Nachhaltigkeit im politischen Unterricht der gymnasialen Oberstufe in Hessen


Referat (Ausarbeitung), 2005
23 Seiten, Note: 1,0

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Inhalt

1. Einleitung

2. Sachliche Erörterung
2.1. Umweltschutz als politischer Diskurs
2.1.1. International
2.1.2 In der Europäischen Union
2.1.3 National
2.2. Fokussierung des Themas „Nachhaltigkeit, bzw. nachhaltige Entwicklung“
2.1.4 Der Begriff der ‚nachhaltigen Entwicklung’
2.2.2. Ziele einer nachhaltigen Entwicklung
2.3 Über die Notwendigkeit der Einbindung des Themas ‚nachhaltige Entwicklung’ in den politischen Unterricht

3. Didaktische Erörterung
3.1 Curricula in der Sekundarstufe II
3.1.1 Analyse der Curricula
3.1.2 Anknüpfungspunkte für das Thema ‚nachhaltige Entwicklung’ im politischen Unterricht

4. Schlussbetrachtung

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Internet

6. Anhang
6.1 Lehrplan des Faches ‚Politik und Wirtschaft’ der gymnasialen Oberstufe Hessen in der Jahrgangsstufe 11 / 2. Halbjahr
6.2 Lehrplan des Faches ‚Politik und Wirtschaft’ der gymnasialen Oberstufe Hessen in der Jahrgangsstufe 13 / 1. Halbjahr

1. Einleitung

Das Thema Umweltschutz ist spätestens seit der Nichtratifizierung des Kioto-Protokolls durch die USA in aller Munde[1]. Man spricht von unzulänglichem Umweltbewusstsein und Ignoranz gegenüber globalen Problemen im Kontext der internationalen Dependenz. Doch was bedeutet eigentlich Umweltbewusstsein? Handelt man umweltbewusst wenn man die Heizkosten spart, oder ist die Motivation hierzu in der Budgetierung des Privathaushalts zu ergründen?[2] Zählt der Gedanke, oder bedarf es der konkreten Handlung?

Diese Fragestellungen sind das Resultat jüngerer Entwicklungen im nationaler wie internationaler politischen Diskurs. Man ist sich über die Problematik der ökologischen Unaufgeklärtheit, der wirtschaftlichen Prosperität und der damit einhergehenden steigenden Umweltschäden bewusst geworden.[3] Wachstum kostet Zukunft; zumindest unter den momentan herrschenden Rahmenbedingungen.

Doch diese Einsicht kam nicht erst nach dem oben angesprochenen ökologischen „Knock-out“ der USA, sondern hat seine Wurzeln in den Anfängen des internationalen ökologischen Diskurses.

Als Ursprung der internationalen Umweltpolitik wird heute einheitlich die 1972 stattgefundene „UNO-Weltkonferenz über die menschliche Umwelt“ genannt. Ihr folgten im Laufe der Jahre weitere konstruktive Treffen mit sinnvollen Übereinkünften vieler Staaten zum Schutze der Erde.

Doch ob Absprachen und internationale Regime ausreichend sind, um die Bedürfnisse der stark angeschlagenen Natur zu befriedigen bleibt fraglich. Vielmehr ist eine Mobilmachung auch auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene notwendig.

Jeder Mensch trägt individuelle Verantwortung und muss diese an einem, in den meisten Fällen noch zu vermittelnden, ökologischen Bezugsrahmen ausrichten. Um diese Vermittlung zu gewährleisten, ein ökologisches Bewusstsein zu schaffen, aber auch die mannigfaltigen Mitwirkungsmöglichkeiten im politischen Diskurs aufzuzeigen, ist eine Implementierung des Themas Umweltschutz in die Curricula der allgemeinbildenden, aber auch der berufsbildenden Schulen unabdingbar.

„Wo es um einen weitreichenden mentalen Wandel geht, werden Prozesse veränderter Bewusstseinsbildung der Individuen notwendig, und diese sind nur über das Lernen zu verwirklichen.“[4]

Die Ausarbeitung wird sich im Folgenden mit der Fragestellung befassen, ob eben genau diese Bewusstseinsbildung im Rahmen der momentan geltenden Curricula durch die Schule ausreichend gefördert wird. Dies werde ich am Beispiel der gymnasialen Oberstufe tun. Der Fokus wird hierbei auf den Begriff der Nachhaltigkeit, bzw. auf die nachhaltige Entwicklung gerichtet. Das Thema Umweltschutz und besonders das Ziel der nachhaltigen Entwicklung bietet eine vielfältige Palette an Einbindungsmöglichkeiten in den Unterricht, welche im Folgenden noch aufzuzeigen sind.

2. Sachliche Erörterung

2.1. Umweltschutz als politischer Diskurs

„Eine Weltumweltpolitik im strikten und umfassenden Sinne gibt es bisher nicht; doch erste Umrisse werden sichtbar, Umrisse eines neuen Politikfeldes, das noch fragmentiert, aber im Grundsatz global angelegt ist: ein Politikfeld mit einzelnen Bausteinen, in dem ökologische Probleme verstärkt analysiert und in ihren ökonomischen und sozialen Kontext gestellt werden, in dem naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit sozialwissenschaftlichen Modellen verknüpft und lösungsorientiert aufgearbeitet werden. Weltumweltpolitik beschreibt eine sich ausbreitende Wahrnehmungsweise weltpolitischer Vorgänge.“[5]

Dieser Vorgang der sich ausbreitenden und intensivierenden Wahrnehmung umweltpolitischer Probleme wird nachfolgend zunächst aus dem internationalen Blickwinkel historisch hergeleitet, wobei ich mich aufgrund der Vielzahl an Geschehnissen auf die wichtigsten und bedeutendsten Ereignisse, mit Hinblick auf die spätere Fokussierung des Themas ‚nachhaltige Entwicklung’, beschränke. Hierbei soll die Vielseitigkeit der Kooperationsbedürfnisse und die Möglichkeit der Zusammenarbeit aufgezeigt werden. Dadurch soll auch auf die noch zu besprechende Notwendigkeit des Themas im politischen Unterricht implizit hingewiesen werden.

