Aktuelle makroökonomische Entwicklung und Probleme Chinas


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1 PROBLEMSTELLUNG UND VORGEHENSWEISE

2 REFORMPROZESS CHINAS IM ÜBERBLICK

3 AKTUELLE ENTWICKLUNGEN UND MAKROÖKONOMISCHE KENNGRÖßEN
3.1. WIRTSCHAFT UND STRUKTUREN
3.2. FINANZWESEN
3.3. AUßENHANDEL UND INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN

4 AUSGEWÄHLTE PROBLEME UND HERAUSFORDERUNGEN
4.1. STEIGENDE SOZIALE UNGLEICHHEITEN
4.2. BANKENSEKTOR
4.3. AUFWERTUNGSDRUCK AUF DEN YUAN

5 FAZIT

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: ENTSTEHUNGSSTRUKTUR DES BIP 2004

ABBILDUNG 2: HANDELSMUSTER 2002

ABBILDUNG 3: WECHSELKURS UND DEVISEN

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung und Vorgehensweise

Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas spiegelt sich seit Jahren in Wachstumsraten des chinesischen BIP wider, von denen führende Nationen nur träumen können. Die Volksrepublik hat es geschafft ihr Pro-Kopf-Einkommen innerhalb von zwei Jahrzehnten mehr als zu verdoppeln. Als sechstgrößte Volkswirtschaft, drittgrößte Handelsnation, dem Land mit den weltweit zweitgrößten Devisenreserven und als weltweit wichtigste Destination für Auslandsinvestitionen bildet die Volksrepublik China eine ernstzunehmende Größe in der Weltwirtschaft (vgl. www.auswaertiges-amt.de/www/ 2004, 1).

Doch trotz der hohen Wachstumsrate kämpft die Volksrepublik mit ernsten innenpolitischen Problemen: hohe Arbeitslosigkeit durch Strukturwandel sowie steigende soziale Ungleichheiten sind durch die Regierung zu bewältigen. Aktuell sorgen Chinas wachsende Handelsbilanzüberschüsse für scharfe Kritik an der Währungspolitik der Regierung und für Aufwertungsdruck des Yuan. Desweiteren müssen Reformen umgesetzt werden, um die chinesischen Märkte auf die bevorstehende Liberalisierung und Öffnung des Dienstleistungssektors vorzubereiten, die im Rahmen des WTO-Beitritts im Jahr 2001 vereinbart wurde. Problematisch gestaltet sich hier insbesondere die für 2006 geplante Öffnung des Bankensektors.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der makroökonomischen Entwicklung Chinas und weist dabei vor allem auf die aktuellen Probleme der Volksrepublik hin. Dabei wird wie folgt vorgegangen: Zunächst wird ein kurzer Überblick über den Entwicklungspfad Chinas seit seiner Öffnung gegeben. Danach wird die aktuelle Wirtschaftslage unter Verwendung von makroökonomischen Indikatoren aus drei Bereichen beschrieben: Wirtschaft, Finanzwesen und Außenhandel. Darauf aufbauend, werden im 4. Kapitel aktuell relevante Probleme aus jedem dieser drei Bereiche aufgegriffen und damit verbundene Herausforderungen an die Regierung diskutiert. Kapitel 5 enthält ein abschließendes Fazit.

2 Reformprozess Chinas im Überblick

Die aktuelle Wirtschaftslage Chinas ist das Ergebnis eines langjährigen Reformprozesses, der bildlich mit „crossingthe river by groping for stones“1 (vgl. Zhang 2000, 7) beschrieben wird. Unter der Leitung des Strategen Deng Xiaoping startete die Regierung im Jahre 1978 in einem stetigentrial-and-errorProzess eine Reihe wirtschaftlicher Reformen mit dem Ziel

