Die Effekte von Vouchers auf Schulen und Schüler und die Frage, ob Wettbewerb tatsächlich bessere Schulen erzeugt


Seminararbeit, 2005

14 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Motivation der Arbeit

2. Amerikanisches Schulmodell - ein Überblick

3. Vouchers und die Effekte auf Schulen und Schüler
3.1 Empirische Grundlagen
3.2 Effekte von Schulgeldsubventionen auf den Privatschulbesuch
3.3 Gebühren, Vouchers und die Zusammensetzung der Schulen
3.4 Schulgeldsubventionierung und öffentliche Schulausgaben
3.5 Schulgeldsubventionen und Schülerleistung

4. Erzeugt Wettbewerb bessere Schulen?
4.1 Erfahrungen aus Neuseeland

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Motivation der Arbeit

Im Mittelpunkt der Untersuchung von Finanzpolitik und Bildung steht die von markt- orientierten Vertretern postulierte These, dass erhöhter Wettbewerb entweder bessere Schülerleistungen oder niedrigere Kosten verursacht, oder im Idealfall beides zugleich. Ob man jedoch die Marktkriterien auf den Bildungsmarkt übertragen kann, und vor al- lem welche Auswirkungen sie haben, versucht diese Hausarbeit auf Grundlage von drei Studien zu ergründen.

Die Studie von Epple und Romano (1998) „Competition Between Private and Public Schools, Vouchers, and Peer-Group Effects“, untersucht die Effekte von Voucher auf den öffentlichen und privaten Schulbesuch und die Auswirkungen auf die Schüler selbst. Die Beschäftigung mit diesem Paper im Rahmen des Seminars zur Finanzpolitik und Bildung weckte in mir das Interesse, dieses Thema zu vertiefen. Aus diesem Grund be- fasse ich mich mit Hoxbys Studie (1996) „The Effects of Private School Vouchers on Schools and Students“, die zu diesem Sachverhalt empirische Daten auswertet. Als dritte Studie zog ich von Helen Ladd und Edward B. Fiske (2001) „Does Competition Generate Better Schools? Evidence from New Zealand“ heran, die eine Umfrage bei Schulleitern und Lehrern über die radikalen neuseeländischen Bildungsreformen, die zu mehr Wettbewerb unter den Schulen führte, untersucht. Ladd und Fiske (2001) werfen schließlich anhand ihrer Ergebnisse die Frage auf, ob mehr Wettbewerb im Bildungs- sektor wirklich erstrebenwert ist, wenn ein Teil der Akteure, nämlich die Lehrer, keine positive Einstellung gegenüber diesen Reformen haben.

2. Amerikanisches Schulmodell - ein Überblick

Grundsätzlich gibt es in den Vereinigten Staaten kein einheitliches Schulsystem. Es existieren jedoch ähnliche Elemente, die in allen 50 Bundesstaaten, das Schulsystem regeln. So kann man das amerikanische Schulsystem dennoch grob skizzieren, das mit der elementary school beginnt. Diese elementary school umfasst die Klassen eins bis sechs, und in manchen Gebieten der USA, die Klassen eins bis acht. Je nachdem, ob die elementary school nach sechs Schuljahren endet, gibt es eine so genannte junior high school, die die Klassen sieben bis neun umfasst. Anschließend besucht man drei Jahre lang die high school. In Schulbezirken, in der es keine junior high school gibt, geht man nach acht Jahren elementary school umgehend zur high school, die dann mit der neun- ten Klasse beginnt. Die high schools, die etwa 90 Prozent der amerikanischen Schüler durchlaufen, enden einheitlich nach der zwölften Klasse. Erwähnenswert ist, dass die staatlichen Schulen kein Schulgeld erheben, sondern vom Staat und hauptsächlich den Gemeinden über Steuern finanziert werden. Ungefähr zehn Prozent der Schüler besuchen eine Privatschule, an denen man ein Schulgeld zu bezahlen hat. Dabei sind über 80 Prozent der Träger von Privatschulen religiöse Institutionen, von denen eine Mehrzahl von der katholischen Kirche unterhalten wird.

