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Subkulturen im Gefängnis

Titel: Subkulturen im Gefängnis

Seminararbeit , 2001 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie Meyer (Autor:in), Stefanie Vosseler (Autor:in)

Soziologie - Recht und Kriminalität
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Dostojewski hat es erlebt, ebenso Oscar Wilde und andere Menschen, die ihre Erfahrungen später autobiographisch festhielten - das Leben im Gefängnis. Verschwommen zwischen Mythos und Vorurteilen entwickelt jeder Mensch einen Eindruck von dem Leben hinter den Mauern, eine Vorstellung, die in den meisten Fällen nicht von der Realität in Form einer gerichtlichen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe eingeholt wird.
Während der Gesetzgeber mit der Festlegung der Vollzugsziele durch den Vollzug der Freiheitsstrafe den Gefangenen dazu befähigen will, in Zukunft ein sozial verantwortliches Leben ohne Straftaten zu führen, gibt es zahlreiche Untersuchungen, die darauf hinführen, dass der Strafvollzug eine negative Auswirkung auf gesellschaftskonforme Orientierungen der Inhaftierten ausübt. Doch woher kommt diese Diskrepanz zwischen den Zielen des Freiheitsentzugs und der daraus resultierenden Realität?
Das Leben eines Menschen erfährt mit seiner Inhaftierung in ein Gefängnis eine einschneidende Veränderung. Die neue Situation stellt den Mensch vor die Aufgabe, mit seiner fremden, ungewohnten Umgebung umzugehen. Möglicherweise sind es diese Eindrücke oder vielleicht doch eher die Einflüsse aus der individuellen kulturellen Vergangenheit der Inhaftierten, welche das Leben im Gefängnis langfristig prägen?
Einig ist man sich darüber, dass das Leben im Gefängnis besondere Formen annimmt und sich bestimmte Lebensweisen ausbilden, welche in unterschiedlichen Subkulturen ihren Ausdruck finden.
Auch wenn es im Gefängnis die Subkultur der Wärter und die Gefangenensubkultur, wird es in dieser Arbeit hauptsächlich um die Gefangenensubkultur gehen.
Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die gängigen Subkulturkonzepte, die Geschichte des Gefängnisses und die Gefängnissituation in Deutschland wird in dieser Hausarbeit auf das Gefängnis als totale Institution eingegangen. Anschließend werden die grundlegenden Theorien zur Subkulturbildung im Gefängnis vorgestellt, bevor die Gruppenbildung und die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten beleuchtet werden. Das Verhältnis zwischen Wärtern und Gefangenen, sowie die Sprache im Gefängnis werden betrachtet, ehe die Arbeit mit zwei Beispielen und einem Exkurs über einen Vergleich zwischen Big Brother und dem Gefängnis abgerundet wird.

Leseprobe


Gliederung

1 Einleitung

2 Einführung in den Subkulturbegriff

3 Geschichte des Gefängnisses

4 Gefängnissituation in Deutschland

4.1 Aktuelle Zahlen

4.2 Tagesablauf

4.3 Die Zellensituation

5 Gefängnis als totale Institution

6 Theorien zu Gefängnissubkultur

6.1 Prozess der Prisonierung

6.2 Deprivationstheorie

6.3 Theorie der kulturellen Übertragung

6.4 Neuere Entwicklungen

7 Die Entstehung und Bildung von Gruppen

7.1 Die allgemeine Gruppenbildung

7.2 Die Gruppenbildung im Gefängnis

8 Die Führerpersönlichkeiten im Gefängnis

9 Das Verhältnis zwischen Wärtern und Gefangenen

10 Die Sprache im Gefängnis

11 Beispiele unterschiedlicher Subkulturausbildung

11.1 Frauen im Gefängnis

11.2 Jugendliche im Gefängnis

12 Exkurs: Vergleich zwischen Gefängnis und Big Brother

13 Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Entstehung und Ausprägung von Gefangenensubkulturen sowie die sozialen Dynamiken innerhalb von Haftanstalten. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich Inhaftierte an die Lebensbedingungen in totalen Institutionen anpassen und welche Rolle informelle Hierarchien sowie sprachliche Codes dabei spielen.

  • Analyse theoretischer Ansätze zur Entstehung von Subkulturen im Strafvollzug (Prisonierung, Deprivation, kulturelle Übertragung).
  • Untersuchung von Gruppenbildungsprozessen und der Rolle von Führungspersönlichkeiten unter Gefangenen.
  • Betrachtung der spezifischen sozialen Beziehungen zwischen Inhaftierten und Anstaltspersonal.
  • Vergleichende Analyse der Lebensbedingungen in Gefängnissen mit medialen Inszenierungen wie "Big Brother".

Auszug aus dem Buch

6.1 Der Prozess der Prisonierung

Ausgehend von der Feststellung, dass überaus viele ehemalige Gefangene nach ihrer Inhaftierung rückfällig werden, suchte Clemmer eine Erklärung für diese Zusammenhänge und fand sie in einer Analyse der Bedingungen und Inhalte der Gefängnisgemeinschaft und insbesondere in jenem Prozess den er als Prisonierung bezeichnete. Unter Prisonierung versteht er den Prozess indem der Gefangene „in mehr oder minder starkem Maße die Lebensformen, Sitten, Gebräuche und die allgemeine Kultur des Gefängnisses übernimmt. Dieser Prozess ähnelt einer Sozialisation in die Gefängniskultur oder der Assimilation in eine neue Kultur.

