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Die Erzähltradition des Reliquientranslationsberichts im Grauen Rock (Orendel)

Title: Die Erzähltradition des Reliquientranslationsberichts im Grauen Rock (Orendel)

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 22 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Andreas Taut (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Der Epos ‚Orendel‘, oder trefflicher ‚Der Graue Rock‘, wird in der wissenschaftlichen Diskussion sehr vielseitig dargelegt und gilt in seiner literarischen Qualität als umstritten. Insbesondere in den Anfängen der Auseinandersetzung mit dem Text im 19. Jahrhundert und Anfang 20. Jahrhundert, kritisierte man ihn häufig als „Dichtung ohne Grundsatz“1. Im Zuge dessen, ordnete man ihn der heute desolat gewordenen Gattungsbezeichnung Spielmannsepik zu. Unter diesem Sammelbegriff gruppierten -und gruppieren- sich Texte, welche als mittelalterliche Trivialliteratur abgetan wurden und somit keinen ernst zunehmenden Gegenstand wissenschaftlicher Forschung bildeten. Dazu gehören fernerhin die Epen Salman und Morlof, Sankt Oswald, König Rother und Herzog Ernst.2 Neben dieser herablassenden wissenschaftlichen Meinung, gab es die Auffassung, dass es sich bei dem Grauen-Rock-Epos um einen alten, jedoch theologisch verklärten, Sagenstoff handle, welcher auf ursprüngliche germanisch-nordische Mythologie beruht.3 Beide Meinungen wiederspiegeln geradezu exemplarisch den Zeitgeist des 19. Jahrhundert. In der wissenschaftlichen Diskussion des 20. Jahrhundert wurden sie relativiert und niviliert. Vor allem wurde der Begriff des Spielmannsepos stark angefeindet. Man kritisiert besonders das Gattungsmerkmal des spielmännischen Vortrages. In der heutigen Forschung werden jene Texte und somit auch der Graue Rock vor allem als Auftragswerke von gebildeten Klerikern verstanden. Man nimmt an, dass die anonymen Schreiber der Epen sich älterer Erzähltraditionen aus schriftlichen und mündlichen Quellen bedienten. Allen Texten ist dabei die Verknüpfung von gefahrvoller abenteuerliche Brautfahrt und die Wunderwelt des in den Kreuzügen erschlossenen Orients gemein.4

[...]
______
1 Hans Steinger: Orendel. Halle/Saale 1935, S.XXVII.
2 Uwe Meves: Das Gedicht vom Grauen Rock und die Trierer Reliquientratition. In: Kurtrierisches Jahrbuch 15 (1975). S. 5 - 19, S. 5ff.
3 Uwe Meves: Studien zu König Rother, Herzog Ernst und Grauer Rock (Orendel). Frankfurt am Main 1976. S. 228.
4 speziell zum ‚Grauen Rock‘ Ganter, Meves 1975.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitende emerkungen

II. Erkenntnisse über die Entstehung des ‚Grauen Rockes‘ im groben Überblick

III. Merkmale der Quellengattung Translationsbericht im Grauen Rock

1. Die grundlegenden Merkmale

2. Entsprechungen zur äußeren Form

3. Charakteristika des inhaltlichen Aufbau

4. Zusammenfassung und abschließende Bemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelhochdeutsche Epos „Orendel“, auch bekannt als „Der Graue Rock“, unter dem Aspekt der Reliquientranslation. Ziel der Untersuchung ist es, die Erzähltradition des Translationsberichts als strukturgebendes Element des Epos nachzuweisen und zu belegen, dass die Überführung der Herrenreliquie die zentrale Intention des Textes darstellt.

  • Analyse des Epos „Orendel“ als Reliquientranslationsbericht
  • Untersuchung der strukturellen Ähnlichkeiten zu hagiographischen Quellen
  • Überprüfung der textimmanenten Beweismuster (Inventio, Elevatio, Translatio, Depositio)
  • Kontextualisierung des Werkes im Hinblick auf den Trierer Reliquienkult
  • Erforschung der Zielgruppenorientierung und der erzähltheoretischen Einbettung

Auszug aus dem Buch

Charakteristika des inhaltlichen Aufbau

Kommen wir nun zu einem Abschnitt, der für unsere Untersuchungen von großer Bedeutung ist. Aufgrund mittelalterlicher Erzählstrategien steigert besonders die Verwendung von Schemata des inhaltlichen Aufbaus einer Erzähltradition die Authentizität des Gesagtem. Falls die Translation der Herrenreliquie die zentrale Intention ist, müßten folglich die inhaltlichen Elemente des Translationsberichtes nachzuweisen sein.

