Die Bismarck: Zusammenhang von Technik, Propaganda und Ideologie


Facharbeit (Schule), 2005

14 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Verwendung von Technik / Erfindungen für die Propaganda

Die Bismarck
- Technische Daten
- Verwendung der Bismarck für die Propaganda

Die Bedeutung des Namens „Bismarck“
- Andere Schiffe mit dem Namen „Bismarck“
- Was sahen die Briten in dem Namen „Bismarck“

Der Mythos von der „unversenkbaren“ Bismarck

Der Stapellauf der Bismarck

Die Feindfahrt der Bismarck
- Die Versenkung der Hood
- Die Versenkung der Bismarck

Die Bedeutung der Versenkung der Bismarck
- Zitat Churchills

Anhänge

Einleitung

„Die Bismarck war zum Zeitpunkt ihres Unterganges im Mai 1941 das wohl modernste, schönste und schlagkräftigste Schlachtschiff seiner Zeit. Ihre Geschichte liest sich wie ein Epos und könnte nicht spannender sein. Gesucht, gejagt, selber zum Jäger geworden, wieder gejagt, entkommen, wieder entdeckt, vernichtet. Während der acht Tage dauernden einzigen Feindfahrt der Bismarck verloren fast 3.500 Seemänner auf beiden Seiten Ihr Leben in der größten Verfolgungsjagd der Seekriegsgeschichte. Bis heute ist diese Geschichte immer noch eines der faszinierendsten Dramen des Zweiten Weltkrieges.“ - Einleitung von www.schlachtschiff.com -

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit dieser Arbeit möchte ich, anhand des Beispiels des Schlachtschiffes Bismarck, zeigen, auf welche Art und Weise technische Entwicklungen und Erfindungen im 3. Reich für Propaganda verwendet wurden.

Verwendung von Technik / Erfindungen für die Propaganda

Man kann sagen, dass im dritten Reich die Massenmobilisierungen des Volkes und die wachsende Zustimmung im Volk für das Naziregime durch Propaganda hergerührt wurden, und die Propaganda somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für Hitlers Macht war. Das Naziregime unter Hitler verwendete im Laufe der Zeit des dritten Reiches viele Erfindungen und technische Entwicklungen für ihre Propaganda. Das Ziel der Propaganda mit solchen technischen Entwicklungen vor dem Krieg war folgendes: Das deutsche Volk sollte von der Überlegenheit der deutschen Armee überzeugt, und somit die Moral und auch der Kriegswille des Volkes gefördert werden.

Einige Beispiele für solche technischen Propagandamittel, die im Krieg verwendet wurden, möchte ich hier anführen:

- Messerschmitt 262: War das erste im Kampf gegen andere Maschinen eingesetzte Düsenstrahlflugzeug der Welt. Die ME 262 war das schnellste und das wohl bekannteste Flugzeug im zweiten Weltkrieg.
- Die Hindenburg: War das größte und schnellste Luftschiff seinerzeit. Es wurde wegen seiner Größe und Überlegenheit gegenüber anderen Luftschiffen gerne für die Propaganda verwendet. So wurden zum Beispiel am Leitwerk der Hindenburg groß und deutlich Hakenkreuze aufgetragen.
- Die V2: War eine Rakete mit der man vom europäischen Festland aus Großbritannien beschießen konnte. Sie wurde in den Wochenschauen (Propagandafilme der Nazis) als den Krieg wendende Waffe gepriesen. Auch der Name, „Vergeltungswaffe 2“, hat schon propagandistische Bedeutung.
In einigen Fällen ist schon der Name propagandistisch geprägt:
- Die Panzerfaust / Panzerschreck: Dabei handelte es sich um Panzerabwehrwaffen (Panzerschreck war der Nachfolger der Panzerfaust). Der Name vermittelt sie sei mächtiger als jeder feindliche Panzer, beziehungsweise feindliche Panzer hätten gar Angst vor ihr.
- Die „Hitler-Säge“ (MG 42): Dabei handelte es sich um ein schlagkräftiges Maschinengewehr, dass in deutschen Reihen als unerschütterlich gepriesen wurde und die Feinde ``niedermähen´´ sollte.
- So wurden auch die Bismarck und die Ereignisse um sie herum, vor dem und auch in dem 2. Weltkrieg, von den Nazis für ihre Propaganda benutzt.

