Fußballfans und Hooligans - Gewalt und Rassismus in deutschen Stadien


Facharbeit (Schule), 2006
23 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Hauptteil
3.1 Rassismus
3.2 Der Fan
3.3 Der Hooligan
3.4 Die Bedingungen, die Gewalt und Aggression entstehen lassen
3.5 Zuordnung eines Fans
3.5.1 Allgemeine Differenzierung der Fanszene
3.5.2 Konsumorientierte Fans
3.5.3 Fußballzentrierten/orientierten Fans
3.5.4 Erlebnisorientierte Fans - Hooligans
3.6 Die Ausschreitungen
3.7 Präventionen der Gewalt im Umfeld der Stadien
3.7.1 Der Verein
3.7.2 Der Deutsche Fußballbund - DFB.br /> 3.7.3 Fanbetreuung und Fanarbeit
3.7.4 Die Polizei

4. Abschließende Bewertung des Themas

5. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.1.1 Bücherverzeichnis
5.1.2 Internetquellen

6. Ver . ö . ffentlichungseinverst . ä . ndnis .

b1.Vorwort

„Fairplay“ wird im Fußball groß geschrieben. Oft sieht man diesen Slogan auch auf den Werbebanden bei internationalen Fußballspielen. Jedoch formen sich immer wieder Gruppen, die durch Gewalt und Rassismus ein negatives Licht auf Fuß ballfans werfen. Vor allem in England und Frankreich sind diese gewalttätigen Fans, auch Hooligans genannt, sehr stark vertreten.

Die Frage, ob es auch gewalttätige Gruppen in Deutschland gibt, bewegte mich dazu, diese Facharbeit zu schreiben.

2. Einleitung

Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Menschheitsgeschichte. J edoch galt es in der Antike noch, den Gladiator in der Arena zu motivieren und für seine Taten zu belohnen. Heutzutage sind Darstellungen von Gewalt wesentlich vielschic htiger ge- prägt. Komponenten wie Gesellschaft, Kultur oder Klassenunterschiede, dazu eine bre i- te Präsenz in allen Formen der mittlerweile zur Verfügung stehenden Medien, wie zum Beispiel das Internet oder die Nachrichten, machen das Thema Gewalt aktue ller und kritischer als je zuvor.

Im Laufe der letzten Jahrhunderte ist das Phänomen der Gewalt Gegenstand der Forschung der verschiedensten Wissenschaftslehren geworden. Über die Ursachen der G e- walt wird jedoch weiter heftig gestritten. Ist der Mensch ein von N atur aus rein aggressives Wesen oder ist die Gesellschaft die Ursache für menschliche Gewalt?

Insbesondere die Thematik Fußball und Gewalt und deren Darstellung in Literatur und Medien wird seit Ende 1960 heiß diskutiert. Noch immer herrscht Uneinigkeit ü ber die genauen Gründe, warum junge Männer und Frauen sich im Umfeld von Fußballspielen schlagen. Die Theorien dazu sind genauso vielseitig, wie auch die im Zuge der Fo r- schung entwickelten Strategien, um die Gewalt beim Fußball einzudämmen.

England, Mutterland sowohl des Fußballs als auch dessen ungeliebter Begleitersche i- nung, dem „Hooliganismus“, ist naturgemäß an der Spitze der wissenschaftlichen Ve r- öffentlichungen zu dieser Problematik. Leider beschränken sich literarische Dokumente meist in erster Linie auf autobiographische Selbstdarstellungen ehemaliger Hooligans aus englischen Vorstädten.

Aber auch in Deutschland treten immer wieder gewalttätige Gruppen bei Fußballvera n- staltungen in den Vordergrund. Diese vermeintlichen Randgruppen tragen dazu bei, dass der Ruf des Fußballfans heruntergezogen wird, indem sie durch Gewalt und Ra s- sismus auf sich aufmerksam machen.

Welche Formen von Rassismus und Gewalt es dabei gibt, wer die Menschen sind, die sich seiner bedienen, mögliche Bekämpfungsstrategien und eigene Vorschläge zur Gewaltprävention, werden in dieser Facharbeit erläutert.

Als Informationsquellen wurden das Internet, Fachliteratur und die Befragung der Sicherheitsfirma „Protec Service GmbH“, die in der AWD - Arena von Hannover 96 als Ordnungsdienst eingesetzt wird, herangezogen.

3.Hauptteil

3.1 Rassismus

Als ''Rassismus'' wird jede Theorie und Praxis verstanden, welche Menschen auf Grund realer körperlicher (wie Hautfarbe, Gesichtszüge) oder zugeschriebener Merkmale (wie vermeintliche Mentalität) in "Rassen" einteilt, und jedem einen unterschiedlichen Status zuteilt. Dies kann theoretisch von unüberlegten Vorurteilen bis zu ausgearbeiteten Ide o- logien reichen, welche Menschen verschiedener "Rassen" unterschiedlich bewerten, und sich praktisch von in reiner Trennung bis zu eklatanter Diskriminierung von "Rassen" äußern.

Der Begriff Rassismus ist negativ besetzt. Gegen Rassismus in der Gesellschaft und der Politik wendet sich der Antirassismus.1

3.2 Der Fan

Das Wort „Fan“ stammt aus dem Englischen und ist die Abkürzung für „fanatic“ und bedeutet „begeisterter Anhänger“. Der Begriff ist weit gefasst und ist nicht Fussballsp e- zifisch. Die Bezeichnung Fan wird gleichwohl für Zuschauer anderer Sportarten ve r- wendet, aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel in der Musik.

