Octavio Paz: Vislumbres de la India - Eine Analyse


Seminararbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1. Bibliographie von Octavio Paz

2. Einführung in Vislumbres de la India

3. Religiones, Castas, Lenguas
3.1. Rama y Alá
3.1.1. Hinduismus
3.1.2. Islam
3.1.3. Christentum
3.2. Matriz cósmica
3.2.1. Entstehungsproblematik
3.2.2. Politische und ökonomische Funktionen der Kaste
3.2.3. Kasten und Klassen

4. Ghandi- Mensch der Gegensätze

5. Vergleich von Indien und Mexiko
5.1. Prähkoloniale Entwicklung
5.2. Entwicklung unter den Kolonialmächten
5.3. Erlangung der Unabhängigkeit
5.4. Kulinarische Gemeinsamkeiten
5.5. Catarina de San Juan

6. Intention und Gründe für Paz

7. Literaturverzeichnis

1. Bibliographie von Octavio Paz

Octavio Paz wurde am 31.03.1914 als Sohn von Octavio Paz und Josefina Lozano in Mexiko-Stadt geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Mixcoac, ein Dorf in Nähe von Mexiko-Stadt. Ireno Paz, sein Großvater väterlicherseits, war Journalist und Autor und beeinflusste Paz schon in seiner Kindheit. Er besaß eine große Bibliothek, die dem jugendlichen Paz oft als Rückzugsmöglichkeit diente. Hier machte sich Paz sowohl mit der mexikanischen als auch mit der europäischen Literatur vertraut und entdeckte seine Begeisterung für die Poesie und Lyrik. Ein weiterer Grund, warum Paz viel Zeit in der Bibliothek verbrachte, wird durch folgendes Zitat deutlich: „Hijo unico, Paz tuvo mucho tiempo para estar solo.”[1] Das Verhältnis zu seinem Vater, der als Sekretär für Emilio Zapata arbeitete, beschreibt Paz als nicht sehr gut: „Yo nunca pude hablar con él.“[2] Die Familie lebt nach dessen Sturz kurzeitig im Exil in Amerika. Als junger Mann beginnt Paz, in französische und englische Literatur in Originalsprache zu lesen. Er besucht eine französische und eine englische Schule, in der er auch den Umgang mit der Sprache lernt, „decir con palabras claras las verdades oscuras.“[3] Paz studiert ab 1931 in der Universität Escuela Nacional Preparatoria San Ildefonso Jura und Literatur. Er wird von seinem Dozenten José Luis Martínez folgendermaßen beschrieben: „inquieto, vivaz, lector infatigable y dueño de una dilatada curiosidad.“[4]

1932 gibt Paz mit Freunden die Zeitschrift Barandal heraus, in der er seine ersten Gedichte veröffentlicht. Er lernt Luis Cernuda, Antonio Machado und Xavier Villaurruptia kennen, die ihm den Surrealismus, unterschiedliche Denkweisen und die modere französischen Poesie näher bringen. Im Juni 1937 heiratet Paz die Mexikanerin Elena Garro, 1959 lassen sie sich scheiden. Einige Monate später verlässt Paz zum erstenmal Mexiko, um auf den „Segunda Congreso Internacional de Escritores en Defensa de la Cultura“ in Valencia zu gehen. Dort macht er Bekanntschaft mit Literaten wie Hernández, Serrano Plaja, Cernuda und vielen mehr. Während seines dreimonatigen Spanien-Aufenthaltes ist Paz sehr aktiv, „ (...) escribió artículos y vivió con fervor la lucha española por defender las ideas democráticas.“[5] Er bereist auch Paris, dort trifft er auf Alejo Carpentier und andere Literaten. Als aufgrund des Zweiten Weltkrieges Intellektuelle aus Europa nach Mexiko fliehen, kommen die Ideen des Surrealismus nach Mexiko, mit denen sich Paz ausführlich beschäftigt.

Paz verlässt 1943 Mexiko und kehrt es zehn Jahre später, 1953, zurück. Sein erstes Ziel ist Amerika, wo er verschiedene Städte bereist. Hier trifft er auf viele Mexikaner, die nach Amerika immigriert sind. Aus den Analysen ihrer Lebensweisen und dem Unterschied zu den in Mexiko lebendenden Mexikanern entsteht 1950 die Essaysammlung El laberinto de la soledad. Das Hauptthema ist die Definition der Mexicanidad und die Kritik an den nationalen Mythen. Es ist eines der wichtigsten Werke über den Charakter Mexikos und Paz’ größter Erfolg.

1951 reist Paz nach Indien und verbringt einige Monate in Neu Delhi, danach fährt er nach Tokio. Paz ist fasziniert von dieser ihm bisher unbekannten Welt und einige Jahre später kommt er zurück nach Indien.

Der Lyrikband El arco y la lira erscheint 1956, in dem Paz die Gegensätze von fernöstlicher und präkolumbianischer Kultur miteinander verbindet. Als mexikanischer Botschafter kehrt er 1959 nach Paris zurück. Paz ist literarisch sehr aktiv und hat einen weltweiten Ruf als Schriftsteller und Intellektueller erlangt. „Se podría decir que su carrera literaria ha alcanzado ya un grado de no retorno.”[6] 1963 wird Paz der Internationale Preis für Poesie von Knokke-le-Zoute in Brüssel verliehen.

