Nachhaltige Entwicklung durch Nonprofit-Organisationen als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen


Hausarbeit, 2001
81 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Theoretische Grundlagen
2.1 Wissensintensive Dienstleistungen
2.2 Nachhaltige Entwicklung
2.3 Nonprofit-Organisationen

3. Dienstleistungen und der Prozess der Tertiarisierung
3.1 Die Drei-Sektoren-Hypothese
3.2 Was sind Dienstleistungen ?
3.2.1 Öko-effiziente Dienstleistungen
3.2.2 Der Faktor Wissen
3.2.3 Wissensintensive Dienstleistungen

4. Nachhaltige Entwicklung
4.1 Ungeahnte ökologische Folgen
4.2 Die Öko-Folgen kommen nie von heute auf morgen
4.3 Was bedeutet eine „nachhaltige Entwicklung“ ?
4.3.1 ökologische Dimension
4.3.2 ökonomische Dimension
4.3.3 soziale Dimension
4.3.4 Integration der drei Dimensionen
4.4 Agenda 21 – ein Aktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung
4.5 Lokale Agenda 21
4.5.1 Ein Prinzip der gesellschaftlichen Kommunikation
4.5.2 NPOs in lokalen Agenda-Prozessen

5. Nonprofit-Organisationen im Umweltbereich
5.1 Nonprofit-Organisationen, Dritter Sektor oder Nonprofit-Sektor?
5.1.1 Rahmenbedingungen und Struktur des Dritten Sektors
5.1.2 Beschäftigung und Finanzierung von NPOs
5.1.3 Welche Bedeutung kommt dem Nonprofit-Sektor zu?
5.2 NPOs im Umweltbereich
5.2.1 Tätigkeitsfelder von NPOs im Umweltbereich
5.2.2 Beschäftigungs- und Finanzierungsstruktur
5.2.3 Zwischenfazit

6.Econtur - Akteur für eine nachhaltige Entwicklung?
6.1 Entstehungsgeschichte
6.2 Welche wissensintensiven Dienstleistungen erbringt econtur?
6.2.1 Beratungsdienstleistungen
6.2.2 Moderation
6.2.3 Sozialforschung
6.3 Econtur als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen
6.4 Unterstützt econtur eine nachhaltige Entwicklung ?

7.Auswertung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das Ziel der vorliegenden Projektarbeit besteht darin, herauszufinden, welche Bedeutung Nonprofit-Organisationen als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen in der Gesellschaft zukommen und inwieweit sie dadurch einen Beitrag zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 21 leisten können.

Da in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung Nonprofit-Organisationen (NPOs), der Leitgedanke der Nachhaltigkeit und das Konstrukt der wissensintensiven Dienstleistungen in dieser Kombination bisher nicht aufgegriffen wurde, ist uns bewusst, dass die Beantwortung der Fragestellung ein schwieriges Unterfangen darstellt. Jedoch kann dieser Ansatz auch als Chance aufgefasst werden, neue Wege zu eröffnen, die der Forderung einer Neuorientierung der Gesellschaft und Wirtschaftsweise sowie den Umgang mit unserer Umwelt näherkommen. Der Reiz dieser Ausarbeitung liegt darin, dass sie neben theoretischen Fundierungen hinsichtlich Dienstleistungen, Wissen, Nachhaltigkeit und NPOs auch die Verknüpfung in einem Praxisbeispiel findet.

Im ersten Teil stellen wir die für uns grundlegenden Begriffe dar. In einem zweiten Schritt soll die Entwicklung der Produktions- zu einer Dienstleistungsgesellschaft nachvollzogen werden, um somit die enorme Bedeutung des Dienstleistungssektors für unseren Wohlstand, unseres Wachstums, unsere Arbeitsplätze und Sozialsysteme sowie Natur- und Umweltbelange herauszuarbeiten. In diesem Zusammenhang galt auch über viele Jahre die Tertiarisierung als Hoffnung für die Lösung unterschiedlichster gesellschaftlicher Probleme. Doch wie an verschiedenen Stellen sichtbar wird, kann der dritte Sektor den erhofften Erwartungen nicht gerecht werden. Die Ursache für eine solche Fehlprognose liegt im Wesen der Dienstleistungen selbst. Besonders Faktoren wie Nichtlagerbarkeit und -transportierbarkeit, Immaterialität oder auch geringes Produktivitätswachstum, die ehemalig als wesentliche Bestimmungskriterien galten, besitzen keine Gültigkeit mehr. Der Strukturwandel hat die Übergänge zwischen Produkten und Dienstleistungen immer fließender werden lassen. Aus diesem Grunde ist in den wissenschaftlichen Diskursen verstärkt das alternative Abgrenzungsmodell der „öko-effizienten Dienstleistungen“ eingebracht worden. Nach dieser Vorstellung verwandeln sich alle Produkte in „Dienstleistungserfüllungsmaschinen“[1], sodass sich eine völlig neue Perspektive von Produkten und Dienstleistungen ergibt. Ökologische Dienstleistungskonzepte stellen hierbei Lösungsansätze zu gesellschaftlichen Konflikten dar, wobei aber auch ein sozialer und kultureller Wandel mit einhergehen muss. Als notwendige Ressource bei diesem Prozess wird immer mehr der Faktor „Wissen“ einbezogen. Deshalb ist in dieser Arbeit von Bedeutung Kriterien aufzustellen, mit denen eine Abgrenzung von „wissensintensiven Dienstleistungen“ möglich wird. Sie stellen das Potential dar, um ökologische Probleme bewältigen zu können und eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Damit befasst sich auch der dritte Teil dieser Ausarbeitung. Es wird versucht aufzuzeigen, wieso es zu einer ökologischen Krise gekommen ist, wie es mit unserem Planeten derzeitig bestellt ist und warum sich ein Leitgedanke der „Nachhaltigkeit“ entwickeln muss. Dieser wird meistens über drei Dimensionen definiert: die ökologische Dimension (Erhalt der Evolutionsfähigkeit der natürlichen Mitwelt), die ökonomische Dimension (Erhalt der Wertschöpfungspotentiale) und die soziale Dimension (Erhalt der Gesellschaft durch Demokratie und Partizipation). Es gilt alle drei Dimensionen integrativ zu behandeln. Ziel ist das Bild der Nachhaltigkeit für heute und zukünftigen Generationen und zwischen heute lebenden Generationen zu verwirklichen.

