Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglicher sportpsychologischer Interventionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
20 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhalt

1 Angst und Stress
1.1 Stress: Etwas Negatives, Positives oder beides?
1.2 Was bedeuten Angst und Stress im Wettkampf?

2 Psychoregulation
2.1 Anwendungsvoraussetzungen
2.2 Ziele der Psychoregulation
2.3 Probleminhalte und Methoden der Psychoregulation

3 Einige Beispiele zum Umgang mit Problemen und Blockaden im Wettkampf unter Verwendung ausgewählter sportpsychologischer Interventionen
3.1 Negative Autosuggestion
3.2 Das Gefühl des plötzlichen Unvermögens oder des Erstarrens, Panik
3.3 Körperliches Unwohlsein
3.4 Physische Erschöpfung
3.5 Furcht vor Misserfolg
3.6 Druck von außen: Trainer, Gegner, Eltern, Zuschauer
3.7 Psychologische Manipulation durch den Gegner

4 Ausgewählte Aspekte psychologischen Trainings im Leistungssport
4.1 Visualisierung und Mentales Training
4.1.1 Aspekte der Voraussetzungen und der Durchführung von Visualisierungen
4.1.2 Visualisieren im Wettkampf
4.1.3 Mentales Training
4.1.3.1 Voraussetzungen für Mentales Trainieren
4.1.3.2 Die Vier Stufen des Mentalen Trainings
4.2 Selbstgesprächsregulation
4.3 Beispiel eines Mentalen Aufwärmprogramms

Literatur

1 Angst und Stress

Zwei psychologische Faktoren, die gerade im Wettkampf immer wieder dazu führen, dass Sportler ihr physiologisches Potential nicht voll ausnutzen, sind Angst und Stress. Gründe für ihre Entstehung können physisch wie psychisch angelegt sein und äußern sich auch entsprechend. Die Beeinflussung der physischen Reaktionen auf Stressauslöser durch eine kontrollierte psychische Regulation, kennzeichnet die enge Wechselbeziehung. Stress und Angst werden in der aktuellen Psychologie primär als psychische Phänomen aufgefasst, die physische Konzeption hat aber in der Sportpsychologie ihre Bedeutung behalten. Die Sportpsychologie spricht in diesem Fall von Belastungs-Beanspruchungs-Prozessen, der Trainingsprozess verkörpert, als ein komplexes Gebilde der die Leistung bestimmender Bedingungen, ein solch physisches Phänomen (Ziemainz/Schmidt/Stoll, 2000, S. 86). Wie lässt sich nun Angst und Stress aus psychologischer Sicht definieren:

Angst: "Bezeichnung für eine Reihe komplexer emotionaler Zustände, die aufgrund realer oder vermuteter Bedrohungen durch äußere oder innere Faktoren verursacht und mit Begriffen wie Beengung, Erregung Lähmung, Beunruhigung beschrieben werden"

(Röthig, 1992, S. 33).

Stress: "Im Sport wird Stress vor allem im Zusammenhang mit dem Wettkampf und hier mit dem Vorstartzustand erörtert. Stress entsteht insbesondere dadurch, dass ein Individuum die Nichterfüllung seiner Ziele und Bedürfnisse kognitiv vorwegnimmt, als bedrohlich ansieht und in gewissem Sinne auch erwartet. In diesem Sinne ist nicht jede Form psychischer Beanspruchung ein negativer Stress, deshalb unterscheidet man zwischen Eustress, als eine positive Form der Erregung, und Disstress, als die negative Form der Erregung. Sportspezifische Belastungsfaktoren sind z.B. ungewohnte Bedingungen in Training und Wettkampf, Verletzungsanfälligkeit, Favoritenrolle, Angstgegner, Konflikte mit dem Trainer, mit Funktionären und Mannschaftsmitgliedern, aber auch Probleme in Ausbildung, Beruf und Familie" (Röthig, 1992, S. 487).

