Elemente der Konzeptionen von Schrift bei Saussure und Derrida


Hausarbeit, 2005
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Vorwort

2 Absichten und Methodik des Cours'
2.1 Wie die Begriffsbestimmung zum Problem wird. Beispiel: Sprache.
2.2 Ambivalente Grundannahmen des Cours'

3 Signifikant, Signifikat, Zeichen
3.1 Arbitrarität von Zeichen
3.2 Entstehung von Wert durch negative Differenzierung von Zeichen
3.3 Sprache und Schrift
3.4 Exkurs: Abbildtheorie
3.5 Abbildtheorie angewandt: Sprache als Repräsentationssystem von Sinn?
3.6 Schrift als Repräsentationssystem von Sprache

4 Kontext der Derrida'schen Konzeption von Schrift
4.1 Neudenken des Verhältnisses von Sprache und Schrift jenseits einer binären Hierarchie
4.2 Ein kritischer Blick auf Derridas Aneignung Saussure'scher Konzepte
4.3 Derridas Kritik an der Abbildtheorie
4.4 Von einer statischen Auffassung von Differenz zu einer prozessualen
4.5 Wider eine Logik der Präsenz: Die Spur als Sinnbild für das Entstehen von Bedeutung in Nachträglichkeit
4.6 Ur-Schrift

5 Nachwort

Literatur

1 Vorwort

Diese Arbeit geht der Frage nach, wie Verständnisse von Schrift im Cours de linguistique génerale (Cours) und in Jacques Derridas Grammatologie angelegt werden und welche gedanklichen Konstruktionen dabei besondere Wichtigkeit haben. Eingangs werden nach einigen Bemerkungen zur Methodik zentrale theoretische Konstrukte des Sprachforschers Saussure erläutert. Sie sind wichtig, um zu einem Verständnis von Schrift hinzuführen, wie es im Cours dann eher implizit entwickelt wird. Der zweite Teil behandelt, wie und mit welchen Motiven Derrida seine Konzeption von Schrift entwirft und sich dabei den Cours in dekonstruktiver Lektüre zunutze macht.

Vorweg einige Worte zur Diskussion um die Autorenschaft des Cours': Die Herausgeber Charles Bally und Albert Sechehaye haben den Text posthum aus Mitschriften von Vorlesungen rekonstruiert, die Saussure zwischen 1906 und 1912 gehalten hat. Dieser Text hat dann eine breite Rezeption erfahren, die wesentlich zur Bekanntheit Saussures beigetragen hat. So wird der Cours oft zum Hauptwerk Saussures stilisiert – meist jedoch, ohne die Problematik dieser Zuschreibung aufzuschlüsseln. Denn Saussure selbst hat seine Erkenntnisse als Sprachforscher nie als zusammenhängendes Werk publiziert. Wie Fehr hervorhebt, möglicherweise nicht aus persönlichen Zweifeln, sondern aus solchen, die mit seinem Sujet zusammenhingen. Saussure zweifelte zum Beispiel daran, ob seine Überlegungen überhaupt als ein abgeschlossenes System darstellbar sein würden.[1] Wo von Systemen die Rede ist, erfährt man im Cours über diese Zweifel jedoch nichts. Es steht zu befürchten, daß die Herausgeber des Cours' eine inhaltliche Eigenarbeit geleistet haben könnten, der Saussure widersprochen haben würde.

Für diese Arbeit ergibt sich daraus eine besondere Situation: Saussure'sche Begrifflichkeiten werden zwar auf Basis des Cours' erläutert; die Erläuterungen sollen die Lesenden aber aufgrund des Wissens um die problematische Autorenschaft bewußt für Ambivalenzen und Auslegunsmöglichkeiten empfänglich machen. Diskutiert werden soll hier also nicht, wie authentisch der Cours ist. Auf die Person Ferdinand de Saussure wird meist nur vorsichtig Bezug genommen, insofern er (vielleicht unfreiwilliger) Repräsentant der Rezeptionsgeschichte des Cours' geworden ist.

Weiter geht es in dieser Arbeit aber auch um Derridas Arbeit mit dem Cours. Derrida betont nicht so sehr die diskutierbaren Auslegungsmöglichkeiten, sondern entscheidet sich für eine, an der seine weiterführende Kritik gut greift. Deshalb bereiten die Kapitel über die Saussure'sche Konzeption von Schrift zwar einerseits die im Derrida-Teil folgende Erläuterung der Derrida'schen Arbeit mit Saussure vor. Stellenweise wird in ihnen aber auch eine andere Lesart des Cours' angeboten, die der von Derrida widerspricht.