Paz lebt von 1962 bis 1968 in Delhi, um als mexikanischer Botschafter zu arbeiten. In Indien lernt er Marie-José Tramini kennen, die er 1964 heiratet. Diese Begegnung hat sehr große Bedeutung für ihn: „Después de nacer –contestó Paz (...)-, es lo más importante que me ha ocurrido.“[7] Die Beschäftigung mit der fernöstlichen Kultur spiegeln sich in vielen seiner Gedichte wieder. Der Essay Vislumbres de la India, der erst 1995 veröffentlicht wird, entsteht auch aus seinen Erfahrungen und Eindrücken über Indien. Paz studiert hier eingehend die Kultur, die Nation und die Religion Indiens. Als die mexikanische Regierung 1968 eine Studentenrevolte kurz vor den olympischen Spielen blutig niederschlägt, gibt Paz sein Amt als Botschafter aus Protest ab. „Decidí que no podía continuar representando a un gobierno que había obrado de una manera tan abiertamente opuesta a mi manera de pensar.“[8]

Fortan doziert er in verschiedenen Universitäten für spanische amerikanische Literatur, z.B. 1969 in Pittsburgh, 1970/71 in Cambridge, Texas und Austin. Im Colegio Nacional de Méxiko hält er einige Vorträge über Sor Ines de la Cruz, deren Lebensgeschichte er 1982 in dem Werk Sor Juana Inés da la Cruz o las trampas de la fe veröffentlichte. Paz gibt noch weitere Werke heraus, wie El mono gramático, Hombres en su siglo und Pasión crítica. Als Paz wieder nach Mexiko zurückkehrt, gründet er die Zeitschrift Plural, „ (...) die sich rasch zu einem der wichtigsten literarischen Organe des Kontinents entwickelte.“[9] Am 14.04. 1998 stirbt Octavio Paz mit 84 Jahren in Mexiko-Stadt.

Neben Carlos Fuentes zählt Octavio Paz zu den wichtigsten mexikanischen Dichtern und Essayisten der Postmoderne. Er verfasste eine große Anzahl an Essays, Romanen und Lyrik und gab mehr als 40 Bücher heraus.

2. Einführung in Vislumbres de la India

Der Essay Vislumbres de la India basiert, wie in der Biographie schon kurz erwähnt, auf Paz` Aufenthalt als Botschafter in Indien. In den drei einführenden Kapitel Bombay, Dehli und Regreso mit der Überschrift „ Los Antípodas de ida y vuelta“ schildert Paz seine Reisen nach Indien. 1951 fährt er zum ersten mal mit dem Schiff nach Bombay, auf dieser Reise macht der die Bekanntschaft von Shanta Rama Rau und ihrem Ehemann Faubian Bowers, die seine Freunde in Indien werden. Als Paz Bombay erreicht, wird er von Eindrücken überwältigt: „ (...) torrentes de autos, ir y venir de gente, vacas esqueléticas sin dueño, mendigos, carros chirriantes tirados por bueyes abúlicos, ríos de bicicletas (...)[10] Er macht lange Spaziergänge durch die Stadt und lässt die vielen Bilder auf sich einwirken. Auf den Rat von Shanta Rama Rau und ihrem Mann besucht er die Insel Elephanta, auf der er zum erstenmal Statuen der Hindugötter Shiva und Parvati sieht. „Así comenzó mi iniciación en el arte de la India.“[11]

Nach einer Woche Aufenthalt reist Paz nach Dehli, das von Sir Edwin Lutyens in relativer kurzer Zeit erbaut wurde und somit keine über Jahrhunderte gewachsene Stadt ist. Paz verbringt jedoch nur kurze Zeit dort, da er weiter nach Tokio reisen muss.

1962 kehrt Octavio Paz als mexikanischer Botschafter nach Indien zurück, sein Aufenthalt dauert diesmal sechs Jahre. Er beschreibt diese Zeit folgendermaßen: „Fue en período dichoso: pude leer, escribir varios libros de poesía, (...), recorrer ciudades desconocidas (...). Sobro todo allá encontré a la que hoy es mi mujer, Marie José, y allá me casé con ella. Fue un segundo nacimiento.“[12] Zusammen mit Marie José bereist Paz nicht nur Indien, sondern auch Pakistan, Afghanistan und Sri Lanka. Paz lernt auf diesen Reisen, die indische Kultur zu verstehen, „Ha sido una educación sentimental, artística y espiritual. Su influencia puede verse en mis poemas, en mis escritos en prosa y en mi vida misma.“[13] Der Essay Vislumbres de la India basiert auf einem Vortrag, den Paz auf Einladung des indischen Premierministers Rajiv Gandhi 1985 hielt. Als er einige Jahre später zufällig auf den Vortrag stößt, wird ihm die Unvollständigkeit bewusst und er schreibt ihn neu. Das Ergebnis ist der Essay Vislumbres da la India, der auf folgende Frage zu antworten versucht: „¿ cómo ve un escritor mexicano, a fines de siglo XX, la inmensa realidad de India?”[14] Paz weist den Leser auf die Unvollständigkeit des Essays hin, da viele Themengebiete, wie beispielsweise die indische Literatur und Philosophie, nicht angesprochen werden. Die Titelwahl bezieht sich auch darauf, es wird ein Schimmer, der nur flüchtig und nicht so ausgeprägt wie ein Licht ist, über Indien wiedergegeben. Paz fasst den Essay am Schluss des Kapitels Regreso zusammen: „este libro no es para los especialistas; no es hijo del saber sino de amor.“[15]

In dieser Hausarbeit werden die Kapitel herausgearbeitet, die im Referat vorgetragen wurden. Als weiteres Thema wird der Vergleich zwischen Indien und Mexiko in Vislumbres de la India bearbeitet.

