Roboter - Der bessere Mensch?


Facharbeit (Schule), 2006

40 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was sind Roboter und wie sind sie entstanden?
2.1 Begriffsklärung
2.2 Geschichte und Entwicklung humanoider Roboter

3 Humanoide Roboter – Entwicklungsstand und Zukunft
3.1 Lohnt sich der Bau humanoider Roboter?
3.2 Beispiel für einen humanoiden Roboter: Asimo
3.3 Künftige Einsatzgebiete humanoider Roboter
3.4 Technische Herausforderungen zur Vermenschlichung der Roboter

4 Prognosen und Bewertungen – Fürsprecher und Kritiker der Robotikentwicklung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anlagen

8 Selbstständigkeitserklärung

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, unter der Fragestellung „Roboter – der bessere Mensch?“ einen realistischen Blick auf die Roboterentwicklung, insbesondere die der humanoiden Robotik zu werfen und über den aktuellen Stand dieser zu unterrichten. Hierfür werde ich viele Forschungsbeispiele anbringen und Herausforderungen und Ziele der Entwicklung aufzeigen. Dabei möchte ich unter Bezug auf Kritiker und Fürsprecher eine eigene Stellung zur oben genannten Frage gewinnen.

Zuerst soll geklärt werden, was ein Roboter ist und wie seine Entwicklung bis zum humanoiden Roboter von Heute verlief. Dann sollen Stand der Technik, Motive der Entwicklung, zukünftige Einsatzgebiete und Problematiken in der Entwicklung der Roboter dargelegt werden. Der folgende Abschnitt ist den Visionen und Prognosen eingängiger Robotikforscher gewidmet und abschließend werde ich die Themenfrage erörtern und beantworten.

2 Was sind Roboter und wie sind sie entstanden?

2.1 Begriffsklärung

Der Begriff „Roboter“ ist vom tschechischen Wort für Zwangsdienst „robota“ abgeleitet und wurde in seiner heutigen Bedeutung erstmalig 1921 in der Uraufführung von Karel Capeks Theaterstück „Rossum’s Universal Robots“ (Abb. 1) in Prag verwendet, in dem der Erfinder Rossum maschinelle leibeigene Diener für seine Familie bauen möchte. Letztendlich führt er jedoch seine Familie selbst in die Sklaverei. Weiterhin hat Isaac Asimov (1920-1992) in seinen einunddreißig von 1939 bis 1977 geschriebenen Robotergeschichten die Definition von Robotern weiterentwickelt, indem er für den Roboter von menschenähnlicher Erscheinung Handlungsregeln – „Die drei Robotergesetze“1 – entwarf: „1. Ein Robot darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen. 2. Ein Robot muß den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum Ersten Gesetz. 3. Ein Robot muß seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.“2.

Heutzutage sind Roboter frei programmierbare Maschinen, geschaffen zur Erfüllung von bestimmten Aufgaben. Sie gelten als menschliches Werkzeug, dessen Leistungsmerkmale durch Autonomie und Bewegungsfähigkeit und ebenso durch die aus dem biologischen Kontext stammenden Eigenschaften Verhalten, Intelligenz und abhängig vom Zweck, auch durch Emotionen gekennzeichnet sind.

Innerhalb interdisziplinärer wissenschaftlicher Arbeitskreise wurde folgende Definition entwickelt:

Roboter sind sensumotorische Maschinen zur Erweiterung der menschlichen Handlungsfähigkeit. Sie bestehen aus mechatronischen Komponenten, Sensoren und rechnerbasierten Kontroll- und Steuerfunktionen. Die Komplexität eines Roboters unterscheidet sich deutlich von anderen Maschinen durch die größere Anzahl von Freiheitsgraden und die Vielfalt und den Umfang seiner Verhaltensformen. 1

Roboter mit menschenähnlicher Erscheinung werden als humanoide Roboter (auch Androiden) bezeichnet.