3.3 Der Hooligan

''Hooligan'' ist die Bezeichnung für eine Person, die vor allem im Rahmen bestimmter Sportereignisse durch aggressives Verhalten auffällt. Sie treten häufig in größeren Gruppen auf und zeigen eine hohe Gewaltbereitschaft, was allerdings nicht auf das "normale" Leben eines Hooligans zutreffen muss, da es recht unterschiedliche Chara k- tere unter den Hooligans gibt.

In der Regel sind sie auch fanatische Anhänger eines Sportvereins, unterscheiden sich aber von den eigenen Sportfans. Vor allem bei und im Umfeld von Fußballbegegnungen treffen sie auf ebenso aggressive Hooligans des gegnerischen Vereins. Bei der Konfro n- tation der miteinander verfeindeten Fangruppen kommt es häufig zu gewalttätigen Ü- bergriffen. Hooligans sind nicht nur von gewöhnlichen Fans und Ultra-Bewegungen, sondern auch von anderen gewaltbereiten Gruppierungen, Szenen und Einzelpersonen zu unterscheiden, da sie eine bestimmte, charakteristische Art von Gewalt kultivieren.

Abweichend davon wurde in der Vergangenheit der Begriff Hooligan von Außenst e- henden oft für alle Randalierer und Schläger in den Stadien benutzt.2

3.4 Die Bedingungen, die Gewalt und Aggression entstehen lassen

Gewalt ist [...] die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge, . und/oder dem Ziel der Sch . ä . digung von einzelnen oder Gruppen von Menschen.3 .

Gewalt liegt nach dieser Definition immer dann vor, wenn als Folge der Ausübung von Macht - und Herrschaftsverlangen Menschen geschädigt werden.

Jedoch wird bei dieser Definition die Ursache von Gewalt außer Acht gelassen.

Es ist nicht die Gewalt, die Konflikte, sondern die Konflikte, die die Gewalt ausl . ö . sen .4

Dabei sind Konflikte ein Aspekt des Zusammenlebens von Menschen mit Menschen, also der Sozialstrukturen. .

Der Schlüssel zur Gewalt liegt somit in der Umwelt und der strukturellen Zusamme n- setzung von Menschen. Daher ist der Ursprung für Gewalt nicht bei dem Individuum des Einzelnen zu suchen, sondern vielmehr in dessen sozialen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen.

Das Elternhaus, die Erziehung spielen bei den Ursachen der Gewalt meist die aus- . schlaggebende Rolle. Hierbei ist der innerfamili . ä . ren Gewalterfahrung, der sozialen .

Benachteiligung der Familie und der eigenen schlechten Zukunftsaussichten auf Grund des schlechten Bildungsniveaus eine gro . ß . e Bedeutung beizumessen.5 .

Aber auch die direkten und indirekten Spielabläufe können einen wesentlichen Beitrag zur Aggressionsbildung leisten:

- Eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter
- Vermeintlich unfaires Auftreten der Sicherheitskräfte im Stadion
- Fouls, die die „eigene“ Mannschaft einstecken muss
- Verhalten gegnerischer Fans

sind mögliche Aggressionsauslöser.

Das aggressive Zuschauerverhalten der Fans wird meist durch den Wunsch nach sozi a- ler Anerkennung und dem Streben nach Macht motiviert.

Werden diese Wünsche durch Gruppenzwang oder Alkohol herbeigeführt wird dadurch unweigerlich die Hemmschwelle herabgesetzt.

Aggression kann aber auch ein angeborener und spontaner Trieb sein .6, der aggressive Energie permanent aufnimmt, so dass es ganz natürlich ist, dass sich ein jeder einmal abreagieren muss, um diese Energie wieder zu senken.

Weitere Ursachen für aggressive Verhaltensweisen sind individuelle, physiologische Merkmale einer Person, wie zum Beispiel Hyperaktivit . ä . t und Temperament7. .n welchem Maß Gewalt angewendet wird, ist beim Menschen abhängig von der Situ a- tion und dem Umfeld.

3.5. Zuordnung eines Fans

3.5.1 Allgemeine Differenzierung der Fanszene

Heitmeyer/Peter (1988) und Pilz/Silberstein (1992) haben in ihren Untersuchungen zur Zuschauerstruktur in Fußballstadien aufgezeigt, dass man Stadionbesucher in drei Gruppen unterscheiden muss, die sich in ihrer sozialen Herkunft, Altersstruktur und vor allem ihrem Verhalten wesentlich von einander unterscheiden:

- die „konsumorientierten“
- die „fußballzentrierten“
- die „erlebnisorientierten“ Fans

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Seit Mitte der 90er wird eine zunehmende Abkehr der Ultras von ihrem selbst gesetzten Anspruch der Gewaltlosigkeit beobachtet, hin zu einem offenen Bekenntnis zur Gewalt. Sich einerseits weiterhin zu den Ultras und deren Zielen bekennend, andererseits aber hooliganähnliche Verhaltensweisen propagierend und auch ausübend, könnte man die neue Gruppe als „Hooltras“ bezeichnen. Daneben gibt es eine weitere, vor all em durch die Vereine und den DFB geförderte, unterstützte Gruppierung, man kann auch sagen angepasste Variante der Ultras, die Supporter, die sich ebenfalls, jedoch unter Verzicht auf jedwede verbotene Aktion, der Verbesserung der Stimmung im Stadion und Unter- stützung der Mannschaft verschrieben haben.