3. Religiones, Castas, Lenguas

In diesem Kapitel, das in die drei Unterkapitel Rama y Alá, Matriz cósmica und Babel aufgeteilt ist, behandelt Paz die Geschichte Indiens in Hinblick auf die Religion, die Gesellschaft und die Sprachwissenschaft.

3.1. Rama y Alá

Dieses Kapitel ist den verschiedenen Religionen in Indien gewidmet. Indien ist reich an den unterschiedlichsten Kontrasten und einer der größten Kontraste ist „ la coexistencia del islam y del hinduismo.“[16] Diese zwei Religionen könnten nicht unterschiedlicher sein, für Paz sind sie nicht nur gegensätzlich, sondern auch unvereinbar. Das Christentum kam mit den Engländern nach Indien und beeinflusste sowohl das Leben der Moslems als auch das die Hindus. Es gibt jedoch noch eine weitere Reihe kleinerer Glaubensgemeinschaften in Indien, wie der Sikhismus und der Jainismus.

3.1.1. Hinduismus

Die am meisten verbreitete Religion in Indien ist der Hinduismus, mit ungefähr 800 Millionen Anhängern. Die Anfänge des Hinduismus fanden schätzungsweise vor rund 4000 Jahren statt. Der Hinduismus ist ein differenzierter Polytheismus, bei dem es viele und untereinander verschiedene Götter gibt. „ Este último (Hinduismus, Anmerkung des Verfassers) no sólo acepta la pluralidad de dioses sino de doctrinas (darsanas), sectas y congregaciones de fieles.[17] Der Hinduismus hat sich im Laufe der Jahrhunderte in Indien entwickelt und ist reich an Zeremonien. Es gibt und gab zu keiner Zeit Missionare, die den hinduistischen Glauben verbreiten wollten. Die Seelenwanderung ist ein wichtiger Bestandteil des Hinduismus. Jedes Wesen durchläuft mehrere Leben, wobei es die Möglichkeit hat, durch gutes Handeln in die nächst höhere Kaste aufzusteigen. Aber man kann auch in eine niedrigere Kaste absteigen, wenn man nicht nach den hinduistischen Regeln handelt. Der Hinduismus verbindet unterschiedliche Glauben in sich, im Gegenteil zum Islam, der keine Toleranz für andere Glaubensrichtungen hat. Paz erkennt die Besonderheit des Hinduismus: „La religión hindú es un conglomerado de creencias y de ritos; aunque carece de misioneros, son inmensos sus poderes de asimilación. (...) Como una inmensa boa metafísica, la religión hindú digiere lenta e implacablemente culturas, dioses, lenguas y creencias extrañas.“[18]

3.1.2. Islam

Der Islam kam mit den moslemischen Kriegern im 8. Jahrhundert nach Indien. Er war bereits eine voll entwickelte Religion, deren Theologie nichts hinzugefügt werden konnte. In Indien verbreitet er sich während der langen moslemischen Herrschaft und wurde der Glaube von Millionen. 1206 n. Chr. wurde die erste Dynastie der Sultane von Delhi gegründet, wodurch Delhi zum Zentrum der islamischen Welt wurde. Charakteristisch für den Islam ist der strenge Monotheismus, der keine anderen Götter außer Allah akzeptiert. Im Gegensatz zum Hinduismus gibt es nur ein Minimum an Riten und keinen Glauben an eine Wiedergeburt im nächsten Leben. Der Islam ist anderen Religionen gegenüber untolerant, was sehr unterschiedlich zum Hinduismus ist. Um Menschen zum Islam zu bekehren, setzte man Missionare ein, die es im Hinduismus nie gegeben hat. Die Konversion zum Islam, die vor allem die niederen Kasten betraf, hat mehrere Gründe. „ la primera, de orden político y militar, fue la conquista; en seguida, el islam abría la posibilidad de liberarse de la cadena de los renacimientos sucesivos, (...), la tercera, en fin, la acción de los misioneros musulmanes.“[19] Die Hindus waren während der moslemischen Herrschaft gegenüber den Moslems in vieler Hinsicht benachteiligt, beispielsweise bei Steuern und Abgaben.

3.1.3. Christentum

Das Christentum kam mit den Engländern im 20. Jahrhundert nach Indien. Auch das Christentum ist wie der Islam monotheistisch. Das Ziel der Engländer war jedoch nicht die Verbreitung ihres Glaubens, sondern wirtschaftliche und politische Ziele. 1858 wurde Indien Vizekönigreich von England. Unter der englischen Besatzung wurde den Indern Religionsfreiheit garantiert, dies hatte es unter der islamischen Herrschaft nicht gegeben. Nun änderte sich die Situation sowohl für die Moslems, als auch für die Hindus. Die Moslems verloren ihre privilegierten Stellungen und fühlten sich gegenüber den Hindus benachteiligt. Jedoch wurde die Benachteiligung der Hindus aufgehoben und die beiden Glaubensrichtungen gleichwertig behandelt. Für die Hindus war die Koexistenz mit den Christen leichter als für die Moslems, da es eine Trennung zwischen Regierung und Kirche gab und man der Regierung dienen konnte, ohne zwangsweise auch deren Religion anzunehmen. Das Christentum brachte noch weitere Vorteile mit sich: „Además, el monoteísmo cristiano llegaba acompañdo de una cultura secular que, a veces, era también su crítica: la ciencia, la filosofía política, la democracia.“[20]

3.2. Matriz cósmica

Dieses Kapitel behandelt das Kastensystem: „Es un fenómeno singular y en verdad único.“[21] Das Kastensystem existiert seit 2000 Jahren und besitzt mehr als 3000 unterschiedliche Kasten. Es gibt keine eindeutige Definition über das Kastenwesen, Paz erwähnt die Definition von Louis Dumont: „Para Dumont las castas son, ante todo, realidades sociales: familia, lengua, oficio, profesión, territorio; asimismo, son una ideología: una religión, una mitología, una ética, un sistema de parentesco y una dietética.[22] Paz kritisiert an dieser Definition, dass sie sich nur auf die Funktion der Kasten bezieht und nicht auf die Entstehungsfrage. Auch weist Paz darauf hin, dass die Kasten nur aus der hinduistischen Sicht der Welt erklärt werden können.

