Landung der Alliierten in der Normandie


Facharbeit (Schule), 2006
40 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Planung der Invasion
2.1. Entscheidung über die Landung der Alliierten
2.1.1. Der amerikanische Standpunkt
2.1.2. Der britische Standpunkt
2.2. Der Verlauf der Debatte um die zweite Front

3. Vorbereitung der Invasion „Overlord“
3.1. Operation „Bolero“
3.1.1. Der amerikanische Aufmarsch
3.2. Das Oberkommando
3.3. Täuschungsmanöver der Alliierten
3.3.1. Täuschung durch die Operation „ Glimmer“
3.4. Operation „Neptun“

4. Deutsche Abwehrvorbereitungen
4.1. Wo werden sie Landen?
4.2. Strategische Perspektive
4.3. Der Atlantikwall
4.4. Die deutschen Kräfte – Mangel an Mensch und Material
4.5. In Erwartung der Landung

5. Der Ablauf der Invasion
5.1. Luftoperation der Alliierten
5.2. Absprung in der Normandie
5.3. Der D-Day: Die größte Landeoperation aller Zeiten
5.3.1. Überlebende schildern den D-Day
5.3.2. Schlussbetrachtung des D-Days
5.4. Der Durchbruch

6. Der weitere Verlauf des Krieges

7. Begriffserklärung

8. Verzeichnis / Quellen

1. Einleitung

Der zweite Weltkrieg begann durch deutsche Invasion in Polen am 1. September 1939. Die so genannten Achsenmächte (Deutsches Reich, Italien und Japan) führten Eroberungsfeldzüge gegen viele Staaten; ihre militärischen Hauptgegner waren anfangs Frankreich, Großbritannien und die Republik China sowie nach dem Bruch des Hitler-Stalin-Paktes die Sowjetunion, dann nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 auch die USA.

Adolf Hitlers Soldaten gehörten zu den gefürchtetsten Kämpfern des 20. Jahrhunderts. In den ersten drei Jahren des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1942) stürmten sie von Sieg zu Sieg. Und als sich das Blatt für das Dritte Reich gewendet hatte, kämpften sie verbissen weiter, um die unvermeidliche Niederlage hinauszuschieben.

Im Herbst 1942 war das Dritte Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Adolf Hitlers Armee standen am Wolga-Ufer, rückten auf Kairo vor, beherrschten den Balkan, besetzten Westeuropa von den Pyrenäen bis zur Arktis, und deutsche U-Boote versenkten zur gleichen Zeit Schiffe vor der amerikanischen Atlantikküste.

Um die Rote Armee zu entlasten, hatte Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt, zumal die bereits 1943 erfolgte Landung der Briten und Amerikaner in Italien nicht den gewünschten schnellen Erfolg brachte.

Als die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten, war das für Europa ein entscheidender Tag. Denn von nun an war der Weg für die Alliierten ins Deutsche Reich frei, ohne dass z.B. die Alpen ihn versperrt hätten. Es war der erste Schritt zur Befreiung Europas. Mit der geglückten Landung konnten die westlichen Alliierten ihre Überlegenheit an Truppen und Kriegsmaterial ausspielen, so dass der Krieg nur noch zu einer Frage der Zeit wurde.

Welche politischen Überlegungen im Vorfeld der Invasion eine Rolle spielten, wie der so genannte D-Day im Einzelnen ablief und welche Fehler vor allem auf deutscher Seite gemacht wurden, ist Inhalt dieser Hausarbeit.

2. Planung der Invasion

2.1 Entscheidung über die Landung der Alliierten

2.1.1. Der amerikanische Standpunkt

Noch vor dem Fall Frankreichs im Mai 1940 begannen die USA nach und nach ihre zu Beginn des Krieges in Europa erklärte zweifelhafte Neutralität aufzugeben. Präsident Franklin D. Roosevelt rief den Nationalen Notstand aus und beorderte die Marine in den Atlantik, vordergründig auf „neutralen Aufklärungsfahrten“, tatsächlich aber, um den britischen Geleitzügen zumindest auf einem Teil der Strecke durch die Gefahrenzone beizustehen. In Erwartung der Möglichkeit, dass die USA schließlich doch in den Krieg eintreten würde, nahmen in der Zeit zwischen Januar und März amerikanische General- und Admiralstäbe in Washington eine Reihe inoffizieller, aber nichtsdestotrotz entscheidender Gespräche auf. Die bei diesem amerikanischen-britischen Gespräch – kurz ABC – Gespräch genannt – getroffene wichtigste Einzelentscheidung war, dass Deutschland als der Feind Nummer Eins einer künftigen anglo-amerikanischen Partnerschaft anzusehen sei. Präsident Roosevelt brachte zum Ausdruck, dass das Schicksal der USA untrennbar mit dem britischen Königreich verknüpft ist. An dessen Fortbestand hatten die USA das größte Interesse, nicht allein wegen der Gemeinsamkeiten in Sprache und Kultur, sondern auch deshalb, weil England ein Bollwerk gegen mögliche Absichten der Achsenmächte bildete, die gegen Amerika gerichtet waren. Die amerikanischen Streitkräfte waren im Jahr 1941schlichtweg nicht vorbereitet auf einen weltweiten Krieg, und es war die britische Flotte, welche die Vorherrschaft im Atlantik garantierte. Sie gewährte Sicherheit für die Dauer der allgemeinen Mobilmachung. Die Amerikaner bevorzugten einen raschen und schnellen Krieg.

Im Frühjahr und im Sommer des Jahres 1941, während der letzten Monate, in denen sich die USA im Frieden befanden, wurde unter der Oberaufsicht des Kriegsministeriums überzähliges Rüstungsmaterial an England und an andere Staaten, die gegen Deutschland aufmarschierten waren, verkauft. Man sann über Wege nach, wie den Verpflichtungen nachzukommen sei, die man vor kurzem mit der Unterzeichnung des Leih- und Pachtgesetzes eingegangen war. Mit diesem Gesetz verpflichteten sich die USA zu umfangreichen Lieferungen von Rüstungsgütern an Länder, die gegen die Achsenmächte Krieg führen. Gleichzeitig wurde das Heer in begrenztem Umfang vergrößert, was einer Mobilmachung zu Friedenszeiten gleichkam und die Mobilmachungspläne aushebelten. Bei den Dienststellen des militärischen Nachschubes und der Beischaffung von Kriegsmaterial herrschte Chaos.

Wenn die Niederwerfung Deutschlands das Strategische Ziel war, dann bestand der Auftrag darin, das Zentrum der deutschen Macht so früh und so wirkungsvoll als möglich anzugreifen. Das bedeutete die Konzentration von Streitkräften zur Durchführung einer Landung unmittelbar auf dem europäischen Kontinent zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Die Festsetzung dieses Zeitpunktes hing von drei Faktoren ab, die eng miteinander verflochten waren:

1. Vom Zeitpunkt, bis zu welchem die für einen Krieg erforderlichen Truppen ausgebildet und ausgerüstet werden konnten.
2. Vom Zeitpunkt, bis zu welchem der notwendige Schiffsraum zur Verfügung gestellt werden konnte, um diese nach Europa transportierten Truppen mit Nachschub versorgen zu können.
3. Vom Zeitpunkt, bis zu welchem die Schaffung der notwendigen militärischen Vorausbedingungen, für einen Angriff abgeschlossen sein konnten.

Eine vorsichtige Einschätzung hinsichtlich des Fortganges der Mobilmachung und der Ausbildung der Armee, des Aufbaus der Rüstungsindustrie und des Baus von Handels- und Kriegsschiffen offenbarte, dass die US-Armee kaum vor dem 1.Juli 1943 in die Offensive übergehen konnte. Die Formulierung der militärisch notwendigen Voraussetzungen war zwar einfach gewesen, ihre Schaffung brachte jedoch weit schwierigere Probleme mit sich. Wedemeyer brachte in seinem Plan zum Ausdruck, dass eine erfolgreiche Invasion in Europa nicht durchführbar sein könne, solange nicht

1. die Flotten der Achsenmächte vernichtet und die Verbindungswege über den Atlantik gesichert seien,
2. die Alliierten über die Luftherrschaft in Europa verfügten,
3. durch Bombardierungen die Wirtschaft und die Industrie Deutschlands zerschlagen und das Rüstungspotential vermindert worden sei,
4. die Streitkräfte der Deutschen geschwächt worden seien und
5. eine geeignete Absprungbasis geschaffen worden sei.

Obwohl er es in seinem „Victory“-Plan nicht ausdrücklich erwähnte, ging Wedemeyer von der Annahme aus – und einige seiner Mitplaner sprachen dies offen aus - , dass die einzig brauchbaren Stützpunkte in Europa, über welche die USA im Jahre 1943 noch verfügen könnten, die britischen Inseln wären.

Somit existierte in den USA bereits ein Planungskonzept für die endgültige Vernichtung Deutschlands, noch bevor für die USA der Krieg begonnen hatte. Diese Planung setzte eine Invasion auf dem europäischen Festland voraus, die auf das Herz Deutschlands zielte, und schloß sämtliche übrigen Pläne des Militärs aus.

Die Durchführung erforderte

1. eine erfolgreiche Beendigung der Schlacht im Atlantik,
2. eine kombinierte Bomberoffensive mit dem Ziel, Industrie und Wirtschaft Deutschlands zu zerschlagen,
3. ständige Angriffe zur Abnutzung der deutschen Streitkräfte,
4. Bereitstellung starker amerikanischer Kräfte in England.

Aufgrund der augenblicklich herrschenden Sachlage bei der Produktion und den Vorbereitungen des Militärs war mit dem Beginn der alles entscheidenden Schlacht nicht vor Juli 1943 zu rechnen.

Folglich mussten die amerikanischen Planer damit rechnen, dass

1. starke Heeres- und Luftstreitkräfte, sowie eine gewaltige Seestreitmacht nach Europa zu verlegen und dort zu versorgen, während langgestreckte und leicht verwundbare Verbindungswege über die Ozeane offen gehalten werden mussten,
2. zumindest ausreichend starke Streitkräfte bereitzustellen, um zwischenzeitlich die Japaner zu binden,
3. genügend Material bereitzustellen, um nicht nur die amerikanischen Streitkräfte, sondern auch die Armeen der Alliierten zu versorgen.

Das war ihrer Meinung nach niemals ohne einen Generalplan zu bewerkstelligen, von dem zwar in geringfügigen Details, nicht aber in wesentlichen Punkten abgewichen werden durfte. Eine derartige Massenproduktion bedurfte einer sorgfältigen zeitlichen Abstimmung. Und die amerikanische Industrie verlangte von den Militärs einen entsprechenden Zeitplan.