„Wohlstand und Macht für China durch Modernisierung und Integration in die Weltwirtschaft“ zu erreichen (Zhang 2000, 63-64). Damit begann die allmähliche Transformation von einer isolierten, defizitären und landwirtschaftlich geprägten Planwirtschaft in eine industrialisierte, offene Marktwirtschaft mit Handelbilanzsüberschüssen. „Reform nach innen und Öffnung nach außen“ (vgl. Friedrich 2000, 120) bestimmten nun die Innen- und Außenpolitik des Landes. So wurden graduell Reformen zur Verbesserung des Lebensstandards eingeführt: Einführung deshousehold responsibility system(s. Ahya/Xie 2004, 47), das die Produktivität im Agrarsektor steigerte; Errichtung von vier Sonderwirtschaftszonen mit ausgebauter Infrastruktur, die Kapital und Technologie angezogen haben; Einführung eines privaten Sektors, der schnell zur Wachstumslokomotive der Wirtschaft wurde, sowie eine stark exportorientierte Handelspolitik. Der Aufbau von Handelsbeziehungen erfuhr seinen Höhepunkt am 11. Dezember 2001, als die Volksrepublik nach langjährigen Verhandlungen der WTO beigetreten ist. Der WTO-Beitritt bedeutet für China eine stärkere Integration in die Weltwirtschaft, ist aber auch mit hohen Zugeständnissen behaftet (vgl. Panitchpakdi/Clifford 2002, S. 3). Damit verfolgt die Regierung eine langfristige Wachstumsstrategie: Die Öffnung von bisher stark regulierten Märkten soll diese langfristig wettbewerbsfähiger machen und so für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung sorgen.

Das chinesische Wirtschaftssystem lässt sich nach dem im Jahr 1992 verabschiedeten Konzept einer „sozialistischen Marktwirtschaft mit chinesischen Merkmalen“ beschreiben (vgl. Schüller 2000, 146). Es besteht aus einer Marktwirtschaft unter dem strengen Regime der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die sich staatliche Eingriffe in die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik vorbehält. Erste Priorität der chinesischen Regierung ist ein hohes Wirtschaftswachstum, um den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern, gleichzeitig soll eine zu starke Polarisierung von Einkommen vermieden werden (vgl. Schüller 2000, 147).

3 Aktuelle Entwicklungen und makroökonomische Kenngrößen

Die heutige Lage der chinesischen Volkswirtschaft spiegelt sich in makroökonomischen Indikatoren wider, die nachfolgend in drei Bereiche untergliedert werden: Das operative Wirtschaftsgeschehen in China wird durch Benutzung von Wachstumsraten, BIP und Produktionsstrukturen unterWirtschaft und Strukturenaufgezeigt. Weiterhin hängt die Leistungsfähigkeit der Volksrepublik von seiner Finanzlage ab, die unter Finanzwesendargestellt wird. Als Folge der Globalisierung wird zuletzt der für China besonders wichtigeAußenhandelnäher betrachtet.

3.1. Wirtschaft und Strukturen

Die graduelle Transformation Chinas in eine marktwirtschaftlich orientierte Volkswirtschaft ist der Grund für seine hohe Wachstumsdynamik. Das BIP ist seit der Öffnung 1978 jährlich um durchschnittlich 9,5 % gewachsen (vgl. Römer 2004, 1). Damit ist China im weltweiten Maßstab eine Wachstumslokomotive. Bisher blieb eine vielfach prophezeite Überhitzung der Konjunktur aus. DerChina Overheating Indicator(COI) der Deutschen Bank, der die Überhitzungsgefahr der chinesischen Konjunktur misst, lag im Juni 2005 noch reichlich unterhalb des kritischen Grenzbereichs (vgl. Hansakul 2005, 1), doch schon im September 2005 hat die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) ihre Prognose über das Wirtschaftswachstum für 2005 von 8,5 % auf 9,2 % heraufsetzen müssen (vgl. Rabe 2005, 1). Angesichts der anhaltend hohen Investitionsquoten können Experten einhard landingder Konjunktur nicht ausschließen.

