Heinrich Himmlers persönliche Verantwortung am Holocaust


Facharbeit (Schule), 2006
19 Seiten, Note: 1

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Gliederung

1. Einleitung

2. Der Holocaust

3. Himmlers Weg zur Macht

4. Himmlers Schuld am Holocaust
4.1. Himmlers Gräueltaten bei der Ermordung der Juden und der slawischen Bevölkerungsgruppen
4.2. Die „Endlösung der Judenfrage“ aus Himmlers Sicht in seiner Posener Rede
4.3. Der Machtapparat von Himmler am Beispiel der Gestapo

5. Der mystisch-germanische Wahn von Heinrich Himmler
5.1. Die Hexenforschung des Sicherheitsdienst
5.2. Das „Zentrum der neuen Welt“ von Himmler – Die Wewelsburg

6. Wertung der historischen Persönlichkeit Heinrich Himmler

1. Einleitung

Der am 7. Oktober 1900 in München geborene Heinrich Himmler war ein Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus und als einer der ranghöchsten Funktionäre des 3. Reichs wurde er einer der Hauptkriegsverbrecher des zweiten Weltkriegs.

In dieser Belegarbeit soll seine persönliche Verantwortung für den Holocaust ermittelt werden und Himmlers Handeln unter differenzierten Gesichtspunkten beurteilt werden.

2. Der Holocaust

Der Begriff „Holocaust“ stammt aus dem griechischen aus dem Bibelvers 1 Mose 22, wo die Opferung Isaaks durch seinen eigenen Vater Abraham geschildert wird[1]. Der heutige Begriff hat sich von diesem religiösen Kontext gelöst und wird heutzutage als Begriff für die Ermordung von rund sechs Millionen Juden und anderen diskriminierten Gruppen in der Zeit des nationalsozialistischen dritten Reichs verwandt. Zu diesen unterdrückten Gruppen zählen neben den Juden auch die Sinti, Roma, Zigeuner, Zeugen Jehovas, Jenischen und Homosexuelle. Auch die vom dritten Reich durchgeführte „Euthanasie“, bei der über 100.000 Behinderte getötet wurden[2], zählt mit zum Holocaust.

Der Holocaust wurde auf Grund der antisemitischen, rassistischen und arischen Ideologie der nationalsozialistischen Führung durchgeführt. Diese Weltanschauung wurde ab September 1939 in die systematische Tötung nicht tolerierter Gruppen in die Praxis umgesetzt (siehe Abbildung 2). So beschreibt die überlebende Jüdin Bruni Adler das Geschehen wie folgt: „In der Mitte des Platzes war eine ca. zwei Meter breite und fünf Meter lange Grube. Die jüdischen Männer mussten sich bis auf die Hose ausziehen, Eine Gruppe von zehn bis fünfzehn Mann wurde vor meinen Augen an den Grubenrand geführt. An der Grube mussten sie niederknien, erhielten von den SS-lern einen Genickschuss und fielen hinein. Zeigte ein Erschossener noch ein Lebenszeichen, schoss ein SS-ler noch mal auf ihn.“[3]

Die Grundlage für den Holocaust war der damals in Europa weit verbreitete Antisemitismus, der auf die Vorstellung aufbaut, Juden seien gottlos, menschenfeindlich, reich und geizig, und somit einen antijüdischen Stereotyp schafft. Der Grund für diese Vorstellung ist sehr vielschichtig und differenziert. Zum einen gab es bereits seit der Antike religiöse Spannungen mit anderen Religionen, zum einen aus der ablehnenden Haltung des Judentums gegenüber dem Polytheismus und zum anderen auch auf Grund verschiedener jüdischen Kulte und Sitten. Ein weiterer Grund ist die wirtschaftliche Macht der Juden, die stets sehr erfolgreich als Händler und Banker aktiv waren, und der daraus resultierende Neid. Durch die zahlreichen Kriege in der Antike und dem Mittelalter gegen die Juden waren diese über die ganze Welt und vor allem in Europa verstreut, wodurch der Antisemitismus auch in ganz Europa vor allem ab dem 19. Jahrhundert auf Grund des stärker werdenden Nationalismus vertreten war.

Im Nationalsozialismus wurde dieses Weltbild des verhassten Juden in einer verstärkten Form aufgegriffen. Der Jude war von Geburt schlecht und konnte durch sein handeln nichts an dieser Tatsache ändern, so dass die überlebenden Juden in Deutschland und in den von Deutschland besetzten Gebieten nur durch Glück oder Hilfe von anderen überleben konnten.