Eine wichtige Entscheidung war die Wahl Englands als Ausgangbasis für den Angriff auf Europa. Schon frühzeitig verwarfen die Planer phantastische Ideen von Landungen in Liberia mit anschließenden Feldzügen durch Nordafrika, über das Mittelmeer und in das südliche Europa. Ein Plan, der vorsah, amerikanische Truppen nach Russland zu verlegen, wurde schon einfach deshalb aufgegeben, weil sowohl für die Truppen als auch für den Nachschub die Schifffahrtswege nach Murmansk oder durch den Persischen Golf zu lang waren. Angriffe durch Portugal, durch Norwegen oder durch Spanien wären zu umständlich gewesen.

Für eine gewisse Zeit dachte man ernsthaft über einen vom Mittelmeerraum ausgehenden Angriff nach, wo sich die Briten bereits gegen deutsche Streitkräfte behauptet hatten. Die Amerikaner verwarfen den Plan, das Mittelmeer als Anmarschroute zu benutzen, weil lange Nachschubwege es unmöglich machten, dort die volle Stärke der Alliierten zu konzentrieren. Außerdem, weil das Zentrum Deutschlands zu weit von Stützpunkten in Nordamerika entfernt war, wenn ein Angriff durch das südliche Europa hindurch geführt werden musste.

Weiterer ernsthafter Widerspruch wurde dagegen erhoben, einen Angriff durch den Süden Frankreichs, durch Italien oder über den Balkan zu führen, weil das extrem schwierige Terrain, das zwischen der Mittelmeerküste und Deutschland lag, die Verteidiger begünstigte hätte.

Ein immerwährendes Problem der Kriegsplaner, gleichgültig welche Operation beabsichtigt sein mochte, war die ständige Knappheit der Alliierten an Schiffsraum. Die Schlacht im Atlantik hatte zu viele Schiffe – sowohl Handel-, als auch Kriegsschiffe – gekostet; Verluste, die ausgeglichen wurden durch Neubauten zu Lasten der Produktion von Tonnage, die zur Beschleunigung des Fortgangs offensiver Operationen benötigt wurde.

Viele Konvois mussten zur Versorgung der britischen Bevölkerung mit Nahrungs- und Verbrauchsmitteln abgestellt werden, während andere versuchten, den sowjetischen Verbündeten am Leben zu erhalten, dessen fortgesetzter Widerstand eine wesentliche Grundlage der gesamten amerikanischen Planung war. Sobald der Krieg einmal begonnen hatte, mussten weitere Schiffe abgestellt werden, um den Fortbestand der militärischen Kräfte der Commonwealth- Staaten und Amerikas im Pazifik - wenn auch nur in einem Mindestmaß – zu gewährleisten.

Sorgfältiges Abwägen bei der Zuteilung des Nachschubes war deshalb bei allen Überlegungen ein wichtiger Umstand. Eine kurze Route bedeutete eine kürzere Fahrtzeit. Eine einfache Route erleichterte den Einsatz großer Geleitzüge. Gute Häfen in England bedeutete eine kürzere Liegezeit für die Schiffe. Die britischen Inseln für den amerikanischen Aufmarsch zu benutzen, bedeutete somit die effizienteste Ausnutzung des knappen Schiffsraumes.

Des Weiteren war es nur logisch, die britischen Inseln als Ausgangspunkt für militärische Operationen auf dem Festland zu wählen. Sie waren nicht nur groß genug für den Truppenaufmarsch, sondern auch der bestmögliche Standort, von dem aus die Jagdflugzeuge der Royal Air Force (brit. Luftwaffe) mit ihrer relativ geringen Reichweite die Landungen unterstützen konnten, und außerdem ein unsinkbarer Flugzeugträger für die amerikanischen Army Air Forces (Luftflotten).

Die kurze Strecke über den Ärmelkanal erlaubte es den Alliierten, der angreifenden Infanterie fortgesetzte und effektive Unterstützung aus der Luft zu gewähren. Die Royal Navy (brit. Marine), die bereits große Schiffseinheiten in der Nordsee zusammengezogen hatte, um die deutschen Überwasserflotte am Auslaufen zu hindern, konnte zur Unterstützung von Landungen an der Kanalküste am einfachsten zum Einsatz gebracht werden. Am allerwichtigsten war jedoch der geographische Umstand, dass die direkteste Route ins Zentrum Deutschlands von der England gegenüberliegenden französischen Küste durch das nordwestliche Europa verlief. Diese Route wies ein Minimum an natürlichen und damit leicht zu verteidigenden Hindernissen auf. Aus militärischer Sicht war die getroffene Entscheidung also von größter Logik.

Für die Amerikaner war die einmal getroffene Entscheidung unumstößlich. Im Vergleich mit den anderen Aufmarschgebieten war England in nahezu jeder Hinsicht vorzuziehen, da es die Möglichkeit zur schnellstmöglichen Versammlung und Konzentration der Kräfte bot. Die Entscheidung für eine rasche Zusammenziehung von Truppen in England zwang die USA zu rigorosen Einsparungen an Menschen und Material auf anderen Kriegsschauplätzen, während sie den Luftkrieg gegen Deutschland, die gegen Europa verhängte Blockade und den Seekrieg im Atlantik intensivierten. Die vorgeplante Mobilisierung der Wirtschaft versetzte die amerikanische Industrie allmählich in die Lage, einem solchen Plan gerecht zu werden, und das Militär begann enthusiastisch, sich den Anforderungen entsprechend für einen Großangriff umzuorganisieren. Tatsächlich begannen auf amerikanischer Seite die Planungen für die spätere Operation „Overlord“ bereits vor Kriegseintritt der USA, und sie verkörperten stets das Wesen amerikanischer Kriegspolitik. Buchstäblich alles, was die USA unternahmen, war auf diese entscheidende Invasion gerichtet. Militärische Operationen wurden danach beurteilt, in welchem Maße sie zu deren erfolgreicher Durchführung beitrugen. Das Unternehmen „Overlord“ ging weit über den D-Day hinaus, und es war weit mehr als nur eine wichtige Schlacht. Es war die Kulmination der amerikanischen Strategie insgesamt.

2.1.2. Der britische Standpunkt

Ihre geographische Lage und eine unterschiedliche Philosophie hinsichtlich der Kriegsführung führten bei den Briten zu einer abweichenden Auffassung bezüglich Art, Zeitplan und Ort der Zweiten Front gegen Deutschland. Zum Zeitpunkt, als die einleitenden Gespräche auf Stabsebene aufgenommen wurden, befand sich das britische Königreich bereits seit zwei Jahren im Krieg. Die Engländer hatten im Frankreichfeldzug, der Schlacht um England und der Schlacht im Atlantik empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Die Briten befanden sich in einem Umfeld sich ständig verknappender Ressourcen. Es war gewiss, dass ab 1943 ihre Streitkräfte von Tag zu Tag zahlenmäßig an Stärke verlieren würden, denn das Potential der Briten und der Commonwealth-Staaten an Menschen war aufgebraucht.

Gewiss befürworteten sie eine Invasion in Europa, aber erst, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war und wenn die Umstände für die Alliierten sprachen. Sie konnten es sich nicht erlauben – und diesen Standpunkt vertraten viele – zurückgeschlagen zu werden. Sollte sich die Invasion infolge einer der vielen möglichen Gerfahren, die eine solch riskante Operation in sich barg, als Fehlschlag erweisen, wäre – zumindest nach britischer Ansicht – ein erneuter Versuch ausgeschlossen.

Die Briten waren in ihrer Geschichte schon immer eine Seemacht gewesen. Ihre gesamte Erfahrung im Umgang mit einer feindlichen Macht auf dem Kontinent – hauptsächlich in den Kriegen der französischen Revolution – sprachen für eine Lösung zur See. Die Briten rieten weiterhin zur Vorsicht, weil sie ein auf jüngeren Erfahrungen beruhendes, umfassenderes und generell sachlicheres Verständnis für amphibische Operationen hatten, als die amerikanischen Verbündeten. Deren letztes größeres Landungsunternehmen hatte während des US-Bürgerkrieges 1861-65 stattgefunden. Außerdem hatten die Amerikaner – nach Meinung der Briten – überhaupt noch nie eine Landung gegen ernsthaften feindlichen Widerstand durchgeführt.

Britische Planer erkannten sehr wohl, dass der Ärmelkanal, so schmal er auch an manchen Stellen sein mochte, ein mächtiges Hindernis darstellte, das bereits Napoleon und jüngst die technisch hoch entwickelten Streitkräfte der Wehrmacht aufgehalten hatten. Es hatte sich im Ersten Weltkrieg gezeigt, dass selbst eine erfolgreich durchgeführte Landung aus gut ausgebauten Verteidigungsstellungen heraus zum Stehen gebracht werden konnte. Das Militär kam zur Überzeugung, das der Verteidiger stets in der Lage sein werden, seine Verstärkungen schneller heranzuführen, als der Angreifer seine Streitkräfte an den Invasionsstränden verstärken konnte. Amphibische Angriffslandungen waren von ihrem Wesen her stets Frontalangriffe, die große Ähnlichkeit mit den Kämpfen an der Westfront aufwiesen. Um wie viel schlimmer musste dann ein Frontangriff sein, der von See her vorgetragen wurde?

Die größten Sorgen bereiteten den Planern der Invasion jedoch die bei dem Angriff auf den französischen Hafen Dieppe im Jahre 1942 gemachten Erfahrungen.

Fast unmittelbar nach der Evakuierung ihres Heeres vom Festland bei Dünkirchen hatten die britischen Streitkräfte damit begonnen, Kommandounternehmen an der Küste Frankreichs durchzuführen. Im August 1942 war der zusammengesetzte Stab des Lord Louis Mountbatten von der Durchführung begrenzter Kommandounternehmen zur Planung einer im großen Stil durchzuführenden Invasion der Hafenstadt Dieppe übergangen. Dabei bestand nicht die Absicht, den Landekopf zu halten. Es ging darum, das Zusammenwirken von Land- und Seestreitkräfte sowie das Zusammenwirken der verbundenen Waffen von Infanterie- und Panzereinheiten bei einer großräumigen Landung zu erproben und Erfahrungen hinsichtlich der Zusammensetzung von Luftstreitkräften zu sammeln, die erforderlich waren, um die Luftherrschaft über einem Invasionsstrand zu erlangen und aufrecht zu halten. Mountbattens Unternehmen sollte außerdem als Probelauf für ein neues amphibisches Mittel dienen, das LCT (Landig Craft, Tank – Panzer-Landungsfahrzeug), um zu sehen, ob diese Panzer direkt auf einem Strand abgesetzt werden und es dadurch den Angriffskräften ermöglichen konnte, einen Hafen im direkten Frontalangriff zu nehmen.

