Zur Darstellung des 2. Samnitenkrieges bei Titus Livius: Eine Untersuchung des römisch-samnitischen Konflikts in Hinblick auf den späteren Aufstieg Roms zur Weltmacht


Hausarbeit, 2005

28 Seiten, Note: 1


Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1 Titus Livius und seine annalistische „Römische Geschichte“
Exkurs: Das Ende der Samniten in der späten Republik
II.2 Die Samniten
II.3 Die Jahre 326 bis 304 v. Chr. im Kontext einer ‚Epoche der Samnitenkriege’
II.3.1 Zur Situation vor Kriegsausbruch (326)
II.3.2 Der Zweite Samnitenkrieg (326-304)
II.3.3 Skizze des weiteren Konfliktverlaufs (bis 272)

III. Fazit

IV. Abbildungen
IV.1 Abb
IV.2 Abb
IV.3 Abb

V. Literatur- und Abbildungsverzeichnis
V.1 Quellen
V.2 Abbildungen
V.3 Sekundärliteratur

I. Einleitung

Anders als die römische Tradition behauptet,[1] hat es lange Zeit gedauert bis Rom eine herausgehobene Position unter den Völkern der Region erlangte. Die eigentliche römische Vormachtstellung in Latium begann erst mit der Inkorporierung der besiegten Latinerstädte nach dem latinischen Bruderkrieg von 340-338 v. Chr. Damals vergrößerte sich das römische Bürgergebiet enorm,[2] sodass es im Jahre 338 unmittelbar an das Hochapennin Kampaniens grenzte.

Die Ansichten darüber, wann die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den dort ansässigen Völkern, die mit gemeinsamem Namen Samniten genannt werden, ihren Anfang genommen haben, gehen weit auseinander. So berichtet die römische Überlieferung von einem 1. Samnitenkrieg zwischen 343 und 341, der aber von Teilen der Forschung als annalistisches Konstrukt angesehen wird. Der früheste Waffengang Roms mit den Samniten könne kaum vor dem Latinerkrieg gelegen haben. Durch diesen seien überhaupt erst die Vorraussetzungen für einen solchermaßen erweiterten außenpolitischen Konflikthorizont geschaffen worden.[3] Der jüngeren, vor allem englischsprachigen Forschungsmeinung nach existieren hingegen keine überzeugenden Argumente dafür, den 1. Samnitenkrieg als rückdeutende Erfindung zu werten.[4] Annalistiker wie Livius hätten die noch auf Augenzeugenberichten beruhenden Werke der frühen römischen Geschichtsschreiber weitaus weniger zugunsten aristokratischer Familien gefälscht, als dies noch Theodor Mommsen und andere extrem skeptische Historiker vorangegangener Generationen vermutet hätten.[5]

In der vorliegenden Arbeit wird der 2. Samnitenkrieg (326-304) im Zentrum der Untersuchungen stehen.[6] Dennoch spielt die angesprochene Diskussion hier eine Rolle: Die Deutungen der jüngeren Forschung beziehen den latinischen Bruderkrieg durch die Anerkennung der historischen Faktizität des 1. Samnitenkrieges indirekt mit in eine, als eine einzige kriegerische Periode zu betrachtende, ‚Epoche der Samnitenkriege’ (343-272)[7] ein.

Auch wenn die Samniten in die Latinerkriege noch nicht direkt verwickelt waren, muss die Unterwerfung Mittelitaliens als ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur römischen Hegemonie über die gesamte Apenninenhalbinsel gesehen werden.[8] Somit stellt er eine richtungsweisende Vorbedingung dar, für die entscheidende Auseinandersetzung mit den hinsichtlich territorialer Größe, Bevölkerungszahl und kriegerischer Entschlossenheit einzigen ernst zunehmenden regionalen Rivalen Roms, den Samniten.[9] Deshalb wird für die folgenden Ausführungen von der Existenz einer solchen, siebzigjährigen ‚Epoche der Samnitenkriege’ ausgegangen. Diese Grundannahme spiegelt sich im weiteren Aufbau der Erläuterungen wieder.

Im VIII. Buch seiner Römischen Geschichte lässt Livius einen samnitischen Gesandten den Ausbruch der kriegerischen Phase zwischen 326 und 304 mit folgenden Worten kommentieren:

Was reden wir darum herum? Unsere Streitigkeiten, ihr Römer, werden nicht Worte von Gesandten und nicht irgendein Mensch als Schiedsrichter entscheiden, sondern die kampanische Ebene, in der es zum Zusammenstoß kommen muß, und die Waffen und der unparteiische Kriegsgott. Daher wollen wir zwischen Capua und Sinuessa unsere Lager einander gegenüber aufschlagen und entscheiden, ob der Samnite oder der Römer Italien beherrschen soll.[10]

Diesem Quellenzitat sowie den oben erfolgten Ausführungen entsprechend, wird die, im Rahmen der vorliegenden Arbeit erfolgende, nähere Betrachtung des 2. Samnitenkrieges im Kontext von zwei spezifischeren Fragen stehen:

1. Welche Rolle spielte der 2. Samnitenkrieg im Gesamtkontext des römischen ‚Aufstiegs zur Macht’;
2. Inwiefern ist die livianische Darstellung dieses Krieges von der annalistisch-rückblickenden Position des Autors beeinflusst; und
3. Wie wirkte sich diese Art von rückdeutender Geschichtsverfälschung generell auf das den nachfolgenden Generationen vermittelte Rombild aus?

II. Hauptteil

II.1 Titus Livius und seine annalistische „Römische Geschichte“

Titus Livius, geboren und gestorben [11] in Patavium (59 v. Chr.-17. n. Chr.), gilt als d e r Historiker der römischen Republik. Livius entstammte wohl einer begüterten Familie des städtischen „Bürgertums“ von gediegen-konservativem Lebensstil und war so in den Genuss einer guten Bildung gekommen. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Rom, wo er aber, im Zeichen der Zeit, kein öffentliches Amt bekleidete. Seine römische Geschichte in 142 Büchern von den Anfängen der Stadt (ab urbe condita) bis zum Tod des älteren Drusus im Jahre 9 v. Chr. verfasste er ohne politische oder militärische Erfahrung.

Livius schrieb an seinem Hauptwerk über 40 Jahre; er hat es offenbar abschnittsweise verfasst und publiziert. Die beiden, mit Hinblick auf den 2. Samnitenkrieg entscheidenden Bücher entstanden wohl noch vor 20 v. Chr. und umfassen die Zeitspannen von 341 bis 322 (Buch VIII.) und von 321 bis 304 (Buch IX.).

Den Stoff seines Werkes entnahm Livius älteren Geschichtsdarstellungen, die bis auf die des Polybios fast gänzlich verloren sind. Während ihm speziell für die Bücher XXX. bis XLV. in großem Maße Polybios als Quelle diente, wird in den früheren Büchern fast ausschließlich auf Autoren der römischen annalistischen Tradition verwiesen. Namentlich erwähnt Livius Licinius Macer, Claudius Quadrigarius, Fabius Pictor, Piso und Aelius Tubero.[12]

Diese teilweise noch griechisch schreibenden Annalisten stützten ihre Geschichtsschreibung vorwiegend auf die Eponymenlisten der Amtsträger (fasti), welche seit Beginn der Republik zur Jahreszählung dienten und in denen wichtige politische Ereignisse oder herausragende religiöse Vorzeichen zur Stützung des Zeitgedächtnisses vermerkt wurden. Die Vertrauenswürdigkeit der Fasten ist strittig, da sie von den Fälschungen der später freier konstruierenden Annalisten überwuchert sind.[13] Die Schriften der annalistischen Historiker aus der mittleren und späten Republik –neben Livius seien hier Dionys von Halikarnaß, Diodor und Plutarch genannt- gelten spätestens seit dem 19. Jahrhundert als unzureichende Quellen für wissenschaftliche Untersuchungen über die römische Frühzeit. In den letzten Jahrzehnten hat dementsprechend in erster Linie die Archäologie zur Erforschung der Gründungsgeschichte Roms beigetragen.[14]