Mit der Inhaftierung beginnt für jeden Gefangenen der Prozess der Prisonierung. Der Gefangene wird vereinnahmt, „verschluckt“ und zur anonymen Figur indem er in Anstaltskleidung gezwängt, befragt und belehrt wird. Somit ist er weitgehend rechtlos und degradiert und ist nahezu der unbeschränkten Macht des Personals ausgeliefert. Er fängt an die dortigen Spielregeln, die Sprache und die mit den Personen, Sachen und dem Leben in der Anstalt verbundenen Bedeutungen zu erlernen. Sobald der Gefangene beginnt sich in seine Situation zu fügen und sich in die Subkultur integriert, hat er die neuen Ess-, Freizeit-, Wohn-, Arbeits- und Schlafgewohnheiten übernommen und sieht nun die Welt der Anstalt in den Kategorien der Insassenkultur.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Gefangenensubkulturen und Darlegung des Forschungsinteresses an der Diskrepanz zwischen Vollzugszielen und Realität.

2 Einführung in den Subkulturbegriff: Definition von Subkulturen und Abgrenzung zwischen freiwilligen und unfreiwilligen sowie dominanten und devianten Strukturen.

3 Geschichte des Gefängnisses: Historischer Überblick über die Entwicklung des Freiheitsentzugs als Strafform und die Einflüsse der Aufklärung.

4 Gefängnissituation in Deutschland: Darstellung aktueller Statistiken, des Tagesablaufs sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen der Unterbringung.

5 Gefängnis als totale Institution: Anwendung von Goffmans Konzept der totalen Institution auf das Gefängnis und Beschreibung des Mortifikationsprozesses.

6 Theorien zu Gefängnissubkultur: Vorstellung grundlegender Erklärungsmodelle wie Prisonierung, Deprivation und kulturelle Übertragung.

7 Die Entstehung und Bildung von Gruppen: Analyse der soziologischen Voraussetzungen für Gruppenbildung und der spezifischen Bedingungen innerhalb der Haft.

8 Die Führerpersönlichkeiten im Gefängnis: Typologie von Führungskräften innerhalb der Anstalt und deren unterschiedliche Machtquellen.

9 Das Verhältnis zwischen Wärtern und Gefangenen: Untersuchung der Machtstrukturen und der oppositionellen Haltung der Gefangenen gegenüber dem Personal.

10 Die Sprache im Gefängnis: Beschreibung des Insassenjargons als Indikator für die Integration in die Subkultur.

11 Beispiele unterschiedlicher Subkulturausbildung: Spezifische Betrachtung der Haftbedingungen und sozialen Strukturen bei Frauen und Jugendlichen.

12 Exkurs: Vergleich zwischen Gefängnis und Big Brother: Vergleich der institutionellen Merkmale von Haftanstalten und medialen Container-Formaten.

13 Schlussbemerkung: Resümee über die Relevanz der Subkulturforschung in einer individualisierten Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Gefängnis, Subkultur, Prisonierung, Deprivationstheorie, totale Institution, soziale Kontrolle, Gruppenbildung, Führungspersönlichkeiten, Insassenkode, Strafvollzug, Resozialisierung, Knastsprache, Haftbedingungen, Identität, Soziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit den sozialen Strukturen und kulturellen Ausprägungen innerhalb von Gefängnissen, insbesondere mit der Entstehung von informellen Gefangenensubkulturen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Anpassungsprozesse an die Haftumgebung, die Entstehung von Gruppenhierarchien, die spezifische Kommunikation sowie die Rolle von Führungspersonen unter den Inhaftierten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Gefangene unter den restriktiven Bedingungen einer totalen Institution eigene Normen, Werte und Verhaltensmuster entwickeln, um ihren Alltag zu bewältigen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Fachliteratur, insbesondere unter Rückgriff auf klassische Konzepte von Erving Goffman, Donald Clemmer und anderen Forschern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Subkulturbildung, Analysen von Gruppen- und Machtstrukturen sowie eine Betrachtung spezifischer Gruppen wie Frauen und Jugendliche im Strafvollzug.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Prisonierung", "totale Institution", "Deprivation", "Ehrenkodex" und "Insassenjargon" geprägt.

Wie unterscheidet sich die Gruppenbildung bei Frauen von der bei Männern?

Frauen zeigen laut der Arbeit weniger ausgeprägte Gewaltstrukturen und pflegen häufiger qualitative Freundschaftsbeziehungen, während bei Männern ein stärkerer, oppositioneller Insassenkode im Vordergrund steht.

Welche Machtquellen können laut Stojkovic für Anführer im Gefängnis existieren?

Stojkovic identifiziert fünf Machtquellen: Belohnungsmacht, Expertenmacht, Legitimationsmacht, Vorbildsmacht und Bestrafungsmacht.

Was verbindet das Gefängnis mit dem "Big Brother"-Container?

Beide Institutionen zeichnen sich durch die Beobachtung der Insassen, eine starke Einschränkung der Privatsphäre und einen von außen vorgegebenen, kontrollierten Tagesablauf aus.

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Details

Titel
Subkulturen im Gefängnis
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (FB Soziologie)
Veranstaltung
Seminar Subkulturen: kriminalsoziologische und soziolinguistische Perspektiven
Note
1,0
Autoren
Stefanie Meyer (Autor:in), Stefanie Vosseler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V11023
ISBN (eBook)
9783638172912
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subkulturen Gefängnis Seminar Subkulturen Perspektiven
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Meyer (Autor:in), Stefanie Vosseler (Autor:in), 2001, Subkulturen im Gefängnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11023
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Leseprobe aus  26  Seiten
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