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Das Ende der Arbeitsgesellschaft - Benötigen wir mehr oder weniger Beschleunigung?

Title: Das Ende der Arbeitsgesellschaft - Benötigen wir mehr oder weniger Beschleunigung?

Essay , 2000 , 10 Pages

Autor:in: Dr. phil. Walter Grode (Author), Gertrud Grode (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Der Soziologe Max Weber charakterisierte einst >Franklins Zeitmanagement< als klassisches Beispiel für den >Geist des Kapitalismus<. Und Gary Becker, Wirtschaftsnobelpreisträger aus Chicago, hat Franklins Diktum >Zeit sei Geld< noch in den 80er Jahren zu einer Theorie der >Zeit-Allokation< verfeinert, nach der die Menschen versuchen, das Verhältnis von >Erwerbszeit< und >Konsumzeit< zu optimieren. Sie läuft trotz aller Verfeinerungen auf das bekannte Ergebnis heraus: Je mehr Geld wir haben, desto weniger Zeit haben wir. Und das, obwohl das Geld ja eigentlich nur ein Hilfsmittel ist, um unsere Lebenszeit bestreiten zu können. Bedenke, daß Zeit Geld ist, braucht heute - nach der >großen Kehre< Anfang der neunziger Jahre des eben vergangenen Jahrhunderts, als einerseits die Drohung des Kommunismus in sich zusammenfiel und andererseits die Vernetzung der Welt durch die modernen Kommunikationstechnologien wirksamer und wirksamer wurde - keinem vernünftig denkenden Menschen mehr ins Stammbuch geschrieben zu werden. Und in der Tat, für die schmale Schicht der wirklich Mächtigen, jenes halbe Prozent von Vermögensbesitzern und ihren angestellten Top-Unternehmern, die in Sekundenschnelle riesige Finanztransaktionen vollziehen lassen, ist >Zeit natürlich Geld<. Für sie versteht sich heute Benjamin Franklins Maxime geradezu von selbst. Und fast noch mehr gilt dies für die neue, rasant wachsende Schicht der >Symbolanalytiker<; die für das Funktionieren der Gesellschaft unabdingbar notwendigen Wissensverwalter und Kreativen: Web-Designer, Multimedia-Leute, Finanzdienstleister, Rechtsanwälte, Architekten, Kameraleute und Konstrukteure: Eine Schicht, die viel Geld verdient, aber sich vorbehaltlos einer >Nanosekunden-Kultur< unterwirft: mobil, flexibel, professionell. Aber wie steht es um die übrigen? Kapital, Waren und Menschen bewegen sich immer schneller, die einfachen Routinetätigkeiten werden vom Computer erledigt. Aber nicht allein sie: Mit der >Fronarbeit< verschwinden auch das Expertenwissen und die letzen >freien Zeitporen< der Sachbearbeiterin und des Konstrukteurs in den kleinen grauen Kästen. Und so ergeht es - selbst wenn dies auf den ersten Blick nicht so offensichtlich ist - auch der Krankenschwester und dem Handwerker, dem Lehrer und der Landwirtin. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. >Zeit ist Geld<

2. Ausgegrenzte und Überflüssige der Arbeitsgesellschaft

3. Keine Rückkehr zur Vollbeschäftigung

4. Das Ende der Arbeitsgesellschaft

5. Entschleunigung als Voraussetzung oder als Ziel guten Lebens?

Zielsetzung & Themen

Die Publikation analysiert die grundlegenden Transformationen der modernen Arbeitsgesellschaft im Kontext der zunehmenden Beschleunigung durch technologischen Fortschritt. Sie hinterfragt die ökonomische Fixierung auf Effizienz und hinterfragt die Nachhaltigkeit der aktuellen Arbeits- und Zeitökonomie, während sie alternative Lebensmodelle jenseits der klassischen Vollbeschäftigung diskutiert.

  • Die kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitverständnis in einer kapitalistischen Ökonomie.
  • Die Auswirkungen der Digitalisierung und Automatisierung auf die gesellschaftliche Teilhabe.
  • Das Ende der Vollbeschäftigung als sozioökonomische Realität.
  • Ansätze zu einer neuen Lebensführung durch Entschleunigung und alternative Arbeitskonzepte.
  • Die philosophische Unterscheidung zwischen linearer Zeitnutzung und dem Erleben des gelungenen Augenblicks (Kairos).

Auszug aus dem Buch

>Zeit ist Geld<

Wie kaum ein Zweiter hat der amerikanische Staatsmann und Erfinder Benjamin Franklin bereits im Jahre 1748 den Geist der Veränderungen erfaßt, von denen wir heute - ganz gleich ob in Faszination oder Furcht – allesamt gefangen sind.