Ergänzend soll auf das Stressmodell von Nitsch und Hackfort verwiesen werden, demnach ist die potenziell stressende Situation vielmehr selber nur ein Ergebnis der Interaktion zwischen Person und Umwelt. Folgerichtig fließt auch die eigentliche Aufgabe, der der Sportler gegenübersteht, mit in die Bewertung ein. Zusätzlich wurde auch der Bewertungsprozess noch weiter differenziert, bezüglich aller drei Komponenten werden nun nicht nur Anforderungen oder Möglichkeiten eingeschätzt (Kompetenzaspekt), sondern auch die entsprechenden Wertbezüge (Valenzaspekt) beachtet (Ziemainz/Schmidt/Stoll, 2000, S. 78).

1.1 Stress: Etwas Negatives, Positives oder beides?

Die Definition verweist auf die Unterscheidung von positiv und negativ wirkenden Stress, kann aber eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Umwelt und den Möglichkeiten des Betroffenen überhaupt als positiv wahrgenommen werden? Ohne Frage ist die unmittelbare Empfindung und die Wirkung dieser auf das Wohlbefinden dasselbe, aber aus der funktionellen Sicht kann Stress längerfristig durchaus positive Folgen haben. "Dies erklärt, warum Sportler das (unmittelbar unangenehmere) Training mit längerfristig positiven Folgen (Sieg) dem (unmittelbar angenehmeren) Nichtstun mit längerfristig negativen Folgen (Niederlage) vorziehen"(Ziemainz/Schmidt/Stoll, 2000, S. 70).

1.2 Was bedeuten Angst und Stress im Wettkampf?

Angst und Stress erhöhen das Erregungsniveau und vermindern so die Leistungsfähigkeit im Wettkampf. Schwächen in der Konzentrations- bzw. Analysenfähigkeit und eine blockierte Handlungsfähigkeit charakterisieren die allgemeinen Symptome. Eine gründliche Analyse der Ausgangsbedingungen kann dabei helfen, die während einer Belastung ablaufenden Gedankenprozesse zu verstehen. In der Regel eignet man sich die nötigen physischen und psychischen Fähigkeiten, die zur Leistungsstruktur der ausgeübten Sportart gehören vor Wettkampfbeginn, an. Der Glauben an die Stärke der eigenen Fähigkeiten kennzeichnet in der Sportpsychologie die individuellen Leistungsvoraussetzungen. Als Leistungsanforderung werden hingegen alle unberechenbaren Größen, wie z.B. der unbestimmte Ausgang eines Wettbewerbs, bezeichnet. Die Sportpsychologen sind sich darüber einig, dass der Wettkampf nur optimal verlaufen kann, wenn ein Gleichgewicht zwischen der Bedrohung, die von der Leistungsanforderung ausgeht, und den individuellen Leistungsvoraussetzungen besteht. Wenn die belastende Situation die individuellen Leistungsvoraussetzungen überschreitet, treten Angst und Stress auf. Negative Wirkungen entstehen also nicht nur durch einen objektiv messbaren Stressor, sondern viel mehr über die negative Einstellung zu diesem belastenden Ergebnis. Zustände wie Monotonie bzw. psychische Sättigung wirken ebenfalls leistungsmindernd, beruhen allerdings auf einem zu hoch ausgeprägten Grad der eigenen Voraussetzungen. Im Wettkampf ist es von entscheidender Bedeutung, Situationen, in denen negative Beanspruchungen auf die Psyche wirken, zu bewältigen, um den psycho-physischen Gleichgewichtszustand wiederherzustellen. Gelingt uns keine Bewältigung, so wird dies negative Konsequenzen auf den Ausgang des Wettkampfes haben (Stoll/Ziemainz, 2000, S. 86 ff.).

