Die Zuschauer im Fernsehen: Fernsehen macht glücklich - glückliche Fernsehmacht


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung der Hausarbeit

I. Einleitung/ Erläuterung der Problemstellung
1. innerhalb des Spannungsfeldes Mensch-Medium
2. ersetzt Fernsehen unser individuelles Gedächtnis?

II. Bestandsaufnahme der derzeitigen deutschen Fernsehkultur
1. Definition Zuschauer/ durchschnittliche Sehdauer 2002
2. quantitative und qualitative Fernsehforschung lösen und schaffen Probleme (Saxer)
3. Quo vadis deutsche Fernsehlandschaft? - Trends aus 2001/2002 (Marktanteile, Senderfunktionen, Senderimages)

III. wechselseitiger Einfluss zwischen Zuschauern und Fernsehen- welchen Beitrag kann das Medium zu einer modernen Gesell- schaft leisten?
1. Fernsehen als soziales Handeln: Ein Vergleich zu Max Weber
2. Die Sinus-Milieu Studie (7-8)
3. Auswirkungen der sozialen Herkunft auf die Sehgewohnheiten
4. Der Mensch als Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit (Piaget, radikale Konstruktivisten, kognitive Dissonanz, >bewusste Nutzungsmotive)
5. Die Macht der Medien (Postman, Noelle-Neumann, Blumler > unbewusste Nutzungsmotive)
6. Wie wirkt Fernsehen auf die Gesellschaft? (Meyrowitz)

IV. Eigener Kommentar/Zusammenfassung

V. Anhang –graphische Erläuterungen

VI. Literaturliste

I. Einleitung/ Erläuterung der Problemstellung

F ernsehen macht glücklich !“- Behauptet zumindest eine Ausstellung anlässlich des 50. Geburtstages des Mediums, die vom 13.12.02 -30.03.03 im Berliner Filmmuseum zu sehen ist. Dort werden, laut Veranstalter, die vermeintlichen und tatsächlichen Sehnsüchte der Fernsehzuschauer geweckt. Es solle dort sichtbar werden, was Fernsehen alles kann, sobald es sein Publikum ernst nehme , ja sobald es sein Publikum liebe. [1]

Doch wann nimmt das Fernsehen seine Rezipienten ernst? Besitzen die Bilder auf der Mattscheibe wirklich den Schimmer persönlicher Erinnerungen, Hoffnungen und Sehnsüchte? Oder ist alles nur ein großes Geschäft, eine Maschinerie von Kommerz und Manipulation, die den Zuschauer zu überrollen droht?

Sicher ist diese Frage nicht allein mit ja oder nein zu beantworten, da sie keinen entweder - oder Charakter besitzt. Vielmehr werde ich auf den kommenden Seiten einige interessante Theorien und Denkanstöße zum Magnetfeld Fernsehen- Zuschauer präsentieren. Hierzu habe ich sowohl etablierte Aufsätze aus den 70er/80er Jahren, als auch topaktuelle Statistiken und Erkenntnisse herangezogen.

Laut dem Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann beruhen moderne Gesellschaften auf sinnhafter Kommunikation .[2] Fernsehen wird zunehmend als soziales Handeln und als Teil von Kommunikation definiert.[3] Es prägt uns und unseren Alltag- irgendwie immer. Gerade deshalb drängt sich die Frage nach sinnvoller Nutzung dieses Mediums auf. Welchen Einfluss hat das Fernsehen auf mich als Zuschauer, ob bewusst oder unbewusst, und in welcher Form kann ich wiederum auf das Medium einwirken? Wo liegen meine, wo liegen die Grenzen, Gefahren und Chancen des Fernsehens?

Dazu möchte ich zunächst eine Bestandsaufnahme über die derzeitige Fernsehkultur in Deutschland durchführen. Die aufgeführten Statistiken und Untersuchungen dazu waren bereits Gerüst unseres Referates vom 21.11.2002. Anschließend thematisiere ich den wechselseitigen Einfluss von Zuschauer und Fernsehen, und beleuchte den Beitrag des Fernsehens zu einer modernen Gesellschaft in Deutschland. Hierzu soll vor allem die provokante These, dass das Fernsehen, ob wir es wollen oder nicht, immer spürbarer unser individuelles Gedächtnis ersetzt[4], als Motivationsgrundlage der Analyse dienen. Abschließend beziehe ich mich auf GFK- Daten des Monats Januar und fasse einige meiner Ergebnisse anhand derzeitiger Fernsehformate ( wie zum Beispiel „Deutschland sucht den Superstar“) zusammen.