>Bedenke, daß Zeit Geld ist; wer täglich 10 Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur 6 Pence für sein Vermögen ausgibt, dies nicht allein berechnen, er hat neben dem noch 5 Shillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen. [...]

Bedenke, daß Geld von einer zeugungskräftigen und fruchtbaren Natur ist. Geld kann Geld erzeugen, und die Sprößlinge können noch mehr erzeugen und sofort. Fünf Shillinge umgeschlagen sind sechs, wieder umgetrieben sieben Shilling, drei Pence und sofort, bis es 1.000 Pfund Sterling sind. Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr erzeugt das Geld beim Umschlag, so daß der Nutzen schneller und immer schneller steigt.<

Zusammenfassung der Kapitel

>Zeit ist Geld<: Dieses Kapitel erläutert die historische und ökonomische Verankerung des Zeitbegriffs bei Benjamin Franklin und dessen Einfluss auf die heutige Zeit-Allokation im Kapitalismus.

Ausgegrenzte und Überflüssige der Arbeitsgesellschaft: Die Autoren beschreiben die wachsende Schicht derjenigen, die aus den modernen Arbeits- und Konsumzusammenhängen ausgeschlossen sind oder unter extremem Beschleunigungsdruck stehen.

Keine Rückkehr zur Vollbeschäftigung: Hier wird dargelegt, warum eine Rückkehr zur klassischen Vollbeschäftigung aufgrund struktureller Veränderungen in der Dienstleistungs- und Computergesellschaft als unrealistisch gilt.

Das Ende der Arbeitsgesellschaft: Dieses Kapitel diskutiert die Positionen von Andre Gorz und das Projekt "New Work" von Frithjof Bergmann als kulturelle Alternativen zur erwerbszentrierten Gesellschaft.

Entschleunigung als Voraussetzung oder als Ziel guten Lebens?: Die Schlussbetrachtung hinterfragt die Grenzen der digitalen Beschleunigung und plädiert für ein Zeitverständnis, das den Fokus auf den "Kairos" – den geglückten Augenblick – legt.

Schlüsselwörter

Arbeitsgesellschaft, Zeitökonomie, Beschleunigung, Vollbeschäftigung, Digitalisierung, Kapitalismuskritik, Eigenarbeit, New Work, Zeit-Allokation, Entschleunigung, Kairos, Lebensqualität, soziale Ausgrenzung, Moderne, Technologisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der sozioökonomischen Entwicklung der modernen Arbeitsgesellschaft, die zunehmend durch technologische Beschleunigung und das Ende der klassischen Vollbeschäftigung geprägt ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Wandel der Arbeitswelt, die ökonomische Instrumentalisierung von Zeit, die soziale Ausgrenzung und die Suche nach alternativen Lebensentwürfen jenseits der Erwerbsarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Das Ziel ist es, die Illusion einer dauerhaften Vollbeschäftigung aufzudecken und aufzuzeigen, wie ein gesellschaftlicher Wandel hin zu einer neuen Zeit- und Lebenskultur gelingen kann.

Welche wissenschaftliche Perspektive wird verwendet?

Es wird eine soziologische und philosophische Perspektive eingenommen, die sich auf Denker wie Max Weber, Andre Gorz und Frithjof Bergmann stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Druck auf die Mittelschichten durch die "Nanosekunden-Kultur", die Situation der Modernisierungsverlierer und die Notwendigkeit, Arbeit neu zu definieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Zeitökonomie, Beschleunigung, Arbeitsgesellschaft, Eigenarbeit und der Wandel vom quantitativen Zeitverständnis hin zum "Kairos".

Wie bewerten die Autoren die Rolle der Technologie?

Technologie wird als Treiber der Beschleunigung gesehen, der zwar Effizienz steigert, aber gleichzeitig menschliche Lebenszeit entwertet und die Kluft zwischen Erwerb und Daseinsvorsorge vertieft.

Was ist mit dem "Pakt mit dem Kronos" gemeint?

Der Begriff beschreibt den Versuch, das Leben durch Technologie und ständige Erreichbarkeit vollständig zu optimieren, was jedoch laut den Autoren ein Irrweg ist, da menschliches Glück nicht durch Quantität, sondern durch den gelungenen Augenblick definiert wird.

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Details

Title
Das Ende der Arbeitsgesellschaft - Benötigen wir mehr oder weniger Beschleunigung?
Authors
Dr. phil. Walter Grode (Author), Gertrud Grode (Author)
Publication Year
2000
Pages
10
Catalog Number
V109455
ISBN (eBook)
9783640076369
ISBN (Book)
9783656246503
Language
German
Tags
Ende Arbeitsgesellschaft Benötigen Beschleunigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Walter Grode (Author), Gertrud Grode (Author), 2000, Das Ende der Arbeitsgesellschaft - Benötigen wir mehr oder weniger Beschleunigung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109455
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