Aus der Diskussion der internationalen Beziehungen wird sich der Begriff der Nachhaltigkeit herauskristallisieren, welcher im Anschluss an die Erläuterung der Diskurse im Fokus der weiteren Betrachtung stehen wird. Diese Einschränkung erfolgt aufgrund der Vielseitigkeit des Begriffes „Umweltschutz“. Der Begriff der ‚Nachhaltigkeit’ spielt auch auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle, vor allem in Bezug auf die Europäische Union, weswegen diese als Zwischenschritt der internationalen und nationalen Diskurse zu erläutern sein wird.

In einem dritten Schritt werden die Konsequenzen der internationalen Vereinbarungen auf die nationale Gesellschaft, Gesetzgebung und somit indirekt auch auf jeden einzelnen Bürger aufgezeigt. Auch hier soll bereits vorab die sachliche Fundierung für eine im Folgenden zu analysierende didaktische Implementierung oder Verknüpfung der Problematik mit anderen Themeninhalten des politischen Unterrichts erfolgen.

2.1.1. International

Der Weg des Umweltschutzes in die politische Diskussion ist langwierig und in den Anfängen von wenig Erfolg gekrönt. Zunächst waren es lokale Maßnahmen in vereinzelten Ländern, die dem Wunsch der Arten- und Ressourcenerhaltung Rechnung tragen sollten. „So kann man den Beginn der Geschichte des internationalen Naturschutzes beispielsweise auf das Jahr 1872 datieren. In diesem Jahr wurde durch Beschluss des Amerikanischen Kongresses der ‚Yellowstone National Park’ gegründet. Damit wurde die weltweite Einrichtung von Nationalparks und anderen Schutzgebieten im Verlauf des 20. Jahrhunderts eingeleitet, so 1909 erstmals in Europa, als Schweden die ersten Nationalparks einrichtete.“[6]

Es folgten individuelle Problemlösungsansätze in bestimmen umweltpolitisch relevanten Sparten, welche meist ad hoc aufgrund sich verschlimmernder Zustände getroffen wurden; von vorausblickender Politik konnte noch keine Rede sein. So wurden Regelungen bezüglich des Walfangs oder des Artenschutzes bestimmter Tiere getroffen.

Erst in den 50er und 60er Jahren trat der Umweltschutz aufgrund einiger schwerwiegender Umweltkatastrophen allmählich in das politisches Bewusstsein der Menschen und vor allem der Politiker. Durch eine Initiative der USA und einiger skandinavischer Staaten wurde das neue Problemfeld in die Vereinten Nationen getragen.[7]

Aus diesem Grund fand im Jahr 1972 in Stockholm die erste UNO-Weltkonferenz über die menschliche Umwelt statt.[8] Diese war die erste UNO-Konferenz zum Thema Umweltschutz überhaupt und gilt als eigentlicher Beginn der internationalen Umweltpolitik. In der Deklaration von Stockholm bekennen sich die Mitgliedsstaaten erstmals zu einer gemeinsamen, grenzüberschreitenden Umweltpolitik; ein entsprechender Aktionsplan, der u.a. die Installierung eines Erdbeobachtungssystems, sowie eines internationalen Umweltmanagements vorsah, wurde verabschiedet.

Das Jahr 1972 wird als das entscheidende hinsichtlich eines gemeinsamen Vorgehens der Staaten im Sinne des Umweltschutzes gesehen. In diesem Jahr veröffentlichte außerdem der ‚Club of Rome’[9] unter der Federführung von Dennis Meadows eine Schrift mit dem Thema ‚Limits to Growth’[10]. Diese setzt sich kritisch mit der Wachstumsdynamik der Weltgesellschaft auseinander und weist auf verheerende Konsequenzen bei unterbleibender Intervention hin. Die Arbeit fand weltweites Echo und beeinflusste die öffentliche Meinung stark.[11]

Ein Jahr später, wurde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen beschlossen. In diesem Übereinkommen wurde erstmals eine zwischenstaatliche Regelung bezüglich der immer bedrohlicher ansteigenden Zahl an aussterbenden Tier- und Pflanzenarten getroffen. Bis zum Inkrafttreten des Abkommens 1975 unterzeichneten 10 Länder die Vereinbarung; bis heute ist die Zahl auf 158 gestiegen. Das Abkommen enthält entsprechend der Schutzbedürftigkeit von Tieren und Pflanzen unterschiedlich starke Maßnahmen und Verbote.[12]

Zehn Jahre nach der UN-Konferenz von 1972 trafen sich die Vertragsstaaten noch einmal um die Wirkungen des damals verabschiedeten Aktionsprogramms zu beurteilen; mit der Feststellung, dass der Plan aufgrund des anhaltenden Nord-Süd-Konfliktes und der schlechten wirtschaftlichen Situation vieler Entwicklungsstaaten zur Zielerreichung ungeeignet war.[13]

Aus diesem Anlass gründeten die Vereinten Nationen 1983 als unabhängige Sachverständigenkommission die ‚Weltkommission für Umwelt und Entwicklung’.[14] Ziel dieser Kommission war es, einen dauerhaften, bis ins 21. Jahrhundert reichenden globalen Entwicklungspfad aufzuzeigen.[15]

Der Bericht der Kommission wurde 1987 unter dem Titel ‚Our common future’ veröffentlicht und enthielt erstmals ein Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, was für die damalige und heutige umweltpolitische Debatte, sowie für meine weitere Betrachtung bedeutend ist.[16]

Im Bericht heißt es zum Thema Nachhaltigkeit bspw., „dass die Menschheit durchaus in der Lage wäre die Voraussetzungen für eine dauerhafte Entwicklung zu schaffen[sic!]; einer Entwicklung, die den gegenwärtigen Bedarf zu decken vermag, ohne gleichzeitig späteren Generationen die Möglichkeit zur Deckung des Ihren zu verbauen.“[17]

Die Strategie einer nachhaltigen, dauerhaften und umweltgerechten Entwicklung wurde erst durch den Bericht in eine breitere öffentliche Diskussion getragen.[18]

Gleichzeitig bildetete der Bericht die Grundlage für die 5 Jahre später stattgefundene UN-Konferenz ‚Umwelt und Entwicklung’ in Rio 1992.

