Sprachkultur in Nairobi


Praktikumsbericht / -arbeit, 2004

43 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis:

Definitionen..

Abkürzungen

1. Diese Arbeit
1.1. Das Zustandekommen dieser Arbeit: die Forschungsfrage
1.2. Ansätze dieser Arbeit: das Ziel
1.3. Aufbau dieser Arbeit: das Format

2. Datenerhebung und Datenverarbeitung
2.1. Daten: Qualitativ, Quantitativ, Latent
2.2. Bewertung der Daten
2.3. Informanten

3. Nairobi
3.1. Einführung in die Sprachen Nairobis

4. Ein Tag in Nairobi.
4.1. Interviews und Beobachtungen
4.2. Schriftliche Datenerhebung; Fragebögen und Diarys.
4.3. Experimente; mached-guise und Sprachproben
4.4. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis.

Definitionen:

1. Konvergenz à Ein Wechsel des Sprachcodes eines Sprechers in Richtung des Sprachcodes des Interaktionspartners. (Giles H. 1977:322)

2. Markiertheit einer Sprache à Ein regelmäßiger oder spontaner Einsatz einer Sprache, mit der Intention einen zusätzlichen Inhalt während eines kommunikativen Aktes zu transportieren, als nur die Informationsweitergabe,.

Abkürzungen:

MS à Muttersprache.

IS à Indigene Sprache; afrikanische Sprache außer Kiswahili.

1. Diese Arbeit

Die folgende Arbeit ist das Ergebnis einer Prüfungsverordnung und verdankt ihre Verwirklichung der Hilfsbereitschaft der nairobier Bevölkerung, insbesondere Mitgliedern der Kenyatta University, den Ratschlägen meines betreuenden Professors Prof.Dr.Lang und nicht zuletzt der finanziellen Unterstützung des DAAD. Den Studenten der Ethnologie in Hamburg stellt sich während des Hauptstudiums die Aufgabe ein obligatorisches Feldforschungspraktikum zu absolvieren, in dem sie gelernte Methoden anwenden und Felderfahrung sammeln sollen.

1.1. Das Zustandekommen dieser Arbeit: die Forschungsfrage

Die folgende Arbeit beruht auf meiner Entscheidung im Winter 2004, mein linguistisches Hauptfach „Afrikanistik“ mit meinem zweiten Hauptfach Ethnologie zu verbinden und ein interdisziplinäres Forschungspraktikum zu absolvieren. Dies geschah aufgrund mehrerer Überlegungen. Zunächst teile ich die Meinung der nicht-strukturellen Sprachwissenschaften wie der Soziolinguistik und der Sozialdialektologie, dass Sprache neben der Informationsweitergabe eine soziale Funktion besitzt oder einen sozialen Aspekt ausdrückt[1]. Hieraus folgere ich zweierlei; Sprachverhalten ist ein kulturelles Phänomen[2] und Sprachverhalten ist im Sinne eines Postmodernismus vielfältig in seine spezifischen, subkulturellen Bedingungen eingebettet und gemeinsam mit dem Sprecher Veränderungen unterworfen. Die wissenschaftliche Disziplin, die einerseits einen holistischen Beschreibungs- und Analyseansatz verfolgt, und sich andererseits mit Kultur befasst, ist die Ethnologie. Mein primäres Interesse galt einem Problem nicht nur der Sprachwissenschaft, sondern auch der Ethnologie, nämlich die Abgrenzung und Definition von Gruppen innerhalb einer Gesellschaft, um diese Gesellschaft beschreibbar zu machen[3]. Mit anderen Worten war es mein Ziel eine Gesellschaft durch ihr linguistisches Verhalten zu beschreiben. Die Sprachwissenschaft geht in der Regel so vor, dass kontextuelle und soziologische Merkmale mit der sprachlichen Performanz[4] von Individuen korreliert werden[5]. Mein Plan war dem entsprechend, eine Beschreibung der Abhängigkeiten sprachlicher Performanz bei verschiedenen Sprechern. Die Untersuchungseinheit sollte afrikanisch, multilingual und urban sein, weil ich gerade dort, durch relativ rezente demographische und soziopolitische Veränderungen (Urbanisation, Gründung von Nationalstaaten, Entstehung neuer sozialer Schichtung), eine neue Signifikanz in der Wahl einer Sprache aus dem zur Verfügung stehenden Repertoire eines Sprechers vermutete. Außerdem sollte eine Verallgemeinerung dieses Sprachverhaltens zur Etablierung von Sprechergruppen führen, die der urbanen Konstellation der Bevölkerung in einem multiethnischen afrikanischen Staat Rechnung tragen würde. Meine Wahl fiel auf Nairobi. Als ich das Vorhaben mit meinem betreuenden Professor Prof.Dr.Lang besprach, überzeugte dieser mich davon, dass es nicht möglich sein werde das Phänomen Sprachwahl zu erfassen, ohne die kulturellen Konzepte bezüglich der Sprachen in der zu untersuchenden Gesellschaft zu erkennen. Gerade der Ansatz der Ethnologie, der die emischen Konzeptualisierungen der untersuchten „Anderen“ analysieren möchte, ermögliche es erst durch diese (relative) Objektivierung der Arbeit valide Aussagen zum Thema zu machen. Durch dieses und weitere Gespräche gelangte ich zu dem Schluß, dass meiner Untersuchung des Sprachverhaltens eine Analyse von Konzeptualisierungen und Kategorisierungen bezüglich der Sprachen, der Sprachwahl und eventueller Sprechergruppen vorangestellt werden sollte. Nun eher explorativ anstatt problemorientiert ausgerichtet, stellte sich dem Feldforschungsaufenthalt somit die Aufgabe eine multiethnisch und multilinguale Situation zu erfassen, wie sie von den Untersuchten artikuliert würde. Da ich zudem aus früheren, regelmäßigen Reisen nach Afrika über reichhaltige Erfahrung bezüglich der „anderen Kultur“ verfügte, sollte dieser Aufenthalt auch eine Neudefinition meiner selbst als Forscherin in Afrika bewirken.

1.2. Ansätze dieser Arbeit: das Ziel

Die folgende Arbeit ist ein Bericht über meinen zweimonatigen Aufenthalt im Sommer 2004 in Nairobi. Der Fokus liegt dabei auf Erfahrungen bezüglich der Datenerhebung und der Forschungssituation. Ich möchte darstellen, wie ich mich in das Thema und in die Umgebung als Forscherin eingearbeitet habe. Welche Probleme und Erkenntnisse ich aus der Datenerhebung gewonnen habe und wie inhaltliche Ergebnisse sich langsam formierten und entwickelten. In diesem Bericht möchte ich auch das „fremde“ beschreiben und auf wissenschaftlichem Weg näher bringen. Dementsprechend werde ich Theorien und Erkenntnisse der Fachliteratur an dieser Stelle nicht diskutieren, sondern als bekannt voraussetzen. Inhaltliche Hypothesen und Interpretationen werde ich in das beschriebene Ziel dieser Arbeit (Erfahrungsbericht) abschnittsweise integrieren, ohne auf Auswertungsverfahren methodisch einzugehen.

Die inhaltlichen Ergebnisse sind punktuell zu verstehen, indem Ausschnitte aus der vielschichtigen und individuellen Realität im Vordergrund stehen, ohne auf tendenzielle Verallgemeinerungen und Typisierungen zu verzichten. Hierin drückt sich auch eines der Hauptprobleme meiner Forschung aus; nämlich die Reichweite der Ergebnisse und die scheinbare Unmöglichkeit die Komplexität des Themas einerseits und die Heterogenität des Verhaltens andererseits in Hypothesen zu vereinheitlichen, die gültige Vorraussagen machen könnten. Die Formulierung von Hypothesen soll also die linguistische Wirklichkeit von einigen Nairobiern, wie sie mir gegenüber artikuliert wurde, und wie ich sie beobachten konnte, abstrahieren, ohne dem Anspruch die einzige „Wahrheit“[6] zu sein.

In Anbetracht dieser Problematik ist die Signifikanz der Forschung und ihrer Ergebnisse eine berechtigte Überlegung. Meines Erachtens liegt diese nicht nur in meinem persönlichen Gewinn an Erfahrung und Wissen, sondern auch in dem Versuch zu verstehen und zu beschreiben, wie die Situation einer sprachlichen Heterogenität von den Individuen in Nairobi interpretiert und genutzt wird. Welches linguistische Verhalten sie an den Tag legen und welche Einstellungen sie bezüglich ihrer Sprachen haben.

1.3. Aufbau dieser Arbeit: das Format

Die folgende Arbeit ist im Stil einer experimentellen Ethnographie entworfen. Das heißt, Felderfahrungen und Erfahrungen mit den angewandten Methoden strukturieren den Hauptteil des Berichts (Kapitel 4). Die Erfahrungen mit verschiedenen Datenerhebungsmethoden werden durch Unterkapitel und somit getrennt voneinander dargestellt. Innerhalb der Unterkapitel, strukturieren die Erfahrungen inhaltliche Erkenntnisse und Interpretationen. Die Strukturierung der inhaltlichen Abschnitte ergibt sich aus Randbeschriftungen, so, dass jede Sprache einzeln behandelt wird. Die Dimensionen und Kategorien, die der Auswertung der Daten zu Grunde lagen, sind durch Randmarkierung und Textüberschriften erläutert.

Durch Offenlegung der Erhebungsmethoden und durch Präsentation von Ereignissen in diesem Bericht, wie ich sie im Feld erfahren habe oder wie sie mir von Informanten erzählt wurden, wird die Legitimation der inhaltlichen Ergebnisse in Anspruch genommen. Dabei werden auch die Urheber einer Aussage oder eines Ereignisses und ihre Interpretation des Geschehens beschrieben. Dies ermöglicht dem Leser eine eigene Überprüfung gewonnener Hypothesen. Die Interpretationen für die keine direkte Urheberschaft genannt werden, sind auf Grund generierter Konzepte aus den Interviews entstanden.

Die Informanten sind im Kategorieschema insofern präsent, indem nur von diesen artikulierte Kategorien induktiv generiert und anschließend von mir strukturiert wurden. Kognitive Daten werden mit Zitaten belegt, so dass dem Leser eine eigene Interpretation erlaubt wird.

Die Kapitel 2. und 3. sollen dem Leser Hintergrundinformation über nairobis Sprachen und über die erhobenen Daten liefern, die nicht mit dem Feldaufenthalt direkt zusammen hängen und das Bild des Feldforschungsberichts im Kapitel 4. ergänzen.

2. Datenerhebung und Datenverarbeitung

Im Folgenden sollen erhobene Datenarten, Erhebungsmethoden, Auswertungsmethoden und Informanten konkretisiert werden. Angewandte Fachtermini sind Russel (2002) und Lamnek (1993) entnommen.

2.1. Die Daten: Qualitativ, Quantitativ, Latent

Die qualitative Datenerhebung hatte mehrere Ziele. Emisches Wissen über Einstellungen und Meinungen zum einen (Kognitive Konzepte) und Wissen über Verhalten zum anderen (strukturelles Wissen) kennen zu lernen. Zu diesem Zweck wurde eine Mischung aus unstrukturierten und semistrukturierten Interviews geführt und auf Kassetten aufgezeichnet. Die Interviews wurden in Hamburg mit den qualitativen Methoden der manifesten Inhaltsanalyse nach LeCompte & Schensul (1999) und Mayring (1988) (in: Lamnek 1993) induktiv ausgewertet. Die Interviews waren zwischen 45 bis 90 Minuten lang und erforderten in der Regel eine vorherige Terminabsprache mit dem Informanten, was meist problemlos verlief. Die Begegnungen hatten einen ungezwungenen Charakter und fanden auf Wunsch der Informanten an den Arbeitsstätten, das heißt, in ihren Büros oder in einer nahe gelegenen Cafeteria statt.

Mit zwei der Informanten wurden in mehreren Begegnungen strukturierte face to face Interviews geführt, um biographische Daten zu erheben. Diese Erhebung sollte strukturelle Daten bezüglich Sprachverhalten in einen sozialisatorischen Rahmen einbetten[7] und im Ergebnis ein kontrastierendes, individualistisches Bild bezüglich der Forschungsfrage liefern. Die Informanten schienen meine Fragen in der Regel nicht als sensibel zu betrachten und beantworteten diese ohne zu zögern. Die Begegnungen waren unterschiedlich lang und fanden in Cafes oder an meinem Wohnort statt.

Gleichzeitig fanden während stetiger Alltagsbegegnungen semistrukturierte Gespräche statt, die von mir schnellstmöglichst inhaltlich protokolliert wurden. Die Menschen, denen ich, meist um strukturelle Daten zu erfahren, gezielte, offene Fragen stellte begegneten mir in der Regel offen und beantworteten mein Ansinnen freundlich. Diese Gespräche dauerten zwischen fünf und fünfzehn Minuten und fanden überall dort statt, wo ich in Nairobi unterwegs war, das heißt, auf der Straße, in Verkehrsmitteln und Restaurants oder auf Ämtern.

Die der Ethnologie eigene Methode des „Beobachtens“ war eine Mischung aus Beobachtung und zu einem geringeren Anteil eine Beobachtende Teilnahme. Aus Gründen, die in Kapitel 4. deutlich werden, war eine Teilnehmende Beobachtung (an Kommunikationssituationen) nicht erfolgreich. Solche „Ereignisse“ wurden von mir schnellstmöglich protokolliert und in Hamburg auf Grundlage der Ergebnisse der Interviewauswertung und dem alltagsweltlichen Wissensstand, in Anlehnung an die Theorie der Objektiven Hermeneutik nach Oevermann (1979) (in:Lamnek 1993), den ich mir nach zweimonatigem Aufenthalt im Feld angeeignet hatte, interpretiert und als Hypothesen formuliert. Die Beobachtungen fanden während der gesamten zwei Monate in der Regel im öffentlichen Raum statt.