Die Landung am 19. August 1942 war ein absoluter Fehlschlag. Die Landungskräfte bestanden zum Großteil aus Soldaten der kanadischen 2. Division, der ca. 1.000 britische Soldaten und ungefähr 50 amerikanische Rangers zugeteilt waren. Der deutsche Widerstand erwies sich als unerwartet heftig. Bereits neun Stunden nach dem Angriffsbeginn waren die britischen Kommandeure gezwungen, die Überlebenden unter dem heftigen Druck der nachstoßenden Verteidiger zurückzuziehen. Fast 1.000 alliierte Soldaten fielen bei dem Angriff; an die 2.000 blieben als Kriegsgefangene auf dem Schlachtfeld zurück. Von der ursprünglich 6.100 Mann umfassenden Streitmacht der Angreifer kehrten 2.500 nach England zurück. Wie sich nachträglich herausstellte hatten nicht etwa Eliteverbände, sondern gewöhnliche Besatzungstruppen der Wehrmacht den kanadischen angriff zurückgeschlagen. Eine, der wichtigsten Lehren die aus dem Angriff bei Dieppe hervor ging war, dass starke Kräfte der Flotte zur Beschießung ausgebauter Stellungen entlang einer Küste von ausschlaggebender Bedeutung waren, um die gegnerische Verteidigung aufzubrechen. Damit aber diese Kräfte zusammengezogen werden konnte, bedurfte es eines Sieges im Atlantik und in anderen Seegebieten.

Zur Durchführung amphibischer Landungen war nicht sonderlich viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Von ausschlaggebender Bedeutung war allein der Einsatz überlegender Kräfte, sollte auch nur die geringste Hoffnung auf Erfolg bestehen.

Die aus all diesen Erwägungen gezogene Konsequenz äußerte sich darin, dass die Briten stets gewillt schienen, alternative Strategien zu entwickeln und Angriffspunkte aufzuspüren. Diese sollten es den Alliierten ermöglichen, den Feind dort zu treffen, wo es nötig war, anstatt strikt an einem sorgfältig ausgearbeiteten und – wie sie es empfanden – überaus starren Plan festzuhalten. Hohe amerikanische Offiziere und deren Planungsstäbe meinten, Churchills ständige Ideen, andere Operationsziele als den Angriff über den Ärmelkanal zu verfolgen, lasse eine ablehnende Haltung gegenüber der Durchführung dieser Operation insgesamt erkennen.

2.2. Der Verlauf der Debatte um die Zweite Front

Die Planungen für die Landung setzten voraus, dass die Luftstreitkräfte der Alliierten, nach dem sie von Kampfaufträgen in der Luft entbunden waren (da die Luftschlacht über Frankreich bereits gewonnen war), sich der in taktischer Hinsicht wichtigen Aufgabe widmen konnten, die Schlachtfelder in der Normandie vom Reich zu isolieren, indem sie alle Eisenbahnlinien, Brücken und Verkehrsknotenpunkte zerstörten. Der Kernpunkt war, dass beide Verbündete darin übereinstimmten, dass der endgültige Angriff im nordwestlichen Europa erfolgen sollte. Während jedoch die Amerikaner darauf drängten, den Angriff so früh wie möglich zu beginnen, legten die Briten Wert darauf, dass der richtige Zeitpunkt abgewartet wurde. Am Ende einigte man sich darauf, den Zeitpunkt des Invasions-Beginns über den Ärmelkanal erst dann endgültig festzulegen, wenn beide Alliierten zu der Überzeugung gelangt waren, dass er militärisch sinnvoll sei.

Während die Amerikaner darauf bestanden, dass die Ausarbeitung der endgültigen Pläne für die Landungen in Frankreich vorangetrieben und ein endgültiger Zeitpunkt festgesetzt werden solle, wiesen die Briten auf die kritische Knappheit an Panzerlandungsschiffen (LST) und anderer Landungsfahrzeuge hin, die für einen erfolgreichen Angriff unverzichtbar waren. Solange der notwendige Bedarf an Panzerlandungsschiffen nicht gedeckt sei, könne kein Angriff auf die französische Küste geführt werden, der kraftvoll genug war, um den zu erwartenden Gegenstoß der Wehrmacht aufzufangen.

Churchill und seine Berater verlangten keineswegs, die Operation „Overlord“ aufzugeben. Stattdessen brachten sie im Verlauf des Jahres 1943 immer wieder vor, dass die Angriffskräfte verstärkt werden müssten. Nach einer Konferenz auf höchster Ebene im Norfolk House im Februar 1944 schien der notwendige Bedarf endlich gedeckt zu sein. Die Amerikaner versprachen zusätzliche Panzerlandungsschiffe von anderen Kriegsschauplätzen abzuziehen.

Im Mai 1943, während der „Trident–Konferenz“ in Washington einigten sich die Alliierten darauf, den 1. Mai 1944 als Zeitpunkt für den Beginn der Invasion über den Ärmelkanal festzusetzen und sich auf den Truppenaufmarsch in England zu konzentrieren.

Bei den Konferenzen in Teheran und Kairo von November bis Dezember 1943 einigten sich Roosevelt, Stalin und Churchill auf eine über den Ärmelkanal vorgetragene Landeoperation im Norden Frankreichs unter dem Decknamen „Overlord“.

Die langen Debatten endeten schließlich mit der Ernennung Eisenhowers zum Oberkommandierenden der Invasion, dem wichtigsten aller angloamerikanischen Unternehmen im Jahre 1944. Der ungeduldige Stalin war mitverantwortlich für die endgültigen Entscheidungen der Konferenz. Er hatte seit langem die westlichen Alliierten gedrängt, eine zweite Front zu eröffnen.

Der endgültige Zeitpunkt wurde unter Berücksichtigung der Mondphasen und des Wetters festgesetzt.

3. Vorbereitung der Invasion „Overlord“

Nahezu unmittelbar nach dem Fall Frankreichs im Jahre 1940 begannen die Briten mit Planung und Vorbereitung für eine Gegenoffensive. Churchill stellte eine Anzahl von Sondereinheiten auf, die den Auftrag bekamen, Kommandounternehmen durchzuführen oder die Widerstandsbewegungen in Frankreich und in anderen besetzten Ländern zu unterstützen. Bereits 20 Tage nach dem Desaster von Dünkirchen wurde tatsächlich das erste Stoßtruppenunternehmen auf deutsche Stellungen in Frankreich durchgeführt. Sowohl die britischen Kommandoeinheiten und das Special Operations Executive (SOE) (Geheimdienstliche Organisation, die mit dem Einsatz und der Ausbildung von Agenten in besetzten Ländern beauftragt war) als auch die reguläre Sondereinheiten entwickelten sich zu Formationen von beachtlicher Größe, die am D-Day eine wesentliche Rolle spielten. Trotz der Debatten hinsichtlich der zu verfolgenden Strategie und trotz des gefährlichen Standpunktes der Briten bis zur Mitte des Krieges war Churchill und seine militärischen Stäben dennoch stets klar, dass nur eine Invasion in Frankreichs die Niederwerfung Deutschlands gewährleisten konnte.

3.1. Operation „Bolero“

Der Kriegseintritt der USA (1941) gestattete die Ausarbeitung realistischer Pläne für eine Invasion. Mit der zunächst geplanten Operation „Sledgehammer“ wurde eine begrenzte Landung bei Cherbourg im Jahre 1942 erwogen. Diese Planung wurde dann weiterentwickelt zur Operation „Roundup“, einer für das Jahr 1943 geplanten Groß-Invasion am Pas de Calais.

Zur Bereitstellung amerikanischer Streitkräfte für das Unternehmen „Roundup“ wurde im Juli 1942 die Operation „Bolero“ eingeleitet, eine umfangreiche Verlegung von Truppen und Waffen nach England. Während die Operation „Bolero“ nahe zu zwei Jahre lang fortgeführt wurde, verschob man Operation „Roundup“ zunächst auf das Jahr 1944 und legte schließlich die abgewandelten Pläne der Planung für die Operation „Overlord“ zugrunde.

Zwischenzeitlich fuhren die Briten fort, ihre eigenen Truppen für die Invasion auszubilden und zusammenzustellen, wobei sie in zunehmendem Maß verstärkt wurden durch Streitkräfte aus den besetzten Staaten, deren Regierungen sich in London im Exil befanden. Die USA begannen unmittelbar nach der Eroberung Frankreichs mit der Vergrößerung ihrer Streitkräfte, da sie erwarteten, in den Krieg hineingezogen zu werden. Die Leistung, welche die amerikanische Rüstungsindustrie erbrachte, war geradezu phänomenal. Obwohl zur Aufnahme der Produktion an Flugzeugen in vielen Fällen erst einmal die Fabriken gebaut werden mussten, verdreifachte sich die amerikanische Rüstungsproduktion im Jahr 1941, vervierfachte sich 1942 – und konnte 1943 erneut vervierfacht werden. Was die Produktion an Rüstungsgütern betrifft, so waren allein die Vereinigten Staaten Deutschland derart überlegen, dass das Verhältnis bei der Panzerproduktion während des Krieges vier zu eins und mehr als zwei zu eins bei der ganzen Munitionsfertigung betrug. Während sie ihre eigenen Streitkräfte aufrüsteten, lieferten die USA gleichzeitig den Briten etwa ein Viertel für deren Ausrüstung, wobei die Bezahlung durch das Leih- und Pachtgesetz geregelt wurde. Im Gegenzug stellten die Briten den Amerikanern einige ihrer Spezialwaffen sowie einen Großteil ihrer Kasernen, Flugplätze, und Truppenübungsgelände für die Operation „Overlord“ zu Verfügung.