Im Gegensatz zu den Ultras, die sich der Kommerz- und Eventfeindlichkeit verpflichtet fühlen, für Pyrotechnik schwärmen und ihre Unabhängigkeit von Fußballverband und - verein hochhalten, werden die Supporter, die sich mit notariell beglaubigter Satzung als Verein organisieren, von den Vereinen als offizielle Supporterklubs der Vereine fina n- ziell unterstützt, in dem sie Fanutensilien vermarkten dürfen, mit Freikarten bzw. verbilligten Eintrittskarten versehen werden.

3.5.2 Konsumorientierte Fans

Die Konsumorientierten Fans, die eher aus der Mittel- und Oberschicht stammen, gehen zum Stadion, um ein gutes, schönes Fußballspiel zu sehen.

Sie möchten, dass das beste Team gewinnt. Ihr Verhalten ist bestimmt v om verhaltenen Genießen eines schönen Fußballspieles und gedämpften Gefühlsausbrüchen. Sie a p- plaudieren auch den gegnerischen Mannschaften, wenn diese gut oder besser spielen. Jedoch sind sie diejenigen, die am frühesten ihren Unmut durch Pfiffe zum Ausdru ck bringen, wenn sie mit der Leistung der Mannschaft nicht zufrieden sind. Auch verlassen sie das Stadion eher, wenn das Spiel nicht ihren Erwartungen entspricht. Sie gehen nur zu besonderen Spielen, wenn es ein Lokalderby oder ein anderes wichtiges Spiel geht, in das Stadion. Man kann ihr Verhalten ins Stadion zu gehen auch selektiv nennen.

3.5.3 Fußballzentrierten/orientierten Fans

Die Fußballorientierten Anhänger, die vorwiegend aus der Arbeiterklasse und den unt e- ren sozialen Schichten stammen, gehen ins Stadion, um ihre Mannschaft gewinnen zu sehen. Sie stehen leidenschaftlich und bedingungslos hinter der Mannschaft und kämp- fen für die Ehre ihrer Mannschaft. Die gegnerische Mannschaft wie auch deren Anhä n- ger werden automatisch zu Gegnern, oft auch Feinden, die es unter allen Umständen zu besiegen gilt.

Um diese „Ehre“ zu bewahren, werden auch gewalttätige Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans gesucht. Durch die Teilhabe am Erfolg der Mannschaft lässt sich die eigene missliche Lebenslage erträglicher gestalten. Die Fußballorientierten Fans identi- fizieren sich mit der Mannschaft, was sie auch durch ihre entsprechende Bekleidung, wie zum Beispiel Fahnen, Trikots, Schals in Vereinsfarben, nach außen hin offen zur Schau stellen.

Dieses macht sie aber wiederum für gegnerische Fans leichter erkenntlich und damit schnell zu Objekten gegnerischer Übergriffe in Form von Hassparolen oder körperlicher Gewalt.

Fußballorientierte Fans sorgen mit ihren Gesängen und Rufen für die typische Atmosphäre in den Stadien, sie sind es auch, die selbst bei einem Rückstand ihre Mannschaft bis zum Schlusspfiff lautstark unterstützen.

Der Verein wird bei dieser Gruppe von Fans zum zentralen Lebensinhalt. Ein Jugendlicher Fan von Hannover 96 beschreibt dies:

. Es gibt Fans, die nichts wollen, als einen Traditionsclub vor dem Abstieg zu bewah- ren. Bei mir ist das jetzt alles ein paar Jahre her. Mittlerweile ist der Verein wie eine Familie f . ü . r mich geworden. Ich brauche ihn, es ist mein Lebensinhalt. Bei uns in der Kurve8sind wir alle Freunde. Jeder kennt jeden, kennt die Probleme des anderen. Ge- . rade wenn man selbst Probleme hat, kann man beim Fu . ß . ball abschalten. Man will keine . Niederlage miterleben, weil es die im Alltag schon genug gibt. Ein Sieg des Vereins wird zu einem pers . ö . nlichen Sieg ..

Diese Gruppe von Fans lebt getreu dem Motto: wenn schon auf dem Rasen wenig Spannung ist, dann möchte ich wenigstens das Spektakel und die Emotionen miterleben.

3.5.4 Erlebnisorientierte Fans - Hooligans

Erlebnisorientierte Fans stammen aus fast allen sozialen Schichten. Jedoch stammen die aktivsten Gruppierungen nicht selten aus der Mittel - und oberen Mittelschicht. Sie ge- hen nicht ins Stadion um attraktiven Fußball zu sehen oder ihre Mannschaft anzufeuern, sondern aufgrund der dortigen Atmosphäre und der Möglichkeit, Bedürfnisse nach Spannung, Abenteuer, Risiko, nach gefühlsmäßigen Erfahrungen zu befriedigen. Das Fußballspiel ist bei ihnen eher sekundär wichtig. Primär zählt für sie der Kick. Das Fußballstadion bietet ihnen eine Plattform für diesen Kick und der Suche nach Span- nung und Erregung in einer sonst langweiligen und ereignislosen Welt. Daher ersche i- nen Gewalthandlungen in diesem Zusammenhang immer besonders attraktiv.

Die meisten dieser Fan haben dabei zwei Identitäten wie schon in der Aussage des Fans geschildert. Auf der einen Seite die bürgerliche Alltags - Identität und auf der anderen Seite, meist am Wochenende bzw. am Spieltag, die Fan-/Hooligan - Identität.

Sehr schön deutlich wird dies bei einem Hamburger Hooliga n. Der Sohn eines Rechtsanwaltes und einer Ärztin, hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Kaufmann gemacht. Werktags trägt er Anzug und Krawatte.

. Da bin ich am Telefon ganz h . ö . flich. Am Werktag bin ich ein ganz anderer Mensch, doch am Wochenende da packt es mich. .