Neben dieser theoretischen Abhandlung entstand ein Aktionsprogramm namens „Agenda 21“, welches ein Handlungsleitfaden für die Umsetzung der Nachhaltigkeit darstellt. Dabei geht es in erster Linie um einen gesellschaftlichen Kommunikationsprozess, einen Dialog der zwischen verschiedenen Akteuren geführt werden soll, um somit eine nachhaltige Entwicklung zu verfestigen. Als Motor und Antreiber eignen sich hierbei besonders NPOs, die mit Hilfe von wissensintensiven Dienstleistungen den Anforderungen gerecht werden sollen.

Daher ist im vierten Kapitel ihre Stellung in der Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Es soll den Fragen nachgegangen werden: Wie sich die Struktur, die Beschäftigung und die Finanzierung bei diesen Organisationen zusammensetzt. Wo ihre Tätigkeitsfelder liegen und wie der Aufbau von NPOs speziell im Umweltbereich beschaffen ist. Neben dieser theoretischen Auseinandersetzung über Nonprofit-Organisationen wird im letzten Teil des Projektberichts eine Organisation stellvertretend für diesen Sektor vorgestellt.

Anhand der Agentur „econtur“ als Praxisbeispiel wird geprüft, inwieweit sich Nonprofit-Organisationen als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 21 eignen.

Als Vorbereitung auf das Gespräch mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern[2] sowie dem Geschäftsführer haben wir verschiedene Begrifflichkeiten abgegrenzt und sie dann vertieft.

2.Theoretische Grundlagen

Im Rahmen unseres Projektes „Wissensintensive Dienstleistungen“ wurden innerhalb der vergangenen zwei Semester eine Vielzahl von Begriffen erarbeitet, die auch in der folgenden Ausarbeitung verwendetet werden. Diese sollen kurz eingeführt und zum Teil gleich oder in den angeführten Kapiteln im Zusammenhang dargestellt werden.

Oft sind es Schlagwörter, die im täglichen Gebrauch oder in den Medien vielfach gehört und genutzt werden, ohne dass eine allgemeingültige oder gar allgemein bekannte Definition existiert. Die Autoren wollen dem in diesem Abschnitt entgegenwirken, um eine einheitliche Verwendung in der Arbeit zu ermöglichen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Begriffe: Wissensintensive Dienstleistungen, Nachhaltigkeit und Nonprofit-Organisationen.

2.1 Wissensintensive Dienstleistungen

Der Begriff wissensintensive Dienstleistungen wurde vor allem durch einen steigenden Wettbewerb aufgrund der zunehmenden Globalisierung und die Liberalisierung innerhalb des Handels geprägt. Innovative und individuelle Leistungsangebote sind von Nöten, um sich von Mitwerbern absetzen zu können.[3] Um dem zunehmenden Konkurrenzdruck stand halten zu können, ist es für Unternehmen und Organisationen wichtig, sich der Ressource Wissen bewusst zu werden. Das Besondere an dieser ist, dass sie sich nicht verbraucht, sondern beim Gebrauch anreichert.[4]

Auch, wenn das Wesen wissensintensiver Dienstleistungen in der Wirtschaftswissenschaft noch unzureichend erforscht ist, reicht es dem Stand der Literatur nach nicht aus, Arbeitsleistungen als wissensintensiv einzustufen, wenn „Wissen“ der Haupteinsatzfaktor zur Erstellung einer Leistung ist. Unserer Kenntnis nach, vereinigen diese Leistungen mehrere Sachverhalte in sich. So ist ein hoher Grad an Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager ebenso von Bedeutung wie ein beträchtliches Maß an Individualität, Kooperation und Koordination.[5]

Wie auch Dienstleistungen im allgemeinen beinhalten wissensintensive Dienstleistungen die Merkmale der Nicht-Sichtbarkeit, der Nicht-Lagerfähigkeit und der Nicht-Transportierbarkeit.