Seit dem Beginn der 1990er Jahre hat sich in den USA eine neue Bewegung gebildet, die bisher ca. 2000 Schulen neu gegründet hat. Diese so genannten charter schools, die von einer Gruppe Menschen oder Unternehmen gegründet werden, haben völlige Freiheiten über Lernmethoden, Lehrereinstellungen und ihr Budget. Sie unterliegen nur einer Rechenschaftsplicht und gewissen Rahmenrichtlinien gegenüber den jeweiligen von den Bundesstaaten eingerichteten Institutionen.

3. Vouchers und die Effekte auf Schulen und Schüler

Grundsätzlich unterscheidet Hoxby (1996) die Effekte von Vouchers auf Schulen und Schüler in zwei unterschiedliche temporäre Effekte. Zum einen in kurzfristige Effekte, die die Zusammensetzung der Schüler an öffentlichen und privaten Schulen und die Auswirkungen auf die Ausgaben bei den öffentlichen Schulen betreffen. Und zum Zweiten in langfristige Effekte die Verhaltensänderungen der Akteure widerspiegeln. Wichtig zu betonen ist hierbei, dass die Autorin nicht direkt Vouchers als Quelle ihrer wissenschaftlichen Forschung zugrunde gelegt hat, sondern Schulgeldsubventionen. Von zwei Ausnahmen abgesehen kann man Schulgeldsubventionen und Vouchers als identisch definieren. Der Vollständigkeit halber seien die zwei Ausnahmen kurz aufge- führt. Erstens, wird die Höhe von Vouchers durch die öffentlichen Schulausgaben be- stimmt, während die Höhe der Subvention von den Zuwendungen und Spenden abhän- gen, und Zweitens sind Schulgeldsubventionen nicht gleich groß zwischen den Privat- schulen, während ein Voucher im Allgemeinen für jeden Schüler gleich ist. Diese zwei- te Ausnahme verlangt, eine angemessene Höhe für Schulgeldsubventionen im Vergleich zu Vouchers als Ersatz zu wählen. Die Schulgeldsubventionierung entspricht der Diffe- renz zwischen den Kosten der Bildung eines Schülers und dem Schulgeld, das vom Haushalt des Schülers bezahlt wurde.

3.1 Empirische Grundlagen

Um die oben genannten Schulgeldsubventionen zu berechnen sind vielfältige Kenntnis- se nötig. Ausgangspunkt sind die metropolitan statistical areas (MSAs)1, welche als gut verfügbare Informationsquelle über die örtlichen Bildungsmärkte fungieren. Aus diesen MSAs benutzt die Autorin folgende Eigenschaften wie Wohnqualität, Entfernung zum Arbeitsplatz, Schulqualität, Steuersätze und Schulgebühren an privaten Schulen für ihre empirische Analyse. Diese Eigenschaften sind für jeden MSA individuell, und machen verständlich, warum es in den regionalen Bildungsmärkten unterschiedlich große Sub- ventionen gibt. Es sind ferner finanzielle Informationen und Kenntnisse über die Anzahl der Schüler an privaten und öffentlichen Schulen notwendig. Diese Daten stammen zum Teil aus der National Center for Education Statistics (NCES)2 Umfrage bei Privatschu- len in den USA, und geben wichtige Information über Quellen und Verwendung des Einkommens für Privatschulen wider.

Für die Analyse von Bedeutung sind außerdem Hinweise über die religiöse Bevölke- rung, weil diese Aufschlüsse über die Verbreitung des Besuchs von Privatschulen geben und weil religiöse Anhänger eifrige Spender für religiösorientierte Privatschulen sind. Ebenfalls verarbeitet wurde der Bevölkerungszensus von 1980, der unter anderem regi- onale Zahlen über Pro-Kopf Einkommen, Armutsrate, Gesamtbevölkerung, afroameri- kanische Bevölkerung, lateinamerikanische Bevölkerung, erwachsene Bevölkerung mit mindestens 12 Jahren Schulbildung und erwachsene Bevölkerung mit mindestens 16 Jahren Schulbildung liefert. Schließlich zieht Hoxby (1996) die Leistungen von einzel- nen Schülern, die aus den Schülerdaten des National Longitudinal Survey of Youth (NLSY)3 stammen, heran. Dabei verwendet sie zum einen den höchsten Bildungsab- schluss mit vollendetem 24. Lebensjahr, die Punktzahl beim AFQT4 (Test) und den Lohn bei der letzten Beschäftigung, um Leistung bei Schülern zu messen.