Es gibt vier varnas, die gesellschaftliche Stellung, Zustand und Rang in einer hierarchischen Ordnung bedeuten: die Brahmanen (Priester), die Kshatriyas (Krieger), die Vaishyas (Händler und Kaufleute) und die Shudras (Bauern, Arbeiter, Bedienstete). Diese vier varnas sind in Kasten unterteilt, die eine viel kleinere Einheit darstellen. Es gibt für jede Kaste bestimmte Charakteristika, wie beispielsweise die Herkunft, den Lebensraum, den Beruf, das Verwandtschaftssystem und die Ernährungsvorschriften. Eine Kaste ist ein Glied in der Kette der Wiedergeburt, an der alle Lebewesen teilnehmen. Man ist seiner Kaste ein Leben lang zugeordnet und kann nur durch den Tod oder durch Entsagung an die Welt aus der Kaste ausbrechen. Lebewesen in den höheren Kasten der Brahmanen und Kshatriyas haben mindestens die zweite Wiedergeburt erlebt. Das Ziel jedes Hindu ist es, im nachfolgenden Leben in eine höhere Kaste geboren zu werden, um letztendlich von dem Kreislauf der Wiedergeburt erlöst zu werden. Der Hinduismus unterscheidet zwischen Reinem und Unreinem, welches sich im hierarchischem Kastensystem wiederspiegelt. „Cada casta es única y distinta pero todos giran en torno del mismo principio inmutable: el origen, es decir, la pureza.“[23]

3.2.1. Entstehungsproblematik

In Indien gab es eine Vielzahl verschiedener Stämme und Völker, die in unterschiedlichen Gebieten lebten. Diese Stämme hatten eigene Religionen und verschiedene Berufe. Aus diesen Gruppierungen könnten die Kasten entstanden sein. „Al lado de los factores geográficos, políticos y económicos (...) hay que tener en cuenta otro factor determinante: la religión.“[24] Die Kasten entstanden von selbst und wurden nicht durch einen Herrscher verbreitet. Paz bezeichnet die Kaste als „(...) un producto natural.[25] “ Dies bedeutet, dass die Kaste kein künstliches Gebilde ist, sondern die natürliche Ordnung wiedergibt. Paz verwendet Beispiele aus dem Tierreich, um zu zeigen, dass sich auch Tiere in verschiedene Gruppen einteilen lassen. Die Grundlage des Kastenwesens ist die Religion, der Hinduismus. Im Laufe der Zeit vermischte er sich mit einheimischen Religionen, ohne jedoch seine wesentlichen Merkmale zu verlieren. „Ya señalé que el hinduismo es una religión que no convierte a los individuos pero que absorbe a las comunidades y tribus, con sus dioses y sus ritos.“[26] Die Grundidee der Wanderung der Seele durch die Wiedergeburt in aufeinanderfolgenden Leben verbindet alle im Hinduismus vereinten Religionen. Paz beschreibt die Entstehung des Kastenwesens folgendermaßen: „La casta nació de la combinación de todos estos factores etnográficos, geográficos, históricos y religiosos. Es un fenómeno social cuyo fundamento es religioso, (...)“[27]

3.2.2. Politische und ökonomische Funktionen der Kaste

Die Kaste dient nicht nur den religiösen Zielen, sondern besitzt auch in politischen und ökonomischen Angelegenheiten eine große Bedeutung. Jede Kaste wird von einem Rat geleitet, der die Kaste nach außen hin vertritt. Somit verwalten sich die Kasten selbst und haben eine gewisse politische Autonomie.

Auch die ökonomische Funktion einer Kaste ist für die Angehörigen sehr wichtig. Die Kastenmitglieder sehen sich als eine geschlossene Gemeinschaft an, die stets zusammenhält. Gerät ein Mitglied in Not, kann es sich an seine Kaste wenden, damit sie ihm helfe. „ Cada individuo está seguro casi siempre de encontrar ayuda en los otros miembros de su casta.“[28] Die Kaste ist die Grundeinheit des Lebens, man kann ihre Bedeutung mit der einer Familie in unserer westlichen Welt vergleichen.

3.2.3. Kasten und Klassen

Interessant ist die Abgrenzung zwischen einer Kaste in Indien und einer Klasse in den modernen, industriellen Staaten.