Die Bismarck

Nach dem 1. Weltkrieg war die Kaiserliche Marine gemäß den Bedingungen des Versailler Vertrages aufgelöst und die modernsten Schiffe an die ehemaligen Kriegsgegner Deutschlands abgetreten worden. Des Weiteren wurde der in „Reichsmarine“ umbenannten Flotte in dem Dokument verboten, eine U-Boot Flotte oder seegestützte Luftstreitkräfte zu besitzen, und die Flotte auf veraltete Schiffe für die Küstenverteidigung beschränkt. Ziel der ehemaligen Kriegsgegner Deutschlands war es, dass Deutschland nie wieder eine starke Hochseeflotte besitzen sollte.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 begann bald die Wiederaufrüstung Deutschlands. Das Flottenabkommen mit Großbritannien vom 18. Juni 1935, im Rahmen der so genannten britischen Appeasement Politik, erlaubte den Aufbau einer Flotte von 35 % der britischen Flotte, gemessen an der Masse. Die Reichsmarine, kurz nach dem Flottenabkommen in Kriegsmarine umbenannt, sollte nach dem so genannten „Z-Plan“ bis 1947 eine große Zahl neuer Schiffe erhalten, darunter Schlachtschiffe, Flugzeugträger und viele U-Boote.

So schloss die Nazi Regierung am 16.11.1935 einen Vertrag zum Bau eines neuen Kriegsschiffes mit der Blohm & Voss Schiffswerft in Hamburg. Die Bismarck, wie das Schiff später getauft wurde, sollte alle bis dahin existierenden Schlachtschiffe übertreffen.

Dabei wurde keine Rücksicht auf den mit Großbritannien unterzeichneten Flottenvertrag genommen. Nach diesem hätte die Bismarck ein Gesamtgewicht von ungefähr 35.000 Tonnen haben dürfen, allerdings war das Schiff schon unausgerüstet und unbeladen wesentlich schwerer (ca. 41.700 t). Den Briten wurde mitgeteilt, dass die Bismarck ein Gewicht von 35.562 Tonnen haben würde, womit diese den Vertrag eingehalten sahen. Am 14.02.1939 lief sie vom Stapel und wurde schließlich am 24.08.1940 der Kriegsmarine übergeben. 4a

Allein der Bau der Bismarck verschlang 196,8 Millionen Reichsmark, nicht mit eingerechnet sind Faktoren wie die Ausrüstung, die Besatzung, Munition oder Treibstoff.

Die Bismarck war 251 Meter lang und 36 Meter breit, was in der Länge mehr als zweieinhalb Fußballfeldern und in der Breite fast zwei Einfamilienhäusern entspricht, des Weiteren wog die Bismarck bei maximaler Beladung 50.405 Tonnen, was in etwa einem Gewicht von 7.200 Elefanten entspricht (ein Elefant wiegt ungefähr 7 Tonnen). Insgesamt muss die Bismarck für den Betrachter einen atemberaubenden Anblick geboten haben.

Trotz des enorm hohen Gewichtes lag die maximale Geschwindigkeit der Bismarck bei 30,8 Knoten (ca. 57 km/h), was die Erwartungen der Ingenieure, welche die Geschwindigkeit der Bismarck zwischen 29 und 30 Knoten geschätzt hatten, sogar übertraf. Somit war die Bismarck, obwohl sie beinahe 9.000 Tonnen schwerer war als das Flaggschiff der Briten, die Hood, fasst ebenso schnell wie diese.

Die Bismarck überragte die Hood, wie auch alle anderen bis dahin gebauten Schiffe, an Bewaffnung und Panzerung. Acht 38 cm Geschütze fanden auf der Bismarck Platz, wobei für jedes der 8 Geschütze 108 Schuss Munition mitgeführt wurden. Weiterhin verfügte die Bismarck über zwölf 15 cm Geschütze und 50 Flugabwehr Geschütze verschiedener Größe. Vergleicht man diese Feuerkraft mit der der Hood, die geringfügig größere Geschütze hatte, so kommt man, wenn man die gesamte Feuerkraft der beiden Schiffe (von allen Geschützen) und die Munitionskapazität mit einbezieht, zu dem Schluss, dass das Flaggschiff der Briten an Feuerkraft unterlegen war.

Des Weiteren war die Bismarck für Einsätze im Atlantik konzipiert worden, und durfte, trotz ihres hohen Gewichtes, nur einen niedrigen Tiefgang haben. Dieser wurde durch einen breiteren Bau des Schiffes realisiert, was die positive Nebenwirkung hatte, dass die Bismarck auch beim abfeuern der Geschütze denkbar stabil im Wasser lag. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, den britische Schiffe, die Hood eingenommen, nicht hatten.