II. Die derzeitige deutsche Fernsehkultur

1. Definition Zuschauer/ durchschnittliche Sehdauer 2002:

Z unächst stellt sich die Frage, wer denn überhaupt in Deutschland als Fernsehzuschauer gilt, und welches Sehverhalten das deutsche Publikum im Gros an den Tag legt. In der BRD gibt es derzeit etwa 73 Millionen Fernsehzuschauer ab 3 Jahren.[5] Die durchschnittliche Sehdauer lag im vergangenen Jahr bei 201 Minuten pro Tag.[6] In den 60er Jahre schauten die Menschen nur etwa 135 Minuten fern. Durch die Einführung des dualen Systems am 01.04.1984 erhöhte sich die Sehdauer allerdings immer mehr und pendelte sich in den letzten 6 Jahren bei etwa 190 Minuten pro Tag ein. Laut Wolfgang Darschin und Heinz Gerhard saßen im Jahr 2001 71% der Erwachsenen und 61% der Kinder an einem durchschnittlichen Wochentag vor der Mattscheibe.[7] Diese Statistik sei in den letzten Jahren relativ konstant geblieben.

2. Quantitative und qualitative Fernsehforschung lösen und schaffen Probleme

U nübersichtlicher geht es da schon bei Interessenspräferenzen verschiedener Rezipientengruppen zu. Aufgrund der geringen Rückkopplung zwischen Medium und Rezipienten[8] ergeben sich Schwierigkeiten bei der Programmplanung der einzelnen Fernsehsender. Diese sind durch den sprunghaften Anstieg der Senderanzahl nach 84[9] und der Empfangbarkeit dieser (über Kabel oder Satellit), zusätzlichem Konkurrenzdruck ausgesetzt.[10] So macht es sich die deutsche Fernsehforschung seit 1963 zur Aufgabe, den Sehgeschmack deutscher Zuschauer zu messen. Obwohl sich (fast) alle Beteiligten einig sind, dass es den gläsernen Zuschauer nicht geben kann, versucht sich die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), die sich aus den acht größten Sendern[11] der BRD zusammensetzt, seit 1988 an einer einheitlichen Messung des täglichen Fernsehkonsums. Diese bezeichnet Ulrich Saxer als „heimliche Hauptsache demokratischer Gesellschaften, die auf dem Weg zur Informationsgesellschaft sind“.[12] Die von allen Fernsehsendern anerkannte Währung ist dabei zum einen die Quote[13], die absolute Anzahl der Zuschauer einer Sendung, zum anderen der Marktanteil, dem prozentualen Anteil einer Sendung[14] an der Gesamtnutzung aller Zuschauer ab drei Jahren. Die repräsentative Auswertung der Daten übernimmt die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Nürnberg, die von den AGF-Sendern mit jährlich 17 Millionen € bezahlt wird.

Das eigens für die Fernsehforschung konzipierte GFK-Meter wird dabei in 5640 sogenannten Panelhaushalten[15] in Deutschland angeschlossen. Jeder der in diesen Haushalten Lebenden bekommt seinen eigenen Knopf auf der „ganz besonderen“ Fernbedienung, den er/sie bei Fernsehkonsum betätigt. Somit wird diese Person in die quantitative Fernsehforschung der AGF/GFK aufgenommen. Sie dient als unverzichtbares Entscheidungsinstrument für die Programmentscheidungsfindung und veranlasst die Sender zur regelmäßige Quotenjagd. Da sich die GFK ihrer Verantwortung gegenüber der Fernsehsender und im erweiterten Sinne auch dem Zuschauer gegenüber bewusst ist, lässt sie von einem unabhängigen Institut alle zwei Jahre sogenannte „Externe Coincidental Checks“ durchführen. Dabei werden Zuschauer aus der Bevölkerung unangekündigt per Telefon auf ihr Sehverhalten hin befragt. Die Ergebnisse des externen Tests stimmten im vergangenen Jahr mit den Auswertungen des GFK- Meters ziemlich genau überein.[16]

Ein Nischendasein führt hingegen die qualitative Zuschauerforschung. Zwar überprüft die ARD/ZDF- Medienkommission die Einstellung und Wertung des Fernsehpublikums durch regelmäßige Umfragen, Gruppendiskussionen und Forschungsworkshops über einzelne Sendeformate, eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung hat die qualitative Fernsehforschung allerdings nicht. Somit hält die Quote mittlerweile eine Art Monopol der Programmentscheidungsfindung. Als Katapult und Guillotine zugleich fungiert dieser Applausmesser der Zuschauer. „Nur mit Quote hast du Freunde“, sagte schon vor Jahren die damalige Talkmasterin Margarethe Schreinemakers, und „Wetten, dass“ –Urgestein Thomas Gottschalk bezeichnet sich mitunter etwas drastisch als „Quotennutte“.

