Zum Wesen der Utopie und utopischen Elementen in Geheimbünden


Seminararbeit, 2001

16 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Utopie und Chiliasmus

3. Zur Überlieferung antiken Geheimwissens in der europäischen Tradition

4. Bemerkungen zum „Religiösen“ und „Geheimen“ in der Utopie

5. Die Illuminaten und das Utopische

6. Anmerkungen

1. Einleitung

Die Frage nach dem eigentlichen Wesen der Utopie wurde in den einzelnen Sitzungen des Seminars jeweils nur am Rande gestellt und eine tiefergehende Beantwortung blieb aus. Lediglich in der Sitzung vom 11.Juli, in der es u.a. um Johann Valentin Andraes Biographie ging, wurden im Kontext zu Richard von Dülmens „Die Utopie einer christlichen Gesellschaft“ einige Ausführungen dazu gemacht.

Zur Auswertung v.a. im Hinblick auf realhistorische Auswirkungen der gelesenen Texte ist eine weitergehende Klarstellung des Begriffs des „Utopischen“ unumgänglich. Zwar enthält Klaus J. Heinisch Nachwort zu dem die drei wichtigsten Texte enthaltenen „Der Utopische Staat“ eine ausführliche Darstellung des gesellschaftlichen Hintergrundes der Autoren, der literarischen Gattungseinordnung und auch späterer Wiederaufnahme etwa bei Marx und Mao, aber eine eindeutige Definition des „Utopischen“ fehlt auch hier. Das mag sicherlich an der komplexen Thematik selbst liegen, die eine klare und kurzgefasste Definition erschwert. Vergleicht man die klassische Utopie jedoch mit anderen benachbarten Ideenbegriffen bzw. literarischen Gattungen mag sich ein klareres Bild darstellen.

Ein interessanter Ansatz dazu findet sich in Manfred Agathen´s „Geheimbund und Utopie - Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung“ (1987, München), auf dessen Aus-führungen ich die meinigen größtenteils stütze. Anhand des Vergleichs von „Utopie“ und „Chiliasmus“, den Agathen vornimmt, ergibt sich vielleicht doch so etwas wie eine brauch-bare Definition von „Utopie“.

Im zweiten und Hauptteil dieser Textfassung möchte ich einige notwendige Informationen zur Überlieferung und Synthese antiken, christlichen und vorderasiatischen sog. Geheimwissens – wie es sich etwa i.d. „Hermetik“ darstellt – geben, um dann am Beispiele des Illuminatenordens aufzuzeigen, inwieweit das „Utopische“ realhistorische Auswirkungen zeitigte bzw.die m.E. wesentliche Verschmelzung von „geheim“ und „utopisch“ im Rahmen der sog. Geheimgesellschaften tatsächlich existent war.

Ich stütze mich dabei v.a. auf schon erwähnten Manfred Agathen, des weiteren auf Helmut Reinalters „Die Freimaurer“ (2000,München), Hans Biedermanns „Das verlorene Meister- wort“ (1987, Graz)1, Georg Schusters Klassiker „Geheime Gesellschaften, Verbindungen und Orden“ (1905, Leipzig)2 sowie M.Baigent´s und R.Leigh´s „Der Tempel und die Loge“ (1990, Gladbeck)3. Letzteres enthält trotz der bei den Autoren leider allbekannten Schwächen einige aufschlussreiche Ausführungen.

An zusätzlicher Literatur ist noch D.A. Binders „Die diskrete Gesellschaft“ (1988, Graz) – enthält sehr viele großseitige Abbildungen und Erläuterungen zur Symbolik der Maurerei – Richard von Dülmens o.g. „Die Utopie einer christlichen Gesellschaft“ (1978, Stuttgart) so wie G.R.S. Meads „Fragmente eines verschollenen Glaubens“ (1902,Berlin) und Benjamin Walkers „Gnosis – Vom Wissen göttlicher Geheimnisse“ (1983, München) zu erwähnen. Letztgenannte Titel v.a. zur Erschließung des Gnostizismus – der mit seiner Mischung jüdisch – vorderasiatischen und griechisch – antiken Gedankengutes Keimzelle allen späteren europäischen Geheimwissens darstellt.