3. Himmlers Weg zur Macht

Heinrich Himmler stammt aus einem gutbürgerlichen und streng katholischen Elternhaus. Sein Vater arbeitete lange Jahr als Gymnasiallehrer und wurde später Konrektor eines bayrischen Gymnasiums in Landshut. Himmlers Erziehung war zwar streng konservativ und nationalistisch, doch wird seine Familie als freundlich und keineswegs nationalsozialistisch beschrieben.[4]

Schon als Kind war Heinrich oft krank und wird als ein nahezu hypochondrisches Kind beschrieben. Er war ein nicht sehr auffälliger Schüler mit durchschnittlichen Leistungen.

Beeindruckt von dem tobenden ersten Weltkrieg entschloss sich Himmler 1917 zu einer Offizierslaufbahn, allerdings musste er diese bei Kriegsende gegen seinen Willen abbrechen, ohne dass sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist, ein Einsatz an der Front.

Im Herbst 1919 begann er ein Studium der Landwirtschaft und trat dort der schlagenden Verbindung „Apollo“ bei, wo sich wieder sein kränkliches Wesen zeigte, denn schon nach kurzer Zeit ließ er sich dort wegen seines überempfindlichen Magens vom Biertrinken befreien.[5]

Im Jahre 1923 trat er dem „Artam e.V.“ bei, einer rechtsnationalen Jugendorganisation mit dem Ziel der „Schaffung eines neuen arischen Bauerntums im Osten“[6]. Über diese Organisation bekam er erstmals Kontakt mit der NSDAP, der er dann im August 1923 beitrat. Dadurch nahm er auch im November 1923 am gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch teil.

Nachdem die NSDAP deswegen verboten wurde, gehörte Heinrich Himmler zu den Nationalsozialisten, die die NSDAP wieder aufbauten. So wurde er im September 1926 Stellvertreter des Reichspropagandaleiters Gregor Strasser. Ein halbes Jahr später wurde er von Adolf Hitler zum stellvertretenden Reichsführer- SS ernannt und am 6. Januar 1929 wurde er Chef der Schutzstaffel, die damals noch eine 280 Mann zählende Unterorganisation der SA war zum persönlichen Schutz Hitlers.

Unter der Führung von Himmler wurde die SS eine stark wachsende und trotzdem elitäre Organisation und durch die Zerschlagung der SA im Jahre 1934 durch den Röhm- Putsch wurde Himmler Führer einer der größten paramilitärischen Organisationen. Durch die Machtübernahme der NSDAP 1933 und die darauf folgende Instrumentalisierung der Polizei unterstand Himmler bald der komplette Polizeiapparat mitsamt der Gestapo und dem Sicherheitsdienst. Im Herbst 1939, also bereits nach Ausbruch des Krieges, wurde Himmler zum „Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums“ ernannt (siehe Abbildung 1), der den Aufbau von Massenvernichtungslagern und den Genozid der Juden zum Ziel hatte.

Somit war dieser scheuer, bürgerliche und unscheinbare Mann innerhalb von kurzer Zeit zu einer der wichtigsten Figuren im NS-Regime neben Hitler geworden.

4. Himmlers Schuld am Holocaust

4.1. Himmlers Gräueltaten bei der Ermordung der Juden und der slawischen Bevölkerungsgruppen

Um die persönliche Schuld von Heinrich Himmler angemessen beurteilen zu können, muss natürlich auch geklärt werden, inwieweit er überhaupt dafür Verantwortung trägt, wie seine Aufgabenbereiche waren und welchen Ermessenspielraum er besaß. Zur Beantwortung dieser Frage soll hier ein Befehl von Hitler persönlich vom 13. März 1941 herangezogen werden, in dem es heißt: „Im Operationsgebiet des Heeres erhält der Reichsführer- SS zur Vorbereitung der politischen Verwaltung Sonderaufgaben, die sich aus dem endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegen gesetzter politischer Systeme ergeben. Im Rahmen dieser Aufgaben handelt der Reichsführer- SS selbstständig und in eigener Verantwortung.“ Dabei wird deutlich, dass Himmler wirklich selbstständig arbeiten konnte und nachfolgende Befehle von ihm auch wirklich von ihm bestimmt werden konnten. Des weiteren unterstand er in seiner Funktion als Reichsführer- SS lediglich Hitler persönlich.