Die angewendeten Schätzverfahren für die benutzten Regressionsgleichungen sind die Methode der Kleinsten Quadrate (KQ-Methode), die Feasible Generalised Least Squares Schätzung und die Instrument-Variablen Schätzung (IV-Schätzung).

3.2 Effekte von Schulgeldsubventionen auf den Privatschulbesuch

Bei der Ermittlung der Auswirkungen von Subventionen auf die Anzahl der Schüler an Privatschulen wird folgende Regressionsgleichung eingeführt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die abhängige Variable[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] beschreibt den Prozentsatz der Schüler an Privatschu- len in einem MSA. Subs j ist die erklärende Variable, die die durchschnittlichen Schul- geldsubventionen bei Privatschulen im MSA beschreibt und der Vektor[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] beschreibt alle anderen möglichen Eigenschaften, die einen Schüler veranlassen eine Privatschule zu besuchen. Die Schätzung der Regression mit der KQ-Methode ist nur so lange brauchbar wie die Subvention zwischen den Bestimmungsgrößen der Schule und der Schülerleistung unkorreliert, d.h. die Kovarianz Null ist. Höchstwahrscheinlich sind jedoch real existierende Schulgeldsubventionen mit der Anzahl der Schüler die Privat- schulen besuchen korreliert. Aus diesem Grund muss eine Instrument-Variable einge- führt werden, um die kontemporäre Korrelation und die damit verbundene inkonsistente KQ-Schätzung zu verbessern. Die Instrument-Variablen, die die prozentuale Verände- rung der katholischen Bevölkerung im Zeitraum zwischen 1950 und 1980 beschreibt, muss korreliert mit den durchschnittlichen Pro-Schülerausgaben im MSA sein, und sie darf nicht korreliert mit dem Anteil der Schüler an Privatschulen sein, der nicht durch die anderen Variablen erklärt wird. Die Autorin benutzt die prozentuale Änderung der katholischen Bevölkerung in einem MSA als eine instrumentelle Variable für Subventi- onen, weil die katholische Kirche als einzige Konfessionsgemeinschaft in allen MSAs als Träger von Schulen vertreten ist, während andere Konfessionen nur in wenigen ver- treten sind.

Als Ergebnis liefert diese Regressionsgleichung bei der IV-Schätzung, dass eine Erhö- hung der Schulgeldsubvention um $ 1000 einen Anstieg der Schüleranzahl an Privat- schulen um 4,1 Prozent verursacht. Eine Einführung eines $ 1000 Voucher würde also die Anzahl der Schüler, die an Privatschulen insgesamt eingeschrieben sind, auf 14 % erhöhen. Somit wäre aber immer noch ein Großteil der Schüler auf öffentlichen Schulen und von der Einführung eines Vouchers nicht direkt betroffen. Dieses Ergebnis korres- pondiert mit dem von Epple und Romano (1998), bei denen die Schüleranzahl, die im öffentlichen Sektor verbleibt sinkt, während entsprechend die Anzahl der Schüler an Privatschulen zunimmt.

3.3 Gebühren, Vouchers und die Zusammensetzung der Schulen

Bei der Analyse, die die Effekte eines Vouchers auf die Zusammensetzung der Schulen zeigt, wird eine weitere Regressionsgleichung eingeführt. Diese Regression lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier wird nun ein weiterer Index eingeführt, nämlich i, der nun den individuellen Hin- tergrund eines Schülers wie ethnische Zugehörigkeit, Familieneinkommen und Bil- dungshintergrund der Eltern beinhaltet. Die abhängige Variable [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], beschreibt, ob ein Schüler eine weiterführende Privatschule besucht. In dieser Regression gibt es nun zwei Störterme. ε 2 j bezeichnet hier den MSA bezogen Fehlerterm während ε 2 ij den individuellen Fehlerterm darstellt.