3.1.1. Der amerikanische Aufmarsch

Die britische Öffentlichkeit war allerdings nicht gefasst auf das Ausmaß des amerikanischen Aufmarsches. Die ersten amerikanischen Soldaten, die auf der Insel eintrafen, gingen im Januar 1942 im Hafen von Belfast an Land. Während des ganzen Krieges waren Amerikaner in Nordirland stationiert. Wegen der drohenden Gefahr einer deutschen Invasion war im Jahr 1940 der Großteil der britischen Streitkräfte im Südosten und im Osten Englands stationiert worden. Somit war die westliche Hälfte Englands frei für die ankommenden amerikanischen Armeen. Die Entscheidung, die amerikanischen Kräfte an den westlichen Strandabschnitten der Normandie anzulanden und die Engländer an den östlichen, ist letztendlich auf diese rein praktische Lösung des Problems der Unterbringung der Amerikaner zurückzuführen. Bis zum Frühjahr 1944, als die Operation „Overlord“ ihr Endstadium erreichte, beherbergten die Briten die größte Invasionsstreitkraft, die jemals an einem Ort versammelt war. Diese Streitmacht bestand zur Hälfte aus Amerikanern. Damit das Unternehmen „Bolero“ überhaupt durchgeführt werden konnte, bauten die USA mehr als 2.500 Liberty Schiffe (Liberty = Freiheit) von jeweils 7.000 Tonnen, die als Truppentransporter eingesetzt wurden. Der britische Beitrag zu diesem Unternehmen bestand unter anderem darin, dass an Bord der Ozeanriesen Queen Mary und Queen Elizabeth, die so umgerüstet worden waren, dass sie pro Fahrt jeweils 15.000 Soldaten an Bord nehmen konnten, insgesamt 425.000 Mann von Amerika nach England transportiert wurden. 1944 verfügten die Alliierten über die alleinige Herrschaft von See- und Luftraum. Dadurch war die Verlegung der amerikanischen und auch kanadischen Truppen auf dem Seeweg praktisch ohne Verluste. Nach 1941 wurden sogar Frauen zur Wehrdienst eingezogen. Mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung versah entweder Dienst in Uniform oder war zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Hälfte des Staatseinkommens wurde für den Krieg aufgewandt. Eine strenge Rationierung der Lebensmittel, eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 50 Stunden sowie annähernd 295.000 Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung als Folge der deutschen Luftangriffe trugen dazu bei, dass die Stimmung im Land von Kriegsmüdigkeit geprägt war.

Bis zum D-Day schienen viele Engländer allmählich der Amerikaner ebenso überdrüssig geworden zu sein, wie sie des Krieges insgesamt Leit waren. Die Regierungen beider Staaten ergriffen Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern beitragen sollten. Wie bei der Verbreitung von Nachrichten allgemein üblich, wurden bei der Berichterstattung die negativen Vorkommnisse übertont, und in der Erinnerung der Amerikaner waren die Engländer überwiegend freundliche Menschen.

Im Juni 1944 war das Unternehmen „Bolero“ abgeschlossen. Die Streitkräfte der Alliierten, die für den D-Day zusammengekommen waren, umfassten:

Soldaten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die britische Kampftruppe für den Einsatz in der Normandie unterteilte sich in drei Panzerdivisionen, acht Infanteriedivisionen, zwei Luftlandedivisionen. Hinzu kamen noch zehn eigenständige Brigaden der Kanadier sowie eine eigenständige polnische Panzerdivision und eine polnische Fahlschirmjägerbrigade, beide britisch bewaffnet und ausgerüstet.

Die Amerikaner mit ihren wesentlich größeren Mitteln verfügten über sechs Panzerdivisionen (von insgesamt 16, die bis zum Kriegsende in Europa zum Einsatz kamen), 13 Infanteriedivisionen und zwei Luftlandedivisionen, die schon in England bereitstanden, während weitere Truppen noch in den USA ausgebildet wurden. Die taktischen Luftlandeflotten für die unmittelbare Unterstützung der Bodentruppen umfassten etwa 100 Staffeln mit Flugzeugen der RAF oder der Commonwealth-Staaten (1.200 Flugzeuge) und 165 Staffeln der amerikanischen Luftwaffe (2.000 Flugzeuge). Eine solche Streitmacht zusammenzuziehen, war alleine schon ein kolossales Unternehmen gewesen.

3.2. Das Oberkommando

Während der „Arcadia Konferenz“ im Dezember 1941 errichteten die Amerikaner und die Briten eine Befehls- und Führungsstruktur, die es ihnen ermöglichte, den Krieg gemeinsam zu planen. Das begann an der Spitze mit der engen persönlichen Beziehung Präsident Roosevelt, der gleichzeitig Oberster Befehlshaber aller amerikanischem Streitkräfte war, und Premierminister Churchills, der 1940 eigens für sich das Amt des Verteidigungsministers schuf, um eine ähnliche Funktion wahrnehmen zu können.

Das während der Arcadia Konferenz festgelegten Verfahren, wonach sich Roosevelt, Churchill und deren Stäbe von Zeit zu Zeit treffen wollten, um gemeinsam Entscheidungen hinsichtlich der zu verfolgenden Strategie zu treffen, wurde während des Krieges beibehalten. Eine wesentliche Grundlage der Planung war die Bedingung, dass sämtliche Streitkräfte auf einem bestimmten Kriegsschauplatz der Befehlsgewalt eines alliierten Oberbefehlshabers unterstellt wurden. Im Dezember 1943 wurde General Dwight D. Eisenhower zum Alliierten Oberkommandierenden in Europa ernannt. Den Posten des Stellvertretenden Oberbefehlshabers erhielt der britische Luftmarschall Sir Arthur Tedder.

Die militärische Planung der Operation „Overlord“ und der Schlacht um die Normandie wurde zwischen März und Juli 1943 von einem vereinten angloamerikanischen Stab in London aufgenommen. Sie standen unter der Leitung des britischen Generalleutnants Frederick Morgan. Obwohl die Alliierten theoretisch über die Möglichkeit verfügten, an jeder beliebigen Stelle zwischen Norwegen und Südfrankreich zu landen, grenzten Morgan und sein Stab die in Frage kommenden Gebiete rasch auf zwei Abschnitte ein: der eine jenseits der engsten Stelle des Ärmelkanals, der andere im Bereich der Seinebucht in der Normandie.

Da ihm eine Landung im Pas de Calais leicht durchschaubar erschien und mit großer Wahrscheinlichkeit auf den heftigen Widerstand der Wehrmacht stoßen würde, entschied sich Morgan für die Normandie.

3.3. Täuschungsmanöver der Alliierten

Hitler und die Wehrmacht mussten bis zuletzt über den wirklichen Landungsort im Unklaren bleiben. Tarnen und täuschen, hieß die Devise.

US-Genaral George Patton, den die Wehrmacht zu Recht als den wagemutigsten amerikanischen Truppenführer bezeichnete, erhielt das Kommando über eine Geisterarmee, die im Südosten Englands, gegenüber von Calais, aufzog. Sie bestand aus aufblasbaren Panzern, Kanonen aus Pappmache und regem Funkverkehr, der emsige Generalstabsaktivitäten vorspiegelte. Die Gummipanzer waren so leicht, dass zwei Mann sie mühelos hochheben konnten, doch aus der Höhe sahen sie täuschend echt aus.

Professionelle Bühnenbildner und Spezialisten für Filmkulissen wurden eingezogen. Sie stellten in den Wäldern Südenglands „Treibstofflager“ oder „Munitionsbunker“ auf und bastelten Hunderte Schiffe aus Sperrholz und Leinen.

Geheimagenten, von denen die Nazis fälschlich annahmen, sie würden für Hitler und Großdeutschland arbeiten, hatten außerdem „zuverlässige Informationen“ nach Berlin übermittelt, in denen die Stärke des bereitstehenden Landungsheeres weit übertrieben war.

Hitler fiel darauf herein. Am 27. Mai hatte er dem japanischen Botschafter anvertraut: „Soviel ich weiß, hat der Feind bereits etwa 80 Divisionen auf den Britischen Inseln versammelt.“ In Wirklichkeit waren es nicht einmal 40. Er glaube zwar, so Hitler weiter, dass die Alliierten in der Normandie oder der Bretagne „Brückenköpfe“ bilden wollten, jedoch nur als Ablenkmanöver. „Dann werden die mit einer umfassenden zweiten Front über die Straße von Dover kommen.“

Die Alliierten inszenierten ein weiteres Täuschungsmanöver. Leutnant Clifton James, in Friedenszeiten Provinzschauspieler, der General Montgomery frappierend ähnlich sah, bestieg unter allgemeinem Jubel Churchills Sondermaschine, „um in Nordafrika Truppen zu inspizieren“. Der falsche Monty reiste über Gibraltar und Algier bis nach Kairo. Die deutschen Agenten sollten ihre Schlüsse ziehen: Der General weit ab vom Schuss, der D-Day lasse auf sich warten.

3.3.1. Täuschung durch die Operation „Glimmer“

Getreu der Führer- Überzeugung hielt das Oberkommando der Wehrmacht seine wirksamste Waffe, die Panzerdivisionen, untätig in Reserve. Ein Verwirrspiel in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni hatten sie in dieser Haltung noch bestärkt. Als die wahre Landungsflotte in absoluter Funkstelle Richtung Normandie auslief, täuschte Operation „Glimmer“ eine zweite Invasion viel weiter nordöstlich, Richtung Calais, vor. Ein paar Dutzend Schnellboote zeichneten ein ausgeklügeltes Netz von Schiffsbewegungen aufs Wasser. Unterstützt wurden sie durch Flugzeuge, die Streifen aus Aluminiumfolie abwarfen. Das alles spiegelte sich auf den deutschen Radarschirmen als Großangriff wieder.

3.4. Operation „Neptun“

Die Operation „Neptun“ war ein Teil der unter den Decknamen Operation „Overlord“ durchgeführten Landungen der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg. „Neptun“ war hierbei der Sturmangriff auf die Befestigungen in der Normandie und die Etablierung eines Brückenkopfes. Die Operation „Neptun“ begann mit den ersten größeren Übungsmanövern im Januar 1944 und gipfelte sich in der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, dem D-Day. Das Ende der Operation kann auf den 30. Juni 1944 datiert werden. Die übergeordnete Operation „Overlord“ endete erst am 19. August 1944, als die alliierten Streitkräfte den Fluss Seine in Frankreich überquerten und die Normandie somit von deutschen Truppen befreit war.

Neben der Aufgabe, in der Normandie Fuß zu fassen, sollte die Operation „Neptun“ unter anderem auch dazu dienen, die Landungsboote vor gegnerischen Angriffen aus der Luft und von See her zu schützen. Außerdem sollte durch die Operation sichergestellt werden, dass kein gegnerisches Schiff im Kanal von der bevorstehenden Invasion erfuhr. Des Weiteren sollte die Landung aktiv durch den Beschuss des Atlantikwalls im Bereich der Landungszonen mit schwerer Schiffsartillerie unterstützt werden. Nach der geglückten Landung wurde unter diesem Namen die Versorgung des Brückenkopfs mit Nachschub organisiert.

