Aufgrund der besonderen Rolle von großen Unternehmen und dem Rohstoffreichtum Südafrikas, ist es besonders interessant, sich die Einordnung des Landes in der vergleichenden Kapitalismusforschung genauer anzusehen. Die Vernetzung dieser Unternehmen mit dem Staat auf der einen Seite, aber auch die Liberalisierung nach der Apartheid auf der anderen Seite, all dies verknüpft mit dem Ressourcenreichtum, ergeben ein interessantes und teilweise widersprüchliches Bild vom südafrikanischen Kapitalismus. Die großen, aufstrebenden Schwellenländer sind schon seit einiger Zeit ein wichtiger Gegenstand der Forschungsliteratur wie der Entwicklungspolitik oder der vergleichenden, beziehungsweise internationalen politischen Ökonomie.
Das südafrikanische Wirtschaftssystem wurde bereits mehrmals versucht, in den Varieties of Capitalism Ansatz zu integrieren. Nattrass 2013 analysiert, dass die Transformation der südafrikanischen Wirtschaft teilweise in Richtung eines CME-Types ging, aber auch durch die Liberalisierung Elemente einer liberal-market-economy hat. Nölke et al. 2014 wiederum grenzen Südafrika von den abhängigen Marktökonomien Osteuropas ab, aber weisen auch auf Unterschiede zu den staatskapitalistischen Ländern wie China und Indien hin. Dennoch geht der Trend am ehesten in die Richtung, Südafrika dem SME-Kapitalismustyp zuzuordnen, auch wenn dies kontrovers diskutiert wird, wie bei Nölke 2019.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Varieties of Capitalism und Staatskapitalismus
2.2 Natural Resource Governance
2.3 Forschungsfrage
3. Institutionelle Einordnung und natürliche Ressourcen
3.1 Einordnung von Südafrikas Kapitalismusmodell
3.2 Resource Governance in Südafrikas Kapitalismusmodell
4. Fazit und Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einordnung der südafrikanischen Volkswirtschaft in die vergleichende Kapitalismusforschung, insbesondere unter Berücksichtigung der Theorie der "Varieties of Capitalism" (VoC) und des Typs des "state-permeated-capitalism" (SME). Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie der südafrikanische Umgang mit natürlichen Ressourcen in dieses theoretische Modell einzuordnen ist und ob sich die Charakterisierung als SME durch diese Analyse erhärten oder entkräften lässt.
- Analyse der institutionellen Einordnung Südafrikas im Rahmen der VoC-Theorie
- Untersuchung der Rolle natürlicher Ressourcen für die wirtschaftliche Entwicklung
- Anwendung des Konzepts der "Natural Resource Governance" auf den südafrikanischen Kontext
- Kritische Beleuchtung der Verflechtungen zwischen dem Staat und großen Bergbauunternehmen (Minerals-Energie-Complex)
- Bewertung der Nachhaltigkeit der aktuellen Wirtschafts- und Rohstoffpolitik
Auszug aus dem Buch
Corporate Governance: Unter der Apartheid war das corporate governance model auf wenige Unternehmen konzentriert, welches die Eigentümer mit Pyramidenstrukturen und hoher Konzentration von non voting shares zu erhalten wussten.
Neben den Unternehmen des MEC sind dies die finanziellen Zweige der Bergbauunternehmen, sowie Versicherungsfirmen wie ,,Old Mutual’’ and ,,Sanlam’’ (Habbard 2010: 5-6). Diese waren größtenteils in der Hand von Familien, deren Einfluss hat sich zwar mittlerweile leicht verringert, ist aber nach wie vor sehr hoch (Nölke et al: 2019: 155). Obwohl dies von den Gegebenheiten in westlichen Volkswirtschaften abweicht, hat Südafrika auf dem Gebiet des corporate governance sehr fortschrittliche Strukturen etabliert, die sich aus der britischen Kolonialvergangenheit ableiten lassen (Andreasson 2009: 8). Um dieses System zu reformieren, wurde 1992 das ,,King Committee on Corporate Governance’’ etabliert, welches eine sozioökonomische Umgestaltung der seit Jahrzehnten vom weltweiten Markt isolierten südafrikanischen Wirtschaft vorsah. Wichtige Bausteine auf dem Gebiet des corporate governance waren Anpassungen an internationale Standards und für institutionelle Investoren, aber auch eine größere Orientierung von Unternehmenskontrolle durch größere Mehrheiten.
