Die Arbeitswerttheorie des Karl Marx


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: gut

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Inhalt

1. Einleitung

2. Werttheorie der Klassiker

3. Ware

4. Wert
4.1 Gebrauchswert und Tauschwert
4.2 Wertformen
4.3 Wert der Ware

5. Arbeit
5.1 Abstrakte und konkrete Arbeit
5.2 Wertbildender Charakter der Arbeit
5.3 Arbeitskraft als Ware
5.4 Gesellschaftlich notwendige Arbeit
5.5 Freiheit des Arbeiters

6. Mehrwert
6.1 Konstantes und variables Kapital
6.2 Mehrarbeit
6.3 Ausbeutung
6.4 Akkumulation und Zirkulation

7. Erweiterte Reproduktion des Kapitals

8. Schluss
8.1 Zusammenfassung
8.2 Fazit

1. Einleitung

„Hat das Kapital je einen Fortschritt zu Wege gebracht, ohne Individuen wie ganze Völker durch Blut und Schmutz, durch Elend und Erniedrigung zu schleifen?“[1]

Diese zentrale Frage des Karl Marx hat auch fast anderthalb Jahrhunderte nach der Veröffentlichung seines Hauptwerkes „Das Kapital“ und nach dem weitgehenden Zusammenbruch des auf seinen Lehren fußenden Kommunismus nichts an Aktualität verloren. An diese Frage anknüpfend, soll die Arbeitswerttheorie untersucht werden. Mit der ihr innewohnenden Mehrwerts- und Ausbeutungstheorie sowie der Lehre von Zirkulation und Reproduktion bildet sie die Grundlage des marxistischen Lehrgebäudes.[2]

Marx knüpft an die Werttheorie von Smith und Ricardo an und zeigt, dass der Wert einer Ware festgelegt wird durch die Arbeit, die in ihr steckt. Da nicht der Wert der geleisteten Arbeit, sondern der Wert der angebotenen Arbeitskraft bestimmend für den Arbeitslohn ist, wird ein unbezahltes Mehrprodukt erwirtschaftet, das als Profit dem Kapital zufließt. Hierin liegt der Ausbeutungscharakter der kapitalistischen Warenwirtschaft. Durch die Reproduktion des Kapitals „zementiert“ das System das Klassenverhältnis zwischen Kapitalist und produktionsmittelfreiem Proletariat.

Aus der Arbeitswerttheorie leiten sich auch andere zentrale Aussagen der Marxistischen Lehre ab, bspw. der tendenzielle Fall der Profitrate und die Überakkumulation sowie die Krisetheorie. Hierauf kann im Folgenden jedoch nicht näher eingegangen werden.

Neben den drei Bänden des „Kapital“ werden weitere Quellen von Marx und Engels sowie neuere Sekundärliteratur zur Einordnung, Darstellung und Erklärung der Arbeitswerttheorie herangezogen.

2. Werttheorie der Klassiker

Marx knüpft mit seinen Untersuchungen des kapitalistischen Systems an die Lehren der klassischen englischen Ökonomie an, insbesondere an Adam Smith und David Ricardo. Dabei sieht er ihre Lehren mit dem zu Tage tretenden Klassenkampf als überholt an. „Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische Macht erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und theoretisch, mehr und mehr ausgesprochene und drohende Formen. Er läutete die Totenglocke der wissenschaftlichen bürgerlichen Ökonomie.“[3]

Engels vergleicht im Vorwort zum zweiten Band des „Kapital“ die wissenschaftlichen Leistungen Marxens mit denen seiner Vorgänger. Er konstatiert, das der Mehrwert lange vor Marx erkannt worden sei, sowie auch die Tatsache, dass es sich hier um unbezahlte Mehrarbeit handle. Doch weder Bürgerliche noch Sozialisten hätten ihre Schlüsse daraus gezogen. Erst Marx erkennt, dass es sich hier um das Faktum handelt, das in der Lage ist, die ganze Ökonomie umzuwälzen und das für das Verständnis der gesamten kapitalistischen Produktion den Schlüssel bietet.[4]

Zur Analyse des Mehrwertes muss Marx zunächst den Wert selbst untersuchen. Zu diesem Zweck unterzieht er Ricardos Werttheorie seiner grundlegenden Kritik und kommt schließlich zu dem Schluss, dass Wert nichts ist als geronnene Arbeit. Weiterhin löst er die Schwierigkeiten, an denen die Schule Ricardos zugrunde gegangen ist, nämlich „den gegenseitigen Austausch von Kapital und Arbeit in Einklang zu bringen mit dem Ricardoschen Gesetz der Wertbestimmung durch Arbeit“, indem er an die Stelle der Arbeit die Arbeitskraft als wertschaffende Eigenschaft stellt.

3. Ware

Der Kapitalismus ist eine spezielle Form der Warenwirtschaft. Während die Warenwirtschaft nicht notwendig kapitalistisch sein muss, ist doch der Warencharakter der Produktionsweise Vorraussetzung für den Kapitalismus. Marx: „Jede Ware (...) stellt sich dar unter dem doppelten Gesichtspunkt von Gebrauchswert und Tauschwert.“[5]

„Eine Ware ist ein Gegenstand, der einerseits ein menschliches Bedürfnis befriedigt, also Gebrauchswert besitzt; andererseits wird ein Ding erst zur Ware, wenn es das Produkt von Arbeit ist und für den Verkauf hergestellt wurde.“[6] Ein Produzent stellt also Waren nicht zum eigenen Gebrauch her, sondern um sie gegen andere Dinge einzutauschen. Hierin werden bereits spezifische gesellschaftliche Verhältnisse deutlich, die gekennzeichnet sind durch eine bestimmte gesellschaftliche Arbeitsteilung mit eigenständigen Produzenten, die für den Austausch produzieren.