Die Operation wurde in viele weitere kleine Operationen aufgeteilt, um die deutschen Abwehr zu verwirren. Aus dem gleichen Grund wurde auch viele Phantomverbände „Aufgestellt“, die nie wirklich existiert haben.

4. Deutsche Abwehrvorbereitungen

Als im Morgengrauen des- 6. Juni 1944 die ersten alliierten Schiffe vor der Küste der Normandie auftauchten – noch ehe also der erste Soldat an Land gegangen war – hatten die deutschen Verteidiger bereits drei Schlachten um die „Festung Europas“ verloren: Seit geraumer Zeit beherrschten britische und amerikanische Flugzeugen nicht nur den Luftraum um England und den Kanal, sondern sie dominierten auch über dem westeuropäischen Festland. Ferner hatten es deutsche Überwasserschiffe sowie U-Boote nicht vermocht, den gewaltigen Strom von Personal und Material aus Amerika nach Großbritannien zu stören, geschweige denn zu unterbrechen. Nicht zuletzt aber scheiterten alle Versuche, zutreffende Kenntnisse über die Absichten und Möglichkeiten der Alliierten in Erfahrung zu bringen: Ort, Zeit und Stärke des Angriffs auf das „Europäische Kriegsreich“ blieben den Deutschen bis zum Augenblick der Landung unbekannte.

Darüber hinaus war man in der Lage, Verteidigungsvorbereitungen in Ländern durchzuführen, die über exzellente Infrastrukturen (Straßen, Schienen-, Wasserwege, Werkstätten, Depots und dergleichen) verfügten. Allerdings gelang es den alliierten Bombern und der Widerstandsbewegung, bis zum D-Day, vieles davon zu zerstören. Ende Mai stauten sich deshalb in Belgien und Ostfrankreich Tausende von Versorgungszügen, die wegen des defekten Schienennetzes nicht weiter nach Westen fahren konnten.

Im Gegensatz zu den Alliierten verfügten die Deutschen über keine zentrale Kommandobehörde, in der alle Meldungen für den Fall einer Landung zusammenliefen. Vielmehr bestand ein buntes Gemische aller möglichen Nachrichtenstellen.

4.1. Wo werden sie Landen?

Die Vielzahl der Geheimdienststellen und ihre mangelnde Zusammenarbeit brachte es selbstverständlich mit sich, dass Meldungen nicht genügend verglichen und auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht wurden. Schon sehr frühzeitig stand für die Verteidiger fest, dass der Hauptangriff am Pas de Calais erfolgen müsste, weil die Alliierten zweifellos auf dem schnellsten Weg ins Ruhrgebiet vorstoßen wollten. Gleichzeitig konnten sie aber mit ihrem gewaltigen Potential Ablenkungsoperationen praktisch an allen Küstenabschnitten Europas durchführen. An dieser Beurteilung der Lage hielt Hitler, der Wehrmachtführungsstab, Rundstedt und Rommel im Grunde bis über die Landung hinaus fest.

Eine Landung wäre eher zwischen der Sommemündung und Cherbourg wahrscheinlich. Zum gleichen Ergebnis kam im Mai 1944 auch das Luftflottenkommando 3, nachdem die Alliierten Seine- und Loirebrücken bombardiert hatten. Als die Luftwaffenoffiziere davon ihrer vorgesetzten Kommandobehörde Meldung machten, gelangte es dem Intelligence Service jedoch, die Nachricht abzufangen. Sie gingen nach wie vor von einer Invasion weiter nordöstlich aus, wobei der Gegner, aller Erfahrungen nach, in der Nähe großer Häfen landen Würde. Man hatte zwar die Betonkästen („Mulberries“) in britischen Häfen gesichtet, wertete sie aber als bloße Einschiffungshilfen für die alliierten Truppen.

Neben den Landeort war natürlich das Datum und die Uhrzeit des Invasionsbeginn für die Verteidiger von eminenter Wichtigkeit, wollten sie ihre Verbände an der Küste nicht in einem permanenten, Strapaziösen Alarmzustand belassen. Nach den Winterstürmen, vor allem im Monat Mai, wenn mindestens die Garantie von fünf aufeinander erfolgenden schönen Tagen gegeben sei, müsste nach deutschen Erkenntnissen die Invasion wohl erfolgen. Darüber hinaus gaben Landungsübungen der Alliierten in England, sowie die bereits erfolgte Operation an den italienischen Küsten mancherlei Hinweise auf die Art und den Beginn der Invasion. Danach rechneten die deutschen Kräfte zunächst mit vehementen Bombardierungen ihrer Verteidigungsanlagen, dem Einsatz von Fallschirmjägern und Panzerverbänden von Beginn an, sowie einer mächtigen Feuerwalze durch gegnerisches Schiffsgeschütz auf die Küstenzone. All dies würde im Morgengrauen des Angriffstages, etwa zwei bis drei Stunden nach Niedrigwasser, stattfinden

Im Bereich zwischen LeHavre und Cherbourg, dort wo manche Marineoffiziere die Landung erwarteten – herrschten nur am 5. bis 7. Juni optimale Bedingungen für eine Invasion. Ähnlich günstig Verhältnisse würden erst wieder um den 19. des Monats bestehen – dann allerdings ohne die für die alliierte Luftwaffe so wichtige Mondhelligkeit. All dies rüttelte indes Hitler, Jodl (Chef des Wehrmachtsführungsstabs), Rundestedt und auch Rommel nicht auf. Sie wichen von ihrem seit Jahren feststehenden Feindlagebild keineswegs ab. Lediglich Hitler selbst hatte kurze Zeit die Intuition, in der Normandie beständen günstige Verhältnisse für die Landung von Fallschirmjägern. Die daraufhin erfolgten Verstärkungen in diesem Bereich vermochten allerdings am Gesamtkonzept der Abwehr nichts mehr zu ändern.

4.2. Strategische Perspektive

Die von den deutschen Nachrichtendiensten ermittelte Stärke der Alliierten in Großbritannien

Zwang die Truppen naturgemäß dazu, an allen Küsten präsent zu sein. Eine echte Schwerpunktbildung war so nicht möglich, denn überall konnten ja zumindest Nebenoperationen erfolgen. Noch dazu musste die Wehrmacht den Hauptteil ihrer militärischen Ressourcen nach wie vor an der Ostfront gegen den mächtigen Ansturm der Roten Armee konzentrieren. Im Sommer 1943 erforderten die Kämpfe in Italien neue Kräfte. Weiter war sie gezwungen, viele Divisionen in die Partisanengebiete Jugoslawiens und Griechenlands zu entsenden. Dies zusammengenommen überforderte die Möglichkeiten der deutschen Kräfte bei weitem. Im Westen aber drängte alles auf eine endgültige Entscheidung hin. Gelänge es den Alliierten irgendwo an der Westküste Europas Fuß zu fassen, wäre der Krieg für Deutschland verloren. Bereits Ende 1941 wurde deshalb Planungen für einen Atlantikwall erstellt, der in unmittelbarer Nähe der Küste eine Unzahl von Befestigungsanlagen, Bunkern, Artelleriegeschützen, Luftabwehrwaffen, Hindernissen und Sperren vorsah.

4.3. Der Atlantikwall

Nach dem Beispiel bereits in Norwegen errichteter Anlagen, gingen in den folgenden Monaten und Jahren Hunderttausende von Ausländern und Deutschen daran, zunächst die französisch-belgischen, später auch alle anderen Küstenabschnitte am Kanal zu befestigen. Den deutschen Organisationen gelang insgesamt gesehen eine imposante Leistung: Bis zum Invasionstag hatten sie 12.247 der ursprünglich geplanten 15.000 Verteidigungsanlage fertig (am Mittelmeer nochmals 943), 5.000.000 Vorstrandhindernisse und 6,5 Millionen Mienen verlegt. Das war vor allem dem agilen Feldmarschall Rommel zu verdanken, der alle Hebel in Bewegung setzte, die Küste zu einem für die Alliierten furchterregenden Hindernis werden zu lassen. Die Sache hatten nur einen kleinen Haken: Rommel war, wie die anderen deutschen Führer, auf eine Landung in der Pas de Calais-Zone fixiert und verstärkte naturgemäß im Bereich der 15. Armee besonders sorgfältig. Dort, wo die Alliierten aber tatsächlich landeten, gestalteten sich die Abwehrvorbereitungen weniger günstig. Obwohl Arbeiter und 3.765 Kraftfahrzeuge zu Verfügung standen, konnten bis Mai 1944 nur etwa die Hälfte des einst vorgesehenen Programms verwirklicht werden.

Besonders was die Marinegeschütze, die weit auf See hinaus wirken sollten, betraf, lag, vieles im Argen. Auch konnten nur ein kleiner Teil der zweiten Verteidigungslinie, etwa 20-30 km hinter der Küste geplant, verwirklicht werden.

4.4. Die deutschen Kräfte – Mangel an Mensch und Material

Wie war es nun aber um die materiellen Voraussetzungen, den Kampfwert und endlich die Moral der deutschen Streitkräfte im Westen bestellt?

Was die Einatzbereitschaft der Verbände im Westen vor allem minderte, war der zunehmende Mangel an Betriebstoff. Die alliierte Bombardierung deutscher Treibstoffwerke hatte auch hier einschneidende Folgen: Ausbildungsvorhaben mussten gekürzt, Depots verringert und Transporte zeitlich gestreckt werden. Oftmals behalfen sich die Deutschen jetzt mit Fahrräder und Pferden. Dünner wurde allmählich auch die personelle Decke im deutschen Lager. Der ungeheure Menschenverlust besonders im Osten zwang Hitler, neuen Ersatz für die kämpfenden Truppen freizubekommen.

Im Westen standen insgesamt 1.870.000 Mann, in Norwegen 310.000 und in Dänemark 170.000 .Allein in Paris aber befanden sich zu der Zeit 50.000 Soldaten in unzähligen Dienstellen. Dieser Vorgang zeigte einmal mehr, wie kompliziert und verfilzt die Kommandostruktur im Westen bereits gediehen war. Niemand vermochte mehr zu beurteilen, ob eine Behörde über zuviel oder zuwenig Personal verfügte. In den SS Divisionen taten oft mehr als 50% erst 20 jährige Dienst und in den „bodenständigen“ Verbänden fanden sich viel zu alte Soldaten wieder. Was die Personalnot zusätzlich verschärfte, war die Bombardierung wichtiger Verkehrs- und Rüstungsbetriebe im besetzten Westen. Zur Reparatur der so entstandenen Schäden wurde immer mehr Menschen benötigt.