Die Panzerung der Bismarck war die stärkste die bis dahin in einem Schiff verbaut worden war. Ihr Gesamtgewicht betrug 17.450 Tonnen. Die Panzerung war unter Wasser sogar so dick, dass sie einem Unterwasser-Sprengsatz von 250 kg TNT standgehalten hätte.5a Hinter dem Gürtelpanzer, der neben dem Deck und dem Ruder wahrscheinlich die empfindlichste Stelle eines Schlachtschiffes markiert, und bei der Bismarck ohnehin schon außerordentlich stark war, lag noch ein abgeschrägtes Panzerdeck, welches Torpedos oder Granaten, die den Gürtelpanzer durchschlugen, unwirksam machen sollte. Die Panzerung der Bismarck machte im Ganzen 40 % ihres gesamten Gewichtes aus, worin die Bismarck „typisch Deutsch“ war. Bei der Erbauung der Bismarck legte man nämlich weniger Wert auf Bewaffnung und Geschwindigkeit, wie es die Briten taten, sondern in erster Linie auf Standfestigkeit. Man glaubte in der deutschen Marine ohnehin, niedrigeres Kaliber der eigenen Kanonen gegenüber den feindlichen durch Qualität und technischen Vorsprung ausgleichen zu können. (Vergleiche Zitat aus „Dresdner Neuste Nachrichten“ - Seite 9; Absatz 3)

Ein weiteres technisches Augenmerk lag in der Fähigkeit der Bismarck bis zu 6 Wasserflugzeuge des Typs Arado 196 an Bord zu nehmen, und über ein 38 Meter langes Katapult vom Schiff aus zu starten. Landen konnten die Piloten nicht direkt auf der Bismarck, sie mussten im Meer landen und wurden dann über einen 10 Tonnen schweren Kran der Bismarck von ihr wieder aufgelesen. Mit den Flugzeugen konnte man den Feind ausspähen und gegebenenfalls im Voraus die befahrene Route auf ihre Sicherheit überprüfen, ein nicht zu verachtender taktischer Vorteil. 5b

Angesichts dieser technischen Daten wird verständlich, warum die Bismarck als „technisches Wunder“ und als „Stolz der Deutschen“ proklamiert wurde.

Für die deutsche Bevölkerung nämlich stellte der Bau eines solch großen Schlachtschiffes eine unglaubliche Genugtuung dar – Deutschland hatte ein Schlachtschiff, dass mit allen Schlachtschiffen der Briten mithalten konnte, und mehr noch: die Bismarck war gar das modernste Schlachtschiff der Welt, und nach der Niederlage im ersten Weltkrieg und den Beschneidungen durch den Versailler Vertrag fühlte man wieder ein neues Selbstbewusstsein und neue Stärke.

Auch war die Bismarck nun der Stolz der deutschen Marine, die durch das neue Flaggschiff größeres Ansehen in der Bevölkerung und in der Welt errang. Die Briten konnten sich beim Stapellauf der Bismarck, ein halbes Jahr vor dem Krieg, ausrechnen, dass sie im Falle eines Krieges mit der Bismarck ein äußerst modernes und gefährliches Schlachtschiff gegen sich haben würden.

Die Bedeutung des Namens „Bismarck“

„Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht [...] Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden. Das ist der große Fehler von 1848 und 49 gewesen, sondern durch Eisen und Blut."

- Otto von Bismarck 6a

Durch diese Worte bekam Otto von Bismarck seinen Titel „eiserner Kanzler“. Mit den „großen Fragen der Zeit“ ist die deutsche Einigung gemeint, die Bismarck nicht mehr mit Worten, sondern eben mit „Blut und Eisen“ (durch militärische Gewalt) herstellen wollte. So einte er Deutschland 1871, nach einem Krieg mit Frankreich, zu einem Nationalstaat, nach der so genannten „kleindeutschen Lösung“ 6b, was hervorragend zu den Ideen der Nazis, die Deutschland ebenfalls (auch auf militärischen Wege) zu „einigen“ suchten, passte. Die Nazis verstanden darunter allerdings die Annektierung aller Gebiete, die nach dem ersten Weltkrieg abgetreten werden mussten und in denen noch Deutsche lebten. So zum Beispiel bei der Rückgliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich, 1935, bei der Besetzung des Rheinlandes, 1936, oder dem Einmarsch ins Sudetenland.6c

Auch kam Bismarcks Nationalstaat, quasi ein Einvolkstaat, den Volksideen der Nazis sehr nahe. Somit hatte Bismarck für die Nazis einen gewissen Vorbildcharakter. Weiterhin hatte Bismarck nach der Einigung Deutschlands, ihm als Reichskanzler durch eine geschickte Außenpolitik zu großen Ruhm in der Welt verholfen, und selbstverständlich passte auch der Titel „eiserner“ Kanzler zu dem modernen Schlachtschiff aus Stahl. Nicht zuletzt taten dies auch die Tugenden, die man Bismarck zusprach. Er galt nämlich allgemein als ein sehr unerschütterlicher Politiker, und Unerschütterlichkeit und Standfestigkeit waren in den Augen der Nazis die besten Vorraussetzungen für ein Schlachtschiff.