2.2 Geschichte der Roboter bis zur Entwicklung humanoider Roboter

Die Wurzeln moderner Roboter reichen weit zurück in die Antike bis um 800 v. Chr., bereits im alten Ägypten gab es bewegliche Statuen und Masken mit versteckten Bewegungsmechanismen, diese verwendeten z.B. Priester um ihre Macht gegenüber den Herrschern und dem Volk mit Hilfe von beeindruckenden Täuschungen, als „Wunder“ deklariert, zu stützen. Beispiele hierfür sind sich selbstständig öffnende Tempeltore, sich selbst bewegende Statuenarme oder auch Statuen der Göttin Artemis, aus deren Brüsten Milch lief.2

Etwa um 270 v. Chr. entwickelte der griechische Erfinder Ktesibios aus Alexandria, dessen Arbeiten auf die mechanische Lehren Alexander des Großen (356-323 v.Chr.) und ganz ursprünglich auf Archimedes zurückzuführen sind, die erste Uhr, deren Zeitscheibe für eine 360°-Umdrehung genau ein Jahr benötigte. Diese Uhr gilt als das erste Messinstrument, welches präzise mit einem natürlichen Vorgang übereinstimmt. Wie weit die griechische Technologie damals schon entwickelt war, zeigt sich auch am etwa 87 v.Chr. von der Schule des Posidonius

entwickelten Mechanismus von Antikythera (Abb. 2). Dieser konnte nach Eingabe von spezifischen Daten, den Stand der Sonne, den des Mondes und die Positionen von Planeten, mechanisch berechnen und war somit das früheste Exemplar einer Maschine, die Informationen verarbeiten und daraus ein Ergebnis berechnen kann. Aufbauend auf dem Schaffen von Ktesibios schrieb Heron von Alexandria, welcher als größter griechischer Ingenieur seiner Zeit galt, um 85

n. Chr. ein Buch über Automaten, Pneumatik und Mechanik, in denen er die antiken „Wunder“ (s.o.) aufdeckte. Er baute den ersten Dampfmotor und weitere Automaten.

Die über die Jahrhunderte gesammelten Erkenntnisse und Entwicklungen der Griechen wurden von den Schreibern des Kalifen Abdullah al-Manun von Bagdad im frühen neunten Jahrhundert zusammengetragen und im Buch der raffinierten Geräte, dem „Kitab a-Hiyal“ gesammelt. Aufgrund der so überlieferten Informationen bauten die Araber viele weitere Automaten, die z.B. der Hygiene dienten, große Uhren und Glockenspiele mit beweglichen Figuren1, welche wiederum von den Europäern während der Kreuzzüge zwischen 1096 und 1291 entdeckt wurden und durch die neues Wissen nach Europa gelangte.2

In der Zeit der Renaissance wurden viele auf Hydraulik basierende Automaten geschaffen, selbst von Leonardo Da Vinci (1452-1519) glaubt man heute, er habe neben seinen vielen genialen Erfindungen Konstruktionspläne für einen künstlichen Menschen angefertigt, die er jedoch aus Angst der Blasphemie bezichtigt zu werden oder dass Konkurrenten seine Pläne kopieren könnten, vernichtet haben soll.3 Einen ersten Versuch einen künstlichen Menschen nachzubauen erstrebte der begnadete Automatenkonstrukteur Jacques de Vaucanson (1709-1782), Idol König Ludwigs XV, dies gelang ihm jedoch nicht.4

Dennoch sollte die Nachbildung des Menschen maßgeblich für die weitere Maschinen- und Automatenentwicklung und insbesondere die Robotertechnik sein.

Im 18. Jh. konstruierten der schweizer Uhrmacher Pierre Jaquet-Droz und sein Sohn Henri Louis drei Automaten in menschlicher Gestalt: einen Zeichner, ein Cembalo spielendes Mädchen und einen Schreiber (Abb. 3). Diese Figuren waren perfekt konstruiert und wirkten so realistisch, dass man die beiden Konstrukteure in Spanien wegen Hexerei anklagen wollte.

Die Epoche des 18. Jahrhunderts war stark durch die Wissenschaft geprägt, das Interesse für die Natur des Menschen, seine Ersetzbarkeit durch künstliche Wesen und die Herstellung künstlicher Gliedmaßen waren kennzeichnend für diese Zeit.1

Ein erster Grundstein für die späteren Computer und Roboter wurde 1801 von Joseph-Marie Jacquard gesetzt. Er entwickelte den ersten Webstuhl, welcher Informationen automatisch gesteuert umsetzte (Abb. 4). Dieser Automat war ein Wendepunkt in der Herstellungstechnik, welche noch bis heute die Entwicklungsprozesse der industriellen Produktion prägen sollte und vor allem den Einsatz menschlicher Arbeiter ablöste. Bis ins 20 Jh. entstanden somit viele weitere Maschinen zur Optimierung der Produktion im Zuge einer Welle der Umstrukturierung. 2