2. Utopie und Chiliasmus

Nach H. Kesting stellt die Utopie die „literarische Fiktion eines irdischen Idealzustandes als Ausdruck des Willens, ihn auch zu schaffen“, d.h. der Versuch „die Erde in [...] die Werkstatt des Arbeiters“ zu verwandeln, dar4 – womit der Wille zur Reformbereitschaft und Gruppen- aktivität indiziert wird, d.h. der Ist – Zustand nicht mehr akzeptiert wird. Damit ist die Utopie zwangsläufig progressiv.

Demgegenüber äußert sich im Chiliasmus die Hoffnung auf eine von Außen – sprich Gott – herbeigeführte Änderung der aktuellen Umstände, womit eine indirekte Hinnahme des Ist- Zustandes, zumindest was das eigene aktive Handeln betrifft, verbunden ist. Zielbestrebung des Chiliasten ist nicht die aktive Gruppenarbeit zur realen Änderung der Gesellschaft, sondern die Bekehrung des Einzelnen zur individuellen Umkehr und Reue.5 Der Chiliasmus stellt als „Einbettung in eine religiös – kirchliche Vorstellungswelt [...] und von irrational – ekstatischen Empfindungen“6 bestimmte „Konservative Grundstimmung“ den Gegenpol zur progressiven Utopie dar. Gegenpol v.a. in dem Sinne, dass die Utopie als Bestrebung zur Ver- änderung des Bestehenden zu mindest eine elitäre Gleichheit bedingt, während die chiliastische Umkehr und Reue für jedermann offen steht, dieser somit ein egalitäres Prinzip darstellt. Wenn der Chiliasmus u.a. auch als das „Hoffen auf eine irdische Herrschaft Christi“ bzw. „die metaphysischen Freuden einer transzendenten Welt“7 beschrieben werden kann, somit weltabgewandt ist, so können utopische Bestrebungen immer auch als Ausdruck der Kritik einer Klasse, die von der Macht durch ein „archaisches politisches System“8 fernge-halten wird, angesehen werden. Ermöglicht die rational geprägte Utopie religiöse Toleranz und weitgehende intellektuelle Freiheit, so ist diese für den auf Gottes – und zwar des allein wahren und einzigen Gottes – Segen angewiesenen Chiliasten das Übel per se. Paradoxer- weise führt jedoch nicht der fanatische Glaubensbegriff des Chiliasten zur überstarken Unterdrückung des Einzelnen, sondern gerade das rational geforderte reibungslose Funk- tionieren des Staates, welches erst durch äußerste Sozialdisziplinierung als Vorraussetzung unbeschränkten Denkens erreicht werden kann. Reue ist individuell, ebenso wie Glauben nur individuell – trotz aller vorgegebenen Dogmatik – erfahrbar ist. So bedingt und bewahrt das chiliastische Prinzip letztlich die Einzigartigkeit des Individuums, während die Utopie diese zu Gunsten einer elitären Gleichheit nivelliert.

Verbindungspunkt beider Prinzipien ist u.a. die Askese – allerdings mit völlig unterschied licher Funktion. Dient die Sühne und Selbstkasteiung und das individuelle Schwärmen als Ausdruck des Gläubigen zur Reue, so ermöglicht Askese erst die innere Ausgeglichenheit des Utopischen Bürgers, somit das maschinenartige Funktionieren des Staatswesens.

Trotz dieser Gegensätze ist eine eindeutige Trennung beider nicht möglich. Louis Mumford bezeichnete deswegen alle Utopie vor Morus als „in den Himmel verlegt und [...] sich Reich Gottes“ nennend.9

Zusammenfassend kann die Utopie also als (literarisches) Bestreben zur Änderung eines als unbefriedigend empfundenen Gesellschaftszustandes mittels Herstellung einer elitären Gleichheit, religiöse Toleranz ermöglichende und staatliche Steurung des wirtschaftlichen Geschehens beschrieben werden. Kurz gesagt: die Utopisten sehen in der Änderung der Gesellschaft die Vorraussetzung zur vollen Entfaltung der Vernunft im Einzelnen, während die Chiliasten in der durch Reue bedingten religiösen Umkehr vom schlechten Leben das Heil des Einzelnen und indirekt auch das der Gesellschaft sehen. Oder mit Alfred Dorens Worten formuliert: die Utopie ist eine „vollkommene Gesellschaft, die innerhalb eines selbstbewusst – rationalen Gedankenentwurfes steht und somit denkbar und gestaltbar ist“, während der Chiliasmus die „Genesis des irdisch – himmlischen Paradieses [...] als Abschluß einer heils geschichtlichen Entwicklung, die sich auf ein [...] prädestiniertes Ziel zu bewegt und vom Menschen nur erhofft und erwartet“ werden kann.10