In dem oben angeführten Zitat äußert sich Himmler über den „Kampf zweier entgegen gesetzter politischer Systeme“, wobei er auf den Kampf von Nazideutschland gegen die Sowjetunion und andere slawische Völker abzielt; dieser Kampf beschreibt er genauer mit: „Bei diesem Kampf steht hier der Nationalsozialismus, eine auf dem Wert unseres germanischen, nordischen Blutes aufgebaute Weltanschauung, steht eine Welt, wie wir sie uns vorstellen: schön, anständig, sozial gerecht, die vielleicht im Einzelnen mit manchen Fehlern noch behaftet ist, aber im Ganzen eine frohe, schöne, kulturerfüllte Welt, so wie unser Deutschland eben ist. Auf der anderen Seite steht ein 180-Millionen-Volk, ein Gemisch aus Rassen und Völkern, deren Namen schon unaussprechlich sind und deren Gestalt so ist, dass man sie bloß ohne jede Gnade und Barmherzigkeit zusammenschießen kann.“[7]

Diese Einstellung zeigt deutlich Himmlers nationalsozialistische Ideologie, wegen der er ohne Gnade andersartige Völker vernichten will. Diese Einstellung, die er in dieser Rede sehr unverblümt und direkt ausspricht, was auch eine starke Gewissen- und Skrupellosigkeit zeigt, vertrat Himmler entsprechen der gesamten Weltanschauung des dritten Reichs nicht nur gegen die Slawen, sondern vor allem gegen die Juden. So sagt er bereits 1940: „Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen.“[8] Auf Grund dieser Ideologie beschlossen Hitler und Himmler bereits 1939, innerhalb von kurzer Zeit die Juden aus dem gesamten Reich nach Polen zwangsumzusiedeln um eine Ghettoisierung zu erreichen. Obwohl man zuerst wohl „nur“ an ein überwachtes Reservat für Juden dachte, steigerte sich dies in kurzer Zeit in Konzentrationslager mit der Absicht, sämtliche Juden zu liquidieren. Himmler war maßgeblich dafür zuständig, dass diese Deportation der Juden auch erfolgte und er organisierte den Aufbau der KZ. Da die von dem NS-Regime erreichten Mordraten durch Erschießungen nicht erreicht werden konnten, beschloss man, extra Vernichtungslager zu errichten. Das bekannteste und berüchtigtste dieser Art stand in Auschwitz, wo mehrere hunderttausende Menschen qualvoll starben. Dort wurden die Menschen mit Zyklon B, einem Pflanzengift, vergast, was einen etwa 20 Minuten langen und grausamen Tod verursacht.

Die Perversion von Himmler wird besonders deutlich, da seine ersten Gedanken bei dem Anblick der massenhaften Ermordung, welche er auch als einziger ranghoher Nazi persönlich mitverfolgte, keineswegs zugunsten der Ermordeten gingen, sondern er sorgte sich um die Psyche der deutschen Soldaten.

Des Weiteren wurden von Heinrich Himmler zahlreiche Menschenversuche gebilligt und gefördert. Dadurch konnte vor allem der berüchtigte SS-Arzt Mengele seine menschenverachtenden und –verstümmelnden Experimente an den Gefangenen der Konzentrationslager ausführen.

4.2. Die „Endlösung der Judenfrage“ aus Himmlers Sicht in seiner Posener Rede

Die so genannte „Posener Rede“ ist eine am 4. Oktober 1943 vor 92 SS-Offizieren[9] in der besetzten polnischen Stadt Posen von Heinrich Himmler gehaltene Rede. Diese stellt das einzige Dokument eines hochrangigen NS-Funktionärs dar, in welcher der Holocaust angesprochen und unterstützt wird. Dadurch wurde es zu einem der Hauptbelastungspunkte in den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher des dritten Reichs.

In dieser Rede spricht Himmler davon, „dass in Amerika die Verhältnisse [nicht] zum Besten stehen. Man muss sich vorstellen, dass Amerika immer schon eine sehr große Zahl Juden und eine brutale plutokratische Wirtschaftsform hatte.“ Himmler stellt darin sehr unzusammenhangslos bei dem Gespräch über Amerika den Bezug zu den Juden her und macht damit deutlich, dass auch für das angebliche Elend in den Vereinigten Staaten der Jude schuld ist. Dadurch wird auch seine Weltschauung vom verbrecherischen Weltjudentum deutlich, was er in völlig unpassende Gelegenheiten schematisieren will.