Die durch den Bericht der UN-Kommission geäußerten Forderungen und Vorschläge, vor allem in Bezug auf eine Neuorientierung der Politik in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung, mussten in international verbindliche Verträge und Konventionen umgesetzt werden. Als Instrument wählten die Vereinten Nationen hierfür die Form einer Konferenz, die genau 20 Jahre nach der ersten weltweiten Umweltkonferenz stattfinden sollte: Die UN-Konferenz ‚Umwelt und Entwicklung’ in Rio. Auf der Konferenz einigten sich 178 Staaten auf ein gemeinsames Leitbild der Menschheit für das 21. Jahrhundert – die nachhaltige Entwicklung. Dokumentiert wird dieses Leitbild in der ‚Agenda 21’.[19]

Mit dieser Konferenz gelangte die globale Umwelt- und Entwicklungsdebatte zu einem ersten gemeinsamen Höhepunkt und fand ihren Niederschlag in der Weltöffentlichkeit, denn die Konferenz war Ausdruck einer neuen Form der Partizipation auf internationaler Ebene: Zu den Regierungsvertretern der Mitgliedsstaaten kamen Hunderte Vertreter der Organisationen der UN, Lokalbehörden, der Wissenschaft, den NGOs und anderen Gruppen hinzu.

Diese Form der Veranstaltung war in den folgenden Jahren Modell für weitere Weltkonferenzen von UN-Organisationen, die in einem inhaltlichen Zusammenhang zur Nachhaltigkeit standen:[20]

- Weltmenschenrechtskonferenz in Wien (1993)
- Weltbevölkerungskonferenz in Kairo (1994)
- Weltsozialkonferenz in Kopenhagen (1995)
- Weltklimakonferenz in Berlin (1995)
- Weltfrauenkonferenz in Peking (1995)
- Welternährungskonferenz in Rom (1996)
- Weltsiedlungskonferenz – Habitat II in Ankara (1996)
- Rio + 5 Folgekonferenz von Rio zur Überprüfung der Umsetzung der Agenda 21 (Klimaschutz) in Kioto (1997)

- Konferenzen der CSD[21] zu Themen der Agenda 21 (1998 u. 1999)[22]

Im Jahre 2002, also genau 10 Jahre nach der UN-Konferenz von Rio, fand der letzte große Umweltgipfel der Staatengemeinschaft in Johannesburg statt. Auslöser dieses Treffens waren vor allem die neuartigen Probleme, die mit einer allgemeinen, vor allem aber wirtschaftlichen Globalisierung einhergingen und die Vereinbarkeit dieser mit den Zielsetzungen der nachhaltigen Entwicklung.

2.1.2 In der Europäischen Union

Die Europäische Union betreibt Umweltschutz seit mehr als 30 Jahren, sprich sie erlässt Normen und Richtlinien, unterstützt einzelne Mitgliedsstaaten durch die Bereitstellung umweltrelevanter Informationen und koordiniert nationale Maßnahmen untereinander; wobei sie sich am Bezugsrahmen der internationalen Anforderungen ausrichtet.[23]

„1972 sprach sich der EG-Gipfel in Paris dafür aus, das erste umweltpolitische Aktionsprogramm zu erarbeiten.“[24] Bis heute folgten diesem Umweltaktionsprogramm fünf weitere.

Im Laufe der 80er Jahre wurden weitere Richtlinien verabschiedet, beispielhaft seien die Vogelschutzrichtlinie oder die Richtlinie zur Umweltverträglichkeitsprüfung genannt. Einen Meilenstein im Hinblick auf die rechtliche Einbettung des Umweltschutzes in die Politik der Europäischen Union setzten verschiedene Artikel im Vertrag über die Europäische Union, welcher 1992 in Maastricht von den Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde.

So wird in Artikel 6 des Vertrages festgelegt, dass sich alle in Artikel 3 genannten Gemeinschaftspolitiken der europäischen Union an den Erfordernissen des Umweltschutzes, insbesondere einer nachhaltigen Entwicklung zu orientieren haben[25] ; wobei in Artikel 3 selbst explizit auf „eine Politik auf dem Gebiet der Umwelt“[26] hingewiesen wird. In Artikel 174 wird die Forderung einer gemeinschaftlichen Umweltpolitik konkretisiert. Es werden Rahmenziele formuliert, welche die menschliche Gesundheit, die Umwelt sowie deren natürliche Ressourcen als schutzbedürftige Güter aufzählen. Im letzten Abschnitt der Anforderungen des Artikels findet sich eine interessante Verknüpfung: „Die Umweltpolitik der Gemeinschaft trägt zur Verfolgung der nachstehenden Ziele bei: [...] Förderung von Maßnahmen auf internationaler Ebene zur Bewältigung regionaler oder globaler Umweltprobleme.“[27]

Zusammenfassend lässt sich schließlich sagen, dass die Europäische Gemeinschaft in ihrer Politik einmal die Erfordernisse des Umweltschutzes, vor allem der nachhaltigen Entwicklung, zu berücksichtigen hat, auf der anderen Seite ebenfalls eine Koordinationsfunktion zwischen internationalen und regionalen umweltpolitischen Interessen erfüllen muss.

Der Vertrag von Maastricht greift das Thema der nachhaltigen Entwicklung in Artikel 177 noch einmal auf, diesmal aber in einem anderen Zusammenhang. Auch hier wird eine Ergänzung der Gemeinschaftspolitik vorgenommen, diesmal auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit. So heißt es in Artikel 177: „Die Politik der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit, [...], fördert die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Entwicklungsländer, insbesondere der am meisten benachteiligten Entwicklungsländer [...].“[28]

Scheinbar ist der Begriff der Nachhaltigkeit, bzw. der nachhaltigen Entwicklung nicht lediglich im Kontext des Umweltschutzes zu betrachten, sondern hat mehrere Dimensionen, welche im Folgenden noch zu erörtern sind.