Diese Arbeit bringt mehr Derridas Grammatologie mit Saussures Cours ins Gespräch als umgekehrt. Denn Derrida als der historische spätere Denker profitiert von Saussure'schen Denkweisen, modifiziert sie und verwebt sich durch seine prominente Arbeit am Cours fast zwangsläufig mit heutigen Lesarten Saussures. Trotzdem verwehrt sich die Pluralisierung „Konzeptionen“ im Titel dieser Arbeit dagegen, die Grammatologie nur als ihrer Zeit gemäße Weiterentwicklung des Cours' oder Derrida als radikalisierenden Saussure zu betrachten.

Die Verschiedenheit der Motive Saussures und Derridas läßt es weder zu, sie in Kontinuität noch in Opposition zueinander zu stellen: Umkreist der Cours sein Untersuchungsobjekt, Sprache, und stellt die Etablierung der Semeologie als neuer Wissenschaft von den Zeichen in Aussicht, treibt die Grammatologie eine Bewegung voran, die wissenschaftliche Objektivierbarkeit schlechthin zur Farce werden läßt und die Metaphysik als traditionellen Horizont von Wissenschaftlichkeit zu dekonstruieren sucht.

2 Absichten und Methodik des Cours'

Sah man in Sprache noch im ausgehenden 19. Jahrhundert vornehmlich ein Werkzeug zur Erforschung anderer Sachverhalte, zielt der Cours de linguistique génerale, in deutscher Übersetzung die Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, darauf ab, Sprache selbst zum Gegenstand systematischer Untersuchung werden zu lassen.[2]

In Abgrenzung zu bestehenden Wissenschaften wie zum Beispiel der vergleichenden Grammatik, die sich bereits mit dem Vergleich sprachlicher Erscheinungen in unterschiedlichen Kulturen beschäftigte, versucht der Cours zu zeigen, daß es einen spezielleren Gegenstand „Sprache“ gibt, der einem eigenen Funktionsprinzip folgt, über das die etablierten wissenschaftlichen Methoden keinen Aufschluß ermöglichen können. Um diesen Gegenstand „Sprache“ und das vermutete innere Funktionsprinzip systematisch zu untersuchen, wird mit dem Cours die Gründung einer neuen Sprachwissenschaft beabsichtigt und eingeleitet. Diese Sprachwissenschaft sollte als Teil einer (ebenfalls noch zu entwickelnden) allgemeinen Semeologie verstanden werden. Ungewöhnlich für eine Wissenschaft steht über den Gegenstand der neuen Sprachwissenschaft, die Sprache, aber nicht viel fest. Nur die Ausgangsthese: Sprache ist ein System von Zeichen.

Um die Bestimmung des Gegenstandes „Sprache“, die Erklärung, wie Sprache als Zeichensystem begriffen werden kann, und das innere Funktionsprinzip von Sprache kreisen die Ausführungen des Cours'.

Eine lange Einleitung ist im Cours diversen Abgrenzungen gewidmet. Darin wird Sprache nicht so sehr positiv bestimmt, sondern von dem getrennt, was sie für die Verfasser des Cours' nicht ist, nämlich „Menschliche Rede“, das „Lautliche“ oder „Sprechen“. Diese Abgrenzungen und die Grundsatzproblematik bei der Begriffsbestimmung werden in Kapitel 2 in kurzen Zügen nachvollzogen, um sichtbar zu machen, wie sich die später folgenden theoretischen Konstruktionen verorten lassen.

Gleichzeitig wird im Cours davon ausgegangen, daß sich Sprache gerade durch äußerliche Definitionen nicht vollständig bestimmen läßt, sondern daß erst die Kenntnis eines vermuteten inneren Funktionsprinzips überhaupt ein Verständnis von Sprache ermöglichen kann. Daher folgt im Cours dem ersten definitorischen Rohschnitt der wesentliche Hauptteil. In ihm werden die Thesen über das innere Funktionieren von Sprache ausgearbeitet, die auch für Derrida später besonders relevant werden. Darunter die wichtigste: Sprache ist ein System von Zeichen (siehe Kapitel 3).