Die ganze Woche muss man die Schnauze halten, zu Hause keinen Ton riskieren, im . Betrieb darfste auch nichts sagen, daf . ü . r lassen wir am Wochenende so richtig die Sau raus [ .. ] Fu . ß . ball ist f . ü . r uns Krieg, der Verein darf ruhig verlieren, wir schlagen alle .. . .

Für ihn sind die Prügeleien „eine Art Hobby“.

Meist bestehen diese vermeintlichen Prügeleien zu 90 % nur aus Nach - oder Wegrennen. Die durch die Medien heutzutage immer wieder transportierte Gewaltszenerie ist meist übertrieben dargestellt und wird den eigentlichen Ursachen und Verhaltensweisen der Hooligans nicht gerecht.

3.6 Die Ausschreitungen

Seitdem es Fußball gibt, hat es im Umfeld immer wieder Schlägereien und Provokationen zwischen den verschiedenen Fangruppen gegeben. Die Ausschreit ungen sind also keine, wie oft von der älteren Generation der Besucher genannten Neuerscheinungen, die nur von Jugendlichen ausgeübt werden.

Jedoch steigen die Ausmaße und die Häufigkeit der angewandten Brutalität seit den 70er Jahren stark an, so dass diese zwangsmäßig auch in den Medien erwähnt werden und dadurch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich ziehen. Angefangen haben diese Ausschreitungen, wie wir sie heute kennen, in den 50er Jahren. Die ersten Fangruppen die auffielen und in den Medien für Furore sorgten, waren engli- sche Fans, die ihre Wut über die Niederlage an Zügen der Bahn ausließen. Dies war bis dahin eine unbekannte Art und Weise, seinen Unwillen zu demonstrieren.

Ab den 60er Jahren wurde es zur Normalität, dass die Fans auf das Spielfeld stürmten. Auch hier waren englische Fans wieder die Vorreiter.

Heutzutage gehört es leider fast schon zum Fußball dazu, nach einem Spieltag in den Zeitungen oder inoffiziellen Internetforen des Vereins zu lesen, dass wieder einmal ein Fan verletzt wurde, sei es von gegnerischen Fangruppen oder gar der örtlichen Polizei, welche nicht zimperlich mit Fußballfans umgehen. Auch Artikel über Randalierungen in der Innenstadt oder im Stadion selbst ziehen die Aufmerksamkeit der Leser auf sich.

Ein Hauptproblem ist und bleibt die Feindschaft zwischen Fans der verschiedenen Fu ß- ballvereine untereinander.

So ist meist schon vorauszusagen, ob es zu Auseinandersetzungen kommen wird, wenn zwei Vereine mit ihrer Anhängerschaft zusammen treffen.

Wenn zum Beispiel Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig spielt, dann kommt es immer wieder zu brutalen Kämpfen. Denn diese Feindschaft der Fans ist schon zu einer Art Tradition geworden, und wird auf jeden Fall ausgetragen, ganz gleich wie das Spiel ausgeht.

Zu solchen Spielen fahren überwiegend Hooligans mit, die wissen, dass es zu Ause i- nandersetzungen kommen wird. Man kann diese Auswärtsfahrten schon fast als Tref f- punkte für gewalttätige Auseinandersetzungen bezeichnen. Das Fußballspiel selbst ist hier nur sekundärer Grund für die Fahrt. Primär zählt die Schlägerei.

Dadurch, dass die Fangruppen in den Stadien heutzutage strikt voneinander getrennt und scharf bewacht werden, verlagern sich die Ausschreitungen immer häufiger nach draußen vor das Stadion, in die Innenstädte, auf öffentliche Verkehrsmittel und Ab- fahrtswege, wo die Ordnungskräfte nicht oder nur in Unterzahl präsent sind. Dies hat aber auch zur Folge, dass „Zivilpersonen“ in Mitleidenschaft gezogen werden.

Trotz der verschärften Eingangskontrollen konnte bisher nicht verhindert werden, dass Gegenstände in das Stadion geschmuggelt werden. So kam es auch dazu, dass Bremer Fans am 21.12.05 bei dem DFB - Pokalspiel zwischen Hannover 96 und Werder Bre- men bengalische Feuer9zündeten und dadurch ein Kind schwere Verbrennungen erlitt. Diese Sitte, Feuerwerkskörper in den Stadien abzubrennen, ist vorwiegend in den deu t- schen Stadien anzutreffen. Oft führen sie zu panikartigen Reaktionen der Fans, wodurch leicht neutrale Fans verletzt werden. Die Rauchentwicklung dieser Feuerwerkskörper ist für die Atmung nicht ganz ungefährlich. So erlitt ein Hannoverscher Fan am 28.01.06 während des Spiels Hannover 96 gegen Hertha BSC Berlin im Olympiastadion einen

Kreislaufzusammenbruch, als kurz vor ihm eine Rauchbombe gezündet wurde. Dadurch dass die umliegenden Fans panikartig zur Seite sprangen und die Treppenwege blo- ckierten, dauerte es fast 10 Minuten bis sich Rettungskräfte zur verletzten Person durchgearbeitet hatten.

Durch die Abtrennung der Fans in einzelne Bereiche im Stadion, wird eine Vereinzelung der Fans verhindert. Es bilden sich Fangruppen. So kommt meist auch eine soziale Bindung und Anerkennung zustande. Der Zusammenhalt wird durch gleiche Kleidung oder gleiche Aufmachung symbolisiert. Gleichzeitig sorgt dies dafür, dass man sich deutlich von den anderen Fans unterscheidet.

