Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Körperhaltung - Eine Analyse mit Beispielen


Hausarbeit, 2006
27 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffseinordnung und Definitionen
2.1 Verhalten und Zeichen
2.1.1 Verbales Verhalten
2.1.2 Nonverbales Verhalten
2.1.2.1 Funktionen Nonverbalen Verhaltens
2.1.2.2 Formen Nonverbalen Verhaltens
2.2 Nonverbale Kommunikation
2.3 Interaktion

3 Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft
3.1 Welche möglichen nonverbalen Signalsysteme gibt es?
3.1.1 Gesichtsausdruck
3.1.2 Blick, Blickrichtung und Blickkontakt
3.1.3 Körperbewegungen und Gesten
3.1.4 Räumliches Verhalten und Körperkontakt
3.2 Zusammenhang zwischen den Signalsystemen
3.3 Die Bedeutung der Körperhaltung für Spitzenpolitiker und Manager
3.3.1 Was versteht man allgemein unter Körperhaltung?
3.3.2 Verschiedene Formen von Körperhaltungen
3.3.2.1 Stehen
3.3.2.2 Sitzen

4 Zusammenfassung und Fazit

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wohl die meisten Menschen sind der Ansicht, dass sie mit ihren Mitmenschen hauptsächlich durch Sprache kommunizieren. Doch so unglaublich dies auf den ersten Blick klingen mag: der Großteil menschlicher Kommunikation läuft nicht über den verbalen Kanal. Die nonverbale Kommunikation, oft schlicht als Körpersprache bezeichnet, besitzt tatsächlich einen weitaus größeren Anteil an der zwischenmenschlichen Kommunikation als die verbale. Wissenschaftler sprechen für die verbalen Verhaltensweisen nur von einem Anteil im unteren einstelligen Prozentbereich!

Nonverbale Signale sind oft unbewusster Natur und werden von uns nur unbewusst ausgesandt und wahrgenommen. Doch auch wenn uns dies nicht bewusst ist, spielt die nonverbale Kommunikation dennoch im Alltag eine bedeutende Rolle. Die Wissenschaft erkannte die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation schon Ende der 1950er Jahre, als die Sozialpsychologie verstärkt anfing sich dieses Themas anzunehmen. Seitdem wurden auf diesem Gebiet zahlreiche neue und bedeutende Einsichten gewonnen. Umso verwunderlicher scheint der noch immer weit verbreitete „Analphabetismus“ in Bezug auf Körpersprache.

Doch auch verschiedene Bereiche aus der Praxis haben die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation schon seit Jahren erkannt. Besonders die Entwicklung der Wirtschaft und die Herausbildung einer Leistungsgesellschaft scheinen hierbei eine Rolle gespielt zu haben. Mehr und mehr wurde die nonverbale Kommunikation als „Mittel zum Erfolg“ angesehen.

Auch vom ehemaligen US-Präsident Ronald Reagan ist bekannt, dass er eine ganze Reihe verschiedener Berater beschäftigte, die ihn auch in Hinblick auf seine Körpersprache berieten. Seine Pressekonferenzen und Auftritte waren minuziös geplant. Die amerikanische Politik hat in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle. Auch in der deutschen Politik werden PR-Berater, Kommunikations-Coaches und Stilberater immer verbreiteter.

