen viele Kinder und Greise ums Leben. Aus diesem Grund wird er gesucht.

Während Wolf bewusst aus niederträchtigen Gründen, wie Hass und Rache, einen Mord begeht, ist es bei Moor die Freundschaft, die ungewollt die Opfer fordert.

Erst nach der Mordtat kommt Wolf auf der Flucht in eine Bande, in der er auch wie Moor Anführer wird. In dieser Bande erfährt er all das, was er in seinem bisherigen Leben vermisst hat, dazu gehört z.B.: Zuneigung des weiblichen Geschlechts und Anerkennung in der Bande. Er wird unter dem Namen „Sonnenwirt“ bekannt und sein Ruf als Verbrecher wächst immer mehr und mehr. Es werden sogar Gerüchte verbreitet, dass er mit dem Teufel einen Bund hat. Er scheint in seiner Rolle des Verbrechers richtig aufzugehen. Schließlich wird auch auf ihn ein Kopfgeld angesetzt.

3.5 Sonstiges

Moor hat im Laufe der Erzählung auch einen Decknamen, den er sich aber selber verleiht, um in seiner Heimat nicht erkannt zu werden. Er zieht sich öfter in die Natur zurück, was ein Zeichen dafür ist, dass er mit seinem Leben als Räuber nicht zufrieden ist und er bekommt oft die Sehnsucht nach der Heimat. Das neue Bandenmitglied Graf Kosinsky veranlasst ihn dazu, in die Heimat zurückzukehren. Dabei benutzt er den Decknamen „Graf von Brand“. Der Aufenthalt in der Heimat bildet den ersten, wenn auch kleinen, Bruch mit der Bande. Das nutzt sein Bandenrivale Spiegelberg aus, um in der Bande Unruhe zu stiften und Pläne zu schmieden um selber an die Macht zu kommen. Karl möchte wieder ein normales Leben mit Amalia führen, was jedoch gegen den Treueschwur verstößt. Er sieht keinen anderen Ausweg, als den Pakt durch den Mord an Amalia zu brechen. Anschließend muss er sich selbst eingestehen falsch gehandelt zu haben und bereut seine Taten. Um es wieder gut zu machen, stellt er sich freiwillig und erfüllt damit eine gemeinnützige Tat, indem er das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld einer armen Bettlerfamilie zukommen lassen will.

Der Anlass warum sich Wolf von der Bande mit der Zeit abwendet, ist der, dass der anfängliche Erfolg nachlässt und in der Bande Neid und Eifersucht herrscht. Auch er erkennt, dass er zu unrecht gehandelt hat „Das verstummte Gewissen gewann zugleich seine Sprache wieder“ (Z.412) „Sein ganzer Hass wandte sich jetzt ... gegen ihn selber.“ (Z. 414 f). Er flieht von der Bande und will ein neues Leben anfangen. Als er mit einem gefälschten Pass eine Passkontrolle durchquert, wird er nervös und aus diesem Grund verdächtig, was zur Verhaftung als Anlass dient. Nach einem Verhör wird er hingerichtet.

3.6 Rolle der Frau

Ein wichtiger Aspekt in beiden Geschichten ist die Rolle der Frau. Während Amalia, die Geliebte von Moor, ihn liebt und ihm treu bleibt, verachtet Johanne, die Angebetete Wolfs, ihn anfangs, obwohl er um ihre Zuneigung kämpft. Sie ist auch der Grund, wie zur Wilddieberei kommt, denn er will ihr die Geschenke finanzieren. In beiden Erzählungen dienen diese Frauen um den Konflikt zwischen den Hauptfiguren und ihren Rivalen (Karl Moor – Franz Moor; Wolf – Jäger Robert) verschärfen.

Johanne wird zu einer Dirne und erst als Wolf sich als „Sonnenwirt“ einen Namen gemacht hat, fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Er aber findet sie jetzt nur noch erbärmlicher als ihn selber.

Amalia hingegen traut ihrem Geliebten nicht zu Verbrechen zu begehen, aber beschließt aus Liebe zu ihm trotz seiner Taten bei ihm zu bleiben, was für eine wahre Liebe spricht. Während bei „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ Johanne sich von einer Beziehung mit Wolf Erfolg verspricht, von Liebe kann keine Rede sein.

Abschließend kann man sagen, dass Johanne den Anfang zu Wolfs Verbrecherkarriere bildet, während bei Moor Amalia seine Räuberlaufbahn beendet.

4. Wirkung auf Leser bzw. Zuschauer

Obwohl beide Geschichten einen ähnlichen Erzählstrang haben, wirken beide Charaktere verschieden auf den Leser.