4. Wert

4.1 Gebrauchswert und Tauschwert

Ware besitzt also Wert insofern sie etwas Nützliches darstellt und sich zum Tausch gegen andere nützliche Dinge eignet.

Die Nützlichkeit eines Dinges, seine Eigenschaft, menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art zu befriedigen, macht es laut Marx zum Gebrauchswert.[7] Waren stiften ihrem Konsumenten also einen bestimmten Nutzen. Insofern drückt der Gebrauchswert eine Beziehung zwischen Konsument und Konsumgut aus. Ein Hammer beispielsweise hat einen sehr eng definierten Gebrauchswert. Er dient dazu Nägel in die Wand zu schlagen. Hat also der Konsument hin und wieder das Bedürfnis zu Hämmern, so ist ihm der Hammer eine nützliche Hilfe. Sieht er allerdings keinen Sinn darin Nägel in die Wand zu schlagen oder etwas anderes mit dem Hammer anzufangen, hat dieses Werkzeug keinen Gebrauchswert für ihn. Findet der Produzent der Hämmer jemanden, der keinen Hammer hat aber einen braucht, kann er ihn eintauschen, sofern sein Gegenüber eine für ihn nützliche Ware bereithält, z.B. eine Kiste Nägel. Der Hammer besitzt also Tauschwert. Das Beispiel soll zweierlei klar machen: Zum einen drückt sich im Tauschwert ein quantitatives Verhältnis zweier Waren aus.[8] Es wird ein Hammer gegen eine Kiste Nägel getauscht. Zum anderen steht der Tauschwert für eine spezifische historische Beziehung zwischen den Produzenten, die nicht zum Selbstgebrauch, sondern zum Tausch, also für einander produziert haben. „Die Tauschbeziehung als solche ist – getrennt von jeder Betrachtung der damit verbundenen Quantitäten – ein Ausdruck der Tatsache, dass individuelle Produzenten, von denen jeder isoliert für sich arbeitet, tatsächlich für einander arbeiten. Was auch immer sie selbst darüber denken mögen, ihre Arbeit hat einen gesellschaftlichen Charakter, den sie durch den Akt des Tausches erhält.“[9] Der Tauschwert ist in Marxens Theorie also Ausdruck dafür, dass die zum Tausch geeigneten Waren Produkte menschlicher Arbeit in einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind. Im Austauschprozess tritt also der Wert einer Ware erst sichtbar hervor, indem eine Ware mit einer anderen gleichgesetzt wird.[10] Für die weitere Betrachtung ist also der Tauschwert von großer Bedeutung, der Gebrauchswert hingegen nur insofern er notwendige Bedingung für den Tausch ist.

4.2 Wertformen

Der Wert von Waren kann in verschiedener Weise ausgerückt werden. In der einfachen Wertform treten sich zwei Waren als Äquivalente entgegen, werden also relativ zueinander bewertet.

1 Hammer = 1 Kiste Nägel

Die Kiste Nägel dient dem Hammer also als Äquivalent.

Der Wert einer Ware kann jedoch in einer beliebigen Anzahl anderer Waren ausgedrückt oder verglichen werden. Hier spricht Marx von entfalteter Wertform.

1 Hammer = 1 Kisten Nägel = 2 Schraubenzieher = ...

Das Geld nimmt hier einen besonderen Platz ein, da es ein generalisiertes Tauschmittel ist. Es dient als allgemeines Äquivalent. In der Regel werden Waren gegen Geld getauscht, um kostspieliges Suchen von Tauschpartnern zu verhindern, die genau die Anzahl von Waren gegen eine andere tauschen wollen (Transaktionskosten).

1 Hammer = 5 Geldeinheiten

Dies wird als allgemeine Wertform bezeichnet.[11],[12]

4.3 Wert der Ware

Nachdem wir den doppelten Charakter des Wertes als Gebrauchswert und Tauschwert sowie die Formen (einfach, entfaltet und allgemein), in denen er sich ausdrücken lässt, kennen gelernt haben, bleibt immer noch unklar, was Wert eigentlich ist, worin er seinen Ursprung findet. Dabei ist Wert für den Marxisten nichts weiter als vergegenständlichte oder geronnene Arbeit.[13] „Im Wert einer Ware vergegenständlicht sich die darin enthaltene Arbeit. Je mehr Arbeit zur Herstellung einer Ware notwendig ist, desto mehr ist sie wert.“[14] Für diese einfache Beziehung von Wert und Arbeit und den Ausdruck des quantitativen Verhältnisses von verschiedenen Arbeiten bringt Adam Smith ein gutes Beispiel: „Wenn es (...) in einem Volk von Jägern die zweifache Menge Arbeit kostet, einen Bär zu töten, anstatt einen Hirsch zu erlegen, so müsste sich natürlich ein Bär gegen zwei Hirsche oder den Wert von zwei Hirschen tauschen lassen. Es ist natürlich, dass das, was für gewöhnlich das Arbeitsprodukt zweier Tage oder zweier Stunden ist, doppelt so viel wert sein müsste als das, was für gewöhnlich das Arbeitsprodukt eines Tages oder einer Stunde ist.“[15]