2.2 Nachhaltige Entwicklung

Der Begriff „nachhaltige Entwicklung“ ist eine mögliche Übersetzung der englischen Bezeichnung “sustainable Development“. Um den Begriff näher zu erläutern, werden im deutschen Raum mehrere Bezeichnungen synonym verwendet. „Zukunftsfähige Entwicklung“, „dauerhaft-umweltgerechte“ Entwicklung sind Beispiele anderer Wortgebräuche. Der Sinn bleibt jedoch bei allen Bezeichnungen der gleiche. Es geht um eine wirtschaftlich-gesellschaftliche Entwicklung, in der die Ökonomie, Ökologie und die sozialen Ziele in Einklang gebracht werden sollen, um die Bedürfnisse der heutigen und zukünftigen Menschen befriedigen zu können. Auch, wenn der Sustainability-Gedanke nicht neu ist[6], wurde er doch erst im 21. Jahrhundert mit klaren Inhalten „gefüllt“. Auf der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro ist ein Vertrag von über 170 Ländern der Welt zu Stande gekommen, der einen Handlungsweg zur Lösung der Umweltzerstörung, zunehmenden Verarmung und sozialen Ungerechtigkeit beschreibt. Die Agenda 21 verinnerlicht das Leitbild der „nachhaltigen Entwicklung.“ Sie fordert alle Gesellschaftsmitglieder auf, an der Umsetzung dieses Politikprogramms teilzunehmen. Eine wichtige Rolle wird dabei nichtstaatlichen Instanzen wie Nonprofit-Organisationen zugesprochen.[7]

2.3 Nonprofit-Organisationen

Der Bergriff der Nonprofit-Organisationen (NPO) ist für unsere Arbeit interessant, weil diese Einrichtungen sowohl Dienstleistungsanbieter wie auch Akteure im Agenda-Prozess sind. Sie stellen somit ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den vorrangegangenen Begrifflichkeiten dar. Die Bezeichnung „non-profit“ lässt erahnen, dass es sich bei diesen Organisationen um gemeinnützige Unternehmen handeln muss, deren Ziel nicht die Maximierung des Unternehmensgewinns ist.[8] Vielmehr liegt ihnen nahe, ein gesellschaftliches Anliegen zu verfolgen. Ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ist bedeutend, da sie vor allem ein Sprachrohr für die BürgerInnen darstellen. Sie bieten ihnen die Möglichkeit des Engagement und leisten Aufklärungsarbeit in vielerlei Hinsicht. Nonprofit-Organisationen agieren in ganz unterschiedlichen Bereichen. Die Besonderheit ihrer Arbeit liegt unter anderem darin, dass sie unabhängig von staatlichen Instanzen handeln und sich selber verwalten.[9] In der Literatur existieren sowohl verschiedene Negativ- als auch Positiv-Definitionen des Nonprofit-Begriffes. Allgemein werden unter NPOs diejenigen Organisationen verstanden, welche:

- formell strukturiert
- zu einem gewissen Grad von freiwilligen Beiträgen getragen werden und
- keine Zwangsverbände darstellen.[10]

Durch die Verfolgung der Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung, so wie sie in der Agenda 21 verfasst wurden, haben diese Einrichtungen einen politischen Bedeutungszuwachs erfahren. Geschätzt durch ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre Bürgernähe gehen sie fortan einen neuen Weg ihrer Arbeit.[11] Dabei erstellen sie vor allem Dienstleistungen, bei denen Wissen, sei es Fach- oder Expertenwissen, ein wichtiger Einsatzfaktor ist. Gemäß der Charakteristik wissensintensiver Dienstleistungen, macht sie diese Tatsache allein jedoch noch nicht zu einem Anbieter jener speziellen Leistungen.[12]

In den folgenden Kapiteln soll erläutert werden, warum Nonprofit-Organisationen zu den Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen zählen können. Dabei werden die hier nur kurz aufgeführten Begriffe näher erklärt und in einen Zusammenhang gestellt.

3. Dienstleistungen und der Prozess der Tertiarisierung

In hochentwickelten Volkswirtschaften vollzog sich in den letzten 20 Jahren ein Übergang von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft, unabhängig von dem Entwicklungsniveau der einzelnen Länder. Zu dieser Feststellung gelangten Wirtschaftswissenschaftler, nachdem sie erkannten, dass der Wert des Sozialproduktes immer weniger von rein physischen Produkten ausgeht, sondern stärker von Gütern, die „keinen materiellen Charakter“ haben.[13] Bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland kam dem tertiären Sektor 1997 ein Anteil von 66 Prozent an der Bruttowertschöpfung zu. Dies bedeutete eine Steigerung gegenüber 1950 um fast das Doppelte.[14]

Eine ähnliche Entwicklung ließ sich auch bei der Messung des Beschäftigtenanteils im Dienstleistungssektor messen.[15] Danach liegt 1995 der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe nach der sogenannten „funktionalen Betrachtungsweise“, also die Beurteilung der Beschäftigten nach ihrer Tätigkeit, bei 67 Prozent und auf „institutioneller Basis“, welche die Einordnung des Unternehmens in dem jeweiligen Sektor (primär, sekundär, tertiär) zu Grunde legt, bei knapp 61 Prozent.[16] Die Abweichung von 6 Prozent lässt sich dadurch erklären, dass bei dem institutionellen Verfahren Beschäftigte aus dem industriellen Sektor diesem auch zugeordnet werden, obwohl sie eine tertiäre Tätigkeit ausüben.

Jedoch ist es gleichgültig, welcher Indikator als Grundlage benutzt wird, die Ergebnisse gleichen sich: Der Dienstleistungssektor kann eine deutliche Zunahme vorweisen und dieser Strukturwandel bezeichnet sich als Tertiarisierung der Gesellschaft.