1936 verfasste der Mathematiker Alan M. Turing (dechiffrierte 1943 den Verschlüsselungscode der Deutschen Wehrmacht) einen Artikel namens „On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem“ in dem er propagierte, dass sich riesige Mengen an Informationen mit einer Maschine verarbeiten lassen würden, die in ihrer Funktionsweise dem Boole’schen Zahlensystem (Rechenprinzip: 0 und 1) unterläge. Mit der Überzeugung, solch eine Maschine könnte dem Menschen in seiner Leistungsfähigkeit ebenbürtig sein, gab Turing somit Anstoß einen Computer zu bauen.

Dieser wurde dann 1946 an der Universität Pennsylvania fertig gestellt, er hieß ENIAC (Abb. 5), nahm 140 m² Platz ein, wog 30 Tonnen und bestand aus 18000 Röhren.

Den ersten Roboterarm entwickelte der Wissenschaftler Raymond Goertz in Argonne, verbunden durch Elektromotoren fungierte er zum Schutz des Menschen. Mit seiner Hilfe war man in der Lage, mit gefährlichen Stoffen aus sicherer Entfernung zu agieren.3

1956 entwickelte der Informatikprofessor Herbert Simon von der Carnegie Mellon University in Philadelphia gemeinsam mit dem Informatiker Alan Newell das Programm „Logic Theorist“.

Dieses war in der Lage selbstständig Beweise für einfache mathematische Theoreme zu erbringen und belegte erstmalig, dass Computer in der Lage sind, eigenständig logische Denkoperationen auszuführen. Somit wurde das Prinzip der künstlichen Intelligenz erschaffen.4

Wabot-1 (Abb. 6) ist das Ergebnis einer langen Reihe von Prototypen und der erste lebensgroße humanoide Roboter der Welt. Der 1973 von Ichiro Kato & Team an der Waseda Universität in

Tokyo hergestellte Roboter bestand aus verschiedenen Teilsystemen, einem zur Kontrolle der Gliedmaßen, einem Stereo-Kamerasystem und einem zur Konversation mit dem er, dank Augen, Ohren und Mund, auf japanisch kommunizieren konnte. Er konnte mit Hilfe des als Laufroboter konstruierten integrierten Modul WL-5 gehen und mit dem Modul WAM-4 mittels taktiler Sensoren greifen und Gegenstände transportieren. Seine mentalen Fähigkeiten für die Bewegungskoordination wurden auf die eines 18 Monate alten Kindes geschätzt.

Als weiterer Meilenstein eines „Personal Robot“ gilt Wabot-2 (Abb. 7), orgelspielender Laufroboter, 1985 entwickelt, welcher Noten vom Blatt lesen und mit bis zu 15 Anschlägen pro Sekunde spielen konnte, Er passte sich dem Tempo eines Begleitspielers an.

In der Zeit von 1986-1989 entwickelten David Bennett und sein Team am Pacific Northwest Laboratory des U.S. Departement of Energy in Richland, Washington, für die U. S. Army in Dugway, Utah, einen Roboter zum Testen von Schutzkleidung (gegen chem. Kampfmittel, extreme Temperaturen und andere feindliche Umgebungen) namens Manny (Abb. 8).

Dieser simulierte menschliche Bewegungen, Atmung, Körper- und Hauttemperatur und sogar Schwitzen, er hatte 15 Gelenke und 42 Freiheitsgrade1 (Umfang von körperlicher Handlungsfreiheit).

3 Humanoide Roboter – Entwicklungsstand und Zukunft

„Jede große Elektronikfirma und jeder Automobilkonzern dürfte derzeit ein Roboterprojekt am Laufen haben“2 vermutet Dan Kara, Präsident von der Firma Robotics Trends. Dabei lässt sich feststellen, dass diese Firmen, neben Universitäten und Hochschulen vor allem eines anstreben: Den Bau eines humanoiden Roboters.

Ich möchte in den folgenden Kapiteln anhand von Beispielen darlegen, weshalb und wofür diese humanoiden Roboter entwickelt werden, wie weit die Forschung vorangeschritten ist und was es für Entwicklungsziele gibt.