Hier errechnet die IV-Schätzung der Regression, dass sich die Wahrscheinlichkeit für den Besuch einer Privatschule für einen weißen, nichtkatholischen Schüler, dessen El- tern keine Akademiker sind und der in einem MSA lebt, in dem es keine Subventionen gibt, bei einer Einführung eines $ 1000 Vouchers um 2,8 Prozent erhöht. Ebenfalls pro- zentuale Zugewinne erhalten den Schätzungen zufolge nichtlateinamerikanische katho- lische und afroamerikanische Schüler. Erstere verzeichnen eine 6-prozentige und letzte- re sogar eine 13-prozentige Zunahme. Der Anstieg bei der katholischen Schülerschaft kann vermutlich darauf zurückgeführt werden, dass die meisten Privatschulen eben ka- tholisch sind. Das Anwachsen bei der afroamerikanischen Bevölkerung kann damit er- klärt werden, dass sie verstärkt in städtischen Gegenden leben, wo die öffentlichen Schulen von niedriger Qualität sind, aber wo eben viele katholische Privatschulen sich in ihrer Nähe befinden, und als Alternativen anbieten.

3.4 Schulgeldsubventionierung und öffentliche Schulausgaben

Hoxby (1996) untersucht auch die Frage, wie die Höhe eines Vouchers die öffentlichen Schulausgaben beeinflusst. Sie benutzt für ihre Analyse zwei Regressionsgleichungen, für eine Pro Einwohner- und eine Pro Schüler Betrachtung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(4)

Die abhängige Variable der Gleichung (3) zeigt die Pro-Einwohnerausgaben an einer öffentlichen Schule in einem MSA an, während die Gleichung (4) die Pro- Schülerausgaben an einer öffentlichen Schule in einem MSA wider gibt. Als neue Vari- able wird das Quadrat der durchschnittlichen Subventionen eingeführt[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]lineare Effekte einzugliedern.

Als Ergebnis der Schätzungen kann zusammengefasst werden, dass die Einführung ei- nes Vouchers keine signifikanten Auswirkungen auf das Verhalten der öffentlichen Schulen bezüglich ihrer Ausgaben hat. Hoxby (1996) vermutet, dass die Haushalte, die Kinder im schulfähigen Alter haben, nur einen geringen Anteil an den gesamten Haus- halten in den USA ausmachen, und wiederum der Anteil dieser Haushalte die ihre Kin- der auf eine Privatschule schicken nur zehn Prozent beträgt, und sich deshalb keine An- reize aufgrund erhöhten Wettbewerbs einstellen können. Falls jedoch die staatlichen Zuwendungen für die öffentlichen Schulen an die Schülerzahlen gekoppelt wären, und bei einem größeren Abgang von Schülern einer öffentlichen Schule diese Zuwendungen gekürzt würden, würden Schulleiter bzw. -Verwalter vielleicht dazu veranlasst werden am Personal oder der Ausstattung zu sparen. Wenn sie dann nicht bereit wären unbe- liebte Entscheidungen gegenüber ihren Mitarbeitern oder Einsparungen an den Ausstat- tungen vorzunehmen, so wären sie gezwungen die Produktivität in ihrer Schule zu er- höhen, um für Schüler attraktiv zu bleiben. Diese Anreizwirkung stellt für die Autorin den wichtigeren Effekt dar, als die finanziellen Auswirkungen des Vouchers auf die Ausgaben. Im Gegensatz dazu werden im Modellansatz von Epple und Romano (1998) Eltern in Form zweckgebundener Vouchers mit Kaufkraft ausgestattet, d.h. mit Bil- dungsgutscheinen, die sie für den Besuch bei Privatschulen einlösen können und da- durch entsteht ein ausgeprägter Wettbewerb um Schüler, die entweder hohe Schulge- bühren bezahlen können, oder um Schüler mit hohen Peerfähigkeiten. Außerdem erfolgt ein Paradigmenwechsel, von der Objektfinanzierung der Schulen zur Subjektfinanzie- rung der einzelnen Schüler. Somit werden die Eltern also in die Lage versetzt, die nach ihrer Ansicht beste Ausbildung für ihr Kind selber zu wählen, sich an den eigenen Wertvorstellungen, dem pädagogischen Profil der Schule oder auch der Ausstattung der Schule etc. zu orientieren. Im Ergebnis wären alle Privatschulen gezwungen, ihrer Kundschaft die bestmöglichste Leistung zu günstigen Preisen anzubieten. Nur die Schü- ler, die im öffentlichen Sektor verbleiben müssten, müssen aufgrund der sinkenden Qualität der staatlichen Schulen mit Wohlfahrteinbußen rechnen.