3. Zur Überlieferung antiken Geheimwissens in der europäischen Tradition

Dem unbedarften Leser stellt sich nun vielleicht die Frage, was denn antike, okkulte Lehren mit frühneuzeitlichen, gesellschaftskritischen Reformideen verbindet. Spätestens bei der Lek- türe von Tommaso Campanellas „Civitas Solis“ sticht die Vielzahl astrologischer und ver- mutlich kabbalistischer Zahlensymbolik unübersehbar ins Auge, so dass sie nicht einfach als „Schrulle“ des Verfassers abgetan werden kann – zumal offenbar System dahintersteckt. Aber auch in den anderen Texten ist mystisch – alchemistisches Gedankengut, wenn auch weniger deutlich erkennbar, vorhanden. Eine Interpretation dieser textlichen Symbolik liegt mir fern und würde auch mein Wissen bei weitem übersteigen – zumal es sicher einschlägige Literatur gibt.11 An dieser Stelle möchte ich nur grob einige Entwicklungslinien aufzeigen, die sich von der Antike bis in die Neuzeit durchziehen und das europäische Geistesleben vermut lich stärker beeinflusst haben, als den meisten Lesern etwa dieser utopischen Texte bewusst sein dürfte.

Oben erwähnte ich, dass die „Gnosis“ bzw. korrekterweise der „Gnostizismus“ als eine, wenn

nicht als die Keimzelle abendländischen Geheimwissens anzusehen ist. Über die korrekte Be-

griffsverwendung wird bis heute viel diskutiert. Im Allgemeinen bezeichnet „Gnosis“ einfach nur das Wissen um geheimes, uraltes (oft göttlichen Ursprunges) Gedankengut, das nicht rein intellektuell erworben werden kann, sondern meist über verschiedene Stufen der Initiation er- worben werden muß. In diesem Sinne könnte man sowohl das maurerische Hochgradsystem als auch das katharische Consolamentum12 als Gnosis bezeichnen. „Gnostizismus“ bezeichnet dagegen das „einigermaßen deutlich vom hermetischen Ideengut (Corpus Hermeticum) und dem Neuplatonismus getrennt[e]“13 Gedankengut einer Gruppe von (z.T. christlichen) Sekten des 2ten und 3ten Jahrhunderts, die durch den Glauben an eine dualistische Weltordnung ver- bunden waren.14 Wichtiger noch als die gnostizistischen theologischen Lehren sollten – etwa für die spätere Alchemie – bestimmte religiöse Praktiken werden, wie etwa die ausgeprägte Gleichsetzung von Zahlensymbolik,/Tierkreiszeichen und Körperteilen, Wechselbeziehungen und Entsprechungen von Makro- und Mikrokosmos, geheime Gesten/Zeichen u.v.a., auf das hier nicht eingegangen werden kann. Dieser Gnostizismus breitete sich nach und nach im ganzen Imperium Romanum und sogar bis nach Zentralasien und Indien aus, stellte zeitweilig eine starke Konkurrenz für die sich formierende Großkirche da – u.a. sollen etwa Justinus der Märtyrer (+ 165), Clemens von Alexandria (+215), Origenes (+254), Epiphanus (+403) u.a. mehr oder weniger gnostisches Gedankengut vertreten haben, - war sowohl durch griechische Mysterienkulte als auch dem Zoroastrismus und ägyptischen Riten geprägt und strahlte umgekehrt auf Christentum, Neuplatonismus, Hermetik , evtl. sogar auf Hinduismus und Buddhismus aus. Mag auch die immer mehr erstarkende nun „katholisch – christliche“ Großkirche das gnostische Gedankengut an den Rand gedrängt haben – ganz verschwunden ist es dennoch niemals. So taucht es sowohl bei den phrygischen Paulikanern oder syrischen Messalianern im Byzantischem Reich, den bulgarischen Athingani – deren Namensentstellung im 9.Jh. den Tzigane den Namen gab – den bosnischen Bogomilen und den berühmten Albigensern im 12ten Jh. und auch den Manichäern wieder auf. Auch der berühmte Simon Magus (15 v.Chr. bis 53 n.Chr.) war mit seinen allerdings eher als „Zauberkünsten“ zu bezeichnenden Praktiken Vorbild für Generationen späterer Alchemisten. Wichtigste Lehre jedoch war der Glaube an über die Materie herrschende Geistwesen (z.B. die Archonten des Planetensystems mit ihrer Entsprechung im menschlichem Körper) der später dahingehend abgewandelt wurde, dass der Alchemist mit deren Hilfe z.B. das Rezept für den Stein der Weisen ergründen wollte – eine Idee, die sich noch in Goethes Faust wiederfindet, wenn Faust eingangs das Zeichen des Erdgeistes zeichnet. Im Laufe des Mittelalters verblassten also die ursprünglichen Lehren zusehends, vermischten sich mit christlicher, v.a.“ luziferanischen“15 Anschauungen, volkstümlichem Zauberglauben u.ä. und gingen in die Hermetik und Alchemie mit ein.

