Ursachen, Bekämpfung und Folgen von Feuersbrünsten in spätmittelalterlichen Städten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Forschungsstand

3. Ursachen und Rahmenbedingungen

4. Maßnahmen
a. Unmittelbare Reaktionen
i. Feuerwehren
ii. Nothilfe
iii. Brandplatzräumung und Wiederaufbau
b. Mittel- und langfristige Aktionen
i. Spenden
ii. Stadtfinanzen
iii. Verhaltensregelungen und Bauvorschriften zur Brandprävention

5. Fazit – Folgen eines Stadtbrandes

6. Anhänge

7. Literaturverzeichnis

Titelbild: Darstellung einer mittelalterlichen Löschaktion, aus: Nickel, Hartmut: Schadenfeuer und deren Bekämpfung vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Biegel, Gerd (Hrsg.): Kampf gegen Feuer, Zur Geschichte der Berufsfeuerwehr Braunschweig, Veröffentlichungen des Braunschweiger Landesmuseums Band 95, Braunschweig 2000, S. 30.

1. Einleitung

Diese Hausarbeit entstand für das Proseminar „Katastrophen und ihre Bewältigung im Mittelalter“. Sie beschäftigt sich mit Bränden in mittelalterlichen Städten, der Art der Bekämpfung, der Reaktion der Menschen auf Stadtbrände und deren Folgen für die Städte. Die Gliederung dieser Hausarbeit entspricht dem chronologischen Ablauf eines Stadtbrandes. Geordnet wird dabei diese Hausarbeit nach den Aspekten, die auch chronologisch bei einem Stadtbrand ablaufen. Demzufolge werden zuerst die Ursachen und Rahmenbedingungen geschildert, die zum Ausbruch eines Stadtbrandes führen. Danach wird auf die unmittelbaren Reaktionen der Stadtbewohner eingegangen, wobei diese unterteilt in Feuerwehr/Brandbekämpfung, Nothilfe und Brandplatzräumung einschließlich des Wiederaufbaus betrachtet werden. Der Schilderung der unmittelbaren Reaktionen folgt die des mittel- bzw. langfristigen ausgerichteten menschlichen Handels. Dabei wird auch hier ein dreigliedriger Ansatz gewählt, bei dem von Spenden, über Stadtfinanzen hinzu Verhaltensregelungen und Bauvorschriften zur Brandprävention die wichtigsten städtischen Organe und Organisationen untersucht werden. Im anschließenden Fazit wird die Frage behandelt, welche Unterschiede im Umgang mit Städtebränden in unterschiedlichen Städten vorgeherrscht haben. Dabei soll die Frage geklärt werden ob sich Verlaufs- und Entwicklungspfade im Hinblick auf die Bekämpfung und Folgen von Feuersbrünsten für die unterschiedlichen Typen mittelalterlicher Städte generalisieren lassen und sich somit ein konkretes Deutungsmuster heraus kristallisieren könnte. Diese Vermutung liegt als Forschungsfrage der Hausarbeit zugrunde.

Der Arbeit seien noch ein paar Worte zur Bedeutung des Themas vorangestellt werden: Die Frage nach der Relevanz von Feuersbrünsten mittelalterlicher Städte, sowohl in Bezug zur Alltags- als auch zur Stadtgeschichte, lässt sich nur in Verbindung mit der Funktion von Städten, speziell im Mittelalter, erklären. Nach Dieter Schott haben Städte folgende zwei Bedeutungen: Es sollte sowohl der Schutz nach außen, vor menschlichen wie auch vor tierischen Feinden gewährleistet sein, als auch der Schutz nach innen, um ein friedlichen Zusammenleben, Rechtssicherheit und Eigentumsschutz zu garantieren.[1] Diese Funktionen werden durch Naturkatastrophen fundamental herausgefordert. Da gerade Stadtbrände am häufigsten von allen Katastrophen auftraten, öffneten sie Handlungsfenster und zwangen im Mittelalter die Stadtbewohner zu „umfassenden Anpassungs- und Bewältigungshandeln.“[2]