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die römischen Annalistiker darauf ausgerichtet waren, alle nicht eindeutig pro-römischen Konzeptionen von Geschichte zu ersetzen, die durch griechische Autoren verfasst worden waren,[15] können Livius siebtes bis zehntes Buch dennoch als schriftliche Primärquellen für die Samnitenkriegen gelten.[16] Die aus den Fasten entnommenen Konsullisten, welche den Kern der livianischen Darstellung bilden, gelten als vertrauenswürdige Basis solider Fakten. Ein nachträgliches Fälschen von Konsullisten muss selbst für einflussreiche römische Familien schwer durchführbar gewesen sein.[17]

Von großer Bedeutung für eine Rezeption der livianischen Darstellung der Samnitenkriege ist, dass sich manches aus dem politischen Kampf und der politischen Begrifflichkeit der gracchischen und sullanischen Zeit in den betreffenden Partien des Livius niedergeschlagen hat. Die Annalisten der gracchischen und sullanischen Zeit, deren Werke ebenfalls als Grundlage für Livius Geschichtsschreibung dienten, hatten aus Ermangelung von Quellen zur älteren römischen Geschichte ihre Beschreibungen der Frühzeit mit den Problemen und Schlagwörtern ihrer eigenen Zeit ausgemalt.[18]

Sullanische Historiker wie Claudius Quadrigarius und Valerius Antias –letzterer diente wohl fast immer dann als Quelle, wenn Livius auf quidam auctores verwies[19] - waren Zeitzeugen des sich an die inneren sozialen Krisen an der Wende vom zweiten zum ersten Jahrhundert v. Chr. anschließenden Bundesgenossenkrieges (91-88), in dem die Samniten zu ihrem letzten Kampf gegen Rom antraten.

Exkurs: Das Ende der Samniten in der späten Republik

Nachdem die Samniten Rom im Hannibalischen und im Makedonischen Krieg Truppen gestellt hatten,[20] traten sie im bellum sociale noch ein letztes Mal zum Kampf gegen Rom an.

Nach der Ermordung des Volkstribuns M. Livius Drusus (91 v. Chr.), der die seit den Gracchen aufgeworfenen innenpolitischen Probleme durch eine Reform des römischen Staatswesens und ohne Bürgerkrieg zu lösen gedachte, gaben die Italiker die Hoffnung auf, das römische Bürgerrecht, dass ihnen trotz aller Sprach- und Kulturgleichheit verwehrt wurde, ohne Gewalt erlangen zu können.

In Mittelitalien setzten sich die Marser unter Poppaedius Silo an die Spitze des Aufstandes, ihnen folgten Paeligner, Marruciner, Vestiner, Piciner und Frentraner; die Samniten unter Führung des Papius Mutilus und die Lucaner nebst vielen Apulern forderten nunmehr einen eigenen Staat. Corfinium sollte als Italia die Hauptstadt sein, die Verfassung folgte römischem Muster.[21] Da Rom die Verbündeten jahrelang zur Aufrüstung gezwungen hatte, um so ihren eigenen Bürgern den Militärdienst zu ersparen, besaßen die Bundesgenossen Anfang des ersten Jahrhunderts v. Chr. ein bei weitem größeres Heeresaufgebot als Rom selbst.[22] In den ersten Monaten des Bundesgenossenkrieges waren die militärischen Verluste so groß, dass ein Desaster zu Ungunsten Roms möglich schien. Erst der harte Winter 91/ 90 gab den Römern die nötige Atempause, um das Blatt in den äußerst blutigen Auseinandersetzungen[23] noch einmal zu wenden. Nachdem Rom zu dem verzweifelten Mittel gegriffen hatte, allen Latinern und Italikern, die bei der römischen Sache geblieben waren, das Bürgerrecht zu verleihen und darüber hinaus auch allen aufständischen Bundesgenossen bei Niederlegung der Waffen das Bürgerrecht versprach, wurde Ende des Jahres 89 wurde nur noch in wenigen Gebieten Süditaliens, vor allem im Samnitenland, gekämpft.[24] Aber nach dem Sieg Sullas über Papius Mutilus, der Eroberung der Festung Venusia 88 und dem Tod des Poppaedius Silo war der Kampf der Verbündeten verloren.[25] Die Unterworfenen erhielten zwar das Bürgerrecht, aber nur bei zurückgesetztem politischem Stimmrecht, nach welchem die Neubürger nur in acht der 35 tribus abstimmen durften.[26]

Ein allerletztes Mal tauchten die Samniten dann in den Kriegen zwischen Marius und Sulla auf: In Abwesenheit Sullas bewilligte Marius den Wunsch der Samniten, in allen tribus Aufnahme zu finden, woraufhin sich die Samniten seiner Anhängerschaft anschlossen. Gegen den heimkehrenden Sulla brachten die Marianer ein Heer aus 70.000 Samniten und Lukanern zusammen, dass am 05. November 82 an der Porta Collina geschlagen wurde; 6000 Mann ließ Sulla allein an Gefangenen hinrichten.[27] Dann sandte er seine Soldaten auf eine Mission der Ausrottung und Vertreibung in die Gebirge, mit der Begründung, „dass die Römer niemals Frieden haben würden, solange eine zusammenhängende samnitische Nation existiere.“[28] Mit derselben Abruptheit wie die Samniten dreihundert Jahre zuvor aufgetaucht waren, verschwanden sie nach dem Massaker an der Porta Collina wieder aus der Geschichte.

Die Schriften der gracchischen und sullanischen Annalistiker betreffend die ‚Epoche der Samnitenkriege’ im vierten Jahrhundert sind infolge der beschriebenen Ereignisse in großem Maße durch die persönliche Erfahrungen der Autoren in den sich mehr als zwei Jahrhunderte später ereignenden Streitigkeiten beeinflusst. Die Verfälschung geht mitunter so weit, dass die Namen von samnitischen Würdenträgern aus der römischen Frühzeit in den annalistischen Rückdeutungen fast deckungsgleich sind mit denen von samnitischen Anführern aus den neunziger und achtziger Jahren v. Chr.[29] Livius scheint trotz der Unzuverlässigkeit der annalistischen Schriften der späten Republik in großem Stil auf sie zurückgegriffen zu haben.

Die rückblickende Position des Livius zeigt sich ebenfalls deutlich in der eingangs zitierten Passage aus dem achten Buch:[30] Mit großer Selbstverständlichkeit wird dort dem samnitischen Gesandten ein Bewusstsein für die historische Dimension des Augenblicks unterstellt, wie er es im Kontext der Zeit und in Unwissenheit über die spätere historische Entwicklung schwerlich gehabt haben konnte.[31] „Durch die Umstände der Zeit gebunden, erfolgte die Beschreibung der Samnitenkriege durch die jüngeren Annalisten gezwungenermaßen in Form einer großen, römischen Epik.“[32]

II.2 Die Samniten

Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurde Kampanien immer wieder von oskisch-sprachigen Stämmen heimgesucht, die von den Bergen in die fruchtbaren Ebenen drängten.[33] Bruttium, Lucanium, Nord-Apulien, Samnium, Kampanien und die Abruzzenregion wurden auf diese Weise von Völkern besiedelt, die nicht nur dieselbe Sprache sprachen, sondern auch gemeinsame religiöse Überzeugungen[34], soziale Gewohnheiten sowie politische Institutionen teilten.[35]

Der Begriff Samniten bezeichnet einen Zusammenschluss von vier oskischen Stämmen, die ein von Tälern durchschnittenes Bergplateau in den südlichen Zentralapenninen besiedelten.[36] Obwohl die oskischen Völker in eine wohlhabende und durch die etruskischen und griechischen Städte bereits hoch entwickelte Region vorgestoßen waren, blieb das Samnitenland in der Entwicklung der vorrömischen Zeit doch relativ zurück. Aufgrund der schwierigen geographischen Lebensbedingungen gab es dort nur vergleichsweise wenige urbane Zentren, kaum Handelsbeziehungen und keine Münzwährung.[37] Das Leben in den Bergen schuf einen harten und rauen Menschenschlag.[38] Die Stämme der samnitischen Föderation –die Hirpiner in Süd-Samnium, die Caudiner im Westen, die Carriciner im extremen Nordosten und die größte Gruppe in Zentral- und Ost-Samnium, die Pentrer[39] - bestritten ihren Unterhalt in erster Linie durch Kriegsführung und Raubzüge.[40] Während die Samniten in Friedenszeiten über lokale politische Einheiten, bestehend aus einem oder mehreren Dörfern (lat. pagi) bzw. über aus mehreren pagi bestehende so genannte touto (osk./ lat. populus)[41] organisiert wurden, schlossen sie sich im Krieg unter einem gemeinsamem Oberbefehl zusammen.[42] Auf diese Weise waren sie zu einer bemerkenswerten Schlagkraft gegenüber einem gemeinsamen Feind befähigt.