Jachtenfuchs, Hey und Strübel schreiben in diesem Zusammenhang 1993: „Innerhalb der Kommission zeichnet sich seit einigen Jahren ein konzeptueller Wandel in der Umweltpolitik ab, der mit dem Wechsel von ‚klassischer Umweltpolitik’ zu ‚Sustainable Development’ umschrieben werden könnte. [...] Das auf den Bericht der Brundtland-Kommission zurückgehende Deutungsmuster impliziert letztlich die Möglichkeit einer Synthese zwischen Ökonomie und Ökologie.“[29]

„Die Nachhaltige Entwicklung gilt heute als ein Eckpfeiler der Unionspolitik. Im Juni 2001 verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Gipfeltreffen in Göteborg eine Europäische Strategie für die nachhaltige Entwicklung.“[30]

2.1.3 National

Wie schon beschrieben, ist ein wesentlicher Punkt bei der erfolgreichen Umsetzung umweltpolitischer Vorhaben die Koordination. Denn gerade die Vielzahl an Ländern macht es erforderlich, die jeweiligen innerstaatlichen Interessen und Vorhaben im internationalen Kontext zu erörtern und zu einer einheitlich verträglichen und erfolgreichen Strategie zusammenzufassen. Wir haben im Kapitel ‚International’ gesehen, dass es vielerlei, teils auch fruchtbare, Bestrebungen gibt, gerade diese Koordinationsaufgabe sinnvoll zu erfüllen.

Aber auch von Seiten der Staaten selbst muss eine positive Haltung zur Umsetzung internationaler Abkommen ausgehen, denn nur wenn alle Staaten gleichermaßen die Umwelt als zu schützendes Allgemeingut achten, ist das Gefangenendilemma zu überwinden, welches im Falle der Einführung von Umweltstandards in den Standortwettbewerb zwangsläufig entsteht.[31]

Die Bundesrepublik Deutschland betreibt seit mehreren Jahrzehnten aktiv Umweltschutz, sei es in Form der Umsetzung von EU-Richtlinien, der Ratifizierung internationaler Abkommen oder durch nationale Eigeninitiativen.

Die damalige Bundesregierung bildete 1986 das ‚Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit’, welches seitdem federführend für die Umweltpolitik des Bundes ist. Bis dahin hatten sich das Innenministerium, das Bundeslandwirtschafts- sowie das Bundesgesundheitsministerium um die Belange des Umweltschutzes gekümmert.[32]

Des Weiteren wird die Umweltpolitik des Bundes auf Länderebene durch die jeweiligen Ministerien unterstützt, so beispielsweise in Hessen durch das ‚Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz’.[33]

Aber auch auf regionaler Ebene, durch die sogenannte ‚Lokale Agenda 21’ beteiligt man sich aktiv am Umweltschutz. Diese Tendenz wird dadurch bekräftigt, dass in der Agenda 21 in Kapitel 28 die Stärkung der Kommunen zur Unterstützung der Agenda 21 vorgesehen ist.[34]

Auch auf nationaler Ebene spielt der Begriff der nachhaltigen Entwicklung eine wichtige Rolle, nicht allein deshalb, weil er auf der internationalen Bühne an Bedeutung gewonnen hat und die Bundesrepublik grundsätzlich bestrebt ist, sich an deren Ausrichtung zu orientieren, sondern auch, weil dieser Begriff implizit seit 1994 grundrechtlich verankert ist.[35]

So heißt es in Artikel 20a des Grundgesetztes: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen [...].“[36]

Weiter oben wurde bereits erwähnt, dass der Begriff der ‚nachhaltigen Entwicklung’ scheinbar mehrere Dimensionen aufweist; an dieser Stelle tritt die temporäre hinzu. Im anschließenden Kapitel den Begriff der ‚Nachhaltigkeit’ näher erläutert.

2.2. Fokussierung des Themas „Nachhaltigkeit, bzw. nachhaltige Entwicklung“

Ich habe mich dem Begriff der ‚Nachhaltigkeit’ nun auf drei verschiedenen Wegen genähert. Auf allen drei Ebenen spielt er in der jüngeren Entwicklung, damit ist die Entwicklung der umweltpolitischen Debatte seit Anfang der 90er Jahre gemeint, eine tragende Rolle. Im Brundtland-Bericht das erste mal aufgetaucht, bahnte sich dieser Begriff den Weg durch die unterschiedlichsten Politikfelder weit über den Umweltschutz hinaus, sodass es zunächst einer Begriffsklärung bedarf, um die markanten Züge vor allem in Bezug auf die Relevanz für den politischen Unterricht in der gymnasialen Oberstufe herauszuarbeiten.

2.1.4 Der Begriff der ‚nachhaltigen Entwicklung’

Seinen Ursprung hat der Begriff der Nachhaltigkeit in der deutschen Forstwirtschaft. Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) war es, der den Begriff der Nachhaltigkeit im Zusammenhang einer regenerativen Forstung erstmals verwendete; man dürfe nur so viele Bäume schlagen, wie man Neue anpflanze.[37]

Die weltweite Wiederauferstehung des Begriffs ist auf den Brundtlandbericht von 1987, sowie die fünf Jahre später stattgefundene UN-Konferenz von Rio zu datieren.[38] Hier wurde der Begriff erstmals zur Grundlage eines umfangreichen Leitbildes umweltgerechter Entwicklung. Allerdings beschränkt sich der Begriff der Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang nicht lediglich auf die ökologische Komponente, sondern wird auf den sozialen und ökonomischen Bereich ausgeweitet.[39]

Folglich ist unter einer nachhaltigen Entwicklung nicht lediglich ein ressourcen-schonender Umgang mit der Umwelt zu verstehen, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung in den sozialen und ökonomischen Gebieten. Die soziale Dimension des Begriffs „[..] umfasst Fragen nach intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit und den Lebensstilen sowie [...] der Partizipationsmöglichkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen.“[40] Im Zusammenhang mit intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit spricht man auch oft, im Falle einer Vernachlässigung der Forderung, vom ‚Raubbau auf Kredit’; da künftige Generationen unter der Massenvernichtung natürlicher Ressourcen der Gegenwart leiden werden.

Die soziale Komponente lässt sich, auch hinsichtlich der geforderten Partizipationsmöglichkeit, in vielen Fällen auf die Differenzen zwischen der Nord- und der Südhalbkugel, oder auf die Differenzen zwischen den Industrie- und den Entwicklungsstaaten ausweiten. So kann unter nachhaltiger Entwicklung zusätzlich die Zielsetzung einer Verminderung gravierender sozialer Differenzen verstanden werden.