Auf die Tatsache, dass Feuersbrünste eine Mischform zweier unterschiedlicher Ursprungsarten für Katastrophen darstellen, sei noch verwiesen: Zum einen hatten es die Menschen im Mittelalter mit klaren Natur katastrophen zu tun, die für sie willkürlich auftretenden Ereignissen wie z.B. Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Überflutungen waren. Zum anderen mussten sie sich mit Faktoren auseinandersetzen, die auf menschlichem Handeln beruhte und sich in Wirtschaftskrisen oder Kriegen darstellten. Neben Feuersbrünsten die als Folge von anderen Natur katastrophen oder durch Blitzschlag entstanden, gingen statistisch die meisten Stadtbrände jedoch auf menschliche Unachtsamkeit im Umgang mit Feuer zurück. Daraus entwickelten sich absolut verheerende Stadtbrände aber wiederum nur dann, wenn Umweltfaktoren wie extreme Trockenheit oder starke Winde zusätzlich vorhanden waren.[3]

Demzufolge ergibt sich ein weiterer Punkt, der sich auch auf den Aufbau dieser Hausarbeit ausgewirkt hat. Im Gegensatz zu Erdbeben, Überflutungen oder anderen für mittelalterliche Menschen völlig unerklärlichen Ereignissen, waren der Ursprung und Verlauf von Feuersbrünsten im Allgemeinen schon relativ deutbar und somit nicht so stark einem auf Gottes Zorn oder den menschlichen Sünden basierenden Erklärungsmodell ausgesetzt, wie dies bei anderen Katastrophen der Fall ist. Der Punkt der zeitgenössischen Deutungsansätze für Feuersbrünste findet deshalb in dieser Hausarbeit keinen Niederschlag.[4]

2. Forschungsstand

Geschichtswissenschaftliche Literatur die sich ausschließlich mit Stadtbränden und deren Folgen beschäftigt ist bisher noch rar vorhanden. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, angesichts der Tatsache, dass Katastrophenforschung insgesamt in der Historikerzunft ein erst neu entdeckter Forschungsbereich ist. Mittelalterliche Katastrophenforschung war lange Zeit durch die mittelalterliche Katastrophe schlechthin – die Pest – monistisch betrieben worden. Abgesehen von Deskriptionen von Einzelereignissen (vgl. Porter, Stephen: The Great Fire of London 1666, Stroud 1996, ähnliches auch für das europ. Festland zu finden), ist vor kurzer Zeit noch eine epochen- und gebietsübergreifende Katastrophenforschungsdarstellung desiderat gewesen. Dieser Zustand scheint sich langsam durch neuere Sammelbände (vgl. Andreas Ranft/Stephan Selzer (Hrsg.): Städte aus Trümmern. Katastrophenbewältigung zwischen Antike und Moderne, Göttingen 2004 und besonders das dreibändige Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Bern 1999 des 2002 verstorbenen Historikers Martin Körner (Hrsg.)) zu wandeln. Dieser Trend wird durch Jankrift, Kay Peter: Brände, Stürme, Hungersnöte, Ostfildern 2003 fortgeführt. Band 2 von Martin Körners Werk legt vor allem auf die in dieser Arbeit besprochenen Brandkatastrophen wert, die zuvor nur durch Einzelschriften abgehandelt wurde. Auffällig ist an den früheren Veröffentlichungen, dass die Werke meistens nur ein Teilaspekt des Gesamtkomplexes „Stadtbrand“ erfassen. Am häufigsten handelte es sich hierbei um eine chronologische Darstellung der Feuerwehrentwicklung. Des Weiteren sind zwar auch wichtige Informationen in früheren Darstellungen von Stadtbauforschungen zu finden (Vgl. Binding, Günther: Baubetrieb im Mittelalter, Darmstadt, 1993), aber auch hier spielte die Feuersicherheit auch nur ein Gesichtspunkt neben anderen.

3. Ursachen und Rahmenbedingungen

Offene Feuerstellen, die im mittelalterlichen Alltag unverzichtbar waren, galten neben natürlichen Phänomenen wie Blitzschlag, bei einem starken Unwetter, als ursächlich für den Ausbruch von Feuer. Diese Feuerstellen fand man in jedem Haus vor, da sie für das Heizen, das Zubereiten von Mahlzeiten und in Form von Kerzen und Öllampen als Lichtquellen dienten. Zusätzlich wurde in handwerklichen Betrieben Feuer ständig in großem Umfang verwendet. Gerhard Fouquet legt am Beispiel Basel dar, dass diese feuergefährdeten Gewerbe im Vergleich zu Gebieten mit überwiegend schlechter Bausubstanz (in diesem Fall Kleinbasel und den Vorstädten) seltener als Brandverursacher zu betrachten sind.[5] Dies lässt sich durch den möglicherweise geübteren Umgang von Handwerkern mit dem Feuer begründen.