Himmler sagt weiterhin: „Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht.“ Aus heutiger Sicht ist diese Sichtweise nicht nachvollziehbar, dass es einem leicht fällt, über die Tötung von Millionen von Menschen zu reden.

Des Weiteren sagt Himmler aus: „Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht.“ In dieser Aussage wird klar, dass Himmler keinerlei Form von Gnade gegenüber den Juden nicht toleriert oder gar akzeptiert; es wird auch deutlich, dass er es gar nicht für möglich hält, dass es einen guten Juden gibt, sondern diese existieren lediglich in der Vorstellung der Deutschen. Im Inneren ist der Jude immer ein schlechter Mensch, was wiederum Himmlers rassistische Ideologie darstellt.

Die aber wahrscheinlich schlimmste Aussage tätigt er aber damit, dass jeder von den SS-Funktionären es kennt, wenn an einer Stelle 1000 tote Juden liegen. Da man davon ausgehen kann, dass Himmler als Reichsführer- SS auch weitreichende Kenntnisse besaß, ist es besonders ernst zu nehmen, wenn er behauptet, dass es jeder wüsste. Dadurch wird auch deutlich, dass dieser Völkermord an den Juden wirklich flächendeckend stattgefunden hat. Himmlers Mitleid aber geht keinesfalls an die ermordeten „Untermenschen“, also die Juden, sondern an seine Soldaten, die er für ihre Standfestigkeit lobt. Auch scheint er offensichtlich von den Gräueltaten der SS-Mannschaften gewusst zu haben, da er diese „Ausnahmen menschlicher Schwäche“ toleriert und diese als nicht so schlimm erachtet, obwohl dabei tausende von Menschen auf qualvollste Weise sterben mussten. Seine Ansicht über die Juden wird auch weiterhin klarer und deutlicher, da er froh ist diese „Geheimsaboteure, Agitatoren und Hetzer“ los zu sein, was schon beinahe paranoide Züge enthält, wenn man davon spricht, dass jeder Jude gegen das dritte Reich gearbeitet hat.

All diese Tatsachen zusammengenommen hat Heinrich Himmler also speziell in dieser Rede seinen Hass auf die Juden unverblümt dargestellt, allerdings ohne jede Argumentationslogik. Er verteidigt auch nicht nur die tausendfache Ermordung von Juden, sondern er lobt diese sogar. Dies kann als Fakt dafür genommen werden, dass Himmler alles über den Holocaust wusste und diesen sowohl in ideeller als auch aktiven Form äußerst skrupellos unterstützte.

4.3. Der Machtapparat von Himmler am Beispiel der Gestapo

Gestapo ist ein Akronym für „Geheime Staatspolizei“ und sie unterstand dem Reichsministerium des Inneren und wurde von Heinrich Himmler geleitet, deren Hauptaufgabe die Beobachtung, Bekämpfung und Denunziation politischer Gegner des NS-Regimes war. Bis zum Jahre 1939 waren dies vor allem die Kommunisten und Sozialdemokraten durch die zahlreichen aufgelösten Verbände, Parteien und Organisationen. Die Gestapo konnte sich dabei auf ein reichhaltiges Instrumentarium an Möglichkeiten stützen, um sich Gegner zu entledigen. Dies fing bei eher harmlosen Geldstrafen an und endete bei der Exekution in Konzentrationslagern.

Obwohl die Justiz bereits seit 1933 nazifiziert war und auch der Gleichschaltung zum Opfer gefallen ist, so verwies die Gestapo trotzdem nur wenige Fälle zur Überprüfung an die Gerichte. Da dies für die Gestapo auch nicht notwendig war, wurde dies nur bei propagandaträchtigen Schauprozessen praktiziert. Ansonsten hatten die Mitarbeiter recht freie Hand, jegliche Gesetze zum „Schutze des Vaterlandes“ zu brechen. So wurden viele Nachfolgegruppierungen der aufgelösten Parteien mit V-Männern infiltriert oder Mitglieder dieser Organisationen wurden mittels Drohungen, Folter oder materieller Vorteile zur Mitarbeit überredet. Damit wollte man einen organisierten Widerstand verhindern, allerdings übernahm die Gestapo während des Krieges weiterführende Funktionen wie die Überwachung der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, was etwa die Hälfte der rund 32.000 Mitarbeiter an der Ausübung der eigentlichen Überwachungsaufgaben hinderte. Trotzdem wurde der Terrorapparat der Gestapo vor allem auf die normalen Bürger ausgeweitet, die jetzt auf kritische Meinungsäußerungen gegenüber dem Regime überwacht wurden. Dies konnte auf Grund der großen Bevölkerungsanzahl nur über das Prinzip der Denunziation funktionieren. Dieses Prinzip baute die Gestapo mit einem sehr effizienten Überwachungssystem aus Spitzeln und Denunzianten auf, welche durch das brutale Vorgehen der Gestapo auch oft zu solchen Tätigkeiten gezwungen wurden.[10] Beschränkte sich die Gestapo am Anfang noch auf Razzien in den entsprechend verdächtigen Kreisen wurden Gegner mitteln einer Schutzhaft später direkt in Konzentrationslager transportiert, aus denen nur wenige wieder zurückkamen.