Die ökonomische Komponente des Nachhaltigkeitsbegriffs steht in starker Korrelation zur ökologischen, da von der Ökonomie vor allem eine umweltorientierte Ausrichtung der Produktion verlangt wird. „Es gibt eine Vielzahl ökonomischer Theorien, die teilweise Versuche einer Berücksichtigung ökologischer Belange enthalten: Orientierung an ökologischen Restriktionen, [...].“[41]

In dieser Darstellung wurde sich auf die Dreidimensionalität der Nachhaltigkeit beschränkt. In der wissenschaftlichen und politischen Debatte gibt es heute eine Vielzahl von Begriffsausprägungen, die zum einen auf räumlich-geographische, aber auch auf zeitliche Differenzen zurückzuführen sind. Ihre Zahl wird sich noch weiter in dem Maße vergrößern, wie die Nachhaltigkeit von immer mehr Akteuren und Gruppen als Herausforderung begriffen wird.[42]

2.2.2. Ziele einer nachhaltigen Entwicklung

Im vorangegangenen Kapitel wurden bereits die wesentlichen Komponenten und damit die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung angesprochen. Diese Ziele werden nun dahingehend erweitert, dass nicht lediglich die Ziele in den ökonomischen, ökologischen und sozialen Bereichen bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung eine maßgebliche Rolle spielen, sondern dass auch eine Verinnerlichung dieser Wertvorstellungen bei jedem einzelnen Menschen notwendig ist. Die Ziele müssen in den Köpfen der Menschen einen angemessenen Platz einnehmen und damit zu einem grundlegenden nachhaltigkeitsorientierten Handeln führen. Reichert und Zierhofer führen in diesem Zusammenhang folgendes Beispiel, wie es anfangs bereits genannt wurde, an: Drehen sich die Gedanken beim Einsparen von Heizenergie um den Umweltschutz, bzw. um die Ressourcenschonung, oder lediglich um das Haushaltsbudget?[43]

Der Begriff der Nachhaltigkeit scheint also nicht nur eine adäquates Schlagwort zur Formulierung umwelt- und sozialverträglicher Zielvorstellungen zu sein, sondern hat auch seine Bedeutung für jeden einzelnen Menschen in Form eines Leitbildes zum umweltbewussten Handeln, einer Anleitung zur Selbstreflexion sowie der Hinführung zum intergenerationellen und globalen Denken.

2.3 Über die Notwendigkeit der Einbindung des Themas ‚nachhaltige Entwicklung’ in den politischen Unterricht

„Mit der Agenda 21 verbindet sich die Hoffnung auf eine globale nachhaltige Entwicklung. Sie wird, so die allenthalben geteilte Auffassung, nicht ohne mentale Veränderung zu erreichen sein.“[44]

Diese mentale Änderung scheint nur durch die Sozialisationseinrichtung der Schulen flächendeckend möglich zu sein, weswegen die Agenda 21 in Kapitel 36 explizit eine Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung fordert.[45]

Wirft man einen Blick auf die Curricula der allgemeinbildenden Schulen, so zeigt sich, dass die von der Agenda 21 geforderte Implementierung des Themas, bzw. eine grundlegende Neuausrichtung der Bildung auf eine nachhaltige Entwicklung nur ansatzweise erfolgt.

In den ersten drei Kapiteln meiner Arbeit habe ich herausgestellt, dass der umwelt-politische Diskurs sowohl auf internationaler, europäischer aber auch nationaler Ebene in jüngster Zeit vom Leitbild der nachhaltigen Entwicklung geprägt wird. Allerdings ist eine schwerpunktmäßige Auseinandersetzung mit diesem Thema im Politikunterricht der Schulen kaum zu erkennen. So wird Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, nach Daten des BLK-Programms ‚21’ in 2001[46], zu 10,9 Prozent im Kontext des Faches Politik unterrichtet. Es liegt damit mit den Fächern Physik, 11 Prozent, sowie Chemie und Deutsch, jeweils 12 Prozent gleich auf. Einen stärkeren Anteil an der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung haben die Fächer Erdkunde mit 15,2 Prozent und die Biologie mit 28,1 Prozent.[47] Die Ergebnisse der Erhebung deuten auf einen Handlungsbedarf hin, da eine Gleichgewichtung des Themas im Fach Politik, Chemie und Physik offenbar nicht deren Relevanz im angemessenen Gewicht widerspiegelt.

An welchen Stellen die Behandlung und die Diskussion der Nachhaltigkeit im Fach Politik intensiviert, oder vollkommen neu eingebunden werden kann, um das Ungleichgewicht hin zur realitätsgemäßen Gewichtung zu verändern, wird im folgenden Kapitel diskutiert.[48]

Exkurs

Der Begriff der Umweltbildung schlechthin existiert in Deutschland seit rund 30 Jahren. „Er war die direkte Übersetzung des seit der Stockholmer UNO-Konferenz 1972 durch William B. Stapp bekannt gewordenen anglo-amerikanischen Begriffs ‚Environmental Education’, [...].“[49] Allerdings hat sich schulische Umweltbildung erst nach und nach zur relativ umfangreichen heutigen Ausprägung hinentwickelt. Lob unterteilt diese Entwicklung von 1972 bis heute in 4 Phasen[50], welche an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

3. Didaktische Erörterung

3.1 Curricula in der Sekundarstufe II

In den nachfolgenden Kapiteln werde ich mich mit den Lehrplänen für das Fach Politik und Wirtschaft in der gymnasialen Oberstufe in Hessen beschäftigen.