Auch die schlichte Tatsache, dass Otto von Bismarck sehr populär war, führte zur Namensgebung. Es hatte nämlich auch schon zuvor Schiffe mit dem Namen „Bismarck“ gegeben, die für ihre Verhältnisse bei Weitem nicht so bedeutend gewesen wären wie die Bismarck aus dem Jahre 1939. So wurden schon ein bewaffnetes Segelschiff aus dem Jahre 1877, ein gepanzerter Kreuzer aus dem Jahre 1896 und ein Kampfkreuzer aus dem Jahre 1915 mit dem Namen „Bismarck“ getauft.6d

Bei den Briten ist die Benennung des größten und modernsten Schlachtschiffes Deutschlands mit dem Namen „Bismarck“ sehr positiv aufgenommen worden, da sich Bismarck in seiner Amtszeit immer wieder um europäischen Frieden, gerade mit Großbritannien, bemüht hat. Der Krieg war ja bei dem Stapellauf noch nicht ausgebrochen und die Briten sahen in der Bennennung des stärksten deutschen Schlachtschiffes, mit dem Namen „Bismarck“, ein Zeichen für den Friedenswillen Deutschlands.

Der Mythos von der „unsinkbaren“ Bismarck

Wie auch die Titanic galt die Bismarck als „unsinkbar“. Unsinkbar war sie sicherlich nicht, wie auch kein anderes Schlachtschiff, das jemals gebaut wurde. Woher kam der Mythos von der unsinkbaren Bismarck?

Es gab sicherlich gewissen berechtigten Nährboden, der glauben lies, dass die Bismarck unversenkbar sei. So war die Panzerung der Bismarck tatsächlich so konstruiert, dass Treffer von Granaten kaum Schaden anrichteten. Hinter dem schon sehr schwer zu durchdringenden Gürtelpanzer der Bismarck, befand sich dahinter noch ein abgeschrägtes Panzerdeck von 120 mm Dicke. So wird behauptet, dass selbst wenn Granaten den Gürtelpanzer der Bismarck durchschlagen hätten, diese aufgrund des Panzerdecks insgesamt keinen Schaden am Inneren des Schiffes hätten anrichten können. Und tatsächlich hat Robert Ballard, der Mann, der die Bismarck und auch die Titanic entdeckte, nur 4 Einschläge am Gürtelpanzer des Wracks Bismarck gefunden.7a Bedenkt man, dass in der letzten Schlacht der Bismarck 2.876 Granaten7b auf die Bismarck abgefeuert wurden, und die Bismarck von mindestens 3 Torpedos getroffen wurde, und dass sie dabei letztendlich nicht von den Granaten oder den Torpedos versenkt wurde, so ist der Ausspruch, die Bismarck sei „außerordentlich schwer“ versenkbar gewesen sicherlich nicht abzustreiten, und die Weiterführung, sie sei unsinkbar gewesen, nahe liegend.

Das Schiff war im Allgemeinen so gewaltig, dass man sich fragte: „Was kann diesem Schiff überhaupt gefährlich werden?“ Es gab durchaus Dinge die der Bismarck gefährlich werden konnten, und die zumindest dem Flottenkommando auch bekannt waren. So zum Beispiel das Ruder, welches der Bismarck zuletzt auch zum Verhängnis wurde. Man wusste in der Kriegsmarine, dass ein Glückstreffer am Ruder das gesamte Schiff zwar nicht direkt versenken, aber lahm legen würde. Aber man muss auch dazu sagen, dass auch kein britisches Schiff ein Mittel gegen einen solchen Treffer hatte. Ironie des Schicksals: Hitler fragte bei seinem Besuch der Bismarck am 05.05.1941, was passiere wenn die Bismarck am Ruder getroffen würde, und ihm wurde nach längerem Schweigen geantwortet, dass dies zu unwahrscheinlich sei. Auch gegen Angriffe aus der Luft hatte die Bismarck nicht allzu viel entgegen zu setzen. Zwar hatte die Bismarck 50 Flugabwehrgeschütze und auch eine außerordentlich starke Deckpanzerung vorzuweisen, aber die Tatsache, dass bei dem Angriff auf die Bismarck vom 26.05.1941 durch 15 langsame, und teilweise noch durch Leinen verkleidete, „Swordfish“ Kampfflugzeuge keines dieser abgeschossen, die Bismarck aber hingegen am Ruder manövrierunfähig geschossen wurde, zeigt wie unterlegen die Bismarck unter bestimmten Umständen einem britischen Flugzeugträger gewesen wäre.