Quantitative Daten sollten das strukturelle Wissen aus den Interviews und meine Beobachtungen überprüfen. Zu diesem Zweck entwarf ich semistrukturierte Fragebögen mit offenen Fragen [8] , die statistisches Material liefern sollten, die die qualitativ gewonnenen Ergebnisse ergänzen würden. Als Grundgesamtheit wählte ich aus pragmatischen Gründen Schüler der secondary schools in Nairobi. Um einer Zufallsstichprobe gerecht zu werden, wählte ich mehrere Schulen aus. Die erste Schule lag im Zentrum Nairobis und ist eher der Mittelschicht zugeordnet. Die Verteilung der Fragebögen an der ersten Schule war ursprünglich als pretest gedacht. Aufgrund des reibungslosen Ablaufs der Aktion entschied ich mich allerdings diesen ersten Anlauf schon als vollwertige Erhebung zu werten. Ein mich assistierender Lehrer erläuterte in meinem Beisein den Fragebogen an die Schüler, die, in den Klassenräumen alleine gelassen, genügend Zeit hatten, um diesen Bogen auszufüllen. Die erste Schule war christlich. Die zweite Schule lag in einem heterogenen Stadtteil Nairobis und war von Schülern der unteren Einkommensschicht besucht. An dieser Schule erläuterte ich selbst den Fragebogen an die Schüler, die während meiner Anwesenheit den Bogen in ihrem Klassenraum ausfüllten. Die zweite Schule war moslemisch. Die dritte Schule, die mir die Genehmigung zur Durchführung der Fragebogenaktion verweigerte, wurde von Jungens der Oberschicht, darunter viele Inder, besucht. Die Schüler beantworteten bereitwillig alle Fragen und der Rücklauf betrug nahezu 100%. Verständnisschwierigkeiten bezüglich der Fragen schien es keine zu geben. Denselben Fragebogen vertraute ich von mir instruierten Interviewern an, die diesen einmal unter Studenten der Kenyatta University und ein andern Mal unter arbeitenden Bekannten verteilten, um Vergleichsdaten zu erhalten. In diesen Fällen übergab die Interviewerin den Fragebogen an eine Person und holte den ausgefüllten Bogen zu einem späteren Zeitpunkt wieder ab. Die Interviewerinnen hatten ein ausreichendes Zeitlimit und der Rücklauf betrug auch hier 100%.

Zur Gewinnung quantitativer Daten verteilte ich auch Diarys. Diese sollten parallel zu den Beobachtungen das reale Verhalten der Menschen den Angaben der Informanten bezüglich ihres Verhaltens, die sie über sich selbst in den Fragebögen und Interviews gemacht haben, gegenüber setzen. Die Diarys wurden an Schüler der ersten secondary school verteilt. Ich übergab dem Lehrer für jeden Schüler einen vorformatierten Bogen als Protokollformular. Der Lehrer suchte 17 seriöse Schüler beiderlei Geschlechts aus, denen er die Aufgabe erläuterte, die diese außerhalb der Schule, während zweier Tage, auszuführen hatten. Später holte ich die ausgefüllten Protokolle bei dem Lehrer ab. Ich selbst verteilte drei Diarys an arbeitende Menschen, die ihre Gespräche außerhalb ihrer Arbeitszeit protokollierten. Die Informanten scheinen die ihnen übertragene Aufgabe sehr gewissenhaft ausgefüllt zu haben.

Latente Daten, das heißt, unbewusstes Wissen und Handeln wurden mit Hilfe zweier Tests; eine Variante der matched-guise- Methode und Sprachaufnahmen, erhoben. Die dabei aufgetretenen Probleme hingen zum Teil mit der Konzeption und Ausführung der Versuchsanordnung zusammen und werden in Kapitel 4. zusammen mit einer Interpretation der Ergebnisse, ausführlich beschrieben. Auch auf die Mitarbeit der Informanten wird dort näher eingegangen und soll an dieser Stelle nicht weiter beschrieben werden.

2.2. Bewertung der Daten:

Die Interviews, Gespräche und Beobachtungen waren gut geeignet, um das Feld kennen zu lernen. Die erhobenen Daten liefern inhaltlichen Ergebnisse, die geeignet sind, um Konzepte der nairobier Gesellschaft bezüglich ihrer Sprachen zu generieren. Die Anzahl der Gespräche und Interviews und die große Übereinstimmung in den geäußerten Meinungen bestätigen die Validität der kognitiven Ergebnisse, wie sie in Kapitel 4. dargestellt werden. Das strukturelle Wissen über Sprachverhalten ist in geringerem Maße präsent und bedurfte während der Interviews in der Regel einen Moment des Nachdenkens bei den Informanten. Aufgrund der Übereinstimmung zwischen verschiedenen Informanten sind die strukturellen Daten als valide einzuschätzen, allerdings mit dem Defizit fragmenthaft und unvollständig zu sein, da sie zum Beispiel Beobachtungen und Ergebnisse der Diarys nicht erklären können. Die qualitativen Daten sind insgesamt geeignet, um das Ziel einer explorativen Forschung zu gewährleisten; das Feld kennen zu lernen und relevante, weiterführende Fragen zu generieren. Der Realitätsausschnitt der Ergebnisse erklärt sich aus Antworten auf Grand Tour Fragen, das heißt, aus Konzepten und Wissen, welche von den Informanten artikuliert wurden. Dieses Wissen ist zeitlich aktuell und ohne Entstehungszusammenhänge oder Rahmenbedingungen der Meinungen und Verhaltensweisen geäußert worden. Die biographischen Interviews enthalten in dieser Hinsicht inhaltliche signifikante Erkenntnisse. Die qualitativen Daten zeigen insbesondere hinsichtlich der Reichweite der einzelnen Sprachen in der Gesellschaft, sowohl strukturell als auch kognitiv, neue inhaltliche Ergebnisse.

Die quantitativen Daten sind aus Gründen, die in Kapitel 4. näher beschrieben werden nicht valide und können neben statistischen Profilangaben keine relevanten Zusammenhänge erklären. Der Umfang der erfolgreich durchgeführten Zufallsstichproben an nur zwei Schulen ist nicht ausreichend, um wissenschaftliche Vergleiche durch zu führen und das Ziel der wissenschaftlichen Ergänzung der qualitativen Daten erfüllen die Fragebögen nicht. Der Frage der Reliabilität der Daten kommt aus diesen Gründen keine Bedeutung zu. Der Wert der Daten ist darin zu sehen, dass sie Hypothesen problematisieren und beispielhaft das Sprachrepertoire und Eigeneinschätzungen von Schülern wiedergeben.

Die latenten Daten sind nicht valide und nicht reliabel aus Gründen, die in Kapitel 4. beschrieben werden. Die matched-guise Methode war nicht geeignet, um latentes Wissen zu erheben. Das Material der Sprachproben ist nicht unter natürlichen Bedingungen entstanden und zum Teil aus technischen Gründen nicht auswertbar. Diese Methode scheint allerdings geeignet zu sein, um bestimmte inhaltliche Fragen bezüglich unbewussten Sprachwechsels zu untersuchen. Der Wert der Datenerhebung liegt bei beiden Experimenten in der Überprüfung der Versuchsanordnungen, wie sie von mir konzipiert und organisiert worden waren.

2.3. Informanten

Der Untersuchungsgegenstand meines Forschungszieles waren in Nairobi sesshafte Kenianer, afrikanischer Abstammung. Ich konnte nach meiner ersten Kontaktaufnahme an der Kenyatta University nach dem Schneeballprinzip mehrere Interviews führen. Darüber hinaus versuchte ich mit Menschen zu sprechen, die ich informell kennen lernte. Obwohl ich keinen Schlüsselinformanten kennen lernte, erhielt ich die Möglichkeit eines purposive sampling, das heißt, ich konnte mit wenigen Informanten intensive Gespräche führen. Darunter waren 6 Akademiker (35 – 50 Jahre, davon drei mit sprachwissenschaftlicher Ausbildung und Berufsausübung), 2 Studenten (Anfang 20), 2 Schüler (17 Jahre), ein Büroangestellter (31 Jahre), eine Kellnerin (27 Jahre), ein Arbeitsloser (36 Jahre) und ein Obdachloser Mensch (28 Jahre). Nebenher führte ich zahlreiche, kurze Gespräche mit verschiedenen Menschen. Ziele meiner Gespräche und Beobachtungen waren Personen beiderlei Geschlechts, die im aktiven Berufsalter standen. Die Anzahl der Interviews und Gespräche waren ausreichend, um einer explorativen Untersuchung zu genügen, allerdings blieb mir die Beobachtung in privatem Raum und von Gruppengesprächen weitgehend versagt.

3. Nairobi: Die Besiedlungsgeschichte

[Alle folgenden Angaben entstammen McIntyre (1986)]

Nairobi wurde Ende der 1890’er gegründet, war seit 1905 Hauptstadt des British East Africa Protecrorate und wurde 1963 Hauptstadt im unabhängigen Kenia. Die Stadt hat eine Fläche von ca. 150 km2 und laut staatlichem Zensus (CBS) 1996: 1.8 Mill. Einwohner [bis 3 Mill. in anderen Quellen]. Nairobi entwickelte sich durch den Bau der Eisenbahnlinie, die Mombasa mit Kampala verbinden sollte. Die Uganda Railway Company beschäftigte in der Hauptbauphase 19.742 Inder, 2.506 Afrikaner und „eine handvoll“ Europäer. Sehr schnell waren die infrastrukturellen Kapazitäten der numerisch wachsenden Stadt erschöpft und es entstanden unzumutbare Hüttensiedlungen, die Plagen, wie die Cholera zum Verweilen einluden. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Rastplatz einer Karawanenroute eine Millionenmetropole in Ostafrika. Nach der Unabhängigkeit stieg die Zahl der Immigrationen nach Nairobi weiter an. Obwohl heutzutage die Besiedlung der einzelnen Stadtteile heterogen(er) ist, kann man z.B. anhand der Architektur noch Reste einer getrennten Besiedlung in früherer Zeit erkennen. Eastleigh war ein asiatisches Zentrum, während Pumwani die Slums der indigenen Bevölkerung bezeichnete. Westleigh war den Europäern vorbehalten. Laut Zensus 1996 sind 2,8% aller Nairobier ohne jegliche formale Schulbildung.

3. 1. Einführung in die Sprachen Nairobis

[Alle folgenden Angaben entstammen Mbaabu (1996)]

Englisch. In der Kolonialzeit war das Englische die Sprache der Kolonialisten und der Kolonialregierung. Die Sprachpolitik der britischen Gouverneure bezüglich der Afrikaner war uneinheitlich, jedoch herrschte Übereinstimmung darin, dass das Englische in den unteren Schulklassen zunächst als Unterrichtsfach und ab der fünften Klasse als Unterrichtsmedium eingeführt wird. 1961 experimentierte die Kolonialregierung mit einem System bei dem schon in der ersten Klasse das Unterrichtsmedium die englische Sprache sein sollte. Da die ersten Versuche diesbezüglich erfolgreich waren, setzte dieses System sich immer mehr durch und wurde von der unabhängigen kenianischen Regierung übernommen. 1965 hatten 1920 Schulen ab der ersten Klasse die englische Sprache als Instruktionsmedium ein geführt. Dieser Trend hält bis heute an und hat sich gerade in urbanen Gebieten durch gesetzt. Die unabhängige Regierung setzte 1964 das Englische als offizielle Sprache Kenias und einziges Kommunikationsmedium der Regierung und der staatlichen Administration ein. Die meisten Medien produzieren in Englischer Sprache.

Kiswahili. Vor der Kolonialzeit war das Kiswahili durch küstenbewohnende Händler in das Innere Kenias vorgedrungen und hatte sich zu einer Lingua Franka entwickelt. Während der Kolonialzeit erkannten einige Regierungsbeamte und vor allem Missionare den Wert dieser Verkehrssprache als interethnisches Kommunikationsmedium. Bibelübersetzungen wurden vorgenommen. Das Kiswahili wurde von Regierungsseite durch das East Africa Swahili Commitee zwischen 1930-1964 gezielt gefördert. Der Dialekt von Zanzibar: Kiunguja wurde zur Standardisierung ausgewählt und die Standardisierung unterstützt. Die Kommission setzte sich auch für die Verbreitung der Sprache vor allem an Schulen ein. Sie machte Übersetzungen und gab Schulbücher heraus. Gegen Ende der Kolonialzeit setzte sich ein neuer Trend durch, der das Englische statt dem Kiswahili stärker fördern wollte. In den Schulen wurde die Sprache oft in den mittleren Schulklassen als Unterrichtsmedium eingesetzt, während sie in den ersten Schuljahren ein nicht benotetes Unterrichtsfach war. Diese Schulpolitik wurde bis 1981 weitergeführt, wobei das Kiswahili nie Prüfungsfach war und an vielen Schulen nicht gelehrt und nicht als Instruktionsmedium eingesetzt wurde. Seit 1981 wird Kiswahili auf Regierungsbeschluss ab der ersten Klasse als obligatorisches Unterrichtsfach gefordert und als Prüfungsfach für Abschlüsse an den Schulen angeboten. Es wurden an den Universitäten Kiswahili Institute gegründet und die Regierung erkannte das Kiswahili als Nationalsprache Kenias an, ohne allerdings diesbezüglich einen offiziellen Beschluss zu fassen. Seit 1975 müssen Parlamentsabgeordnete bilingual in Englisch und Kiswahili sein und haben die nie wahrgenommene Möglichkeit Parlamentsdebatten in eine der beiden Sprachen führen zu dürfen. Während des II. Weltkriegs war das Kiswahili Kommunikationsmedium in der Armee. Eine große Tageszeitung veröffentlicht auf Kiswahili und Nachrichten in Radio und TV werden in stündlichen Rhythmus auf Englisch und Kiswahili gesendet.