Um sich vor Gefahren zu schützen, umgaben die Samniten zahlreiche, in Sichtweite voneinander gelegene Bergspitzen mit massiven Steinmauern und polygonalen Festungstürmen, von deren Anhöhen Bewegungen im Umland beobachtet und kontrolliert werden konnten. Diese Festungen dienten auch als Stützpunkte von denen aus zu Gegenangriffen oder Raubzügen aufgebrochen wurden.[43] Die militärische Stärke der Samniten war gefürchtet, und nicht zuletzt aufgrund periodisch wiederkehrender Expansionsphasen in Folge von Überpopulationsproblemen[44] wurden die Samniten von den sie umgebenden Völkern als äußerst unkomfortable Nachbarn empfunden.[45]

II.3 Die Jahre 326 bis 304 v. Chr. im Kontext einer ‚Epoche der Samnitenkriege’

II.3.1 Zur Situation vor Kriegsausbruch (326)

Wie bereits oben vermerkt, wurden nach Beendigung des latinischen Bruderkrieges 338 die besiegten Städte in das römische Bundesgebiet inkorporiert. Hierbei ist zwischen drei verschiedenen Inkorporationsformen zu unterscheiden:[46]

a. Zahlreiche Niederlassungen in Latium wurden zu von Rom abhängigen Siedlungen mit beschränkten Verwaltungsaufgaben (municipia);[47] die Bewohner der municipia erhielten das römische Bürgerrecht.[48]

b. Die latinischen Städte, die nicht municipia wurden, blieben weiterhin souverän. Ihre Bürger behielten die Rechte des conubium und commercium mit römischen Bürgern bei. Allerdings wurden diesen latinischen Städten untereinander sowohl Handel und Eheschließungen als auch jegliche politischen Beziehungen verboten.[49]

c. Den außerhalb Latium Vetus gelegenen Völkern wurde ein Bürgerrecht ohne politisches Stimmrecht (civitas sine suffragio) auferlegt.[50] Die betroffenen Bürger besaßen keine politischen Rechte, hatten aber dieselben Pflichten wie die Vollbürger, allem voran den Militärdienst, zu tragen.

Dem so entstandenen „römischen Commonwealth“[51] wohnte langfristig ein enormes Wachstumspotential inne. So ermöglichte die Institution der municipia eine weitere expansive Vergrößerung des römischen Territoriums durch Inkorporierung neuer Siedlungen, ohne dass dadurch radikale Änderungen im vorhandenen Verwaltungssystem notwendig waren. Darüber hinaus konnte Rom durch das Prinzip der civitas sine suffragio ihre militärische Schlagkraft steigern, ohne den essentiellen Stadt-Charakter und die traditionellen politischen Institutionen aufzugeben.[52]

Die zweite bedeutende Innovation dieser Zeit stellte die Kolonisierungswelle Latiums ab 334 v. Chr. dar. Die Kolonien (coloniae Latinae) ermöglichten es den Römern, ihre Herrschaft über die Region durch die Aneignung weiter abgelegener Gebiete auszubauen und zu konsolidieren. Die erste Kolonie, die unter diesen Bedingungen errichtet wurde, war das an der Straße von Rom nach Capua gelegene Cales. Die Kolonie schützte die nord-westliche Flanke Kampaniens und trennte die Samniten von den Sidicinern.[53] Cales wurde ein Modell für spätere Kolonien, die während der nächsten zwei Generationen an strategischen Punkten auf der italischen Halbinsel errichtet werden sollten. Die Kolonien dienten hierbei nicht nur als militärische Stützpunkte, sondern waren als lateinischsprachige und zur römischen Kultur zugehörige Enklaven der wichtigste Faktor der späteren Oberherrschaft Roms über Italien.[54]

II.3.2 Der Zweite Samnitenkrieg (326-304)

Von beiden Konsuln wurde der[55] Senat unterrichtet, es bestehe wenig Hoffnung auf Frieden mit den Samniten. Publilius hatte Nachricht geschickt, 2000 Soldaten aus Nola und 4000 Samniten seien mehr unter dem Druck der Nolaner als auf Wunsch der Griechen in Palaepolis aufgenommen worden; Cornelius meldete, die Beamten hätten eine Aushebung angesetzt, ganz Samnium habe sich erhoben und es sei unzweifelhaft, daß die Nachbarvölker, die Leute von Privernum, von Fundi und von Formiae, aufgewiegelt würden. Als man deswegen beschlossen hatte, Gesandte zu den Samniten zu schicken, bevor es zum Krieg komme, wurde von den Samniten eine dreiste Antwort erteilt. (...) Die Griechen würden nicht durch eine Entscheidung oder einen Hilfsmaßnahme von Staats wegen unterstützt. (...) Doch sie könnten nicht verhehlen, daß die Völkerschaft der Samniten es ungern sehe, daß das römische Volk Fregellae, das sie den Volskern abgenommen und zerstört hätten, wiederhergestellt und eine Kolonie in das Gebiet der Samniten gesetzt habe, die ihre Ansiedler Fregellae nennten. Wenn dieses schädliche Unrecht nicht von denen, die es getan hätten, aus der Welt geschafft werde, würden sie es selbst mit aller Macht beseitigen.[56]

Den Ausbruch des 2. Samnitenkrieges Ende 327/ Anfang 326 gibt Livius in der oben stehenden, stark zugunsten Roms verfälschten Darstellung wieder. Nach livianischer Meinung sind die Samniten also aus dreierlei Gründen als Aggressoren des Krieges zu betrachten: Erstens hätten sie einen Angriff auf die 328 gegründete Kolonie Fregellae vorbereitet, zweitens Privernum, Fundi und Formulae zur Revolte aufgewiegelt, und drittens die griechische Stadt Neapolis –Livius nennt sie fälschlicherweise Palaepolis- zu Übergriffen auf die römischen Besitzungen in Kampanien ermutigt. Die Unrichtigkeit dieser Angaben soll im Folgenden dargelegt werden.

Gerade über die „Neapel-Affäre“[57] herrscht in den Quellen große Verwirrung. Im Gegensatz zu Livius bietet Dionys von Halikarnaß eine Erklärung für das samnitische Eingreifen in Neapolis in Folge des römischen Angriffs 327: Die Römer hätten von Neapel wegen Übergriffen auf römische Bürger Genugtuung gefordert, zugleich aber die Stadt aus dem Bündnis mit den Samniten ziehen und zum Anschluss an Rom bewegen wollen. Diesen Vorgang hat Livius nicht nur verschwiegen, sondern indirekt bestritten.[58] Denn nach der oben angeführten Darstellung des Livius hat Rom den Krieg nicht gegen die mit den Samniten verbündeten Neapolitaner geführt, sondern gegen eine Stadt mit Namen Palaepolis, die er fälschlich als eine eigenständige civitas vorstellt.[59] Diese Palaepolis –die nach den Angaben des Livius in direkter Nähe von Neapel gelegen haben soll[60] - hat aber möglicherweise nie existiert; zumindest gibt es keine Verweise anderer antiker Autoren.[61] Ist dem der Fall, konnte es schwerlich ein Bündnis der Samniten mit „ Palaepolis “ gegeben haben, wodurch auch niemand behaupten konnte, dass der Angriff Roms ein Angriff auf einen samnitischen Bündnispartner gewesen sei. Dann aber ergab eine samnitische Unterstützung der bereits mit Rom im Krieg liegenden Stadt ein eindeutiges und nicht entschuldbares Unrecht der Samniten![62]

Ähnlich verhält es sich mit der Fregellaefrage, wenn auch die Haltung des Dionys hierbei aufgrund unvollständiger Überlieferungen weniger deutlich erkennbar ist. Die erhaltenen Fragmente lassen aber den Anschluss der Kolonie als ein kriegsauslösendes Moment noch erkennbar durchscheinen.[63] In der einseitig pro-römischen Position des Livius fällt hingegen die Fregellaefrage fast völlig unter den Tisch: Für ihn war die Siedlung vor der Gründung als römische Kolonie volskisch;[64] dass sie jemals dem samnitischen Machtbereich angehört hatte, behaupteten nur die Samniten. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch des 2. Samnitenkrieges und der Kolonie Fregaella gibt es bei Livius nicht. Dies spricht dafür, dass Rom bei der Neugründung Fregellaes als kolonialer Enklave noch nicht einmal den Schein des Rechts für sich hatte![65] Um nun jede Spur eines wenig rühmlichen Angriffskrieges zu verwischen, sucht Livius den Eindruck zu erwecken, als sei allein Kampanien der Gegenstand des Streites zwischen Rom und den Samniten gewesen. Hier konnte er sich wenigstens auf die Palaepolis-Konstruktion berufen.