5. Arbeit

5.1 Abstrakte und konkrete Arbeit

Marx erklärt, dass Arbeit, ähnlich wie der Wert, einen doppelten Charakter hat. Sie ist als konkrete aber auch als abstrakte Arbeit zu betrachten. Er sieht die nützliche Arbeit des Tischlers, Schneiders, Schusters, usw. als von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung der Menschen, als ewige Naturnotwendigkeit. Sie schafft den Gebrauchswert und wird als konkrete Arbeit bezeichnet.[16]

Beim Austausch von Waren werden nun aber ganz unterschiedliche Arten konkreter Arbeit gleichgesetzt. Das impliziert, dass in allen Arbeiten etwas Gemeinsames stecken muss. „Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher von ihrem nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedene produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw. und in diesem Sinne beide menschliche Arbeit.“[17] Das Gemeinsame der Arbeit ist also ihr Charakter als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Insofern ist sie abstrakte Arbeit. Marx beabsichtigt nicht den Begriff der Arbeit mysteriös oder gar metaphysisch erscheinen zu lassen, sondern stellt klar, dass abstrakte Arbeit nur abstrakt ist in dem Sinne, dass alle speziellen Merkmale, die eine Art der Arbeit von einer anderen unterscheiden, unbeachtet bleiben.[18] „Alle Arbeit“, so Marx, „ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“[19]

Marx setzt diese Abstraktion aber nicht willkürlich. Vielmehr ist sie Vorraussetzung dafür, dass Einheiten von Arbeit miteinander verglichen und getauscht und schließlich zu einem sozialen Aggregat zusammengezählt werden können. Es handelt sich also um eine Abstraktion „die zum Wesen des Kapitalismus gehört“.[20] Denn die Arbeit entwickelt ihren zwieschlächtigen Charakter als konkrete und abstrakte Arbeit nur dann, wenn ihre Produkte als Waren ausgetauscht werden. Hierin zeigt sich der gesellschaftliche Charakter der abstrakten Arbeit. Darüber hinaus hat sie einen historischen Charakter, der sich darin ausdrückt, dass die Arbeit nur in einer bestimmten Wirtschaftsweise, der Warenwirtschaft, ihre abstrakte Form annimmt.[21]

Das Verständnis der zwieschlächtigen Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist Marx besonders wichtig: „Diese (...) ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden.“ Dass es die abstrakte gesellschaftliche Arbeit ist, die die Substanz des Wertes darstellt, hält Marx für den „Springpunkt“ der politischen Ökonomie.[22]

5.2 Wertbildender Charakter der Arbeit

Jeglicher Wert ist also „geronnene gesellschaftliche Arbeit“ oder auch materialisierte abstrakte Arbeit.[23] Eine Ware, die einen Wert besitzt, hat also einen Teil der Reichtum erzeugenden Tätigkeit der Gesellschaft absorbiert. Dass Arbeit und nichts als Arbeit Substanz jeglichen Wertes ist, ist nach Marx selbsterklärend: „Das Geschwätz über die Notwendigkeit, den Wertbegriff zu beweisen, beruht nur auf vollständigster Unwissenheit, sowohl über die Sache, um die es sich handelt, als die Methode der Wissenschaft. Dass jede Nation verrecken würde, die, ich will nicht sagen für ein Jahr, sondern für ein paar Wochen die Arbeit einstellte, weiß jedes Kind.“[24]

5.3 Arbeitskraft als Ware

An dieser Stelle sollt man sich nochmals ins Gedächtnis rufen, dass es sich beim Kapitalismus um eine besondere Form der Warenwirtschaft handelt. Was die kapitalistische Epoche kennzeichnet, ist laut Marx, dass die Arbeitskraft für den Arbeiter selbst die Form einer ihm gehörigen Ware annimmt. Seine Arbeit erhält daher die Form der Lohnarbeit.[25] Der Wert der Ware Arbeitskraft wird indes genauso bestimmt, wie bei allen anderen Waren auch. Er bemisst sich an der zu ihrer Produktion, bzw. Reproduktion notwendigen Arbeitszeit. „Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.“ Unter dem Marxschen Begriff der Lebensmittel subsummiert sich alles, was der Erhaltung der (bloßen) Arbeitsfähigkeit dient: Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usf. Dabei schließt er die Versorgung der Familie mit ein. Er versteht die Familie in diesem Zusammenhang also als Ort, an dem neue potentielle Arbeitskraft (Nachwuchs) produziert wird. „Andererseits ist der Umfang sogenannter notwendiger Bedürfnisse (...) selbst ein historisches Produkt, und hängt daher großenteils [ab] von der Kulturstufe eines Landes (...).“[26]

Eine Unterscheidung trifft Marx zwischen einfacher und qualifizierter Arbeit. Qualifizierte Arbeit hat eine größere Kraft Werte zu produzieren. In Marxscher Logik kann dies jedoch nicht der Grund dafür sein, dass der Kapitalist sie höher entlohnt. Dies liegt vielmehr daran, dass die Qualifizierung, die dem Arbeiter zuteil geworden ist, selbst einen Wert darstellt. Dieser wurde von seinen Lehrern usw. erarbeitet sowie durch ihn selbst in Form von Übung und Erfahrung.[27]

Jedoch nicht die Arbeit selber ist die Ware, die der Arbeiter dem Kapitalsten verkauft, sondern die Arbeitskraft. „Der Kapitalist mietet den Arbeiter an einem bestimmten Tag zu seiner Fabrik zu kommen und sich darauf einzustellen, jegliche Aufgabe, die ihm gestellt wird, zu erfüllen. Indem er so handelt, kauft er die Fähigkeit des Arbeiters, zu arbeiten, seine Arbeitskraft.“[28] Erst der Gebrauch von Arbeitskraft, also der Einsatz von Hirn, Muskel, Nerv usw. ist die Arbeit selbst.