3.1 Die Drei-Sektoren-Hypothese

In diesem Zusammenhang galt auch über lange Jahre die „Drei-Sektoren-Hypothese“ als Hoffnung für die zukünftige Sicherung von Arbeitsplätzen und einer umweltschonenden Wirtschaftsweise. Im Kern beschreibt die Drei-Sektoren-Hypothese einen wirtschaftlichen Reifeprozess in Volkswirtschaften, in dem Menschen vor allem in der Landwirtschaft, mit der Gewinnung natürlicher Ressourcen, also im primären Sektor beschäftigt sind. Im weiteren Verlauf der Entwicklung verlagert sich dann die Beschäftigung immer mehr in den sekundären Sektor, welcher wiederum bei fortschreitender Wirtschaftsentwicklung schrumpft bis eine absolute Tertiarisierung erreicht wird (siehe Abb.1)[17]

Abbildung1: Die Drei-Sektoren-Hypothese

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entwicklung des Beschäftigtenanteils in Prozent

Quelle: Mangold, Klaus (Hrsg.) (1997), S. 172

Die Hypothese stützt sich dabei insbesondere auf eine Veränderung der Nachfrage dahingehend, dass sich Menschen von ihrem verfügbaren Einkommen Nahrungsmittel und Güter des materiellen Wohlstands leisten können in einem Maße, dass Sättigungserscheinungen sichtbar werden und sich dann verstärkt Dienstleistungen, die Luxus- und Bequemlichkeitsbedürfnisse befriedigen, zuwenden. Um diese Nachfragelücke auszufüllen, sollte sich dann folglich ein hoher Beschäftigungsanteil im tertiären Sektor bilden, damit so die Erstellung von solchen Leistungen gesichert ist.

Doch die Vorstellung der Drei-Sektoren-Hypothese gilt in der Literatur nur als bedingt richtig.

Der erwartete hohe Beschäftigungsanteil blieb aus, da sich zunehmend Dienstleistungen durchgesetzt haben, die eine hohe Kapitalintensität besitzen. Diese kennzeichnen sich im Wesentlichen durch die Inanspruchnahme von Technologie, Maschinen und Telekommunikationsmitteln (ungebundene Dienstleistungen).Diese ersetzen die Erwerbskraft des Menschen.

Die zweite falsche Annahme der Hypothese lag darin, dass sie den vollständigen Übergang zu einer tertiären Gesellschaft postulierte. Doch die Tertiarisierung konnte nur in bestimmten Teilbereichen vollzogen werden. So hielt sie hauptsächlich ihren Einzug im Bereich der Informationsdienstleistungen und der produktionsbezogenen Dienstleistungen.[18] Besonders bei letzterem haben sich Unternehmen darauf beschränkt, Dienstleistungen anzubieten, die als Ergänzung zu ihren Produkten stehen. Zwar lässt sich aussagen, dass Dienstleistungen tatsächlich mit weniger Energie- und Ressourcenaufwand erzeugt werden[19], doch durch die Entwicklung der Produktkombinationen verpuffen umweltentlastende Effekte wieder, sodass eine generelle umweltverträglichere Wirtschaftsweise bisher nicht durch den Dienstleistungsbereich hervorgerufen wurde.

Auch wenn die Hauptaussage der Drei-Sektoren-Hypothese, eine Entwicklung der absoluten Tertiarisierung vorauszusagen, nicht vollständig zutreffend war, so legt sie doch eines offen:

Der Dienstleistungsbegriff muss sich einer neuen Definition unterziehen, die insofern zutreffend ist, dass sie die alte Vorstellung aufhebt, Dienstleistungen haben niemals einen materiellen Ursprung und werden immer von „Menschen für Menschen“ erbracht.[20]

3.2 Was sind Dienstleistungen ?

In der vergangenen Wirtschaftsforschung wurde immer wieder versucht die Begrifflichkeit der Dienstleistung zu definieren und abzugrenzen. Dabei ließen sich verschiedene Herangehensweisen beobachten (siehe Abb.2).

Abbildung 2: Traditionelle Definitionsversuche zum Dienstleistungsbegriff

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Becker, Wolfgang; Daniel, Klaus (1999), S. 12

Eine Möglichkeit der Systematisierung von Dienstleistungen liegt in der Aufzählung von verschiedenen bestimmten Wirtschaftszweigen (Enumerative Definition), die entweder

Sachleistungsbetrieben oder Dienstleistungsbetrieben zugeordnet werden. Doch diese Art von Quantifizierung entspricht keinem allgemeingültigen Verfahren zur Bestimmung von Dienstleistungen, da die Zuordnungskriterien immer subjektiv sind.

Eine ähnliche undurchsichtige Abgrenzung ist die Negativdefinition zu Sachgütern. Danach werden Dienstleistungen als Wirtschaftsgüter bezeichnet, die nicht lagerbar sind, nicht transportierbar sind, nicht übertragbar sind, einen geringen wertmäßigen Anteil an Vorleistungen haben oder nicht zugänglich für technischen Fortschritt sind.[21] Aber auch hier liefert diese Vorgehensweise keinen Erkenntnisgewinn, da die Immaterialität einziges Kriterium ist. Insbesondere Leistungen mit unterschiedlichen Anteilen von materiellen und immateriellen Elementen, ließen sich demnach schwierig als Dienst- oder Sachleistung bestimmen.[22]