Vor diesem Hintergrund kann der Ausbruch des 2. Samnitenkrieges wie folgt beschrieben werden: Wie bereits erläutert hatten die Annektionen in Folge des Latinerkrieges die Römer in das wirtschaftlich und kommerziell florierende Kampanien geführt. Aufgrund des ökonomischen Profits, den die Region abwarf, war die Anhängerschaft einer offensiven Politik der Südexpansion in Rom groß.[66] Die daraufhin erfolgende Südwärtsbewegung der Römer durch Gründung der Kolonie Fregellae an Liris und Trerus 328 provozierte die Samniten schwer. Sie hatten diese Region einige Jahre zuvor selbst überrannt, und mussten die Neugründung der von ihnen zerstörten Siedlung mindestens als Aggression, wenn nicht sogar als Besetzung ihres Territoriums werten. Nicht zuletzt deshalb kamen sie unverzüglich zu Hilfe, als Rom 327 die mit ihnen verbündete Stadt Neapolis angriff und richteten dort eine Garnisonstadt ein. Es scheint, als sei die neapolitanische Bevölkerung in ihrer Loyalität gespalten gewesen: Die Masse der Bewohner sympathisierte zwar mit den Samniten, eine kleine Führungsgruppe war aber romfreundlich eingestellt.[67] Im Jahr 326 setzte sich die pro-römische Partei im internen Konflikt durch und übergab die Stadt dem römischen Konsul und Heerführer Q. Publilius Philo.[68]

Nach diesem ersten Erfolg der Römer gestalteten sich die kommenden fünf Kriegsjahre wenig spektakulär. Während die Samniten zu keinem Zeitpunkt die Territorien Roms oder ihrer Verbündeten attackierten, eroberten die offensiv agierenden Römer wahrscheinlich einige samnitische Städte und Gebiete.[69] Livius Erzählung, dass sich die Samniten 322 so verzweifelt nach Frieden gesehnt hätten, dass sie ihren Anführer Papius Brutulus des Vertragsbruchs mit Rom bezichtigten und in den Selbstmord trieben,[70] muss mit äußerster Skepsis betrachtet werden. Es ist wohl nicht mehr als eine „moralische Vorbereitung“[71] auf das römisch-samnitische Aufeinandertreffen an den furculas Caudinas im darauf folgenden Jahr:

„Nach Luceria führten zwei Wege: der eine an der Küste des oberen Meeres entlang, frei und offen, aber je sicherer er war, desto länger war auch in etwa; der andere durch die Caudinische Enge, er war der kürzere. Das Gelände aber ist dort wie folgt beschaffen: Zwei hohe Gebirgspässe, eng und waldig, sind durch zusammenhängende Bergketten ringsum miteinander verbunden; zwischen diesen liegt, in der Mitte eingeschlossen, ein ziemlich weiter Talkessel, reich an Gras und Wasser, durch den der Weg mitten hineinführt. Aber bevor man zu ihm gelangt, muß man in die erste Enge hinein, und entweder muß man auf demselben Weg, auf dem man hineingekommen ist, wieder zurückkehren oder, wenn man weiterziehen will, durch den anderen Paß, der noch enger und schwieriger ist, hinausgelangen.“[72]

Im Jahre 321 hatten mit T. Veturius Calvinus und Sp. Postumius Albinus zwei Konsule die römische Führung übernommen, die bereits in ihrer früheren Zeit im Konsulamt durch die Gründung der Kolonie Cales 334 als Vertreter einer Südexpansion in Erscheinung getreten waren.[73] So überrascht es nicht, dass sie, um die Stagnation des Krieges zu beenden, eine militärische Strategie wählten, die die beiden vereinigten römischen Heere über Kampanien in das Herzland der Samniten führen sollte.[74] Aber die militärische Unerfahrenheit der römischen Konsule,[75] deren Truppen sich darüber hinaus nicht auf eine dem Terrain angemessene Kampfesweise verstanden und auch in der Bewaffnung unterlegen waren,[76] zeigte sich den kriegerischen Samniten unter dem hervorragenden Gavius Pontius[77] nicht gewachsen. Bei Livius phantasievoller Beschreibung des tückischen Hinterhalts, den die Samniten der römischen Armee in der Caudinischen Enge bereitet haben, handelt es sich jedoch abermals um eine sehr fragwürdige Darstellung. Vermutlich sollte sie der nachträglichen Verschleierung einer römischen Niederlage dienen. Andere Quellen, darunter Cicero, überliefern demnach auch, dass die Römer nach einer verlorenen Schlacht kapituliert hätten.[78] Dass die römischen Heerführer anstelle eines regulären foedus nur einen provisorischen Waffenstillstandsvertrag mit den Konsulen als Bürgen abschlossen (sponsio), wie es Livius behauptet, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Ebenso wie die Darstellung, dass dieser sponsio nachträglich durch ein heldenhaftes Opfer der römischen Amtsträger unter der Führung des Sp. Postumius ungültig gemacht wurde, woraufhin sich die Römer in den beiden folgenden Jahren durch eine Reihe glanzvoller Siege wieder rehabilitierten.[79] Die heutige Lehrmeinung geht davon aus, dass die in einem regulären Kampf besiegten Römer einen durchaus üblichen Friedensvertrag abschließen mussten, der die Rückgabe von Fregellae und Cales beinhaltete.[80]

Bis zum Bruch dieses Friedensvertrages durch Rom dauerte es vielleicht zwei Jahre. 316 griffen die Römer, die die Zwischenzeit zu einer diplomatischen Offensive genutzt hatten um die Samniten zu isolieren und einzukreisen,[81] erneut an. Von Seiten der Samniten sind keine aggressiven Tendenzen zu vermerken. Als eine Konföderation von Stämmen war der Samnitische Bund ausschließlich zu Verteidigungszwecken konzipiert; zu einer längerfristigen offensiven Strategie taugte er offenbar nicht. Die einzige Gelegenheit bei der die Samniten in römisches Gebiet vordrangen, war darum auch die Antwort auf eine vorangegangene Aggression Roms: Nach der Eroberung Saticulas durch die Römer 315 überquerten die Samniten den Liris und verwüsteten die Küstenregion bis Ardea.[82] Von dieser Ausnahme abgesehen, gewannen die Römer zunehmend die Oberhand in der Auseinandersetzung: Bei der Errichtung einer zweiten Front in Apulien hatten sie 315 die Kontrolle über Luceria gewonnen und die Stadt zu einer Festungsanlage ausgebaut. Ähnlich verfuhren sie 313 mit Fregellae, Saticula und anderen Städten, sodass um 312 eine ganze Reihe von Festungen die samnitische-kampanische Grenze sicherte und den römischen Heeren in der sensiblen Liris-Volturnus Region Rückhalt bot.[83] Als deutliches Symbol ihrer permanenten Kontrolle über Kampanien kann der Baubeginn der Via Appia von Rom nach Capua im Jahr 312 gewertet werden.[84] Zusätzlich zu dieser Festungspolitik, die die Samniten in ihrem Gebiet zernierte, waren die Römer inzwischen ebenfalls in ihrer militärischen Taktik besser angepasst: Aus der caudinischen Erfahrung klug geworden, hatten sie das Pilum als neue Hauptwaffe neben dem Schwert übernommen und die starre Gefechtslinie durch die Gliederung der Front in Abteilungen (Manipel) gelockert, die bei Auflösung der Linie unabhängig operieren konnten.[85]

Obwohl Rom von 311 bis 308 in Kämpfe mit den Etruskern verwickelt war,[86] setzte sie ihre großräumige Invasion Samniums erfolgreich fort. Im Jahre 304 fanden sich die erschöpften Samniten zu einem Friedensschluss bereit, der den über zwanzigjährigen Krieg beendete.[87]