Die Muttersprachen. In Kenia werden 42 Muttersprachen (MS) gesprochen. In Nairobi sind die numerisch vier größten Sprachen Kenias folgendermaßen aufgeteilt: Bantu: Gikuyu (32 %); Luhya (16,5%), Kamba (13,5%), Westnilotisch: Luo (18,5%) [CBS –Kenia 1996]. In der Kolonialzeit war die einhellige Meinung in der Sprachpolitik, dass Grundschüler in den ersten drei Jahren ihrer Laufbahn in ihrer Muttersprache instruiert werden sollten. Die Kolonialregierung entwickelte Schulbücher für 20 der indigenen Sprachen (IS) Kenias. In urbanen Zentren mit heterogenem Schülerbild wurde das Kiswahili als Unterrichtssprache eingesetzt. Nach der Unabhängigkeit und mit dem Erfolg des Systems, mit dem ab der ersten Klasse der Unterricht in englischer Sprache gehalten wird, werden Muttersprachen nur noch als Erzählstunden in den ersten drei Jahren der Schullaufbahn angeboten. Indigene Sprachen werden offiziell nicht gefördert, das heißt eine Förderung ist auf privatinitiativen Einzelner angewiesen.

Sheng. Das Sheng ist eine in Nairobi unter Jugendlichen und in der Unterschicht verbreitete (Jugend- oder Anti-)Sprache. Dieser Code entstand in den 1960-1970’er Jahren unter multilingualen, urbanen, afrikanischen Sprechern und war zunächst als Engsh bekannt, was der hohen Beteiligung der englischen Sprache an diesem Code Rechnung tragen sollte.

4. Ein Tag in Nairobi

An einem beliebigen Tag meines [9] Feldforschungsaufenthaltes sitze ich morgens in einem Restaurant in meiner Nachbarschaft, in einem Vorort Nairobis und genieße Milchkaffee und Chapati (eine Art Fladenbrot). An einem der Nachbartische sitzen zwei modern gekleidete junge Mädchen. An einem anderen Tisch sitzt ein ebenso modern gekleideter junger Mann, der mit seiner Mahlzeit beschäftigt ist. Die Mädchen unterhalten sich in einer IS und werfen ab und zu einen Blick zu dem jungen Mann hinüber in der offensichtlichen Absicht seine Aufmerksamkeit zu erregen. Nach einiger Zeit inkorporiert eines der Mädchen ein, zwei Ausdrücke auf Sheng in ihr Gespräch mit ihrer Freundin, woraufhin der junge Mann aufmerksam wird und durch zustimmendes Nicken reagiert. Für die restliche Zeit ihrer Anwesenheit ist ein nicht-verbaler Kontakt hergestellt, als würden die zwei Partien sich kennen. Nach Beendigung meines Frühstücks nehme ich das örtliche Sammeltaxi in die Innenstadt und streune ein wenig durch die überfüllten Strassen. Ich beschließe schließlich zunächst an einem der vielen Schuhputzstände halt zu machen und mir die staubigen Schuhe reinigen zu lassen. Der Schuhputzer begrüßt mich auf Englisch und unsere Unterhaltung über sein Leben in Nairobi setzt sich problemlos in dieser Sprache fort. Als abzusehen ist, dass meine Schuhe bald wieder in ihrer ursprünglichen Farbe glänzen werden, entfacht der Schuhputzer, ein junger Obdachloser, ein kurzes heftiges Gespräch in einer IS mit seinem Kollegen. Obwohl der konkrete Inhalt des Gesprächs mir verschlossen bleibt, scheint es mir, als ginge es um meine Person und eventuell den Preis, den der Schuhputzer für seine Arbeit ansetzen wird. Wir einigen uns auf englisch auf eine Summe, die mir zu hoch erscheint, die ich aber trotzdem bezahle. Anschließend beschließe ich nun meinen Plan für den Tag in die Tat umzusetzen und begebe mich zum ministeriellen AG Chamber. In dieser Behörde hat unter anderem die Registrierungsstelle für Bücher und Presseerzeugnisse ihren Sitz. Ich bin hier, um nach einer Liste aller Presseerzeugnisse, die in einer IS publiziert werden zu fragen. Einen Beamten, der gerade in einem Gespräch mit einem Besucher vertieft ist, frage ich in der Amtssprache Englisch nach dem für mein Belangen zuständigen Büro. Er unterbricht seine auf Kiswahili geführte Rede und weist mir den Weg auf Englisch. Im richtigen Büro angekommen beobachte ich, während ich warten muß bis ich an der Reihe bin, wie der Beamte einem älteren Mann, der offensichtlich nicht aus Nairobi kommt, auf Englisch erklärt, dass trotz der Formulare, die dieser mitgebracht hat, gewisse Angaben noch fehlten, um seine Belange zum Abschluss zu bringen. Der ältere Mann schweigt frustriert. Nach ein paar Sekunden, erläutert der Beamte ihm die Situation noch einmal in leiserem Tonfall und in einer IS, was vermutlich die MS mindestens des älteren Mannes ist. Zum Schluß nennt der Beamte ihm eine noch zu zahlende Summe von 2000 Shilling auf Englisch (ca. 20 Euro). Schließlich komme ich an die Reihe und erfahre, dass Zeitungen und Zeitschriften, die in einer indigenen Sprache außer Kiswahili veröffentlicht werden, nicht der Registrierung bedürfen. Ich beschließe die restliche Zeit meines Tagesplanes damit zu verbringen diverse Zeitungsstände aufzusuchen und die Zeitungshändler nach der gewünschten Information zu befragen, was meist problemlos in Englischer Sprache verläuft.

Dies ist also der linguistische Alltag in Nairobi, wie er sich mir bei meiner Ankunft darbot, indem zwei nicht-MS und 4 MS und die Varietät Sheng von den Nairobiern verschiedentlich eingesetzt werden. Ich hatte schon in Hamburg einen Plan über meine Vorgehensweise bezüglich der Datenerhebung gemacht. Wenn ich wissen wollte, warum die Menschen sich wo für welche Sprache(n) entschieden, dann musste ich diese Menschen darüber befragen und sie beobachten. Mein erster Anlaufpunkt sollte die Universität sein, weil ich mir dort erste Interviews und Hilfsbereitschaft für mein Vorhaben erhoffte. Beobachten wollte ich bei jeder Gelegenheit während der Erledigung meiner Alltagsangelegenheiten. Orte meines Alltages waren zum Teil meine Nachbarschaft, Restaurants, kleine selbstständige Betriebe im informellen Sektor, Sammeltaxis und Straßenstände, aber auch Behörden, Schulen und die Universität. Das heißt, Orte an denen öffentliche Kommunikation stattfindet und an denen sich verschiedene Ethnien und Sprachen treffen.

4.1. Interviews und Beobachtungen

Am Tag nach meiner Ankunft begab ich mich zur Kenyatta University und lernte, während ich die Stundenpläne des Linguistik Instituts studierte, einen Studenten namens Ge kennen. Sehr schnell fragte dieser mich, ob ich dort studierte, woraufhin ich ihm meinen Plan der Feldforschung auseinander setzte. Wir kamen auf Sprachen in Nairobi zu sprechen und ehe ich mich versah führte ich praktisch mein erstes Interview. Ge gab mir breitwillig Auskunft über die Sprachen, die er selbst spricht, wie diese zu einander stünden, und wie die Einstellungen der Nairobier zu den Sprachen sei. Wir unterhielten uns noch einige Zeit und verabredeten uns schließlich zu einem „richtigen“ interview, bei dem ich ein Aufnahmegerät mitbringen würde und Fragen vorbereitet hätte. Ermutigt von diesem ersten „Erfolg“ ging ich am nächsten Tag wieder zur Kenyatta University. Diesmal ging ich zur Sekretärin des Instituts und fragte diese ob sie mir Interviewpartner vermitteln könne. Diese ganzen Gespräche wurden auf Englisch geführt. Ge hatte mich auf Englisch angesprochen und die Sekretärin reagierte auf meine englische Eröffnung meiner Vorstellung nicht im mindesten beeindruckt. Wie ich später feststellte, war konvergierendes Verhalten in Richtung des vermuteten Sprachrepertoires des Gesprächspartners regelmäßig der erste Grund, der auf die Frage nach dem Warum einer Sprachwahl von Informanten genannt wurde. Mir war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Tragweite der Tatsache aufgegangen, dass meine Beobachtungen darunter zu leiden haben werden, dass mit meiner Anwesenheit als Europäerin eine Kommunikation immer in englischer Sprache geführt würde.

In-gruppe. Eine gute Kompetenz im Englischen bezeugt in der Regel eine hohe Bildung und eine entsprechende Zugehörigkeit zur (sozialökonomischen) Elite des Landes. Englisch ist die Kommunikationssprache in Parlament und Justiz (wobei die Parlamentarier gesetzlich die Option zwischen dem Englischen oder dem Kiswahili haben, während den Gerichten diese Option nicht gegeben ist). Und das Englische ist die Sprache der Wissensübermittlung und der Wissenschaft. Informanten aus der Bildungsschicht, die ich befragte, gaben meist an, dass das Englische erstens ihre Arbeitssprache sei und auch ihre Klassensprache untereinander. Ge, der erst seit seiner Studienzeit in Nairobi lebte, sagte, er sei stolz auf seine MS und benutze sie im Umgang mit Ethniengleichen, aber ansonsten würde er die Englische Sprache bevorzugen. Für die Bildungselite ist diese Sprache auf der Arbeit und innerhalb ihrer sozialen Klasse unmarkiert, während andere das Englische eher als eine markierte Sprachwahl einsetzen.

Spontane Wahl. Der Englische wird von den Menschen manchmal eingesetzt, um einen bestimmten Status aufzubauen. Es geschah einige Male, dass eine Eröffnung eines Gesprächs auf Kiswahili meinerseits, in einer Umgebung wo diese Sprachwahl durchaus zu erwarten wäre, mit einer wiederwilligen und auf die englische Sprache pochenden Reaktion seitens des Gesprächspartners weitergeführt wurde. Sei es, um mir zu zeigen, dass man der englischen Sprache wohl mächtig sei, sei es diese Tatsache den anderen Zuhörern mitzuteilen. Ein anderes Mal saßen ich und einige meist weibliche Passagiere in einem Sammeltaxi, als eine gutgekleidete und zurechtgemachte Frau einstieg. Die anderen Passagiere unterhielten sich auf Kiswahili, als die Frau, mit ihrem Handy in der Hand fächelnd, in englischer Sprache Anweisungen gab eine größere Anzahl von Stühlen, die sie für eine von ihr organisierte Veranstaltung herbeischaffte, in das Taxi zu verladen. Dass die Frau ihren offensichtlichen Reichtum (Organisation der Party, Handy, Kleidung) und ihren sozialen Status durch den Gebrauch des Englischen unterstreichen wollte drängte sich mir als Zuschauer der Szene dadurch auf, dass dieses Medium in dieser Umgebung ansonsten eher selten zu hören war. Ge erzählte mir, manchmal würde z.B. ein Betrunkener englische Worte in seine Rede inkorporieren, ohne die Bedeutung derselben zu kennen Dies sei einfach, um anzugeben. .

Normative Wahl. Der Gebrauch des Englischen erzeugt in manchen Zusammenhängen eine gewisse Formalität des Geschehens. Im Büro eines wohlsituierter Buchautors und Förderer seiner MS beobachtete ich, wie dieser ein arbeitsbezogenes Telefongespräch auf Englisch führte und, wie er später seine Sekretärin auf Kiswahili instruierte, einen bestimmten Artikel zur Zeitungsredaktion zu schicken. Die Anweisung der finanziellen Abwicklung desselben Vorgangs wurde wieder in englischer Sprache besprochen. Der Autor bestätigte, dass er für Arbeitsgespräche das Englische wähle, vor allem weil die Arbeitsprotokolle in englischer Sprache geschrieben würden. Wenn aber Pause sei und die Atmosphäre entspannt und nicht so formell, würde er mit seinen Angestellten auf Kiswahili kommunizieren. In solchen Fällen signalisiert die Sprachwahl den Charakter eins Gesprächs.

Positive Konzepte. Die englische Sprache in Nairobi hat nicht nur immer noch das Image, dass sein Sprecher gebildet sei, sondern impliziert häufig auch einen gewissen sozioökonomischen Status. Das Englische kommuniziert soziale Bedeutungen sowohl wenn es markiert eingesetzt wird, als auch wenn es das unmarkierte Kommunikationsmedium ist. Eine Lehrerin, die ich nach dem Image des Englischen befragte sagte, „If I’m picking English I feel more valuable – it’s more prestigous ...“ Ein anderer Informant, ein Büroangestellter unteren Einkommens namens Cy, der in informellen Gesprächen meistens in seiner MS oder in Sheng kommuniziert sagte, „it [Englisch] shows that you are learned“ Der Gebrauch der englischen Sprache überträgt ihr Image auf den Sprecher. Ein Sprecher kann durch den bewussten Gebrauch des Englischen einen bestimmten Status aufbauen bzw. der englische Sprachgebrauch ist Indikator für Bildung und damit für Status.

Negative Konzepte. In manchen Umgebungen hat der Gebrauch des Englischen eine negative Assoziation. Ge sagte auch, dass wenn er zu seiner Familie aufs Land fahre, er dort kein Englisch sprechen oder englische Radiosender hören könne, wie in seinem Zimmer in Nairobi. Erstens weil seine Eltern kein Englisch verstünden und zweitens weil die Leute dann von ihm sagen würden; „I’m becoming to be proud because I go to university“. Der Englischsprecher schließt sich von der solidarischen, dörflichen Gemeinschaft aus, indem er Stolz und Überheblichkeit zeigt, statt Konvergenz zu der unmarkierten Alltagssprache, der lokalen MS. Und er schließt diejenigen Menschen aus, die das Englische nicht in ihrem sprachlichen Repertoire haben.

Zensus. In Realität bin ich während meines Aufenthaltes ein einziges mal einer Frau begegnet, einer Obdachlosen, die kein Englisch verstehen konnte. Laut Zensus 1996 [CBS –Kenia] haben von 1,8 Mill. Total ca. 76% länger als drei Jahre die Schule besucht. Das heißt ca. dreiviertel aller Nairobier sind in ihrer Schulzeit in englischer Sprache instruiert worden.