5. Der mystisch-germanische Wahn von Heinrich Himmler

5.1. Die Hexenforschung des Sicherheitsdienst

Der Sicherheitsdienst (SD) war anfangs ein parteiinterner Nachrichtendienst der NSDAP, welcher sich aber infolge der Verflechtung von Partei und Staat bald zu einem weiteren Organ zur Überwachung und Kontrolle politischer Gegner entwickelte.

Heinrich Himmler interessierte sich auf Grund seiner eigenen Familienchronik sehr für die Hexenforschung. Ihm wurde nachgesagt, dass einige Urahninnen von ihm als Hexen verbrannt worden waren, weshalb er sich gerne und mit großem Interesse mit diesem Thema auseinander setzte. In seiner Weltanschauung war die Hexenverbrennung ein Verbrechen der katholischen Kirche mit dem Ziel der Zerstörung altgermanischen Blutes. Da Himmler aber stets auch ein Antisemit war, vermutete er dahinter wieder eine Verschwörung der jüdischen Rasse. Aus diesem Grunde ließ er bereits 1935 eine Sondergruppe des SD einen Sonderauftrag ausführen, den so genannten „H-Sonderauftrag“, wobei H für Hexen steht.

Die Mitarbeiter dieser Sonderabteilung hatten nun die Aufgabe, die verschiedenen Hexenverbrennungen zu katalogisieren, wobei sie sich dabei der Archive von Universitäten bedienten. So entstanden bis zum Ende dieser Abteilung 3621 Erhebungsbögen, so genannte Hexen-Blätter, auf denen stichpunktartig das Leben und die Verhältnisse der Hexe und deren Verurteilung zusammengefasst waren.[11]

Dieses Forschungsprojekt hat allerdings keinen wirklichen wissenschaftlichen Wert, da damals bereits das Ergebnis feststand. Himmler übte persönlich und über seine verschiedenen Polizeiapparate einen derart starken Druck aus, dass klar war, das sein Wunschresultat erscheinen muss: Die Schuld der Kirche und der jüdischen Bevölkerung. Himmlers vorrangige Anstrebungen waren nämlich die Diskreditierung dieser beiden eben genannten Ziele. Himmler plante auch, Propagandafilme und –Bücher erstellen zu lassen, um diese Diskreditierung auch medienwirksam erreichen zu können.

Die Aufgabe der Mitarbeiter war keine historisch fundierte Arbeit, sondern es sollte lediglich die nationalsozialistische Ideologie untermauert werden, auch indem man Überbleibsel altgermanischer Rituale ausfindig machte.[12]

5.2. Das „Zentrum der neuen Welt“ von Himmler – Die Wewelsburg

Die Wewelsburg (siehe Abbildung 3) ist eine bei Paderborn liegende Festung, welche Himmler 1934 für 100 Jahre pachtete. Anfangs hatte er noch vor, dort eine Reichsführerschule für seine SS aufzubauen, doch mit den Feierlichkeiten zum 1000.-jährigen Todestag Heinrich I. im Jahre 1936 änderte der Geschichtsromantiker Himmler seine Pläne. Er wollte die Wewelsburg nach dem Endsieg zu dem „Zentrum der neuen Welt“ ausbauen. Deshalb plante er die Anlage auf den monumentalen Durchmesser von einem Kilometer zu erweitern und die Burg als ein Symbol der „artgemäßen“ Religion und der Macht der SS auszubauen. Er sah die Burg auch „als Ausgangspunkt für die als Fortsetzung der Ostpolitik Heinrichs I. angesehenen Eroberungen bis zum Ural“[13]