Die sogenannten ,,King Reports’’ wurden bis 2009 mehrmals neu aufgelegt, um die Reformen fortzuführen. (ebd.: 10-11). Beispielsweise legt der King IV Report fest, dass gelistete Unternehmen in ihrer Führung zwischen Management und governing body unterscheiden müssen, also eine Anpassung an internationale Standarts (OECD 2021: 177).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die ökonomische Ausgangslage Südafrikas nach dem Ende der Apartheid ein und stellt die theoretische Relevanz der vergleichenden Kapitalismusforschung für das Land dar.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel erläutert die VoC-Theorie sowie den Ansatz der "Natural Resource Governance", um die analytischen Kategorien für die anschließende Untersuchung bereitzustellen.
3. Institutionelle Einordnung und natürliche Ressourcen: Hier erfolgt eine kritische Analyse der institutionellen Sphären Südafrikas sowie des Umgangs mit Rohstoffen, unter besonderer Berücksichtigung des Minerals-Energie-Complex.
4. Fazit und Implikationen: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und diskutiert die Einordnung Südafrikas als "state-permeated-capitalism" im Kontext der nachhaltigen Ressourcennutzung.
Schlüsselwörter
Südafrika, Kapitalismusforschung, Varieties of Capitalism, SME, Minerals-Energie-Complex, Natural Resource Governance, Institutionelle Analyse, Apartheid, Rohstoffreichtum, Wirtschaftsmodell, Nachhaltigkeit, Bergbau, Transformation, Arbeitsbeziehungen, Finanzialisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das südafrikanische Wirtschaftsmodell und dessen Einordnung in die vergleichende Kapitalismusforschung, wobei der Schwerpunkt auf den institutionellen Strukturen und der Bedeutung natürlicher Ressourcen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Unternehmensführung (Corporate Governance), die Investitionsfinanzierung, die Arbeitsbeziehungen, der Bildungssektor sowie die Rolle der Rohstoffindustrie und deren politische Steuerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie lässt sich Südafrikas Umgang mit natürlichen Ressourcen in die Theorie der Varieties of Capitalism (besonders dem SME Typus) einordnen?“ Ziel ist es, die Kategorisierung Südafrikas als "state-permeated-capitalism" zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor verwendet die Methode der kritischen institutionellen Analyse, um die Komplementaritäten institutioneller Sphären im südafrikanischen Kontext zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen institutionellen Rahmenbedingungen Südafrikas sowie die spezifischen Auswirkungen des "Minerals-Energie-Complex" auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Varieties of Capitalism, Natural Resource Governance, Minerals-Energie-Complex, Transformation und institutionelle Analyse charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst das Erbe der Apartheid das heutige Wirtschaftssystem?
Das Erbe der Apartheid äußert sich durch eine anhaltende Klassenstruktur, eine starke Fragmentierung des Arbeitsmarktes und die historische Machtkonzentration innerhalb des Minerals-Energie-Complex, was die wirtschaftliche Transformation bis heute erschwert.
Warum gilt die Einordnung von Südafrika als "state-permeated-capitalism" als kontrovers?
Die Einordnung ist kontrovers, da Südafrika einerseits Strukturen aufweist, die für diesen Typus typisch sind (Verflechtung von Staat und großen Unternehmen), andererseits aber auch ausgeprägte liberale Elemente, wie eine starke Finanzialisierung und hohe Kapitalflucht, aufweist, die eher untypisch für diesen Modelltyp sind.
- Quote paper
- Konstantin Schiewer (Author), 2021, Die Rolle von natürlichen Ressourcen für Südafrikas Kapitalismusmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1098092