II.3.3 Skizze des weiteren Konfliktverlaufs (bis 272)

Für die Römer bedeutet das Ende des 2. Samnitenkrieges keine größere Atempause. An die Kämpfe mit den Etruskern schlossen sich Auseinandersetzungen mit den Sabinern an, und bereits 298 brach der dritte Krieg mit den Samniten aus. Im Gegensatz zum 2. Samnitenkrieg wuchs der Nachfolgekrieg schnell zu einem gesamt-italischen Krieg heran. Nicht zuletzt aus Angst vor der wachsenden Macht Roms fanden die Samniten zahlreiche Verbündete, so dass zeitweise fast ganz Italien gegen Rom stand. Wenn auch ein koordiniertes gemeinsames Vorgehen der Feinde Roms nur in seltenen Fällen zustande kam.[88] Bei Sentinum besiegte 295 ein römisches Aufgebot von über 36.000 Soldaten eine gemeinsame Armee der Samniten und Kelten in der bis dato größten Schlacht der Geschichte Italiens.[89] Mit der Errichtung der riesigen Festungskolonie Venusia, durch die die Römer den Ring um das samnitische Gebiet vervollständigten, gelang es ihnen 291 die Samniten zum Frieden zu zwingen. Die Kelten, konnten erst elf Jahre später ‚befriedet’ werden. Italien, das durch die Kriege seit 326 zu einem einzigen kriegerischen und politischen Operationsfeld geworden war, befand sich nun erstmal annähernd unter römischer Kontrolle.[90]

Im Jahre 282 brach dann der Konflikt mit Tarent aus, in dessen Folge Pyrrhos, der König der epirotischen Molosser, in Unteritalien landete. Nach dessen teuer erkauften Sieg bei Herakleia am Siris 280 fielen die Samniten erneut von Rom ab. Dieser „Vierte Samnitenkrieg“[91] dauert weitere acht Jahre. Eine erstaunlich lange Dauer hinsichtlich des enormen Machtverlusts, den die Samniten in den sechzig Jahren des Krieges erfahren hatten. Die Erklärung liegt zweifellos in der Vielzahl der römischen Gegner und nicht in der Stärke der Samniten. Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die Römer bereits fast völlig frei in Samnium. 280/ 279 überwinterten sie sogar im samnitischen Kernland.[92] Nach dem Abzug des Phyrros’ 276 wurden sie in kürzester Zeit von den Römern unterworfen und hart für ihren Abfall bestraft.

Der Samnitische Bund wurde aufgelöst und die einzelnen Teile gezwungen, mit Rom Bündnisverträge abzuschließen. Ein Teil des Gebietes wurde annektiert um auf ihm einige Jahre später große coloniae Latinae zu gründen.[93] Die Apenninen-Halbinsel wurde damit endgültig zu einem geschlossenen römischen Herrschaftsgebiet, konsequent ausgebaut durch die Errichtung neuer Festungen und die Anlage eines umfassenden Straßennetztes. Wie alle anderen italischen Stämme mussten sich auch die Samniten der römischen Oberherrschaft beugen. Die großen Samnitenkriege waren vorbei und weiterer Widerstand zwecklos.[94] Die Samniten hatten seit Beginn der ‚Epoche der Samnitenkriege’ im Jahre 343 mehr als die Hälfte ihres Territoriums verloren.[95] Nach der Zerschlagung ihres Bundes waren sie nun keine italische Großmacht mehr und unterschieden sie sich in Größe und Stärke nicht mehr von den übrigen ‚Verbündeten’ Roms. Es sollte fast 200 Jahre dauern, bis sich die unterworfene Halbinsel im Bundesgenossenkrieg erneut gegen die römische Dominanz erhob.

III. Fazit

Wie die Ausführungen im Rahmen der vorliegenden Arbeit deutlich gezeigt haben, hat die römische Tradition einer rückdeutend-annalistischen und die historischen Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit verfälschenden Geschichtsschreibung kaum zu überschätzende Auswirkungen auf die Wahrnehmung der jeweils nachfolgenden Generationen gehabt. Livius Darstellung des 2. Samnitenkrieges ist –sowohl in Hinsicht auf den Beitrag der sullanischen und gracchischen Annalistiker als auch den originär livianischen Beitrag betreffend- zweifellos ein Paradebeispiel für die Konstruktion von Geschichte aus dem Geist der Gegenwart.

Darüber hinaus haben die vorangegangen Ausführungen umfassend die Bedeutung dargelegt, die der ‚Epoche der Samnitenkriege’ auf dem Weg Roms zur Weltmacht zukam. In den Jahren von 343 bis 272 wurden mit den Institutionen municipia und civitas sine suffragio, mit der Kolonialisierung Süd-Mittelitaliens sowie mit dem Ausbau der Befestigungsanlagen und des Straßensystems, und nicht zuletzt mit der Unterwerfung des lokalen Rivalen Samnium, wesentliche Grundsteine für die zukünftige Entwicklung Roms gelegt. Der 2. Samnitenkrieg, auf den der Fokus der oben stehenden Untersuchungen gerichtet war, stellte eine der bedeutendsten Etappe innerhalb dieser Zeitspanne dar.

Was die zu Beginn der vorliegenden Arbeit gestellten Forschungsfragen betrifft, konnten die Detailuntersuchungen zu den Jahren 326 bis 304 in großem Maße zum Erkenntnisgewinn beitragen: So leistet zwar die Untersuchung der Palaepolis-Konstruktion des Livius keine direkte Aussage über die realen historischen Ereignisse, die zum Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges führten. Dem kritischen Beobachter des Gesamtzusammenhangs wird jedoch unweigerlich die aggressive Grundtendenz Roms vor Augen geführt, die auch den 2. Samnitenkrieg verursachte. Im Wissen über die im Hauptteil angesprochenen, innenpolitischen Bemühungen Roms die wirtschaftlich vorteilhafte Südexpansion weiter fortzusetzen sowie vor dem Hintergrund der stark religiös konnotierten römischen Mentalität, die das Vorhanden- oder Nichtvorhandensein des „Segen der Götter“ stets von militärischen Siegen bzw. Niederlagen abhängig machte,[96] kann im Grunde genommen an einem Angriffskrieg Roms gegen die Samniten nicht gezweifelt werden.

Hinsichtlich der Verbindung von göttlicher Gnade und militärischem Erfolg in der römischen Identität, erscheint im Übrigen auch die Frage nach der Existenz eines „römischen Imperialismus“ in neuem Licht: Zwar wurde die römische Entwicklung zu einem brutalen Groß-Imperium zweifellos nicht systematisch auf ein fernes Ziel hin koordiniert, sondern entstand aus einer Fülle von einzelnen Aktionen und Fallentscheidungen. Ebenso wenig war der Aufstieg Roms durch das Verlangen nach Rohstoffbasen und Absatzmärkten, durch Menschenjagd oder die Inbesitznahme möglichst großer Territorien motiviert. Mit den modernen Imperialismusbegriffen kann es darum nicht in Einklang gebracht werden.[97] Trotzdem war das Weltmachtstreben Roms über die Religion von Anbeginn der Stadt an fest im Bewusstsein ihrer Bürger verankert. Gleichwohl muss man zugeben, dass die römische Religion im Vergleich zu den Nachbarreligionen keine im größeren Maße aggressiven oder expansiven Züge trug.[98] Aus welchem Grund setzte sich also gerade Rom im Kampf um die Hegemonie im Mittelmeerraum durch?

Möglicherweise ist der entscheidende Grund für den Aufstieg Roms zur Weltmacht zwischen Karthago und Makedonien wirklich in der in dieser Arbeit untersuchten römischen Frühzeit zu verordnen: Umgeben von (scheinbar) übermächtigen Nachbarn war Rom die Beobachtung der Entwicklungen in der Umgebung seit ihrer Zeit als mittelitalischer Kleinstadt in Fleisch und Blut übergegangen. Mit der in dieser Hausarbeit thematisierten Unterwerfung Italiens -die sich ja ebenfalls keineswegs als geplanter Imperialismus vollzog!- weitete sich der Kreis der Nachbarn nunmehr aus. Die oft präventiven Interventionen führten dementsprechend zu immer weiter reichenden Konsequenzen. Einen ‚Isolationismus’ duldeten aber Instinkt, Mentalität und Prestige der römischen Führungsschicht nicht.[99]

IV. Abbildungen

IV.1 Abb. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Salmon, 1967, 342.