Zweiter wichtiger Strang, der zur späteren Alchemie bis hin zur Maurerei führt und seiner- seits ebenfalls vom Gnostizismus geprägt worden ist, ist die „Hermetik“, was soviel wie „Verborgenes Wissen“ bedeutet. Die Texte des „Corpus Hermeticum“ – Manuskripte, die seit dem 14ten Jahrhundert in Europa in Umlauf waren, vermutlich aber „das Werk gnostisier -ender Platoniker sind, möglicherweise Zeitgenossen des Valentinus und der Sethianer“16 - die eine Sammlung astrologischer, magischer und mystischer Texte enthalten, handeln v.a. von den Beziehungen Mensch – Natur und Schöpfung, dem Zwiespalt von Seele – Körper und den Einfluß kleinerer Gottheiten in der Schöpfung. In der Hermetik ist nicht mehr von einem dualistischen Weltbild die Rede – der Schöpfungsakt des „unkörperlichen, gestaltlosen und unsichtbaren Gottes“ wurde durch den „leuchtenden Logos vermittelt, der Sohn Gottes ist“17 – aber die Idee, dass es „gewisse niedrigere Gottheiten und Sphärenherrscher“ gibt, und daß die „Seele des Menschen [...] nach dem Bilde Gottes geschaffen [worden ist, A.d.V.], verliebte sich jedoch in den Stoff und wurde in Fleisch und Finsterniß eingekerkert“18 , ist eindeutig eine christianisierte Form gnostizistischer Lehren. Entscheidend auch hier der Gedanke niedriger Gottheiten – die dann der Magier durch Beschwörungen u.ä. sich dienstbar zu machen versucht – und der inneren Zusammenhänge zwischen Makro- und Mikrokosmos, die wiederum durch die einander entsprechenden „Machtbereiche“ der Gottheiten zu erklären ist. Die Hermetik fand v.a. über das Rosenkreuzertum im 18. Jh. Eingang in die französische Maurerei.

Hier nur kurz zu erwähnen seien noch die Eleutherianer, die „seit dem Mittelalter in Europa auftraten und vorwiegend die Lehren und Praktiken des libertinistischen Zweigs der gnost-ischen Religion weiterführten“19 und deren bekannteste Vertreter u.a. Martin Houska (+1421)in Böhmen, Picard der Prophet (+1415) und die Picarden in Frankreich, Hieronymus Bosch (+1516) in den Niederlanden, die Alumbardo – Sekte in Spanien, zeitweise die Beginen und Begarden des 13ten Jh. sowie die Wiedertäufer (ab etwa 1520) waren. Wenn auch alle diese Sekten früher oder später der Inquisition zum Opfer fielen, so wurde durch sie doch viel des alten gnostischen Gedankengutes in neuer Form in ganz Europa verbreitet.

Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass altes persisches, jüdisches, griechisches

und z.T. sogar ägyptisches Gedankengut im Gnostizismus durchmischt und mit der christlich-

en Logos – Vorstellung verbunden wurde, diese philosophische Religion dann ihrerseits sowohl Christentum beeinflusste, als auch im Untergrund weiterwirkte um von dort über Manichäer, Paulikaner, Bogomilen bis hin zu den Katharern überliefert zu werden (die Rolle etwa der Templer zur Verbreitung orientalischer Mystik nach Europa ist hierbei noch gar nicht berücksichtigt). Spätestens mit dem Auftauchen des Corpus Hermeticum und den in ganz Europa vorhandenen eleutheranischen Sekten sind Teile dieses Wissens, wenn auch oft in entstellter Form, fast schon geistiges Allgemeingut der gebildeten Eliten. So kommt es eben, dass sich bei Campanella kabbalistische Einflüsse finden, oder dass bei Morus fast nur durch fleißiges Studium der Schriften auch ohne messianische Erlösung ein fast vollkommen-er Zustand Utopias erreicht wurde bzw. Bacons „Haus Salomo“ ähnliches für Neu – Atlantis ermöglichte.

Eine andere Verschmelzung von altem Gedankengut und (christlicher) Philosophie sollte sich dann später bei Geheimorden wie den Rosenkreuzern, den Freimaurern und Illuminaten aus- bilden – auch wenn dort die gnostizistischen Einflüsse meist nur noch rituell – symbolischer Art waren. Abschließend – weitere Ausführungen, die sicher sinnvoll wären, den Rahmen meines Referates jedoch völlig sprengen würden, muß ich weglassen – sei ein Zitat von C.G. Jung angeführt, das zeigt, dass gnostisches Gedankengut auch im 20. Jh. weiterwirkt.20 Jung schrieb: „Mein ganzes Leben habe ich daran gearbeitet und studiert, um diese Dinge zu entdecken, und diese Menschen wussten es schon“21

4. Bemerkungen zum „Religiösen“ und „Geheimen“ in der Utopie

Nun komme ich zur der eigentlichen Frage – der Rolle des Utopischen und Geheimen in den späteren Aufklärungsgesellschaften und „philosophischen Orden“ der Freimaurer und Illumi-

naten.

Eine Berührungspunkt ist das von Agathen so genannte „Inseltum der Utopie“22, welches sich in den Geheimgesellschfaten wiederfindet. Agathen sieht in dem - an den etwa zeitgleich pub-lizierten und sehr beliebten Robinsonaden orientierten – Inseltum der Utopie nicht nur einen Akt der Resignation vor dem Ist – Zustand beim Verfasser, sondern auch die als notwendig erkannte Abschottung eines utopischen Staatswesens vor äußeren Störfaktoren, welche erst die individuelle wie auch „gesellschaftliche Vervollkommnung und Funktion[...] des Staats- wesens“ ermögliche. Aber nicht nur die utopische Geseelschaft als ganzes ist von fremden Einflüssen strikt abgegrenzt – wie sich besonders deutlich in Bacons „Neu-Atlantis“ zeigt, wo es genaue Anweisungen zur Kontrolle des Kontaktes zwischen Fremden und Einheimischen gibt – sondern der einzelne „Utopier“ selbst wird auch immer als kontemplativer, sich ständig neu überprüfender, selbstbildender Mensch gezeigt, der strikt bedacht ist, den althergebrachten Traditionen zu folgen und außenweltlerisches Gedankengut höchst skep-tisch zu betrachten. Kann man das autarke Kloster des Mittelalters für den ebenfalls autarken, philosophisch – religiös legitimierten utopischen Staat als Vorbild ansehen? Sind nicht auch spätere Geheimorden pseudoreligiös legitimiert und ähneln in ihrem hierarchischem Aufbau oft monastischen Gemeinschaften?

So scheint das Inseltum der Utopie vielleicht nicht nur dem Schutz des Verfassers geschuldet zu sein, sondern auch der Erkenntnis zu entstammen, dass Neues Gedankengut, v.a. wenn es die bestehenden Zustände verändern soll, erst eines inneren Freiraumes bedarf, in dem es sich ungestört formulieren kann und in dem dessen Anhänger einen sicheren Rückzugsbereich haben – nicht zuletzt auch um eigene Zweifel ungestört von äußeren „Versuchungen“ auszu- räumen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zum Wesen der Utopie und utopischen Elementen in Geheimbünden
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
PS Frühneuzeitliche Utopien
Note
1-
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V110069
ISBN (eBook)
9783640082469
ISBN (Buch)
9783640860142
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wesen, Utopie, Elementen, Geheimbünden, Frühneuzeitliche, Utopien
Arbeit zitieren
M.A. Holger Knaak (Autor), 2001, Zum Wesen der Utopie und utopischen Elementen in Geheimbünden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110069

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