Eine andere Form der Abgrenzung liegt darin, dass Dienstleistungen als Leistungen angesehen werden, die entweder als Potential, als Prozess oder als Ergebnis eingeordnet werden können (explizite Definitionen). Als Potential wird eine Dienstleistung angesehen, wenn zum Zeitpunkt der Anbahnung der Dienstleister nur seine Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft offeriert. Die prozessorientierte Dienstleistungsdefinition setzt an der Beobachtung an, dass die Erstellung und der Konsum einer Dienstleistung zeit- und ortsgleich stattfindet (Uno-acto-Prinzip) und das letzte benannte Merkmal, die Dienstleistung als Ergebnis, sieht das immaterielle Resultat einer Tätigkeit als Dienstleistung an.[23]

Aber auch diese Definitionen sind unzureichend. So wird in der Literatur in erster Linie als wesentlicher Kritikpunkt die Nichteinbeziehung von Standardisierungsmöglichkeiten von Dienstleistungen (Beispiel CD oder Kassette als Trägermedium) und der fehlende Bezug zu materiellen Komponenten angeführt.

Auch wenn die „explizite Definition“ am meisten Aufschluss darüber gibt, wie eine Dienstleistung zu definieren und zu beurteilen ist, so kann auch sie keine vollständige Abgrenzung einer Dienstleistung aufzeigen.

Anhand dieser vergangenen komplexen Debatte, um eine allgemeingültige Dienstleistungsbezeichnung, stellt sich nun die Frage, ob überhaupt noch eine Trennung von Dienstleistungen und Produkten sinnvoll wäre.

Der nächste Abschnitt versucht die Funktion einer Dienstleistung aus einer anderen Sichtweise zu konzipieren, die sich im Sinne ökologischer Zielsetzungen orientiert.

3.2.1 Öko-effiziente Dienstleistungen

Die Entwicklung des Strukturwandels hat die Übergänge zwischen Produkten und Dienstleistungen immer fließender werden lassen, dennoch streben beide letztendlich das gleiche Ziel an: Die Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen. Die Bedürfnisse jedes Einzelnen werden nicht von dem Produkt selber gestillt, sondern von dem Dienst, welcher von dem Produkt erbracht wird. Das Produkt erfüllt demnach nur eine Funktion und arbeitet als „Dienstleistungserfüllungsmaschine“[24]. Mit diesen Funktionen, unabhängig ob Produkt oder Dienstleistung, werden die menschlichen Grundbedürfnisse wie Wohnen, Ernährung, Bekleidung, Gesundheit etc. befriedigt. Der Grundgedanke der Trennung von Produkten und Dienstleistungen wird damit aufgehoben. Es existieren nach diesem Modell nur noch Funktionen, die entweder durch materielle, immaterielle oder vermischte Güter ausgeübt werden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, entsteht die Chance, die Güter der Bedürfnisbefriedigung nach ökologischen Kriterien, wie Energie- und Materialaufwand oder human- und ökotoxischen Risiken auszuwählen und alternative Möglichkeiten herauszufinden, die öko-effizient und im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens (siehe Kapitel 4) in der Gesellschaft angeboten werden können. Dabei kann eine „Problemlösung“[25] mit weniger Ressourceneinsatz und gleichem Ergebnis oder mit gleichem Ressourceneinsatz und höherer Funktionsbefriedigung zu einer geringeren ökologischen Gesamtbelastung beitragen.

Doch diese Umorientierung erfordert neben der Umsetzung von naturwissenschaftlich-technischen Eigenschaften auch eine Veränderung der Verhaltens- und Lebensgewohnheiten, von Konsummustern und Lebensstilen. In diesem Zusammenhang verschieben sich auch die Verantwortlichkeiten und Verfügungsrechte für Produkte in der Gesellschaft, da sich deren Mitglieder stärker auf den Nutzen und nicht auf das Eigentum konzentrieren. Besitz ist gleichbedeutend mit einer uneingeschränkten Nutzung und befreit den Besitzer somit von Pflichten, die aber bestehen würden, wenn er beispielsweise nur beim Gebrauch auf das Gut zugreifen könnte. Je nachdem wie die Aufteilung von Verfügungsrechten und –pflichten erfolgt, lassen sich in der Literatur hauptsächlich drei ökologische Dienstleistungskonzepte auffinden:

1. Die „produktorientierten ökologischen Dienstleistungen“ sind ergänzend zum Sachgut. Sie sind meistens Zusatzleistungen, wie Garantien, Reparaturen, Wartungen oder Entsorgungsleistungen. Die Verfügungsrechte und –pflichten liegen fast ausschließlich beim Nachfrager.
2. Bei den „nutzenorientierten ökologischen Dienstleistungen“ steht der Nutzen eines Produktes im Vordergrund, nicht mehr das Sachgut selber. Die entsprechenden Rechte und Pflichten werden aufgeteilt, je nachdem der Kontrakt aufgestellt ist. Zumeist besitzt der Nachfrager ein zeitlich und sachlich beschränktes Nutzungsrecht. Alle anderen Verfügungsrechte verbleiben in der Regel beim Anbieter.
3. Bei den „ergebnisorientierten ökologischen Dienstleistungen“ erfolgt die Leistungserbringung durch den Anbieter selbst. Der Verkaufsgegenstand ist hierbei die Problemlösung und der Kunde erhält ein Resultat als Leistung.[26] Dem Anbieter bleibt damit überlassen, ob er zur Erreichung des Ergebnisses ein Produkt mit einbezieht oder nicht. Er kann zwischen verschiedenen Alternativen auswählen und dementsprechend sein Angebot optimieren. Die Leistungspflichten und Verfügungsrechte liegen fast vollständig bei ihm.