Himmler verfing sich dabei aber immer mehr, ebenso wie bei der Hexenforschung, immer mehr in einen Geschichtsrevisionismus und eine Geschichtsromantik, die völlig fernab der Realität beheimatet war. So „wusste [er] aus seinen Sagenbüchern, dass der Keltenkönig Artus (500 nach Christus) die zwölf tapfersten und edelsten Ritter um eine runde Tafel versammelt und mit ihnen zusammen Glaube und Freiheit der Kelten gegen die eindringenden Angelsachsen verteidigt hatte. Hier konnte man auch für die SS lernen. Die König-Artus-Sage muss den SS-Chef beeindruckt haben, denn er duldete an seiner Tafel stets nur zwölf Gäste. Und wie einst König Artus die tapfersten Zwölf ausgewählt hatte, so bestimmte nun König Heinrich die zwölf besten Obergruppenführer zu oberen Hierarchien seines Ordens“[14] Solche auf Sagen beruhenden Zeremonien und Feste veranstaltete Himmler öfter. Damit wollte er sich aber nicht nur seiner Geschichtsromantik hingeben, sondern auch seinen eigenen Orden SS in Anlehnung an die alten Ritterorden stärken (siehe Abbildung 4). Allgemein aber überwog die Vorstellung von Himmler, mit diesem neuen Zentrum eine neue Ära im Sinne der alten Germanen zu beginnen. Er bezog sich dabei sehr oft auf altgermanische Darstellungen, die sich deshalb auch oft in der Burg selbst wieder fanden. Er wollte die, dass die Wewelsburg als „ein solcher kultureller Mittelpunkt deutscher Größe und deutscher Vergangenheit gezeigt werden kann, dass er wieder in Ordnung gebracht und in einen Zustand versetzt wird, der eines Kulturvolkes würdig ist.“[15] Er wollte also auch die von Juden und anderen Feinden der deutschen zersetzte Kultur wieder zu altem Glanze erstrahlen lassen – Das die Vorstellungen in den romantischen Sagen nur wenig mit der Realität zu tun hatten, war Himmler offensichtlich nicht klar oder er wollte es nicht erkennen.

Mit der Wewelsburg wollte er auch ein Symbol für die Integration schaffen – Für die Integration von Germanen und Heiden in seinen Orden der Schutzstaffel.

6. Wertung der historischen Persönlichkeit Heinrich Himmler

Heinrich Himmler hat in seiner politischen Karriere viel erreicht, obwohl er als schüchterner, fast introvertierter grauer Buchhaltertyp von allen belächelt wurde. Doch diese Errungenschaften waren keineswegs positiv: Himmlers Macht war der Tod und sein Gehilfe waren die Konzentrations- und Vernichtungslager. Er ist einer der Hauptverantwortlichen für die „Endlösung der Judenfrage“, was bei den Nationalsozialisten in millionenfachen Völkermord endete. Als einziger der hochrangigen NS-Funktionäre war er wirklich einmal bei den Tötungen in den Konzentrationslagern anwesend und trotzdem ließ er sich auch beim Anblick dieser grauenhaften Verbrechen nicht von seiner Ideologie abbringen. Spätestens dort wird klar, welche Rolle Heinrich Himmler in der Geschichte einnimmt: Die eines gewissenlosen Massenmörders mit mystisch-germanischen Wahnvorstellungen, die er als Pseudohistoriker in eine für ihn positive Richtung hinbiegen will und somit versucht, die deutsche Geschichte neu zu schreiben. Doch durch ihn selbst wurde das dunkelste Kapitel eben dieser deutschen Geschichte geschrieben; er hat den Holocaust zu verantworten. Erschwerend kommt hinzu, dass absolut nichts seine Handlungsweise verständlicher macht, da er persönlich nur Hitler unterstand und diesem problemlos hätte widersprechen können, wie er es am Ende des zweiten Weltkriegs tat, wo er Verhandlungen mit den Alliierten gegen Hitlers Willen aufnahm. Er führte nicht nur Befehle aus, er gab die Befehle. Somit muss die Darstellung Himmlers stets eine negative Wertung nach sich ziehen und auch dem Versuch von neonazistischen Gruppierungen entgegengetreten werden, die deutsche Geschichte zu verklären und umzudeuten.

