Sophokles - Antigone - Das erste Gespräch zwischen Kreon und Antigone


Referat / Aufsatz (Schule), 2005
5 Seiten, Note: 1+

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Thema: Macht und Menschlichkeit

Text: Sophokles` „Antigone“

Aufgabe: Vers 401- 525

Interpretieren Sie die Szene unter besonderer Berücksichtigung der Dialogführung!

Ordnen Sie die Szene in die Dramenstruktur ein!

Im antiken Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. Hat Perikles, ein führender Demokrat der damaligen Zeit, die Volksversammlung in Athen eingeführt und die Polis zur wirtschaftlichen und kulturellen Blüte gebracht. Das Theater war ein für das Volk sehr wichtiger Teil der Kultur, der es ermöglichte, aus dem Normalen, dem Alltag auszubrechen. Es galt zudem als Götterkult, denn die Sagen um die Götter der Griechen waren wesentlicher Bestandteil der Stücke, die dort aufgeführt wurden. Einige der bekanntesten Stücke stammen von Sophokles, der viele Götterschicksale darin aufgriff und die politische Machtlosigkeit der Frauen stark kritisierte. In seinem Werk „Antigone“ kommt dies stark zum Ausdruck, was man an den Versen 401 bis 525, dem ersten Gespräch der beiden Hauptfiguren, sehr gut feststellen kann.

Die Verse 401 bis 525 sind in dem Drama in das zweite Epeisodion einzuordnen. Sie sind der Teil der Tragödie , in dem das Problem der Geschichte klar manifestiert wird. Beide Parteien- Kreon und Antigone- bringen ihre Standpunkte und Motive stark zum Ausdruck und es entwickelt sich ein Streitgespräch, bei dem keiner nachgeben will. Später im Verlauf der Geschichte folgt ein weiteres Gespräch zwischen den beiden Figuren, das den Höhepunkt bildet, weil dort die letzte Möglichkeit besteht, dass einer von ihnen nachgibt.

Diese Szene beginnt mit einem Dialog zwischen dem Wächter und Kreon. Der Wächter hat Antigone, die „Täterin“ überführt und zu ihm gebracht, wie er es verlangte. An Kreons Fragestellung wird deutlich, dass er zunächst hofft, dass es um etwas anderes geht als die Bestattung, die er auf Todesstrafe verboten hatte „Wobei hast du sie denn erwischt, und wie?“(Z. 401). Der Wächter, ganz erleichtert, dass er selbst einer Strafe entgangen ist und nur seine „Beute“ abliefern will, antwortet mit knappen Worten, um schnell wieder entlassen zu werden: „Sie war`s, die ihn begrub. Nun weißt du alles.“(Z. 402).

Kreon hingegen ist mit der Antwort nicht zufrieden und hakt weiter nach. Er scheint der Sache nicht ganz zu trauen. Der Wächter gibt wieder eine kurze Antwort, beginnt aber, weil er dazu aufgefordert wird, das ganze Geschehen genauestens zu schildern, um Kreon so mit den Informationen sättigen zu können, dass jener keine Fragen mehr hat und ihn entlassen würde.

Der Wächter gibt wieder, dass er auf Kreons Drohung hin mit seinen Partnern zum Grab gegangen sei und Polyneikes freigelegt habe. Sie setzten sich auf den Hügelrand und bewachten das Grab. Sie warteten bis Mittag „Das ging so lange, bis das Feuerrad der Sonne in des Äthers Mitte stand mit schwüler Glut.“(Z. 415ff.). Er erzählt sogar von einem Wind, der aufkam und ihnen Gottesfurcht einjagte, da er überraschend und heftig kam „ Da hebt auf einmal sich ein Wirbelsturm vom Boden, o Himmelsgraus!“(Z. 417f.).

Dann sahen sie Antigone, die tief um ihren Bruder trauerte und klagte, weil das Grab zerstört worden war. Der Wächter beschreibt nun, wie sie versucht, die Totenstätte wieder herzurichten, was Beweis genug dafür war, dass sie die Tat begangen hatte. Daraufhin wurde Antigone gefangen genommen „Wir sehen`s, stürzen hin und fangen sie im Nu-...“(Z. 432 f.). Antigone schien weder ängstlich, noch leugnete sie die Taten(dies war schon die zweite Bestattung, die sie ausgeführt hatte).