Da solche Fangruppen für die „Mitglieder“ eine gewisse Sicherheit darstellen, werden nur selten Ausschreitungen von einzelnen angezettelt, sondern eigentlich nur von der ganzen Gruppe. Denn gemeinschaftlich setzt man sich über Hemmungen leichter hin- weg.

Nicht selten befinden sich dann die Fans in einem rauschähnlichen Zustand, in dem sie ihre Taten als lustvoll empfinden. Hinterher können sie dann aber häufig ihre eigenen Taten nicht begreifen oder erklären. Hier spielt auch Alkohol eine wesentliche Rolle, denn er enthemmt den Geist und die Bereitschaft gewalttätige Handlungen durchzufü h- ren und führt so häufig zu unkontrollierten Auseinandersetzungen.

Aber nicht nur Gewalt wird gegen andere Fangruppen eingesetzt. Oft werden Fans und auch Spieler mit farbiger Hautfarbe beschimpft und diskriminiert.

Fußball soll eigentlich den Zweck haben Nationen in ihren Interessen zu verbinden.

Jedoch kommt es, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen, häufig auch zu rassistischen Vorfällen.

Beim Topspiel der 2.Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und Energie Cottbus en t- falteten einige Cottbusser Fans ein Transparent auf dem das Wort „Juden" zu lesen war. Das D in Juden wurde ersetzt durch das Emblem von Dynamo Dresden, flankiert von zwei Davidsternen mit den Buchstaben DD für Dynamo Dresden. Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft und Fans als „Juden" sind in einem deutschen Fußballstadion kein Einzelfall, diesmal geschah es jedoch während eines DSF -Livespieles, für jeden am Fernseher klar ersichtlich.

Beim Spiel FC Kaiserslautern gegen Hertha BSC am 23.11.2003 im Fritz-Walter Stadion gab es einige Rassistische- und Nazi-Rufe aus der Westkurve. Neben den Zigeunerrufen wurden auch lautstark Türkei-Feindliche Gesänge angestimmt (Hintergrund hier war das U 21-Spiel Deutschland-Türkei, in dem auch vor allem der FCK-Torwart Tim Wiese von türkischer Seite angegangen wurde). Unter anderen wurde das Lied " wir hassen die Türkei" angestimmt. Auch wurden "Sieg H eil Rufe“ angestimmt.

In einem anderen Block im Stadion wurde von einem der Skinheadszene zuzurechnenden "Fan" beim ersten Tor der Berliner der Torschütze massiv mit "Scheiss Nigger", Bimbo und Afrika für Affen beleidigt.

Von offizieller Seite des FC Kaiserslautern wurden diese Anschuldigungen zurückgewiesen und als nicht wahrheitsgemäß verurteilt.

Aber es sind nicht nur die Fans, die Gewalt unter sich ausüben. Oft kommt es auch zu Übergriffen auf Fans durch Polizisten. Beim Spiel Schalke 04 gegen Hann over 96 wurden Anhänger von Hannover 96 durch Polizisten festgehalten. Die Fans mussten zwischenzeitlich gefesselt in einem Treppenaufgang im Stadion auf dem Boden sitzen und auf ihren Abtransport zur Polizeiwache warten. Viele Anhänger waren durch die Schläge und den Einsatz von Pfefferspray der Polizisten verletzt. Jedoch wurde ihnen ärztliche Hilfe verweigert. Unter den Opfern waren auch Jugendliche. Auslöser für diese Willkür der Polizei war der angebliche Wurf einer Cola - Dose neben einen Mülleimer, in dessen Nähe ein Polizeibeamter stand. Dieser vermutete, dass die Dose ihn treffen sollte und alarmierte daraufhin seine Kollegen. Da die Polizisten den vermeintlichen Dosenwerfer nicht ausfindig machen konnten, kam es zu willkürlichen Festnahmen. Dies geschah unter Zeugen, welche sich lautstark zu Wehr setzten, indem sie den typischen Gesang „Fußballfans sind keine Verbrecher“ anstimmten. Die Polizisten schlugen daraufhin auf alle ein, die ihnen zu nahe kamen, da sie anscheinend mit der Situation überfordert waren.

Nach diesem Vorfall wurde eine Sammelanzeige von allen Betroffenen aufgegeben, welche durch die Staatsanwaltschaft aufgrund unzureichender Beweise zurückgewiesen wurde. Es folgte auch keine Entschuldigung der Verantwortlichen des FC Schalke 04.

3.7 Präventionen der Gewalt im Umfeld der Stadien

Im Jahre 1904 hat sich die FIFA10gegründet, die die Leitung des Fußballs übernommen hat. Ihren Hauptsitz hat sie in Zürich und ihr gehören über 150 Nationalverbände mit mehr als 30 Millionen Spielern an. Sie ist unter anderem für die Organisation der Fuß- ballweltmeisterschaft zuständig. Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Verbände, die für bestimmte Aufgaben des Fußballs zuständig sind und mit der FIFA zusamme n- arbeiten. Zu diesen Verbänden gehört in Deutschland der DFB11.

In der letzten Zeit, bedingt durch zahlreiche Ausschreitungen einiger Fangruppen, b e- schäftigen sich die FIFA, der DFB und die Vereine immer mehr mit Sicherheitsfragen. Sie wollen erreichen, dass die gewalttätigen Handlungen der Fans unterbunden werden und dass sich alle Stadionbesucher sicher fühlen können. Im weiteren Verlauf der A r- beit möchte ich nun einige Gruppen ansprechen und deren Aufgaben und Aktionen zur Gewaltprävention nennen.