Gemessen am absoluten BIP von 1.650,7 Mrd. USD (2004) ist China die sechstgrößte Volkswirtschaft weltweit (vgl. www.auswaertiges-amt.de/www/ 2005b, 1). Mit einem Pro- Kopf-Einkommen von nur knapp über 1.000 USD im Jahr 2004 wird es aber immer noch als Entwicklungsland eingestuft. Markant ist hier die unterschiedlich ausgeprägte Einkommensverteilung: das Einkommen der städtischen Haushalte beträgt fast das Vierfache des Einkommens der ländlichen Haushalte (vgl. Shen 2002, 15; Siackhachanh 2002, 7). Diese Unterschiede sind während des Reformprozesses entstanden und markieren die Gewinner und Verlierer der Systemtransformation.

Seit den eingeleiteten Reformen hat sich auch die Struktur des BIP verändert. China hat sich von einer primär landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaft in eine industrialisierte und zunehmend auch dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft gewandelt. Das zeigt die Entstehungsstruktur des BIP nach Sektoren aus dem Jahr 2004 in Abb. 1. Eine chinesische Besonderheit betrifft die Eigentumsstruktur der Unternehmen (siehe folgende Abb.). Anders als die ehemaligen europäischen Ostblockstaaten verzichtete China bei seiner Transformation auf eine umfassende Privatisierung der Staatsbetriebe. Der Anteil derstate-owned-enterprises(SOE) an den gesamten Industrieunternehmen ist zwar immer noch hoch (2003: 46 %), die Bedeutung der SOE nimmt jedoch seit 1980 beständig ab (vgl. Chow 2002, 69).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: www.auswaertiges-amt.de/www/ 2005a, 3)

Die staatlichen Unternehmen gelten laut Werner (2002, 12) als „weniger profitabel, weniger effizient und weniger liquide“. Denn obwohl sie heute nur knapp 30 % der Industrieproduktion herstellen, beschäftigen sie rund die Hälfte der städtischen Erwerbstätigen (vgl. Werner 2002, 12). Stärkeren Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt, sind die SOE jedoch zunehmend zu mehr Effizienz gezwungen. Dies hat steigende Arbeitslosenzahlen zur Folge.

Die Arbeitslosigkeit wird von der ADB auf 8,5 % in den Städten, und auf 30 % in ländlichen Gebieten geschätzt (vgl. www.auswaertiges-amt.de/www/ 2005a, 2). Dies ist mitunter auf die Umstrukturierung der SOE zurückzuführen. Auf das Problem der hohen Arbeitslosenzahlen wird in Kapitel 4.1. näher eingegangen.

3.2. Finanzwesen

Verglichen mit anderen Ländern ist die Haushaltssituation Chinas entspannt. 2002 wurde die Staatsverschuldung auf 32 % des BIP geschätzt. Das Haushaltsdefizit betrug 2-3 % des BIP (vgl. Siackhachanh 2002, 8). Dank der hohen Sparquote der Chinesen von ca. einem Drittel der Einkommen (vgl. Prasad 2004, 4) stehen dem sehr hohe private Sparguthaben gegenüber (vgl. Dörig 2004, 2). Außerdem weist China aufgrund seines Wechselkursregimes sehr hohe Devisenbestände auf (Stand Juni 2005: 711 Mrd. USD; vgl. hierzu Koivu 2005, 3). Auch die Inflationsrate ist für ein derart stark wachsendes Land vergleichsweise gering. Die People´s Bank of China (PBoC) hat ihre Prognose des Konsumentenpreisindex CPI für 2005 von 4 % auf 3 % gesenkt (vgl. Koivu 2005, 3).

Allerdings leidet das Finanzwesen unter der Last von 500 Mrd. USD an notleidenden Krediten (vgl. Schlotthauer 2003, 4), die von Banken an Staatsunternehmen vergeben wurden.