Kognition. Aber welche Bedeutung wird dieser Sprache auf gesellschaftlicher Ebene beigemessen? Die meisten Informanten antworteten auf Fragen nach ihrer Meinung zu dem Englischen auf dieselbe weise; nämlich dass diese Sprache vor allem Notwendig sei zur Kommunikation mit Fremden und für bessere Berufsaussichten. In einer Sprachschule sagte die Empfangsdame mir, das Englische sei „Kizungu[10] ” „our international language“. Ein Dozent nannte sie „language of the global village“ und Cy sagte, „ it’s the international communication mood of almost everybody“, eine weitere Informantin sagte, „it’s opportunity and obligation in job and career.“ Nur zweimal wurde mir gesagt, dass das Englische mit der Kolonialzeit assoziiert werde und mir scheint dieser Aspekt des Englischen ist nicht mehr von großer Bedeutung für den Gebrauch derselben. Eltern sind heutzutage in der Regel bestrebt mit ihren Kleinkindern Englisch zu sprechen, um sie zu motivieren diese Sprache zu lernen. In den Interviews war das Englische allerdings die Sprache, zu der die Informanten am wenigsten zu sagen hatten.

Ich führte mich bei Gesprächen regelmäßig und der Wahrheit entsprechend als Studentin ein, die eine Feldforschung bezüglich des Sprachverhaltens der Nairobier durchführte. Auf diese Eröffnung erhielt ich meist ein nachdenkliches Schweigen zur Antwort und schließlich eine um Verständnis suchende Gegenfrage, ob ich das Kiswahili lernen möchte oder ob ich Sprachlehrerin sei. Die Einsilbigkeit und erste Verständnislosigkeit bezüglich meines Interesses bewirkte zweierlei. Erstens gewann ich den Eindruck, der sich im Laufe der Zeit durch weitere Erfahrungen verstärkte, dass Bedeutung, Funktion oder Gebrauch von Sprache an sich kein Thema sei, das in Nairobi gesellschaftlich problematisiert wurde. Bei meiner Recherche im Archiv des Daily Nation stellte ich fest, dass zwischen Januar 2000 und März 2004 nur 29 Artikel sich mit dem Thema Sprache befassten. Davon behandelten 11 Artikel Internationale Konferenzen und nationale, sprachpolitische Entscheidungen. Weitere 8 Artikel befassten sich mit der schlechten Sprachkompetenz von Schülern. Und nur 8 Artikel hatten die Rollen und Beziehungen der einzelnen in Kenia verbreiteten Sprachen zum Thema. Von diesen 8 Artikeln befasste sich ein einziger mit dem Kiswahili.

Zweitens hatte ich damit zu kämpfen Informanten dazu zu bewegen, über ihre Sprachen ausführlicher zu berichten, ohne dass ich das Thema der Antworten indizierte, indem ich nach Funktion, Image oder konkrete Assoziationen fragte. Diese Aufgabe erwies sich in vielen Fällen als unmöglich, so dass als Grand Tour Fragen konzipierte Interviews in der Realität meist sehr schnell die Form semistrukturierter Interviews oder sogenannter Mini Tour Fragen hatten. Ich versuchte diesem Problem beizukommen, indem ich Mini Tour Fragen stellte und anschließend dasselbe Thema zu einer Grand Tour Frage ausweitete. Außerdem vergaß ich nie die Informanten zu fragen, was diese glaubten, was ich noch über die Sprachen in Nairobi wissen müsste, um inhaltlich zu einem erfolgreichen Ergebnis zu kommen. Auch auf diese Frage wussten die Gesprächspartner in der Regel keine Antwort, was meine Hypothese der gesellschaftlichen Indifferenz bezüglich meines Forschungsthemas bestätigte.

Ich hatte von Anfang an die Angewohnheit für verabredete Interviews einen Mini Tour Fragekatalog vorzubereiten, um auf diese Problematik flexibel reagieren zu können. Das heißt, ohne dem Plan mich an diese Fragen unbedingt halten zu müssen. In einem Fall geschah es sogar, dass ein Informant, als er meine Vorbereitung sah, er einfach den Fragekatalog und einen Zettel verlangte und die vorbereiteten Fragen der Reihe nach und kurz und bündig schriftlich beantwortete. Ich ließ ihn gewähren, um die Wünsche des Informanten nicht zu beeinflussen. Allerdings entstand eine totale Verwirrung meiner Interviewführung und ich konnte keinen Weg mehr finden das Thema ungezwungen weiter zu diskutieren. Ich hatte diesen Informanten direkt angesprochen und ihm einen Lohn versprochen, wenn er mir ein Interview geben würde, da sein persönliches Profil meiner Zufallsstichprobe mehr Validität zu verleihen versprach. Der Gedanke von schnell verdientem Geld mag seine Handlungsweise erklären. In der Literatur werden verschiedene Meinungen bezüglich der Erwartungen und dem Verhältnis Forscher – Informant eingenommen. Während Ethnologen mehrheitlich ein vertrauliches Freundschaftsverhältnis aufbauen wollen, ist eine finanzielle Entschädigung von Informanten bei Linguisten nicht ungewöhnlich. Allerdings sucht der Ethnologe eher nach „unverfälschtem“ Wissen, während der Linguist oft Experimente und Tests durchführt. Meine bewusste Entscheidung, die Mühen der Informanten aus der Unterschicht direkt oder indirekt finanziell zu entschädigen, geschah aufgrund Erfahrungen aus früheren Reisen in Afrika und meiner Kontribution zu afrikanischer Ethik. Wenn ich allerdings Mitglieder der Bildungselite interviewte, war meine Stellung die einer interessierten, ausländischen Studentin. Einige dieser Informanten hatten selbst Erfahrungen mit Feldforschung, andere mit Interviews. Ich hatte es mehrmals dem Wohlwollen zu verdanken, dass mir Interviews mit Kollegen oder Freunden ermöglicht wurden. Die Bildungselite überließ es meistens mir selbst, die rassistische Haltung einer Weißen einzunehmen oder die einer jüngeren Studentin, die ein Begehren an einen Akademiker richtet. So war mein Verhältnis zu den verschiedenen Informanten nie gleich und meine Selbstdefinition lässt sich vielleicht am ehesten als die eines interessierten und engagierten Gastes beschreiben.

Auf der anderen Seite hatte ich mich auch mit dem Selbstverständnis der Informanten auseinander zu setzen. Manche Informanten waren meinen Fragen gegenüber skeptisch eingestellt. Wenn ich z.B. nach ihren Sprachkompetenzen fragte, konnte es sein, dass ich sie in Verlegenheit bracht oder in eine Rolle drängte, die mit einem Negativimage einer Sprache assoziiert wurde. Ich war ja selbst nicht nur offensichtlich finanziell besser gestellt (Ich konnte es mir leisten nach Afrika zu reisen), sondern war auch studiert. Solchen Situationen begegnete ich, indem ich Offenheit und mein persönliches Interesse für die Sprache bekundete, indem ich versuchte Kiswahili oder Sheng zu sprechen. Haltungen, denen ich nicht begegnen konnte waren z.B., als ich Cy, mit dem ich am intensivsten zusammen gearbeitet hatte, nach seinem Verhalten in Konfliktsituationen mit seinem Chef oder nach intimen Beziehungen befragten wollte. Er weigerte sich zu antworten, indem er der Antwort auswich oder die Frage einfach nicht verstand. Als auch wiederholtes Nachhaken keine weiteren Antworten erzielten, verzichtete ich darauf ihn weiter zu bedrängen und fand mich damit ab, dass unser Vertrauensverhältnis noch nicht so weit fortgeschritten war, als dass ich auf die Beantwortung sensibler Fragen hoffen durfte.

Ich überließ es nicht dem Zufall Informanten kennen zu lernen, sondern fragte, ging auf die Menschen zu und ergriff gebotene Gelegenheiten. Dabei vertraute ich auf die Hilfsbereitschaft der Menschen und ohne diese, wäre meine gesamte Feldforschung nicht möglich gewesen. Ich besaß schließlich weder eine formal vereinbarte Zusammenarbeit mit einer kenianischen Institution, noch verfügte ich über eine Forschungsgenehmigung[11]. Bei Sichtung der ersten Interviews und Gespräche kristallisierte sich heraus, dass die Menschen Sprache in erster Linie funktional als Kommunikationsinstrumente konzeptualisierten und dabei einzelne Codes kognitiv verschiedenen Sphären zuwiesen oder verschiedentlich verorteten. Das Englische ist die Sprache, die einen Kontakt zu dem „Fremden“ aufbauen kann. Die Sprache, die eine Assoziation zu Ausländern, zu westlicher Technik und Wissen und zu Internationalem erweckt. Kiswahili ist die Sprache, die auf Kenia als Nation hinweist und, die von jedermann beherrscht wird. Wie mehrere Informanten hinzufügten, ist es die Sprache, die in Tansania erfolgreich eingesetzt worden war, um eine nationale Einheit zu erzeugen.

Tendenziell keine Dichotomie. Das Kiswahili ist eine Verkehrssprache, die am wenigsten von allen Sprachen Nairobis soziale Bedeutung transportiert, sondern laut Auskunft der Informanten die Bedeutung hat, dass der Sprecher eine positive Haltung bezüglich des Zustandekommens einer Kommunikation innehat. In einem Restaurant in meiner Nachbarschaft, wo ich des öfteren zu Mittag aß beobachtete ich, dass die drei Kinder der Besitzerin Kiswahili miteinander und mit ihr sprachen. Sie erklärte mir, dass sie das Kiswahili informell in der Nachbarschaft lernten, aber ihre MS auch verstehen würden. Kinder und Jugendliche, die in Nairobi aufgewachsen sind, lernen das Kiswahili häufig als Erstsprache und besitzen meist eine höhere Kompetenz in ihr, als in der MS ihrer Eltern. Meist verwenden diese Sprecher das Kiswahili als häufigstes Medium zur Kommunikation, unabhängig von der Ethnie des Gesprächspartners.

Tendenziell ethnische Dichotomie. Das Kiswahili ist eine unmarkierte Wahl bei den häufigen inter-ethnischen Gesprächen in Nairobi. Informanten, die ländlich aufgewachsen waren bestätigten regelmäßig, dass jetzt, da sie in Nairobi mit verschiedenen Ethnien zusammen lebten, sie gezwungen seien Kiswahili zu sprechen. Eine Informantin z.B., eine Kellnerin ende der Zwanzig, erzählte, dass sie meistens Kiswahili sprach, seit sie in Nairobi lebte. Als ihre Tante aber zu Besuch gewesen sei, hätten die Gespräche in ihrer gemeinsamen MS stattgefunden. Plötzlich erinnerte sie sich der zugleich anwesenden Nichten, die in Nairobi zur Schule gehen. Daraufhin korrigierte sie ihre Aussage dahingehend, dass sie auch Kiswahili gesprochen hätten, weil die Kinder anwesend gewesen seien. Intraethnische Gespräche wurden von ländlich aufgewachsenen Informanten meistens eher in der MS geführt.

Soziale Dichotomie. Das Kiswahili sei interethnisches Kommunikationsmittel in der Unter- und Mittelschicht und Interkommunikationsmittel zwischen der Ober- und Unterschicht. Ein Informant aus der Bildungsschicht berichtete von der Oberschicht[12] bzw. den „Englischsprechern“, dass wenn diese ihre soziale Klasse verließen, sie gezwungen seien auf das Kiswahili zurück zu greifen, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Auf das Image des Kiswahili befragt sagten diese Informanten, dass das Kiswahili mit Armen und Ungebildeten Menschen assoziiert würde.

Gewohnheitsmäßig. Minister bevorzugen normalerweise die englische Sprache im Parlament und bei Debatten. In Wahlzeiten allerdings, wenn der Politiker die Massen ansprechen will, dann führt er seine Reden zum Wahlvolk auf Kiswahili. Präsident Kenyatta hat während seiner Amtszeit (1964-1978) zwei seiner Reden auf Kiswahili gehalten. Er wollte damit die Bedeutung dieser Sprache für die nationale Einheit hervorheben.

Spontan. Bisher wurde das Kiswahili als Sprache der Solidarität beschrieben. Im Gegensatz dazu erzählte Cy mir, dass wenn z.B. ein Polizist ein unrechtmäßiges Schmiergeld von jemandem verlangen würde, den er als zur eigenen MS zugehörig identifiziert habe, dann würde dieser Polizist auf den Gebrauch des Kiswahili bestehen, um sich durch Konvergenz zur MS nicht als Ethniengleicher zu entlarven, der von einem fellow tribesman ein Schmiergeld verlangte. In diesem Fall entzieht der Polizist sich durch den Gebrauch des Kiswahili der moralischen Verantwortung, die seine Beziehung zu Mitgliedern seiner Ethnie kennzeichnet. Er besteht auf seine nationale Identität als Kenianer, die offensichtlich durch die Sprache transportiert werden soll. In diesem Fall erzeugt die Sprachwahl keine Dichotomie zwischen verschiedenen Sprechern, das heißt, den verschiedenen sozialen und ethnischen Gruppen, sondern zwischen den verschiedenen Identitäten eines Sprechers. Das heißt zwischen der ethnischen Identität und ihren Implikationen und der nationalen Identität als Kenianer.

Gesellschaftlich. Kiswahili ist die afrikanische Sprache, in der jeder eine Kompetenz besitzt und die nicht tribalistisch ist. Das Kiswahili ist die Sprache, die neben den verschiedenen IS am häufigsten auf der Straße zu hören ist und, die am häufigsten in Nairobi gesprochen wird. Kiswahili ist das interethnisches Kommunikationsmittel und die Alltagssprache in der Öffentlichkeit, bei Polizei, Militär und im Einzelhandel.

Kognition. Das Kiswahili ist die Sprache des Kenianers als Bürger einer Nation. Der Unterschied zwischen Nutzung der Sprache und ihr Image zumindest in der Bildungsschicht wird daran deutlich, dass fast alle Informanten bezüglich der gesellschaftlichen Bedeutung des Kiswahili sich positiv äußerten. „It is African (…) it can unite Africans.” “It is a blessing (…) one can identify with a group; as a kenian.” “that is a language of African people (…) it is not identified with any ethnic group – so the more we can make it a national language .” Das Kiswahili wird als Medium wahrgenommen, welches die Kapazität hat kenias heterogene Bevölkerung zu einen, da es mit keiner numerisch bedeutenden Gruppe assoziiert wird und eine immense Verbreitung besitzt.