3.5 Schulgeldsubvention und Schülerleistung

Um die Auswirkungen von Schulgeldsubventionen auf die Schülerleistung zu schätzen wird die folgende Regressionsgleichung eingeführt. Auch hier werden zu den MSA spezifischen Daten wieder individuelle Daten zum persönlichen Hintergrund des Schü- lers herangezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der linken Seite der Gleichung steht als abhängige Variable die Schülerleistung. Um die Ergebnisse plausibler zu gestalten werden drei unterschiedliche Maße der Schü- lerleistung mit Hilfe der Regression geschätzt: a.) des Schülers höchster Bildungsab- schluss nach vollendetem 24. Lebensjahr, b.) des Schülers prozentuale Punktzahl beim AFQT (Test) und c.) des Schülers Stundenlohn bei seinem letzten Job.

Wichtig anzuführen ist, dass man hier jeweils die FGLS-Methode und dann eine korri- gierte IV-Variablen Schätzung anwendet. Die FGLS-Methode benutzt man, weil der Schätzer nicht mehr linear, und damit verzerrt ist. Die FGLS-Methode garantiert einem aber immerhin asymptotische Unverzerrtheit und Effizienz als Eigenschaften. Die Tabelle zeigt die Auswirkungen eines Vouchers und des Familienhintergrunds auf die Schülerleistung. Die Werte der folgenden Variablen wurden mit der IV-Schätzung ermittelt.

Tab. 1: Auswirkungen einer Schulgeldsubventionierung auf die Leistungen der Schüler mit bestimmten Charakteristika.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Basisgruppe, die weißen nichtkatholischen Schüler, bei denen kein Elternteil Akademiker ist und die in einem MSA leben, wo es keine Voucher gibt, verbessern sich beim Bildungsleistungsabschluss um 2,1 Jahre, bei der AFQT Punktzahl um 7,9 Prozent und bei den Löhnen um 12 Prozent. Um die Leistungsverbesserungen von weißen, nichtlateinamerikanischen, katholischen Schüler aus öffentlichen Schulen mit Eltern ohne Hochschulabschluss muss man die jeweiligen Spaltenwerte zur ersten Spalte der Basisgruppe dazuaddieren. So lässt sich erkennen, dass diese Gruppe sich um 2,6 Jahre und 17,9 Prozentpunkte beim AFQT verbessert. Auch afroamerikanische Schüler legen in den Schulabschlüssen und in der AFQT Punkten zu, nämlich um 2,7 Jahre und um 18 Prozent. Selbst lateinamerikanische Schüler, die schwächste Gruppe, legen in allen drei Messkategorien zu, so bei den Schulabschlüssen um 12 Prozent (0,21-0,09), bei der AFQT Punktzahl um 5,1 Prozent (0,79-0,28) und den Löhnen um 8 Prozent (0,012- 0,004).

Eine wichtige Erkenntnis stellt man fest, wenn man nun explizit die Zahlen für die Pri- vatschulen betrachtet. Hier kann man bei den Schulabschlüssen nur eine Verbesserung von 12 Prozent erzielen und auch die Lohnsteigerungen fallen mit 4 Prozent eher be- scheiden aus.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Schüler zum Teil erheblich bessere Leistungen bringen, wenn Schulsubventionen erhöht werden. Wie kann man dies interpretieren? Erstens kann die Tatsache, dass erhöhte Subventionen kaum Änderungen bei den öffentlichen Schulausgaben verursachen, benutzt werden um die Hypothese zu widerlegen, dass Verbesserungen bei Schülerleistungen auf Erhöhung der Inputs zurückzuführen sind. Eher muss man erklären, warum Schulen - und da insbesondere die öffentlichen Schu- len, was die Ergebnisse zeigen - höhere Schülerleistungen für das gleiche Niveau an Inputs erzeugen. Die einzig schlüssige Erklärung hierfür scheint für die Autorin darin zu liegen, dass Schulgeldsubventionen für Privatschulen, öffentliche Schulen dazu veran- lassen werden, ihre Produktivität zu erhöhen.

4. Erzeugt Wettbewerb bessere Schulen?

Ein zentrales Argument für die Befürworter von mehr Wettbewerb im Bildungssystem ist die Schlussfolgerung, dass marktorientierte Reformen eine bessere Qualität der Bildung oder geringere Kosten erzeugt. Bisher gibt es nur sehr wenige Ergebnisse über die Auswirkungen von Wettbewerb auf die Produktivität des gesamten Bildungssystems. Öffentlich finanzierte Voucher Programme waren regional beschränkt und viel zu klein um messbare Auswirkungen auf den öffentlichen Sektor auszuüben.