3.1 Lohnt sich der Bau humanoider Roboter?

Der Meinung vieler Robotikexperten zufolge könnte sich der Markt humanoider Roboter zum wichtigsten dieses Jahrhunderts entwickeln. Im 20. Jahrhundert waren die Maschinen das Zugpferd der Wirtschaft, jedoch sind alle bis dato entwickelten Systeme in ihrem

Einsatzmöglichkeiten beschränkt, insbesondere Robotersysteme wie Industrieroboter, denen die Arbeitsumgebung angepasst werden muss. „Muss [ein Roboter] Aufgaben mit Interaktionen am Menschen erfüllen, eignen sich humanoide Roboter besser. Ein Roboter, der ähnlich wie ein Mensch konstruiert ist, kann in einer für den Menschen gedachten Umgebung operieren, die gleichen Werkzeuge verwenden, ohne dass diese verändert werden müssten, und mit Menschen zusammenarbeiten“1 meint Fumio Kanehiro, Forscher vom AIST (Advanced Information System Technology), Softwarezweig des 1998 begonnenen Human Robotics Project (HRP), wobei die Roboter für unangenehme und undankbare Aufgaben zuständig wären.2

Vor allem in Japan glaubt man an einen zukünftigen Personal-Roboter-Boom, so hat die japanische Regierung in den ersten 5 Jahren bereits 32,5 Mio. Euro in das HRP investiert. Das wäre in anderen Länder kaum denkbar, da hier ein Nachweis für die praktische Anwendung erbracht werden müsste, bevor Gelder fließen.

Japan ist führend in der Entwicklung von Androiden, in keinem anderen Land der Welt wird so viel an Universitäten und in der Industrie an der Entwicklung von humanoiden Robotern gearbeitet. 3

3.2 Beispiel für einen humanoiden Roboter: Asimo

Asimo - Advanced Step in Innovative Mobility (Abb. 9) , der wohl repräsentativste humanoide Roboter heutzutage, ist das aktuelle Ergebnis der Hochtechnologiestudie Hondas, des 1986 begonnenen Humanoid Robot Research and Development Program[s].4

Ziel war es, einen Roboter innerhalb von 20 bis 30 Jahren zu schaffen, der mit dem Menschen koexistieren kann, wobei die Autonomie in der Fortbewegung innerhalb menschlicher Lebensräume als wichtigste Qualität galt. Honda prognostizierte 1986 für sein Unternehmen, dass der Automarkt nicht weiter wachsen wird und sich die Zukunft des Automobils verstärkt auf elektronische Bauteile stützen würde, somit wäre die Forschung auf diesem Gebiet sinnvoll, da sie der Kernkompetenz Hondas diene.

Ein Androider war also als Zugpferd der neuen Strategie ideal geeignet. Honda investierte bis 1997 ca. 100 Mio. Dollar in die Forschung und Entwicklung des humanoiden Roboters. Nach 10 Vorläufermodellen (Abb. 10), präsentierte Honda 2001 die erste Version von Asimo.1

Der am 13.12.2005 von Honda präsentierte Roboter ist das momentan modernste Modell von Asimo (technische Spezifikationen, siehe Abb. 11).2

Asimo kann laufen und rennen, Treppen steigen, Menschen optisch und akustisch erkennen und differenzieren. Er kann mit Menschen sprechen und auf Kommandos reagieren, weiterhin erkennt Asimo Körperhaltung und Gesten und ist sowohl in der Lage diese nachzuahmen als auch fähig Begrüßungsgesten wie Händeschütteln, Verbeugung oder Winken zu simulieren (Abb. 12 und Videoclip3).

Der Roboter ist in der Lage Gleichgewichtsverschiebungen auszugleichen, er kann sich flüssig bewegen, Gegenstände tragen oder schieben und tanzen, diese bewegliche Flexibilität verdankt er 26 Freiheitsgraden. Asimo kann sich auch mit dem Internet verbinden und Informationen wie

z. B. den Wetterbericht abrufen. Aus dem Spektrum seiner Fähigkeiten lässt sich eindeutig ableiten, dass Asimo als Dienstleister fungieren soll, so wird sein Potenzial besonders im Servicerobotikbereich gesehen. Derzeit sind seine Nutzungsmöglichkeiten auf die geringfügigen Tätigkeiten eines „Hi-Tech-Image vermittelnden Empfangsmaskottchen“ in Konzernen wie IBM oder als kleine Showeinlage für Disneyland beschränkt, sie werden jedoch zukünftig aufgrund der enormen Alterung in Japan (vgl. Kapitel 3.3) und dem sich so eröffnenden Markt potenziell steigen.3