5.4 Gesellschaftlich notwendige Arbeit

„Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.“[29] So definiert Marx die gesellschaftlich notwendige Arbeit und stellt damit klar, dass nicht die individuell zur Produktion einer Ware benötigte Arbeitszeit die wertbestimmende ist, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Durchschnittswert, der den technologischen Grad genauso in Bertacht zieht, wie die allgemeine Arbeitsproduktivität. Es ist also keineswegs gemeint, dass „(...) wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Fertigung braucht.“[30]

Doch erschöpft sich das Konzept der gesellschaftlich notwendigen Arbeit nicht in der bloßen Frage der Tauschraten von „durchschnittlicher Produktionsdauer“, sondern umfasst auch die Allokation der Arbeitskraft der Gesellschaft in den verschiedenen Produktionsbereichen. Marx hat genau in diesem Bereich die Rolle der Nachfrage in die Arbeitswerttheorie einfließen lassen. Er schreibt, dass das gesellschaftliche Bedürfnis, also der Gebrauchswert auf gesellschaftlicher Ebene bestimmend dafür ist, welches Quantum an gesellschaftlicher Arbeitszeit in welcher Produktionssphäre eingesetzt wird. „(...) es sei proportionell zu viel Baumwollgewebe produziert, obgleich in diesem Gesamtprodukt von Gewebe nur die unter den gegebenen Bedingungen notwendige Arbeitszeit realisiert. Aber es ist überhaupt zu viel gesellschaftliche Arbeit in diesem besonderen Zweig verausgabt; d.h. ein Teil des Produkts ist nutzlos. Das Ganze verkauft sich daher nur, als ob es in der notwendigen Proportion produziert wäre. (...) Es ist nur soundsoviel davon notwendig zur Befriedigung des gesellschaftlichen Bedürfnisses. Die Beschränkung tritt hier ein durch den Gebrauchswert.“[31] Wird eine Ware in einem das gesellschaftliche Bedürfnis überschreitendem Maße produziert, so ist durch diese Warenmasse ein viel kleineres Quantum gesellschaftlicher Arbeit repräsentiert, als wirklich in ihr enthalten ist. Gesellschaftliche Arbeitskraft wird also vergeudet. „Gesetzt endlich, jedes auf dem Markt vorhandene Stück Leinwand enthalte nur gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Trotzdem kann die Gesamtsumme dieser Stücke überflüssig verausgabte Arbeitszeit enthalten. Vermag der Marktmagen das Gesamtquantum Leinwand (...) nicht zu absorbieren, so beweist das, dass ein zu großer Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit in der Form der Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe, als hätte jeder einzelne Leinweber mehr als die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit auf sein individuelles Produkt verwandt.“[32] Das gesellschaftliche Bedürfnis, das also bei der Bestimmung der Wertgröße des gesellschaftlichen Produkts eine große Rolle spielt, tritt in der Warenproduktion als zahlungsfähige Nachfrage auf dem Markt in Erscheinung.[33]

5.5 Freiheit des Arbeiters

Historische Vorbedingung für das kapitalistische System ist die Freiheit der Arbeiter in zweierlei Hinsicht. Zum einen müssen sie freie Eigentümer ihrer eigenen Arbeitskraft sein, sich in sofern also unterscheiden von Sklaven oder Leibeigenen vergangener Epochen. Erst so können sie zu Anbietern ihrer individuellen Arbeitskraft am Markt werden. Dies zu tun sind sie zum anderen gezwungen, da sie frei sind von Eigentum an Produktionsmitteln, also Werkzeug, Maschinen usf., die sie befähigen würden, selbstständig Waren zu produzieren und anzubieten. „Mit dieser Polarisation des Warenmarktes sind die Grundbedingungen der kapitalistischen Produktion gegeben. Das Kapitalverhältnis setzt die Scheidung zwischen den Arbeitern und dem Eigentum an den Verwirklichungsbedingungen der Arbeit voraus (...). Der Prozess, der das Kapitalverhältnis schafft, kann also nichts anderes sein als (...) ein Prozess, der einerseits die gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsmittel in Kapital verwandelt, andererseits die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter.“[34]

Den Kapitalismus unterscheidet also von der nichtkapitalistischen Warenwirtschaft, dass das Eigentum an Produktionsmitteln in der Hand der einen liegt, während die anderen gezwungen sind ihre Arbeitskraft anzubieten und somit unselbstständig zu produzieren. Insofern setzt der Kapitalismus die Existenz einer Klasse voraus, die nichts besitzt als ihre Arbeitsfähigkeit. Marx bringt es auf die Formel: „Arbeiter als Nichteigentümer und Nichtarbeiter als Eigentümer“, also Lohnarbeiter und Kapitaleigner, stehen sich in einem Klassenverhältnis gegenüber.[35]

6. Mehrwert

6.1 Konstantes und variables Kapital

Marx unterscheidet konstantes Kapital (c) vom variablen, wobei er zeigt, dass nur variables Kapital (v) wertproduktiv ist, also Mehrwert (m)[36] schafft.