3.7.1 Der Verein

Um Gewalt von Seiten des Vereins aus vorzubeugen, könnte man sie verpflichten einen Teil ihrer Einnahmen zur Förderung von Gewaltpräventivprogrammen zu nutzen. Es gibt spezielle Ausbildungsverfahren in denen Ordnungskräfte geschult werden, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten und zu reagieren haben.

Die Stadionsprecher werden für ihre Aufgaben geschult. Von ihnen wird das Arena - programm so gestaltet, dass keine Aggressionen aufkommen. Auch werden keine G e- waltszenen mehr auf den Leinwänden gezeigt, wie es früher oft üblich war. Vor ein paar Jahren liefen vor einem Spiel noch Gewaltszenen aus Zeichentrickfilmen wie „Lucky Luke“ und „Asterix und Obelix“. Anschließend folgte dann der Slogan: „Fair Play - Eine Initiative des DFB“

Heutzutage hat jeder Verein einen pädagogisch geschulten Fanbeauftragten, der mit folgenden Aufgaben vertraut ist:

- Vermittlung zwischen Fans
- Förderung von Kontakten zwischen Fans und Verein
- Förderung von Kontakten zwischen Fans und Polizei

Des Weiteren steht der Fanbeauftragte Fans bei Fragen oder Problemen mit Rat zur Sei- te. Der Fanbeauftragte von Hannover 96, Herr Bastian Kramer, vermittelt inzwischen auch zwischen Fans und Ordnungskräften in den Stadien während der Auswärtsspiele.

Hinzu kommt, dass er an der Gestaltung des Arenaprogrammes mit beteiligt ist. So kann jeder Fan von Hannover 96 Glückwünsche und Grüße an ihn per E -Mail senden, welche dann während der Halbzeitpause im Stadion vom Stadionsprecher vorgelesen werden. Eine weitere Maßnahme um die Fans wieder näher an den Verein und die Spieler zu bringen, ist zum Beispiel bei Hannover 96 eine alle 2 Wochen stattfindende Aut o- grammstunde mit jeweils 2 Spielern. So wird deutlich, dass den Spielern und dem Ve r- ein der Kontakt zu den Fans wichtig ist. Die Fans werden somit wieder mehr Teil des Vereins und fühlen sich nicht noch weiter ausgegrenzt, was zu häufig durch Zäune zw i- schen Spielfeld und Tribüne hervorgerufen wird.

Nach dem Wiederaufstieg im Jahre 2002 wurde die Aktion der 12. Mann ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um die Ehrung eines Fans von Hannover 96 vor jedem Heimspiel. Dem Fan wird ein am Vormittag das Stadion mit all seinen Räumen gezeigt und um 15.00 Uhr wird ihm dann am Spielfeldrand vor allen anderen Zuschauern das Trikot mit der Nummer 12, welches nicht an Spie ler von Hannover 96 vergeben wird, übergeben. Damit wird der Fan ein Teil der Mannschaft. Also der 12. Mann während des Spieles.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass durch das, was der Verein für seine Fans unte r- nimmt, er zur Art und Weise beiträgt, wie sich seine Fans im Umfeld der Bundesliga- spiele verhalten, kam das Präsidium von Hannover 96 zu dem Beschluss, dass eine u m- fassende Fanbetreuung und Fanarbeit12für Hannover 96 und jeden Bundesligaverein einen unverzichtbaren Teil seiner Vereinsarbeit darstellt.

Für die Fanarbeit und Fanbetreuung des Vereins ergeben sich daher schwerpunktmäßig drei Tätigkeitsfelder:

- direkter Kontakt zwischen Verein und Fans
- Unterstützung der Arbeit des Fan-Projektes
- sportliche und überfachliche Jugendarbeit

Wie schon in Kapitel 3.6 erläutert spielt auch Alkohol eine nicht außer Acht zu lassende Rolle, der Gewalt- und Aggressionsfördernd wirkt. Daher wird in vielen deutschen St a- dien nur noch Alkoholfreies Bier verkauft, um Aggressionen vorzubeugen.

3.7.2 Der Deutsche Fußballbund - DFB

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) übernimmt die Mitträgerschaft für das Projekt "Ballance 2006" des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). Das Projekt, das im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 ins Leben gerufen wurde, setzt sic h für Fairness und Toleranz im sportlichen Miteinander ein. Neben dem DFB sind das Hessische Minist e- rium des Innern und für Sport, die hessische Landeszentrale für politische Bildung, der Landessportbund Hessens, der Hessischen Fußball-Verband und das Internationale Bildungszentrum Witzenhausen Träger des Projektes "Ballance 2006".

Mit verschiedensten Aktionen möchte das Projekt junge Menschen in Hessen und in den hessischen Partnerregionen die Erfahrung vermitteln, dass Fairness und Toleranz gegenüber Randale, Diskriminierung und Gewalt die bessere Alternative darstellen.

So soll beispielsweise bei Straßenfußball-Turnieren an hessischen Schulen soziale Ve r- antwortung spielerisch erworben werden. Internationale Kontakte bestehen nach Frankreich, Italien, Polen, Holland, England und Südafrika.

"Der DFB tritt als Träger dem Projekt 'Ballance 2006' aus der fachlichen Überzeugung bei, dass die angestrebten Maßnahmen in hohem Maße Vorbildfunktion für andere Landesverbände des DFB haben werden", erklärt DFB-Schatzmeister Dr. Theo Zwanziger.13

Der DFB legt bei der Schiedsrichterausbildung seit einigen Jahren vermehrt Wert auf eine pädagogische und psychologische Schulung der Schiedsrichter, um in kritischen Situationen nicht selbst aggressionsprovozierend zu reagieren.