Eine zweite Beobachtung Fouquets für Basel bezüglich der jahreszeitlichen Verteilung der Feuerausbrüche, räumt eine weitere gegenläufige Annahmen aus: Nicht im Hochsommer, wie man aufgrund von Trockenheit und Dürre vermuten könnte, sondern im Winterhalbjahr sind die meisten Stadtbrände zu verzeichnen. Fouquet führt dies einerseits auf die Heizung, mit ihren schlecht gewarteten Kaminen, und andererseits auf den Lichtbedarf und dem möglicherweise damit verbundenen unachtsamen Umgang mit Kerzen zurück.[6]

Dies allein muss noch nicht zwangsläufig zu Großbränden führen. Erst durch die sehr hohe Bebauungsdichte der mittelalterlichen Städte, war ein schnelles Übergreifen der Flammen von einem auf das nächste Gebäude möglich. Diese Bebauungsdichte ist zurückzuführen auf den einengenden Mauerring, der die meisten Städte umgab.[7] Auch wenn es bei vielen Städten immer wieder zu Mauerneubildungen und Stadterweiterungen kam, so beispielsweise Basel 1080, 1230 und im 14. Jahrhundert oder Köln 960, 1106 und 1180, konnte diese Ausdehnung nicht mit dem Bevölkerungswachstum im Hoch- und Spätmittelalter mithalten. Dazu kam schließlich das nach Schutz strebende menschliche Verhalten, das viele Bürger auf die Stadtmitte, das Gebiet innerhalb des ursprünglich ersten Mauerrings der verschiedenen Städte drängen ließ.[8]

Die Hausbaumaterialien waren ein weiterer, wenn nicht der grundlegendste Faktor der einer schnellen Brandverbreitung Vorschub leistete. Nördlich der Alpen war aufgrund der hohen Wälderdichte die Holzbauweise am weitesten verbreitet, in einzelnen Regionen noch mit Fachwerkbauweise (Holz-Lehm-Konstruktionen) abwechselnd. Steinhäuser waren teuer und deshalb nicht häufig anzutreffen. Bei den Dachbedeckungen sieht die Situation ähnlich aus: Von den, im wahrsten Sinne des Wortes, brandgefährlichen Strohdächern, bei denen schon Funkenflug zum Entzünden ausreichte, ging man mit der Zeit auf die nicht entscheidend sichereren Holzschindeldächer über.[9] Auch hier war das sicherste Baumaterial, die Steinziegeln, das teuerste und somit nur in geringem Umfang vorfindbar. Basismaterialien für den Hausbau im Mittelalter waren also Holz, Lehm, Ried und Stroh. Als ein entscheidendes Hindernis neben anderen, für einen Materialwechsel wird von Fouquet die neuartige statische Belastung der Häuser durch andersartige Bedachung angeführt. „Das Ziel ‚Feuersicherheit‘ erforderte also eine von Grund auf geänderte Bauweise.“[10]

Neben all den Stadtbränden die aus Unachtsamkeit, Sorglosigkeit oder Nachlässigkeit, ob durch Kinder oder Erwachsene im privaten oder durch Handwerker im beruflichen Umfeld, ausgelöst wurden, gab es auch absichtliche Brände. Seit dem 16. Jahrhundert gehört Brandstiftung zu den verbreiteten Kriminaldelikten, die u.a. durch Bettler durchgeführt wurden, die die Einwohner einer Stadt für nicht wohltätig genug ansahen. Daneben ist Brandstiftung als nicht seltenes Mittel in Kriegszeiten zu verzeichnen.[11] Im Mittelalter galt es als typisches Bußdelikt und wurde demnach häufig als Fehdehandlung verwendet.[12] Die Angst vor diesem Verbrechen, auch als Mordbrennen bezeichnet, war im (Spät-)Mittelalter und der frühen Neuzeit weit verbreitet, so zum Beispiel im Zuge der Reformation als politischer Akt.[13]

Zusammenfassend lässt sich der hohe Anteil von Holz bei mittelalterlichen Städten, erhöht durch Holzstöße, die zum späteren Gebrauch gelagert wurden, als den entscheidenden Faktor für die verheerende Wirkung von Stadtbränden festmachen.