Unter das konstante Kapital fallen Produktionsmittel wie Maschinen, Werkzeuge und Produktionsgebäude (fixes Kapital, cfix) sowie Hilfsstoffe, Rohmaterialien und Energie (zirkulierendes Kapital, czirk). Dabei geht der Wert der eingesetzten Materialien zwar in das Produkt mit ein, aber nur mit ihrem ursprünglichen Wert. Das gilt auch für fixes Kapital, das der Produktion dient. „Was Gebäude und Maschinen vom Material unterscheidet, ist die Tatsache, dass die ersten ihren Wert auf das Endprodukt langsamer übertragen, d.h. über eine Folge von Produktionsperioden hinweg, anstatt sofort und auf einmal, wie im Falle des Materials.“[37]

Hinzuziehend das variable Kapital unterscheidet Marx unterschiedliche Arten von Produktivität. „Es stimmt natürlich, dass man Material und Maschinen als physisch produktiv bezeichnen kann in dem Sinne, dass die Arbeitskraft mit ihnen zusammen ein größeres Produkt liefern kann als ohne sie, aber physische Produktivität darf unter keinen Umständen mit Wertproduktivität verwechselt werden.“[38] „Das Kapital“ so definiert Marx, „ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und umso mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“[39]

Variables Kapital hat die Eigenschaft über den eigenen Wert hinaus dem Produkt einen zusätzlichen Wert zu verinnerlichen, den Mehrwert. Mehrwert kann nicht dadurch entstehen, dass der Kapitalist seine Ware zu teuer verkauft oder die Produktionsmittel zu günstig erhält. Dann würde eine volkswirtschaftlich gewinnneutrale Transaktion vorliegen. Nicht also im Kauf oder Verkauf von Waren kann der Mehrwert entstehen, sondern nur im Gebrauch einer Ware. Es müsste also, so Marx, „unser Geldbesitzer so glücklich sein, (...) auf dem Markt eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit wäre, daher Wertschöpfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor – das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft.“[40] Die Quelle des Wertes ist hernach in der Arbeit zu finden. Diese Erkenntnis ist Vorraussetzung für die Erfassung des Ausbeutungscharakters des Kapitalismus.

6.2 Mehrarbeit

Aller Mehrwert entspringt also der Arbeit. Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft eines Arbeiters für einen Tag zu ihrem Wert, also zum Wert der Summe ihrer Subsistenzmittel. Nehmen wir an, mit seiner Arbeit schafft der Arbeiter es, in sechs Stunden Waren im Wert seiner Arbeitskraft zu produzieren. Der Kapitalist hat ihn aber für den ganzen Tag gemietet und lässt ihn daher weitere sechs Stunden arbeiten. In dieser Zeit schafft der Arbeiter einen Wert, für den der Kapitalist ihn nicht entlohnt – den Mehrwert.[41] Definiert ist der Mehrwert also als Differenz zwischen dem Wert der Arbeitskraft und dem vom Arbeiter geschaffenen Wert, der unbezahlten Mehrarbeit, dem unbezahlten Mehrprodukt, das der Kapitalist sich aneignet. Der Arbeitstag teilt sich gewissermaßen in zwei Teile: in einem Zeitabschnitt geht der Arbeiter der notwendigen Arbeit nach, deren Wert er in Form seines Lohnes erhält; im zweiten Zeitabschnitt erarbeitet er den Mehrwert, der einzig dem Kapitalisten verbleibt. Die produzierten Waren enthalten demnach mehr Arbeit, als der Kapitalist bezahlt. Sie enthalten also einen Wertanteil, der den Kapitalisten nichts kostet und dennoch durch den Verkauf der Ware realisiert wird. „Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise.“[42] Darin sieht Marx das einzige Motiv des Kapitalisten überhaupt Kapital in den Produktionsprozess einzubringen. Er will eine Ware produzieren, deren Wert höher ist, als der Wert aller zur Produktion benötigten Produktionsmittel und Arbeitskraft. Er möchte also nicht nur Wert sondern Mehrwert produzieren. Der Mehrwert bildet das Einkommen des Kapitalisten und das „direkten Zweck bestimmende Motiv der Produktion“.[43]

Es gelingt Marx also die Entstehung des Mehrwertes zu erklären, ohne sein eigenes Wertgesetz zu verbiegen: „Alle Bedingungen des Problems sind gelöst und die Gesetzte des Warenaustausches in keiner Weise verletzt. Äquivalent wurde gegen Äquivalent ausgetauscht. Der Kapitalist zahlt als Käufer jede Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindelmasse, Arbeitskraft. (...) Er verkauft das Pfund Garn (...) keinen Deut über oder unter seinem Wert. Und doch zieht er (...) mehr aus der Zirkulation heraus, als er ursprünglich in sie hineinwarf.“[44] Aber der Kapitalist kann selbst einen Profit machen, wenn er die Ware unter ihrem Wert verkauft, solange er einen Teil des unbezahlten Mehrwerts realisieren kann.[45]

6.3 Ausbeutung

„Hatte bisher der Besitzer der Arbeitsmittel sich das Produkt angeeignet, weil es in der Regel sein eigenes Produkt, und fremde Hilfsarbeit die Ausnahme war, so fuhr jetzt der Besitzer der Arbeitsmittel fort, sich das Produkt anzueignen, obwohl es nicht mehr sein Produkt war, sondern ausschließlich Produkt fremder Arbeit. So wurden also die nunmehr gesellschaftlich erzeugten Produkte angeeignet nicht von denen, die die Produktionsmittel wirklich in Bewegung gesetzt und die Produkte wirklich erzeugt hatten, sondern von Kapitalisten.“[46] Dem Kapital kommt beim Ausbeutungscharakter, wie ihn Engels hier noch einmal zusammengefasst hat, eine besondere Rolle zu, insofern es erst in Folge bestimmter gesellschaftlich-historischer Bedingungen zum Eigentum des Kapitalisten geworden ist und somit Mittel zur Ausbeutung der Lohnarbeit.