Dass Menschen an die Propaganda vom „unsinkbaren“ Schiff glaubten, lag allerdings auch daran, dass es das modernste und auch das stärkste Kriegsschiff in den deutschen Reihen war. Ein Matrose, der auf der Bismarck eingesetzt war fühlte sich gewiss sicherer als einer, der auf einem kleineren Schiff seinen Dienst verrichtete, oder gar einem, der auf einem U-Boot diente. Dieses Gefühl wurde schon von der gewaltigen Erscheinung, die die Bismarck allgemein darstellte, genährt. Wenn man die Bismarck in voller Bewaffnung sah, wird man mit Sicherheit gedacht haben, dass ein Schiff, dass die Bismarck versenken könne erst noch gebaut werden müsse. 7c

Der Stapellauf der Bismarck

Als die Bismarck am 14.02.1939 zu Wasser gelassen wurde, schaute eine riesige Menschenmenge dabei zu. Auch die gesamte Nazihierarchie, samt Adolf Hitler war anwesend, als Dorothea von Löwenfeld, eine Enkelin des Fürsten Otto von Bismarck, das Schlachtschiff auf den Namen ihres Großvaters taufte. Die Anwesenheit der Enkelin Bismarcks stellt bei dem Stapellauf der Bismarck eine direkte Verknüpfung mit dem Reichskanzler, seiner Ideologie, und dem Schlachtschiff dar. „Der Geist des Eisernen Kanzlers soll den Soldaten und Offizieren des Schlachtschiffs mahnend voranleuchten in den Stunden schwerster Pflichterfüllung“ 8a sagte Hitler in einer für ihn verhältnismäßig kurzen Rede. Der Stapellauf fand riesige Beachtung in deutschen Medien (unter anderem Wochenschauen und Zeitungen)8b, was zeigt, wie stolz die Nazis auf ihr neues Prunkstück waren, da sie diejenigen waren, die bestimmten, was man in den Medien zu sehen, lesen und hören bekam.

Hitler sagt man nach, dass er in den „waffenstarrenden Giganten“ geradezu „vernarrt“ war. So nutzte Hitler 13 Tage vor dem Auslaufen der Bismarck am 05.05.1941 die Gelegenheit das Schiff noch einmal mit voller Bewaffnung und Ausrüstung zu besichtigen. Es wird berichtet, Hitler sei beeindruckt von der überwältigenden Größe des Schiffes gewesen, und habe sich außerordentlich interessiert für die Technik gezeigt, jedoch sei eine kurze Fahrt, die die Bismarck machte, ihm nicht bekommen. Hitler hat wohl auch selber einige Entwürfe von Schlachtschiffen angefertigt, die allerdings für die damaligen technischen Verhältnisse utopisch waren. So wollte er Schlachtschiffe mit bis zu 80 cm Geschützen bauen. Dies hätte allerdings eine solch große Basis des Schiffes gefordert, dass die Bismarck mit ihren 38 cm Geschützen dagegen geradezu winzig ausgesehen hätte.8c

(Oben: ein Photo von dem feierlichen Stapellauf) 8d Die Feindfahrt der Bismarck – Die Versenkung der Hood

„Bei Island hat die „Bismarck“ Großbritanniens größtes Schlachtschiff, den „Goliath der sieben Weltmeere“, wie die amerikanische Presse die „Hood“ nennt, nach einem Kampf von 5 Minuten vernichtet.“ 9a – so heißt es in einer Ausgabe der „Dresdner Neueste Nachrichten“ vom 27.05.1941.

Tatsächlich dauerte das „Gefecht in der Dänemarkstraße“ nur wenige Minuten, mit dem Ergebnis, dass das größte Schlachtschiff der britischen Flotte, die Hood versenkt, und die Prince of Wales schwer beschädigt wurde. Wie kam es zu dieser schweren Niederlage für die britische Flotte?