Eine Kaste und eine Klasse haben folgende Gemeinsamkeit: „Las castas, como las clases, son elementos de un todo jerárquico.“[29]

In unserer heutigen westlichen Welt wird dem einzelnen Individuum große Bedeutung beigemessen. „Para un occidental moderno, el individuo es el elemento primordial. Una clase, una secta, una iglesia, un partido político e incluso una nación son conjuntos de individuos.“[30] Dies steht im totalen Gegensatz zum Kastenwesen. „La casta es lo contrario de nuestras clases y asociaciones, formadas por individuos. En ella la realidad primordial es la colectiva.“[31] Wie schon erwähnt, ist der Ausgangspunkt der Kaste religiös. Im Gegensatz dazu ist unsere Klasse mit Macht und Reichtum verbunden. In der Kaste werden die einzelnen Individuen nicht gefördert: „La casta nos protege pero no es un vehículo de movilidad social.“[32] Das Kastenwesen ist auf Unveränderlichkeit aufgebaut, die in Indien einen hohen Wert besitzt. Im Hinduismus und Buddhismus ist die Unbeständigkeit ein Zeichen für die Unvollkommenheit der Menschen. Sicherlich haben sich die Kasten im Laufe von 3000 Jahren verändert, aber das System an sich ist beständig geblieben. „Uno de los valores de la casta, para la mentalidad tradicional hindú, es precisamente su resistencia al cambio.“[33] Die Kaste ist weitgehend resistent gegen den Wandel der Zeit. Die Kaste ist für eine bestimmte Gesellschaftsform entwickelt worden: „Es un modelo de organización social pensado para una sociedad estática. Los cambios sociales lo desnaturalizan.“[34] So ist das Kastenwesen auch ein Hindernis für die Modernisierung in Indien. Probleme treten beispielsweise bei neuen Berufen auf, die keiner Kaste zugeordnet sind. Auch die modernen westlichen Staatsformen, wie der demokratische Liberalismus, der Sozialismus und der Nationalsozialismus, sind nicht mit dem Kastenwesen vereinbar. Grund dafür wird im folgenden Zitat deutlich: „Las castas constituyen una realidad indiferente a la idea de nación.“[35] Paz betont, dass er die Kasten nicht rechtfertigen will, sondern sie dem Leser erklären möchte. Aber er kritisiert das Kastenwesen auch: „Por mi parte, si pudiese, de buen grado las cambiaría radicalmente. La existencia de los intocables me parece ignominiosa.“[36]

4. Ghandi- Mensch der Gegensätze

Der Name Gandhi ist für viele Menschen ein Begriff. In diesem Kapitel wird die Gestalt Gandhis und deren Gegensätze dargestellt.

Der Nationalkongress ist 1920 in Gemäßigte und Radikale gespalten, weswegen die Unabhängigkeitsbewegung in Indien stagniert. „Ninguno de los dos grupos habría logrado llevar a buen término el movimiento de independencia.“[37] In dieser auswegslosen Situation tritt Gandhi ins Zentrum. Sein Ziel ist die Erlangung der Unabhängigkeit von der britischen Besatzung mit den Mitteln der Toleranz und Gewaltfreiheit. Religion und Politik verbinden sich in seinem Handeln, wie das auch bei den Radikalen der Fall war, „ (...) pero el punto de unión fue otro, contrario: la no-violencia y la amistad con las otras comunidades religiosas, especialmente con los musulmanes.“[38] Durch sein uneigennütziges Handeln gewinnt Gandhi schnell die Sympathie des Volkes. Gandhi gehört der jainitischen Religion an, die Solidarität zwischen den Lebewesen predigt. Gewalt gegen ein Lebewesen wird als Versündigung gegen den gesamten Kosmos angesehen. Die Religion ist die Basis von Gandhis friedlichem Handeln. Auch der Versuch, Moslems, Shiks und Hindus miteinander zu vereinen, zeigt seine Toleranz. Doch Gandhi ist auch ein Mensch der Gegensätze. „Fue un hindú tradicional pero también fue un occidental.“[39] Religiös war er, wie schon erwähnt, jainitisch, doch seine politischen Ideen waren westliche: die Demokratie und Unabhängigkeit. Gandhi hatte eine Abneigung gegen die moderne Technik, die er als Ausbeutung der Natur ansah. Trotzdem bediente er sich der Technik: „Veía en el ferrocarril y en el telégrafo inventos funestos..., pero los usaba.“[40] Ein weiterer Gegensatz waren seine politischen Ziele: er wollte Indien einerseits aus der englischen Herrschaft befreien und zur Demokratie führen, was westliche und moderne Ziele sind. Auf der anderen Seite wollte er Indien in eine friedfertige, traditionelle und Profit ablehnende Ackerbausgesellschaft zurück verwandeln. Auch die Bekräftigung des Hinduismus steht einer Verbrüderung der Kasten, der Freundschaft mit den Moslems und der Lehre der Gewaltfreiheit gegenüber. Doch diese Tatsachen wären auf Unverständnis bei seinen Anhängern gestoßen: „Nunca quiso o pudo explicar a sus oyentes y lectores cuál era esa vedad que inspiraba a sus actos y a sus palabras“.[41] Der Erfolg Gandhis ist auf seine Einheit von Wort und Tag zurück zu führen. Da er niemals leere Versprechungen machte, wie so viele andere Politiker, vertraute ihm das Volk und unterstützte seine Ideen. Paz bezeichnet Gandhi als „ Contradicción viviente.“[42]

5. Vergleich von Indien und Mexiko

An den unterschiedlichsten Stellen des Essays zieht Paz Vergleiche zwischen seinem Heimatland Mexiko und Indien. Oft sind es nur kleine Anmerkungen, mit denen Paz auf Mexiko aufmerksam macht, wie der Vergleich der Zollabfertigung in den beiden Ländern: „Creo que la India y México tienen los peores servicios aduanales del mundo.“[43] Auf der Bahnreise von Bombay nach Delhi erinnert sich Paz an eine Reise, die er als Kind mit seiner Mutter von Mexiko nach Amerika gemacht hat. Paz beschreibt den Grund für die Erinnerung: „Desde el principio, todo lo que veía provocaba en mí, sin que yo me lo propusiese, la aparición de imágenes olvidadas de México. La extrañeza de la India suscitaba en mi mente la otra extrañeza, la de mi propio país.”[44]

