Nietzsche, Friedrich - Über Wahrheit und Lüge


Referat / Aufsatz (Schule), 2006

2 Seiten


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Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne (1873)

Kurzfassung:

Der Mensch fühlt sich als geistiges Wesen in einer herausragenden Position, was aber, angesichts der Jahrmillionen Erdexistenz ohne ihn, eine hybride Selbstüberschätzung darstellt. Außerdem nutzt er seinen Intellekt hauptsächlich zur Täuschung und Verstellung, sodass man staunen mag, wie sich inn ihm überhaupt ein fest verwurzelter Wahrheitstrieb herausbilden konnte. Vermutlich ist er auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Mensch als ein ständig um seinen Vorteil ringendes Wesen im Kampf aller gegen alle auf Frieden angewiesen ist. Die Grundlage hierfür findet er in der Sprache, in einem als verbindlich festgelegten System an sprachlichen Regeln und Begriffen. Der Lügner missbraucht die konventionell festgelegten Sprachregeln und wird bestraft mit Ausschluss aus der Gesellschaft. Dabei ist die so entstandene Wahrheitsliebe des Menschen aber kein moralisches, sondern ein gesellschaftliches Phänomen.

Drücken denn die sprachlichen Konventionen nun Wahrheit im Sinne einer Abbildung der Wirklichkeit aus? Keineswegs. Worte sind Abbildungen von Nervenreizen, deren mögliche außerkörperliche Ursache unbekannt ist, sie sind keine Abbildungen der Dinge. Der Mensch erfindet Worte für das, was er sieht, nicht für das , was ist. Und er kennt nur das, was er sieht, nicht das, was ist. Worte sind gleichsam Metaphern für das notwendig Unbekannte. Das Ding an sich wird zum Nervenreiz, zum Bild im Geist, zum Ton oder Wort in der Sprache, ohne diesen zu ähneln. Dennoch werden diese künstlichen Metaphern zur Grundlage der Wahrheit gemacht. Dies geschieht im Prozess der Begriffsbildung, der ein Abstraktionsprozess ist. Begriffe entstehen durch Gleichsetzung des Nichtgleichen, durch Weglassen und Eliminieren des Individuellen. Der Mensch glaubt allerdings, dass diesen Verallgemeinerungen in der Sprache auch Elemente in der Welt, gleichsam Urformen und Wesen, entsprechen. ( So neigt der Mensch z.B. zu der Ansicht, dass es neben die vielen individuellen Pferden auch das Wesen Pferd, das Pferd allgemein gibt oder dass es außer den ehrlichen Menschen auch „die Ehrlichkeit“ gibt). Auch der Gegensatz von Individuum und Gattung ist von dieser illusionären Machart, so Nietzsche: Es gibt zahlreiche Individuen, aber nicht das Individuum, und die Gattung als Zusammenschluss von Individuen ist eine Abstraktion, der nichts in der Welt entspricht.

Die Wahrheit sollte die notwendige Bedingung für die Existenz einer menschlichen Gesellschaft sein und durch sprachliche Konvention entstanden sein, so das bisherige Ergebnis. Nietzsche geht nun davon aus, dass der Mensch durch Jahrtausende währende Gewöhnung an diesen Prozess auch ein Gefühl der Moralität hiermit verknüpft, den festen Glauben, das die Wahrheit auch etwas Ehrwürdiges, Erstrebenswertes und Gutes darstellt. So ist die Liebe zur Wahrheit entstanden.

Mehr und mehr stellt der Mensch im Laufe seiner Entwicklung sich als Vernunftwesen unter das Diktat der Abstraktion, worin er den Hauptunterschied zum Tier sieht. Er kategorisiert die Welt in immer ausgefeiltere Begriffssysteme und –hierahchien. Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens und Sprechens mit diesen abstrakten Begriffssystemen, die aber nicht der Wirklichkeit entsprechen, da sie Erfindungen des Menschen sind. Dabei ist die zunehmende Komplexität der Begriffssysteme bewundernswert, aber Wahrheit findet der Mensch immer nur innerhalb der von ihm geschaffenen Systeme, niemals als Übereinstimmung mit der unerkannt bleibenden Welt der Dinge an sich.

All dies gilt natürlich auch für die Welt der Wissenschaften, dem am höchsten entwickelten Begriffssystem. Für Nietzsche sind daher auch die Naturgesetze nur subjektive Phantasiegebilde, in denen der Mensch die Dinge, so wie er sie wahrnimmt, in ein kunstvolles relationales Netz bringt, wobei nur Raum und Zeit, als die vom Menschen beigesteuerten Anschauungsformen, ihm bekannt sind. Wissenschaft, Philosophie , der gesamte Geistesapparat sind somit nur Elemente einer unter unseren Raum- und Zeitanschauungen ins Werk gesetzten Metaphernmaschinerie. In der Regel funktioniert alles bestens, weil es ja vom Menschen erfunden wurde, aber wir sollten nicht meinen, damit die Wirklichkeit zu erfassen.

Unser Trieb zur Metapherbildung wird durch Sprache, Abstraktion und Wissenschaften nicht vollständig gebunden und kanalisiert. Er bricht sich immer wieder Raum, sucht andere Wirkungsbereiche und findet sie in der Negation der Abstraktion, im Mythos und in der Kunst. Hier agiert der Geist in ursprünglicherer Weise, zertrümmert die Abstraktionen, spielt mit den Begriffen und gibt sich der Phantasie und dem Individuellen hin. Die Kräfte der Vernunft und der Intuition leben dabei im Kampf miteinander. In seltenen Fällen in der Geschichte der Menschheit siegen die schöpferischen und intuitiven Kräfte über die der Vernunft. Ein solchen Glücksfall sieht Nietzsche im klassischen Griechenland, wo eine Zeit lang Intuition und Kunst über Vernunft und Lebensbewältigung siegten. Diese Epoche schuf einen fröhlichen Menschen, der die Abstraktion verhöhnte, sich dionysisch der Schönheit und dem Taumel hingab, spielerische Kräfte freisetzte und genussvoll in Unvernunft lebte – natürlich war er dadurch auch dem Leiden näher als der disziplinierte und rationale Vernunftmensch.

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Details

Titel
Nietzsche, Friedrich - Über Wahrheit und Lüge
Autor
Jahr
2006
Seiten
2
Katalognummer
V109963
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung der Kapitel 1 und 2 des Essays "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn" von Nietzsche. Extrem wichtiges Desiderat für LK-Schüler des Faches Deutsch für das Zentralabitur Niedersachsen 2006
Schlagworte
Nietzsche, Friedrich, Wahrheit, Lüge
Arbeit zitieren
Claus Peter Freitag (Autor), 2006, Nietzsche, Friedrich - Über Wahrheit und Lüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109963

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