3.1.1 Analyse der Curricula

Wirft man einen Blick auf die Lehrpläne der gymnasialen Oberstufe in Hessen[51], so wird deutlich, dass das Thema Umweltschutz, bzw. die nachhaltige Entwicklung einen eigenen Platz in den Curricula einnimmt. Im zweiten Halbjahr der 11. Klasse ist der Inhaltsbereich ‚Ökologie und Marktwirtschaft’ festgelegt; wobei dieser zum Tausch im ersten und zweiten Halbjahr variabel gesetzt ist. Ein genauer Blick in den Lehrplan ‚Ökologie und Marktwirtschaft’ offenbart unterschiedlichste umweltorientierte Ansätze und Verknüpfungen mit der Ökonomie. So heißt es auf der einen Seite, dass die Schüler lernen sollen, sich mit den Umweltproblemen und deren Ursachen auseinander zu setzen und dass das unspezifische Bedrohungsgefühl dieser Einstellung weichen soll. Andererseits sollen aber auch die Voraussetzungen für eine adäquate Einschätzung des Verhältnisses zwischen Ökologie und Ökonomie geschaffen werden; sprich es sollen vor allem auch Lösungsansätze zum Spannungsverhältnis von Ökologie und Ökonomie diskutiert werden. Aber auch die internationale Politik wird in dieses Lernfeld in der Form mit einbezogen, dass die Schüler die Aufgaben und Probleme der internationalen Umweltpolitik kennen lernen sollen. Die Probleme staatlicher Umweltpolitik sind ebenfalls aufgeführt, sodass sich eine Verknüpfung zwischen internationaler und nationaler, eventuell unter Zwischenschaltung der Umweltpolitik auf europäischer Ebene, herstellen lässt. Als verbindlicher Unterrichtsinhalt wird auch die ‚Ökologische Nachhaltigkeit’ angeführt, wobei diese lediglich, wie aufgeführt, in ihrer ökologischen Ausprägung genannt wird. Wie bereits im vorangegangenen Kapitel erläutert, gibt es allerdings verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit, die auch hinsichtlich der Bildung eines ökologischen und sozialen Bewusstseins, was im übrigen auch Aufgabe des politischen Unterrichts sein sollte, nicht außer acht gelassen werden dürfen.

Ein Blick auf die thematischen Schwerpunkte der anderen Schuljahre und den darin festgelegten verbindlichen Lehrinhalten zeigt, dass sich die Vermittlung umweltrelevanter Themen, zumindest im Pflichtteil, im eben erörterten Schuljahr fast erschöpft. Im letzten Halbjahr der 13. Klasse wird die Thematik nochmals aufgegriffen. An dieser Stelle erfolgt dann auch eine Vollendung des Nachhaltigkeitsbegriffs, indem er um die noch fehlende soziale Komponente erweitert wird.

Im Lehrplan heißt es explizit, dass im Rahmen der Weltumweltpolitik u.a. der Nord-Süd-Ausgleich behandelt werden soll, wobei man hierzu sagen muss, dass dieser Unterrichtsinhalt lediglich für die Leistungskurse verbindlich vorgeschrieben ist und für die Grundkurse nur fakultativen Charakter hat.

Allerdings finden sich in anderen Schuljahren, bzw. Halbjahren interessante thematische Anknüpfungspunkte, an denen der Umweltschutz, vor allem aber die nachhaltige Entwicklung in ihrer Leitbildfunktion wieder aufgegriffen werden können.

Im nachfolgenden Kapitel werden diese Anknüpfungspunkte exemplarisch aufgezeigt und analysiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein buntes Geflecht an umweltpolitisch relevanten Themen zur Lehrvermittlung festgesetzt sind, diese allerdings nur teilweise die von der Agenda 21 geforderte ‚Bildung für eine nachhaltige Entwicklung’ umsetzen.

3.1.2 Anknüpfungspunkte für das Thema ‚nachhaltige Entwicklung’ im politischen Unterricht

Das Thema ‚Ökologie und Marktwirtschaft’ wird entweder im ersten, oder im zweiten Halbjahr der gymnasialen Oberstufe behandelt, sodass es in beiden Fällen am Anfang der Bildung in der Sekundarstufe II steht. Diese Gliederung eröffnet die Möglichkeit, dass gleich zu Anfang thematisch Grundlagen gelegt werden, auf die, z.B. in Form der hier zu erörternden Anknüpfungen in anderen Themen, im weiteren Verlauf der Schuljahre aufgebaut werden kann.

In den ersten drei Kapiteln dieser Arbeit wurde aufgezeigt, wie vielfältig und multilateral die umweltpolitischen Diskurse auf internationaler wie nationaler Ebene stattfinden. Entsprechend vielfältig sind auch die möglichen Anknüpfungspunkte im politischen und wirtschaftlichen Unterricht; auch in Bezug auf die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung’, welche, wenn wir die Forderungen der Agenda 21 zum Maß nehmen, in den Curricula zu kurz kommt.

Ich möchte nun exemplarisch den Lehrplan des ersten Halbjahres der 13. Klasse, hinsichtlich der Auffindung von Anknüpfungspunkten erörtern. Thematisch befasst sich der Unterricht in diesem Halbjahr mit den ‚Internationalen Beziehungen’.

Liest man die Begründung des Themengebiets, so fällt auf, dass die Assoziation bzgl. der ‚Internationalen Beziehungen’ eng an vergangene Tage der Friedenssicherung im Ost-West-Konflikt anknüpft. In diesem Zusammenhang werden auch die multipolaren Strukturen internationaler Zusammenarbeit angesprochen, sowie die damit in Verbindung stehenden Probleme in der Steuerungsfähigkeit internationaler Beziehungen und Zusammenarbeiten. An diesem Punkt wäre ein Brückenschlag zur globalen Umweltpolitik möglich, denn auch sie hat mit der Steuerungsproblematik zu kämpfen, wie ich es bereits in Kapitel 2.1.2 dieser Arbeit erläutert habe.

Gleichzeitig wäre eine Hinführung zu aktuellen globalen Problemen, wie der Umweltpolitik sinnvoll, da eine akute militärische Bedrohung zumindest für die BRD momentan nicht mehr besteht; wobei die Umweltpolitik nicht substitutiv zur Friedenssicherung gesehen werden sollte. In den Themenstichworten wird die Kooperationskomplexität ebenfalls noch einmal unter dem Stichwort ‚Entscheidungsprozesse in internationalen Organisationen’ aufgeführt; unter anderem auch explizit die EU.

Wirkungsvolle globale Umweltpolitik heißt gleichzeitig auch global koordinierte Umweltpolitik und ist somit sinngemäß Inhalt der Lehreinheit ‚Internationale Beziehungen’.

Bei der Sondierung der verbindlichen Unterrichtsinhalte trifft man bei den bereits angesprochenen Themenstichworten auch auf die ‚Ursachen und Folgen ungleichzeitiger Entwicklung’ sowie auf die ‚Rolle internationaler Institutionen’ wie z.B. in diesem Zusammenhang die Weltbank.