2.1 Wie die Begriffsbestimmung zum Problem wird. Beispiel: Sprache.

Die Ausgangslage für die neu zu gründende Sprachwissenschaft ist geprägt von der Schwierigkeit, den Untersuchungsgegenstand Sprache überhaupt zu bestimmen. Wie kann Sprache von außen definiert werden, wenn die Definition von der Kenntnis eines inneren Funktionsprinzips abhängt, das wiederum sich erst entdecken läßt, wenn klar ist, welches das Objekt ist, dessen Prinzip entdeckt werden soll? Das Problem des Definierens von Gegenständen und Begriffen wird im Cours als ein erkenntnistheoretisches behandelt und auch benannt:

Man kann nicht einmal sagen, daß der Gegenstand früher vorhanden sei als der Gesichtspunkt, aus dem man ihn betrachtet; vielmehr ist es der Gesichtspunkt, der das Objekt erschafft [...].[3]

Es ist also festzuhalten, daß Forschende im Geiste des Cours' als an ihrem Gegenstand Mitwirkende betrachtet werden können, indem sie Gesichtspunkte, das heißt zum Beispiel Untersuchungskategorien, wählen. Für die Theorieentwicklung Saussures könnte dies bedeuten, daß das begriffliche Schema, mit dem er arbeitet, nicht allein als aus "den Dingen" abgeleitetes, notwendiges gesehen werden muß, sondern als eines, das von Saussure als Forscher mitbestimmt wird und sich auch darauf auswirkt, wie der Gegenstand Sprache erscheint.

Am Beispiel der ersten, weiter oben als Rohschnitt bezeichneten Bestimmung von Sprache soll das Schema der Begriffsbestimmung eingeführt werden, das Saussure gewählt hat. Es läßt sich als typisch für die Saussure'sche Theorieentwicklung bezeichnen: die Verortung von Begriffen in einem Gerüst von Gegensatzpaaren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Saussure löst Sprache zunächst aus dem umfassenden Bereich der menschlichen Rede. Der gehöre die Sprache zwar an, doch eigne die menschliche Rede sich nicht als Untersuchungsgegenstand, da ihre Einheit sich nicht ableiten lasse, so vielförmig und ungleichartig sei sie: individuell und sozial, physisch, psychisch und physiologisch.[4] Scheerer macht deutlich, wie allgemein der Begriff menschliche Rede, im französischen Original "langage", zu verstehen ist:

Langage [menschliche Rede, UMH] ist der bei weitem unschärfste Begriff. Gemeint ist Sprache in einem umfassenden, vorwissenschaftlichen Sinne. [...] Langage kann je nach Kontext die allgemeine Sprachfähigkeit des Menschen, das Allgemeinsprachliche im Sinne der Menge aller sprachlichen Erscheinungen oder das Allgemeinsprachliche im Sinne von Universalien bedeuten.[5]

In den Bereich der menschlichen Rede fallen Sprechen und Sprache als Gegensatzpaar. Als physiologischer Akt der Artikulation hängt das Sprechen grundsätzlich mit Sprache zusammen. Da es aber einen individuellen Akt des Willens bedingt, dem gegenüber Sprache für Saussure unabhängig existiert, fällt Sprechen mit Sprache nicht in eins.

Es besteht [...] eine gegenseitige Abhängigkeit von Sprache und Sprechen; dieses ist zugleich das Instrument und das Produkt von jener. Aber das alles hindert nicht, daß beide völlig verschiedene Dinge sind.[6]

Ein weiteres Phänomen, das des Lautlichen, hat zwar mit Sprache zu tun, seine Erforschung wird im Cours aber nicht der Sprachwissenschaft zugewiesen. Laute gehören dem Funktionskern von Sprache nicht an, weil sie an sich bedeutungslos sind. Bedeutungsvoll werden sie erst im individuellen Sprachakt und zwar in dem Maße, in dem sie psychisch mit einer Vorstellung zu Einheiten, zu Lautbildern, verbunden sind. Durch die Praxis des Sprechens können Laute Träger bestimmter Bedeutungen werden.