Auch der DFB möchte die Fans wieder näher an den Fußball bringen. Es wurde ein Fanclub gegründet, welcher finanziell vom DFB gefördert wird.

3.7.3 Fanbetreuung und Fanarbeit

Der Schwerpunkt der direkten Fanarbeit des Vereins liegt auf der Verringerun g und langfristig auf dem Abbauen der zur Zeit bestehenden Distanz zwischen Verein und seinen Fans. Hierzu bedarf es der Schaffung einer von den Fans geforderten Anlaufste l- le, welche bislang noch vom DFB verweigert wird. Auch die Schaffung klarer Komp e- tenzen des Fanbeauftragten, welcher für die Fanarbeit verantwortlich ist, ist unumgäng- lich, um mit den Jugendlichen Fans über ihre Wünsche und Probleme zu sprechen, d a- mit sich Aggressionen nicht aufstauen. Diese Fanarbeit verlangt jedoch auch, dass der Fanbeauftragte Präsenz im Fanbereich zeigt und die Fans auch auf Auswärtsfahrten begleitet. Nur so wird für die notwendige Akzeptanz gesorgt.

Das Fanprojekt Hannover unterstützt die Fans bei der Organisation von Auswärtsfah r- ten.

3.7.4 Die Polizei

Wie schon in Kapitel 3.6 erläutert zeigt auch die Polizei in den Stadien Präsenz um ge- gen Gewalt vorzugehen. Um solche Überreaktionen zu vermeiden, werden Polizisten gesondert für Stadioneinsätze geschult. Der Schwerpunkt hierbei ist das Erlernen, ve r- bale Aggressionen zu ignorieren und bei Provokationen richtig zu reagieren. Um jedoch schon im Vorfeld die Aggressionen zu verringern hält die Polizei Aggressionsfördernde Effekte so gering wie möglich, um ein Gewaltprovozierendes Massenaufgebot von P o- lizei zu vermeiden. Eine Maßnahme ist, dass die Polizeibeamten ihre Helme locker in der Hand halten, statt sie martialisch auf dem Kopf zu tragen. Jedoch ist die Beziehung zwischen Fans und Polizei überaus komplex und schwierig. Zum Teil existieren starke Berührungsängste zwischen Fans und Polizei. Auch erschweren ausgeprägte Feindbil- der zwischen Polizei und Fans/Hooligans , einen entkrampften Umgang miteinander.

Für viele Fans trägt ein starkes Polizeiauftreten jedoch nicht zum Sicherheitsgefühl, sondern zur Förderung von Aggressionen bei.

Daher muss den Fans das Auftreten der Polizei erklärt und ihnen bewusst gemacht we r- den, dass diese Präsenz sich nicht gegen die Fans richtet. Auch müssten der Polizei vor Ort, vor allem den jungen Beamten, die Verhaltensweisen und We rtstrukturen der Fans/Hooligans erläutert werden.

4. Abschließende Bewertung des Themas

Natürlich kann keine Rede davon sein, dass Hooligans grundsätzlich rechtsextremi s- tisch oder neonazistisch sind. Aber sie bewegen sich in einem Umfeld, in dem rassistische und antisemitische Sprüche oft zum Alltag gehören. Fragt man genauer nach, ve r- treten häufig auch Hooligans, die sich selbst für weltanschaulich-neutral halten, Meinungen aus dem rechtsextremistischen Spektrum.

Sie alle kommen aus höchst verschiedenen sozialen Milieus. Das erfordert Toleranz untereinander. Diese Toleranz wollen viele Außenstehende jedoch nicht akzeptieren.

Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass man sich gegen Gewaltbereitschaft der Fans/Hooligans erfolgreich wehren kann, indem man zahlreiche und scharfe Gesetze, wie zum Beispiel bundesweites Stadionverbot, sowie mehr Polizeipräsenz bei Großve r- anstaltungen einführt.

Wie aber schon in den Kapiteln 3.6 und 3.7.4 führt das Durchgreifen der Polizei zu we i- teren Aggressionen anderer Fans, was wieder zur Gegengewalt der Polizei führt. Für die Polizei existieren beim Fußball keine unterschiedlichen Menschen, sondern nur drei Gruppen von Menschen. Fußballfans werden nur nach ihrem Verhalten beurteilt, we l- ches sie nach Außen tragen. Der Ursprung für Aggressionen wird hierbei außer Acht gelassen. Außenstehende teilen Fans sogar nur in 2 Gruppen ein. Für sie sind Fans, we l- che lautstark ihre Mannschaft unterstützen, sofort asozial und gesellschaftlich nicht a n- gesehen. Doch gibt es auch unter Hooligans Menschen, welche in der Gesellschaft a n- gesehen sind. Für sie ist Gewalt eine Art Ausgleich zum Berufsleben. Auch Schüler suchen diesen Ausgleich zum Schulalltag.

Daher sollte man nicht erst im Stadion gegen Gewalt vorgehen, son dern Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich mit dem Verein identifizieren zu können und ihnen einen Ausgleich zum Alltag geben.

Jedoch sollte man nicht vergessen, dass, solange die Bedingungen des gewaltförmigen und auffälligen Verhaltens der Fans nicht beseitigt werden, soziale Konzepte nicht funktionieren.

Das heißt, wenn es immer wieder Grund zur Aggressionen gibt, kann der Verein durch Fanarbeit und Sozialprojekte nichts an dem Verhalten der Fans ändern.