Mittelfristig soll Asimo der Grundlagenforschung der künstlichen Intelligenz unter dem noch jungen Forschungsansatz „Embodiment“ (Intelligenz braucht einen Körper – vgl. Kapitel 3.5) dienen.4

In Europa bewirkt der Auftritt Asimos eher gemischte Gefühle, ist das Bild vom Roboter doch durch zahlreiche Literatur negativ geprägt. Seinen Erfolg und den enormen Zuspruch hat er nicht zuletzt seinem Herkunftsland Japan zu verdanken, in dem „Roboter zur Popkultur […] gehören“ 1zu scheinen.2

3.3 Künftige Einsatzgebiete humanoider Roboter

Was den zukünftigen Einsatz humanoider Roboter für bestimmte Zwecke betrifft, sehen Forscher und Hersteller verschiedene Möglichkeiten der Nutzung. Es gibt Unterhaltungsroboter, wie Sonys Qrio (Abb. 13 und Videoclip2) , Morph 3 von Kitano Symbiotic Systems (Abb. 14) oder HOAP-1 von Fujitsu (Abb. 15).3

Auch im Militär spielen humanoide Roboter eine große Rolle, so arbeitet die NASA in Kooperation mit der Forschungsorganisation des amerikanischen Verteidigungsministeriums DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) an einem Roboterastronauten namens Robonaut B (Abb. 16 und 17), welcher sich über einen menschlichen Operateur, dessen Bewegungen sich auf den Roboter übertragen, steuern lässt.4 Der Vorteil liegt klar auf der Hand, ein humanoider Roboter eignet sich sehr gut im Bereich der Teleoperation in gefährlichen Gebieten, da er sich bewegen kann wie ein Mensch, und handelt wie der Operateur ihn steuert, ohne das ein Mensch direkt im Kontakt mit der Gefahr steht.5

Die starke Alterung der Bevölkerung wird zukünftig ein ernsthaftes Problem sein, derzeit gibt es in Japan über 20000 Hundertjährige und in Deutschland wird jeder Dritte in neun Jahren über 60 Jahre alt sein (vgl. Abb. 18). Es wird mehr alleinstehende alte Menschen geben, gehandicapt durch den Ausfall sensorischer, mentaler und motorischer Funktionen. Der Bedarf an Dienstleistung im Pflegebereich wird demzufolge stark steigen, dieser würde sich jedoch zu personal- und kostenintensiv gestalten.6

„Roboter, die Menschen helfen […], sind Zukunft“7 äußert Takanea, Chefingenieur von Hondas Asimo. Eine intelligente Robotik könnte viele Aufgaben im sozialen Kontakt mit dem Menschen

bewältigen und somit ist der Einsatz als Serviceroboter das stärkste Argument für die Entwicklung menschenähnlicher Roboter.

Er soll ein Freund und Pfleger für kranke, behinderte und alte Menschen in der Heimumgebung sein. Hier ist es notwendig, dass sich ein Roboter dem Umfeld anpasst und nicht das Umfeld dem Roboter, da ja der menschliche Lebensbereich wiederum dem Menschen angepasst ist. Im Gegensatz zu einem einseitig spezialisierten Roboter ist ein Android fähig sich überall hin zu bewegen, wo auch ein Mensch sich hinbewegen kann, er kann die gleichen Gegenstände benutzen und soll ihn unterhalten, mit ihm kommunizieren und zusammenarbeiten können.

Ein Roboter könnte lange Zeit mit dem Menschen verbringen ohne müde zu werden, ihn im Haushalt und anderen täglichen Verrichtungen unterstützen und seine sensorischen, mentalen und motorischen Handicaps ausgleichen.1

Der Pflegeroboter Care-O-bot (Abb. 19) zum Beispiel., der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wird, holt und bringt Gegenstände (Videoclip 3 und Videoclip 4), überwacht die Körperfunktionen eines Menschen, kümmert sich um Licht und Heizung etc., übernimmt das Terminmanagement, versteht derzeit einfache Befehle wie „Geh in die Küche“, dient als Gehhilfe und kann den Arzt per Bildtelefon ans Krankenbett holen. Er orientiert sich mittels Kamera und bewegt sich auf Rollen.

