„Der Leistungsdruck auf Forschung und Entwicklung (F & E) nimmt zu. Der Wettbewerb fordert innovative Problemlösungen in kürzerer Zeit [...][,]um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden [...].“1 Durch rasante technologische Fortschritte auf internationalen Märkten nimmt der Bereich Forschung und Entwicklung2 eine immer bedeutendere Funktion in der Unternehmung ein. Durch F & E-Tätigkeiten sollen neue Erkenntnisse erlangt werden, um daraus neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, die der Unternehmung einen Wettbewerbsvorsprung sichern.
Im Rahmen dieser Tätigkeiten fallen selbstverständlich Kosten an, die nach den geltenden Bilanzierungsregelungen behandelt werden müssen. Die Art und Weise nach welcher die Aufwendungen angesetzt werden, hat Auswirkungen auf die Vermögenssituation, die im Jahresabschluss der Unternehmung dargestellt wird.
Da die u.a. aus F & E-Tätigkeiten hervorgehenden immateriellen Vermögensgegenstände gegenüber den Sachanlagen zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist es notwendig im Rahmen einer realistischen Beurteilung der wirtschaftlichen Lage einer Unternehmung, Erfolge und Kosten, die aus immateriellen Vermögensgegenständen resultieren, zu berücksichtigen. Besonders im Zusammenhang mit Firmenkäufen- und -zusammenschlüssen, aber auch im Bezug auf aktuelle und potentielle Investoren, sollte also eine Verzerrung der Eigenkapital- und Erfolgsgrößen vermieden werden und der Jahresabschluss den Bilanzadressaten ein umfassendes Bild zu den F & E-Tätigkeiten und deren Ergebnissen liefern.3
Im Rahmen der internationalen Rechnungslegung werden diverse Ansätze zur Behandlung von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen verfolgt. Auf den folgenden Seiten werden die bilanziellen Regelungen des HGB, der US-GAAP und der IAS vorgestellt und ihr individueller Einfluss auf den Vermögensausweis erläutert und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Begriffsabgrenzung
2.1 Forschung und Entwicklung
2.2 Internationale Rechnungslegungssysteme
2.2.1 HGB
2.2.2 US-GAAP
2.2.3 IAS
2.2.4 Vergleichende Übersicht
3 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungsaufwand
3.1 Bilanzierung nach HGB
3.2 Bilanzierung nach US-GAAP
3.3 Bilanzierung nach IAS
3.4 Zusammenfassender Vergleich
4 Problem der zeitlichen und sachlichen Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung
5 Schlussbetrachtung
5.1 Auswertung hinsichtlich verschiedener Unternehmensziele
5.2 Aktuelle Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Bilanzierungsvorschriften für Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen im HGB, nach US-GAAP und nach IAS. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss dieser Regelungen auf die Darstellung der Vermögenssituation und den Unternehmenserfolg zu analysieren sowie die Problematik der Abgrenzung zwischen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Praxis zu beleuchten.
- Vergleich der Bilanzierungssysteme HGB, US-GAAP und IAS
- Analyse der Aktivierungsverbote und -gebote für F & E-Kosten
- Diskussion des Vorsichtsprinzips versus Informationsfunktion
- Problematik der zeitlichen und sachlichen Abgrenzung
- Bedeutung immaterieller Werte für die Unternehmensbewertung
Auszug aus dem Buch
3.2 Bilanzierung nach US-GAAP
Die US-amerikanische Rechnungslegung definiert immaterielle Vermögensgegenstände als langlebige Vermögensgegenstände ohne physische Präsenz, die der Produktion von Gütern und Dienstleistungen dienen. APB Opinion No. 17 räumt für nicht entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände im allgemeinen ein Aktivierungswahlrecht ein, „wenn nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung eine über die Berichtsperiode hinausgehende wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit (Nutzenpotential) des immateriellen Vermögensgegenstandes erwartet werden kann und die Kosten der Herstellung durch zukünftige Erträge gedeckt werden können“.