Bevor wir jedoch auf die Details eingehen, sollte der Begriff der translatio geklärt werden, um eine erste Übersicht des Aufbaus von Translationsberichten zu erhalten. Translatio meint im Speziellen den Vorgang der Reise vom Ort der Erhebung zum Ort der Niederlegung, eingeschlossen der Zuführung zur Stadt (advectio), des Empfanges vor der Stadt (adventus), und der Messfeiern anlässlich des Empfanges (relatio). Die translatio im weiteren Sinne, welche für die Untersuchung relevant ist, umfaßt hingegen den gesamten Vorgang der Übertragung der Reliquie vom ursprünglichen Grab zum Grab seiner göttlichen Bestimmung und bildet somit den Vorgang des Translationsberichtes. Sie besteht maßgebend aus den Vorgängen der Auffindung (inventio) -meist zusammen mit einer Vision bzw. einem Mirakel (inventio-revelatio)-, der Erhebung (elevatio), der Überführung (translatio), dem Empfang vor der Stadt (adventus), dem Empfang von der Gemeinde (receptio) und der Niederlegung der Reliquie am Bestimmungsort (depositio).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitende emerkungen: Einführung in die Forschungsgeschichte des Epos und Darstellung der Hypothese, dass das Werk als Reliquientranslationsbericht zu verstehen ist.

II. Erkenntnisse über die Entstehung des ‚Grauen Rockes‘ im groben Überblick: Untersuchung des historischen Entstehungskontextes und der Bedeutung der Reliquie für die Stadt Trier.

III. Merkmale der Quellengattung Translationsbericht im Grauen Rock: Detaillierte Analyse der gattungsspezifischen Merkmale und deren Anwendung auf die Struktur des Epos.

1. Die grundlegenden Merkmale: Nachweis der außertextlichen und innertextlichen Merkmale, die den Translationscharakter des Textes unterstreichen.

2. Entsprechungen zur äußeren Form: Überprüfung von Prolog, Epilog und der metrischen Gestaltung hinsichtlich der Konventionen der Gattung.

3. Charakteristika des inhaltlichen Aufbau: Systematische Untersuchung der Phasen der Translation von der Inventio bis zur Depositio im Epos.

4. Zusammenfassung und abschließende Bemerkung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der zentralen Arbeitsthese sowie Ausblick auf weitere Forschungsfragen.

Schlüsselwörter

Orendel, Der Graue Rock, Reliquientranslation, Translationsbericht, Trier, Heiliger Rock, Mittelalterliche Epik, Hagiographie, Inventio, Elevatio, Depositio, Literaturwissenschaft, Erzähltradition, Reliquienkult, Spielmannsepik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Epos „Orendel“ unter der neuen Perspektive, es als literarische Umsetzung eines Reliquientranslationsberichts zu lesen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der erzählstrukturellen Muster, der historischen Bedeutung der Trierer Reliquie und der Einordnung in mittelalterliche Gattungstraditionen.

Was ist das primäre Ziel der Studie?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die im Epos geschilderte Überführung des „Grauen Rockes“ bewusst nach den Mustern eines Translationsberichts gestaltet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Studie nutzt die Gattungsdefinition von Martin Heinzelmann, um die Handlungsstränge des Epos punktuell mit den Schemata hagiographischer Translationsberichte zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Stadien der Translation (Inventio, Elevatio, Translatio, Adventus, Receptio, Depositio) detailliert anhand des Textes belegt und kritisch reflektiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Orendel, Translationsbericht, Reliquie, Trier, Inventio und Depositio.

Wie begründet der Autor die Abweichungen vom klassischen Translationsschema?

Abweichungen, wie etwa das Fehlen klerikaler Würdenträger, werden als Anpassung an das ritterlich orientierte Publikum und als Ergebnis der literarischen Form des Epos gedeutet.

Welche Rolle spielt die Vision für den Wahrheitsanspruch des Textes?

Die Visionen dienen als „legendarischer Wunderapparat“, der die Authentizität des Reliquienfundes und die göttliche Bestimmung Triers als Ort des Jüngsten Gerichts legitimiert.

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Details

Title
Die Erzähltradition des Reliquientranslationsberichts im Grauen Rock (Orendel)
College
Dresden Technical University  (Germanistik)
Course
Orendel, der Graue Rock
Grade
2,3
Author
Andreas Taut (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V10940
ISBN (eBook)
9783638172318
ISBN (Book)
9783656036258
Language
German
Tags
Trier Orendel Graue Rock Reliquie Reliquientranslationsbericht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Taut (Author), 2002, Die Erzähltradition des Reliquientranslationsberichts im Grauen Rock (Orendel), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10940
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