Die Gegensatzpaare, mit deren Hilfe menschliche Rede, Sprechen, das Lautliche und Sprache verortet werden, polarisieren unter anderem das Individuelle mit dem Sozialen; den praktischen Akt des Willens mit einer unbedingten, passiven Fähigkeit und die Physis mit der Psyche. Weitere Begriffspaare, die das Tuch spannen, in das die Saussure'sche Theorieentwicklung fällt, werden in Kapitel 3 behandelt. Es sind Signifikant und Signifikat, Synchronie und Diachronie.[7]

2.2 Ambivalente Grundannahmen des Cours'

Bevor gleich endlich auf die Begriffe eingegangen wird, für die Saussure so bekannt geworden ist, soll hier explizit auf eine der im Cours existierenden Widersprüchlichkeiten hingewiesen werden. Denn diese Ambivalenz, die Derrida später weitgehend unberücksichtigt läßt, ist keine nebensächliche, sondern eine methodische und kann als Grund dafür gesehen werden, warum der Cours sich geradezu für konträre Auslegungen eignet.

Im Cours wird davon ausgegangen, daß Sprache ein System von Zeichen ist. Dieses System von Zeichen ist für die Verfasser ein genau umschriebenes Objekt innerhalb der menschlichen Rede, das lokalisiert und dessen wahre Natur, etwas irreduzibel Sprachliches, entdeckt werden kann.[8] Am Horizont steht also die ideal anmutende Idee von der Ganzheit und feststellbaren Abgeschlossenheit eines Sprachlichen Systems.

Wenn wir die Summe der Wortbilder, die bei allen Individuen aufgespeichert sind, umspannen könnten, dann hätten wir das soziale Band vor uns, das die Sprache ausmacht.[9]

Wenn unter System aber ein auf allgemeine Grundsätze zurückgeführtes und danach geordnetes Ganzes von Einzelerkenntnissen verstanden wird[10], dann müßte das Funktionieren des Sprachsystems auf allgemeine Grundsätze zurückzuführen sein. Diese hätten von der Praxis des Sprechens unbeeinflußt zu sein. In diesem Kontext wäre auch die nachvollzogene Trennung von Menschlicher Rede, dem Lautlichen, Sprache und Sprechen eine sinnvolle. Widersprüchlich dazu scheint jedoch der ebenfalls im Cours enthaltene Gedanke zu sein, daß Sprechen Sprache erst produziert. Er würde ein derart statisches Verständnis von Sprache konterkarieren.

Es besteht [also] eine gegenseitige Abhängigkeit von Sprache und Sprechen; dieses ist zugleich das Instrument und das Produkt von jener. Aber das alles hindert nicht, daß beide völlig verschiedene Dinge sind.[11]

Wie kann Sprache gleichermaßen ein feststehendes System sein, dessen Grund sich finden läßt, und eine vom Sprechen gestaltete Entwicklung? Wie kann sie von Individuen passiv als bestehende Institution erlitten werden und doch erst im individuellen Sprechakt zur Macht geraten? – Die innere Widersprüchlichkeit des Cours' wird von diesen Fragen flankiert.

3 Signifikant, Signifikat, Zeichen

Ein besonders innovativer Aspekt der Saussure'schen Theorieentwicklung lag darin, Sprache als ein System von Zeichen zu begreifen. Dieses Kapitel soll erläutern, wie der Zeichenbegriff im Cours gedacht wird.

Das sprachliche Zeichen ist für Saussure ein tatsächlich im Geiste vorhandenes Objekt. Als zusammengesetzte Einheit besteht jedes Zeichen jeweils aus einem Bezeichnenden und einem Bezeichneten, einer Vorstellung und einem Lautbild. Sie sind die zwei Seiten dieses sprachlichen Objektes. Das Zeichen bildet damit eine Einheit, in der ein Bezeichnendes (sprachlicher Ausdruck, Lautbild oder Signifikant) mit einem Bezeichneten (Inhalt, Vorstellung, Signifikat) verbunden ist.

Am Beispiel des Wortes „Tisch“ lassen sich Signifikant und Signifikat beschreiben: Als Signifikant kann der lautliche Ausdruck bezeichnet werden, der physiologisch artikuliert wird oder vor dem "inneren Ohr" abläuft. Im deutschsprachigen Kulturkreis ist diesem Lautbild die Vorstellung eines Gegenstandes zugeordnet, etwa eine Platte auf Stützen. Weder das Lautbild von „Tisch“ noch die Vorstellung einer Platte auf Stützen sind für sich genommen ein Zeichen. Erst in ihrer Verbindung miteinander werden sie bei Saussure zu einem sinnerfüllten und bedeutungsvollen Ganzen: dem sprachlichen Zeichen "Tisch".