Die ungeheure technische und ökonomische Entwicklung, die zur Grundlage des Kapitalismus geworden ist, wurden „von den Anfängen des Kapitalismus an erkauft mit den furchtbarsten gesellschaftlichen Missständen und Katastrophen, einer unerhörten Verwüstung menschlicher und materieller Kräfte und Ressourcen.“[47] Die Anwendung von Produktionsmitteln könnte die Arbeitszeit verkürzen, die Arbeit leichter machen und die Produzenten reicher. Im Kapitalismus hingegen, so Marx, führe sie zur Verlängerung des Arbeitstages, steigere sie die Intensität der Arbeit und lasse die Arbeiter verelenden.[48] Daraus leitet er seine klare Schlussfolgerung ab: „Erst wenn eine große soziale Revolution die Ergebnisse der bürgerlichen Epoche, den Weltmarkt und die modernen Produktivkräfte, gemeistert und sie der gemeinsamen Kontrolle der am weitesten fortgeschrittenen Völker unterworfen hat, erst dann wird der menschliche Fortschritt nicht mehr jenem scheußlichen heidnischen Götzen gleichen, der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte.“[49]

Notwendig für die Ausbeutung ist, dass es sich bei der Arbeitskraft zwar um eine Ware handelt, diese aber eine besondere Eigenschaft besitzt. Anders als jeder andere Warenverkäufer kann der Arbeiter nicht darauf warten seine Ware erst dann anzubieten, wenn die Konditionen für ihn besonders günstig sind. Er steht also relativ ungeschützt dem Lohndiktat, der Ausbeutung und der gesundheitlichen Gefährdung durch den Kapitalisten gegenüber. „In der Regel ist die Ausstattung der Vertragsparteien mit „Ressourcen“ – Kapitalbesitz auf der einen, Arbeitskraft auf der anderen Seite – zu ungleich, um einen „fairen Deal“ zu gewährleisten.“[50]

Zur Messung der Ausbeutung führt Marx die Mehrwertrate oder den Exploitationsgrad ein. Dieser gibt das Verhältnis an von geleisteter, unbezahlter Mehrarbeit eines Arbeiters zur notwendigen Arbeit, die er leistet um sein Lohnäquivalent zu produzieren.[51]

Exploitationsgrad = Mehrwertrate = m/v

Ausbeutungstheoretisch kann die Mehrwertrate erhöht werden durch Ausdehnung der Arbeitszeit, durch Senkung des Reallohnes und durch Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Dabei stellt die Arbeitszeitverlängerung einen absoluten Mehrwertzuwachs dar, Reallohnsenkung und Produktivitätssteigerung hingegen stellen relative Zuwächse beim Mehrwert dar.

6.4 Akkumulation und Zirkulation

Wie gesehen bildet der Kapitalist nicht durch persönliche Arbeit und konsumtive Enthaltsamkeit seinen Reichtum, sondern durch Ausbeutung fremder Arbeitskraft. Dabei ist er bestrebt einen Teil des erwirtschafteten Mehrwerts wieder als Kapital anzuwenden, also in dieses zu verwandeln. Diesen Prozess nennt Marx die Akkumulation. In einer Art rastlosen Bewegung führt der Kapitalist dem Wirtschaftsprozess Kapital zu, um Mehrwert zu schaffen und verwandelt den Mehrwert ohne Verzögern wieder in Kapital, um den Prozess von vorn zu beginnen. Er erlangt erst durch die Akkumulation gesellschaftlichen Wertes, also durch Eigentum am Kapital, gesellschaftliche Geltung. Gleichzeitig verfestigt die Akkumulation, die auf der anderen Seite die Exploitation impliziert, das Klassenverhältnis und Herrschaft durch den Kapitalisten, da Eigentum an Produktionsmitteln für den Arbeiter unmöglich bleibt.[52]

Oben angeschnittenen Prozess nennt Marx Zirkulation. Der Verlauf von üblicher Warenzirkulation, deren Zweck der Verkauf einer Ware zum Erwerb einer anderen Ware ist, gestaltet sich wie folgt: Ein Produzent verkauft sein Produkt, tauscht es also gegen Geld – das allgemeine Äquivalent, und tauscht dieses wiederum gegen eine Ware, deren Gebrauchswert ihm einen Nutzen stiftet (WareàGeldàWare). Diese Zirkulation dient also der Befriedigung von Bedürfnissen.