Doch auch Spitzenmanager erachten nonverbale Kommunikationsfähigkeiten für ihren persönlichen Erfolg zunehmend als wichtig. Der gezielte Einsatz nonverbaler Kommunikation wird in diesen Bereichen immer mehr als Erfolgsfaktor angesehen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im zweiten Kapitel damit wie wichtige Begriffe aus dem Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation eingeordnet werden können. Die Notwendigkeit dies zu tun wird schnell klar, wenn man z.B. daran denkt auf welch selbstverständliche Art und Weise der Terminus Kommunikation von Menschen in unterschiedlicher Bedeutung gebraucht wird. Kapitel drei geht anschließend auf die verschiedenen nonverbalen Signalsysteme ein und stellt jeweils einen Bezug zu Politik und Wirtschaft her. Sind Personen, die um die Wirkung von nonverbaler Kommunikation wissen erfolgreicher in dem was sie tun? Können sie ein besseres Image von sich erzeugen? Es wird anschließend gefragt welche Bedeutung die Körperhaltung als nonverbale Verhaltensweise speziell für Spitzenpolitiker und Topmanager besitzt. Anhand verschiedener Beispiele wird dieser Frage nachgegangen. Worin sollte die Bedeutung der Körperhaltung liegen? Welche Funktionen kann sie erfüllen und wie ist die Wirkungsweise? Im vierten Kapitel werden dann die wichtigsten Aussagen der Arbeit nochmals zusammengefasst und ein Fazit gezogen.

2. Begriffseinordnung und Definitionen

Bevor die Körperhaltung als zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit in den Mittelpunkt rücken kann, wird in diesem Kapitel zunächst eine Einordnung der zahlreichen Fachbegriffe aus dem Problemfeld der Kommunikation erfolgen. Danach wird gezeigt, wo die Körperhaltung innerhalb dieser Terminologie bzw. Systematisierung angesiedelt ist. Dies soll dazu dienen,

Missverständnisse in dieser Arbeit durch das Verwenden einer einheitlichen Terminologie zu vermeiden.

Die Kommunikation ist Untersuchungs- und Forschungsgegenstand vieler wissenschaftlicher Disziplinen wie z.B. Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Linguistik, Sprachphilosophie, Medienforschung oder Sozialpsychologie. In theoretischen wie empirischen Beiträgen dieser unterschiedlichen Disziplinen werden daher zentrale Begriffe von Autor zu Autor unterschiedlich verwendet. Einen Konsens über die Definition des Begriffs der Kommunikation gibt es nicht. Nach Scherer und Wallbott (1979) ist eine solche Definition gerade für die Unterscheidung zwischen Kommunikation und Interaktion notwendig.

2.1 Verhalten und Zeichen

Um zu einer Definition von Interaktion und Kommunikation zu gelangen, wird zunächst die elementare Ebene der Zeichen oder Signale betrachtet. Argyle (1989, S.14) gibt dazu folgende Definition: „Mit Zeichen oder Signal meinen wir ein Element des Verhaltens [] , das von den Sinnesorganen eines zweiten Organismus wahrgenommen wird und dessen Verhalten beinflusst“. Prinzipiell kann also jedes Verhalten oder bloßes Tun als Zeichen oder Signal dienen. Betrachtet man eine Situation mit zwei Personen, bei der eine Person husten muss, weil es sie im Hals kratzt, so liegt damit noch kein Zeichen vor. Wird jedoch dieses Husten von der anderen Person wahrgenommen und der Schluss daraus gezogen, dass es die erste Person wohl im Hals kratzen muss oder sie eventuell erkältet ist, dann liegt ein Zeichen oder Signal vor. Entscheidend ist demnach, dass die zweite Person das Husten wahrnimmt und dies interpretiert und nicht etwa, ob das Husten der ersten Person mit oder ohne Absicht geschah.

Zeichen können viele mögliche Erscheinungsformen annehmen. Dies lässt sich leicht am Beispiel eines Gesprächs zwischen mehreren Personen klarmachen. Das Gespräch besteht sowohl aus verbalen Zeichen (Wörter, Sätze), als auch aus nonverbalen Zeichen. Man kann somit verbale Sprache und nonverbale Sprache unterscheiden.

2.1.1 Verbales Verhalten

Die verbale Sprache umfasst das Sprechen an sich, Geschriebenes und Gesten, welche für Wörter oder Buchstaben stehen (vgl. Argyle 1989, S.17). Verbale Sprache als System der zwischenmenschlichen Kommunikation ist Gegenstand der Linguistik. Auf verbale Verhaltensweisen soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie stehen nicht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Aufgrund des komplementären Verhältnisses von verbalen und nonverbalen Verhaltensweisen wird jedoch im Laufe dieser Arbeit auf die Verbindung dieser beiden Arten menschlichen Verhaltens eingegangen.

2.1.2 Nonverbales Verhalten

Nonverbale Sprache oder nonverbales Verhalten ist dadurch charakterisiert, dass es zusätzlich zum verbalen Verhalten auftreten kann. Für das Beispiel des Gesprächs zwischen zwei Personen bedeutet dies, dass das Sprechen immer von nonverbalen Zeichen begleitet wird, welche unterschiedliche Zwecke erfüllen. In bestimmten Fällen kann nonverbales Verhalten jedoch auch für sich allein stehen.

2.1.2.1 Funktionen Nonverbalen Verhaltens

In Anlehnung an die Zeichentheorie (Semiotik) von Morris1, der Syntaktik, Semantik und Pragmatik unterschied, können auch nonverbale Verhaltensweisen und ihre Funktionen nach diesem Schema eingeteilt werden. Während die Syntaktik die Beziehung der Zeichen untereinander sowie die Übermittlung von Information bezeichnet, steht bei der Semantik die Bedeutung der Zeichen im Mittelpunkt und die Pragmatik regelt die Beziehung der Zeichen zum Sender2. Eine nonverbale Verhaltensweise hat eine semantische Funktion, wenn sie in Beziehung steht zur Bedeutung des verbalen Verhaltens, welches sie begleitet.

Tritt ein nonverbales Zeichen komplett an die Stelle eines Wortes oder einer Einstellung, so spricht man von Substitution. Ein Beispiel hierfür wäre Schulterzucken auf eine Frage hin, wenn die entsprechende Person damit ausdrücken will, dass sie die Antwort auf die Frage nicht kennt. Amplifikation, als die Betonung, Verstärkung oder Verdeutlichung des Verbalen durch nonverbales Verhalten, findet man oft bei Vorträgen, Reden oder auch in alltäglichen Gesprächssituationen wieder. Hier wird oft versucht das Gesprochene durch Hand- oder Armbewegungen zu verdeutlichen und zu unterstützen. Bei der Modifikation wird dagegen versucht, die Bedeutung der mit dem Verbalen vermittelten Inhalte leicht zu modifizieren. Eine weitere Funktion nonverbalen Verhaltens kann die Kontradiktion sein, bei der ein Widerspruch zwischen der Bedeutung des verbalen und nonverbalen Verhaltens erzeugt wird. Diese Funktion wird z.B. gebraucht, wenn eine Person zynisch oder ironisch sein will. Die Synchronisationsfunktion dient dazu, die verschiedenen Elemente der Kommunikation zu vereinbaren und in Einklang zu bringen. So können bestimmte nonverbale Zeichen ankündigen, dass ganz bestimmte verbale Zeichen folgen werden.

Nonverbales Verhalten kann also dazu dienen, das Gesprochene zu veranschaulichen und zu verdeutlichen, das Gespräch als Prozess zu synchronisieren oder etwa dem Gesprächspartner Feedback zu geben. Zusammen mit der Illustrierung kann mit der Strukturierungsfunktion nichtverbaler Verhaltensweisen eine bessere Informationsverarbeitung gewährleistet werden. Auch lassen sich Gefühle und Emotionen unter Umständen leichter ausdrücken als mit Worten. Zudem kann durch nonverbales Verhalten Information über die Persönlichkeit (im Sinne andauernder persönlicher Eigenschaften) und den Zustand einer Person vermittelt werden. Diese sogenannte Expressionsfunktion nonverbalen Verhaltens wird später im Rahmen der genaueren Betrachtung der Körperhaltung noch thematisiert werden.

2.1.2.2 Formen Nonverbalen Verhaltens

Es stellt sich nun die Frage in welcher Form diese nonverbalen Zeichen konkret auftreten. Zum einen können diese Zeichen von der Sprache selbst abhängig sein, wie etwa die Intonation, die Stimmhöhe und die Betonung. Diese Signale werden als prosodisch bezeichnet. Weitere nonverbale Zeichen sind die personenspezifische Stimmqualität oder die Schriftgestalt. Diese vom sprachlichen Inhalt unabhängigen nonverbalen Zeichen bezeichnet man als paralinguistisch. Posner (1986)3 weist darauf hin, dass für das Verstehen nonverbaler Zeichen auch außersprachliche Umstände von Bedeutung sind. Bei der Produktion von nonverbalen Zeichen

könnte man sich etwa fragen unter welchen Umständen oder an welchem Ort diese erfolgt ist (Fand das Gespräch in vertrauter Umgebung statt?). Aber auch die Empfänger kann auf analoge Weise betrachtet werden. Folgende Darstellung in Anlehnung an Posner (1986) soll die angesprochene Klassifikation nochmals verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Quelle: in Anlehnung an Posner (1986)

Die Körperhaltung als spezieller Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit wird wie die Körperbewegungen den außersprachlichen Umständen zugerechnet, welche wiederum Teil des Nonverbalen sind. In der Abbildung lässt sich erkennen, dass nonverbal und nichtsprachlich keineswegs synonym zu verwenden sind, da nonverbales Verhalten auch prosodisches Verhalten miteinschließt.

2.2 Nonverbale Kommunikation

Nonverbales Verhalten umfasst solche Verhaltensweisen, die im Kontext von Verbalisierungen auftreten ( vgl. Wiener et alii, 1972). Die Frage ist dann, welche zusätzliche Bedingung erfüllt sein muss, damit nonverbale Kommunikation vorliegt. Tritt zum nonverbalen Verhalten dessen Wahrnehmung durch eine andere Person hinzu und zieht diese Schlüsse aus dem Verhalten, so spricht man von einem nonverbalen Zeichen4. Damit aber Kommunikation vorliegt, muss dieses Zeichen mit der Absicht produziert worden sein, einer anderen Person eine Botschaft zu vermitteln. Wenn (nonverbale) Zeichen, als Träger von Bedeutungen, dazu dienen etwas mitzuteilen, liegt (nonverbale) Kommunikation vor.

In unserem Beispiel des Gesprächs zwischen zwei Personen kann ein Gesprächspartner dem anderen beispielsweise durch eine abschätzige Handbewegung signalisieren, dass er die von ihm vorgebrachten Argumente für unbedeutend oder falsch hält. Nonverbales Verhalten durch das Abwinken liegt vor, da es zusätzlich zum Gespräch der beiden Personen auftritt. Zum nonverbalen Zeichen wird es dadurch, daß die eine Person abwinkt, die andere Person dies wahrnimmt und ihre Schlüsse daraus zieht. Zur nonverbalen Kommunikation wird es dadurch, daß diejenige Person, die abwinkt, die Absicht verfolgt, der anderen Person mitzuteilen was sie von deren Argumenten hält und diese Absicht von ihr auch erkannt wird.

Körperhaltung oder Körperbewegungen, die nicht im Rahmen verbalen Verhaltens auftreten, können demnach nach dieser Auffassung nicht als nonverbal bezeichnet werden5.

Folgende Grafik fasst vereinfacht diese Überlegungen noch einmal zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Quelle: eigene Darstellung

Der Mitbegründer der Schule von Palo Alto, Paul Watzlawick, vertritt dagegen die Auffassung, dass es dem Menschen nicht möglich sei sich nicht zu verhalten, da Verhalten kein Gegenteil besitze. Für ihn besitzt jedes Verhalten den Mitteilungsaspekt und stellt somit Kommunikation dar. Als Konsequenz daraus stellt er die Formel auf: Man kann nicht nicht kommunizieren. (Watzlawick 1996, S. 53). Auch Schweigen und Nichthandeln ist für Watzlawick Kommunikation. Als Beispiel führt er einen in einem Wartesaal sitzenden Mann an, der schweigend auf den Boden starrt. Damit kommuniziere er schweigend, daß er von anderen Personen nicht angesprochen werden möchte.

Unabhängig von der Frage, wie Kommunikation definiert wird, erfüllt sie bestimmte Funktionen für die Menschen, die sich ihrer bedienen. Kommunikation dient allgemein der Übermittlung von Informationen und ist in der Lage, dadurch die in einer Situation vorhandene Ungewissheit zu reduzieren. Das in einer Situation vorhandene Wissen nimmt zu. So ist der Empfänger des Zeichens Abwinken nun im Bilde darüber was sein Gesprächspartner von bestimmten Argumenten hält. Kommunikation vermittelt Informationen über die Identität, den Zustand und die Beziehungen des Senders einer Botschaft zu dessen Umwelt6. Birdwhistell (1963) weist darauf hin, dass Kommunikation, sei sie verbal oder nonverbal, die Funktion haben kann, soziale Ordnung herzustellen, diese zu regeln und zu erhalten. Gespräche zwischen Menschen dienen nicht nur der reinen Vermittlung von Informationen, sondern auch der Pflege sozialer Beziehungen und der Erhöhung menschlicher Bindungen. Oftmals werden in Gesprächen für alle Parteien schon bekannte Informationen noch einmal übermittelt, so dass hier der Informationsaspekt in den Hintergrund rückt. Man kann hier z.B. an die Frage Wie geht es Dir? denken. Hier ist die Antwort dem Fragenden oft schon bekannt (bei engeren Beziehungen) oder sie findet im Rahmen eines Smalltalks statt, so dass die Antwort unter Umständen gar nicht im Mittelpunkt des Interesses steht. Die Frage kann hier zur Einleitung eines Gesprächs dienen7. Auch durch nonverbale Kommunikation muss nicht immer zusätzliche Information vermittelt werden. Berührungen im Rahmen von Gesprächen können den Zusammenhalt und Vertrautheit fördern und Körperbewegungen bzw. die Körperausrichtung können den Raum für die Kommunikation von Personen gegen „Eindringlinge abschirmen“.

2.3 Interaktion

Im Gegensatz zur Kommunikation ist die Interaktion gekennzeichnet durch folgenden Ablauf: Es erfolgt ein Verhalten einer oder mehrerer Personen, welches das Verhalten anderer Personen beeinflusst. Wird durch dieses Verhalten wiederum ein bestimmtes Verhalten der Ersteren hervorgerufen, liegt interaktives Verhalten vor. Es erfolgt also nicht nur eine Reaktion auf ein Verhalten, sondern die Reaktion muss eine weitere Reaktion in Form von Verhalten hervorbringen. Interaktion bezeichnet demnach einen zeitlich unmittelbar ablaufenden Prozess von aufeinander bezogenem Verhalten, der mindestens drei Zeitpunkte umfasst8.

Hat die Person bemerkt, dass ihr Gesprächspartner ihre Argumente missbilligt und ändert daraufhin ihre Argumentation, hat ein Verhalten und eine Reaktion darauf stattgefunden. Wird durch die Änderung der Argumentation die andere Person dazu bewegt nicht mehr Abzuwinken oder gar zuzustimmen, hat Interaktion stattgefunden. In diesem Fall traten Kommunikation und Interaktion gemeinsam auf. Dies muss aber keineswegs immer der Fall sein. So kann es durchaus kommunikatives Verhalten geben ohne ein Stattfinden von Interaktion. Genauso kann umgekehrt auch interaktives Verhalten ohne Kommunikation stattfinden. Auf diese Fälle soll an dieser Stelle aus Platzgründen jedoch nicht genauer eingegangen werden.

3 Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft

Nach der Erklärung wichtiger Begriffe, soll nun in diesem Kapitel konkret darauf eingegangen werden, welche Rolle nonverbale Kommunikation9 in Politik und Wirtschaft spielt. Dazu wird zuerst das prinzipiell verfügbare Instrumentarium erläutert, welches unbewusst von den Akteuren gebraucht wird, aber auch dasjenige, das zielgerichtet eingesetzt werden kann. Im Falle des zielgerichteten Einsetzens der Körpersprache kann diese als Kommunikationsinstrument verstanden werden. Die Möglichkeiten und Grenzen der Fähigkeit seinen Körper zielgerichtet als Kommunikationsinstrument einzusetzen werden an dieser Stelle erörtert. Danach wird der Fokus speziell auf die Körperhaltung, deren Bedeutung, Funktionen und Einsatzmöglichkeiten gelegt. Im Anschluss wird dies anhand mehrerer Beispiele aus der Wirtschaft und der politischen Praxis verdeutlicht und analysiert.

3.1 Welche möglichen nonverbalen Signalsysteme gibt es?

Nonverbale Kommunikation ist zentral für das menschliche Sozialverhalten, denn sie kann Funktionen erfüllen, die die Sprache für sich allein genommen nicht leisten kann10. Scherer und Wallbott (1979, S. 13) bezeichnen sie als Ansammlung von Verhaltensweisen, die unter Umständen kommunikative Funktionen übernehmen können. Unter diesen Verhaltensweisen findet man solche, die nur indirekt kommunikativ wirken11. Man kann dabei an Größe und Körperbau eines Menschen denken, an Kleidung und die äußere Erscheinung oder aber die Lichtsituation und den Raum, innerhalb dessen Kommunikation stattfindet. Zu den direkt kommunikativen nonverbalen Verhaltensweisen gehören Gesichtausdruck (Mimik), Blick, Blickrichtung, Blickkontakt, Körperbewegungen und Gestik, Körperhaltung, sowie räumliche Orientierung und Körperkontakt12. Im Folgenden werden diese nonverbalen Verhaltensweisen und deren Funktionen näher betrachtet. Politiker und Manager13 machen sich diese Funktionen gezielt zu eigen und setzen sie in der öffentlichen Kommunikation zu ihren Zwecken ein. Gleichzeitig läuft auch bei ihnen der Großteil nonverbaler Kommunikation unbewusst ab, was wiederum dessen Analyse ermöglicht. Für diese Personen ist charakteristisch, dass sie ein hohes Maß an Macht und Verantwortung besitzen. Darüber hinaus müssen sie mit einer Vielzahl von Leuten wiederholt kommunizieren. Sie stehen daher sehr oft im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung und Berichterstattung. Diese Berichterstattung durch Fernsehen und Printmedien wird zunehmend bildlich-plakativer14 und erhöht so die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation in der Erreichung ihrer Ziele.

3.1.1 Gesichtsausdruck

Wir sprechen mit unseren Stimmorganen, aber wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper (Klinzing 1993, S.46). Wenn ein Mensch uns anlächelt, uns grimmig anschaut oder verträumt aussieht, so teilt uns dies in Sekundenbruchteilen eine Fülle von Informationen mit. Es wäre mit Worten nur mit einem sehr viel größeren Aufwand möglich auszudrücken, was Menschen über ihr mimisches Verhalten mitteilen. Lächeln kann darauf hinweisen, dass eine Person Freude oder Glück empfindet. Auch Sympathie und Zuneigung sowie ein simples positives Feedback können so übermittelt werden. Gleichzeitig kann ein Lächeln aber auch bewusst dazu eingesetzt werden die wahre, möglicherweise missmutige, innere Einstellung zu überspielen und zu maskieren. Es wird dadurch ein allgemeines Problem nonverbaler Verhaltensweisen offensichtlich: es handelt sich bei diesen nicht um ein explizites Regelsystem. Nonverbale Kommunikation ist subtiler als die verbale und bedarf der subjektiven Interpretation. Es kann sowohl bei der Kodierung wie auch der Entkodierung solcher Mitteilungen zu Problemen und Missverständnissen kommen. Schon kleine Änderungen bei nonverbalem Verhalten können dazu führen, dass der Empfänger damit eine völlig andere Bedeutung verbindet. Oftmals ist auch nicht klar, ob eine solche Mitteilung wissentlich oder unbewusst erfolgt ist.

Obwohl das Gesicht besonders dafür geeignet ist Informationen über Emotionen (Freude, Angst, Wut, Überraschung etc.) , Intentionen und interpersonale Einstellungen von Menschen zu geben und sie daran abzulesen, ist dieses Kommunikationssystem keineswegs immer eindeutig. Für die Mimik können Augen, Nase, Mund und Stirn sowie das Zusammenspiel einer Vielzahl von Muskelgruppen des Gesichts benutzt werden. Dadurch können sehr viele Gesichtsausdrücke erzeugt werden, die von Interaktionspartnern richtig interpretiert werden müssen. Es ist dabei nicht immer der Fall, dass die Mimik das eben Gesagte ergänzt und zusätzliche Informationen dazu liefert, denn der Gesichtsausdruck versetzt uns auch in die Lage Aussagen über das Alter einer Person, ihr Geschlecht und ihre Persönlichkeit zu treffen. Diesen Aussagen ist gemein, dass sie unabhängig von verbalen Inhalten getroffen werden können. Während Alter und Geschlecht relativ zuverlässig abgelesen werden können, bestehen bei Rückschlüssen auf die Persönlichkeit eher Schwierigkeiten.

[...]


1 Morris, Charles W. (1938): Foundation of the Theory of Signs. In: Otto Neurath, Rudolf Carnap und Charles W. Morris (Hrsg.), International Encycopedia of Unified Science, Band 1, Nr. 2, University of Chicago Press, Chicago, S. 77-137.

2 vgl. dazu: Scherer, Klaus R., Wallbott, Harald G. (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, 1979, S. 25f.

4 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg;de Gruyter, 1986, S.278f.

5 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ;de Gruyter, 1986, S.275.

6 vgl. dazu: Scherer, Klaus R., Wallbott, Harald G. (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten, Weinheim-Basel, 1979, S. 17

7 vgl. Scheflen, A. (1976): Körpersprache und soziale Ordnung, Stuttgart, Klett, S. 21ff.

8 Posner, R. (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation, in: Perspektiven auf Sprache: interdisziplinäre Beiträge, zum Gedenken an Hans Hörmann; Bosshardt, Hans-Georg ;de Gruyter, 1986, S.278.

9 Der Begriff Körpersprache wird im Folgenden synonym zu nonverbaler Kommunikation gebraucht.

10 Vgl. dazu Kapitel 2.1.2.1

11 Klinzing, Gerhard (1993): Nichtverbale Kommunikation und Ausdrucksmanagement, GDI- Impuls, Heft 2/93 (1993), S. 46ff.

12 Es ließen sich hier noch mehr Verhaltensweisen anführen.

13 Spitzenpolitiker und Manager werden in dieser Arbeit als Repräsentanten für die Bereiche Politik und Wirtschaft im Mittelpunkt der Analysen stehen.

14 Dieball, Werner (2002): Die Körpersprache- ein Weg zum Charisma? Gerhard Schröder und Edmund Stoiber in den TV-Duellen der Bundestagswahlkampfs 2002

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Körperhaltung - Eine Analyse mit Beispielen
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V110073
Dateigröße
1393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nonverbale, Kommunikation, Politik, Wirtschaft, Berücksichtigung, Körperhaltung, Eine, Analyse, Beispielen
Arbeit zitieren
Simon Peglow (Autor), 2006, Nonverbale Kommunikation in Politik und Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Körperhaltung - Eine Analyse mit Beispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110073

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