[...]


[1] Vgl. Fehr: 25.

[2] Vgl. Thibault: 4.

[3] Saussure: 9.

[4] Vgl. Saussure: 11.

[5] Scheerer: 77.

[6] Saussure: 23.

[7] Wie die Begriffsbildung des Cours' methodologisch einzuordnen ist, wird u.a. bei Thibaut und Scheerer diskutiert. Obwohl Scheerer die Beantwortung der Frage nach dem Status der Dichotomien für entscheidend für das Verständnis der gesamten Saussure'schen Lehre erklärt, kann sie hier aus Platzgründen nur kurz skizziert werden. Scheerer schlägt vor, die Saussure'schen Gegensatzpaare weder als induzierte noch deduzierte Kategorien aufzufassen. Stattdessen vertrete Saussure eine hermeneutisch-phänomenologische Auffassung, nach der die Gesichtspunkte, hier: die Gegensatzpaare, von den Objekten selbst vorgegeben seien, allerdings vor dem Erfahrungshintergrund des Forschers von selbigem ausgelegt werden müßten. Demnach wären sie nicht als beliebig zu sehen. Vgl. Scheerer: 74f., Thibault 14ff..

[8] Saussure : 17, 20.

[9] Saussure: 16.

[10] Brockhaus: Stichwort „System, allgemein“.

[11] Saussure: 23.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Elemente der Konzeptionen von Schrift bei Saussure und Derrida
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Stationen von Jacques Derridas 'Dekonstruktionen' des abenländischen Schriftbegriffs: Platon, Saussure und Levi-Strauss
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V109855
ISBN (eBook)
9783640080335
ISBN (Buch)
9783656292852
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elemente, Konzeptionen, Schrift, Saussure, Derrida, Stationen, Jacques, Derridas, Dekonstruktionen, Schriftbegriffs, Platon, Levi-Strauss
Arbeit zitieren
Uta Meier-Hahn (Autor), 2005, Elemente der Konzeptionen von Schrift bei Saussure und Derrida, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109855

Kommentare

  • Gast am 11.10.2007

    elemente der konzeptionen von schrift bei saussure und derrida.

    ich finde diese arbeit ausgezeichnet und werde sie in meinem seminar verwenden.

    einwand: es wird nicht gesagt, obwohl anscheinend gewußt, daß der signifikant bei saussure nicht der laut ist, sondern "nur" das lautbild, also eine mentale repräsentation. das vergessen die franzosen fast durchgehend. der signifikant gehört ausschließlich in die langue. beim vollen gebrauch der sprache handelt es sich also um eine realisierung im materiellen sinn. deshalb sollte man m.e. vom "vollen zeichen" sprechen. saussures "zeichen" existiert ja nur in der langue.
    m.e. erachtens hat bereits saussure das transzendentale zeichen überwunden, obwohl das gar nicht seine intention war, weil er kein philosoph war, sondern eine linguistik als strenge wissenschaft entwickeln wollte. da durfte er die parole und schließlich auch die grundsätzliche dialektik langue - parole vernachlässigen (obwohl er es zu weit trieb.) der ganze nachlaß zeigt, daß der meister einfach nicht fertig wurde, aber alles schon richtig angelegt ist. daß die linguistk auch heute noch die arbitrarität des zeichen nicht versteht, spricht gegen sie.
    zu entwickeln ist eine meta-zeichentheorie, die die materialität des sprachgebildes ausarbeitet.

    was den verehrten derrida betrifft, gilt es m.e. auszuarbeiten, daß er sich mit den phonozentrismus irrt: zwar gilt er für die genesis, pro forma die ganze jüdisch-christliche religion, für platon usw.; aber er ist nur schein, "überbau". in wirklichkeit ist die metaphysik gar nicht denkbar ohne die schrift, sie ist deren hypostasierung. (das zeigt schon die geschichtliche wirkung der bibel als die "heilige schrift", was durch dne protestatismus noch einmal verstärkt wird.) es handelt sich also um einen graphologozentrismus.
    (das konzept der "urschrift" oder "urspur" wäre dann noch grundsätzlich und kritisch zu untersuchen. sprachentstehungstheorien, aber auch schon saussures parole als basis und telos von allem, sprechen dagegen.)

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