[...]"Objekt aber ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige einer gegeben Anschauung vereinigt ist."
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, B137
Die Aufgabe besteht also zunächst darin, gemäss dem zitierten Satz ein genaues Verständnis für einzelne, den Begriff von Objekt konstituierende Aspekte, wie "das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung", "Einigung" etc., zu ermöglichen. Für dieses Vorhaben ist in der kantischen Philosophie die Auslegung der einzelnen Konstituenten des menschlichen Erkenntnisvermögens zentral, wenn tatsächlich im Begriff des Objektes die Konstitution desselben durch die Erkenntnis impliziert ist. Dabei gilt es zunächst vor allem, die Relationen der einzelnen kantischen Begriffe untereinander in konsistenter Weise aufzuzeigen.
Andererseits wollen wir diese Auffassung weiterführend interpretieren, um die Schlussthese zu erläutern, dass die kantische Drehung einen internalisierten Begriff von Objekt impliziert, welcher einerseits einen transzendentalen Idealismus, anderseits (und gleichzeitig) einen empirischen Realismus nahe legt, der sich gegen skeptische Einwände zu schützen vermag. Diese philosophisch bedeutende Konsequenz nachzuvollziehen und im Detail zu belegen, beabsichtigt letztlich die folgende Rekonstruktion seines Systems der Erkenntnis.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Hintergründe der Kritik der reinen Vernunft und Inhaltsangabe der Arbeit
1. Kants System der Erkenntnis
1.1. Die transzendentale Ästhetik: metaphysische und transzendentale Erörterung von Raum und Zeit
1.2. Die transzendentale Logik
1.3. Die transzendentale Deduktion der Kategorien
1.4. Zusammenfassung der transzendentalen Deduktion und die positive Bestimmung des Begriffes von Objekt
2. Die Realismus-Idealismus Debatte und das Problem des Skeptizismus
2.1. Kants Position in der Realismus – Idealismus Debatte
2.2. Von der ungerechtfertigten Meinung, Kant aufgrund der Unterscheidung Phaenomenon-Noumenon als Skeptiker zu bezeichnen
3. Ausblick: Probleme des „kantischen Internalismus“; Materie, Intersubjektivität und das „transzendentale Subjekt“
Bibliographie
Lexika
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Kants positiven Begriff des Objekts innerhalb der Kritik der reinen Vernunft methodisch zu rekonstruieren und von skeptischen Fehlinterpretationen abzugrenzen. Dabei wird untersucht, wie Kant durch die „kopernikanische Drehung“ die Subjekt-Objekt-Relation neu definiert und erkenntnistheoretisch absichert.
- Analyse von Kants System der Erkenntnis (Sinnlichkeit und Verstand)
- Untersuchung der transzendentalen Deduktion der Kategorien
- Klärung der Realismus-Idealismus Debatte bei Kant
- Widerlegung der skeptischen Deutung der Unterscheidung Phaenomenon-Noumenon
- Diskussion des kantischen Internalismus und seiner Folgeprobleme
Auszug aus dem Buch
1.4. Zusammenfassung der transzendentalen Deduktion und die positive Bestimmung des Begriffes von Objekt
In den restlichen Teilen der transzendentalen Deduktion scheint mir Kant für unsere Zwecke nicht weiterführende (allerdings bedeutende) Folgerungen aus §15 und §16 zu ziehen. Zusammenfassend können wir deshalb bereits Inhalt und Schluss der transzendentalen Deduktion der Kategorien wiedergeben und den bereits im Vorwort genannten Satz verstehen:
„Objekt aber ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige einer gegeben Anschauung vereinigt ist.“
Die Kategorien, reine Verstandesbegriffe, besitzen deshalb objektive Gültigkeit, weil sie mit der in Empfindung gegebenen Materie und den reinen Anschauungsformen Raum und Zeit zu den Bedingungen der Möglichkeit des Begriffes von Objekt gehören; sie begründen ihre objektive Gültigkeit mit ihrer Apriorität und Transzendentalität. Als apriorische Ordnungsfunktionen des Verstandes ermöglichen die Kategorien, dass der Verstand seine Funktion als das denkende Organ des menschlichen Gemütes erfüllt, indem sie die Bedingungen des Erzeugens eines jeden Begriffes stellen. Das Erzeugen des Begriffes eines durch die Sinnlichkeit gegebenen Gegenstandes besteht zum Einen in der Synthese einer unbestimmten Menge von Vorstellungen, zum Anderen in der Abstraktion dieser Merkmale zu einer einheitlichen Vorstellung, welche die gemeinsamen Merkmale jener Vorstellungen enthält.