5.1. Prähkoloniale Entwicklung

Paz arbeitet die Entwicklung der indischen und der mexikanischen Kultur heraus und vergleicht diese miteinander. Die indische Kultur ist fast 2000 Jahre älter als die mexikanische, die zwischen 1000 v.Chr. und 300 n.Chr. entstand. Indien hatte immer Kontakt zu anderen Völkern und Kulturen und somit auch mit der Rivalität. Indien ist eine sehr heterogene Gesellschaft, da sie viele verschiedene Gattungen beinhaltet. Die indische Kultur wurde von anderen Denkweisen beeinflusst und prägte auch selbst andere Völker. Ein Beispiel für die Ausbreitung indischer Kultur ist das Vordringen des Buddhismus nach Japan, Korea etc.. Dagegen war die Situation für die mexikanische Kultur völlig verschieden: „las culturas mesoamericanas nacieron y crecieron en un aislamiento total hasta el siglo XVI (...).“[45] Die prähkolumbianischen Kulturen lebten völlig abgeschieden und isoliert, da sie nicht mit anderen Kulturen in Verbindung standen. Sie bildeten eine sehr homogene Gesellschaft, im Gegensatz zu Indien. Paz bezeichnet die Entwicklung der mittelamerikanischen Völker als einen ständigen Kreislauf, da sie immer zum Ausgangspunkt zurückkehrten. Grund dafür war die fehlende Auseinandersetzung mit fremden Kulturen. Dagegen entwickelte Indien sich nach vorne, es war „(...) el resultado de cruces y choques con culturas extrañas.“[46]

5.2. Entwicklung unter den Kolonialmächten

Eine Gemeinsamkeit Indiens und Mexikos vor der Zeit der Kolonialmächte war, dass es keinen einheitlichen Staat gab. Zwar existierte eine gemeinsame Zivilisation, diese bekriegte sich jedoch ständig. Sowohl Indien als auch Mexiko wurde zu einer Kolonie europäischer Staaten: Indien befand sich unter englischer Herrschaft und Mexiko unter spanischer Herrschaft. Die beiden Kolonialmächte vereinigten zum erstenmal die verschiedenen Völker unter einem Staat. Sie brachten auch eine neue Religion nach Indien und Mexiko: das monotheistische Christentum. Die Reaktionen Indiens und Mexikos auf die Europäer und ihre Wertvorstellungen unterscheiden sich jedoch stark voneinander.

Die mexikanischen Kulturen leisteten so gut wie keinen Wiederstand gegen die Eroberer, was nicht nur aus ihrer technischen und wissenschaftlichen Unterlegenheit resultierte, sondern auch aus ihrer politischen und philosophischen. „Los antiguos mexicanos vieron a los españoles como seres sobrenaturales llegados de otro mundo porque no tenían categorías mentales para identificarlos.“[47] Innerhalb weniger eines Jahrhunderts wurden alle mexikanischen Kulturen von den Spaniern erobert. Ihre Kultur, ihre Religion und Traditionen verschwanden im Zuge der Conquista. Die Mexikaner wurden zu der Religion der Spanier, dem Christentum, konvertiert. „Esta conversión, como todas, fue voluntaria y forzada.“[48] Einerseits war das Christentum eine Erlösung von den blutigen Ritualen der mexikanischen Göttern, auf der anderen Seite wurde ihnen das Christentum aufgezwungen, sie konnten es nicht aus freier Entscheidung als Religion wählen. Jedoch verschwanden nicht alle heidnischen Götter, sondern viele wurden in christliche Gestalten umgewandelt und so in das Christentum integriert. Der Einfluss der Spanier ist auch heute überall sichtbar, eines der vielen Beispiele ist Spanisch als offizielle Sprache Mexikos.

Die Eroberung Indiens durch die Engländer dauerte länger als ein Jahrhundert und war weniger ein militärischer als ein wirtschaftlicher Kampf. Der größte Erfolg der Engländer war, wie schon erwähnt, die Einigung aller Völker Indiens zu einem Staat. Das Christentum war für die Inder nicht die erste monotheistische Religion, die Eroberer in das Land brachten. Viele Jahrhunderte zuvor kam der Islam nach Indien, der zwar von Millionen angenommen wurde, jedoch den Hinduismus nicht verdrängte. So erging es auch dem Christentum: es fand neue Anhänger, löschte jedoch nicht die einheimischen Religionen aus, wie dies in Mexiko der Fall war. Im Gegensatz zu den Spaniern wollten die Engländer die Menschen nicht zwanghaft zu ihrem Glauben bekehren. Die englische Sprache hat eine große Bedeutung in Indien, vor allem in der wirtschaftlichen Welt, es existieren jedoch neben ihr sehr viele andere Sprachen und Traditionen.

5.3. Erlangung der Unabhängigkeit

Nach fast 300 Jahren spanischer Herrschaft erlangte Mexiko 1836 die Unabhängigkeit. Indien wurde nach fast 100 Jahren 1947 von England unabhängig. Der Weg zur Unabhängigkeit war bei den beiden Ländern sehr unterschiedlich.