6. Quellen

Literatur:

1. Adler, Bruni: „Bevor er zu spät ist. Begegnungen mit der Kriegsgeneration“, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen, September 2004, 1. Auflage

2. Rede von Heinrich Himmler, 13. Juli 1941, in Stettin vor Männern der Waffen-SS, zitiert nach Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders, Seite 33-34

3. Rede von Heinrich Himmler: „Einige Gedanken über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“, 15.05.1940, zitiert nach: Reinhard Kühnl: „Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten“, 3. Auflage, Köln 1978

4. Wegener, Franz: „Heinrich Himmler: deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS“; Gladbeck (Hrsg.): KFVR, 2004

5. Breitman, Richard: „Heinrich Himmler: der Architekt der "Endlösung"“; Schöningh (Hrsg.): Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart, 1996

6. Reinicke, Wolfgang: „Instrumentalisierung von Geschichte durch Heinrich Himmler und die SS“; Neuried: Ars et Unitas, 2003

7. Höhne, Heinz: „Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS; Orbis Verlag, 2002

8. Multimedia:

9. Filmmaterial, Knopp, Guido: „Hitlers Helfer – Heinrich Himmler, der Vollstrecker“, Universum Film, Deutschland, 1996

10. Filmmaterial, „Hexenforschung in Himmlers Auftrag“, MDR-Fernsehen, Deutschland, 2003

Internet:

11. http://www.shoa.de/content/section/2/46/

12. http://www.wikipedia.de/wiki/Aktion_T4

13. http://www.dieterwunderlich.de/Heinrich_Himmler

14. http://de.wikipedia.org/wiki/Artamanen

15. http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Rede

16. http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/gestapo/index.html

17. http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenkartothek

18. http://de.wikipedia.org/wiki/Wewelsburg

19. http://www.lohengrin-verlag.de/artikel/Himmler.htm

20. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:HHimmler.jpg

21. http://history.grand-forks.k12.nd.us/ndhistory/LessonImages/Sources/Pictures/holocaust%202.jpg

22. http://www.nationalsozialismus.de/bilddokumente/architektur/wewelsburg/02_Aussenansicht2.jpg

23. http://www.nationalsozialismus.de/bilddokumente/architektur/wewelsburg/04_Gruppenfuehrersaal2.jpg

Anhang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Heinrich Himmler[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – hungernde und eingezwängt lebende Juden im KZ Auschwitz[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 – Die Wewelsburg[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 – Symbol im Gruppenführersaal[19]

[...]


[1] http://www.shoa.de/content/section/2/46/

[2] http://www.wikipedia.de/wiki/Aktion_T4

[3] Adler, Bruni: „Bevor er zu spät ist. Begegnungen mit der Kriegsgeneration“, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen, September 2004, 1. Auflage

[4] Filmmaterial, Knopp, Guido: „Hitlers Helfer – Heinrich Himmler, der Vollstrecker“, Universum Film, Deutschland, 1996

[5] http://www.dieterwunderlich.de/Heinrich_Himmler

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Artamanen

[7] Rede von Heinrich Himmler, 13. Juli 1941, in Stettin vor Männern der Waffen-SS, zitiert nach Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders, Seite 33-34

[8] Rede von Heinrich Himmler: „Einige Gedanken über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“, 15.05.1940, zitiert nach: Reinhard Kühnl: „Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten“, 3. Auflage, Köln 1978

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Rede

[10] http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/gestapo/index.html

[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenkartothek

[12] Wegener, Franz: „Heinrich Himmler: deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS“; Gladbeck (Hrsg.): KFVR, 2004

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Wewelsburg

[14] Höhne, Heinz: „Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS; Orbis Verlag, 2002

[15] http://www.lohengrin-verlag.de/artikel/Himmler.htm

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:HHimmler.jpg

[17] http://history.grand-forks.k12.nd.us/ndhistory/LessonImages/Sources/Pictures/holocaust%202.jpg

[18] http://www.nationalsozialismus.de/bilddokumente/architektur/wewelsburg/02_Aussenansicht2.jpg

[19] http://www.nationalsozialismus.de/bilddokumente/architektur/wewelsburg/04_Gruppenfuehrersaal2.jpg

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Details

Titel
Heinrich Himmlers persönliche Verantwortung am Holocaust
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V110224
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich, Himmlers, Verantwortung, Holocaust
Arbeit zitieren
Dirk Kirsten (Autor), 2006, Heinrich Himmlers persönliche Verantwortung am Holocaust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110224

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