Diese Stichworte bieten die Möglichkeit, eine Verknüpfung mit dem Nachhaltigkeitsbegriff herzustellen; sinnvoll auch deshalb, weil dieser, folge man dem Lehrplan, zuletzt in der 11. Klasse angesprochen wurde. In Kapitel 2.2.1 habe ich darauf hingewiesen, dass der Begriff der ‚nachhaltigen Entwicklung’ mehrere, reduziert man ihn auf die wichtigsten, drei Dimensionen hat: Eine davon ist die Soziale. Genau diese umfasst in ihrem Ideal die Anpassung sozialer Unterschiede im Weltbild, welche in den meisten Fällen Resonanz einer ungleichzeitigen ökonomischen und sozialen Entwicklung unterschiedlicher Länder ist.

Der Begriff der ‚nachhaltigen Entwicklung’ könnte im Curriculum der 13. Klasse somit in seinen Dimensionen vervollständigt und nach Bedarf vertieft werden. Zu fragen bleibt, warum die angesprochene Verbindung nicht explizit im Lehrplan verifiziert wird, oder warum die umweltpolitische Komponente in dieser Jahrgangsstufe nicht einmal in den zu berücksichtigenden Aufgabengebieten angeführt wird.

4. Schlussbetrachtung

Die umweltpolitische Debatte ist breitflächig wie nie zuvor. Sie intensiviert sich proportional zu den immer deutlicher werdenden Umweltschäden und den immer höher frequentierenden Indikatorausschlägen, den Naturkatastrophen.

Vergleicht man die Meinung verschiedener Autoren, die sich mit der Einbindung umweltpolitischer Themen und vor allem der umweltpolitischen Bildung in den Schulunterricht auseinandersetzen, so ist die Meinung überwiegend dieselbe: Umweltpolitische Themen sind in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern unterrepräsentiert; der Schwerpunkt liegt immer noch auf den naturwissenschaftlichen Bereichen.

Die Anforderungen einer modernen Umweltbildung gehen in Richtung einer ‚Bildung für eine nachhaltige Entwicklung’, dies ist auch die Forderung der Agenda 21. Die nachhaltige Entwicklung hat, wie ich es bereits in Kapitel 2.2 erörtert habe, mehrere Dimensionen, welche sich nicht alleine durch naturwissenschaftliche Fächer erschließen lassen. Vielmehr ist auch eine Einbeziehung von politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen notwendig. Um De Hahn erneut zu zitieren: „Es geht [sic!] um einen weit reichenden mentalen Wandel […]“[52].

Ob dieser weit reichende Wandel allerdings durch eine isolierte, fächerinterne Behandlung von Teilproblematiken erreicht werden kann ist fraglich, vor allem wenn die Gewichtungen nicht kontinuierlich den veränderten Anforderungen und Erkenntnissen angepasst werden.

Bemerkenswert ist, dass der Ökologie und sogar explizit der ökologischen Nachhaltigkeit zusammen mit der Marktwirtschaft im Fach ‚Politik und Wirtschaft’ ein eigenes Halbjahr in der 11. Jahrgangsstufe eingeräumt wird. Allerdings erschöpft sich die Erwähnung umweltpolitischer Pflichtinhalte damit bereits für die gesamte Oberstufe. Lediglich im Bereich der fakultativen Unterrichtsinhalte werden umweltpolitische Themen sporadisch erwähnt; ob diese jedoch letztendlich aufgegriffen werden, liegt im Ermessen der jeweiligen Lehrkraft und sind somit Variablen der individuellen Interessen.

Vielleicht läge die Lösung bereits in einer einfachen Anpassung der Lehrplan-Terminologie im Bereich Ökologie, sowie einer inhaltlichen Veränderung hin zu aktuellen Anforderungen, wie sie bspw. durch die Agenda 21 formuliert werden. Eine Dokumentation von Anknüpfungspunkten in den unterschiedlichen Curricula verschiedener Jahrgangsstufen würde diese Veränderungen sinnvoll ergänzen. Die Fachliteratur zeigt, dass es so einfach nicht ist, denn schließlich würde die Quelle des Übels bereits in der wenig umweltpolitisch ausgerichteten Ausbildung der Lehrkräfte liegen.

5. Quellenverzeichnis

5.1 Literatur

Becker, Gerhard, [Urbane Umweltbildung, 2001]: Urbane Umweltbildung im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Theoretische Grundlagen und schulische Perspektiven, Opladen: 2001.

Bolscho, Dietmar / Seybold, Hansjörg, [Umweltbildung]: Umweltbildung und ökologisches Lernen. Ein Studien- und Praxisbuch, Berlin: 1996

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Aus Politik und Zeitgeschichte.

Bd. 7-8/2004 (Beilage zur Wochenzeitschrift Das Parlament), Bonn: 2004.

Europäische Gemeinschaften, [Weichenstellung für eine umweltgerechte Zukunft, 2002]: Weichenstellung für eine umweltgerechte Zukunft. Die Europäische Union und die Umwelt, Brüssel: 2002.

Hauff, Volker (Hrsg.), [Unsere gemeinsame Zukunft, 1987]: Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtlandbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Greven: 1987.

Lob, Reinhold E., [20 Jahre Umweltbildung, 1997]: 20 Jahre Umweltbildung in Deutschland – eine Bilanz, Köln: 1997.

Meadows, Dennis, [Die Grenzen des Wachstums, 1990]: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart: 1990.

Reichert, Dagmar / Zierhofer, Wolfgang, [Umwelt zur Sprache bringen, 1993]: Umwelt zur Sprache bringen. Über umweltverantwortliches Handeln, die Wahrnehmung der Waldsterbensdiskussion und den Umgang mit Unsicherheit, Opladen: 1993.

Simonis, Udo E., [Öko Lexikon, 2003]: Öko Lexikon, München: 2003.

Simonis, Udo E., [Weltumweltpolitik, 1996]: Weltumweltpolitik. Grundriß und Bausteine eines neuen Politikfeldes, Berlin: 1996.

Von Prittwitz, Volker (Hrsg.), [Umwelt als Modernisierungsprozess, 1993]: Umwelt als Modernisierungsprozess. Politikwissenschaftliche Umweltforschung und –lehre in der Bundesrepublik, Opladen: 1993.