Am 19. Mai stach die Bismarck unter dem Befehl von Admiral Günther Lütjens in See, und unternahm mit der Prinz Eugen einen gemeinsamen Versuch im Rahmen der so genannten „Operation Rheinübung“ in den Atlantik vorzudringen. Am 23. Mai 1941 wurden die Bismarck und die Prinz Eugen von den britischen Zerstörern Sheffield und Norfolk gesichtet, und ihre Positionen an das britische Flottenkommando gemeldet. Daraufhin wurden die Schlachtkreuzer Hood und das Schlachtschiff Prince of Wales entsandt um die Bismarck und die Prinz Eugen abzufangen. Gegen 5:53 Uhr am 24. Mai 1941 feuerte die Prinz Eugen die erste Salve aus ungefähr 22 km Entfernung auf die Hood, und bereits mit der vierten Salve wurde gegen 5:56 Uhr ein Treffer erzielt, der die achtere Munitionskammer der Flugabwehr Geschütze in Brand setzte, welches aber schnell wieder gelöscht werden konnte. Die Bismarck eröffnete das Feuer gegen 5:55 Uhr aus einer Entfernung von ungefähr 20 km auf die Hood. Die fünfte Salve traf gegen 6:01 mitten in die achtere Munitionskammer und ließ die Hood explodieren, in zwei Teile brechen und innerhalb von wenigen Minuten sinken.

(Links: Bismarck feuert eine Salve ab)9b Nun konzentrierte sich das Feuer der deutschen Schiffe auf die Prince of Wales, die sich kurze Zeit später schwer beschädigt aus dem Gefecht zurück ziehen konnte. Aber auch die Bismarck war beschädigt worden: Unter anderem waren einige der Ölzellen leck geschlagen, und die Bismarck zog nun einen aus der Luft klar sichtbaren Ölteppich hinter sich her. Weiterhin ist wohl auch bei diesem Gefecht die Pressluftleitung zum Katapult beschädigt worden, weshalb später der Versuch, letzte Worte der Matrosen und das Kriegstagebuch, mit Hilfe der Arado 196 Flugzeuge in Sicherheit zu bringen, scheiterte.

Für die deutsche Marine stellte die Versenkung des britischen Flaggschiffes einen Beweis für die Überlegenheit der deutschen Flotte dar: „Die Versenkung der „Hood“ ist daher nicht nur ein Beweis für die ausgezeichnete artilleristische Durchbildung unserer Kriegsmarine, sondern auch für die überragende Güte und ungeheure Durchschlagskraft der deutschen Panzergranaten.“ Steht in der „Dresdner Neueste Nachrichten“ weiterhin geschrieben. Für das deutsche Volk, dass zu dem Zeitpunk geradezu vom positiven Verlauf des Krieges verwöhnt war, wird die Nachricht eine weitere Bestätigung dargestellt, und die deutsche Kriegsbegeisterung geschürt haben. Man siegte nun nicht mehr nur an Land über die britischen Armeen, sondern auch auf dem Wasser.

Für die Briten war die Nachricht vom Verlust der Hood eine Hiobsbotschaft. Die britische Armee hatte bis dato in Griechenland und Afrika nur Verluste erlitten und nun auch das Aushängeschild der Royal NAVY verloren.

Die Feindfahrt der Bismarck – Die Versenkung der Bismarck

Winston Churchill muss wohl sprachlos gewesen sein, als er von der Versenkung erfuhr, und als er sich wieder besonnen hatte, befahl er die Bismarck um jeden Preis zu versenken, sogar wenn der Treibstoff für die Rückkehr nach Großbritannien nicht mehr ausreiche. So wurden alle zur Verfügung stehenden Einheiten der Royal NAVY aufgeboten um die Bismarck zu finden und zu versenken. Auch aus entfernten Regionen wurden Schiffe von Geleitzügen abgezogen um sich auf die Suche nach ihr zu machen.