Eine Studie von Ladd und Fiske (2001) auf Grundlage einer Umfrage bei Schulleitern und Lehrern in Neuseeland versucht diese Argumentation zu entkräften.

4.1 Erfahrungen aus Neuseeland

Neuseeland kann gewisse Parallelen mit den USA aufweisen. Zum Einem ist es eben- falls ein angelsächsisches Land und besitzt damit eine große kulturelle Ähnlichkeit und zum anderen hat es ebenfalls einen Minderheitenanteil an der Bevölkerung. Für die ge- samte Fragestellung scheint es wegen den gravierenden Veränderungen in seinem Bil- dungsbereich prädestiniert zu sein, als Objekt der Forschung herangezogen zu werden. Bereits 1989 wurden tief greifende Reformen im neuseeländischen Bildungssystem vorgenommen, die 1991 sogar noch ausgedehnt wurden. Die neuen Reformen sahen eine vollständige Wahlfreiheit der Eltern bei der Schulauswahl vor und förderten die Entwicklung einer Wettbewerbskultur im staatlichen Bildungssystem. Kern der 1991er Reform war die Abschaffung von Schuleinschreibungszonen für weiterführende Schu- len. Dies bedeutete, das beginnend von 1992, Schülern nicht länger ein Platz an einer örtlichen Schule garantiert war, und dass gleichzeitig Schulen nicht länger eine garan- tierte Klientel haben sollte.

Die nun selbstverwalteten Schulen können nun eigene „enrollment schemes“ erstellen, wenn sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht haben. Das führt dazu, dass Schulen mit einer Schüleranzahl unter der Kapazitätsgrenze finanzielle Anreize haben sich auszuweiten, da die staatlichen Zuwendungen an die Schüleranzahl gekoppelt sind. Um expandieren zu können, müssen sie sich vermarkten und attraktiv für potentielle Schüler werden. Mittels dieser „enrollement schemes“ haben sie nun die Möglichkeit, die Schüler aus- zuwählen, die sie selbst als attraktiv erachten. Einen ordnungspolitischen Eingriff des Staates gibt es insoweit, dass ein Quorum für sozioökonomische und ethnische Mi- schung in jeder Schule erfüllt sein muss.

Ladd und Fiske (2001) kommen in ihrer Analyse zu der Feststellung, dass im Gegen- satz zu den von Hoxby (1996) und Epple und Romano (1998) gestützten marktorientier- ten Ergebnissen, Wettbewerb und der Rückgang der Schüler im öffentlichen Sektor die Qualität der Schülerbildung insgesamt reduzieren. Die Autoren ermitteln in ihren Schät- zungen einen signifikant negativen Koeffizienten des Wettbewerbs, was nach ihrer Meinung das Ergebnis bestätigt, dass eine Konkurrenzsituation negative Effekte auf die Qualität der Schülerbildung hat. Darüber hinaus stellen die Autoren signifikant negative Auswirkungen bei den Lerninhalten, Lernmethoden, Beziehung der Lehrer zu den El- tern und den Beziehungen der Lehrer mit den Schulleitern fest. Ebenfalls negative Ef- fekte zeigen sich bei der Lehrerzufriedenheit über ihren Job, was die in diesem Zusam- menhang gerechtfertigte Frage erlaubt, ob Reformen tatsächlich gut umgesetzt werden können, wenn die Handelnden Akteure, und hier insbesondere die Lehrer kritische Wahrnehmungen der Auswirkungen empfinden.