Aus der Einheit, welche jeden empirischen Begriff wesentlich prägt – denn der Begriff eines durch die Sinnlichkeit gegebenen Gegenstandes ist empirisch –, lässt sich jedoch auf ein höheres Prinzip, bzw. einem tieferen Grund, schliessen, ohne welches die Kategorien ihre eigene einheitsstiftende Funktion nicht erfüllen könnten: Das Ich denke. Das Ich denke, die ursprüngliche transzendentale Einheit der Apperzeption als notwendig einheitlich gedachtes Bewusstsein seiner selbst, bildet das oberste Prinzip allen Verstandesgebrauches, weil durch es Einheit im Erzeugen jedes Begriffes und damit jedes Denkens erst möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hintergründe der Kritik der reinen Vernunft und Inhaltsangabe der Arbeit: Einführung in Kants Motivation zur Kritik der reinen Vernunft und Darstellung des methodischen Vorgehens.
1. Kants System der Erkenntnis: Erläuterung der dualen Struktur der Erkenntnis durch Sinnlichkeit und Verstand.
1.1. Die transzendentale Ästhetik: metaphysische und transzendentale Erörterung von Raum und Zeit: Analyse von Raum und Zeit als apriorische Bedingungen der Sinnlichkeit.
1.2. Die transzendentale Logik: Darstellung der Rolle des Verstandes und der Spontaneität bei der Konstitution von Gegenständen.
1.3. Die transzendentale Deduktion der Kategorien: Untersuchung der Begründung der objektiven Gültigkeit der reinen Verstandesbegriffe.
1.4. Zusammenfassung der transzendentalen Deduktion und die positive Bestimmung des Begriffes von Objekt: Synthese der Ergebnisse zur Definition des Objekts durch einheitliche Verknüpfung in der Apperzeption.
2. Die Realismus-Idealismus Debatte und das Problem des Skeptizismus: Einordnung Kants in die philosophische Debatte und Abgrenzung zum klassischen Idealismus/Realismus.
2.1. Kants Position in der Realismus – Idealismus Debatte: Diskussion von Kants empirischem Realismus und transzendentalem Idealismus.
2.2. Von der ungerechtfertigten Meinung, Kant aufgrund der Unterscheidung Phaenomenon-Noumenon als Skeptiker zu bezeichnen: Kritische Auseinandersetzung mit der skeptischen Interpretation von Kants Grenzziehungen.
3. Ausblick: Probleme des „kantischen Internalismus“; Materie, Intersubjektivität und das „transzendentale Subjekt“: Reflexion über offene Probleme wie die Rolle der Materie und die intersubjektive Geltung der Erkenntnis.
Schlüsselwörter
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, transzendentale Deduktion, Kategorien, Objektbegriff, Apperzeption, Ich denke, transzendentaler Idealismus, empirischer Realismus, Sinnlichkeit, Verstand, Erkenntnistheorie, kopernikanische Drehung, Phaenomenon, Noumenon
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion von Kants positivem Begriff des Objekts, wie er in der Kritik der reinen Vernunft entwickelt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die transzendentale Ästhetik, die transzendentale Deduktion, das Verhältnis von Sinnlichkeit und Verstand sowie die Realismus-Idealismus-Debatte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kant durch das „Ich denke“ die Einheit der Erfahrung garantiert und dadurch eine skeptische Interpretation seiner Erkenntnistheorie als hinfällig erweist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine systematische philosophische Rekonstruktion und Interpretation der Argumentationsgänge aus der Kritik der reinen Vernunft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der Erkenntnis, die Funktion der Kategorien, Kants Position in der Realismus-Idealismus-Debatte und weist die Zuschreibung eines Skeptizismus an Kant zurück.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie transzendentale Apperzeption, Kategorie, Objekt, Erkenntnis, Apriorität und kopernikanische Drehung.
Inwiefern ist Kants Begriff des Objekts laut Arbeit "positiv" bestimmt?
Er ist positiv bestimmt, da das Objekt nicht als etwas von der Erkenntnis Unabhängiges, sondern als Einheit des Mannigfaltigen begriffen wird, die erst durch die Kategorien konstituiert wird.
Welches Folgeproblem ergibt sich aus dem „kantischen Internalismus“?
Das Hauptproblem liegt in der Frage, wie bei einer internen Konstitution des Objekts durch das transzendentale Subjekt eine intersubjektiv gültige Realität oder materielle Existenz begründet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Andrea Anderheggen (Autor:in), 1999, Kants positive Bestimmung des Begriffes von Objekt in der Kritik der reinen Vernunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10965