Nachdem die Bismarck und die Prinz Eugen sich getrennt hatten vollführte die Bismarck ein geschicktes Wendemanöver, so dass ihre Verfolger ihre Spur verloren. Lütjens, der wahrscheinlich nicht wusste, dass er seine Verfolger abgeschüttelt hatte, ließ gegen 8:52 Uhr am 25. Mai einen 36-minütigen Funkspruch an die Seekriegsleitung absetzten. Aufgrund dieses Funkspruches waren die Briten wieder in der Lage, die ungefähre Position der Bismarck auszumachen. Die Bismarck wurde daraufhin am 26. Mai gegen 10:30 Uhr wieder entdeckt, nicht weit entfernt vom sicheren Hafen, und außer Reichweite von allen britischen Schlachtschiffen. Die einzige Möglichkeit der Briten die Bismarck anzugreifen bestand aus den langsamen „Swordfish-Bombern“ vom Flugzeugträger „Ark Royal“. Gegen 14:50 Uhr starteten 15 dieser Bomber von der „Ark Royal“, griffen aber, anstatt der Bismarck, versehentlich den britischen Kreuzer „Sheffield“ an. Sie verursachten aber keinen Schaden. Gegen 20:47 Uhr erreichte eine zweite Welle von 15 „Swordfishs“ die Bismarck, und ein Torpedo traf das Ruder der Bismarck. Obwohl die Bismarck 50 Flugabwehrgeschütze an Bord hatte, gelang es nicht, auch nur einen der „Swordfishs“ abzuschießen. Die Bismarck war nun durch das beschädigte Ruder nur noch fähig im Kreis zu fahren. Angesichts dieser Tatsache setzte Lütjens noch einen letzten Funkspruch ab: „An den Führer des großen deutschen Reiches, Adolf Hitler: wir kämpfen bis zur letzten Granate“ 10a

Am nächsten Morgen um 8:47 Uhr begann das letzte Gefecht der Bismarck und knapp 2 Stunden spätern, nachdem 2.876 Granaten7b auf die Bismarck abgefeuert wurden, und die Bismarck von 3 Torpedos getroffen wurde, sank die Bismarck um 10:39 Uhr, nachdem Sprengkommandos gegen 10 Uhr die Bodenflutventile im Turbinenraum aufgesprengt hatten. Lütjens wird oftmals vorgeworfen, dass er sich angesichts der ausweglosen Situation auch hätte ergeben können, er es aber bevorzugte den Tod von mehr als 2.000 Menschen in Kauf zu nehmen. Hierzu ist zu sagen, dass eine Kapitulation dem Ruf der deutschen Kriegsmarine außerordentlich geschadet hätte. Lütjens stand vor der Wahl den Ruf der deutschen Marine enorm zu schädigen, oder ihr ganz im Gegenteil, höchste „Ehren“ zukommen zu lassen. Anhand des Funkspruches, den Lütjens schon in der Nacht zuvor abgesetzt hatte, lässt sich ablesen, dass es für Lütjens schon beschlossen war, dass er nicht kapitulieren würde. Und damit gab er der deutschen Propaganda Stoff um den „Heldenkampf der Bismarck“ noch heldenhafter Erscheinen zu lassen. (siehe Bild)10b

Während der Feindfahrt der Bismarck fanden bei der Versenkung der Hood 1.418 Matrosen den Tod (nur 3 Überlebende) und bei der Versenkung der Bismarck überlebten von über 2.200 Matrosen nur 115.

Die Versenkung der Bismarck

„Wäre sie entkommen wären die Folgen, die ihr Fortbestehen auf die Moral gehabt hätte, wie auch der materielle Schaden, den sie unserer Flotte zugefügt hätte, verheerend gewesen. Es wären starke Zweifel an unserer Fähigkeit, die Ozeane zu kontrollieren, aufgekommen, und diese Zweifel wären in alle Welt hinausposaunt worden, was für uns schwerwiegende Nachteile und Unannehmlichkeiten bedeutet hätte.“ – Winston Churchill 11a

Beide Parteien legten sich die Ereignisse rund um die Bismarck natürlich so aus, als wären sie selber insgesamt als Sieger hervorgegangen. Die Briten rechneten einfach im Verhältnis: Sie hatten nur eines von vielen Schlachtschiffen verloren, aber die deutschen hatten eines, ihr stärkstes, von sehr wenigen verloren, und dies auch noch bei der Jungfernfahrt. Die Bismarck war versenkt und vom Durchbruch in den Atlantik abgehalten worden. Des Weiteren war die Versenkung Hood gerächt worden, und dies auch noch von einem kleinen und technisch betagten „Swordfish“ Kampfflugzeug. Man hatte ebenfalls bewiesen, dass die eigene Flotte fähig war, die Kontrolle über die Meere zu behalten, wäre die Bismarck nämlich entkommen, egal wie sehr beschädigt, hätte dies bedeutet, dass eine Mobilmachung der britischen Flotte nicht fähig gewesen wäre ein einziges Schiff aufzuspüren, geschweige denn zu versenken. Und nicht zuletzt glaubte man Hitler persönlich damit gekränkt zu haben, was man an der beigelegten Karikatur erlesen kann, in der Hitler aufgrund des Verlustes der Bismarck „in den Teppich beißt“.11b