Von Anfang an transkribierte ich Interviews an den Wochenenden, wie es uns in der Vorbereitung nahe gelegt worden war. Ich war auch inhaltlich sehr stark am Thema interessiert und in den ersten Interviews und Gesprächen fragte ich grundsätzlich nach dem für Nairobi, der primacy capital Kenias , typischen Code Sheng. Kießling R. [in Vorbereitung] kategorisierte diese Varietät in Anlehnung an Hallidays Anti-Sprachen, als urbane Jugendsprache. Das Sheng basiert auf der Grammatik des Kiswahili und benutzt die Lexika des Kiswahili, Englisch und einiger MS. Außerdem lebt dieser Code davon eigenes Vokabular zu schöpfen. Dies kann durch Verstümmelungen eines Ursprungswortes stattfinden oder durch Veränderung der Bedeutung eines Wortes u.v.m. Bei den meisten Worten können die Informanten heute nicht mehr die Ursprungsform oder die Quelle des Wortes benennen. Ich fragte die Informanten danach, wer Sheng spricht. Die Antworten waren bezüglich dieser Frage immer einheitlich und eindeutig. Keiner konnte sagen, wie es angefangen hatte, aber es war von der Unterschicht, den Straßenfamilien und von Kriminellen ausgegangen. Von den Stadtteilen in Nairobi, die früher von Afrikanern bewohnt waren.

Berufsgruppen. Das Sheng wird von einigen Berufsgruppen als Kommunikationsmedium untereinander bevorzugt. Eine Informantin erzählte mir z.B., wenn die Sammeltaxifahrer eine Polizeikontrolle sähen, diese eine geheime Warnung auf Sheng weitergeben würden. Deswegen würden entsprechende Shengworte, wenn sie erst einmal der Öffentlichkeit bekannt seien, verändert oder neu geschöpft. Das Sheng wird hier als Geheimsprache eingesetzt. Cy erzählte mir, dass Händler von second hand Kleidung auf dem Markt nicht nur unter einander in dieser Sprache kommunizierten, sondern auch ihre Kunden mit diesem Code ansprachen. Ich bin anhand von Beobachtungen zu der Überzeugung gekommen, dass diese Sprache von den Sprechern nicht als Arbeitssprache kategorisiert wird, sondern als Erkennungscode für die Solidarität in einer In-gruppe. Die Auswertung der Aussagen der meist nicht Sheng sprechenden Informanten, zeigt, dass das Sheng nicht nur als eine Geheimsprache kategorisiert wird. Es wird auch mit bestimmten Berufsgruppen assoziiert.

Schüler. Das Sheng ist bei Schülern sehr beliebt. Die Kompetenz der Schüler im Kiswahili und im Englischen leiden allerdings unter der Verbreitung des Sheng. Diese Sprache ist bei Schülern derart verbreitet, dass, wie mehrere Lehrer erklärten, die Schüler nicht mehr unterscheiden könnten, ob ein bestimmter Ausdruck eigentlich den Standart Codes angehöre oder ein korrumpierter Shengausdruck sei. Als ich mich einmal mit einer Mutter schulpflichtiger Kinder unterhielt, erzählte mir diese, sie fände den Sheng Gebrauch ihrer Kinder nicht so gut, aber sie könne nichts dagegen unternehmen. Selbst, wenn sie ihnen verböte auf Sheng zu sprechen, würden diese sofort wieder diesen Code benutzen, wenn sie außer Reichweite seien. Diese Aussage begegnete mir öfter. Die Schüler selbst gaben an, dass sie mit Freunden meistens Sheng sprächen und mit Geschwistern, wenn diese schon zur Schule gingen und diesen Code bereits beherrschten. Die Sprachspiele dieser Sprache würde den Schülern sehr viel Spaß bereiten und sie würden diese außerdem als eine Geheimsprache einsetzen, wenn sie über Themen diskutierten, die den anwesenden Eltern verborgen bleiben sollten.

Studenten. Manche Studenten sprechen Sheng untereinander. Ge (der Student) sagte, dass die Sammeltaxifahrer die besten in der Schöpfung neuer Ausdrücke seien und, dass selbst die Jugendlichen sie dann nicht verstünden. Er sagte auch, dass das Sheng eine Geheimsprache sei und oft auf sexuelle Themen referieren würde. Andere Informanten bestätigten, dass sie in ihrer Jugend auch Sheng gesprochen hätten, aber wenn man heirate, höre das auf.

Obdachlose. Von mehreren Seiten wurde mir berichtet, dass das Sheng die unmarkierte Wahl der Obdachlosen und Straßenfamilien sei. Ein Obdachloser, den ich interviewte sagte, er spräche meistens Sheng, wie fast alle in Nairobi. Das sei fast schon wie eine Nationalsprache. Auf Nachfrage gab er allerdings zu, dass er mit seinen Cousins auf Kiswahili spräche und, dass es unhöflich sei einen älteren Mann auf Sheng anzusprechen. Ich konnte die Aussage bezüglich des Sprachverhaltens von Obdachlosen leider nicht durch weitere Beobachtungen überprüfen.

Musikbands. Nairobis moderne Musiker sängen oft auf Sheng, weil dieser Code sehr beliebt und vermarktbar sei.

Spontan. Der Gebrauch des Sheng kann die Zugehörigkeit zur selben Gruppe; zu einer „Anti-Gruppe“ signalisieren. Ich saß eines Tages mit einem Schüler im Park, der mir half die von mir erhobenen Shengsätze ins Englische zu übersetzen. Plötzlich kamen zwei obdachlose Kinder auf uns zu und wollten Geld erbetteln. Ich nahm eine abweisende Haltung ein und gab eine desinteressierte Erklärung ab, die allerdings nicht reichte, um die beiden Kinder zu entmutigen. Als mein Informant meine Erfolglosigkeit sah, fing er an auf Sheng auf die beiden Kinder einzureden, dass diese doch gehen sollten, da ihr Verlangen offensichtlich nicht gestillt werden würde. Die Kinder reagierten zunächst zögerlich, als wollten sie sich eine Möglichkeit nicht so schnell ausreden lassen. Aber als der Schüler lässig, schnell und bestimmt seine Shengrede erneut an sie richtete, fingen die Kinder immer breiter an zu grinsen und schließlich ließen sie uns alleine. Wer schon einmal in Afrika gereist ist, der wird die Erfahrung gemacht haben, dass eine solche Situation sich meist nicht so schnell löst oder sehr schnell mit aggressiver Rede verbunden ist. Ich hatte den Inhalt der Rede soweit verstanden, dass ich wusste der Schüler hatte ihnen nur gesagt, dass sie jetzt gehen sollten. Und ich hatte die Diskurspragmatik verstanden, dass die Kinder dem Schüler Anerkennung für seine Kompetenz in „ihrer“ Sprache zollten. Er hatte eine Egalität oder eine gleiche Welle mit den obdachlosen Kindern erzeugt. Das Sheng erzeugt eine engere Bindung seiner Sprecher gegenüber allen anderen Menschen.

Positive und negative Konzepte. Die Bedeutung des Sheng wird von den verschiedenen Sprechern unterschiedlich beurteilt. Die oppositionellen Aussagen reichen von der eines Lehrers, wie der folgenden, ”I hate it – it is a threat to Kiswahili” bis Aussagen von Shengsprechern, wie der von Cy „we can not go do away with it. (…) if sheng is the language of the day we can not say it will bring confusion to the communities” und “ it is a joke language“ [Der Inf. Meint den Spaß an Sprachspielen]. Das Bildungswesen und die meisten Eltern lehnen das Sheng ab, weil es nicht nur zu schlechten schulischen Leistungen der Schüler führt, sondern auch mit Mitgliedern der Unterschicht und Kriminellen assoziiert wird. Für die Sprecher des Sheng ist diese Sprache ein Medium, welches nur von bestimmten Personengruppen gesprochen und verstanden wird. Und eine von diesen Gruppen gehören sie selber an bzw. diese gibt ihnen eine Identität. Viele Schüler und Studenten haben das Sheng als ein Ausdruck ihrer Subkultur entdeckt und angeeignet, wie z.B. in der Musik und bei Gesprächen mit Freunden. Durch diese Sprache können sie sich gegenseitig erkennen, wie durch Musikstile oder durch Kleidung. Der Gebrauch des Sheng führt zu Solidarität seitens anderer Shengsprecher und Shengsprecher besitzen innerhalb ihrer eigenen Gruppe ein geheimes Verständigungsmittel gegenüber Eltern, Polizei und den Rest der Gesellschaft.

Ausbreitung. Im Sheng werden Worte regelmäßig neu geschöpft. Dies geschieht per Zufall in informeller Form. Eine Neuschöpfung verbreitet sich zunächst innerhalb der Gruppe des Erfinders, um dann eventuell weitere Kreise bis zu anderen Shengsprechern zu ziehen. Einige Ausdrücke, wie z.B. matatu – Sammeltaxi sind inzwischen in Nairobi alltäglich gebräuchlich. Andere Ausdrücke sind passiv in der Gesellschaft bekannt, wie z.B. der Ausdruck für Polizei ponyi und für Vater mbuyu. Wenn Schüler ihre Verwandten auf dem Land besuchen eignen sich die Jugendlichen im Ort ein paar dieser aus Nairobi kommenden und mit seinem Image verbundenen Worte selbst an. Wie mir erzählt wurde hat sich das Sheng auf diese Art auch schon in ländlichen Gegenden ausgebreitet.

Kognition. Auf die Frage, was das Sheng sei, antworteten die Informanten, „Nairobi Kiswahili“ „the language of the peers“ „you could call it a secret language” „a mixed [Kiswahili/Englisch/MS] language”. Obwohl sein Image es eher sozialen Randgruppierungen zuordnet wurde das Sheng in den Gesprächen zunächst mit Schülern und Sammeltaxifahrern assoziiert. In einigen Situationen wird das Sheng von seinen Sprechern als Geheimsprache eingesetzt. Bei denselben Sprechern ist dieses Medium allerdings auch schon zu einem unmarkierten Code innerhalb ihrer eigenen Gruppe geworden.

Wenn ich die Interviews transkribierte notierte ich inhaltliche Spiegelstriche am Rand, die das Topik der Aussage festhalten sollten. Auf diese Art gewann ich einen Überblick zu welchen Themen ich schon Menschen befragt hatte. Ich bekam aber auch einen Überblick über das, was die Informanten mir gesagt hatten. Ich mußte oft inhaltlich nachdenken und mir fiel auf, dass die Geschwindigkeit mit der man als Forscher einen Einblick in sein Forschungsthema bekommt nicht nur von der Datenerhebung selbst abhängt, sondern dass man langsam in das Thema hineinwächst. Ich baute neue Interviews auf Antworten älterer Interviews auf und versuchte erste Hypothesen aufzustellen. Auch versuchte ich mit möglichst vielen Menschen, die ich traf über ihre Sprachen zu sprechen und sie zu beobachten. Dabei kristallisierte sich ein Problem heraus. Erstens mußte ich lernen zu beobachten. Das heißt, wenn ich durch die Straßen ging mußte ich mich selbst daran erinnern, dass ich auf die Sprachen, die ich hörte anders achten mußte, als sie zu verstehen. Ich mußte das Verhalten der Menschen beobachten. Erst später zog ich mit vorbereitetem Zettel und Stift in der Hand los, um gezielt in verschiedenen Stadtteilen und Orten die Häufigkeit der von mir gehörten Sprachen der Passanten festzuhalten. Zweitens war es mir in dieser Millionenstadt nicht vergönnt auf jemanden zu treffen, den ich in seinem privaten Leben hätte begleiten können. Auf diese Weise war es schwierig Gespräche in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, außer in Restaurants und Taxis.

Ich war nach ein paar Tagen von einem kleinen Hotel in ein typisches Zweistöckiges Haus mit ca. 20 Partien gezogen, wo ich ein Zimmer bewohnte. Da ich Nairobi als sehr anstrengend empfand, war ich glücklich einen privaten Rückzugsort zu besitzen und ich wusste von Anfang an, dass ich mich nicht in die nachbarschaftliche Clique integrieren würde. Trotzdem sprach ich auch dort mit einigen Nachbarinnen und vor allem hatte ich ein Mädchen namens Or kennengelernt, mit der ich eine Freundschaft schloss und die mir bei der Zimmersuche geholfen hatte. Aber auch Or arbeitete den ganzen Tag als Kellnerin und ging abends selten aus, so dass wir uns nur ab und zu trafen. Aufgrund meiner Anwesenheit und, weil Or es bevorzugte, war das Kommunikationsmedium in solchen Situationen immer das Englische, auch wenn wir andere Menschen trafen. In den Interviews und Gesprächen hatte sich gezeigt, dass die Menschen ihre Sprache meist unbewusst einsetzten und mir keine genauen Angaben über das Warum und Wann ihres Verhaltens machen konnten. Außerdem schien es, dass wenn ein Informant sagte, er spräche meist die eine Sprache mit einer Person, er tatsächlich auch andere Sprachen mit derselben Person zur Kommunikation benutzte. Bei einigen Antworten war ich auch nicht sicher, wie ich diese einschätzen sollte. Ich hatte mehrmals den Eindruck, dass ich durch meine Frage erst eine spontane Überlegung des Informanten ausgelöst hatte. Dass dieser Informant seine Antwort auf diese kurze Überlegung hin erst aufbaute oder vielleicht änderte. Dies betraf vor allem den Gebrauch der Muttersprachen.

Gewohnheitsmäßig. Sprecher, die ländlich und mit ihrer MS aufgewachsen waren und Sprecher, die eine engere emotionale Bindung zu diesem Ort hatten, als zu ihrem jetzigen Wohnort Nairobi, benutzten regelmäßig ihre Muttersprache in der Kommunikation mit Ethniengleichen. Dabei können sie die MS des Gegenübers am Akzent der Person erkennen. Ich hatte schon festgestellt, dass die Sprachgewohnheiten der Sprecher in Nairobi davon beeinflusst waren, welchem linguistischen Setting diese in ihrer Kindheit und Jugend ausgesetzt waren. Ein Gesprächspartner mittlern Alters antwortete mir überrascht und bestimmt auf die Frage nach dem Warum der MS, der Grund sei, dass es seine Sprache sei. Sprecher dagegen, die in einem multilingualen Setting aufgewachsen waren, vor allem in Städten wie Nairobi, benutzten eine der Verkehrssprachen unabhängig von der Ethnie des Gesprächspartners, außer es handelte sich um die eigenen Eltern und Großeltern.[13] Diese Sprecher besitzen meist eine geringere Kompetenz in ihrer MS, als in einer der Verkehrssprachen.