Die Regierung des spanischen Kolonialreiches war friedlebend und auf Harmonie bedacht. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Aufstände in Provinzen des Vizekönigreichs gegen Madrid. „A diferencia de lo que ocurrió en la India, la lucha se convirtió en una larga guerra.“[49] Nach fast 40 Jahren Aufständen akzeptierte Madrid schließlich die Unabhängigkeit Mexikos. Die Streitkräfte des Vizekönigreichs setzten sich stark dafür ein und kämpften gegen die Besatzung. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit wurde eine neue Institution geschaffen, die politische Ziele mit Gewalt umsetzen wollte: das Militär. Paz bezeichnet den Militarismus als „(...) enfermedad endémica de nuestras sociedades (...)“[50]. Er macht ihn verantwortlich für Bürgerkriege und Staatsstreiche, die zu einer Entwicklung zurück in die Vergangenheit führen.

Indien erreichte die Unabhängigkeit weniger durch einen gewaltsamen Kampf, sondern durch einen langen demokratischen Prozess. „El Imperio británico, como el español en América, fue el agente de la unificación. Pero ahí termina el parecido.“[51] Die Unabhängigkeit wurde nur möglich durch Institutionen, die von den Engländern geschaffen worden waren und die von Indern gebildet wurden. Hierzu zählt der 1885 gegründete Indische Nationalkongress, der als loyale Opposition zur britischen Regierung gilt. Im Gegensatz zu Mexiko verteidigten die indischen Streitkräfte die Ordnung und die Verfassung, anstatt gegen sie zu rebellieren.

5.4. Kulinarische Gemeinsamkeiten

Paz stellt bei seinen Beobachtungen über Indien fest, dass die indische und die mexikanische Küche einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Die beiden Küchen nehmen eine besondere Stellung ein: „son infracciones imaginativas y pasionales de los dos grandes cánones del gusto, la cocina china y la francesa.“[52] Vor allem in der Verwendung der Zutaten gibt es Parallelen. Das Wort Chili stammt aus dem Nahuatl und die Pflanze kommt aus Amerika. Auch in der indischen Küche ist Chili sehr wichtig, da es zur Würzung des Curry dient. Paz stellt die Frage, wie und wann das Chili nach Indien kam. Es gibt in Indien Curry-Gerichte mit dem Namen mola, den Paz von muli (Soße) in Nahuatl ableitet. Der Geschmack ist süß und pikant zugleich und es wird mit Fleisch oder Gemüse in beiden Ländern serviert.

Es gibt jedoch auch Unterschiede in den beiden Küchen. In der indischen Küche werden alle Speisen auf einem Teller serviert. „No sucesión ni desfile sino algutinación y superposición de substancias y de sabores: comida sincrónica.“[53] Hier führt Paz den Gedankengang weiter und verweist auf die Vermischung der Kulturen und Lehren in Indien. Im Gegensatz dazu wird in der mexikanischen Küche ein Menü in verschiedenen aufeinanderfolgenden Gängen serviert. Paz bezeichnet dies als diachronische Kost, die ein Erbe der Spanier ist. Der Kontrast zwischen süß und scharf ist, der in der europäischen Küche nicht vorkommt, ist typisches Merkmal für die „(...) cocina mestiza.“[54]

5.5. Catarina de San Juan

Paz behandelt in Vislmubres de la India auch die interessante historische Figur Catarina de San Juan. Diese wurde im 17. Jahrhundert in Indien geboren und als Kind von Piraten entführt, die sie nach Mexiko brachten. 1621 kam sie als Sklavin nach Puebla, wo ein reiches kinderloses Ehepaar sie kaufte. Für dieses Ehepaar war sie jedoch eher eine Gesellschafterin als eine Sklavin. Catarina de San Juan war eine sehr religiöse Frau und hatte Visionen, die sie den Jesuiten erzählte. „Catarina fue seguida y venerada por muchos devotos, unos religiosos y otros laicos, impresionados por sus austeridades y por sus entrevistas con los seres celestiales.“[55] Obwohl sie angeblich nie richtig spanisch sprechen und schreiben lernte, deutete oberflächlich nichts auf ihre indische Abstammung hin. Bei der Beschreibung ihrer Visionen erkennt Paz jedoch einen Zusammenhang. Catarina de San Juan beschreibt ihr Verhältnis zu Jesus so sentimental, dass es wie eine Liebesbeziehung wirkt. Ein Liebesverhältnis zwischen einem Gott und einer Sterblichen ist in Indien nicht unüblich. Paz verweist auf Krishna, der sich in die Kuhhirtin Rādhā verliebt. Eine weitere Parallele zum Hinduismus wird sichtbar, als ihr die heilige Jungfrau Maria erscheint und sie aufgrund des engen Verhältnis zu Jesus tadelt. Jesus wiederum beruhigt Catarina de San Juan, da die Jungfrau Maria nur eifersüchtig sei. Eine eifersüchtige Göttin existiert weder im christlichen Glauben noch im islamischen, jedoch im hinduistischen. In der Gestalt von Catarina de San Juan verschmelzen Christentum und Hinduismus miteinander. Paz führt seine Beobachtungen zu einem Schluss: “Sea como sea, es significativo, mejor dicho: emblemático, que Catarina de San Juan, la visionaria religiosa más notable del período virreinal, haya sido una hindú.“[56]

6. Intention und Gründe für Paz

In Vislumbres de la India schildert Paz die Erfahrungen und Eindrücke, die er während seines Aufenthalts in Indien gemacht hat. Meiner Meinung nach verarbeitet er die Erlebnisse durch das Niederschreiben. Er selbst schreibt über den Essay: „este libro no es para los especialistas; no es hijo del saber sino del amor.“[57]