Doch derzeit ist Care-O-bot einfach noch zu teuer (ca. 10000 Euro) und schlichtweg zu unausgereift um eingesetzt werden zu können (Wie Care-O-bot eingesetzt werden könnte, kann man in Videoclip 5 an einem Beispiel sehen).2

Auch Asimo und andere Roboter humanoider Gestalt sind noch längst nicht reif für den Durchbruch in der Praxis, so resultiert als weiteres Einsatzgebiet die Forschung und Entwicklung an den Robotern und ihren Teildisziplinen selbst. Im nächsten Kapitel werden Probleme bei der Entwicklung humanoider Roboter verdeutlicht und aufgezeigt, welchen Herausforderungen sich die Forscher noch stellen müssen um ihre Vorstellungen umsetzen zu können.

[...]


1 Vgl. Kraiss, Karl-Friedrich: Lehrstuhl für technische Informatik an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule: http://www.techinfo.rwth-aachen.de/Expo/content/robotik_geschichte/kapitel1.htm

2 Asimov, Isaac: Alle Roboter-Geschichten. Übersetzt von Wulf H. Bergner u. a. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 72004, S. 6

1 Christaller, Thomas u. a.: Robotik. Perspektiven für menschliches Handeln in der zukünftigen Gesellschaft. In: Carl Friedrich Gethmann (Hrsg.): Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung, Bd. 14. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag 2001, S. 19

2 Vgl. Ichbiah, Daniel: Roboter. Geschichte _ Technik _ Entwicklung. Übersetzt von Monika Cyrol u. a. München: Knesebek 2005, S.12

1 Vgl. Kraiss, Karl-Friedrich: Lehrstuhl für technische Informatik an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochchschule: http://www.techinfo.rwth-aachen.de/Expo/content/robotik_geschichte/kapitel1.htm

2 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 14

3 Vgl. Kraiss, Karl-Friedrich: Lehrstuhl für technische Informatik an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochchschule: http://www.techinfo.rwth-aachen.de/Expo/content/robotik_geschichte/kapitel1.htm

4 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 16

1 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 16

2 Vgl. Kraiss, a. a. O. 18-23

3 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 26

4 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 26

1 Vgl. Kraiss, a.a.O./kapitel4.htm

2 Dana Kara in: Ichbiah, a.a.O.S.495

1 zit. n. Fumio Kanehiro in: Ichbiah, a. a. O. S. 116

2 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 116

3 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S.129-132

4 Vgl. Kraiss, a. a. O. /kapitel4.htm

1 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 121-126

2 Vgl. ASIMO Humanoid Robot - Honda Robotic Technology Tours N America. http://asimo.honda.com

3 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 129-132

Vgl. Hertlein, Pressestelle der TU Darmstadt: Aktuell – Asimo an der TU Darmstadt. http://www.tudarmstadt.de/aktuell/asimo.tud

Vgl. ASIMO Humanoid Robot - Honda Robotic Technology Tours N America. http://asimo.honda.com Vgl. Kraiss, a. a. O. /kapitel4.htm

4 Vgl. Hertlein, a. a. O. http://www.tu-darmstadt.de/aktuell/asimo.tud

1 König, Peter: Aufrecht in die Zukunft. Stand und Trends der Robotik in Wissenschaft und Anwendung. In: C’t – Magazin für Computertechnik, Ausgabe2, 2006, S. 128

2 Vgl. ebd. S. 128

3 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 131-139

4 Vgl. CNN.com. http://www.cnn.com/2004/TECH/space/08/23/robot.nasa/index.html

5 Vgl. Kraiss, a. a. O. /kapitel5.htm

6 Vgl. Ichbiah, a. a. O. S. 131-139 Vgl. Kraiss, a. a. O. /kapitel5.htm

7 zit. n. Takanea, in: Séché, A.: Roboter. Bald sind sie fit für ein Leben mit uns. In: P.M. Ausgabe 11, 2003, S. 50

1 Vgl. Kraiss, a. a. O. /kapitel5.htm

2 Vgl. Care-O-bot: Fraunhofer Institut für Produktions- und Automatisierungstechnik. http://www.care-o-bot.de Vgl. Serviceroboter "Care-O-bot" liebt Hausarbeit, br-online http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/roboter/careobot.xml

40 von 40 Seiten

Details

Titel
Roboter - Der bessere Mensch?
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
40
Katalognummer
V110203
Dateigröße
10403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Roboter, Mensch
Arbeit zitieren
Albrecht Nitsche (Autor), 2006, Roboter - Der bessere Mensch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110203

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