Spontan. Es scheint, dass in unbeherrschten Situationen Personen unbewusst zu der Sprache wechseln in der sie Emotionen besser verbalisieren können. Eventuell die Sprache, die sie eher zu sprechen gewohnt sind. Ich hatte in den sogenannten Diarys festgestellt, dass die bevorzugte Kommunikationssprache zwischen Liebespaaren das Englische war. Eines Tages beobachtete ich ein Pärchen in einem Sammeltaxi, die sich in dieser Sprache unterhielten. Nach kurzer Zeit schien ein Streit aus zu brechen und schnell heftigere Formen anzunehmen, indem der Junge das Mädchen immer weiter provozierte. Schließlich platzte das Mädchen in einer heftigen Rede heraus, mit der das weitere Gespräch für die Beiden beendet war. Diese letzte Rede war von dem Mädchen in einer IS geführt. Or, die ländlich aufgewachsen war, erzählte mir, dass ihre Lehrer früher, wenn sie wirklich böse mit den Kindern gewesen waren, in ihrem Wutausbruch von der Unterrichtssprache Englisch zu ihrer MS gewechselt hätten, um danach wieder mit dem Englischen fortzufahren. Für einige Sprecher scheint die MS eine (emotionale) Distanz zum Geschehen und/oder zum Gegenüber zu verringern.

Solidarität. Die MS verweist manchmal auf die Ethnie und gezielter auf die Zusammengehörigkeit ihrer Sprecher. Während meines Aufenthaltes mußte Cy sich einer ambulanten Operation im Krankenhaus unterziehen. Er berichtete mir, er habe zusammen mit vielen anderen in der Warteschlange zum Untersuchungszimmer gestanden. Zwei Krankenschwestern seien damit beauftragt gewesen, die Patienten der Reihe nach zum Arzt zu führen. Weit hinter ihm hätten zwei Frauen zusammen mit den anderen gewartet und hätten sich dabei in ihrer MS unterhalten. Als eine der Krankenschwestern dies bemerkte, führte sie diese beiden Frauen an allen vorbei ins Untersuchungszimmer. Laut Cy sei die Krankenschwester von derselben Ethnie gewesen, wie die Patientinnen. Nicht nur Cy erzählte mir von solchen Begebenheiten. Zum Beispiel sei es allgemein bekannt, dass wenn man auf ein Amt ginge und man stelle fest, dass der zuständige Beamte dieselbe MS spräche, dann würde man in dieser Sprache mit dem Beamten weiterkommunizieren. Auf diese Art wolle man eine Solidarität aufbauen, die zu einer vorteilhafteren Abwicklung des Verlangens führen würde. Cy erklärte mir auch, dass wenn er z.B. mit mehreren Personen in einem Streitgespräch verwickelt sei, er diejenigen Anwesenden, die seiner eigenen Ethnie entstammten, seine Argumente in ihrer MS darlegte, um diese in der Auseinandersetzung auf seine Seite zu ziehen. Der Gebrauch der MS fordert in solchen Situationen die Solidarität der „eigenen“ Gruppe bzw. der Mitglieder der eigenen Ethnie in einem multiethnischen Kontext.

Positive und Negative Konzepte. Die meisten Informanten betrachten die Muttersprachen als Notwendigkeit, um mit ihren ländlichen Verwandten kommunizieren zu können. Fragen nach der Muttersprache wurden in der Regel wie folgt beantwortet, “It gives you a sense of closer friendship“ oder “So my mom speaking my tribal language will be a closer friend in certain instances than when speaking a different language” und "If I talk Gikuyu (…) I am a Gikuyu“ Die MS verweist auf die engere Zusammengehörigkeit ihrer Sprecher und auf ihren lokalen Charakter. Manchmal drückte sich während des Interviews Widersprüchlichkeit aus z.B., wenn die nationale Einheit Gegenstand der Ausführung war. So sagten Informanten „I’m proud of it [seine MS] , aber auch, „we already live in a civilized world – there are things we have to leave behind – ‘cause when we accepted to speaking English – another language like Kiswahili – it meant we have advanced to a level whereby we could apart our own mother tongue”. Die vielen Muttersprachen im multiethnischen Nairobi schließen regelmäßig Mitmenschen von der Kommunikation aus und ermöglichen den Missbrauch der Anrufung der ethnischen Solidarität. In manchen Fällen liegt die ethnische Identität mit der nationalen Identität in Konflikt und dies trifft dann auch auf die jeweiligen Sprachen zu und führt zu paradoxen Aussagen.

Gesellschaftlich. Es scheint, dass die Menschen in Nairobi sehr sorglos sind, was die Zukunft ihrer Muttersprachen anbelangt. Tatsächlich haben Schüler mir erzählt, dass ihre Eltern sie in den Ferien zu den Verwandten aufs Land schickten, wenn sie der Meinung waren, dass die Kompetenz der Kinder in der MS nicht ausreiche. Auf diese Art seien sie gezwungen die Muttersprache zu lernen. Auf meine Nachfrage in Sprachschulen in Nairobi wurde mir erklärt, dass die Nairobier sich ausschließlich für Fremdsprachen und für das Englische einschrieben. Die einzigen Kunden für Kurse in einer IS würden von Menschen besucht, die vorhätten aus beruflichen Gründen aufs Land zu ziehen und gezwungen seien in der dortigen IS mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Meine Recherche bezüglich der Frequenz der IS bei Passanten auf der Straße ergab ein sehr uneinheitliches Bild, aber ihr Gebrauch war in jedem Fall bei weitem keine Randerscheinung. An den Zeitungsständen in Nairobi stellte ich fest, dass es fünf Monatsschriften gibt, die in den zwei größten IS Gikuyu und Luo publizieren, von denen zwei kirchlich sind. Außerdem entdeckte ich ein Komikheft in der Luo Sprache und mehrere kleine Wörterbücher des Sheng unterschiedlichen Datums, die von zwei ehemaligen Studenten publiziert werden. Die Tendenz der Sprachentwicklung in Kenia wird einem Artikel des Daily Nation vom 06.03.2002 verdeutlicht, „... urbanization and lack of parental guidance (...). These are the biggest threat to diversity [der Sprachen] “. Aber alle meine Informanten verneinten eine Bedrohung der Muttersprachen in Kenia, wenn ich sie direkt auf diesen Punkt ansprach.

Kognition. Wenn ich nach der Bedeutung der Muttersprachen für den Informanten fragte, wurde in der Regel wie folgt geantwortet. … [they are] our local languages“. Tribalismus selbst wird allgemein als Plage, die vor allem in der Politik verbreitet ist beschrieben. Trotzdem macht anscheinend jeder sich die Vorteile der Ethnienzugehörigkeit zu nutze, wenn es notwendig erscheint. Folgende Aussage scheint eine Einstellung zu vertreten (die nicht mit dem tatsächlichen Verhalten der erwachsenen Menschen korrespondiert). Mir wurde von zwei Angehörigen der Elite erklärt, “There are people who think when you speak indigenous languages then you are being a tribalist”. Nur selten ergreift ein Mensch Privatinitiative, um seine MS zu fördern. Ich habe nur zwei solche Menschen kennen gelernt. Diese begründeten ihre Aktivitäten negativ. Ein Geistlicher und Publizist einer Monatszeitschrift in seiner MS erzählte, er wolle dadurch ein Zeichen setzen gegen die aus der Kolonialzeit stammende Meinung, dass der MS Gebrauch Tribalismus fördere. Der Buchautor, der in einem Kommitee zur Förderung seiner MS mitwirkt (Das einzige seiner Art) sagte, „Our position is that you can actually be very respectful of other cultures and other people even using your own language“. Bis vorwenigen Jahren war es an Schulen üblich die Schüler für den Gebrauch der MS zu bestrafen, indem diese einen bestimmten Knochen solange um den Hals tragen mussten, bis der nächste den Fehler beging seine Muttersprache zur Kommunikation einzusetzen. Der verhasste Knochen wanderte auf diese Art weiter und entblößte jeden Schuldigen. Viele Kinder und junge Menschen in Nairobi beherrschen die MS ihrer Eltern nur schlecht oder mit eingeschränktem Repertoire. Die Lehrerin interpretiert das Verhalten der jugendlichen Nairobier zu ihren MS folgendermaßen, "They take to fear like - what do you benefit from learning to speak your MS – by struggeling to speak correctly - there are no targetable benefits from MS speech”. Der Staat und das Bildungswesen vertreten mehrheitlich die Meinung, dass die moderne Nation auf eine internationale Sprache nicht verzichten könne und dass es unmöglich sei, eine Nation durch oder mit 42 Muttersprachen zu einen.

Ich führte insgesamt 18 verabredete Interviews mit 14 Personen. Das erste Interview fand fünf Tage nach meiner Ankunft statt und das Letzte zwei Wochen vor meiner Abreise nach 8 Wochen Aufenthalt. Am Anfang interessierte mich alles, was die Informanten zum Thema zu sagen hatten. Im Laufe der Zeit, in der ich inhaltlich mitarbeitete, wurde das Thema allerdings immer komplexer. Da ich irgendwann zu der Erkenntnis gekommen war, dass die linguistische Biographie einer Person ursächlich für die spätere unmarkierte Sprachwahl verantwortlich war, entwickelte ich die Idee den linguistischen Werdegang von drei Menschen stellvertretend für eine Möglichkeit der Verhaltensstruktur der Nairobier zu erheben. So veränderte sich zum Ende meines Aufenthaltes meine Konzeptualisierung für die Datenart, die ich erheben wollte zu strukturierten mündlichen Abfragen von Lebensbiographien.

Ich fertigte während der gesamten Zeit 62 Gedächtnisprotokolle über Gespräche und Beobachtungen an. Ich hatte schon recht früh eine grobe Übersicht über Konzeptualisierungen der einzelnen Sprachen. Das konkrete Verhalten der Informanten bezüglich ihrer Wahl einzelner Sprachen bereitete mir allerdings immer noch Probleme. Konnte ich Tendenzen für die unmarkierte Wahl einer Sprache in einem Gespräch erkennen, so drückte ein Informant in meinem letzten Interview den Kern eines größeren Problems aus, „Code switching is a way of life. No way to do without it“. Beim Sprachwechsel innerhalb eines Gesprächs mischen sich markierte und unmarkierte Wahl zu einem Code. Jeder, der sich mit Sprachen in Afrika beschäftigt hat, kennt dieses Phänomen, aber ich war nicht auf die Komplexität des Sachverhaltes vorbereitet gewesen. Auer P. (1998) typisiert das Switchen auf einem Kontinuum. Auf der einen Seite dieses Kontinuums transportiert der Sprachwechsel eines Sprechers innerhalb eines Gesprächs eine soziale oder eine Diskursorganisierende Bedeutung. Auf der anderen Seite ist ein multi- oder zweisprachiger Code eine lexikalische Obligation, die auch grammatische Veränderungen mit sich bringt. Dazwischen existiert ein Zustand, bei dem der Sprachwechsel keine Bedeutung transportiert und auch keine Regelhaftigkeit oder Vorhersagbarkeit zeigt. Auer nennt diesen Code fused lect. Meine Daten zeigten, dass die Informanten sowohl bewusst switchten, um eine pragmatische Bedeutung zu transportieren, als auch unbewusst switchten, ohne dass eine Funktion dieses Verhaltens erkennbar gewesen wäre. Und diese Vielschichtigkeit zeigte sich innerhalb eines Sprechers und unter Umständen innerhalb eines Gesprächs. Es schien zwar, dass viele Informanten dachten, dass ein switchen nicht der korrekte Sprachgebrauch sei und dass sie in bestimmten Situationen nicht switchten, so z.B. mit Lehrern oder an Gerichten. Dass sie das Switchen ansonsten aber auch nicht abstellen konnten oder wollten. Dieses heterogene Verhalten erschwert die Interpretation von Daten.

Das Problem lässt sich verdeutlichen, wenn ich versuche mit meinen Erkenntnissen die Begegnungen in „Ein Tag in Nairobi“ zu analysieren:

- In der ersten Situation wurde das Sheng eindeutig als Erkennungssignal einer In-gruppe verwendet.
- Der Schuhputzer in der zweiten Situation benutzte die IS offensichtlich als Geheimsprache. Diese Möglichkeit des IS Gebrauchs war mir sonst weder begegnet, noch von Informanten artikuliert worden.
- In der dritten Situation ist unklar, warum der erste Beamte mit dem Besucher auf Kiswahili kommunizierte. Vielleicht beherrschte dieser das Englische nicht. Oder war das Kiswahili unbewusst eingesetzt worden? Oder gab es einen völlig anderen Grund für diese Sprachwahl auf einem Amt?
- In der vierten Situation im Registrierungsbüro, kann man nur noch Vermutungen über das Warum der MS anstellen. Ging es um das Repertoire des Besuchers? Wollte der Beamte die beschädigte Solidarität mit einem Mitglied seiner eigenen Ethnie reparieren? Benutzte der Beamte die MS als Geheimsprache, um eine Schmiergeldforderung weiter zu geben?

Zum Ende meines Aufenthaltes verstand ich, dass eine Forschung die genaue Erklärung der Umstände eines jeden einzelnen Gesprächs erforderte, wollte sie valide Ergebnisse erzielen. Ich verließ Nairobi mit der Erkenntnis, dass meine explorative Feldforschung an diesem Punkt aufhören müsste und, dass eine intensive Datenerhebung in wesentlich größerem und Umfang und Dauer die einzige Möglichkeit sei, um einige dieser Angewohnheiten des Switchens abstrahieren zu können. Darüber hinaus müsste ich solange im Feld bleiben, bis ich Verhaltensweisen genauso selbstverständlich verstand wie ein Nairobier, über die dieser aber kaum ein Bewusstsein hatte.