Meiner Meinung nach sollte jeder Verein Fan-Club-Turniere oder eine Fan-Liga organisieren, um den Jugendlichen eine Gelegenheit zu geben, sich auszutoben und ihre au f- gestaute Energie loszuwerden.

Eventuell wären materielle Vergünstigungen, wie zum Beispiel verbilligte Dauerkarten oder Fanartikel der Vereine hilfreich, diejenigen Fans zu belohnen, bei denen nachweislich gewalttätige Ausschreitungen unterbleiben.

Aber auch die Schule kann einen Beitrag zur Gewaltminderung leisten, indem Schüler im Sportunterricht über Fairness aufgeklärt werden. Zu m anderen sollten Lehrer, Schü- ler durch Gespräche dazu anregen, Sport außerhalb der Schule zu treiben, um einen Ausgleich zu finden.

Wie die Schulen können auch die Medien zur Gewaltprävention beitragen. In der Spor t- berichterstattung sollte eine eventuelle Zuschauergewalt weniger zur Nachricht werden als das Sportereignis selbst. Gewalttätige Fans sind gegenüber nicht gewalttätigen Fans nur eine kleine Minderheit.

Aber leider finden all diese Theorien keine Wirkung, wenn sie nicht von den Fans wahrgenommen oder von den Verantwortlichen übernommen werden.

Die Zukunft wird zeigen, ob und inwiefern die Chefetagen der Vereine sich es weite rhin leisten können, den Fußball auf Kosten der Fans auszuschlachten, die Zeiten der milli o- nenschweren Fernsehverträge scheint zu Ende zu gehen, letztendlich werden die Clu b- bosse einsehen müssen, dass sie langfristig den Marktwert des Sports nur erhalten kö n- nen, wenn sie die Bindung zu ihren treusten Anhängern nicht verlieren.

Man kann also nur hoffen, dass sich die Fairplay Kampagne auch unter den Zuschauern durchsetzt, damit man sicher ins Stadion gehen kann und der Fußball wieder primärer Grund ist, in das Stadion zu gehen.

5.Anhang

5.1 Literaturverzeichnis

5.1.1 Bücherverzeichnis

Becker, P.: Sport und soziale Probleme. Reinbek 1988, 172 - 192

Becker, P/Pilz, G. A.: Die Welt der Fans - Aspekte einer Jugendkultur. München 1988 Bott, D.: Integration statt Ausgrenzung. Für die Wiedervereinigung der Fans ins Vereinsgeschehen. Düsseldorf 1988

Bott, D.: Fußballfans, Hooligans und Legenden. Streetcorner-Zeitschrift 1990, 71-80

Bruder. K. J.: Gutachten „Fankultur und Fanverhalten“. Schorndorf 1988, 11-52

Elias, N.: Zivilisation und Gewalt. Frankfurt 1981. 98-124

Gabler, H../Schulz, H.-J/Weber, R.: Zuschaueraggressionen, Schorndorf 1982, 23-60

Hahn, E.: Fanverhalten, Massenmedien und Gewalt im Sport. Köln 1988

Heitmeyer, W./Peter, J.: Jugendliche Fußballfans Weinheim und München 1987

Pilz, G.A.: Die Suche nach dem Abenteuer. In: Sozial Extra. 1991, 6, 5 -7

Polizeipsychologisches Gutachten von Fußballfans, Niedersachsen 2003

Seibert, G.: Lexikon 2000. Weinheim: Zweiburgen Verlag 1983

Theunert, H.: Gewalt in den Medien - Gewalt in der Realität. Opladen 1987

Wagner, H. Fußballfans und Hooligans - Warum Gewalt. 1. Auflage Wagner Verlag Werkentin, F: Stellungnahme zu Fragen der Polizeiausbildung im Land Niedersachsen. Berlin 1991 (vervielfältigtes Manuskript)

5.1.2 Internetquellen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Ver . ö . ffentlichungseinverst . ä . ndnis

Hiermit erkläre ich, dass ich damit einverstanden bin, wenn die von mir verfasste Fac h- arbeit der schulinternen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.1 Versicherung der selbstst . ä . ndigen Erarbeitung

Hiermit versichere ich, dass ich die Arbeit selbstständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die mit W ortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe.

Verwendete Informationen aus dem Internet sind im Anhang vollständig im Ausdruck beigefügt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

2http://de.wikipedia.org/wiki/Hooligan

3Theunert 1987

4Elias 1981

5Polizeipsychologisches Gutachten von Fußballfans 2003

6nach Sigmund Freud Mediziner, Begründer der Psychoanalyse

7Polizeipsychologisches Gutachten von Fußballfans 2003

8Synonym für den Fanblock (Nordkurve) von Hannover 96

9Fackeln in Fußballstadien oder auch als (See-)Notsignal. Hell leuchtende Flamme mit einer Temperatur zwischen 1.600°C und 2.500°C

10Abk. Fédération Internationale de Football Association

11Abk. Deutscher Fußball Bund

12Fanbetreuung und Fanarbeit siehe Kapitel 3.7.3

13http://dfb.de/dfb-info/soziales/ballance/right.php

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Fußballfans und Hooligans - Gewalt und Rassismus in deutschen Stadien
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V109975
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Facharbeit beschäftigt sich mit dem Thema: Fußballfans und Hooligans. Schwerpunkte liegen auf Gewalt und Rassismus im Stadion in Deutschland.
Schlagworte
Fußballfans, Hooligans, Gewalt, Rassismus, Stadien
Arbeit zitieren
Michael Platzek (Autor), 2006, Fußballfans und Hooligans - Gewalt und Rassismus in deutschen Stadien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109975

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