4. Maßnahmen

a) Unmittelbare Reaktionen

i. Feuerwehren

Feuerwehren wie die Menschen sie im heutigen Sinne verstehen, waren im Mittelalter in dem Maße nicht vorhanden. Ansätze zur Feuerbekämpfung, also der unmittelbaren Bekämpfung des schon ausgebrochenen Feuers, waren jedoch schon früh zu erkennen. Betrachtet man die Zeit vor dem Mittelalter ist die erste Erwähnung eines Feuerlöschtrupps überhaupt in Asien zu finden, die nach einem Großbrand in der Hauptstadt des chinesischen Reiches Sung 564 v. Chr. gegründet wurde. Für das Abendland ist dann um die Zeit von etwa 300 v. Chr. ein Dreimännerkollegium („Tresviri nocturni“) für den Feuerschutz und die nächtliche Sicherheit in der römischen Republik zu finden, die wiederum Gemeindesklaven als Feuerschauer befehligten.

Im Mittelalter wurde die Feuerbekämpfung zuerst nachbarschaftlich organisiert. Dazu wurden durch verschiedene Regelungen, die Bürger größerer Häuser verpflichtet, Leitern zur Rettung Bedrohter bereit zu halten und jederzeit ein volles Wasserfass oder -eimer vor der Tür stehen zu haben. Zum Equipment der Feuerbekämpfung und Lebensrettung gehörten neben den erwähnten Leitern und Wassergefäßen, Feuerhaken, zum Herausziehen entflammbarer Materialien aus dem Feuer, sowie übliche Handwerkzeuge wie Äxte oder Hämmer als auch die erst spät und selten anzutreffenden Wasserspritzen.[14] Diese Wasserspritzen waren solange noch wenig effektiv bis die vom Amsterdamer Brandmeister Jan van der Heyden erfundene, ledernde Druckschläuche zum Einsatz gelangten und so größere Wassermengen verwendet werden konnten.[15] Als sehr wichtig wurde auch das „Bresche schlagen“ angesehen, also das Einreißen von Häusern, um dem Feuer die Nahrung zu nehmen.[16] Den Wiederaufbau solcher niedergerissenen Häuser wurde beispielsweise in Leitmeritz/Böhmen danach geregelt, ob dieses der Verhinderung der Ausbreitung des Feuers nutzte oder ob das Haus sowieso Opfer der Flammen geworden wäre. In zweiten Falle leistete besagte Stadt keinerlei Unterstützung.[17]

Eine wirkungsvolle Feuerbekämpfung war grundsätzlich nur mit einer ausreichenden Menge von Wasser zu leisten. Der Zugang zu Brunnen oder Teichen, die an zentralen Orten in den Städten errichtet wurden, bildete deshalb das wichtigste Brandbekämpfungskriterium.[18] So hat beispielsweise Wien mit einem Brunnenrohrsystem ab 1565 fließend Wasser durch die Stadt geleite. (In Bern existierte so etwas schon Mitte des 13. Jahrhunderts.) Bis zum 16. Jahrhundert wurde dieses System aus Stadtbach und Stadtbrunnen kontinuierlich ausgebaut und auch von anderen Städten im westlichen Europa in ähnlicher Weise befolgt.[19] Von diesen zentralen Wasserversorgungszentren gelangte dann das Löschwasser durch Eimerketten zum Löschort. Diese Wassereimer, auch Feuerkübel genannt, fassten ca. zehn Liter, waren aus Leder und mit einem Gemeinde- oder Ortswappen versehen. Diese Wappen dienten der Feststellung der Eigentumsverhältnisse im Nachhinein. Somit konnte festgestellt werden welche Nachbarort Hilfe leistete.[20] Für die Instandhaltung der Ausrüstung lag die Verantwortung bei den Inhabern selbst, aufgrund dessen ermahnte die Stadt häufig ihre Bürger dieser Verantwortung nachzukommen.[21] „Die Regelmäßigkeit, mit welcher solche Präventionsmaßnahmen erlassen wurden, lässt […] erahnen, wie harzig ihre Umsetzung in die Praxis verlief.“[22]