Das Ziel bei allen drei Varianten beinhaltet die Findung der optimalen Verfügungsrechte über Produkte, um Material- und Energieintensitäten zu verringern.[27] Je stärker sich die Verteilung auf den Anbieter verlagert, desto höher ist seinerseits das Interesse Material und Energie einzusparen.

Der Materialgehalt einer Dienstleistung, ist in diesem Zusammenhang für die Einordnung einer Leistung von zentraler Bedeutung, denn der Dienstleistungsbegriff lässt sich auf ein Kontinuum ablegen (siehe Abb. 3). Nur aus Sicht der „Funktionsbrille“ kann demnach der Dienst durch ein reines Produkt, welches als Trägermedium dient, einer reinen Leistung oder durch eine vermischte Form erfolgen. Je nach Material- und Leistungsgehalt findet sich dieser auf der Bandbreite im Kontinuum wieder. Auch die drei ökologischen Dienstleistungskonzepte lassen sich hier einordnen, wobei ihre fließenden Übergänge beachtet werden müssen. Um die Materialintensität erfassen zu können, ist es wichtig Produktions- und Entsorgungskreisläufe mit einzubeziehen. Jedoch ist es schwierig hierfür Messungen vorzunehmen oder Indikatoren aufzustellen. Aus diesem Grunde ist eine Einordnung auf dem Kontinuum bei vermischten Formen, wie den ökologischen Dienstleistungskonzepten, mit Unwägbarkeiten behaftet.

Abbildung 3: Dienstleistungen in einem Kontinuum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Behrendt, S.; Kreibich, R.; Pfitzner, R. (1999), S. 7

Die reine Dienstleistung, zum Beispiel die Beratung, wie sie auch in unserem Praxisbeispiel „econtur“ (siehe Kapitel 5) zum Ausdruck kommt, lässt sich den drei vorgestellten ökologischen Dienstleistungs-Kategorien nicht zuordnen. Sie versucht vorwiegend solche Konzepte durch einen Dialog mit Institutionen, Kommunen, Unternehmen und Bürgern gesellschaftsfähig zu machen. Ihre Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen Gruppen ermöglicht die Förderung von Solidarität und Bildungsprozessen sowie das Zustandekommen von gemeinsamer Verantwortung. Ebenso können sich solche neutralen Organisationen als einer der treibenden Kräfte für den erforderlichen Wertewandel entwickeln, um somit ökoeffiziente Dienstleistungen gängig zu machen.

Als entscheidende Ressource, um diesen Prozess umzusetzen, wird immer mehr der Faktor Wissen eingesetzt. Jedoch ist Wissen schwer beobachtbar und wurde erst in jüngerer Zeit in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als ein Rohstoff zur Erzeugung einer Leistung aufgegriffen.

Der nächste Abschnitt versucht sich einer theoretischen Begriffsbestimmung von Wissen zu nähern, um festzustellen, wie Wissen entsteht und welcher Bedeutung es im Zusammenhang mit Dienstleistungen zukommt.

3.2.2 Der Faktor Wissen

Den wesentlichsten Unterschied von Wissen zu einer materiellen Ressource besteht in einer Stofflosigkeit und einer Nicht-Verbrauchbarkeit. Wissen reichert sich an und wird bei Gebrauch nicht weniger.[28] Das einzige Risiko, welches eine Unternehmung oder eine Institution tragen muss, wäre ein Vermögensverlust, wenn ausscheidende Mitarbeiter ihr Wissen mitnehmen können. Dies kommt besonders bei implizitem Wissen zum Tragen, denn dieses ist schwer kommunizierbar, übertragbar und bei bestimmten Personen verankert.[29]

Um die Ressource Wissen weiter definieren und bestimmen zu können ist es unabdingbar, die häufig synonym verwandten Begriffe Informationen und Daten mit einzubeziehen.

Alle drei Begriffe finden sich in der Literatur als eine hierarchische Darstellung wieder. Demnach stellen Daten die unterste Ebene dar. Sie sind unstrukturierte und unorganisierte Fakten, die ohne Kontext, aber mit einem hohen Interpretationspotential versehen sind. Informationen dagegen, welche sich eine Stufe höher ansiedeln, weisen eine Struktur auf. Sie bestehen aus Daten, die von jemandem gesammelt, gegliedert und klassifiziert wurden. Für den Nutzer der Daten ergibt sich dadurch eine Struktur und somit Informationen. Dadurch haben sie auch das Potential als Wissensfaktor genutzt zu werden. Ob jedoch Informationen zu Wissen (die höchste Ebene) werden, hängt nicht nur von ihrem Inhalt sondern auch von der betreffenden Person ab, bzw. seinen bisherigen Erfahrungen. Damit erhält die Ressource Wissen einen subjektiven Gehalt und einen Lerneffekt.[30]

Bei diesem Gebilde von Begriffszusammenhängen schließt die höhere Ebene immer die jeweiligen untergeordneten Ebenen mit ein, jedoch nicht umgekehrt. Daher ergibt sich eine subsumierende Struktur (siehe Abb.4).

