Sonntag Abend, 18.00 Uhr Jugendgottesdienst in der Stadtkirche!
So wird häufig auf Plakaten, in Lokalzeitungen, Gemeindebriefen oder Kirchenrundschreiben geworben.
Doch wer wird hier umworben, und was verbirgt sich hinter dem sogenannten „Jugendgottesdienst“?
Der Essay geht dieser Frage nach widmet sich besonders den möglichen Formen der neuen Kirchenmusik.
Inhaltsverzeichnis
1. Begrifflichkeit „Jugend“
2. Jugend mit eigenem Gottesdienst
3. Neue Lieder für die Jugend
4. Strukturen ändern!
5. Der Begriff „Jugendgottesdienst“ ist überholt
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den Sinn und die Wirksamkeit von speziellen Jugendgottesdiensten und hinterfragt, ob die bloße Anpassung von Uhrzeit, Musikstil oder Titulierung ausreicht, um junge Menschen nachhaltig für kirchliche Angebote zu begeistern.
- Definition und Altersabgrenzung des Begriffs "Jugend"
- Kritische Analyse traditioneller gottesdienstlicher Rituale
- Die Rolle des "Neuen Geistlichen Liedes" in der modernen Kirche
- Bedeutung der strukturellen und inhaltlichen Erneuerung
- Integration junger Menschen in die bestehende Gemeindegottesdienstpraxis
Auszug aus dem Buch
2. Jugend mit eigenem Gottesdienst
Die Idee ist gut: Junge Menschen verbringen oft die Wochenendnächte in Discos oder auf Partys und sind selten bereit, am Sonntagmorgen um 9.00 Uhr oder 10.00 Uhr einen Gottesdienst zu besuchen, denn zu dieser Zeit wird noch geschlafen. Also besteht die einfache Lösung darin, den Gottesdienst auf den frühen Abend zu verlegen, ihn speziell als Jugendgottesdienst auszuweisen und schon hat man erreicht, was man wollte...
Leider ging dieses Konzept aber nicht immer so auf, wie es gedacht war, denn nur eine andere Uhrzeit macht einen Gottesdienst noch nicht sonderlich attraktiver für einen Jugendlichen. Man stelle sich folgende Situation vor: „Mit einem ächzenden Quietschen wird die schwere Kirchentüre geöffnet. Man kommt vom hellen Tageslicht in einen großen Raum mit Kerzenschein, häufig keinen Fenstern und beklemmender Stille, trotz der Tatsache, dass schon viele Menschen in diesem Raum sind. Leise sucht man sich einen Platz, um bloß nicht die anderen Gottesdienstbesucher zu stören, die anscheinend dabei sind nichts zu tun, oder sie beten im Stillen. Hat man schließlich einen Platz gefunden, setzt man sich ruhig hin, wagt es nicht, seinen Nachbarn anzusprechen und wartet bis der Gottesdienst beginnt.
Pompös setzt die Orgel mit einem Präludium aus dem 17.Jahrhundert ein, die Gemeinde beteiligt sich am Gottesdienst mit festgelegten Akklamationen und alten Liedern, deren Texte sprachlich längst überholt sind (z.B. „Gott der Vater steh uns bei“ aus: Gotteslob Nr.305; siehe Abbildung) und darf sich durch abwechslungsreiches Setzen, Stellen und Knien sogar körperlich betätigen. Immerhin wird in der kath. Kirche der Nachbar auch einmal bedacht und angeschaut, wenn der Friedensgruß gewünscht wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begrifflichkeit „Jugend“: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Jugend“ wissenschaftlich und gesellschaftlich und zeigt auf, dass der Altersbereich zwischen 12 und 30 Jahren aufgrund veränderter Lebensphasen sehr weit gefasst ist.
2. Jugend mit eigenem Gottesdienst: Das Kapitel analysiert, warum die zeitliche Verlegung von Gottesdiensten alleine nicht ausreicht, um die Attraktivität für Jugendliche zu steigern, da oft eine Diskrepanz zwischen kirchlichem Ritual und jugendlicher Lebenswelt besteht.
3. Neue Lieder für die Jugend: Hier wird die Rolle des Neuen Geistlichen Liedes (NGL) beleuchtet und hinterfragt, ob der Einsatz von moderner Musik als Anziehungsmittel ohne inhaltliche Qualität die Erwartungen der Jugendlichen erfüllen kann.
4. Strukturen ändern!: Dieses Kapitel plädiert dafür, den Fokus von reiner Performance auf inhaltliche Flexibilität und Mitmachkonzepte zu verschieben, um die Distanz zwischen erstarrten Ritualen und der Jugend zu überbrücken.
5. Der Begriff „Jugendgottesdienst“ ist überholt: Abschließend wird die These vertreten, dass die Integration jugendlicher Bedürfnisse in den regulären Gemeindegottesdienst sinnvoller ist als die künstliche Trennung durch spezielle Jugendformate.
Schlüsselwörter
Jugendgottesdienst, Kirche, Jugend, Neue Geistliche Lieder, Gottesdienstgestaltung, Rituale, Gemeindearbeit, Jugendarbeit, Gottesdienststruktur, Integration, Adoleszenz, Kirchenmusik, Partizipation, Jugendkultur, Gemeindealltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität und Sinnhaftigkeit von Jugendgottesdiensten in der heutigen Kirchengemeinde und hinterfragt, ob diese das richtige Mittel sind, um junge Menschen an die Kirche zu binden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Definition von Jugend, die Analyse kirchlicher Rituale, die Funktion von Musik im Gottesdienst sowie die Notwendigkeit struktureller Veränderungen innerhalb der Kirchengemeinden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass eine rein oberflächliche Anpassung von Musik oder Uhrzeit nicht ausreicht und stattdessen eine tiefgreifende inhaltliche und strukturelle Integration der Jugend in den Gemeindegottesdienst notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu soziologischen Begriffen der Jugendphase, auf der Auswertung bestehender Konzepte der Kirchenmusik sowie auf Reflexionen aus der gottesdienstlichen Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Problematik starrer gottesdienstlicher Abläufe, der Kritik am alleinigen Einsatz von Musik als Zugpferd und der Vorstellung alternativer Konzepte wie Mitmach- oder Themengottesdiensten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jugendgottesdienst, Integration, Gottesdienststruktur, Rituale, Neue Geistliche Lieder und Partizipation.
Warum hält der Autor den Begriff „Jugendgottesdienst“ für überholt?
Da moderne Musikformen wie das NGL mittlerweile fest in den allgemeinen Kirchenalltag integriert sind, wird die künstliche Differenzierung zwischen Jugendlichen und dem „Rest der Gemeinde“ zunehmend hinfällig.
Welche Rolle spielen „Rituale“ im Kontext der Gottesdienstkritik?
Der Autor kritisiert, dass viele kirchliche Rituale für Jugendliche unverständlich und mechanisch wirken, weil ihr Sinn und Zweck den Beteiligten oft nicht mehr bewusst ist.
Welche Lösungsansätze werden für den Gottesdienst der Zukunft vorgeschlagen?
Es wird empfohlen, die Gemeinde stärker in den Ablauf einzubinden, interaktive Elemente wie Interviews oder Theaterstücke zu nutzen und die Jugend als vollwertige Gemeindemitglieder in den regulären Gottesdienst zu integrieren.
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- René Frank (Author), 2004, Was macht einen Jugendgottesdienst zum Jugendgottesdienst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109250