Neben den Brandbekämpfungsmaterialien sind die Organisationsformen für die Löschtrupps gleicherweise wichtig. Dazu zählt zuallererst die schnellstmögliche Weitermeldung des Ausbruchs eines Brandes innerhalb der Stadt. Dieser Brandalarm wurde meist von hohen Türmen aus herumgeschrieen, durch Glockengeläut gemeldet, durch Blasen von Hörnern signalisiert und durch Aufhängen von Fahnen bei Tage und Lampen bei Nacht, die zum Brandort leiteten, unterstützt.[23] Schon in frühen Bestimmungen, so u.a. Wien 1221, wurde derjenige, in dessen Haus der Brand ausbrach und der dies nicht schleunigst weitermeldete hart bestraft.[24]

Interessant ist die Zusammensetzung und Entwicklung der Feuerwehren im Spätmittelalter: Die als Pflicht angesehene Feuerbekämpfung wurde je nach Stadt bürgerschaftlich berufsständisch, militärisch oder nach den Wohnorten organisiert.[25] Die Leitung der Einsatztrupps differierte von Stadt zu Stadt: So waren beispielsweise in den Städten Nürnberg und Straßburg die so genannten „Feuerherren“ den Baumeistern unterstellt. Die Anschicker, Gehilfen des Baumeisters, halfen bei der Koordination der Brandbekämpfungsmaßnahmen, die von Handwerkern, vorzugsweise Zimmerleuten, geleistet wurde. Neben den Zimmerleuten wurden noch die Maurer, die Bader, die Böttcher, Küfer oder Steinmetze in den verschiedenen Städten herangezogen.[26] In einem anderen Beispiel, der Esslinger Löschordnung aus dem Jahre 1331, sind die Weinschenken, -händler und -gärtner sowie die Eichmeister zur Hilfe mit ihren Bottichen verpflichtet.[27] Neben diesen direkt an der Feuerbekämpfung beteiligten Handwerker hatten die anderen Gewerbe ihre Ausrüstung schnellst möglichst zum Brandort zu bringen. Stadt- und Zunftordnungen regelten die Besoldung der Feuerwehrtrupps und sahen Prämien für die am Brandort als ersten Eingetroffenen vor, um so ein schnelle und somit einzig effektive Feuerbekämpfung zu gewährleisten. Die Gelder wurden durch den Stadtkämmerer noch an Ort und Stelle ausgezahlt.[28]

Dem Aspekt des Chaos` und der Unordnung, die durch ein Stadtbrand entstehen, wurde meistens entgegengetreten, in dem sich die Bürger an zentralen Orten zu versammeln hatten und somit Plünderer abschreckten. Nicht selten wurden auch berittene Söldner zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingesetzt. Fouquet bringt die Feuerordnungen der Jahre 1422, 1446 und 1531 für Basel, die im Grunde noch auf militärischen Einsatzplänen beruhen, folgendermaßen auf den Punkt: „Dem Feuer begegnete man hier zunächst mit Schwert und Hellebarde, dann erst mit Eimern und Feuerhaken [...]“.[29]

ii. Nothilfe

Neben der Professionalisierung der Feuerbekämpfung hat sich im Laufe des Spätmittelalters die Nothilfe geändert. Auf diese waren diejenigen, die durch einen Brand geschädigt wurden, angewiesen. So ist am Beispiel zweier Gassenbrände in Bern zu erkennen, dass sich ein Wandel von einer ursprünglich, durch Direkt-Geld-Spenden und der Gabe von Naturalien geprägte Nothilfe, zu Gunsten einer stärker organisierten und institutionalisierten Hilfe für Betroffene vollzogen hat. Niklaus Bartlome und Erika Flückiger weisen nach, dass die Naturalienspenden in Form von Getreide und Milchprodukten, die immerhin 1535 noch ein Fünftel des Gesamtspendenaufkommens ausmachten, 1575 fast gänzlich weggefallen sind.[30] Darüber hinaus haben sich die Geldspenden verändert: Betroffene erhielten anstelle einsm Handwerker-Jahresgehalt (94 Berner Pfund) 40 Jahre später mit 3 Pfund nur noch ein Trostpflaster. Im Gegenzug wurde ihnen jedoch der Wiederaufbau der Gebäude durch die Stadt stark subventioniert.[31]

Diese hier nur kurz dargelegte Tatsache wird bei der Betrachtung der Veränderungen im Sozialgefüge einer Stadt infolge eines Brandes am Ende der Hausarbeit ein Faktor neben anderen spielen.