IV.2 Abb. 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cornell, 1989, 352.

IV.3 Abb. 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cornell, 1995, 350.

V. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

V.1 Quellen

Titus Livius, Römische Geschichte Buch VII-X/ Fragmente der zweiten Dekade, lateinisch und deutsch [hrsg. von H. J. Hillen], Darmstadt 1994.

V.2 Abbildungen

Abb. 1: Die Aufständischen des bellum sociale; in Salmon, 1967, 342.
Abb. 2: Die Völker Zentral-Süditaliens ca. 350 v. Chr. (nach Salmon, 1967); in Cornell, 1989, 352.
Abb. 3: Die Siedlungen von 338 v. Chr. (Quelle: Liv. VIII, 14); in Cornell, 1995, 350.

V.3 Sekundärliteratur

Beck, H./ U. Walter (Hrg.), Die frühen römischen Historiker, 2 Bände, Darmstadt 2001/ 2004.

Bleicken, J., Geschichte der römischen Republik [Oldenbourg, Bd. 2], München 19883.

Christ, K., Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 19933.

Cornell, T. J., The beginnings of Rome – Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c. 1000–264 BC), London/ New York 1995.

Cornell, T. J., The conquest of Italy, in CAH2, VII – Part 2: The rise of Rome to 220 B.C., Cambridge 1989, 351-420.

Fuhrmann, M., DNP 7, 1999, 377-382, s. v. Livius, T.

Heuss, A., Römische Geschichte, Braunschweig 19642.

Klotz, RE, XIII 1, 1972, 816-853, s. v. Livius, T.

Oakley, S. P., A commentary on Livy, Books VI-IX - Volume 2: Book VII and VIII, Oxford 1998.

Oakley, S. P., A commentary on Livy, Books VI-IX - Volume 1: Introduction and Book VI, Oxford 1997.

Phillips, E. J., Roman politics during the second Samnite war, Athenaeum N.S. 50 (1972), 337-356.

Philipp, RE, IL 2, 1920, 2138-2158, v. s. Samnites.

Rüpke, J., Domi militiae – Die religiöse Konstruktion des Krieges in Rom, Stuttgart 1990.

Salmon, E. T., The making of roman Italy, London 1982.

Salmon, E. T., Samnium and the Samnites, Cambridge 1967.

K.-H. Schwarte, Zum Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges (326-304 v. Chr.), Historia 20, 1971, 368-376.

Sehlmeyer, M., Livius und seine annalistischen Quellen für das frühe Rom, Gymnasium 105, 1998, 553-561.

Vogt, J., Ciceros Glaube an Rom, Würzburger Studien zur Altertumswissenschaft (Heft 6), Stuttgart 1935.

Anmerkung:

Zitate aus englischsprachigen Texten wurden vom Verfasser der vorliegenden Arbeit nach der Devise „so wörtlich wie möglich, so frei wie nötig“ ins Deutsche übersetzt.

[...]


[1] J. Bleicken, Geschichte der römischen Republik [Oldenbourg, Bd. 2], München 19883, 18.

[2] J. Bleicken geht davon aus, dass das römische Territorium auf ca. 6100km2 vervierfacht wurde. – Ebd., 1988, 21.

A. Afzelius schätzt die Größe des ager Romanus nach dem Latinerkrieg hingegen auf 5525km2. – T. J. Cornell, The beginnings of Rome – Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c. 1000–264 BC), London/ New York 1995, 351.

[3] Bleicken, 1988, 33.

[4] „In keinerlei Hinsicht gibt es Begründungen für die altmodische Ansicht, dass der 1. Samnitenkrieg eine annalistische Fabrikation war.“ – Cornell, 1995, 347.

„Wir sollten nicht daran zweifeln, dass es den 1. Samnitenkrieg gegeben hat.“ - S. P. Oakley, A commentary on Livy, Books VI-X - Volume 2: Books VII and VIII, Oxford 1998, 308.

[5] Cornell, 1995, 356.

Zur Darstellung einer kritischen Gegenposition in der Diskussion um die Historizität der Angaben des Livius vgl. auch M. Sehlmeyer, Livius und seine annalistischen Quellen für das frühe Rom, Gymnasium 105, 1998, 561.

Livius selbst war sich der Problematik durchaus bewusst: „ Ich glaube, die Überlieferung ist verfälscht durch die Lobreden auf die Verstorbenen und durch die unrichtigen Inschriften unter den Ahnenbildern, womit eine jede Familie den Ruhm von Taten und Ämtern mit täuschender Lüge für sich beansprucht. Gewiß ist dies die Ursache der Verwirrung sowohl bei den Taten der einzelnen als auch bei den offiziellen Denkmälern der Ereignisse. Und es gibt für diese Epoche keinen einzigen zeitgenössischen Schriftsteller, dem man als einer hinreichend sicheren Quelle folgen könnte. “/ „ Vitiatam memoriam funebribus laudibus reor falsisque imaginum titulis, dum familiae ad se quaeque famam rerum gestarum honorumque fallente mendacio trahunt; inde certe et singulorum gesta et publica monumenta rerum confusa. Nec quisquam aequalis temporibus illis scriptor exstat, quo satis certo auctore stetur. “ – Liv. VIII, 40, 4-5.

[6] Der 2. Samnitenkrieg, der als die größte Auseinandersetzung Roms mit diesem Volk gilt [Quelle], „ist (...) der größte aller samnitischen Kämpfe mit Rom.“ – E. T. Salmon, Samnium and the Samnites, Cambridge 1967, 214.

[7](...) und es sind auch die anschließenden Kämpfe gegen die Kelten und Etrusker (285-280) sowie der Krieg gegen den König Phyrros (280-272), in den erneut die Samniten und die meisten Völker Süditaliens verwickelt waren, mit den vorangehenden Kriegen gegen die Samniten als eine Einheit zu sehen.“ – Bleicken, 1988, 34.

Vgl. Kapitel II.3.3.

[8] Cornell bezeichnet den Latinerkrieg als „einen Hauptwendepunkt in der Italischen Geschichte“. - Cornell, 1995, 347.

[9] Salmon, 1967, 1.

[10]Quid perplexe agimus? (...) Nostra certamina, Romani, non verba legatorum nec hominum quisquam disceptator, sed campus Campanus, in quo concurrendum est, et arma et communis Mars belli decernet. Proinde inter Capuam Suessulamque castra castris, conferamus et, Samnis Romanusne imperio Italiam regat, decernamus.- Liv. VIII, 23, 8-9.

[11] Titus Livius, Römische Geschichte, lateinisch und deutsch [hrsg. von H. J. Hillen], Darmstadt 1994.

Die folgenden Angaben zu Person, Leben und Werk des Livius entstammen zum größten Teil RE und DNP. – Vgl. Klotz, RE, XIII 1, 1972, 816-853, s. v. Livius, T. Und vgl. M. Fuhrmann, DNP 7, 1999, 377-382, s. v. Livius, T.

[12] S. P. Oakley, Books VI-X - Volume 1: Introduction and Book VI, Oxford 1997, 16. Für genaue Informationen zu den Autoren der römischen annalistischen Tradition und deren Fragmenten vgl. H. Beck/ U. Walter (Hrg.), Die frühen römischen Historiker, 2 Bände, Darmstadt 2001/ 2004. Vgl. dazu auch Oakley, 1997, Kapitel 3 (The annalistic tradition).

[13] Hinsichtlich Entstehungsgeschichte und heutiger Forschungstendenzen innerhalb des Spezialgebiets der Annalistik vgl. Bleicken, 1988, 105-111.

[14] Ebd, 111.

[15] Salmon weist diesbezüglich darauf hin, dass Duris von Samos, Hieronymos von Cardia, Philistus und Callias von Syrakus, Lycus von Rhegium und Timaeus von Tauromenium durchaus Einiges, und darunter viel Positives, über die Samniten gesagt hätten. Den Römern hätten sie dagegen wenig Beachtung geschenkt. – Salmon, 1967, 3f.

[16] „Mit Abstand unsere wichtigste und informativste Quelle für diese Jahre.“ - Oakley, 1998, 307.