Auch was die Ausrüstung der Verbände anlangte, rangierten die Einheiten hinter den Divisionen im Osten und Süden. Nicht immer bekamen sie modernstes Gerät geliefert, oft mussten sie sich mit zum Teil veraltetem Beutematerial begnügen. Das überforderte naturgemäß manchmal das technische „know how“ der Benutzer und verkomplizierte die Versorgungswege. Mit ähnlichen Problemen hatten sich die fliegenden Verbände der Luftflotte 3 und des IX. Fliegerkorps herumzuschlagen. Nur über 900 Maschinen verfügte die Luftflotte Ende Mai 1944, wovon allerdings gerade 650 Flugzeuge einsatzbereit waren (in Norwegen: 145 Maschinen). Das IX. Fliegerkorps, dessen Bomber in den Wochen vor der Landung Häfen in Großbritannien angegriffen hatten, ohne allerdings großen Schaden anzurichten, meldete Ende Mai 100 startklare Flugzeuge. Im Dezember 1943 waren es noch 350 Maschinen gewesen. Für den Fall einer Invasion plante die deutsche Führung etwa 1000 Flugzeuge aus allen Teilen des besetzten Europa in den Westen zu verlagern.

Schon von der Zahl her befanden sich die deutschen Kräfte – auch wenn diese Zuführungen berücksichtigt werden – demnach in einer hoffnungslosen Unterlegenheit. Man schaffte es zwar, die Produktion von Flugzeugen auch im Jahr 1944 beträchtlich zu steigen, dieser höhere Ausstoß hielt aber mit einer effizienten Ausbildung geeinigter Piloten nicht mehr Stand. Nachdem die Mehrzahl der großen Schiffseinheiten nach Norwegen oder Deutschland verbracht worden war, blieben im Westen 3 Zerstörer, 5 Torpedoboote, 34 Schnellboote, 163 Minensucher und 34 U-Boote. Wegen der Schwäche der deutschen Luftwaffe konnten sie aber bei Tageslicht kaum die durch Flugabwehr geschützten Häfen verlassen.

Die Soldaten im Westen zu einer fanatischen Truppe zu machen, schien aus mehreren Gründen schwierig. Die lange Verweildauer fern der Front hatte hier zu typischen „Etappenerscheinungen“ geführt. Zu nehmend sorgloser, ja leichtsinnig verhielten sich manche Wehrmachtsangehörige: verloren ihre Waffen und Ausrüstungsgegenstände, ließen sich mit Frauen ein, unterlagen also besonders in Frankreich den Verlockungen des Landes und Volk. Bestrafungen durch Militärgericht und Disziplinarvorgesetzte dämmten diese Tendenz nur unwesentlich ein.

4.5. In Erwartung der Landung

Auf höchster Ebene, im Kreise Hitlers und seiner Generäle, gab man sich kurz vor der Invasion zuversichtlich. Während Hitler die Landung kaum erwarteten konnte, weil er vom Sieg der deutschen Waffen überzeugt war, zeigte sich vor allem Rommel äußerst optimistisch. Er hatte seiner Ansicht nach alles Menschenmögliche am rechten Ort getan, um die Alliierten einen heißen Empfang zu bereiten.

Nachdem Eisenhower den Landetermin wegen schlechten Wetters vom 5 auf den 6. Juni verschoben hatten, beorderte SHAEF alle bereits in See befindlichen Schiffe zurück in die nächstgelegenen Häfen. Einen Konvoi mit etwa 135 Fahrzeugen erreichte dieser Befehl indessen nicht. Er dampfte allein der normannischen Küste zu. Erst 25 Seemeilen südlich der Insel Wight gelang es den Alliierten, den Konvoi zu erreichen und zu Stoppen. Zum Glück für die Invasionsarmee hatten die Deutschen von alldem nichts mitbekommen. See- und Luftaufklärung im Bereich Normandie waren wegen des schlechten Wetters ausgesetzt worden.

Für eine beginnende Invasion existieren jedoch wesentlich deutlichere Anzeichen: Bereits Mitte Mai teilte der deutsche Sicherheitsdienst in Frankreich mit, für die Armee Secrete (franz. Partisanenorganisation) bestünde ab sofort höchste Alarmbereitschaft und mit einer Invasion sei deshalb zwischen dem 20. des Monats und dem 10. Juni zu rechnen.

Am 1. desselben Monats bemerkte der Marinenachrichtendienst ein weiteres Indiz für den bevorstehenden Angriff: Die Alliierten hatten bereits nach 30 Tagen Laufzeit ihre Schlüsselunterlagen im Funkverkehr gewechselt, was sonst nur alle drei Monate geschah. Auch war ihre Absicht jetzt unverkennbar, alle Funkmessstellen der Verteidiger an der Küste durch Bombardierungen auszuschalten.

Am 1. und 3. Juni schließlich bekam die deutsche Kommandobehörde von britischer Seite ganz öffentlich deutliche Hinweisen auf die Invasion: BBC hatte nämlich für die Widerstandsbewegungen in Westeuropa wiederholt den ersten Teil einer Strophe von Verlaines Gedicht durchgegeben, der Lautete: „Les sanglots longs des violons de I’automme“.

Sollte der dazugehörige zweite Teil folgen, so wussten die deutschen Geheimdienste, würde die Landung innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Prompt geben die Briten die Fortsetzung „blessent mon coeur d’une longueur monotone“ am 5. Juni gegen 21. 15 Uhr bekannt.

Kurz nach Mitternacht wurden Luftlandungen an der Orne und auf der Halbinsel Cotentin gemeldet. Jetzt lösten das LXXXIV. Armeekorps in der Normandie und wenig später die 15. Armee Alarmstufe II aus. Marinegruppe West und Luftflotte 3 folgen mit gleichen Maßnahmen. Auch jetzt aber vermuteten die höchsten Kommandobehörden im Westen hinter all dem noch keine Großlandung, so dass Aufklärung mit Kriegsschiffen unnötig schien. Außerdem waren die Wetter- und Gezeiten-Verhältnisse dafür denkbar ungünstig.

Als aber gegen drei Uhr morgen am 6. Juni ein paar Schiffe vor Port en Bessin gesichtet wurden, gab man den Befehl, von See her aufzuklären. Eineinhalb Stunden später liefen dann die ersten Torpedoboote von Le Havre aus. Gegen 6.45 Uhr schiene sich die Lage wieder etwas zu entspannen, denn der Chef des Stabes bei der 7. Armee meldete, entgegen früheren Vermutungen sei keine Landung von See her zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt stand aber die Küstenbefestigungen bereits unter dem Feuer er alliierten Schiffsartillerie. Das AOK 7, so der Offizier weiter, rechne damit, die Lage aus eigener Kraft bereinigen zu können. Wenig später näherten sich unzählige Landungsboote im Feuerschutz von Kriegsschiffen und Flugzeugen der normannischen Küste. Die Invasion hatte begonnen, und den Alliierten war auch die taktische Überraschung gelungen.

5. Der Ablauf der Invasion

5.1. Luftoperationen der Alliierten

Die 8.US-Air flog zur Vorbereitung der Invasion 4 Einsätze mit schweren Bombern über der Normandie.

1. Einsatz:

Es flogen 1.361 Bomber von denen 1.015 die deutschen Küstenstellungen angriffen. 47 Maschinen bombardierten Warenumschlagsplätze in Caen und 21 Bomber andere Ziele. Durch schlechte Sicht und das teilweise Fehlen von Pfadfindern kam es öfters zu Fehlabwürfen der Bomber.

2. Einsatz:

Es wurden weitere wichtige Transportpunkte im vorgesehenen Invasionsgebiet bombardiert. Allerdings mussten die meisten der 528 Bomber durch die nun geschlossene Wolkendecke mit ihrer Bombenlast wieder umkehren. 37 Maschinen griffen aber ihr Ziel bei Argentan an.

3. Einsatz:

Das Ziel der dritten Welle war das Kommunikationszentrum in Caen. 56 B-24 Bomber warfen ihre Bomben durch die Wolkendecke.

4. Einsatz:

Die vierte Welle griff mit 553 Bombern Ziel in Vire, Saint-Lo, Countance, Falaise, Lisieux, Thury-Harcourt, Pontl’Eveque, Argentan und Conde-sur-Noireau an.

Insgesamt warfen die Bomber der 8.US-Air Force 3.596 t Bomben auf die Normandie. Dabei verloren sie nur 3 Maschinen durch deutsche Flak-Feuer und eine Kollision.

Die Begleitjäger der 8.US-Air Force (P-51 Mustang) sollten nicht nur die Bomber begleiten, sondern auch auf jedes bewegende Ziel im Kampfgebiet schießen und die alliierten Schiffe beschützen. Die Jäger flogen insgesamt 1.880 Einsätze. Dabei attackierten sie 17 Brücken, 10 Rangierbahnhöfe und etliche andere Ziele, darunter Konvois, Güterwagen, Straßen- und Schienenkreuzungen, Gleisanlagen, Tunnel und einen Damm. Die Jäger trafen nur auf geringen deutschen Widerstand. Die Jäger konnten 28 deutsche Maschinen auf den Boden zerstören und 14 schwer beschädigen. Weiterhin konnten sie eine Anzahl von Lokomotiven, LKWs, Tankwagen, Panzerwagen, Lastkähne und Schlepper beschädigen b.z.w. zerstören.

Die 8.US-Air Force verlor bei den Einsätzen 25 Jäger.

Die 9.US-Air Force griff mit mehr als 800 A-20 und B-26 Bombern die deutschen Küstenbatterien, Straßen- und Schienenkreuzungen, sowie Brücken an. Mehr als 2. 000 Jäger begleiteten Sturzkampfbomber und Tiefflieger auf ihren Angriffsmissionen an der französischen Normandieküste. Etwa 30 Maschinen gingen verloren.

5.2. Absprung in der Normandie

Am Abend des 5.Juli 1944 starteten zwischen 22 Uhr und 24 Uhr etwa 1.300 Transportmaschinen und Lastensegler mit ca. 18.000 Fallschirmspringern der alliierten Luftlandedivision. Die ersten Markierungstrupps für die Landezonen der nachfolgenden Fallschirmjäger und Lastensegler sprangen zwischen 0 Uhr und 0:20 Uhr ab. Eine Stunde Später sprang dann die 101. Luftlandedivision mit dem Auftrag die vier Strandausgänge zu bemächtigen, sämtliche Straßen die über das überflutete Gelände führten zu besetzen, sowie zwei Brücken und Schleusen zu besetzen, die über den Douve führten ab. Wenige Minuten später sprang dann die 82. Luftlandedivision mit dem Auftrag zwei Landezonen zu beiden Seiten des Flusses Merderet zu sichern ab. Um Landungen der alliierten Luftlandetruppen zu verhindern, wurden mutmaßliche Landezonen mit so genannten Rommelspargeln (Pfähle die etwa 1,80m hoch waren und hatten einen Durchmesser von etwa 30 cm. Sie wurden senkrecht in den Boden gerammt.) versehen. Rommel forderte pro Quadratkilometer 1.000 Pfähle. Die untereinander verdrahtet und mit Mienen oder Artilleriegranaten versehen werden sollte. Dazu blieb aber keine Zeit mehr.