4.2. Schriftliche Datenerhebung; Fragebögen und Diarys

Ich hatte in Hamburg schon den Plan gefasst Fragebögen zu verteilen, um eine größere Menge an Vergleichsdaten zu bekommen. Nach einer Woche bis zehn Tagen meines Aufenthaltes konnte ich einen ersten Fragebogen entwerfen, da ich jetzt wusste, was ich fragen wollte. Ich wollte gewisse Aussagen, die Informanten in den Interviews gemacht hatten und einige der von mir aufgestellten Hypothesen überprüfen. Außerdem wollte ich etwas erfahren über die Situationen, die ich nicht beobachten konnte. Dies betraf vor allem Gespräche innerhalb der Familie und zwischen Freunden. Ich beschloss eine Aktion mit strukturierten Fragebögen unter Schülern durchzuführen, um einen intimeren und umfänglicheren statistischen Einblick in das sprachliche Verhalten zu gewinnen. Mein erstes Anliegen war festzustellen, welche Sprache die Schüler für sich bevorzugen würden. Also entwarf ich einen Fragekatalog in englischer Sprache und ging mit diesem in eines der vielen Schreibarbeitenbüros der Stadt. Ich bat die dortige Schreibkraft eine englische Version und eine Version auf Kiswahili meines Fragebogens abzutippen. Ich nutzte dabei mein Wissen, dass jeder Nairobier das Kiswahili beherrschen würde. Mit jeweils 50 Bögen pro Sprache besuchte ich dann eine secondary school, die ich in unmittelbarer Nachbarschaft meines Hotels gesehen hatte. Nachdem ich einer der Lehrkräfte mein Anliegen erklärt hatte, lud dieser mich ein, meinen Wunsch sofort in die Tat umzusetzen, da die Schulklassen alle noch anwesend seien. Der Lehrer war begeistert, hatte ich mich doch bereit erklärt eine kleine Aufwandsentschädigung für ihn bereit zu halten. Auch hatte ich 100 Kugelschreiber für die Schüler bei mir, die wir zusammen mit den Fragebögen an die Schüler verteilten. Kurz vor Schulschluss desselben Tages holte er mich aus dem Lehrerzimmer ab und stellte mich in einem Englisch-Kiswahili-Mix zwei form I Klassen (entsprechend der 9. Klasse) als Studentin aus Deutschland vor, die eine Feldforschung in Nairobi betrieb. Nun wollte ich sehen, wie viele Schüler sich für die englischen Bögen entschieden und wie viele für die Bögen auf Kiswahili. Der Lehrer hatte die einen Bögen bei sich und ich die anderen. Jetzt fragte ich die Schüler, welche Sprache sie für ihre Bögen bevorzugten und fing an diese zu verteilen. Der Lehrer tat dasselbe mit seinen. Anschließend verließen wir diese Klasse und gingen zur benachbarte form II. Dort wiederholte sich der Vorgang mit der einzigen Ausnahme, dass ich nicht mehr genug Bögen auf Kiswahili zur Verfügung hatte, hatten sich doch schätzungsweise dreiviertel aller Schüler der form I für diese Sprache entschieden. Der Lehrer, der die englischen Bögen verteilte, handelte sehr schnell und verteilte seine Bögen an diejenigen Schüler, die keine von meinen mehr abbekommen hatten. Damit war eine wissenschaftliche, empirische Analyse der sprachlichen Präferenzen der Schüler hinfällig geworden. Die Schüler waren sehr offen und hilfsbereit und füllten alle Fragen aus, während der Lehrer und ich jeweils in den anderen Klassen beschäftigt waren. Ich hatte keine Angst, dass gegenseitige Absprachen die Antworten beeinflussen würden, da mir dies bei der strukturell gehaltenen Fragestellung unwahrscheinlich erschien.. Der gesamte Vorgang dauerte keine Stunde und ich verließ die Schule mit 91 ausgefüllten Fragebögen und insgesamt dem glücklichen Gefühl, dass diese Erhebungsmethode auch ohne Kenntnis einer Kontaktperson oder Institution durchführbar war. Ich prüfte abends die Fragebögen auf die formelle Korrektheit der Antworten und stellte fest, dass die älteren Schüler meinem Layout wesentlich besser gewachsen waren, als die form I Schüler. Also entschied ich mich für die form II als weitere Zielgruppe, deren Verhalten ich untersuchen wollte. Da meine Feldforschung auf einer Zufallsstichprobe basieren musste, wollte ich dieselben Fragebögen an zwei weiteren ausgewählten Schulen, unter Studenten und unter arbeitenden Bürgern verteilen. Auf diese Weise sollten Kontrolldaten und Vergleichsdaten entstehen. Nun war mein Feldaufenthalt in den Sommer gefallen und die Schulferien begannen direkt nachdem ich die erste Schule besucht hatte. Zunächst richtete sich mein Ziel allerdings auf die Kenyatta University. Durch meine häufige Anwesenheit in der ersten Zeit meines Feldaufenthaltes hatte ich dort die jungen Friseusinnen des Campus eigenen Frisiersalons kennengelernt und beauftragte diese 40 meiner Fragebögen von Studenten ausfüllen zu lassen. Ich hatte das Vertrauen gewonnen, dass diese mich nicht mit fingierten Antworten betrügen würden und die Handschriften des vollständigen Rücklaufs bestätigten das Vertrauen. Später bemühte ich für die Gruppe der Berufstätigen, die ich erheben wollte, nochmals die Friseusinnen. Diese ließen die Bögen in ihrem Bekanntenkreis ausfüllen. Zunächst machte ich aber eine ca. dreiwöchige Pause in der schriftlichen Datenerhebung. In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit Recherchearbeit. Schließlich trieb mich die Sorge, dass die letzte Woche meines Aufenthaltes in Nairobi, in der die Schulferien vorbei sein würden, nicht ausreichen würden, um an weiteren zwei Schulen Daten zu erheben. Ich ging schon Ende August in einen zufälligen Stadtteil in die lokale secondary school. Zum Glück besuchten viele Schüler Ferienkurse an den Schulen. Ob die Validität der Daten an der zweiten Schule unter diesen Umständen (der Abwesenheit einiger Schüler) beeinträchtigt sein würde bleibt bis zum heutigen Tag ungeklärt[14]. Nachdem ich einem anwesenden Lehrer meinen Wunsch vorgetragen hatte, ergriff ich die Gelegenheit an dieser Schule unter 27 anwesenden Schülern der unteren Einkommensschicht meine Fragebögen zu verteilen. In diesem Fall war ich während der Beantwortungszeit in der Klasse anwesend und hatte mich auch selbst vorgestellt. Wie sich zeigte, hatte dieser Umstand keinen Einfluß auf die Datenerhebung. Als die Schulferien vorbei waren, besuchte ich die letzte Schule in meinem Plan. Diese sollte von Schülern der oberen Einkommensschichten besucht sein. Dazu ging ich in die örtliche secondary school eines ökonomisch besser gestellten Stadtteils. Dieses Mal war das einzige Mal, dass mir die Genehmigung zur Verteilung der Fragebögen vom Direktor untersagt blieb, weil ich keine Forschungsgenehmigung vorweisen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war mein Forschungsaufenthalt allerdings schon fast beendet und ich unterließ diese letzte Aktion.

Ich hatte vor Ort die Fragen des Fragebogens verfaßt und eine übersichtliche Formatierung vorgenommen. Zunächst schien das Computerprogramm im Schreibarbeitenbüro keine Kästchen zum Ankreuzen zeichnen zu können und ich mußte mich mit Leerzeichen begnügen. Ich hatte in der ersten Frage die Schüler aufgefordert alle Sprachen, die sie sprechen aufzulisten. Dafür hatte ich 6 Zeilen freigehalten, wobei die Schüler ihre Kompetenz für jede der Sprachen auf einer dreigliedrigen Skala auf derselben Zeile vermerken sollten. Sehr viele Schüler der form I hielten sich nicht an diese Formatierung. Diese brachten mehrere Sprachen in einer Zeile unter, so dass eine Interpretation der Rangfolgen für Sprachen nicht mehr durchführbar war oder vergaßen ihre Kompetenzen in den Sprachen zu markieren. Auch stellte ich fest, dass sehr viele Schüler bis zu zehn und zwölf Sprachen beherrschten, was mir unwahrscheinlich schien. In der zweiten Frage sollten die Schüler ihr häufigstes Kommunikationsmedium mit verschiedenen Personen und an verschiedenen Orten aufschreiben. Bei dieser Frage schienen sich die Antworten bei einigen Informanten zu wiedersprechen bzw. die von mir getroffene Auswahl der Vorgaben waren nicht detailliert genug und provozierten diese Wiedersprüche. Einige Fragen wurden vereinzelt von Informanten nicht ausgefüllt. Auffällig war, dass bei den 27 Fragebögen der Berufstätigen Gruppe die Frage nach dem Beruf, die häufigste war, die unbeantwortet blieb. Ich hatte leider keine Möglichkeit die Gründe hierfür aufzuklären.

Ermutigt von dem Erfolg der Fragebogenaktion, beschloss ich meinen Plan, sogenannte Diarys von Informanten anfertigen zu lassen, demselben Lehrer an der ersten Schule anzuvertrauen. Ich übergab dem Lehrer 17 vorformatierte Bögen, auf denen von ihm ausgesuchte und verlässliche Schüler in den nächsten zwei Tagen, nach der Schule, ihre Gesprächespartner nebst Topik und Kommunikationssprache protokollieren sollten. Da diese Aufgabe ein gewisses Engagement und Zeitaufwand verlangte, verabredete ich, dass ich sauber ausgefüllte Rückläufe durch Geld entschädigen würde. Als ich zwei Tage später die Bögen abholen wollte, waren nur 15 zurückgekommen, aber der Lehrer versicherte mir, dass die anderen beiden am nächste Tag auch bereit sein würden. Ich entschied, dass die Protokollierungszeit keine Signifikanz für die Daten hätten und hatte schließlich 17 (hoffentlich) gewissenhaft ausgefüllte Diarys in der Hand. Mit diesen wollte ich die Unabhängigen Variablen der jeweiligen Sprachwahl feststellen. Ich wertete die schriftlich erhobenen Daten teils noch in Nairobi aus. Zum Zeitpunkt der Erhebung der Diarys, war ich noch der Überzeugung, dass sich eine gewisse Homogenität in der Sprachwahl der Informanten anhand von in der wissenschaftlichen Literatur aufgestellten Merkmalen (in Anlehnung an Hymes (1977) u.a.; Beziehung der Interlukanten, Topik, Kontext) heraus kristallisieren würde. Ich hatte den Fehler begangen, vor dem Prof.Dr,Lang mich gewarnt hatte, nämlich bestimmte Variablen auf zustellen und abzufragen. Die erste Analyse, die ich in den nächsten Tagen machte, ergab, dass die Diarys kaum diese eine Forschungsfrage klären konnte, nämlich Entscheidungsfaktoren in der Sprachwahl. Wenn überhaupt Aussagen möglich waren, waren diese nur sehr tendenziell und bruchstückhaft erkennbar, ohne Ursache für das Verhalten aufzuzeigen. Ich hatte offensichtlich nicht die korrekten Unabhängigen Variablen abgefragt. Die Diarys haben also nicht die erwünschten Daten geliefert, aber sie zeigen die tatsächliche Frequenz für den Einsatz einzelner Sprachen im Alltag.

Dasselbe Problem trifft teilweise auch auf den Fragebogen zu. Ich war bei der ersten Schule anhand der Interviews inhaltlich noch nicht soweit fortgeschritten, wie im Kapitel 4.1. dargestellt. Die Ethnie und das Geschlecht der Informanten waren auch nicht signifikant bezüglich der Sprachen. Ohne signifikante Variablen konnte ich keine korrekte Dichotomie im Sprachverhalten aufstellen. Die Fragebögen für die zweite Schule hatte ich schon um die Frage nach dem Aufenthaltsort während der Kindheit erweitert. Aber erst zum Ende meines Aufenthaltes wusste ich, dass ich individuelle biographische Daten in noch viel detaillierterer Form hätte erfragen müssen, um unabhängige Variablen im Sprachverhalten generieren zu können. Außerdem zeigte ein Vergleich der Angaben in den Fragebögen mit den Protokollen in den Diarys, dass Selbsteinschätzung der Informanten und die in den Diarys protokollierten Sprachen auseinander wichen. In einer natürlichen Sprechsituation ist die konkrete Wahl der Sprache(n) sowohl von markierten, als auch von unmarkierten Gewohnheiten gekennzeichnet. Der Fragebogen könnte den Einsatz der Sprachen zeigen, aber nicht das davon divergierende Verhalten, welches sich in Diarys zeigen würde. An der ersten Schule hatte ich von dem Lehrer erbeten mit einigen Schülern über ihr sprachliches Verhalten eine Gruppendiskussion führen zu können. Es zeigte sich, dass auch die Schüler sich ihres uneinheitlichen Verhaltens, wie ich es zuvor in ihren Diarys analysiert hatte, kaum bewusst waren. Ich stellte allerdings fest, dass statistische Angaben eine Unmenge anderer Fragen beantworten können, durch quantitative Analysen der Kompetenzen und Präferenzen.