Der Wächter fügt überraschenderweise noch hinzu, was er diesbezüglich empfindet. Er ist ein Egoist, er gibt zu, dass ihm sein Leben wichtiger ist als alles andere und dass er im Grunde kein Mitleid mit dem Mädchen hat. Er ist nur froh, selbst der Strafe entkommen zu sein und damit nichts mehr zu schaffen zu haben, alles andere ist bei ihm nur „Drum- herum- Gerede“ „Das war mir lieb und war mir leid zugleich, denn selbst der Not entronnen sein macht Freude, und die ins Unglück bringen, die man gern hat, ist traurig. Doch das alles nehme ich natürlich nicht so wichtig wie mein Leben.“(Z. 436- 440).

Damit wendet sich Kreon an Antigone, die nach unten schaut, und fragt sie, ob das alles stimmt. Sie bejaht es.

Kreon ist mit dem Wächter zufrieden und lässt ihn gehen. In der Hoffnung, dass Antigone sich seinem Verbot nicht bewusst widersetzt hat, fragt er sie, ob sie denn davon wusste. Sie gibt es ohne Umschweife zu „Ich wusste es, allerdings, es war doch klar!“(Z.448).

Kreon wundert sich, dass sie es trotzdem getan hat und Antigone versucht ihm ihr Motiv zu erklären. Sie beginnt damit, zuzugeben, dass sie in jedem Fall die Gesetze der Götter befolgt und dumm findet, dass der Mensch sich anmaßt, mit seinen eigenen Gesetzen die der Götter zu entkräften oder zu übertrumpfen. Die gottgegebenen Gesetze gelten immer und verändern sich nie „So groß schien dein Befehl mir nicht, der sterbliche, dass er die ungeschriebenen Gottgebote, die wandellosen, konnte übertreffen.“(Z. 452- 455). Damit meint Antigone das uralte Recht der Sippe, Angehörige nach dem Tod zu bestatten, egal, was für Menschen sie waren. Es zählte nur, dass sie zur Familie gehörten. Kreon hat durch sein Verbot diese Tradition und damit auch die Götter bzw. die Religion verletzt. Für Antigone ist seine Denkweise in dieser Hinsicht unverständlich.

Antigone sagt, dass sie von ihrem Leben sowieso nichts mehr erwarten kann, deshalb sei es wohl besser für sie, wenn sie früher stirbt als auf natürliche Weise „Wes Leben voller Unheil ist, wie meines, trägt der nicht, wenn er stirbt, Gewinn davon?“(Z.463f.). Dadurch spielt sie auf ihre Familie an, die, bis auf Ismene, verstorben ist- auf tragische Weise. Ihr schwacher Trost ist, dass sie ihre Geliebten im Hades wiedersehen wird. Dabei nimmt sie keinerlei Rücksicht auf ihre noch lebende Familie: Ismene und ihr Verlobter Haimon. Antigone glaubt, dass ihr nur jemand verzeihen kann, dass sie die Tat begangen hat, der auch so denkt wie sie. Kreon ist dazu anscheinend nicht in der Lage „Mag ich nun auch eine Törin scheinen- vielleicht zeiht mich der Torheit nur ein Tor.“(Z. 469f.). Antigone erwartet auch gar nicht, dass Kreon ihr vergeben wird und sie versucht auch gar nicht ihn zu überzeugen, sondern gibt nur Erklärungen für ihre Handlung und versucht, ihren Standpunkt zu verteidigen.

An dieser Stelle macht der Chor den Versuch, einen der beiden zum Nachgeben zu bewegen. Er spricht keinen direkt an, entschuldigt aber Antigones Verhalten mit ihrer Jugend „Des Vaters trotzige Art verrät das Kind, dem Unglück sich zu beugen weiß sie nicht.“

(Z. 471f.)

Kreon reagiert auf Antigones Rede mit einer Metapher, in der er sich selbst widerspricht. Er meint, dass zu große Sturheit, das unablässige Beharren auf der eigenen Meinung, einen schnell zugrunde richten kann, obwohl er ja selbst genau das tut. Kreon ist absolut nicht gewillt, einen anderen Standpunkt als seinen eigenen zu akzeptieren. Er verlangt nur, dass seinen Befehlen bedingungslos Folge geleistet wird. Nun wird Kreons Problem mit Frauen deutlich. Er kann nicht zulassen, dass Antigone nicht bestraft wird, weil er dadurch zugeben würde, dass sie im Recht ist und ihm, einem Mann, sozusagen gleichzustellen wäre. Diese Vorstellung bereitet Kreon große Schwierigkeiten „Wenn sie sich ungestraft das leisten darf, bin ich kein Mann mehr, dann ist sie der Mann!“(Z.484f.). Es interessiert ihn nicht, ob sie seine Nichte ist und macht ihre Schwester Ismene gleich mitverantwortlich, obwohl von ihr vorher noch gar nicht die Rede war. Kreon hatte nur mitbekommen, dass Ismene sehr nervös und aufgebracht war, was sie wohl verraten hat „Noch eben sah ich sie wie eine Rasende im Hause toben. Meist spielt das Herz schon vorher den Verräter, wenn einer krumme Wege geht im Dunkeln.“(Z. 491- 494).