Abbildung 4: Hierarchie von Daten, Informationen und Wissen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pfiffner, M.; Stadelmann, P.D. (1995), S. 129

Wie bereits erläutert, besteht Wissen aus Informationen und Daten. Jedoch soll an dieser Stelle Wissen genauer analysiert werden, um herauszufinden welche Besonderheiten sich aus diesem immateriellen Faktor ergeben.

Die Schwierigkeit liegt in der Überführung von „richtigen“ Daten und Informationen in Wissen. Damit ist gemeint, dass das Wissen, welches zu einer Problemlösung beiträgt, dementsprechend passen muss. Um dieses Wissen aus der unübersichtlichen Menge von Daten heraus zu suchen, werden elektronische Kommunikationsmedien, Online-Datenbanken und inhaltsbezogenes Spezialistenwissen genutzt, die die richtigen Daten versuchen zu selektieren, ähnlich eines Filterprinzips. Wenn die entsprechenden Daten zu Informationen und im nächsten Schritt zu Wissen verarbeitet werden, kann das neu gewonnene Wissen immer weiter akkumuliert werden. Das bedeutet, dass Organisationen und Unternehmen ihren Bestand an diesem Faktor vergrößern können. Alle übrigen Rohstoffe werden üblicherweise aufgezehrt und in ihrer Menge reduziert. Jedoch kann „die Knappheit an Wissen nicht aus der Abnutzung des Wissens entstehen“[31].

Desto früher in einer Institution mit der Erzeugung von Wissen begonnen wurde, je stärker ist auch der Vorsprung an Erfahrungswissen und Humankapital gegenüber Mitbewerbern. Das Potential an Wissen kann dann als Rohstoff zur Erstellung einer Leistung in einer größeren Auswahl genutzt werden (siehe Kapitel 6.2.1.1) und kann auch bei der Fertigstellung der Leistung sich erweitern (z. B. Beratungsdienstleistungen).

Besonders im Zusammenhang mit Kooperationen und Netzwerken kann ebenso neues Wissen entstehen, da hier ein Austausch an Wissen und eine Wissensgenerierung auf beiden Seiten stattfindet. Somit vollzieht sich ein gegenseitiger Lernprozess, der ständig neues Wissen erzeugt.

Dadurch entwickelt sich der Faktor Wissen zu einem „dominanten Leistungspotential“[32] und steht im Gegensatz zu kapitalintensiven und arbeitsintensiven Rohstofffaktoren. Aus diesem Grunde wurde der Begriff auch zunehmend in Verbindung mit Dienstleistungen gebracht.

Im folgenden Abschnitt wird der Zusammenhang zwischen Dienstleistungen und Wissen näher gekennzeichnet und Bedingungen aufgestellt, die für eine Kategorisierung von „wissensintensiven Dienstleistungen“ notwendig sind.

3.2.3 Wissensintensive Dienstleistungen

Viele wissensintensive Dienstleistungsbetriebe agieren in einem dynamischen Netzwerk aus Kunden, Partnern und Wettbewerbern. Sie greifen auf Kooperationen zurück, um an ein höheres Potential an Innovation und Flexibilität zu gelangen.[33] Das Gesamtziel liegt in der Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit. Die Globalisierung und die Liberalisierung des Handels führte zu einer Intensivierung des Wettbewerbs. Durch innovative und individuelle Produkte wird es Unternehmen und Organisationen möglich sich von Mitwerbern abzusetzen. Erwartet wird immer häufiger ein umfassendes Leistungsangebot, das sich je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Kunden zusammenstellen lässt.[34] Solche Leistungsbündelungen werden von Unternehmensverbünden angeboten (vor allem in den Bereichen Medien, Software, Electronic Business etc.). Sie beschäftigen sich mit der Koordination und der Integration von speziellem Wissen. Die Koordination beinhaltet das Managen von individuellen Arbeitsbeiträgen in einem Netzwerk, um ein übergeordnetes kooperatives Ziel zu erreichen. Die Integration versucht isolierte Wissens- und Erfahrungsbereiche zu verbinden und Probleme „disziplinübergreifend“[35] zu lösen. Beide Merkmale sind charakteristische Bestandteile einer wissensintensiven Dienstleistung.

Besonders für Unternehmen, wo die reine Dienstleistung im Vordergrund steht, ist das Leistungspotential Wissen von immer stärkerer Bedeutung. Der bei diesen Unternehmen häufig festgestellte Interaktions- und Kommunikationsprozess zwischen Anbieter und Nachfrager macht eine standardisierte Dienstleistungserstellung schwierig. Zumeist ist ein persönlicher Kontakt erforderlich, wobei der Anbieter in einem ständigen kommunikativen Prozess mit dem Nachfrager steht. Für ihn entsteht im Bezug auf die Aufgabe neues Wissen, welches er in sein Erfahrungswissen einbetten kann. Die Anwendung von Informations- und Kommunikations-Technologien als infrastrukturelle Voraussetzung erleichtert zusätzlich das Abstimmen und Zusammenfügen von internen und externen Wissen. Die fachlichen Inhalte und Lösungskonzepte werden entsprechend dem Nachfrager zugeschnitten (hierunter fallen z.B. Beratungsdienstleistungen), sodass die Leistung eine individuelle Problemlösung darstellt. Durch diesen intensiven Kontakt beider Parteien, ist ein hohes Maß an Vertrauen notwendig, da Erfahrungseigenschaften in einer erstmaligen Zusammenarbeit weitgehend fehlen.[36] Abhilfe schafft hierbei eine auf den Kunden zugeschnittene Vertragsgestaltung, die zu einem Abbau von Hemmnissen beitragen kann. Je besser die Beziehung beider Vertragsgruppen, desto stärker kann auf kleinliche Regelungen verzichtet werden.[37] Erfolgt die Leitungserbringung in gegenseitiger Zufriedenheit, kann auf die neugewonnene Kooperationsbeziehung aus Sicht beider Parteien immer wieder zurück gegriffen werden.