2 Psychoregulation

Ziel jeden Sportlers ist es, seine körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Verlauf einer sportlicher Handlung optimal umzusetzen. Das Ergebnis der Bewegungsausführung, die Leistung, wird von einer Vielzahl von Bedingungen und Leistungsvoraussetzungen, welche untereinander in einer ständigen Wechselbeziehung stehen, beeinflusst. Die Psychoregulation kann mit ihren spezifischen Methoden, den Sportler selbst (Selbstregulation) als auch über außen stehende Personen (Fremdregulation), alle psychischen Faktoren, die eine Handlung beeinflussen, so aktivieren, dass sie zu einem optimalen Handlungsergebnis beitragen. Es können kurz- und langfristige Maßnahmen der Psychoregulation unterschieden werden, da die individuelle Belastungssituation auch einen zeitlichen Aspekt besitzt. Weiterhin wird u.a. zwischen naiver und systematischer Psychoregulation unterschieden. Wobei die naive Regulation vom Sportler selbst erfundene und an sich erprobte Maßnahmen kennzeichnet (Baumann, 1993, S. 83).

2.1 Anwendungsvoraussetzungen

Um einen positiven Effekt psychoregulierender Maßnahmen zu erzielen, ist es notwendig eine genaue Kenntnis über den aktuellen psychischen Zustand des Sportlers bzw. die zu erwartenden psychischen Belastungen zu besitzen. Auf der Grundlage einer fachkundigen Diagnose können die Ziele, die spezifischen Inhalte, die methodischen Maßnahmen und Verfahren angemessen ausgewählt werden. Die Zielsetzungen können zudem durch allgemeine Entspannungs- oder Aktivierungstechniken erweitert werden, wenn dies geeignet erscheint. Bei ungenügender Berücksichtigung evtl. Störfaktoren besteht die Gefahr, dass die Maßnahmen ineffektiv sind oder sich gar negativ auswirken (Baumann, 1993, S. 83).

2.2 Ziele der Psychoregulation

Ziel ist das optimale Zusammenspiel aller an der sportlichen Leistung beteiligten psychischen Instanzen, hierzu zählen intellektuelle, steuernde, psycho-dynamische und motivationale Fähigkeiten und Merkmale. Die individuelle Verarbeitung psychischer Belastungen, der Verlauf und die Ausführung sportlicher Handlungen werden im Wesentlichen von den psychischen Komponenten beeinflusst, deren regulierende Wirkung im Wechselspiel mit den Einflüssen der Sportsituationen die individuelle Leistungsoptimierung bedingen. Zu den psychischen Komponenten zählen folgende fünf Maßnahmen (Baumann, 1993, S. 84):

- Regulation psychischer Steuerungsfähigkeiten - Dient der Verbesserung und Anwendung psychischer Steuerungsfähigkeiten.
- Emotionale Regulation - Emotionale Prozesse sollen bewusst verändert, stabilisiert und kontrolliert werden.
- Intellektuelle Regulation - Ziel ist ein verbessertes bewusstes Denken.
- Energieregulation - Ziel ist die Wahrung und Steigerung psychischer Energie.
- Antriebsregulation - Ziel ist die Erzeugung und Steigerung der Motivation.

2.3 Probleminhalte und Methoden der Psychoregulation

Im Folgenden soll ein Überblick über häufig auftretende, psychische Problemsituationen (s.Abb.1) und entsprechende Lösungsverfahren (s.Abb.2) gegeben werden. Es ist trotz der kategorischen Trennung der Probleminhalte in fünf Zielbereiche, darauf zu verweisen, dass jede Maßnahme die Persönlichkeit des Sportlers in ihrer Ganzheitlichkeit berücksichtigen muss. Begriffliche Festlegungen bedeuten nicht gleichzeitig inhaltliche Abgrenzungen. Die integrative Wechselwirkung von Motivation, Emotion, Kognition und Motorik, verlangt eine individuell variierende Reduzierung, Erweiterung oder Kombination der Methoden (Baumann, 1993, S. 87).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Probleminhalte (Baumann, 1993, S. 88)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Methoden der Psychregulation (Baumann, 1993, S. 89)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglicher sportpsychologischer Interventionen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Psychologie im Leistungssport
Note
bestanden
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V10989
ISBN (eBook)
9783638172646
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charakteristik, Belastung, Wettkampf, Darstellung, Interventionen, Psychologie, Leistungssport
Arbeit zitieren
Lars Wegner (Autor), 2002, Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglicher sportpsychologischer Interventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10989

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