Der Vergleich zwischen Indien und seinem Heimatland Mexiko ist ein wichtiges Thema, da die beiden Länder eine sich ähnelnde Vergangenheit besitzen. Sie wurden von Kolonialmächten besetzt und reagierten sehr unterschiedlich darauf. Paz betont, dass die Conquista der Spanier nicht nur negativ für die heutigen Mexikaner ist: „Para juzgar con equidad la obra de los españoles en México hay que subrayar que sin ellos- quiero decir: sin la religión católica y la cultura que implantaron en nuestro país- no seríamos lo que somos.“[58]

Sowohl Inder als auch Mexikaner sind sich laut Paz ihrer Andersartigkeit bewusst, was sie wiederum verbindet. Da Paz Mexikaner ist, kann er die indische Kultur besser verstehen als zum Beispiel ein Europäer: „De ahí que no sea exagerado decir que el hecho de ser mexicano me ayudó a ver las diferencias de la India... desde mis diferencias de mexicano.“[59] Auch in der heutigen Zeit haben Mexiko und Indien gleiche Probleme, sie befinden sich in einem sozialen und wirtschaftlichen Rückstand. Die Bevölkerungsexplosion ist sicherlich eine der größten Herausforderung, die sie zu bewältigen haben.

Als Paz von der blutigen Niederschlagung der Studentenrevolution 1968 in Mexiko-Stadt erfährt, legt er sein Amt als Botschafter nieder. Er kritisiert damit seine eigene Regierung und weigert sich, einem so gewalttätigen Regime zu dienen. Hier wird Paz´ streben nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit deutlich: nicht die Politik eines Landes zählt, sondern dessen Menschen und ihre Kultur.

7. Literaturverzeichnis

- Lateinamerikanische Literaturgeschichte. Hg. Michael Rössner. Stuttgart-Weimar: J.B. Metzler Verlag. 2002.
- Lateinamerikanische Literatur der Gegenwart in Einzeldarstellungen. Hg. Wolfgang Eitel. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1978.
- Octavio Paz. Premio de Literatura en lengua castellana „Miguel De Cervantes“. Hg. Editorial Anthropos.Promat, Ministerio de Cultura. Barcelona: Editorial Anthropos: 1990.
- Paz, Octavio: Vislumbres de la India. 3. Auflage. Barcelona: Editorial Seix Barral, 2001.
- Pollman, Leo: Geschichte des lateinamerikanischen Romans 2. Literarische Selbstverwirklichung (1930-1979).Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH, 1984.

[...]


[1] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”. Hg. Editorial Anthropos. Promat, S. Coop. Ltda, Juan Malpartida, Barcelona: Editorial Anthropos, 1990, S.19.

[2] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.20.

[3] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.21.

[4] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.22.

[5] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.24.

[6] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.30.

[7] Octavio Paz.Premio de Literatura en lengua castellana ”Miguel de Cervantes”, S.31.

[8] Paz, Octavio: Vislumbres da la India, 3.Aufl., Barcelona, Editorial Seix Barral, 2001, S.193.

[9] Lateinamerikanische Literatur der Gegenwart in Einzeldarstellungen. Hg. Wolfgang Eitel, Stuttgart, Alfred Kröner Verlag, 1978, S.387.

[10] Paz, Octavio, S. 14.

[11] Paz, Octavio, S. 18.

[12] Paz, Octavio, S. 25.

[13] Paz, Octavio, S. 28.

[14] Paz, Octavio, S. 38.

[15] Paz, Octavio, S. 40.

[16] Paz, Octavio, S. 41.

[17] Paz, Octavio, S. 42.

[18] Paz, Octavio, S. 59.

[19] Paz, Octavio, S. 45.

[20] Paz, Octavio, S. 58.

[21] Paz, Octavio, S. 59.

[22] Paz, Octavio, S. 60.

[23] Paz, Octavio, S. 66.

[24] Paz, Octavio, S. 70f.

[25] paz, Octavio, S. 72.

[26] Paz, Octavio, S. 71.

[27] Paz, Octavio, S. 71.

[28] Paz, Octavio, S. 63.

[29] Paz, Octavio. S. 62.

[30] Paz, Octavio, S. 62.

[31] Paz, Octavio, S. 64.

[32] Paz, Octavio, S. 65.

[33] Paz, Octavio, S. 67.

[34] Paz, Octavio, S. 65.

[35] Paz, Octavio, S. 67.

[36] Paz, Octavio, S. 70.

[37] Paz, Octavio, S. 116.

[38] Paz, Octavio, S. 116.

[39] Paz, Octavio, S. 117.

[40] Paz, Octavio, S. 118.

[41] Paz, Octavio, S. 119.

[42] Paz, Octavio, S. 119.

[43] Paz, Octavio, S. 13.

[44] Paz, Octavio, S. 19f.

[45] Paz, Octavio, S. 95.

[46] Paz, Octavio, S. 96.

[47] Paz, Octavio, S. 96.

[48] Paz, Octavio, S. 103.

[49] Paz, Octavio, S. 136.

[50] Paz, Octavio, S. 136.

[51] Paz, Octavio, S. 137.

[52] Paz, Octavio, S. 86.

[53] Paz, Octavio, S. 90.

[54] Paz, Octavio, S. 90.

[55] Paz, Octavio, S. 88.

[56] Paz, Octavio, S. 89f.

[57] Paz, Octavio, S. 40.

[58] Paz, Octavio, S. 104.

[59] Paz, Octavio, S. 86.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Octavio Paz: Vislumbres de la India - Eine Analyse
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V109334
ISBN (Buch)
9783640118793
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Octavio, Vislumbres, India, Eine, Analyse, Proseminar
Arbeit zitieren
Hannah Schmitt (Autor), 2004, Octavio Paz: Vislumbres de la India - Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109334

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