Kreon hasst Menschen, die die Tat, die sie begangen haben, auch noch verharmlosen und romantisieren, also Gefühle mit ins Spiel bringen, die ihm bei seinen Gesetzgebungen absolut nicht interessieren. Für ihn gibt es nur Ehre und Rache.

Antigone will wissen, ob er sie nur beseitigen möchte. Kreon stimmt zu, sagt, dass ihn das vollkommen zufrieden stellt. ER ist nur an der Auslöschung seiner „Feinde“ interessiert „Sonst nichts. Damit hab ich vollauf genug.“(Z. 498).

Antigone geht nun direkt auf Kreons Forderung ein und greift mit auf, dass das Volk Angst hat, Kreon die Wahrheit zusagen. Das Volk stimmt Antigones Haltung durchaus zu, Kreon merkt nur nichts davon „All diese sprächen freudig ja dazu, verschlösse Furcht nicht ihren Mund.“(Z. 504f.).

Kreon versucht von nun an, im Wechselspiel mit Antigone, Argumente zu finden, die sie überzeugen könnten, dass er Recht hat, aber er scheitert an Antigones Sturheit und an der Sinnlosigkeit der Argumente.

Kreon streitet ab, dass das Volk die Bestattung gutheißt und bezeichnet die Thebaner dabei als „Kadmos` ganze[s] Volk“(Z.507).

Das Mädchen sagt, dass nur keiner den Mut hat, dem gefürchteten König etwas zu erwidern. Kreon fragt, ob Antigone sich nicht schämt, so egoistisch zu sein, aber sie tut es nicht und begründet es mit der Familienliebe „Die Blutsverwandten ehren schändet nicht.“

(Z. 511).

Kreon meint, dass Polyneikes kein Recht auf Antigones Ehre hat, weil er seinen eigenen Bruder erschlagen hat, allerdings interessiert Antigone das nicht. Beide haben ein Recht auf ein Bestattung. Sie glaubt auch nicht, dass Eteokles das etwas ausmacht „Sein Bruder, nicht ein Sklave war`s, der starb!“(Z.517).

Kreon macht einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden. Der eine war sein „Verbündeter, der andere sein Feind „Der schirmte Theben, der verheerte es.“(Z.518). Aber Antigone glaubt, dass der Totengott Hades für beide- und damit für alle Menschen- einen „würdigen Eintritt in den Tod“ verlangt. Wieder macht Kreon einen Unterschied durch seine Schwarz- Weiß- Malerei: Er sieht nur Gut und Böse. Was anderes existiert nicht.

Antigone sieht trotzdem das Gute im Menschen „Mitlieben, nicht mithassen ist mein Teil.“(Z. 523) und nun entlässt Kreon sie aus seinem „Verhör“, um anschließend mit Ismene zu sprechen. Er behält Antigone noch da, gibt aber auf, auf sie einzureden. Er betont noch mal, dass er sich nie von einer Frau was sagen lassen wolle.

In diesem Gespräch prallen zwei gegensätzliche und außerordentlich sture Persönlichkeiten aufeinander, die überhaupt nicht in der Lage sind, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Antigone ist überzeugend in ihrem Vortrag und geht sowohl als Gewinnerin als auch als Verliererin daraus hervor. Kreon versagt jedoch kläglich durch seine fehlenden Argumente und seine Rücksichtslosigkeit in Bezug auf die Götter und die Familie. Sophokles lässt keinen Zweifel daran, dass Kreon im Unrecht ist.

Außerdem zeigt Sophokles, welch große Bedeutung die Götter für das Volk hatten und wie die Menschen dementsprechend handelten. „Antigone“ ist ein sehr gutes Beispiel um das damalige Leben nachvollziehen zu können. Sophokles` Kritik an der politischen Unterdrückung der Frauen wird auch deutlich.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Sophokles - Antigone - Das erste Gespräch zwischen Kreon und Antigone
Note
1+
Autor
Jahr
2005
Seiten
5
Katalognummer
V109651
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sophokles, Antigone, Gespräch, Kreon
Arbeit zitieren
Sonja Fischer (Autor), 2005, Sophokles - Antigone - Das erste Gespräch zwischen Kreon und Antigone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109651

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