Die Deutschen Medien interpretierten die Geschehnisse ebenfalls für sich. Zunächst einmal war da die Tatsache, dass man das stärkste britische Schiff binnen weniger Minuten versenkt hatte. Im Gegenzug hatten die Briten vergleichsweise ewig gebraucht um die Bismarck zu versenken, was sie dann ja letztendlich noch nicht einmal getan hatte, schließlich hatten sich Lütjens und seine Männer ja in “heldenhafter Art und Weise selbst geopfert“ um dem Feind zu entgehen. Weiterhin hatte man auch bewiesen, dass die Bismarck den britischen Schiffen Haus hoch überlegen gewesen war, schließlich hatte es eine große Anzahl britischer Schiffe gebraucht, bis die Bismarck dann schließlich kampfunfähig war, ganz von der Menge der auf die Bismarck verschossenen Granaten abgesehen, deren Anzahl die Deutschen aber wohl kaum wissen konnten. Auch hatte sich gezeigt, dass die Panzerung der Bismarck fasst allem was die Briten zu bieten hatten standgehalten hatte, und die Tatsache, dass die Bismarck überhaupt versenkt wurde eher dem „Kriegsglück“ als der Gefährlichkeit der britischen Flotte zuzuschreiben war. Nicht zuletzt war es auch gelungen die Prinz Eugen in den Atlantik zu entlassen, wo sie alliierte Hilfskonvois zerstören sollte.

Anhang:

4a: Daten entnommen aus: - Deutsche Kriegsschiffe im 2. Weltkrieg (Gondrom Verlag)

5a: Information entnommen von: - http://www.schlachtschiff.com/kriegsmarine/schlachtschiff_bismarck/technik/panzerung.asp (keine Bestätigung aus anderen Quellen!)

5b: Technische Informationen entnommen von/aus: - http://www.schlachtschiff.com/kriegsmarine/schlachtschiff_bismarck/technik/index.asp - Deutsche Kriegsschiffe im 2. Weltkrieg (Gondrom Verlag)

6a: Zitat entnommen von: - http://www.lsg.musin.de/Geschichte/lkg/bismarck.htm

6b: Allgemeine Informationen über Bismarck entnommen aus: - http://www.wissen.de - http://de.wikipedia.org/wiki/Kleindeutsche_L%C3%B6sung

6c: Daten entnommen aus: - Deutsche Geschichte in Stichworten von Gerd Heuer (Erich Pabel Verlag)

6d: Daten entnommen von : - http://www.kbismarck.com/otherbis.html

7a: Informationen entnommen von: - http://www.ddtech.de/forum/topic.asp?TOPIC_ID=82&whichpage=13

7b: Zahlen entnommen von: - http://www.kbismarck.com/operheini.html

- http://www.schlachtschiff.com/kriegsmarine/schlachtschiff_bismarck/operationen/operation_rheinuebung.asp

7c: Informationen entnommen von: - http://www.lostliners.de/sonderthemen/bismarck/bismarck/

8a: Zitat entnommen von: - http://www.nadir.org/nadir/initiativ/ikrg/buch/b_v/kap202.htm

8b: Informationen entnommen aus: - Die Entdeckung der Bismarck (Ullstein Verlag) [Zitat von Seite 16, Zeile 12-7]

8c: Informationen entnommen von: - http://forum.schlachtschiff.com/topic.asp?TOPIC_ID=981

8d: Photo gefunden auf: - http://home.t-online.de/home/ronald.schoenberg/bisstape.jpg

9a: Zitat entnommen aus: - Dresdner Neueste Nachrichten - 27. Mai 1941 (http://www.bismarck-class.dk/bismarck/newspaper/dresdner/newspbismdresdner.html)

9b: Bild entnommen von: - http://digilander.libero.it/shinano/Battaglienavali/CacciaallaBismarck/bismarckcontrol'Hood.jpg

Anhang: 10a: Zitat entnommen von: - http://www.schlachtschiff.com/kriegsmarine/schlachtschiff_bismarck/operationen/ operation_rheinuebung.asp

10a: Bild entnommen von: - http://www.kbismarck.com/archives/gpressart1.html

11a: Zitat entnommen aus: - Deutsche Kriegsschiffe im 2. Weltkrieg (Gondrom Verlag) [Zitat von Seite 43]

11a: Karikatur entnommen von: - http://www.kbismarck.com/archives/press.html

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Details

Titel
Die Bismarck: Zusammenhang von Technik, Propaganda und Ideologie
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V109257
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bismarck, Zusammenhang, Technik, Propaganda, Ideologie
Arbeit zitieren
Thomas Pauls (Autor), 2005, Die Bismarck: Zusammenhang von Technik, Propaganda und Ideologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109257

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