5.2 Internet

http://www.nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de

http://www.hmulv.hessen.de

http://schule.bundestag.de

6. Anhang

6.1 Lehrplan des Faches ‚Politik und Wirtschaft’ der gymnasialen Oberstufe

Hessen in der Jahrgangsstufe 11 / 2. Halbjahr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.2 Lehrplan des Faches ‚Politik und Wirtschaft’ der gymnasialen Oberstufe

Hessen in der Jahrgangsstufe 13 / 1. Halbjahr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Siehe Anlage S.

[2] Vgl. Reichert, D. / Zierhofer, W., Umwelt zur Sprache bringen, 1993, S. 87.

[3] Vgl. De Haan, G., Politische Bildung für Nachhaltigkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 7-8/2004, S. 39.

[4] De Haan, G., Politische Bildung für Nachhaltigkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 7-8/2004, S. 40.

[5] Simonis, U. E., Weltumweltpolitik, 1996, S. 9.

[6] http://www.nachhaltigkeit.aachener-stiftung.de/artikel/geschichte_10/anfaenge_46/anfaenge_gemeinsamen_vorgehens_746.htm.

[7] Vgl. Becker, G., Urbane Umweltbildung, 2001, S. 157.

[8] Der Beginn dieser Konferenz, der 5. Juni, ist heute noch der internationale Tag der Umwelt.

[9] Der ‚Club of Rome’ ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Gelehrten, die sich mit den sozialen, demographischen, wirtschaftlichen und auch ökologischen Fragestellungen der Menschheit beschäftigt.

[10] Meadows, D., Die Grenzen des Wachstums, 1990.

[11] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 53.

[12] Vgl. Simonis, U. E., Öko Lexikon, 2003, S. 243.

[13] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 158.

[14] Vorsitzende wurde die damalige Ministerpräsidentin von Norwegen Gro Harlem Brundtland; weswegen der Bericht ‚Unserer gemeinsame Zukunft’ oft ‚Brundtlandbericht’ genannt wird.

[15] Vgl. Hauff, V. (Hrsg.), Unsere gemeinsame Zukunft, 1987, S. 7.

[16] Vgl. ebd. S. 5.

[17] Ebd. S. 9f.

[18] Vgl. De Haan, G., Politische Bildung für Nachhaltigkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 7-8/2004, S. 39.

[19] Vgl. De Haan, G., [FN 4], S. 39.

[20] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 159.

[21] Die Commission for Sustainable Development (CSD) wurde 1992 in Rio von der UN gegründet.

[22] Becker, G., [FN 7], S. 159.

[23] Vgl. Europäische Gemeinschaften, Weichenstellung für eine Umweltgerechte Zukunft, 2002, S. 7.

[24] Ebd., S. 7.

[25] Vgl. Artikel 6 des Vertrages über die Europäische Union von Maastricht 1992.

[26] Ebd. Artikel 3L.

[27] Ebd. Artikel 174.

[28] Artikel 177 des Vertrages über die Europäische Union von Maastricht 1992.

[29] Jachtenfuchs, M. / Hey, C. / Strübel, M., Umweltpolitik in der Europäischen Gemeinschaft, in: Von Prittwitz, V., Umweltpolitik als Modernisierungsprozess, 1993, S. 146.

[30] Europäische Gemeinschaften, Weichenstellung für eine Umweltgerechte Zukunft, 2002, S. 9.

[31] Vgl. Jachtenfuchs, M. / Hey, C. / Strübel, M., [FN 29], S. 142.

[32] Vgl. Simonis, U. E., [FN 5], S. 46.

[33] http://www.hmulv.hessen.de.

[34] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 203.

[35] Vgl. De Haan, G., [FN 4], S. 39.

[36] Artikel 20a des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland.

[37] http://schule.bundestag.de/aktuelle_themen/themenarchiv/nachhaltigkeit.html.

[38] Siehe S. 5 dieser Arbeit.

[39] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 164.

[40] Ebd. S. 165.

[41] Becker, G., [FN 7], S. 165.

[42] Vgl. ebd. S. 166 aber auch Strobl, G., Schritte zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung – eine Einführung zu diesem Band, in: Herz, O. / Seybold, H. / Strobl, G. (Hrsg.), Bildung für nachhaltige Entwicklung, 2001, S. 13.

[43] Vgl. Reichert, D. / Zierhofer, W., [FN 2], S. 87.

[44] De Haan, G., Was meint „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und was können eine globale Perspektive und neue Kommunikationsmöglichkeiten zur Weiterentwicklung beitragen, in: Herz, O. / Seybold, H. / Strobl, G. (Hrsg.), Bildung für nachhaltige Entwicklung, 2001, S. 29.

[45] Vgl. Strobl, G., [FN 41], S. 13 aber auch De Haan, G., [FN 3], S. 40 oder Bolscho, D. / Seybold, H., Umweltbildung, 1996, S. 90f.

[46] Die Daten basieren auf den Aussagen von 401 am Bund-Länder-Kommission-Programm ‚21’ beteiligten Lehrkräften verschiedener Jahrgangsstufen.

[47] Vgl. De Haan, G., [FN 3], S. 44.

[48] Vgl. Becker, G., [FN 7], S. 324.

[49] Lob, R. E., 20 Jahre Umweltbildung, 1997, S. 36.

[50] Vgl. ebd., S. 30.

[51] Siehe Anlage 1 u. 2.

[52] De Haan, G., [FN 4], S. 40.

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Details

Titel
Nachhaltigkeit im politischen Unterricht der gymnasialen Oberstufe in Hessen
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V109877
Dateigröße
1205 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Unterricht, Oberstufe, Hessen
Arbeit zitieren
jan baumann (Autor), 2005, Nachhaltigkeit im politischen Unterricht der gymnasialen Oberstufe in Hessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109877

Kommentare

  • Gast am 27.3.2006

    Mensch.

    Bitte um eine menschenwürdigen Text, und um Gedanken, die nachvoillziehabr sind und aus denen man ohne derart barocke Verschnörkselungen etwas Neues lernen kann.
    Diese Arbeit erinnert mich an das, was Karl Marx gerne als deutsche "Faselhälse" bezeichnet hat seither scheint sich leider mancherorts nicht viel geändet zu haben, man erkennt: hier wurden keine eignenen Gedanken geboren, kein kritischer Ansatz ist sichtbar, nichts Kreatives, sondern einem Professor wurde zum Preis einer guten Note nach dem Maul geschrieben, Deutschland kann sich´s leisten und PISA bestätigt das Ergebnis

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