Aufgrund der immer noch dichten Bewölkung über der Normandie und des starken einsetzenden Flak-Feuers der Deutschen hatten vor allem die amerikanischen Piloten der Transportmaschinen Probleme, die Flugverbände zusammenzuhalten. Piloten, die dem Flak Beschuss ausweichen wollten, kamen oft vom Kurs ab oder gingen im Sturzflug unter die mindest Höhe und Stürzten ab. Viele flogen die falsche Landezone an. Einige Einweiser wurden Falsch abgesetzt. Da ihnen nur wenige Minuten zur Verfügung standen, um die Landezonen mit Leuchtzeichen zu Markieren, dirigierten sie die anfliegenden Maschinen einfach dorthin, wo sie sich gerade befanden. Schätzungsweise 1500 der 6600 Fallschirmjäger

der 101. Luftlandedivision landeten außerhalb des Operationsgebiets der Division. Die Fallschirmjäger verstreuten sich über ein sehr großes Gebiet.

In der Dunkelheit irrten die Soldaten herum; versuchten ihre Einheit und ihre Ziele, wie Brücken, Kreuzungen und Städte zu finden.

Viele schwer bepackten Fallschirmjäger ertranken in den Überschwemmten Feldern. Die allgemeine Verwirrung war bei den Deutschen und bei den Alliierten groß. In diesen Nachtstunden gab es noch keine großen Gefechte. Nur hier und da wurde um kleinere Ortschaften gekämpft und kleinere Stoßtrupps der beiden Seiten beschossen sich gegenseitig.

Die Luftlandung war nicht gerade der Erfolg den sich die Amerikanischen Offiziere erhofft haben. Wenige der Geplanten Ziele wurden von denn Fallschirmjägern besetzt.

5.3. D-Day: Die größte Landeoperation aller Zeiten

Die deutschen Truppen ließen die Nacht zum 6. Juni 1944 ruhig angehen. Wer dienstfrei hatte, ging in den Puff oder in eines der Wirtshäuser an der normannischen Küste. Für die Alliierten begann der Angriff auf die „Festung Europas“.

In völliger Funkstille machten sich 5.300 Schiffe, 2.000 Jagdflugzeuge (zur Unterstützung der Bodentruppen) wie 1.000 Bomber in der Nacht zum 6. Juni 1944 auf den Weg an die französische Normandieküste. Um 2:30 Uhr waren die Flaggschiffe in Position. Bis zum D-Day waren es noch vier Stunden. Die Landungsboote hatten bis zum Strand eine Strecke von 17 km zurückzulegen. In der Dunkelheit und auf dieser Entfernung war die Küste noch nicht auszumachen. Der Wind, der mit einer Stärke von 18 Knoten (etwa 26 km pro Stunde) aus westlicher Richtung wehte verursachte eine Wellenhöhe von etwa 1,20 Meter. Die ersten Soldaten kletterten 4:50 Uhr in die Landungsboote. Mit der ersten Welle sollten auch Pioniere und Sprengtrupps angelandet werden. Die Schwimmfähigen D-Day Panzer waren zur Nahunterstützung vorgesehen. Gegen 5:30 Uhr begannen deutsche Küstenbatterien die Schiffe der Landungsflotte unter Beschuss zu nehmen. Die Lage wurde zusehend Kritischer. Viele der Landungsboote sind wegen des heftigen Beschusses auf Grund gelaufen. Daraufhin eröffneten die Schiffe der alliierten Deckungsflotte das Feuer. Zeitgerecht liefen um 6:30 Uhr die Landungsboote der ersten Angriffswelle auf den Strand. Die Meisten Landungsboote liefen noch mindestens 90 Meter vom Strand entfernt auf Grund und die Schwerbepackten Infanteristen sprangen in das manchen stellen fast zwei Meter tiefe eiskalte Wasser. Viele konnten sich wegen ihres Gepäcks nicht über Wasser halten und ertranken. Die Soldaten, denen es gelang, festen Boden unter die Füße zu bekommen mussten immer noch mehr als 180 Meter deckungslosen Strand überwinden, um in den Schutz der Deiche zu gelangen. Kurz nach Sonnenaufgang gingen dann nacheinander alliierte Truppen in den einzelnen Landungsabschnitten (Utah, Omaha, Gold, Sword und Juno) an Land. Sie marschierten direkt ins Sperrfeuer der Deutschen. Das heftige und genaue deutsche Abwehrfeuer kam aus Stellungen in den Steilhängen, die den Strand überragten. Aus Schützengräben und Bunkern feuerten die Deutschen Granaten und Maschinengewehrsalven in die landenden Menschentrauben, die auf dem ebenen Strand dem Beschuss völlig schutzlos ausgeliefert waren. In der rasch steigenden Flut ertranken viele Verwundete. Einige Strandabschnitte waren derart übersät mit Männern und Ausrüstungsgegenständen, dass das Anlanden von Fahrzeugen der Artillerie nicht möglich war.

Zu diesem Zeitpunkt hielt Hitler die Invasion in der Normandie noch immer an ein Täuschungsmanöver der Alliierten. Die deutschen Generäle hatten wohl mit der Invasion gerechnet – allerdings dort, wo der Seeweg zwischen Großbritannien und Frankreich am kürzesten ist. Dort standen die meisten deutschen Truppen, dort war der so genannte Atlantikwall. In den übrigen Abschnitten der insgesamt mehr als 4.600 Kilometer langen Küstenlinie lagen die deutschen Bunker, Maschinengewehrnester, Minenfelder und Drahtverhaue bei weitem nicht so dicht aneinander.

Inzwischen hatten sich die Alliierten an allen fünf Stränden festgesetzt. Die meisten Bunker des Atlantikwalls waren geknackt, die deutsche Infanterie kämpfte ohne Unterstützung aus der Luft gegen die ständig wachsende Übermacht. Im Frühjahr hatte Reichsmarschall Hermann Göring, Chef der deutschen Luftwaffe, noch großspurig 1000 Jagdflugzeuge für den Fall der Invasion versprochen. Doch der graue Himmel über der Normandie blieb fast frei von deutschen Fliegern. Dafür machten alliierte Flugzeuge fast ungestört mit Bomben und Bordwaffen Jagd auf die deutschen Soldaten.

Im Verlauf des Tages gelang der Vormarsch über die Strände hinweg ins Landesinnere. Die deutschen Stellungen, die zu einigen Teilen sogar mit Soldaten aus eroberten oder befreundeten Ländern besetzt waren, wurden nach und nach erobert.

Als um 22 Uhr „am längsten Tag“ die Sonne unterging, kontrollierten die Alliierten nach blutigen und verlustreichen Schlachten mit ca. 170.000 Mann die Gesamtfläche auf einer Breite von 99 km Länge und 30 km Tiefe zwischen St.Mere Eglise auf der Halbinsel Cotentin im Westen, und Ouistreham im Osten. Schätzungen zufolge kostete der D-Day die Alliierten ca. 12.000 Tote und Verwundete Soldaten. Auf deutscher Seite wurde eine Division fast vollständig vernichtet und eine Panzerdivision hatte schwere Verluste erlitten.

5.3.1. Überlebende schildern den D-Day „ Es war eine einzige Hölle“

„Es war eine einzige Hölle. Der ganze Strand lag unter Kreuzfeuer. Links und rechts explodierten die Granaten. Deckung gab es nur im Wasser, wir sind fast ertrunken. Aber du kannst nicht ewig liegen bleiben, du kannst nicht zurück. Es gab nur ein Weg: Vorwärts, du hattest keine Wahl,“

US-Soldat, Landeabschnitt „Omaha Beach“

„Sehr viele blieben auf den Strand liegen. Was wir nicht begreifen konnten das immer wieder neue Männer kamen. Der ganze Strand lag voller Soldaten die entweder tot oder verwundet waren und es kamen immer wieder neue hinzu.“

Deutscher MG-Schütze, Landeabschnitt „Utah Beach“

„Die Männer in unserem Sturmboot hatten von den langen stehen in dem eiskalten Wasser halb erfroren Füße. Sie waren müde, weil sie seit drei Stunden ihr schweres Gepäck trugen. Viele von ihnen waren seekrank. Sie haben sich schließlich in das kalte Wasser gesetzt, das am Boden des Bootes herumschwappte, weil sie nicht länger stehen konnten. So geschwächt waren wir, als wir den Sturm auf den Strand antraten. Rief niemand „Ich will hier raus.“ Alle waren erpicht darauf endlich zu landen.“

US-Soldat, Landeabschnitt „Omaha Beach“

„Als die Rampe runter ging, war das das Signal für jedes MG am Strand, auf unsere Luke zu feuern. Der Leutnant wurde sofort niedergeschossen, zusammen mit einigen Kameraden um ihn herum“

US-Soldat, Landeabschnitt „Omaha Beach“

„Wir haben praktische schon in die Boote rein geschossen.“

Deutscher MG-Schütze, Landeabschnitt „Juno Beach“

„Ein Leutnant ist kreidebleich, mit einem Fernglas in der Hand, rüber gekommen und hat gesagt: „Nun geht’s los“

deutscher Soldat, Landeabschnitt „Utah Beach“

„Das waren ganz arme Kerle da unten. Von den ersten die angekommen sind ist fast niemand durch gekommen.“

deutscher Soldat, Landeabschnitt „Gold Beach“

„Mein Bruder war erst 19. Wir alle aus Bedford waren wie Brüder und sie alle wurden innerhalb von nur 15 Minuten getötet außer zwei andern Kameraden die ich nicht kannte und ich. Wir alle waren gut ausgebildet. Doch eine Kugel weiß das nicht.“

US-Soldat, Landeabschnitt „Utah Beach“

„Das war ein Gemetzel, was wir angerichtet haben, ein richtiges Gemetzel. Sie konnte ja nicht in Deckung gehen, wir dagegen schon.“

Deutscher Soldat, Landeabschnitt

„Omaha Beach

„Nur zwei von Dreißig aus unserem Landungsboot haben überlebt.“

US-Soldat, Landeabschnitt „Sword Beach“

5.3.2. Schlussbetrachtung des D-Days:

Letztendlich waren es nicht nur die überwältigenden Truppen- und Materialüberlegenheit der Westalliierten, welche die Invasion zum Erfolg führte. Durch weit reichende Kompetenzstreitigkeiten innerhalb des Oberkommandos der Wehrmacht und der Allmacht Hitlers wurde eine geordnete Verteidigungsvorbereitung sowie eine schnelle Reaktion auf den alliierten Großangriffen verhindert. Besonders Hitlers anfängliche Weigerung, die Panzertruppen direkt nach dem Beginn der Invasion Richtung Normandie in Bewegung zu setzen, trug dazu bei, dass die Alliierten die ersten kritischen Meter auf den Strand schafften und Fuß fassen konnten auf dem europäischen Festland.