Wissensintensive Dienstleistungen beinhalten zusammengefasst:

- einen hohen Grad an Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager
- lassen sich wenig standardisieren
- bieten ganzheitliche Problemlösungen an
- zeichnen sich durch Individualität aus
- haben wissenskoordinierende und –integrative Anteile
- werden durch die Hilfe von Netzwerken und Kooperationen angeboten
- und setzen ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien voraus.

Dieser Kriterienkatalog soll auch als Maßstab für die Beurteilung des Fallbeispiels der Unternehmung econtur dienen, um festzustellen, welche wissensintensiven Dienstleistungen für die Umsetzung des Nachhaltigkeitsprozesses im Sinne der Agenda 21 erbracht werden.

Zuvor steht aber im Blickpunkt dieser Arbeit, warum sich eine nachhaltige Entwicklung als Leitbild durchsetzen muss, in welchem Zusammenhang dieser Gedanke mit der lokalen Agenda steht und wieso sich Nonprofit-Organisationen als vermittelnde Institutionen für die Umsetzung eignen.

[...]


[1] Vgl. Bullinger, Hans-Jörg (1997), S. 557

[2] Das Gespräch fand am 29.05.01 im Rahmen des AV „Ökologische Dienstleistungen“ statt.

[3] Vgl. www.pm.iao.fhg.de/projekte/wik.pdf, 30.08.01

[4] Vgl. Ausgabe März: siam-newsletter.de, 30.08.01

[5] Vgl. www.pm.iao.fhg.de/projekte/wik.pdf, 30.08.01

[6] Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff in der Forstwirtschaft geprägt.

[7] Vgl. Sibun, D., Thimmel, S. (1998), S. 250

[8] Vgl. de Haan, G.; Kuckartz, U.; Rheingans-Heintze, A. (2000), S.55

[9] Vgl. Priller, E.; Zimmer, A., (2001) S. 11

[10] Vgl. Anheier, H. K. u.a.(Hg.), (1998), S. 15

[11] Vgl. Sibun, D.; Thimmel, S. (1998), S. 250

[12] Vgl. www.pm.iao.fhg.de/projekte/wik.pdf, 30.08.01

[13] Vgl. Klodt, H.; Maurer, R.; Schimmelpfennig, A.; Siebert, H. (1997), S. 5

[14] Vgl. Bruhn, M.; Strauss, B. (2000), S.23

[15] Vgl. Schrader U. (2001), S. 36

[16] Vgl. Klodt, H.; Maurer, R.; Schimmelpfennig, A.; Siebert, H. (1997), S. 52

[17] Vgl. Schrader, U. (2001), S. 39

[18] Vgl. Gornig, M. (2000), S. 29

[19] Vgl. Schrader, U. (2001), S. 44

[20] Vgl. Schmidt-Bleek, F. (1994), S. 182

[21] Vgl. Klodt, H.; Maurer, R.; Schimmelpfennig, A.; Siebert, H. (1997), S. 7

[22] Vgl. Becker, W.; Daniel, K. (1999), S. 12

[23] Vgl. Becker, W.; Daniel, K. (1999), S. 13ff.

[24] Vgl. Bullinger, H.-J. (1997), S. 557

[25] Vgl. Bullinger, H.-J. (1997), S. 563

[26] Vgl. Behrendt, S.; Kreibich, R.; Pfitzner, R. (1999), S. 8

[27] Vgl. Bullinger, H.-J. (Hrsg.) (1997), S. 575

[28] Vgl. www.siam-net.de Ausgabe März

[29] Vgl. Strambach, S. (1999), S. 9

[30] Vgl. Pfiffner, M.; Stadelmann, P.D. (1995), S. 129

[31] Vgl. Pfiffner, M.; Stadelmann, P.D. (1995), S. 142

[32] Vgl. Becker, W.; Daniel, K. (1999), S. 36

[33] Vgl. www.siam-net.de Ausgabe März

[34] Vgl. www.pm.iao.fhg.de/projekte/wik.pdf, 30.08.01

[35] Vgl. www.pm.iao.fhg.de/projekte/wik.pdf, 30.08.01

[36] Vgl. Becker, W.; Daniel, K. (1999), S. 40

[37] Vgl. Becker, W.; Daniel, K. (1999), S. 41

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Entwicklung durch Nonprofit-Organisationen als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen
Hochschule
Universität Bremen  (FB Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Projekt: Wissensintensive Dienstleistungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
81
Katalognummer
V10970
ISBN (eBook)
9783638172578
ISBN (Buch)
9783638841955
Dateigröße
1053 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltige, Entwicklung, Nonprofit-Organisationen, Ersteller, Dienstleistungen, Projekt, Wissensintensive
Arbeit zitieren
Patrick Kiesch (Autor), 2001, Nachhaltige Entwicklung durch Nonprofit-Organisationen als Ersteller wissensintensiver Dienstleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10970

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