[...]


[1] Vgl. Schott, Dieter: Leitartikel Stadt und Katastrophe, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte, 1/2003, S. 5

[2] ebd., S. 6.

[3] Vgl. Schott (wie Anm. 1), S. 6 f.

[4] Auch wenn Maria Bogucka davon spricht, dass selbst noch in frühneuzeitlichen Zeitungen neben logischen Schlussfolgerungen hinter all den Katastrophen (einschließlich Feuer) Gottes Wille, Macht und Zorn vermutet wird. Vgl. Bogucka, Maria: The destruction of Towns by Natural Disaster, as reported in Early Modern Newspapers, in: Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Hrsg.: Körner, Martin, Bern 1999, Bd. 2, S. 309 – 319.

[5] Vgl. Fouquet, Gerhard: Bauen für die Stadt, Köln 1999, S. 419. Wegen fehlender Lokalisierung mancher Brandherde schließt Fouquet hier absolute Signifikanz jedoch aus.

[6] Vgl. ebd., S. 418.

[7] Für das Beispiel Braunschweig vom 13.-15. Jahrhundert vgl. Nickel, Hartmut: Schadenfeuer und deren Bekämpfung vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Biegel, Gerd (Hrsg.): Kampf gegen Feuer, Zur Geschichte der Berufsfeuerwehr Braunschweig, Veröffentlichungen des Braunschweiger Landesmuseums Band 95, Braunschweig 2000, S. 27 f.

[8] Vgl. Jankrift, Kay Peter: Brände, Stürme, Hungersnöte, Ostfildern 2003, S. 86

[9] Solcherlei Veränderung des Bau- und Dachbedekungsmaterials ist auf dem Lande erst mit sehr großer Verzögerung zu verzeichnen. Selbst beispielsweise 1769 noch wurden in Preußen durch Bauvorschriften Ausnahmen für Strohdächer auf dem Lande eingestanden. Siehe dazu: Barthold, Peter: Preußische Bau- und Feuerschutzverordnungen des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre Umsetzung, in: Spohn, Thomas (Hrsg.): Bauen nach Vorschrift? Obrigkeitliche Einflussnahme auf das Bauen und Wohnen in Nordwestdeutschland (14. bis 20. Jh.), Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland Band 102, Münster (u.a.) 2002, S.140.

[10] Fouquet, (wie Anm. 5), S. 425.

[11] Vgl. Zemlicka, Josef: Natürliche Zerstörungen in den böhmisch-mährischen Städten während des Mittelalters und der frühen Neuzeit, in: Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Hrsg.: Körner, Martin, Bern 1999, Bd. 2, S. 152.

[12] Vgl. Holzhauer, Heinz: Brandstiftung, II. Deutsches Recht, in: Lexikon des Mittelalters, Band 2, Stuttgart, Weimar 1983, Sp. 568.

[13] Als Beispiel Göttingen: Erhard, Günther: wenn Feuers Brunsten ohnvermuthet enstehen. Brandschutz und Feuerwehr in Göttingen vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen Febr.-April 1997, Göttingen 1197, S. 32 und 34-40.

[14] Für eine präzise Beschreibung der Eimer und Haken siehe: Barth, Medard: Grossbrände und Feuerlöschwesen des Elsass vom 13.-20. Jahrhundert mit Blick in den europäischen Raum, Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg /Br. Band 35, Obernai 1974, S. 36-42. Als ein Beispiel für die handwerkliche Organisation in diesem Fall von Straßburg siehe ANHANG 4.

[15] Vgl. Hornung-Arnegg, Wolfgang: Feuerwehrgeschichte, 4. Auflage, Stuttgart, Berlin, Köln 1995, S. 21, 23 und 30.

[16] Vgl. Wucke, Bernd: Gebrochen ist des Feuers Macht: ein Abriss zur Geschichte der Feuerwehr, Erlensee 1995, S. 30. Siehe auch: „Ich erzählte ihm […], dass das Feuer nicht mehr aufzuhalten sei, wenn nicht sofort auf königlichen Befehl Häuser niedergerissen würden. [..D]er König befahl mir den Lord Mayor aufzusuchen und ihm zu sagen er solle keine Schonung walten lassen und überall vor dem Feuer Häuser einreißen lassen.“ In: Winter Helmut (Hrsg.): Samuel Pepys Tagebücher (Originaltitel: Diary), Stuttgart 1981, S.330.