Diese Aussagen[17] implizieren zugleich eine fehlende Einspielzeit für innovative Trends. Deshalb muss die Quote oftmals als Qualitätskontrolle deutscher Fernsehformate herhalten, mit der Gefahr, die Sehinteressen individueller Gruppierungen zu vernachlässigen, sie mitunter sogar zu ignorieren.

[...]


[1] Quelle: Pressemiteilungen des Museums im Internet unter www.fernsehglueck.de

[2] aus Weischenberg, Siegfried, Journalistik Medienkommunikation: Theorie und Praxis, 2. Auflage, Westdeutscher Verlag Wiesbaden 1998, Band 1: Mediensystme, Medienethik, Medieninstitutionen

[3] wie zum Beispiel bei Mead, George H. < „Uses and Gratification Approach“ aus den 60er Jahren

[4] so formuliert bei Andreas Kilb, Träumen Geparden von Studiomikrofonen. Ja, es ist wahr: Fernsehen macht glücklich“ behauptet und beweist eine Ausstellung im Berliner Filmmuseum, in Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.12.2002, Seite 40 (Medienseite)

[5] aus Schult, Gerhard/Buchholz Axel (Hg.) Fernseh-Journalismus. List München. 2000, Seite 420 ff.

[6] AGF/GFK Fernsehforschung siehe auch Anhang Abbildung 1

[7] Darschin, Wolfgang/Gerhard, Heinz, Tendenzen im Zuschauerverhalten, in Media Perspektiven 04/02

[8] Schult, Fernseh-Journalismus (siehe Anmerkung 5)

[9] die durchschnittliche Sehdauer deutscher Zuschauer blieb entgegen vieler Hoffnungen allerdings stabil, und stieg nicht mit der erhöhten Senderanzahl an

[10] zur graphischen Erläuterung Abbildung 2 und 3 im Anhang: Sendestart deutscher TV-Sender; Entwicklung der TV- Empfangsebenen (in %)

[11] bestehend aus ARD;ZDF; RTL; SAT1; PRO7; KABEL1; RTL2; statt des Fernsehsenders VOX ist allerdings das DSF in der AGF vertreten

[12] in Ulrich Saxer, Die Publikumsforschung unter gewandten Bedingungen, in Kunczik, Michael/ Weber, Uwe, Fernsehen- Aspekte eines Mediums, Böhlau Verlag Köln, 1990, Seite 81

[13] heute eher als Reichweite bezeichnet, da man heute nicht mehr nur die Anzahl der eingeschalteten Geräte misst, sondern alle vor dem Bildschirm sitzenden Personen impliziert

[14] hierbei wird allerdings nicht die gesamte Sendung untersucht, sondern nur ein einheitliches, von der GFK bestimmtes Zeitintervall

[15] die repräsentative Auswahl eines Haushalts zum Panelhaushalt erfolgt nach strengen soziokulturellen Kriterien (wie Schulausbildung, Einkommen, Größe des Haushalts etc.) und kann nicht auf Eigeninitiative der Haushalte geschehen- die Mindestanzahl aller Panelhaushalte in einem Bundesland beträgt 220- siehe auch im Anhang Abbildung 4

[16] siehe Anhang Abbildung 5 (sic! Abbildung stammt von der AGF- Internetseite...)

[17] Zitate aus Blaes, Ruth/ Heussen, Gregor A. (Hg.), ABC des Fernsehens. UVK Medien Konstanz 1997.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Zuschauer im Fernsehen: Fernsehen macht glücklich - glückliche Fernsehmacht
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für KMW und Journalistik)
Veranstaltung
Einführung in den Fernsehjournalismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V11007
ISBN (eBook)
9783638172790
ISBN (Buch)
9783638901383
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zuschauer, Fernsehen, Fernsehmacht, Einführung, Fernsehjournalismus
Arbeit zitieren
Timo Gramer (Autor), 2003, Die Zuschauer im Fernsehen: Fernsehen macht glücklich - glückliche Fernsehmacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11007

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