[17] Wenn auch das Fehlen von Angaben in den Fasten darüber, welcher der beiden Konsule für welche Handlung verantwortlich war, es für die Annalisten einfach machte, von Ihnen bevorzugte Familien in besserem Licht darzustellen. – Salmon, 1967, 5f.

[18] Bleicken, 1988, 168.

[19] Salmon, 1967, 7.

[20] Liv. XXII, 24 und Liv. XLIV, 40.

[21] Philipp, RE, IL 2, 1920, v. s. Samnites, 2150. Vgl. Abb. 1.

[22] Salmon, 1967, 346.

[23] „Für Diodorus war es der größte Krieg, und Florus betont mit Nachdruck, dass weder Pyrrhus noch Hannibal eine solche Verwüstung verursacht hätten.“ – Salmon, 1967, 347.

[24] Bleicken, 1988, 71.

[25] Philipp, RE, v. s. Samnites, 2151.

[26] Bleicken, 1988, 71.

[27] Philipp, RE, v. s. Samnites, 2151.

[28] Salmon, 1967, 387.

[29] „Papius Brutulus von 323 (Liv. VIII, 39, 12) ist mit Sicherheit ausgeheckt worden, mit Hinsicht auf den durch die sozialen Konflikte berühmten Papius Mutilus . “ – Salmon, 1967, 9.

[30] Vgl. Fußnote 10.

[31] „Obwohl es trotz alledem möglicherweise wahr sein könnte, dass die beiden Völker schon in so früher Zeit wie der des 2. Samnitenkrieges eine instinktive, und eventuell sogar bewusste Ahnung davon hatten, dass der Preis, um den sie stritten, die Hegemonie über die Halbinsel war.“ - Salmon, 1967, 214.

[32] Salmon, 1967, 9.

[33] Vgl. Fußnote 44.

[34] „Die Samniten huldigten den großen Göttern Jupiter und Mars und, wie es ihr einfaches Leben verlangte, ländlichen Gottheiten wie Mefitis, dem Versorger mit Wasser, und Vibia, einer Göttin der Unterwelt. So wie andere Italiker wurden sie aber ebenfalls von griechischen religiösen Ideen beeinflusst (...). Heilige Wesen griechischer Herkunft wurden sehr bedeutet bei ihnen, (...) wie Herkules, Castor und Pollux.“ - E.T. Salmon, The making of roman Italy, London 1982, 13.

[35] Cornell, 1995, 346.

[36] Vgl. Abb. 2.

[37] Salmon, 1982, 13.

[38] Ebd., 14.

[39] Vgl. Abb. 2.

[40] Cornell, 1995, 345.

[41] Philipp, RE, v. s. Samnites (Gebiet), 2152ff.

[42] Vgl. z.B. Liv., IX, 1, 2; Liv., IX, 3, 9; und Liv., X, 12, 1.

[43] Salmon, 1982, 14.

Eine Abbildung von möglichen Überresten eines samnitischen Festungsturms findet sich in Oakley, 1998, 678.

[44] „Der Legende nach war der Heilige Frühling (ver sacratum) eine rituelle Antwort auf eine Hungersnot oder ähnliche Krise. Unter solchen Umständen wurde die gesamte Produktion eines bestimmten Jahres Mars geopfert. Die Tiere wurden geschlachtet, aber die Kinder wurden geschont und zu sacrati bestimmt. Wenn sie die nötige Reife erreicht hatten, wurden sie auf der Spur eines wilden Tieres in die Wildnis geschickt, um für sich selbst zu sorgen; sie würden sich niederlassen, wo immer das Tier anhielt, und dort einen neuen Stamm gründen. (...) der samnitischen Stamm der Hirpiner war auf seinem südwärts gerichteten Zug aus den sabinischen Bergen einem Wolf (hirpus) gefolgt.“- Cornell, 1995, 305. Vgl. auch Philipp, RE, v.s. Samnites, 2138ff.

[45] Salmon, 1982, 14.

[46] Cornell, 1995, 349. Vgl. Abb. 3.

[47] „Sie behielten ihre korporative Identität bei und zu einem gewissen Grad innere Autonomie, waren aber allen Verpflichtungen römischer Bürger unterworfen, allem voran der Erstattung von tributum und der Wehrpflicht.“ - Cornell, 1995, 323.

[48]Die Bewohner von Lanuvium erhielten das Bürgerrecht (...). Die Bewohner von Aricia und Nomentum sowie von Pedum wurden mit denselben Rechten wie die Lanuviner in die Bürgerschaft aufgenommen. Die Tusculaner behielten das Bürgerrecht, dass die besaßen (...). “/ „ Lanuvinis civitas data sacraque sua reddita cum eo (...). Aricini Nomentanique et Pedani eodem iure quo Lanuvini in civitatem accepti. Tusculanis servata civitas, quam habebant (...). “ – Liv. VIII, 14, 2-5.

[49]Die Tiburtiner und Praenester mussten zur Strafe Land abtreten (...). Den übrigen Latinern nahm man das Recht, untereinander Ehen zu schließen, miteinander Handel zu treiben und gemeinsame Bundesversammlungen durchzuführen. “/ „ Tiburtes Praenestinique agro multati (...). Ceteris Latinis populis conubia commerciaque et concilia inter se ademerunt. “ – Liv. VIII, 14, 9f.

[50]Die Kampaner erhielten den Rittern zu Ehren, weil diese nicht mit den Latinern hatten abfallen wollen, das Bürgerrecht ohne Stimmrecht, ebenso die Bewohner von Fundi und Formiae, weil der Weg durch ihr Gebiet immer sicher und ungefährdet gewesen war. Man beschloß, die Bewohnaer von Cumae und Suessula sollten den gleichen Rechtsstatus haben wie Capua. “/ „ Campanis equitum honoris causa, quia cum Latinis rebellare noluissent, Fundanisque et Formianis, quod per fines eorum tuta pacataque semper fuisset via, civitas sine suffragio data. Cumanos Suessulanosque eiusdem iuris condicionisque cuius Capuam esse placuit. “ – Liv. VIII, 14, 10f.

[51] Cornell, 1995, 350.

[52] Ebd.

[53] Vgl. Abb. 2. Vgl. ebenfalls Oakley 1998, 639.

[54] T. J. Cornell, The conquest of Italy, in CAH2, VII – Part 2: The rise of Rome to 220 B.C., Cambridge 1989, 368.

[55] Zu geographischen Angaben vgl. Abb. 2.

[56]Ab utroque consule exiguam spem pacis cum Samnitibus esse certior fit senatus: Publilius duo milia Nolanorum militum et quattuor Samnitium magis Nolanis cogentibus quam voluntate Graecorum recepta Palaepoli miserat, Cornelius dilectum indictum a magistratibus universumque Samnium erectum ac vicinos populos, Privernatem Fundanumque et Formianum, haud ambigue sollicitari.Ob haec cum legatos mitti placuisset prius ad Samnites, quam bellum fieret, responsum redditur ab Samnitibus ferox. (...) haud ullo publico consilio auxiliove iuvari Graecos nec Fundanum Formianunve a se sollicitatos (...). Ceterum non posse dissimulare aegre pati civitatem Samnitium, quod Fregellas ex Volscis captas dirutasque ab se restituerit Romanus populus coloniamque in Samnitium agro imposuerint, quam coloni eorum Fregellas appellent; eam se contumeliam iniuriamque, ni sibi ab iis, qui fecerint, dematur, ipsos omni vi depulsuros esse. “ – Liv. VIII, 23, 1-6.

[57] Cornell, 1995, 353.

[58] Vgl. K.-H. Schwarte, Zum Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges (326-304 v. Chr.), Historia 20, 1971, 375.

[59] Ebd.

[60] Liv. VIII, 22, 5.

[61] Oakley, 1998, 640.

[62] Schwarte, 1971, 375.

Eine andere Darstellung der Ereignisse gibt hingegen Salmon. Er identifiziert Palaepolis mit Pizzofalcone, einem neapolitanischen Vorort. – Salmon, 1967, 218.

[63] Schwarte, 1971, 375.

[64](...) abgesehen davon, daß in Fregellae eine Kolonie gegründet wurde –das Gebiet hatte den Segninern (?), danach den Volskern gehört- (...) “/ „ (...) praeterquam quod Fregellas - = Segninorum = is ager, deinde Volscorum fuerat- colonia deducta(...)“ – Liv. VIII 22, 3.