[17] Binding, Günther: Baubetrieb im Mittelalter, Darmstadt, 1993, S. 95 f. Der Faktor der Organisation der Entschädigung der Opfer von Bränden wird später noch eine Rolle spielen.

[18] Vgl. Zemlicka (wie Anm. 11), S. 153.

[19] Vgl. Körner, Martin: Zusammenfassung: Stadtzerstörung und Wiederaufbau: Thema, Fragestellung und Forschungsstand, in: ebd. (Hrsg.), Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Bern 1999, Bd. 3, S. 30.

[20] Vgl. Fässler, Mathias: Grossbrände – Lehrstücke zur Katastrophenbewältigung, in: Pfister, Christian (Hrsg.): Am Tag danach – Zur Bewältigung von Naturkatastrophen in der Schweiz 1500 – 2000, Bern u.a. 2002, S. 182.

[21] ANHANG 1, § 5, zeigt beispielhaft für Köln auf, dass jeder solch einen Eimer im Hause haben sollte. ANHANG 3 verdeutlicht die Anzahl solcher Eimer in einer Großstadt wie Köln.

[22] Bartlome, Niklaus; Flückinger, Erika: Stadtzerstörungen und Wiederaufbau in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schweiz, In: Körner, Martin (Hrsg.), Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Bern 1999, Bd. 2, S. 130. Siehe auch: „Die große Zahl der orbigkeitl. Erinnerungen an die Erhaltungspflicht weist allerdings auf ein vielerorts gering entwickeltes Feuerschutzbewusstsein hin.“, in: Junk, Heinz-Karl: Feuerwehr. [1] Allgemein: Mittel- und Westeuropa, in: Lexikon des Mittelalters, Band 4, Stuttgart, Weimar, 1989, Sp. 422. ANHANG 1 weißt darauf hin, die Ordnung jedes halbe Jahr verlesen zu lassen.

[23] Vgl. Jankrift (wie Anm.8), S. 99. Siehe hierzu ANHANG 1 und 4

[24] Vgl. Fouquet (wie Anm. 5), S. 402 oder: Erhard (wie Anm. 13), S. 52 Siehe auch ANHANG 2, § 5.

[25] Vgl. Junk (wie Anm.22), Sp. 422 f. und ders.: Brandkatastrophen. [1] Brandkatastrophen im städtischen Bereich, in: Lexikon des Mittelalters, Band 2, Stuttgart, Weimar, 1983, Sp. 564.

[26] Vgl. Fouquet (wie Anm. 5), S. 402 f.

[27] Vgl. Hornung-Arnegg (wie Anm. 15), S. 9 – 35.

[28] Vgl. Pils, Susanne Claudine: „…damit nur an waßer khain menngl erscheine…“ , Vom Umgang der Stadt Wien mit dem Feuer in der frühen Neuzeit, in: Stadtzerstörung und Wiederaufbau. Zerstörungen durch Erdbeben, Feuer und Wasser, Hrsg.: Körner, Martin, Bern 1999, Bd. 2, S. 177. ANHANG 2 zeigt beispielhaft für Köln die genaue Höhe solcher Lohnzahlungen auf.

[29] Vgl. Fouquet (wie Anm. 5), S. 405.

[30] Beispiele für Naturalienspenden sind auch z.B. 1423 in Göttingen zu finden und für 1433 sind dann zum ersten Mal Geldspenden erwähnt. Vgl. Erhard (wie Anm. 24), S. 45.

[31] Bartlome/Flückinger (wie Anm. 22), S. 127.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ursachen, Bekämpfung und Folgen von Feuersbrünsten in spätmittelalterlichen Städten
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Katastrophen und ihre Bewältigung im Mittelalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V109421
ISBN (eBook)
9783640076024
ISBN (Buch)
9783640827411
Dateigröße
1055 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Bekämpfung, Folgen, Feuersbrünsten, Städten, Katastrophen, Bewältigung, Mittelalter
Arbeit zitieren
Daniel Heisig (Autor), 2005, Ursachen, Bekämpfung und Folgen von Feuersbrünsten in spätmittelalterlichen Städten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109421

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