An der zweiten Schule bat ich erfolgreich um ein strukturiertes Interview mit zwei interessierten Schülern, mit denen ich auch für die Übersetzung von unter ihnen erhobenen Shengsätzen zusammen arbeiteten würde, wie ich es schon an der ersten Schule getan hatte. Dadurch wollte ich mir ein Bild von den Ansichten der Schüler machen. An der ersten Schule hatte ich den Lehrer gefragt, ob er mich einem Schüler vorstellen könnte, der eine gute Kompetenz im Sheng besäße. Der Lehrer bot sich sofort selbst an. Im Gespräch zeigte sich allerdings schnell, dass er selber in diesem Code nicht sehr geläufig war, denn er mußte einen Schüler herbeirufen, um sich der korrekten Übersetzung einiger zufällig ausgesuchter Beispiele zu versichern. Ich überbrückte die peinliche Situation und hatte gleichzeitig einen Schüler gefunden, der diese Arbeit gemeinsam mit mir machen würde. Nach der ersten zweistündigen Sitzung wurde klar, dass diese Arbeit noch mindestens sechs bis sieben weiterer Sitzungen bedürfen würde und ich versprach der Zusammenkünfte die Form eines temporären Jobs zu geben. Nach weiteren drei Sitzungen, die ich jeweils bei Vollendung entgalt, bat dieser Mitarbeiter und gleichzeitiger Informant einen Vorschuss von 1000 Schilling (ca. 10 Euro) von mir, da er einen Besuch bei seinen Verwandten auf dem Land machen wollte. Obwohl ich aus früheren Reisen die Angewohnheit hatte auf solche Verlangen nicht einzugehen, hatte ich dieses Mal Vertrauen zu dem sehr sympathischen Schüler gefasst, welches dadurch verstärkt wurde, dass ich seine Schule und seine häusliche Telefonnummer kannte. Er konnte mir ja nicht „entwischen“. Aber dies war genau, was er dann tat. Er blieb auf dem Land bei seinen Verwandten, wie mir ein Mitglied seiner Familie regelmäßig erklärte, wenn ich Woche um Woche auf seine Rückkehr wartete. Eine alte Reiseerfahrung hatte sich wieder bestätigt, niemals im Voraus zu bezahlen. An der zweiten Schule konnte ich die Zusammenarbeit problemlos innerhalb von zwei Sitzungen durchführen. Ich war insgesamt sehr angetan von der Arbeit mit Schülern. Dies schien ein recht problemloser Ort der Datenerhebung zu sein und in Gedanken fragte ich mich, ob eine umfangreiche Datenerhebung in Wohnvierteln oder an Arbeitsstätten und Kasernen genauso verlaufen würde.

4.3. Experimente: mached-guise und Sprachproben

Das Problem Sprechergruppen zu generieren, beschäftigte mich während meines gesamten Aufenthaltes. Wenn, wie es schien, verschiedene Sprechergruppen in Nairobi existierten, die sich durch ihr unmarkiertes Sprachverhalten auszeichneten, so vermutete ich, müsste dieses Verhalten als Konzept oder Stereotype in Bewusstsein der Menschen vorhanden sein. Dies wäre in gewisser Weise gleichzeitig eine Kontrolle und Validierung meiner Verallgemeinerung der Sprechergruppen und ihrem Sprachverhalten, wie in 4.1. dargestellt. Zum Ende meiner Feldforschung beschloss ich das Bewusstsein über Stereotypen zu testen. Mich interessierten die Konzepte bezüglich des Faktors Sprachwahl und ihre Einsatzfrequenz bei einzelnen Sprechern. In Anlehnung an die Idee der mached-guise Methode aus der Dialektologieforschung, entwarf ich 4 verschiedene Sprechertypen, die dem Sprachverhalten realer Informanten entsprachen, die ich kennengelernt hatte. Ich fügte zur Kontrolle zwei Doppelgänger ein und zwei nach meiner Kenntnis nicht existierende Typen. Die Informanten sollten also insgesamt 8 Personen durch ihr Sprachverhalten einordnen. Ich hatte mir Gedanken über die Reliabilität der Versuchsanordnung gemacht. Eine Anordnung mit Tonbandaufnahmen nach der Originalmethode war nicht möglich, weil die Merkmale der einzelnen Typen sich an Sprachwahl an Orten und gegenüber Personen explizierten. Auch wollte ich keine Beeinflussung der Informanten durch Kenntnis des Sprachstils oder des Alters des Sprechers auslösen. Wenn ich die Beschreibungen der Typen den Informanten schriftlich vorlegte, riskierte ich, dass die Informanten ihre Antworten nicht ad hoc niederschrieben. Ich wollte aber das latente oder manifeste Alltagsbewusstsein der Informanten bezüglich Stereotypen evaluieren. Also hielt ich die 8 Typen schriftlich fest und las die Merkmalsbündel, die das Verhalten kennzeichnete, den Versuchspersonen nacheinander vor, wobei diese immer spontan antworten sollten. Ich führte den Test jeweils mit Cy, mit zwei Schülern und mit einer weiteren Informantin durch. Das Ergebnis war in gewisser Weise überraschend. Die Schüler konnten zunächst das Versuchskonzept nicht verstehen und sahen mich nur ratlos an ohne zu wissen, was sie antworten sollten. War dies schon ein Ergebnis? Existierten keine Stereotypen von Sprachpräferenzen in der Kognition der Informanten? Ich sah mich bei den Schülern gezwungen Antwortbeispiele vorzugeben, indem ich erklärte ich hätte gerne gewusst, welchen Beruf oder welches Alter oder Ähnliches die Typen wohl nach ihrer Ansicht innehatten. Daraufhin bekam ich 8 Antworten, wobei diese untereinander nicht harmonierten. Einige Antworten bezeichneten Berufsgruppen, andere Charaktereigenschaften des Sprechers und wieder andere die Herkunft des Sprechers. Dieselbe Versuchsanordnung brachte bei Cy 8 Personen hervor, die sich durch Charaktereigenschaften unterschieden. Und bei dem dritten Versuch bekam ich von der Informantin verschiedene Ethnien bzw. Herkünfte und Berufe als Beschreibung der jeweiligen Typen. Nur eine einzige Stereotype war bei allen drei Tests zutage getreten. Dies waren Lehrer, von denen angenommen wurde, sie sprächen überwiegend Englisch, auch wenn sich die Informanten nicht darüber einig waren, wie weit das Englische in der Sprachwahl dieser Gruppe überwog. Nur die dritte Informantin erklärte die Nichtexistenz eines der von mir vorgegebenen Typus, ausgerechnet bei einem Merkmalbündel, welches einen meiner anderen Informanten kennzeichnete. Ich beließ die Interpretation des Experiments bei der Erkenntnis, dass ein detaillierterer und umfangreicherer Versuch wohl spannende Anhaltspunkte bezüglich der verschiedenen kognitiven Kategorisierung von Sprechern bei verschiedenen Informanten zu Tage brächte, aber keine gesellschaftlichen Stereotypen, die sich durch Sprachwahl auszeichneten. In Nairobi werden vor allem Funktionen mit einer für sie typischen Sprache verortet (siehe 4.1. Reichweite > Kognition). Meine Hypothese diesbezüglich ist, dass der gleichzeitige Gebrauch von Sprachen in unmarkierter Wahl zu komplex ist, als dass sich zu diesem Zeitpunkt in der linguistischen Geschichte Nairobis Stereotypen von Sprechergruppen im Bewusstsein der Menschen herausgebildet hätten. Dies wiederspricht allerdings den Aussagen in den Interviews, vor allem wenn es um Sprecher des Sheng und des Englischen geht. Dort wurden Sprachen oft durch das Bildungsniveau, gekoppelt mit sozioökonomischen Status, und Berufe ihrer Sprecher, wie Politiker, Sammeltaxifahrer, Schüler u.s.w. kategorisiert.

An dem Punkt meiner Feldforschung, an dem mich das Switchen innerhalb eines Gesprächs vermehrt beschäftigte (s.o.), hatte ich beschlossen Sprachproben von Informantengesprächen zu machen. Ich wollte einen Eindruck vom Umfang des unbewussten Switchens bekommen einerseits und die Möglichkeiten dieser Methode ausnutzen andererseits, da meine Beobachtungen von den im Kapitel IV.1. beschriebenen Problemen eingeschränkt waren. Ich bat die Schüler an der ersten Schule, die ich besucht hatte, eine zehnminütige Diskussion auf Kiswahili aufnehmen zu dürfen. Dasselbe Anliegen brachte ich den Friseusinnen der Kenyatta University vor. Ich gab die Themen „Probleme mit Eltern“ und „Freizeitmöglichkeiten in Nairobi für die Jugend“ vor, um eine Topikabhängigkeit in der Performanz kontrollieren zu können. Diese Themenwahl sollte zudem spannend und unverfänglich für die Informanten sein. Ich hatte die Friseusinnen den Zeitpunkt und den Ort für die Aufnahme bestimmen lassen, und so saßen wir eines nachmittags vor dem Laden auf einer Bank, während eines der Mädchen das Aufnahmegerät in der Hand hielt. Die Aufnahme litt an der Unnatürlichkeit der Situation und der Beklemmung der Informanten, was keine von uns vorher in Betracht gezogen hatte. Der Einfluß anderer Zuschauer führte dazu, dass eine der Friseusinnen sich sehr schnell nicht mehr am Gespräch beteiligte und dass die Andere ihre Sprache bewusst kontrollierte. Bei den Schülern gestaltete sich das Problem eher technisch. Ich wollte, dass nach der angesetzten Diskussion zwei bis drei Schüler etwas länger blieben, um noch im Klassenraum die Aufnahme machen zu können. Es blieben aber alle Schüler anwesend. Plötzlich beteiligten sich einige der Zuschauer an der Diskussion. So konnte ich in dem schnellen Wortwechsel die Reihenfolge der Sprecher nicht mehr festhalten und die Aufnahme wurde außerdem streckenweise unverständlich. Ich stellte später fest, dass die Häufigkeit englischer Worte sich bei den Schülern mit dem Diskussionsthema änderte. Bei der Friseusin entdeckte ich einige Shengausdrücke, die in ihrer Rede eingeflochten waren. Allerdings genügten diese beiden Versuche keinem wissenschaftlichen Anspruch an Reliabilität. Ich gewann trotzdem die Überzeugung, dass eine längerfristige, wissenschaftliche Anordnung aussagefähiges Sprachmaterial im Sinne von Auers fused lect hervorbringen würde.

4. 4. Zusammenfassung

Am letzten Tag meines Feldforschungsaufenthaltes wartete ich in down town Nairobi am Busstand auf die Abfahrt des Reisebusses. Rechts von mir standen einige Straßenkinder herum und teilten sich ein Kaugummi. Ein Stück weiter standen Besucher einer Diskothek vor dem Eingang derselben und lauschten der schallenden Musik. Links von mir warteten andere Passagiere auf den Bus und unterhielten sich. Auf der Straße sah man vorbeieilende Passanten und Fahrzeuge. Ich hatte mich auf einem Vorsprung nieder gesetzt und rauchte eine Zigarette, währen ich die Heterogenität der Szene beobachtete. Was hatte ich währen dieses Aufenthaltes gelernt?

Ich hatte etwas über

- Meinungen und Verhalten der Nairobier,
- Ausbreitung der einzelnen Sprachen in der Gesellschaft
- Die Geschwindigkeit des Erlernens einer fremden Kultur
- Methodische Verfahren in der Praxis

erfahren. Ich verließ Nairobi mit dem befriedigenden Gefühl, dass sich genügend Daten in meinem Gepäck befinden, so dass ich nicht würde alle inhaltlichen Aspekte auswerten können. Und, dass zehn Tage Urlaub in Mombasa auf mich warteten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Which language(s) do you use most?

(a) With your parents:
(b)With your sisters and brothers:
(c) With your friends:
(d) at school:
(e) after school:

3. Which radio station do you prefer to listen to?

4. Which TV channel do you prefer to watch to?

5. Do you speak sheng? With whom?

6. How do you see sheng? Do your parents speak it?

7. Which language do you like most? Why?

8. Which language do you want that your children speak it?

2. Diary:

Name: Age: Ethnic: Mother-tongue:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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[...]


[1] Siehe maßgebliche Vertreter wie Labov (1970, `78) für die Analyse von Sprache in ihrem sozialen Kontext oder die Arbeiten von Gumperz (1978, `80) über die soziale Verwendung von Sprache in Sprechakten.

[2] Dies impliziert ein gemeinsames Wissen und Konsens der Sprecher über „korrektes“ Sprachverhalten Goodenough (1957).

[3] Der Problematik eine Gesellschaft als unabhängiges isoliertes Element zu betrachten stellt sich diese Arbeit nicht.

[4] Performanz meint hier konkretes, individuelles Sprachverhalten in Anlehnung an Chomsky (1965) [Bussmann 1990:396:567)

[5] Siehe Hymes (1977) für individuelle und Haarmann (1986) für plurale, unabhängige Variablen.

[6] Dem Problem die Objektivität von Ethnologie und Wissenschaft zu diskutieren stellt sich diese Arbeit nicht.

[7] Diese Arbeit nimmt keine Stellung zur Behaviorismus (Skinner 1957) – Mentalismus (Chomsky 1965)–Debatte in den Sprachwissenschaften (s. Musau 1993:17-20).

[8] Für Musterexemplare siehe Anhang.

[9] Tatsächlich haben alle folgenden Beobachtungen an verschiedenen Tagen stattgefunden und wurden von mir in Form von Gedächtnisprotokollen festgehalten .

[10] Eine swahilisprachige Zusammensetzung aus dem Klassenpräfix für Sprachen ki- und dem Wort für Weiße m-zungu.

[11] Dieser Umstand führte nur einmal zu der Verweigerung meines Anliegens, aber ich erkannte, dass breiter angelegte Befragungen eine solche Genehmigung unerlässlich machen würden.

[12] Es wurde auch im weiteren Verlauf nicht deutlich, ob der Informant sich selbst zur Oberschicht dazu rechnete oder nicht.

[13] Die Frage der ethnischen Identität soll hier nicht diskutiert werden, da eine eins zu eins Übersetzung mit dem Sprachgebrauch nicht möglich ist. Formation, Präferenz, Missbrauch und Loyalität von (multipler) Identität sind Stichworte in diesem Zusammenhang.

[14] Waren hauptsächlich Schüler mit intensiver Bindung zum ländlichen Kenia abwesend?

43 von 43 Seiten

Details

Titel
Sprachkultur in Nairobi
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Feldforschungspraktikum
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
43
Katalognummer
V109626
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Erfahrungsbericht und fachspezifische Ergebnisse
Schlagworte
Sprachkultur, Nairobi, Feldforschungspraktikum
Arbeit zitieren
Schirin Agha-Mohamad-Beigui (Autor), 2004, Sprachkultur in Nairobi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109626

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