Droste-Hülshoff, Annette von - Quellen der Judenbuche


Referat / Aufsatz (Schule), 2005

4 Seiten, Note: sehr gut


Gratis online lesen

Entstehung der „Judenbuche“ von Annette von Droste- Hülshoff

Die Judenbuche gilt als die literarische Gestaltung eines historischen Kriminalfalls. Die Kenntnisse über die Fakten dieser Begebenheit erhielt Annette von Droste-Hülshoff aus eigenen Recherchen und vor allem aus einer Geschichte, die ihr Onkel August von Haxthausen 1818 in der Zeitschrift „Die Wünschelrute“ veröffentlicht hatte. Sie ist unter dem Namen „Geschichte eines Algierer Sklaven“ dort erschienen.

Die Droste war mehrfach bei ihren Großeltern Haxthausen in Bökendorf und hörte dort diese Geschichte und schreibt zuerst im Jahr 1837 von ihrer Absicht, „ …eine Kriminalgeschichte, Friedrich Mergel, ist im Paderbornischen vorgefallen, rein national, sehr merkwürdig; diese habe ich mitunter große Lust zu vollenden. “ Die Droste nahm diesen historischen Kriminalfall dann als Anregung, verlegte aber den Zeitraum um einige Jahrzehnte vor, veränderte die Hauptpersonen, brachte neue Personen in die Geschichte ein und erweiterte die Handlung, so dass ihr Text keineswegs mehr die historische Begebenheit erzählt, sondern eine Dichtung geworden ist.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes und der Rechtsstreit um den Holzfrevel:

In dem Dorf B. (mit dem das heutige “Bellersen” bezeichnet wird) herrschten Armut und Aberglaube. Die Behausungen bestanden aus kleinen ärmlichen Hütten, gebaut aus Holz, das die Bewohner sich zusammengestohlen hatten. Die Bevölkerung bestand zu großen Teilen aus Bauern, Tagelöhnern und Bettlern. Die Rechtsunsicherheit ermöglichte Holz- und Jagdfrevel. Niemanden störte es, dass gegen das Recht verstoßen wurde, da dies die einzige Überlebenschance darstellte.

Die Menschen betrachteten den Holzfrevel als ihr gutes Recht, da sie sich von den Gutsherren schlecht behandelt fühlten. Das Holz aus den Wäldern wurde seit Generationen von den Bauern genutzt und plötzlich beanspruchten Freiherren oder Fürsten den Wald für sich. Und somit entzog man die Lebensgrundlage der Bauern. Im Jahre 1827 entschied das Oberlandesgericht Paderborn den alten Rechtsstreit zu Gunsten der Bauern.

Der Wald war die größte Rohstoffquelle des Gebietes und war für die wirtschaftliche Lage entscheidend. Da in der Zeit fast alles aus Holz gebaut war (Schiffe, Häuser, Zäune, usw.), war es ein nützlicher Stoff, der von den Frevlern abgeholzt wurde.

Geschichte eines Algierer-Sklaven:

August von Haxthausen, der Onkel der Droste-Hülshoff, hatte 1818, also 23 Jahre bevor die Dichterin ihre Erzählung veröffentlichte, eine Geschichte mit dem Titel „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ geschrieben. Besonders interessant an der Geschichte ist die wahre Begebenheit, auf der die Handlung aufbaut. Die Quelle bildet eine von vielen hundert Menschen bezeugte historische Begebenheit im Gutsbezirk des Werner-Adolf von Haxthausen. Im Februar 1783 erschlug ein Knecht namens Hermann Georg Winkelhagen aus Ovenhausen den jüdischen Händler Soestmann-Behrens, genannt Pinnes, mit 17 Schlägen. Sein Mordmotiv war, dass der Jude Pinnes Hermann wegen eines nicht bezahlten Tuches verklagt und die Verhandlung gewinnt. Der Tatort lag im Bollkasten-Wald nordöstlich von Bellersen. Der Mörder Winkelhagen geriet nach seiner Flucht für 17 Jahre in algerische Gefangenschaft und konnte sich erst 1805 aus der Sklaverei befreien. Ein Jahr später kehrte er in seine Heimat zurück und beging im Bollkasten-Wald Selbstmord durch Erhängen.

Vergleich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Annette von Droste-Hülshoff hat sich nicht nur an der „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ orientiert, sondern auch an anderen literarischen Werken, wie z.B. dem Epos “Odysseus”. Man erkennt diesen Zusammenhang beispielsweise daran, dass der Doppelgänger Friedrichs Niemand heißt. Auch Odysseus nannte sich gegenüber dem Riesen Polyphem Niemand. Die Frist in Schicksalsromanen beträgt 28 Jahre (vergleiche “Robinson Crusoe”). Am 28.10. bringt Friedrich den Juden um und begeht 28 Jahre später am gleichen Tag Selbstmord. Der 28. Oktober ist auch in anderen Werken ein Unglückstag (Friedrich Schiller “Wilhelm Tell”). Droste-Hülshoff hatte sich auch von der Bibel inspirieren lassen. Die Schlange verführt Adam und Eva zur Superbia (Hochmut, eine der 7 Todsünden), so wie auch Simon Friedrich dazu verführt hat.

Die Novelle wurde 1842 in 16 Folgen des „Cottaschen Morgenblatt(es) für gebildete Leser“ veröffentlicht. Der Titel "Die Judenbuche" stammt übrigens nicht von der Droste, sondern vom Herausgeber Hermann Hauff.

Quellen: Lektürenschlüssel A. von Droste-Hülshoff Die Judenbuche; Reclam

Königs Erläuterungen und Materialien Annette von Droste-Hülshoff Die Judenbuche

Texte und Medien Annette von Droste-Hülshoff Die Judenbuche; Schroedel

www.bernhardkeller.de

www.laurentianum.waf-online.de

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Droste-Hülshoff, Annette von - Quellen der Judenbuche
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
4
Katalognummer
V109259
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Droste-Hülshoff, Annette, Quellen, Judenbuche
Arbeit zitieren
Muhammed Aydemir (Autor), 2005, Droste-Hülshoff, Annette von - Quellen der Judenbuche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109259

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Droste-Hülshoff, Annette von - Quellen der Judenbuche



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden