Die Neuordnung Deutschlands nach dem Schmalkaldischen Krieg - Das Scheitern eines Religionsfriedens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
19 Seiten, Note: 3

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Inhalt

Einleitung

1. Der Sieg über den Schmalkaldischen Bund

2. Die Neuordnung Deutschlands
2.1 Der „geharnischte“ Reichstag zu Augsburg
2.2 Das Scheitern des Augsburger Interims

Schlusswort

Literatur

Einleitung

Wenn sich diese Hausarbeit mit dem Thema der Neuordnung Deutschlands beschäftigt, dann kommt unweigerlich die Frage auf, was mit Deutschland eigentlich gemeint ist. Wenn hier von Deutschland die Rede ist, dann wird nicht von der Institution Deutschland gesprochen, denn diese würde einen nationalstaatlichen Gedanken der Zeitgenossen fordern, gemeint ist das Reich mit all seinen kleinen deutschen Staaten. Eine gewisse Verallgemeinerung war notwendig, da sich die Vorgänge, mit denen sich die Hausarbeit vorrangig beschäftigt, auf die deutschen Territorien des Reichs beschränkten.

Der Schmalkaldische Krieg ist eines der Themen. Er wird nur kurz behandelt. Das Kapitel soll auf den Hauptteil hinführen. Auf eine tiefere Deutung der Geschehnisse wurde dabei verzichtet, ebenso wie auf die Darstellung der Strukturmängel innerhalb des Schmalkaldischen Bundes.

Der Augsburger Reichstag von 1547/48 wird als erster Punkt des Hauptteils behandelt. Warum ist dieser Reichstag für die Zeitgenossen, insbesondere für den Kaiser von solch großer Bedeutung? Welche Rolle spielen die Nachwirkungen des Krieges dabei? Staat und Religion, Gesellschaft und Kirche waren fest miteinander verbunden. Eine militärische Auseinandersetzung aufgrund konfessioneller Gegensätze, war das nicht schon fast ein Kreuzzug im eigenen Reich?

Von großer Brisanz war demnach auch das Augsburger Interim. Die konfessionelle Zwischenlösung als Frucht des Augsburger Reichstages. Wie wurde die auferlegte Zwischenlösung von den beiden Religionsparteien aufgenommen, nachdem Luther als protestantischer Führer gestorben war? Hielt sich die Front des Protestantismus, oder hatten die Einigungsversuche des Kaisers eine Chance auf Erfolg? Wie weit war die Reformation in den Herzen der Bevölkerung und nicht zuletzt auch in den Ständen verankert gewesen?

Die evangelische Geschichtsschreibung der letzten beiden Jahrhunderte beschrieb die Reformation häufig als Ursache für die Entflechtung von Staat und Kirche einhergehend mit der Individualisierung der Menschen.[1]

Die behandelte Thematik zeigt jedoch, dass es durchaus nicht so einfach ist. Die Reformation brachte Europa zusätzliche Konflikte. Religion und Politik waren derart tief ineinander verflochten, dass eine Spaltung zunächst nicht möglich war. Die Bemühungen des Kaisers, die Konfessionen wieder unter dem Dach der katholischen Kirche zu vereinen, ist nach dieser Betrachtungsweise verständlich.

Abschließen wird die Hausarbeit also mit dem Augsburger Interim und seinem Scheitern. Als Folge des Scheitern der Religionspolitik Karls V. kann der Fürstenkrieg gesehen werden, der für sich selbst wieder so ein großes Thema darstellt, dass er für diese Arbeit aus dem Rahmen fällt.

1. Der Sieg über den Schmalkaldischen Bund

Von Regensburg aus hatte Karl V. den Krieg offiziell durch die Ächtung des Kurfürsten von Sachsen und des Landgrafen von Hessen eröffnet. Die Acht wurde aufgrund des Überfalls auf Braunschweig verhängt, dennoch war sie nur ein Grund von Zweien um diesen Krieg zu führen. Karl V. wollte zusätzlich den durch den Schmalkaldischen Bund erstarkenden Protestantismus zerschlagen.[2]

Der Kaiser war außenpolitisch durch die Friedensschlüsse mit den Franzosen und den Türken entlastet und die Finanzierung des Krieges war durch den Vertrag mit dem Papst sichergestellt.[3]

Die Einbindung des Papstes in das Unternehmen könnte als Indiz verstanden werden, dass dieser Krieg für den Kaiser ein Religionskrieg war. Allerdings spricht gegen diese These, dass Karl V. Bündnisse mit protestantischen Fürsten einging, unter anderem mit Herzog Moritz von Sachsen.[4]

Auch wenn der Krieg bis zum Herbst 1546 zugunsten der Protestanten verlief, kam es durch die Einbindung Moritz von Sachsen im November 1546 zur entscheidenden Wende.[5] Nun wurde an zwei Fronten gekämpft. In Süddeutschland sahen sich die Schmalkaldener den Truppen des Kaisers ausgesetzt und in Mittel- und Norddeutschland wurde gegen die sächsischen Truppen gekämpft.

Die Protestanten sahen sich durch finanzielle Schwierigkeiten gezwungen, sich aus den süddeutschen Territorien zurückzuziehen. Diese fielen daraufhin in die Hände des Kaisers.[6]

Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen führte derweil mit Erfolg Krieg gegen das albertinische Sachsen. Karl V. eilte dem bedrängten Herzog von Sachsen zu Hilfe. In der Schlacht bei Mühlberg am 24.4.1547 gelang es Moritz von Sachsen und dem Kaiser schließlich den Kurfürsten gefangen zu nehmen. Nachdem gegen Johann Friedrich die Todesstrafe verhängt worden war, konnte diese in der Wittenberger Kapitulation in eine Gefängnisstrafe umgewandelt werden.

Der Kurfürst musste zugunsten seines Vetters Moritz von Sachsen auf die Kurwürde verzichten und die ernestinischen Länder gingen an die Albertiner.[7]

Wenig später wurde auch Landgraf Philipp von Hessen gefangen genommen. Er hatte sich zuvor in Angesicht der Niederlage unterworfen und ging nun mit Johann Friedrich in niederländische Gefangenschaft.

Nach dem Sieg erschien Karl V. als übermächtiger Sieger. Von allen großen europäischen Monarchen seiner Generation war nur noch er übrig. Der englische König Heinrich VIII. war im Januar 1547 gestorben, kurz nach Franz I. Kein Monarch hatte zu der Zeit vergleichbar große Macht wie Karl V.[8]

Einen kleinen Dämpfer hatte der Kaiser durch den Rückzug der päpstlichen Truppen im Januar 1547 erfahren. Paul III. wollte dem Trienter Konzil den kaiserlichen Einfluss entziehen und verlegte es kurzerhand nach Bologna.[9]

Mehr noch als vor dem Konflikt um das Konzil, hatte der Papst Angst vor einem übermächtigen Kaiser. Dadurch, dass das Konzil auf päpstlichen Boden verlegt wurde, war Karls Vorhaben, das Konzil auf Reichsterritorium abzuhalten und für die Einigung mit den Protestanten zu nutzen, gescheitert.[10]

„(...) So war es dahin gekommen, daß im Augenblick des großen Sieges die Dinge im Hinblick auf die kirchliche Einheit Deutschlands im katholischen Lager so schlimm standen wie nie zuvor: Das Konzil war seit der Translation nach Bologna so gut wie arbeitsunfähig, Kaiser und Papst waren heillos zerstritten (...).“[11]

2. Die Neuordnung Deutschlands

Am 1. September 1547 trat in Augsburg der Reichstag für 10 Monate zusammen. Hier wollte der Kaiser die Neuordnung Deutschlands vornehmen. Seine Hauptziele waren dabei die Lösung der Religionsfrage und die Restitution des Reichskammergerichtes. Außerdem wollte Karl V. eine Liga mit den verbündeten und unterworfenen Reichsstständen abschließen.[12]

Die Rückverlegung des Konzils nach Trient war dem Kaiser ein zusätzliches Anliegen, das er hoffte auf dem Reichstag erwirken zu können.[13]

2.1 Der „geharnischte“ Reichstag zu Augsburg

Karl V. hatte gesiegt und zog nun mit seinem Heer nach Augsburg um Reichstag zu halten. Die Stadt besetzte er um seine Autorität zu demonstrieren.[14]

Dem Kaiser war bewusst, dass eine Neuordnung des Reichs nur mit der Zustimmung der Stände möglich war. In Anbetracht des Sieges rechnete er nicht damit, dass ihm viel Widerstand entgegengebracht werden würde.

Schon während des Krieges hatte der Kaiser eine Reform und Umgestaltung der Reichsverfassung vorbereitet. Auf dem Reichstag wollte er das Verhältnis von Kaiser und Ständen auf eine neue Basis stellen. Dazu sollte ein Bund dienen, der zusätzlich auch die Vorrangstellung des Hauses Habsburg sichern sollte.[15]

„(...) der Bund sollte für eine genau bemessene Laufzeit abgeschlossen werden, in dieser Zeit galten alle Sonderbünde unter den Ständen als ausgesetzt(...).“[16]

Es kann angenommen werden, dass dieses Aussetzen aller anderen Bünde darauf zurückzuführen ist, dass der Kaiser eine vergleichbare Situation, wie die mit dem Schmalkaldischen Bund, verhindern wollte.

Die Stände waren nach der Vorstellung des Kaisers diejenigen, die die Finanzierung der Bundestruppen übernehmen sollten. Dass die Stände davon nicht allzu angetan waren ist leicht nachzuvollziehen.[17]

Nur eine kleine Gruppe der Stände war dem kaiserlichen Plan zugetan, der entscheidende Rest lehnte ihn kategorisch ab. Sie sahen ihre fürstliche Libertät gefährdet.[18]

Nach dem Scheitern des Bündnis- Plans, wandte sich Karl dem Reichskammergerichtsverhandlungen zu. Viele Einzelverhandlungen waren nötig, damit die Stände ihm das ausschließliche Ernennungsrecht für die Mitglieder des Kammergerichts gaben. Die gesamte Kammergerichtsordnung umfasste mehrere hundert Seiten. Bei der Ordnung ging es um eine systematische, vollständige Regelung der Organisation und der Zuständigkeit. Sie ist in ihrem Kern bis 1806 in Kraft geblieben.

Festgelegt wurde unter anderem das Römische Recht und die Bestimmung, dass alle Mitglieder des Gerichts akademische Juristen sein mussten. Damit ging einher, dass Jura nun verwissenschaftlicht wurde.

Des Weiteren sollte die finanzielle Unterhaltung des Gerichts in der Verpflichtung der Stände stehen.[19]

Der für den Kaiser wichtigsten Verhandlungspunkt war die Religionsfrage. Zwar hatte er durch den Sieg über die Schmalkaldener die Protestanten militärisch in die Knie gezwungen, aber ihm ging es in Augsburg darum politisch einzugreifen.[20]

Karl V. hatte sich zum Ziel gemacht die dauerhafte religiöse Spaltung des Reichs zu verhindern und die kirchliche Einheit wieder herzustellen. Den Anhängern des neuen Glaubens sollte es durch den Zwang zur Einheit erleichtert werden in den Schoß der alten Kirche zurückzukehren.[21]

„(...) das sich ohne christliche vergleichung oder gebürliche erörterung der eingerissenen hochschedlichen spaltung der strittigen religion (...) einnichs bestenndigen friedts, rechts, ruhe noch einigkeit beschwerlich zu versehen sein wollte (...)dadurch ir kayserliche maiestat verhofft, solch verderbliche spaltung zu christlicher vergleichung oder bessern verstandt zu befürden und zu bringen(...)“[22]

Da das Konzil endgültig über die Religionsfrage entscheiden sollte, galt die Bestimmung des Reichstages als Interim, also nur vorläufig. Deutlich wird dies in der Vorrede des Kaisers aus den Reichstagsakten:

„(...)irer kayserlichen maiestat gehorsamblich heimgestellt, auff christlich und gebürlich wege bedacht zu sein, wie mitler zeit, biß zu endung und außtrag des concilii, gemeine stennde gotseliglich und in guetem, friedlichen wesen beyeinander leben und wonen mochten, und niemandt wider recht und pillichait beschwerdt werde (...).“[23]

In diesem Zitat kommt der Anspruch des Friedens zum Ausdruck. Inwieweit das Augsburger Interim als Religionsfrieden zu bewerten ist, wird in 2.2 noch erörtert werden.

Für den Kaiser war es von außerordentlicher Wichtigkeit, dass das Konzil zurück nach Trient verlegt wurde. Die katholischen Reichsstände hielten nichts dagegen, aber die Protestanten forderten ein freies Konzil, das heißt, ein von der Herrschaft des Papstes befreites Konzil. Karl V. nutzte die Uneinigkeit der Stände um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Er wollte die Unterwerfung der Stände unter das Konzil und dessen Beschlüsse erreichen.

Im Falle, dass die kaiserlichen Bemühungen bezüglich der Rückverlegung des Konzils, erfolgreich sein würden, werde er sich dafür einsetzen, dass die Stände der confessio augustana und deren Theologen sicheres Geleit und Gehör auf dem Konzil erhielten.[24]

Dennoch benötigte Karl V. große Überzeugungskunst um die Vorbehalte, hauptsächlich die der Protestanten, aus dem Weg zu räumen.

Am 24. Oktober konnte eine Einigung erzielt werden. Für den Kaiser ging es danach darum, den Papst und die Konzilslegaten auf die Linie seiner Politik zu bringen. Dies war in Anbetracht des fröstelnden Verhältnisses von Kaiser und Papst nicht einfach und so blieb die Frage der Rückverlegung vorerst unbeantwortet.[25]

Das Interim war aufgrund dessen von großer Bedeutung für den Kaiser und das Reich. Schließlich musste eine Ordnung im Reich erlangt werden.

Die, während des Krieges von des Kaisers Kommission katholischer Theologen, verfassten Neuordnungen, schienen dem Kaiser nicht durchsetzbar zu sein. Deshalb sah sich der Kaiser gezwungen – er stand ja ohne eigenem Vorschlag vor dem Reichstag – einen gemeinständischen Ausschuss anzuregen. Dieser sollte zusammen mit kaiserlichen Räten einen Vorschlag erarbeiten.

Die erste Schwierigkeit bestand darin einen Ausschuss zusammenzustellen. Dazu wurden einige Wochen benötigt, aber die großen konfessionellen Gegensätze lähmten die Verhandlungen.

Daraufhin ließ Karl V. die Beratungen Ende Februar 1548 beenden. Im Verborgenen hatte er zwischenzeitlich eine neue Kommission beauftragt, welche die Religionsverhältnisse ordnen sollte. Schon am 15. Mai 1548 lag dem Kaiser ein Entwurf vor.[26]

„(...) Da aber kaum mehr jemand von den Ständen einen Ausgleich wollte, kam das Interim durch kaiserliche Verfügung nach einem Entwurf von Pflug, Helding und Johann Agricola zustande (...).“[27]

In dem Entwurf wurden den Protestanten Zugeständnisse bei der Rechtfertigungs- und Abendmahlslehre gemacht. Priesterehe und Laienkelch wurden ihnen bis zur Entscheidung auf dem Konzil bewilligt.[28]

„(...) das solcher rathschlag zu rechtem christlichen verstandt unserer waren christlichen religion und kirchen leer, ordnungen und Satzungen (ausserhalb der zweien puncten, die communion under beider gestalt und der priester ehe betreffend) nit zuwider, sondern zu befürdung und erlangung volkhomner christlicher vergleichung (...) fruchtbar und dienstlich sein soll.(...)“[29]

2.2 Das Scheitern des Augsburger Interims

Das Interim wurde am 30. Juni Reichsrecht. Eigentlich war es nicht als eine Sonderregelung für Protestanten gedacht gewesen, dennoch entwickelte es sich zu einer solchen.[30] Die katholischen Reichsstände, besonders die geistlichen standen dem Interim ablehnend gegenüber.[31] Für sie war es unannehmbar, dass das Interim für beide Religionsparteien gelten sollte.

War es doch für sie schon schwer genug der Priesterehe und dem Laienkelch zuzustimmen.

Der Kaiser ging auf die Katholiken zu. In der zweiten Maiwoche legte er das Interim nur für die Protestanten als verbindlich fest.[32] Die Altgläubigen schloss er aus und erließ für sie eine besondere „Formula Reformationis“[33] außerhalb des Reichstagsabschieds.

Die Verwirklichung des Interims erwies sich als sehr schwierig. Im unmittelbaren Machtbereich des Kaisers konnten mehr Erfolge in der Durchsetzung erreicht werden als in ferneren Gebieten. In den oberdeutschen Reichsstädte, die den Kaiser als Stadtherren hatten, derer gab es 27, erledigte eine Verfassungsänderung die Realisierung des Interims.[34] Doch dort, wo das Interim griff, geschah es unter militärischem Druck des Kaisers.[35] Großen Widerstand fand sich in der protestantischen Geistlichkeit.

„(...) Insbesondere die evangelischen Pfarrer lehnten in ihrer großen Mehrheit das Interim strikt ab und verließen lieber ihr Amt oder sogar das Land, als sich zu fügen(...).“[36]

Das ausschlaggebende Kriterium für das Scheitern des Interims war zweifelsohne der Widerstand der Bevölkerung. Wie sollte der einfache Mann dazu gebracht werden, das Interim als Bekenntnis zu aktzeptieren? Die Reformation war inzwischen schon derart im Volk verankert, dass die Lenkung von oben kaum etwas ausrichten konnte.[37]

Das Interim wurde aus den Ständereihen nur von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg propagiert. Er ließ es durch Druckausgaben verbreiten, sorgte aber dafür, dass die märkische Kirchenordnung im Wesentlichen verbindlich blieb.[38] Als Zentrum des Widerstandes entwickelte sich Magdeburg und das gesamte norddeutsche Gebiet. Magdeburg hatte sich erfolgreich gegen die Reichsacht behauptet und wurde von der protestantischen Publizistik daraufhin als des „Herrgotts Kanzlei“ betitelt.[39] Der Widerstand sammelte sich um die Figuren des Nikolaus von Amsdorf und Matthias Flaccius Illyricus. Es erschienen eine beträchtliche zahl von Schmach- und Schmähschriften gegen den Kaiser und gegen Melanchthon, welcher maßgeblich beteiligt war an der Kompromißlösung von Leipzig.

Schon im Vorfeld, mitten in den Verhandlungen um das Interim hatte der neue Kurfürst Moritz von Sachsen Widerstand angemeldet. Er wollte und konnte das Interim bei den Ständen des Kurfürstentums nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite sah er sich als ehemaliger Bündnispartner des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg in der Verpflichtung, das Interim anzunehmen. Es wurde nach einer Kompromißlösung gesucht und sie wurde im Leipziger Interim auch gefunden. Es wurde von Wittenberger Theologen und den kursächsischen Ständen angenommen. Melanchthon, an der Spitze der Erschaffer des Leipziger Kompromißmodells, setzte sich von Luthers Lehren ab und nahm einige Adiaphora[40] als gegeben hin.[41]

Innerhalb des Protestantismus musste dies zu Konflikten zwischen den Anhängern des Leipziger Interims und den kompromisslosen Gegnern des kaiserlichen Interims kommen.[42] Amsdorf, Flaccius und Nikolaus Gallus begaben sich nach Magdeburg und kämpften dort gegen das Interim. Luther war nun schon drei Jahre tot und nun kam es zu einem heftigen Streit innerhalb seiner Lehre.[43]

Aus dem Unmut über das Interim formierte sich später eine Fürstenopposition und im April 1552 kam es schließlich zum Fürstenkrieg, unter Führung des Markgrafen Hans von Küstrin, dem Herzog Albrecht von Preußen und Johann Albrecht von Mecklenburg. Moritz von Sachsen schloss sich erst später dem Fürstenbund an und setzte sich schnell an die Spitze der Opposition zum Kaiser.[44]

Aber was wurde aus den Plänen des Kaisers, das Konzil nach Trient zurückzuholen und die Religionsparteien zusammenzuführen? Der Papst hatte das Konzil tatsächlich im Mai 1551 nach Trient zurückberufen, aber eine Einigung konnte nicht erlangt werden. Die Politik des Kaisers scheiterte und damit war der konfessionelle Bruch des Reichs nicht mehr zu verleugnen.

Schlusswort

Nach diesen erörterten Geschehnissen, ist klar, dass dem Kaiser neue Herausforderungen bevor standen. Die Einigungspolitik war gescheitert und so musste sein Vorgehen in eine andere Richtung zeigen. Vergleich statt Einigung. Die Hoffnung auf eine Einung wurde auch in den folgenden Jahren nicht begraben, aber es zeigte sich, dass die Reformation schon zu weit in der Geisteswelt der Zeitgenossen verankert war, um eine Vereinigung beider Religionsparteien zu erwirken.

Der Augsburger Reichstag war für den Kaiser wichtig, da er das Instrument darstellte, mit dem er seine Religionspolitik durchzusetzen gedachte. Das Konzil war vertagt worden und war durch die Verlegung nach Bologna aus seinem Wirkungskreis gefallen. Auf den Papst war wenig zu hoffen. Einerseits hatte der Rückzug der päpstlichen Truppen im Schmalkaldischen Krieg einen bitteren Nachgeschmack bei Karl V. hinterlassen, andererseits s tellte der Papst bei den Protestanten keinen Machtfaktor dar. Schon die Annahme des Konzils konnte schwer erlangt werden. Der Krieg war eine neue Art der Reformation. Die Glaubensfragen militärisch zu „diskutieren“ glich einem Kreuzzug. Zwar hatte Karl V. den Zeitgenossen glauben lassen, dass es sich um einen Achtexekutionskrieg handelte, aber beiden Kriegsparteien war die Kernessenz der Auseinandersetzung bekannt. Dafür spricht unter anderem, dass der Papst involviert wurde.

Das Interim konnte schließlich keinem der Religionsparteien gerecht werden. Die Katholiken verschmähten es, aufgrund der Kompromisse, die sie nicht einzugehen gedachten. Die Protestanten sahen in ihm eine Beschneidung ihrer Überzeugung. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass das Interim auf beiden Seiten Widerstand erntete.

„(...) Vor allem, dass das Interim schließlich zu einem Sondergesetz für die, besser gegen die Protestanten geworden war, musste ja als Diskriminierung wirken.(...)“[45]

Auch das Leipziger Interim kann als Widerstand betrachtet werden. Es nähert sich zwar dem Augsburger Interim an, ist aber nur als diplomatisches Mittel zu verstehen, um einen Konflikt mit dem Kaiser aus dem Weg zu gehen. Der Konflikt ließ aber nicht lange auf sich warten und formierte sich im Fürstenkrieg. An dessen Spitze der ehemalige Verbündete des Kaisers, Moritz von Sachsen, stand.

Die Reformation war zu weit fortgeschritten um den Konflikt aus dem Weg zu gehen. Die Uhr stand auf Veränderung, aber dies anzunehmen war besonders für den Kaiser keine akzeptable Maßnahme.

„(...) Das Interim stand gegen den Geist der Zeit und scheiterte auf der ganzen Linie(...).“[46]

Literatur

/1/ FUCHS, Walther Peter: Das Zeitalter der Reformation. In: Gebhardt. Handbuch der Geschichte. Bd. 8. 9. neu bearbeitete Aufl. Hrsg. von Herbert Grundmann, Stuttgart 1984
/2/ HAUG-MORITZ, Gabriele : Zur Konstruktion von Kriegsniederlagen in den frühneuzeitlichen Massenmedien – das Beispiel des Schmalkaldischen Krieges (1547-1552). In: Kriegsniederlagen. Erfahrungen und Erinnerungen. Hrsg. von Horst Carl, Hans-Henning Kortüm, u.a.,Berlin 2004
/3/ LUTZ, Heinrich: Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung. Von Maximilian I. bis zum Westfälischen Frieden 1490 bis 1648. Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1983
/4/ MEHLHAUSEN, Joachim: Das Augsburger Interim von 1548. Nach den Reichstagsakten deutsch und lateinisch. In: Texte zur Geschichte der evangelischen Theologie. Hrsg. von Ernst Bizer und J.F. Gerhard Goeters. Heft 3. Neukirchen-Vluyn 1970
/5/ RABE, Horst: Karl V. und die deutschen Protestanten. Wege, Ziele und Grenzen der kaiserlichen Religionspolitik. In: Karl V. Politik und politisches System. Berichte und Studien aus der Arbeit an der Politischen Korrespondenz des Kaisers. Hrsg. Horst Rabe. Konstanz 1996
/6/ Ders.: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500-1600. Neue Deutsche Geschichte. Bd. 4. Hrsg. von Peter Moraw, Volker Press, Wolfgang Schieder. München 1989
/7/ REINHARD, Wolfgang: Probleme deutscher Geschichte 1495-1806. Reichsreform und Reformation 1495-1555. In: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 9, 10. völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart 2001
/8/ SEIBT, Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Berlin 1990
/9/ SCHORN- SCHÜTTE, Luise: Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. 3. durchgesehene Aufl. München, 2003
/10/ SCHULZE, Winfried: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert. 1500-1618. In: Neue Historische Bibliothek. Hrsg. von Hans- Ulrich Wehler. Frankfurt am Main 1987

[...]


[1] Vgl. Luise Schorn-Schütte: Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. 3. durchgesehene Aufl. München 2003, S. 8

[2] Horst Rabe: Karl V. und die deutschen Protestamten. Wege, Ziele und Grenzen der kaiserlichen Religionspolitik. In: Karl V. Politik und politisches System. Berichte und Studien aus der Arbeit an der Politischen Korrespondenz des Kaisers. Hrsg. Horst Rabe. Konstanz 1996, S. 335

[3] Vgl. Walther Peter Fuchs: Das Zeitalter der Reformation. In: Gebhardt. Handbuch der Geschichte. Bd. 8. 9. neu bearbeitete Aufl. Hrsg. von Herbert Grundmann, Stuttgart 1984, S. 185 „(...) Am 6.6.1546 schloß er [Karl V.] den Vertrag mit dem Papst, der sich verpflichtete, zum Krieg gegen die Ketzer, der ein Konzil vielleicht überflüssig machte, außer den bereits übergebenen 200000 Dukaten 125000 Soldaten aufzubringen und für die Dauer des Krieges und ein weiteres Jahr die Hälfte der geistlichen Einkünfte Spaniens und 500000 Dukaten aus den Lehnsgütern der spanischen Klöster beizusteuern (...)“

[4] Vgl. dazu ebd., S. 186 sowie Rabe, Konstanz, S. 335; Bei Ferdinand Seibt heißt es, der Kaiser habe den eigentlichen Grund des Krieges, die religiösen Gegensätze, tarnen wollen, indem er es nach einem Exekutionskrieg aussehen ließ. Des Weiteren soll Karl V. die Protestanten des Angriffs beschuldigt haben. (Ferdinand Seibt: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Berlin 1990, S. 162)

[5] Gabriele Haug-Moritz: Zur Konstruktion von Kriegsniederlagen in den frühneuzeitlichen Massenmedien – das Beispiel des Schmalkaldischen Krieges (1547-1552). In: Kriegsniederlagen. Erfahrungen und Erinnerungen. Hrsg. von Horst Carl, Hans-Henning Kortüm, u.a.,Berlin 2004, S. 345. vgl. dazu Fuchs, Stuttgart, S. 186

[6] November 1546 vgl. ebd, S. 346

[7] Fuchs, Stuttgart, S. 187; Haug-Moritz, Berlin, S. 347

[8] Horst Rabe: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500-1600. Neue Deutsche Geschichte. Bd. 4. Hrsg. von Peter Moraw, Volker Press, Wolfgang Schieder. München 1989, S. 267

[9] Fuchs, Stuttgart, S. 190

[10] Heinrich Lutz: Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung. Von Maximilian I. bis zum Westfälischen Frieden 1490 bis 1648. Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1983, S. 279

[11] Ebd. S 279

[12] Rabe, München, S. 265

[13] Rabe, Konstanz, S. 337

[14] Aufgrund der Truppenpräsenz wird der Augsburger Reichstag auch „geharnischter“ Reichstag genannt. Vgl. Rabe, München, S. 267

[15] Lutz, Wien, S. 280

[16] Schorn-Schütte, München, S. 86

[17] ebd. S. 86

[18] Lutz, Wien, S. 280 vgl. dazu Rabe, München, S. 267: „(...) War jene auf unbestimmte Zeit geforderte Unterhaltung einer Anzahl Kriegsvolks nicht schon der Anfang eines stehenden Heeres unter alleiniger Verfügungsgewalt des Kaisers? Mußte die Sistierung der ständischen Einung nicht zu einer immer noch wachsenden Abhängigkeit aller, nicht nur der kleineren Stände vom Bund und damit vom Kaiser führen?(...) Eben solche Überlegungen und Befürchtungen waren es, die gerade jetzt, (...) den Widerstand der Gegner des Bundesprojekts verstärkten(...)“

[19] Rabe, München, S. 268-269

[20] Seibt, Berlin, S. 170

[21] Fuchs, Stuttgart, S. 191

[22] Aus der Vorrede des Kaisers In: Joachim Mehlhausen: Das Augsburger Interim von 1548. Nach den Reichstagsakten deutsch und lateinisch. In: Texte zur Geschichte der evangelischen Theologie. Hrsg. von Ernst Bizer und J.F. Gerhard Goeters. Heft 3. Neukirchen-Vluyn 1970, S. 28

[23] Aus der Vorrede des Kaisers. In: Mehlhausen, Neukirchen-Vluyn, S. 30

[24] Rabe, München, S. 272- 274; vgl. dazu Einleitung des Reichsabschieds Augsburg 30.Juni 1548 In: Mehlhausen, Neukirchen-Vluyn, S. 152: „(...) Deßgleichen, das diejenigen, so der augspurgischen confession anhengig gewesen, und derselben gesandten, inn sollichen concilio erscheinen mögen. Und das sie darzu, darinn und davon, bis wider an ir gewahrsam, gesichert und vergleyttet, auch nottürfftigklich gehört(...).“

[25] Rabe, München, S. 272-274

[26] Rabe, München, S. 276

[27] Wolfgang Reinhard: Probleme deutscher Geschichte 1495-1806. Reichsreform und Reformation 1495-1555. In: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 9, 10. völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart 200, S. 342

[28] Ebd. S. 342

[29] Aus der kaiserlichen Vorrede. In: Mehlhausen, Neukirchen-Vluyn, S. 32

[30] Schorn-Schütte, München, S. 87; Reinhard, Stuttgart, S. 342

[31] Leonhard von Eck führte die katholischen Stände gegen das Interim an. Sie verweigerten die Durchführung des Interims, solange das Konzil nichts beschlossen hatte.

[32] Rabe, München, S. 277

[33] Nach Reinhard, Stuttgart, S. 342

[34] Vgl. ebd. S. 342

[35] Rabe, München, S. 278

[36] Ebd., S. 278

[37] Fuchs, Stuttgart, S. 191 “(...) In den protestantischen Gebieten waren zur Feier des Meßopfers katholische Priester nicht mehr in genügender Anzahl vorhanden. Wo sie auftraten wurden sie vielfach gemieden. Das Volk lief den evangelischen Prädikanten nach oder verzichtete ganz auf Sakrament und Predigt(...).“ Vgl. Winfried Schulze: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert. 1500-1618. In: Neue Historische Bibliothek. Hrsg. von Hans- Ulrich Wehler. Frankfurt am Main 1987, S. 151

[38] Mehlhausen, Neukirchen-Vluyn, S. 10

[39] Rabe, München, S. 279

[40] Als Adiaphora werden Dinge bezeichnet, die nicht den Glauben unmittelbar betreffen. Wie zum Beispiel Papsttum und gottesdienstliche Ordnungen .

[41] Fuchs, Stuttgart, S. 192

[42] Vgl. Schorn-Schütte, München, S. 87

[43] Rabe, München, S. 280

[44] Rabe, München, S. 284

[45] Rabe, München, S. 191

[46] Fuchs, Stuttgart, S. 191

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Details

Titel
Die Neuordnung Deutschlands nach dem Schmalkaldischen Krieg - Das Scheitern eines Religionsfriedens
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Religionsfrieden in der Frühen Neuzeit
Note
3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V110166
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Augsnurger Reichstag von 1547/48 wird als erster Punkt des Hauptteils behandelt. Warum ist dieser Reichstag für die Zeitgenossen von solch großer Bedeutung? Welche Rolle spielen die Nachwirkungen des Krieges dabei? Staat und Religion, Gesellschaft und Kirche waren fest miteinander verbunden. Eine militärische Auseinandersetzung aufgrund konfessioneller Gegensätze, war das nicht schon fast ein Kreuzzug im eigenen Reich?....
Schlagworte
Neuordnung, Deutschlands, Schmalkaldischen, Krieg, Scheitern, Religionsfriedens, Religionsfrieden, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Jasmine Weimann (Autor), 2005, Die Neuordnung Deutschlands nach dem Schmalkaldischen Krieg - Das Scheitern eines Religionsfriedens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110166

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