An dieser Stelle wird auf Kapitel 4.2. verwiesen, wo das Problem des maroden Bankensektors näher beschrieben wird. Die Kosten für die Rekapitalisierung der Staatsbanken durch die Regierung würde die staatliche Verschuldung auf 100 % des BIP ansteigen lassen (vgl. Dörig 2004, 7). Die Schuldenquote wäre noch höher, zählt man ausstehende Reformpakete hinzu (z.B. Aufbau eines Sozialversicherungssystems, Infrastrukturprojekte), deren Kosten die chinesische Regierung tragen muss.

3.3. Außenhandel und internationale Wirtschaftsbeziehungen

Der chinesische Außenhandel erfuhr seit Anfang der 90er Jahre ein rasantes Wachstum. Während der globale Warenhandel im Zeitraum zwischen 1985 und 2003 jahresdurchschnittlich um 7,8 % zulegte, wuchsen die chinesischen Exporte im gleichen Zeitraum jahresdurchschnittlich um 16,7 %, die Importe um 13,5 % (vgl. Römer 2004, 2). Beschleunigend wirkten der Abbau von nicht-tarifären Handelshemmnissen und Zollsenkungen als Folge des WTO-Beitritts (vgl. Römer 2004, 3). Eine gezielt exportorientierte Wachstumspolitik steigerte die Exportwerte ausländischer Unternehmen in China erheblich. Allein im Jahr 2004 wuchs das Handelsvolumen um 35,7 % auf 1,15 Billionen USD (vgl. o.V. 2005b, 6) und macht den Außenhandel somit zum Wachstumstreiber der chinesischen Wirtschaft.

Das Handelsmuster entspricht längst nicht mehr dem eines klassischen Entwicklungslandes. China übernimmt in der internationalen Arbeitsteilung zunehmend die Rolle desassembly country(vgl. Lemoine/Ünal-Kesenci 2002, 27) und exportiert heute vor allem elektronische Geräte, gefolgt von Textilien, Spielwaren und Maschinen. Importe werden neben Elektronikprodukten von Chemieprodukten, Maschinen und Energiestoffen dominiert (siehe Abb. 2).

Das geografische Muster der Handelsströme hat sich im Zeitablauf verändert. Während in den Jahren 1985 bis 1993 nur mit den asiatischen Ländern ein Handelsbilanzüberschuss generiert wurde, sind die Exporte nach Nordamerika und in die EU-15 in der Zeit von 1994 bis 2002 rapide gestiegen (vgl. Römer 2004, 13) und tragen heute erheblich zum Handelsbilanzüberschuss Chinas von 32 Mrd. USD im Jahr 2004 bei (vgl. o.V. 2005a, 9). Vor allem seitens der USA führt dieses Ungleichgewicht zu Aufwertungsdruck des Yuan und zu heftiger Kritik am künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs des Yuan. Im Kapitel 4.3. wird das zurzeit praktizierte Wechselkursregime näher erläutert.

Der chinesische Außenhandel ist eng mit den ausländischen Direktinvestitionen (FDI) nach China verbunden. Der Strom der FDI ist in den letzten 15 Jahren rapide gewachsen.

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Details

Titel
Aktuelle makroökonomische Entwicklung und Probleme Chinas
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V109871
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit ist einleitendes Thema eines BWL-Seminars zu Chinas gewesen. Sie deckt alle wesentlichen volkswirtschaftlichen Daten ab, gegliedert in 3 Teile: Wirtschaft allgemein, Finanzen und Außenhandel. Außerdem wurden die drei Hauptprobleme (Einkommensdisparitäten, maroder Bankensektor und Aufwertungsdruck auf den Yuan) näher erklärt. Zum Schluss alle Probleme mit den Interdependenzen übersichtlich dargestellt. Nur topaktuelle Daten, SEHR SCHLÜSSIG GESCHRIEBEN!
Schlagworte
Aktuelle, Entwicklung, Probleme, Chinas
Arbeit zitieren
Stefanie Bolemant (Autor), 2005, Aktuelle makroökonomische Entwicklung und Probleme Chinas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109871

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