W-G-W

Anders gestaltet sich die Zirkulation, in der der Kapitalist seinen Mehrwert zu realisieren versucht. Er kauft mit seinem Geld die Ware Arbeitskraft und tauscht deren Wert inklusive Mehrwert dann wieder gegen das allgemeine Äquivalent Geld. „Der ursprünglich vorgeschossene Wert erhält sich daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr verändert er seine Wertgröße, setzt einen Mehrwert zu oder verwertet sich. Und diese Bewegung verwandelt ihn in Kapital.“[53] Einziger Zweck dieser Zirkulation ist das vorgeschossene Geld zu vermehren. Sie würde keinen Sinn machen, wenn der aus ihr resultierende Geldbetrag gleich dem hineingesteckten wäre.[54]

G-W-G’ (G<G’)

Den dadurch erlangten Profit misst Marx durch die Profitrate (p). Sie ist definiert durch den Anteil des Mehrwerts am vorgeschossenen Kapital.[55]

p = m / (c+v)

7. Erweiterte Reproduktion des Kapitals

In der Zirkulationssphäre ändert das Kapital seine Wertform. Es wandelt sich von Geld zu Ware in dem Moment, wo der Kapitalist Arbeitskraft erwirbt oder zur Produktion benötigte Produktionsmittel. Im Produktionsprozess geht der Wert von Arbeit und Produktionsmitteln auf das Produkt selbst über. In diesem Teil der Zirkulation befindet sich die Arbeit in der Wertform des variablen Kapitals (v). Das konstante Kapital teilt sich auf in zirkulierendes Kapital (czirk), so zum Beispiel Betriebs- und Rohstoffe, Energie und Zwischenprodukte, die in Gänze auf das Produkt eingehen, und fixes Kapital (cfix), wie Maschinen und Gebäude, die nur langsam ihren Wert an das Produkt abgeben und somit mehrere Umschläge des Kapitals überdauern. Dennoch muss auch fixes Kapital mit der Zeit erneuert werden. Entweder durch Verschleiß oder durch relative Unproduktivität im Verhältnis zu besseren Maschinen verliert es an Wert (∆c).

In der Produktionssphäre ist nun also eine Ware entstanden, die sowohl den konstanten als auch variablen Wertanteil enthält als auch den zugesetzten Mehrwert (∆w). Dieser ist, wie hinlänglich betrachtet, durch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Akkumulationsprozess/Erweiterte Reproduktion des Kapitals[56]

unbezahlte Mehrarbeit entstanden. Sie kostet den Kapitalisten nichts, und dennoch realisiert er ihren zusätzlichen Wert beim Verkauf der Ware als Profit. Dieser Profit steckt in G’, also dem gewachsenen Geldbetrag (G + ∆g), den der Kapitalist aus der Zirkulation herauszieht. Einen Teil oder den gesamten Mehrwert führt der Kapitalist in einem neuen Umlauf dem Zirkulationsprozess zu. Somit wird G’ zum Endpunkt des Zirkulationsprozesses und gleichsam zu seinem neuen Beginn.[57]

8. Schluss

8.1 Zusammenfassung

Marx greift den Wertbegriff der Klassiker Smith und Ricardo auf, entwickelt ihn auf wissenschaftlicher Basis weiter und enthüllt somit den Ausbeutungscharakter, das Klassenverhältnis und dessen Reproduktion.

Er erklärt den Kapitalismus als besondere Form der Warenwirtschaft, wobei einerseits der freie Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware verkaufen muss, weil er kein Eigentum an Produktionsmitteln hat, andererseits zwingend die Unterscheidung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert vorausgesetzt wird. Weiter zeigt er, wie die Arbeit als konkrete den Gebrauchswert und als abstrakte den Tauschwert schafft. Im Produktionsprozess tritt sie neben dem konstanten Kapital, das zwar produktiv, aber nicht wertproduktiv ist, als mehrwertschaffendes variables Kapital auf. Arbeit hat die Eigenschaft Mehrwert zu produzieren, der Kapitalist die Eigenschaft den Arbeiter auszubeuten, indem er den Arbeiter nicht für den erstellten Mehrwert entlohnt. Der Mehrwert, der im Zirkulationsprozess zu Profit wird, ist Antrieb alles kapitalistischen Handelns, weswegen er vom Kapitalisten erneut dem Wirtschaftsprozess zugesteuert wird. So akkumuliert sich das Kapital und reproduziert sich und somit das kapitalistische Klassenverhältnis.

8.2 Fazit

Marx versucht mit seiner Arbeitswerttheorie eine Antwort auf ein Verteilungsproblem zu geben. Dabei stehen nicht nur die Aufteilung der erwirtschafteten Werte im Vordergrund, also die Frage, wer welchen Teil erhalten soll, sondern vor allem auch die systemimmanenten gesellschaftlichen Umstände, die Verhältnisse der verschiedenen wirtschaftlichen Akteure zueinander. Marx liefert hierzu eine grundlegende, umfassende und schlüssige Analyse des kapitalistischen Systems und leitet daraus seine Antwort auf die Verteilungsfrage ab. Seine Theorie wird zur Grundlage der Arbeiterbewegung und damit zu einer der einfluss- und folgenreichsten Wirtschafts- und Gesellschaftstheorien überhaupt.

Nicht zuletzt deshalb wird angestrengt versucht, die Arbeitswerttheorie zu widerlegen oder zu entkräften. Dennoch bleiben die Kernaussagen der hier dargestellten Konzepte unwiderlegt und dienen auch der modernen Wirtschaftswissenschaft als Grundlage.

Quellen und Literatur

Bernholz, Peter; Breyer, Friedrich. Grundlagen der politische Ökonomie. 2. Auflage. Tübingen: Mohr, 1984.

Fuchs, Christian. Die Arbeitswerttheorie. http://cartoon.iguw.tuwien.ac.at/christian/technsoz/marx2html, 24.04.2004.

Marx, Karl. Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Marx-Engels-Werke Band 23. Berlin: Dietz-Verlag, 1962.

Marx, Karl. Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. Marx-Engels-Werke Band 25. Berlin: Dietz-Verlag, 1968.