Moor wird anfangs als ein beliebter und erfolgreicher junger Mann beschrieben und erhält so Sympathie beim Leser. Wolf, der sofort als ein Verlierer dargestellt wird, kann anfangs nur Mitleid erwecken, das sich später durch seine Taten und Hass gegen die Menschheit in Abneigung gegen ihn ändert.

Obwohl Moor, genauso wie Wolf raubt und Verbrechen begeht, bleibt er immer in der Gunst des Lesers, weil er ausschließlich aus gut gemeinten Gründen handelt. Man könnte in ihm einen Robin Hood seiner Zeit sehen.

Diese verschiedenen Wirkungen sind vor allem durch die verschiedenen Erzählformen, die ich schon in 3.1 erläutert habe, hervorgerufen. Denn durch den dramatischen Aufbau der Handlung von „Die Räuber“ wird es dem Leser bzw. Zuschauer um so leichter gemacht mit der Hauptperson Karl Moor zu identifizieren. Bei der Kurzgeschichte wird aber eine Distanz geschaffen zwischen dem Leser und der handelnden Person, so dass kein Bezug zu Christian Wolf besteht und der Leser eher objektiv urteilen kann.

5.Schlussteil

Im Schlussteil möchte ich die Frage behandeln, warum Schiller das selbe Thema zwei Mal behandelt. Dafür kann man viele Gründe finden, die zeigen, dass das Thema von großer Bedeutung nicht nur für ihn, sondern auch für andere war.

Da der Inhalt das Leben eines Rebell darstellt, kann man das auch biographisch begründen. Durch die Zwänge, die er während seiner Jungendzeit vor allem im Studium erlebt, sieht er in dem Schreiben seine Möglichkeit gegen die bestehende Ordnung zu rebellieren und sein Verlangen nach Freiheit richtig auszuleben, womit er auch seine Zuschauer und Leser auffordert die Zustände nicht als gegeben hinzunehmen. Damit auch alle angesprochen werden können, wählt er beide Methoden es an das Publikum unterzubringen. Methode eins ist diejenige, die im Drama „Die Räuber“ zum Vorschein kommt. Dort wird der „Leser warm wie der Held“, das heißt, dass er mit dem Held mitfühlt und leidet. Methode zwei verfolgt er in der Kurzgeschichte, in der der Held „kalt [wird] wie der Leser“, das heißt, dass der Leser über dem Geschehen steht und entscheidet. Dieses rebellierende Verhalten passt völlig zu der Epoche „Sturm und Drang“.

Quellen

Hauptquellen:

1) Friedrich Schiller „Die Räuber“ Cornelsen-Verlag

2) Friedrich Schiller „Der Verbrecher aus verlorenerer Ehre“ http://www.fln.vcu.edu/schiller/verbrecher.html siehe Anhang

Sekundärquellen:

3) http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&SEARCHTYPE=topic&query=Schiller für 1

4) http://www.friedrich-von-schiller.de/zeittafel.htm für 1

5) „Texte, Themen, Strukturen“ Deutschbuch für die Oberstufe (S. 232/233) für 2.3

6) „Oldenbourg Interpretationen“ mit Unterrichtshilfen von Michael Hofmann S. 115 für 3.1

7) http://www.lothar-veit.de/lektuere/schiller.pdf

Zitate und Belege:

(1) Bürde von Hässlichkeiten Quelle 1; I,1

(2) Lappländernase Quelle 1; I,1

(3) Mohrenmaul Quelle 1; I,1

(4) Hottentottenaugen Quelle 1; I,1

(5) Quelle 1; I,2 „O ich möchte den Ozean vergiften, dass sie den Tod aus allen Quellen saufen.“

(6) Quelle 2; Z. 126 ff Man verhöhnte mich, wenn ich von Gott sprach, und setzte mir zu, schändliche Lästerungen gegen den Erlöser zu sagen.

(7) glühenden Hass Quelle 2; Z.143 ff Damals gelobte ich unversöhnlichen glühenden Hass allem, was dem Menschen gleicht, und was ich gelobte, hab ich redlich gehalten.

(8) Rache und Gewissen rangen hartnäckig und zweifelhaft, aber die Rache gewanns Quelle 2; Z.214 f.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Schiller, Friedrich von - Vergleich der Werke 'Die Räuber' und 'Der Verbrecher aus verlorener Ehre'
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V109239
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Friedrich, Vergleich, Werke, Räuber, Verbrecher, Ehre
Arbeit zitieren
Mascha Winke (Autor), 2004, Schiller, Friedrich von - Vergleich der Werke 'Die Räuber' und 'Der Verbrecher aus verlorener Ehre', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109239

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