5.4. Der Durchbruch

Bis zum 12.6.1944 war es den Alliierten gelungen, 326.000 Soldaten, 54.000 Fahrzeuge und 104.000 Tonnen Material an Land zu setzen. Nach Plan sollte Cherbourg mit dem wichtigen Hafen noch am Invasions-Tag besetzt werden, das gelang jedoch erst drei Wochen später. Der Durchbruch ins französische Hinterland war für den 27.6. 1944 vorgesehen, glückte aber erst am 1.8.1944 bei Avranches. Das französische Hinterland stand den Alliierten nunmehr für einen weiträumigen Bewegungskrieg und für die Befreiung Frankreichs offen. Die Invasions-Schlacht hatte bis dahin auf deutscher Seite 114.000 Gefallene und 41.000 Gefangene gekostet, die Alliierten hatten 122.000 Mann verloren. Nach erheblicher Verzögerung beim Ausbruch aus der Halbinsel Cotentin kam dann der alliierte Vormarsch unter dem dichten Luftschirm der alliierten Luftwaffe rasch voran, und mit dem Fall von Paris am 25.8.1944 war man im Osten wieder im Plan (D-Day + 90 Tage), während sich die Eroberung der Bretagne bis 18.9.1944 hinzog und einige Atlantikfestungen sogar bis Kriegsende hielten. Mit einer weiteren Landung in Süd-Frankreich flankierten die Alliierten am 15.8.1944 die Invasion, so dass die deutschen Truppen im Westen des Landes in Gefahr gerieten, abgeschnitten zu werden, und sich nach Osten zurückziehen mussten. Am 11.9.1944 trafen sich die beiden Invasions-Arme bei Dijon, am gleichen Tage erreichten amerikanische Truppen bei Trier erstmals die Reichsgrenze.

6. Der weitere Verlauf des Krieges

Am 2.9.1944 wurde die Belgische Grenze überschritten. Am 5.September war auch Brüssel befreit. In Jugoslawien drängten Russen und Partisanen die Deutschen zurück. Griechenland musste aufgegeben werden. Aachen war das Tor ins Deutsche Reich. Die Alliierten machten die Stadt dem Erdboden Gleich.

Im Letzten Kriegsjahr versuchten die Deutschen eine Letzte Offensive zu Starten. In der Ardennen-Offensive (16.01.1945) rückten die Deutschen zehn Tage lang vor. Die Amerikaner waren auf einen solchen Angriff nicht gefasst. Allerdings ging den Panzern das Benzin aus. Sie mussten ihren Vorstoß aufgeben.

Am 20.01.1945 drang die Rote Armee in Ostpreußen ein. Ungarn war bereits zum größten Teil an die Russen verloren. Am 31. Januar 1945 überschritten russische Verbände die Oder. Sie waren nur noch 80 km von Berlin entfernt. Am 16.03.1945 überschritten die Amerikaner bei Remagen den Rhein. Ihr nächstes Ziel war das Ruhrgebiet.

Einen Monat später begann die Schlacht um Berlin. Sie Stießen auf erbitterten Widerstand, der sie nur langsam vorankommen ließ. Die Westmächte konnten währenddessen das Ruhrgebiet einnehmen und bis nach Leipzig und Nürnberg vorrücken.

Der deutsche Wille war gebrochen. Das Reich zerfiel, während sich der Führer in einem Bunker in Berlin versteckte und auf Wunder hoffte. Als die Russen nur noch wenige Strassen entfernt waren, nahm sich Adolf Hitler am 30.04.1945, zusammen mit seiner Frau Eva und seinem geliebten Schäferhund das Leben. Am 8.5.1945 wurde die bedingungslose Kapitulation von General Jodl, im Auftrag von Dönitz unterzeichnet. Als die letzten Deutschen Truppen in den folgenden Tagen kapitulierten, waren unter anderen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt schätzt man die Zahlen der Menschenverluste im Zweiten Weltkrieg auf über 50.000.000.

7. Bergriffserklärung

D-Day:

Das Kürzel D-Day (ebenso wie H-Hour) hat keine bestimmte Bedeutung, außer dass damit der Zeitpunkt einer größeren militärischen Operation gemeint ist. D-Day wird dabei als Kürzel für Decision Day (Entscheidungstag) angesehen, doch ist die Herkunft des Begriffes nicht gesichert. Als alternative Erklärung findet man häufig auch, dass D und H einfach Wiederholungen von Day beziehungsweise Hour sind. Die erste nachweisliche Nutzung der Begriffe findet sich in der Field order Number 9, First Army, American Expeditionary Forces vom 7. September 1918 im Ersten Weltkrieg. Dort heißt es:

The First Army will attack at H hour on D day with the object of forcing the evacuation of the St. Mihiel. ”Combat Orders” der “general Service Schools” in Fort Leavenworth, Kansas, 1922

Vermutlich wurde dies zunächst nur als Platzhalter für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Uhrzeit verwendet, wobei diese noch nicht feststanden.

Erstmals wurde D-Day als Code für den Sturmangriff amerikanischer Truppen auf die zum damaligen Zeitpunkt zum Deutschen Reich gehörende lothringische Stadt Saint-Mihiel während des Ersten Weltkrieges im September 1918 verwendet.

Der Begriff D-Day bezeichnet im deutschsprachigen Raum den 6. Juni 1944, den Tag an den die alliierten Truppen in der Normandie landeten. Das ist die berühmteste Bedeutung des

D-Days.

Invasion:

Ist die allgemeine Bezeichnung für das Eindringen mit Truppen in feindliche Gebiete

Commonwealth-Staaten:

Die vier Bundesstaaten (Massachusetts, Kentucky, Pennsylvania und Virginia) die sich als Commonwealth Staaten bezeichnen, können synonym mit Bundesstaaten bezeichnet werden - es gibt keinen Unterschied, es ist lediglich ein anderer Ausdruck.

Angloamerika:

Englischsprachige Gebiete Nordamerikas (USA, Kanada)

Lord Louis Mountbatten:

Mountbatten war von 1943 bis 1946 Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Südostasien, wobei er sich im Birma-Feldzug auszeichnete.

In den 1950er und 1960er Jahren bekleidete er hochrangige Ämter bei der britischen Marine und bei der NATO, u. a. Erster Seelord von 1955 bis 1959.

Trident Konferenz:

Auf der Trident-Konferenz im Mai 1943 in Washington, beschlossen die Alliierten eine Landung an der Westküste Europas. Das in der Konferenz erörterte Datum war der Mai 1944.

Arcadia Konferenz:

Schon seit Anfang 1942 wurden von den Alliierten Pläne für eine Invasion des europäischen Festlands entworfen und kontrovers diskutiert. Der Beginn war die Arcadia-Konferenz in Washington D.C. zwischen den amerikanischen und britischen Führungsstäben, die vom 22. Dezember 1941 bis zum 14. Januar 1942 stattfand.

Dover:

Dover ist eine englische Stadt mit einem wichtigen Hafen am Ärmelkanal. Dover liegt in der Grafschaft Kent und hat etwa 35.000 Einwohner.

SHAEF:

Das Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (kurz SHAEF), war von Ende 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Hauptquartier der alliierten Streitkräfte in Nordwesteuropa.

Dünkirchen:

Dünkirchen (franz. Dunkerque; niederl. Duinkerke) ist eine Hafenstadt an der französischen Kanalküste im Département Nord im flämischen Sprachgebiet. Dünkirchen zählt mehr als 70.000 Einwohner, lebt vom Hafen und großen Industrieansiedlungen und beherbergt eine Universität mit ca. 10.000 Studenten.

Historische Bedeutung erlangte Dünkirchen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als hier die British Expeditionary Forces (Britisches Expeditionskorps, BEF) und Teile der geschlagenen französischen Armee von den Deutschen eingekesselt wurden. Die Truppen konnten aber zum größten Teil nach England evakuiert werden.

General Albert Coady Wedemeyer (1897–1989)

geboren am 9. Juli, 1897, Omaha, Nebraska, USA

1919 Absolvent der US-Militärakademie West Point.

1941 zum Kriegsanfang kurzzeitig Oberstleutnant

1941-1943 Stabsoffizier in der Planungsabteilung (war-plans division of the U.S. War Department). Er war Hauptautor der Invasionspläne für Europa einschließlich der Landung in der Normandie.

1943 Stabschef unter Mountbatten, der die Streitkräfte der Invasion in Südostasien befehligte.

8. Verzeichnis / Quellen

Internet:

www.zdf.de

www.wlb-stuttgart.de

www.dday.org

www.britannica.com

www.shoa.de/

www.shoa.de

www.6juin1944.com

www.biologie.de

www.dday-overlord.com

www.dhm.de

www.wlb-stuttgart.de

www.spiegel.de

Bücher: Tony Hall(Hrsg.)

Operation "Overlord"
Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944
Verlag: Motorbuch Verlag, Stuttgart

224 Seiten

1. Auflage 2004

Dan van der Vat
D-Day
Die Alliierte Landung in der Normandie
Verlag: Collection Rolf Heyne

110 Seiten

1. Auflage 2002

Tim Ripley

Die deutschen Spezialeinheiten und ihre Waffensysteme

SS-Spezialeinheit

Verlag: Kaiser

191 Seiten

1. Auflage 2003

Filme: Band of Brother

Regisseur: Steven Spielberg und Tom Hanks

Der Soldat James Ryan

Regisseur: Steven Spielberg

40 von 40 Seiten

Details

Titel
Landung der Alliierten in der Normandie
Autor
Jahr
2006
Seiten
40
Katalognummer
V109979
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landung, Alliierten, Normandie
Arbeit zitieren
Nick Fischer (Autor), 2006, Landung der Alliierten in der Normandie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109979

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