Meyers Taschenlexikon Geschichte in 6 Bänden. Vierter Band. Bibliographisches Institut. Mannheim: Mayers Lexikonverlag, 1982.

Müller-Jentsch, Walter. „Nur zusammen unschlagbar gut“. Mitbestimmung 6/2004. Frankfurt/M.: Bund-Verlag, 2004.

Oelssner, Fred. Die Arbeitswerttheorie als Grundlage der Marxschen Politischen Ökonomie. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Vorträge und Schriften, Heft 103. Berlin: Akademie-Verlag, 1967.

Robinson, Joan. Doktrinen der Wirtschaftswissenschaft. München: Verlag C.H. Beck, 1965.

Schleifstein, Josef. Einführung in das Studium von Marx, Engels und Lenin. München: Verlag C.H. Beck, 1972.

Sweezy, Paul Marlor. Theorie der kapitalistischen Entwicklung. 4. Auflage. Köln: Suhrkamp Verlag, 1974.

[...]


[1] Karl Marx. Zitiert bei: Schleifstein, 1972. S. 96.

[2] Vgl. Bernholz/Breyer, 1984. S. 3.

[3] Karl Marx. Zitiert bei: Schleifstein, 1972. S. 94.

[4] Ebenda. S. 94.

[5] Karl Marx. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 40.

[6] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 101.

[7] Karl Marx. Zitiert bei: Fuchs, 2004. S. 1.

[8] Vgl. Fuchs, 2004. S. 1.

[9] Vgl. Sweezy, 1974. S. 41 f..

[10] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 103.

[11] Vgl. Fuchs, 2004. S. 1.

[12] Wie wir später sehen werden, ist aller Wert geronnene gesellschaftliche Arbeit. Oelssner folgert, dass Marx auf dieser Grundlage „das jahrtausendalte Geheimnis des Geldes aufklären und eine wissenschaftliche Geldtheorie schaffen [konnte], die das Wesen des Geldes als allgemeines Äquivalent, d.h. als allgemeine Verkörperung der gesellschaftlichen Arbeit, erklärt. Wenn ich weiß, das alle Werte geronnene gesellschaftliche Arbeit sind, und ferner weiß, dass Geld die allgemeine Form der gesellschaftlichen Arbeit ist, dann verliert der Geldbeutel den Mythos eines Zaubertäschchens, und es wird klar, warum ich für Geld alles kaufen kann.“ Vgl. Oelssner, 1967. S. 4.

[13] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 95.

[14] Vgl. Fuchs, 2004. S. 1.

[15] Adam Smith. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 62.

[16] Vgl. Marx, 1962. S. 57.

[17] Ebenda, S. 59.

[18] Vgl. Sweezy, 1974. S. 45.

[19] Vgl. Marx, 1962. S. 61.

[20] Lukács. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 46.

[21] Vgl. Oelssner, 1967. S. 6 f..

[22] Ebenda, S. 6.

[23] Ebenda, S. 4.

[24] Karl Marx. Zitiert bei: Ebenda, S. 9.

[25] Vgl. Marx, 1962. S. 183 f., Fußnote.

[26] Karl Marx. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 78 f..

[27] Ebenda, S. 59.

[28] Ebenda, S. 78.

[29] Vgl. Marx, 1962. S. 50 ff..

[30] Karl Marx. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 58.

[31] Ebenda, S. 66.

[32] Vgl. Marx, 1962. S. 121 f..

[33] Vgl. Oelssner, 1967. S. 12.

[34] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 97.

[35] Karl Marx. Zitiert bei: Fuchs, 2004. S. 4.

[36] Alternativ zu Mehrwert (m) kann auch surplus (s) gesagt werden.

[37] Vgl. Sweezy, 1974. S. 80.

[38] Ebenda, S. 80.

[39] Vgl. Marx, 1962. S. 247.

[40] Ebenda, S. 181.

[41] Vgl. Sweezy, 1974. S. 80 f..

[42] Vgl. Marx, 1962. S. 646.

[43] Karl Marx. Zitiert bei: Sweezy, 1974. S. 77.

[44] Ebenda, S. 81.

[45] Vgl. Fuchs, 2004. S. 3.

[46] Friedrich Engels. Zitiert bei: Schleifstein, 1972. S. 100.

[47] Ebenda, S. 96.

[48] Vgl. Marx, 1962. S. 465

[49] Karl Marx. Zitiert bei: Schleifstein, 1972. S. 96.

[50] Vgl. Müller-Jentsch, 2004. S. 36.

[51] Vgl. Fuchs, 2004. S. 3.

[52] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 112.

[53] Karl Marx. Zitiert bei: Fuchs, 2004. S. 2 f..

[54] Vgl. Schleifstein, 1972. S. 106.

[55] Vgl. Sweezy, 1974. S. 87.

[56] Vgl. Fuchs, 2004. S. 5.

[57] Ebenda, S. 4 ff..

20 von 21 Seiten

Details

Titel
Die Arbeitswerttheorie des Karl Marx
Hochschule
Universität zu Köln
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V109388
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Darstellung der Arbeitswerttheorie wurde vom Lehrstuhl als umfassend und treffend bewertet. Das Fehlen eines Hinweises in den Schlussüberlegungen auf die Notwendigkeit der Kapitalentlohnung (Böhm-Bawerk, Österreichische Schule) wurde als Mangel angesehen.
Schlagworte
Arbeitswerttheorie, Karl, Marx
Arbeit zitieren
Johannes Eisenbarth (Autor), 2004, Die Arbeitswerttheorie des Karl Marx, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109388

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