5. Schlussbetrachtung

Epple und Romano (1998) kommen zu dem Schluss, dass ein Ausweiten von Gebüh- renvouchers Schüler, die vom öffentlichen in den privaten Sektor wechseln begünstigt, während diejenigen die im öffentlichen Sektor verbleiben mit Wohlfahrtsverlusten rechnen müssen. Sie erklären ihre Ergebnisse damit, dass Vouchers mehr private Schu- len zum Markteintritt veranlassen. Dadurch steigt der Grad der Internalisierung der Peergruppenexternalitäten, und somit stellt das vermehrte Vorhandensein von preisdis- kriminierenden Privatschulen einen Effizienzgewinn gegenüber dem bestehenden Sys- tem dar. Hoxby (1996) bewertet die Peereinflusse der Schüler und Schulen nur am Ran- de und zieht bei den Ursachen für die Leistungsverbesserungen der Schüler andere Schlüsse. Denn im Gegensatz zu Epple und Romano (1998) profitieren vor allem Schü- ler, die trotz Voucher, an öffentlichen Schulen verbleiben. Hoxby (1996) erklärt dies durch eine Anreizerhöhung, bei der öffentliche Schulen bessere Schulinputs zur Verfü- gung zu stellen als eine Folge des sich durch den Voucher erhöhenden Wettbewerbs. Ladd und Fiske (2001) stellen durch ihre Befragung fest, dass die von marktorientierten Vertretern verbreitete These der Effizienzsteigerung oft hinter den Erwartungen zurück- bleibt, weil es häufig hohes Konfliktpotential innerhalb der Schulen gibt. Sie kommen zu dem Schluss, dass Verbesserungen z.B. bei der Leistung der Schüler bei grundlegen- den Veränderungen der Lehrvermittlung zu erzielen sind, und nicht hauptsächlich an finanziellen Anreizen festzumachen sind. Denn ob die Reformen wirklich greifen, wenn Lehrer nicht mit den Reformmaßnahmen übereinstimmen, bleibt zumindest zweifelhaft.

Für mich bleibt die Frage offen, ob Voucher überhaupt in Deutschland eine Alternative darstellen. Wenn doch ein Hauptkritikpunkt am deutschen Bildungssystem die Tatsache ist, dass nirgendwo die Unterschiede zwischen Privilegierten und Nichtprivilegierten, im Sinne von hohem Bildungshintergrund und geringem, so groß sind wie in Deutsch- land, so würden vermutlich bei einer Ausweitung des privaten Schulsektors mehr lern- schwache Schüler abgehängt. Die positiven Ergebnisse der skandinavischen Staaten wie auch insbesondere Finnland, lassen darauf schließen, dass dort lernschwache Schüler zum Teil von den Peerfähigkeiten der besseren Schüler profitieren. Dort schneiden bei den Leistungstests die schwächeren Schüler besser ab als in Deutschland.

6. Literaturverzeichnis

1. Hoxby, Caroline M. (1996): „The Effects of Private School Vouchers on Schools and Students, “In Helen Ladd, ed., Holding schools accountable, Brookings Institution, pp. 177-207, Washington D.C..
2. Hoxby, Caroline M. (1994): „Do Private Schools Provide Competition for Public Schools? “, National Bureau of Economic Research, Working Paper Nr. 4978, Cam- bridge.
3. Ladd, Helen und Fiske, Edward B. (2001): „Does Competition Generate Better Scholls? Evidence from New Zealand, “Working Papers Series SAN 01-16, Durham.
4. Epple, Dennis und Romano, Richard E. (1998): „Competition Between Private and Public Schools, Vouchers, and Peer-Group Effects,“The American Economic Review, pp. 33-62.

[...]


1 Ein einzelner Verwaltungsbezirk oder eine Gruppe von Verwaltungsbezirken, die eine städtische Region definieren, meist mit einer zentralen Stadt von mindestens 50.000 Einwohnern.

2 Die Daten waren in der National Longitudinal Survey of Youth (NLSY; Nationales Zentrum für Bil- dungsstatistik der USA) gesammelt und umfassten 12.600 Individuen, die seit 1979 jährlich einmal inter- viewt wurden. Zu Beginn der Langzeitstudie waren die Probanden zwischen 14 und 22 Jahren alt.

3 Der NLSY bezieht individuelle und familiäre Hintergründe der Befragten mit ein.

4 Der Armed Forces Qualifications Test, ist ein Leistungstest, den man beim Eintritt in die US Armee ablegen muss

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Details

Titel
Die Effekte von Vouchers auf Schulen und Schüler und die Frage, ob Wettbewerb tatsächlich bessere Schulen erzeugt
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Seminar zur Finanzwissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V109730
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Effekte, Vouchers, Schulen, Schüler, Frage, Wettbewerb, Seminar, Finanzwissenschaft
Arbeit zitieren
Enzo Amorelli (Autor), 2005, Die Effekte von Vouchers auf Schulen und Schüler und die Frage, ob Wettbewerb tatsächlich bessere Schulen erzeugt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109730

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