Für Kosten die aus F & E-Tätigkeiten entstehen, gilt diese Regelung jedoch nicht. SFAS No. 2 schreibt ein generelles Aktivierungsverbot vor und bestimmt, dass alle als F & E Aufwendungen definierten Ausgaben als Aufwand der laufenden Periode zu erfassen sind. Zu den F & E-Ausgaben zählen nach SFAS No. 2 Abs. 11 folgende Auszahlungen:
Zurechenbare Personal- und Materialkosten
Ausgaben für Dienstleistungen von Dritten
Verschiedene zurechenbare Gemeinkosten
Gesamte Ausgaben für Sachanlagen und entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände, die ausschließlich für F & E-Zwecke genutzt werden
Abschreibungen auf Sachanlagen und entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände, die auch für andere Zwecke genutzt werden
Gesamte Ausgaben für genutzte selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände
Voraussetzung für die Aktivierung selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände ist die zuverlässige Bestimmung eines zukünftigen wirtschaftlichen Nutzens. Das Aktivierungsverbot für F & E-Aufwand basiert auf der Annahme, dass Einzahlungen, die aus F & E-Tätigkeiten resultieren, als unsicher und mit einem hohen Risiko behaftet gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die wachsende Bedeutung von F & E für den Wettbewerb und die damit verbundenen Herausforderungen für die Bilanzierung.
2 Begriffsabgrenzung: Definition der Begriffe Forschung und Entwicklung sowie Vorstellung der Rechnungslegungssysteme HGB, US-GAAP und IAS.
3 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungsaufwand: Detaillierte Darstellung und Vergleich der bilanzrechtlichen Behandlung von F & E-Kosten unter den drei betrachteten Systemen.
4 Problem der zeitlichen und sachlichen Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung: Untersuchung der praktischen Schwierigkeiten bei der Trennung der beiden Phasen und deren Auswirkung auf den Jahresabschluss.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Auswertung der Erkenntnisse im Hinblick auf Unternehmensziele und einen Ausblick auf notwendige Entwicklungen in der internationalen Rechnungslegung.
Schlüsselwörter
Forschung und Entwicklung, Bilanzierung, HGB, US-GAAP, IAS, Aktivierungsverbot, Immaterielle Vermögensgegenstände, Vorsichtsprinzip, Informationsfunktion, Unternehmensbewertung, Kapitalmarkt, Bilanzanalyse, Erfolgsgrößen, Rechnungslegung, Firmenwert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit behandelt die unterschiedlichen bilanziellen Behandlungsmethoden von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen nach deutschen, US-amerikanischen und internationalen Rechnungslegungsstandards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Vergleich der Bilanzierungssysteme, die Analyse der Aktivierungskriterien für immaterielle Werte sowie die praktische Problematik der Zuordnung von Ausgaben zu Forschungs- oder Entwicklungsphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich verschiedene Rechnungslegungsvorschriften auf die Darstellung der Vermögenssituation eines Unternehmens auswirken und warum eine Harmonisierung oder detailliertere Offenlegung für Bilanzadressaten wichtig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und analytische Methode, indem sie die Regelungen (HGB, US-GAAP, IAS) gegenüberstellt und deren praktische Auswirkungen anhand von theoretischen Konzepten sowie Praxisbeispielen (wie der SER-Systeme AG) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die spezifischen Bilanzierungsregeln für F & E für jedes der drei Systeme erläutert und in einer vergleichenden Übersicht gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bilanzierung, Forschung und Entwicklung, IAS, HGB, US-GAAP, Aktivierungsverbot und Immaterielle Vermögenswerte.
Warum ist die Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung in der Praxis so schwierig?
Die Abgrenzung ist schwierig, da Forschung und Entwicklung oft fließend ineinander übergehen und parallele Tätigkeiten stattfinden, während die Rechnungslegungsvorschriften eine klare zeitliche Trennung voraussetzen.
Welche Rolle spielt die SER-Systeme AG in diesem Kontext?
Die SER-Systeme AG dient als Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie die Aktivierung von Entwicklungskosten den Jahresüberschuss massiv beeinflussen kann und welche Risiken bei einer fehlgeschlagenen Prognose für die wirtschaftliche Lage des Unternehmens bestehen.
- Citar trabajo
- Sabine Selzer (Autor), 2002, Die Abgrenzung von Forschungs- und Entwicklungsaufwand in der internationalen Rechnungslegung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11020