[65] Schwarte, 1971, 375.

[66] Salmon, 1967, 216.
Für eine ausführliche Analyse der innenpolitischen Entwicklungen in Rom während des 2. Samnitenkrieges vgl. E. J. Phillips, Roman politics during the second Samnite war, Athenaeum N.S. 50 (1972), 337-356.

[67] Vgl. Cornell, 1989, 369.

[68] Ebd.

[69] „Generell waren über das Meer erfolgende Operationen selten und wenig bedeutend im 2. Samnitenkrieg. Es waren die Kämpfe auf dem Land die entscheidend waren. Wo sie zu lokalisieren sind, ist allerdings in den ersten fünf Jahren schwer zu entscheiden.“ - Salmon, 1967, 222.

[70] Liv. VIII, 39, 10-15.

[71] Oakley, 1998, 760.

[72]Duae ad Luceriam ferebant viae, altera praeter oram superi maris, patens apertaque, sed quanto tutior, tanto fere longior, altera per furculas Caudinas, brevior; sed ita natus locus est: saltus duo alti angusti silvosique sunt montibus circa perpetuis inter se iuncti; iacet inter eos satis patens clausus im medio campus herbidus aquosusque, per quem medium iter est; sed antequam venias ad eum, intrandae primae angustiae sunt, et aut eadem, qua te insinuaveris, retro via repetenda aut, si ire porro pergas, per alium saltum artiorem impeditioremque evadendum. “ – Liv. IX, 2, 6-8.

[73] Salmon, 1967, 224.

[74] Die moderne Forschung hält aber den livianischen Bericht eines Zuges nach Luceria für militärisch absurd. Beabsichtigt wurde wohl eher ein Raubzug gegen die Caudiner und die Unterwerfung des hirpinischen Malventum. – Ebd.

[75] Ebd.

[76]Die Phalanx der Römer, deren Hauptwaffe ein langer, in der starren Linie brauchbarer und nützlicher Spieß (hasta) war, brach in dem unwegsamen, unebenen Gelände auseinander, und die Teile, die als solche ja keinerlei taktische Funktion hatten, waren dann oft eine leichte Beute der mit kurzen Wurflanzen (pilum) und Schwertern ausgerüsteten und in kleineren, beweglichen Formationen kämpfenden Samniten. “ – Bleicken, 1988, 34.

[77]Die Samniten hatten in diesem Jahr C. Pontius, den Sohn des Herennius, zum Feldherrn, der den bei weitem verständigsten Mann zum Vater hatte und selbst ein hervorragender Krieger und Heerführer war. “/ „ Samnites eo anno imperatorem C. Pontium Herenni filium habuerunt, patre longe prudentissimo natum, primum ipsum bellatorem ducemque. “ – Liv. IX, 1, 2.

[78] Cornell, 1989, 370.

[79] Ebd., 370f.
Für eine weniger skeptische Meinung vgl. Salmon, 225ff.

[80] Cornell, 1989, 371.
Wobei diese Position weiterhin umstritten ist. – Vgl. Cornell, 1995, 465/ Fußnote 24.

[81] Liv. IX, 20, 1ff.
Vgl. Cornell, 1995, 353.

[82] Cornell, 1989, 372.

[83] Bleicken, 1988, 34.

[84] Cornell, 1995, 354.

[85] Bleicken, 1988, 34.

[86] Vgl. Salmon, 1967, 241ff.

[87]Im Konsulatsjahr von P. Sulpicius Saverrio und P. Sempronius Sophus schickten die Samniten Gesandte wegen des Friedens nach Rom (...). Da das römische Heer in diesem Jahr durch Samnium zog, ohne auf Widerstand zu stoßen, und man ihm bereitwillig Proviant zur Verfügung stellte, wurde das alte Vertragsverhältnis mit den Samniten wiederhergestellt. “/ „ P. Sulpicio Saverrione, P. Sempronio Sopho consulibus Samnites (...), legatos de pace Romam misere. (...) Eo anno cum pacatum Samnium exercitus Romanus benigne praebito commeatu peragrasset, foedus antiquum Samnitibus redditum. “ – Liv. IX, 45, 1-4.

[88] A. Heuss, Römische Geschichte, Braunschweig 19642, 50.

[89] Es existieren keine Angaben über die Größe der gegnerischen Armee. Livius gibt fantastische Zahlen wie 650.000 an. – Liv. X, 30, 5.

[90] Bleicken, 1988, 35f.

[91] „Der Fakt, dass Pyrrhus und, neben ihm, andere Völker so wie die Lucaner, die Bruttier, die Mesapier und die Italioten zur selben Zeit in diesem Teil Italiens Rom bekämpften, erklärt vermutlich, warum dieser Krieg niemals als 4. Samnitenkrieg bekannt geworden ist.“ – Salmon, 1967, 285.

[92] Ebd.

[93] 268 Beneventum im Süden, 263 Aesernia im Norden. – Bleicken, 1988, 37.

[94] Ein „ leichtes Aufflackern des Brandes “ im nördlichen Samnium ließ sich 269 ohne Mühe unterdrücken. – Heuss, 1964, 56.

[95] Salmon, 1967, 291f.

Hingegen war „[d]er ager Romanus, der nach der Beendigung des Latinerkrieges 338 v. Chr. bei einer Bevölkerung von etwa 347.300 Personen ca. 5525 km2 umfasst hatte, [...] bis 264 auf 26.805 km2 mit einer regionalen Population von 900.000 expandiert. Nach diesen Zahlen besaßen die Römer mehr als 20% der totalen Landfläche der italischen Halbinsel (berechnet auf 125.455 km2) und fast 30% ihrer Bevölkerung (insgesamt auf etwas über 3 Millionen geschätzt).“ – Cornell, 1995, 380.

[96] Das römische Selbstverständnis lässt sich aus dieser Perspektive wie folgt zusammenfassen: „ weil die Römer das frömmste Volk sind, sind sie das erfolgreichste geworden, und weil sie das erfolgreichste sind, müssen sie das [von den Göttern] am meisten begnadete sein. “ – J. Vogt, Ciceros Glaube an Rom, in Würzburger Studien zur Altertumswissenschaft (Heft 6), Stuttgart 1935, 81.

[97] K. Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 19933, 66.

[98] J. Rüpke, Domi militiae – Die religiöse Konstruktion des Krieges in Rom, Stuttgart 1990, 262.

[99]Es drängt sich deshalb die Frage auf, ob die römische Expansionspolitik mit dem Beginn des 2. Makedonischen Krieges tatsächlich eine neue Qualität erlangt, und diese Frage ist doch wohl zu verneinen, obwohl sie nicht nur akademische, sondern auch moralische Probleme berührt. Zu der besonderen Akzentuierung an dieser Stelle konnte es nur deshalb kommen, weil die Darstellung der römischen Geschichte, bewusst oder unbewusst im Banne von Mommsens Geschichtsbild einer ‚nationalen Einigung durch Rom’ stehend, alle früheren Übergriffe und Expansionsakte Roms diesem angeblich vorgegebenen Ziel unterordnete. “ – Christ, 1993, 65.

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Zur Darstellung des 2. Samnitenkrieges bei Titus Livius: Eine Untersuchung des römisch-samnitischen Konflikts in Hinblick auf den späteren Aufstieg Roms zur Weltmacht
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Proseminar Alte Geschichte "Roms Aufstieg zwischen Karthago und Makedonien"
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V109919
Dateigröße
993 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Livius-Zitate sind teilweise zu lang/ ausführlich übernommen.
Schlagworte
Darstellung, Samnitenkrieges, Titus, Livius, Eine, Untersuchung, Konflikts, Hinblick, Aufstieg, Roms, Weltmacht, Proseminar, Alte, Geschichte, Karthago, Makedonien
Arbeit zitieren
Dipl-Schauspieler Utz Ebertz (Autor), 2005, Zur Darstellung des 2. Samnitenkrieges bei Titus Livius: Eine Untersuchung des römisch-samnitischen Konflikts in Hinblick auf den späteren Aufstieg Roms zur Weltmacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109919

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Darstellung des 2. Samnitenkrieges bei Titus Livius: Eine Untersuchung des römisch-samnitischen Konflikts in Hinblick auf den späteren Aufstieg Roms zur Weltmacht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden