„Let our position be absolutely clear: An attempt by any outside force to gain control of the Persian Gulf region will be regarded as an assault on the vital interests of the United States of America, and such an assault will be repelled by any means necessary, including military force.“1
Die „Golf-Doktrin“ die U.S. Präsident Jimmy Carter am 23. Januar 1980 in seiner Ansprache vor dem Kongreß formulierte, stand am Ende der sogenannten „Ära der Entspannung“ oder „Ära der Détente.“2 Sie war eine direkte Reaktion der Vereinigten Staaten auf die Invasion der Sowjets in Afghanistan Ende Dezember 1979. Afghanistan war jedoch nur das letzte ausschlaggebende Moment; die Beziehungen zur Sowjetunion hatten sich bereits im Vorfeld maßgeblich verschlechtert.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Analyse der Faktoren, die schließlich zum Ende der Ära der Entspannung geführt haben. Daß dem Begriff der Entspannung sowohl auf sowjetischer als auch auf U.S.-amerikanischer Seite verschiedene Konnotationen zugeordnet wurden, ist allgemeinhin bekannt. Die Arbeit soll aufzeigen, inwiefern diese, und die Personen, die hinter ihnen standen, auf die Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen Einfluß genommen haben.
Während die Ära der Entspannung bereits unter der Nixon-Administration eingesetzt hatte, so zeichnete sich das Ende dieser Phase während der Amtszeit Jimmy Carters ab. Auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während der Nixon- und Ford-Adminstration wird daher nur in dem Umfang eingegangen, wie es für ein besseres Verständnis der Entwicklungen während der Carter-Adminstration notwendig ist. Die Arbeit soll keinen chronologischen Abriß der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1977 und 1980 darstellen. Vielmehr soll nach einer Untersuchung der verschiedenen Entspannungskonzeptionen auf beiden Seiten anhand exemplarischer Politikfelder aufgezeigt werden, inwiefern diese Konzeptionen Einfluß genommen haben auf die jeweiligen Entscheidungsprozesse. Als exemplarische Politikfelder bieten sich zunächst die Rüstungskontrollverhandlungen, die sich als zunehmend schwierig gestalteten, und schließlich die Dritte Welt als Faktor in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, ein Gebiet, in welchem sich zunehmend Konflikte ergaben, an. Zugunsten einer umfassenderen Analyse in diesen Bereichen werden die Problemfelder der [...]
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
I. BESTANDSAUFNAHME DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN ZUM BEGINN DER AMTSZEIT JIMMY CARTERS
II. UNTERSCHIEDLICHE ENTSPANNUNGSKONZEPTIONEN
1. Leonid I. Breschnew – Die Entspannungskonzeption im sowjetischen Politbüro
2. Die Carter-Administration – Die Entspannungskonzeption im Spannungs verhältnis zwischen Weißem Haus und Außenministerium
III. PRAKTISCHE AUSWIRKUNGEN DER UNTERSCHIEDLICHEN ENTSPANNUNGS KONZEPTIONEN
1. Testfall SALT II
2. Die Dritte Welt als Faktor in den Ost-West-Beziehungen
SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Faktoren, die zum Scheitern der Ära der Entspannung („Détente“) zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion während der Amtszeit von Jimmy Carter führten, indem sie die unterschiedlichen Entspannungskonzeptionen beider Seiten anhand exemplarischer Politikfelder untersucht.
- Die unterschiedlichen Entspannungsbegriffe und Konnotationen in Washington und Moskau.
- Der Einfluss persönlicher Entscheidungsprozesse und administrativer Spannungsfelder innerhalb der Regierungen.
- Die Rolle der Rüstungskontrollverhandlungen (insbesondere SALT II) als politischer Testfall.
- Die Auswirkungen von Konflikten in der Dritten Welt auf das bilaterale Verhältnis.
- Das Spannungsfeld zwischen Menschenrechtspolitik, Linkage-Konzepten und geopolitischer Sicherheit.
Auszug aus dem Buch
Die Dritte Welt als Faktor in den Ost-West-Beziehungen
„I have been reflecting on when did things begin genuinely to go wrong in the U.S.-Soviet relationship. My view is that it was on the day sometime in ... 1978 when at the SCC meeting I advocated that we send in a carrier task force in reaction to the Soviet deployment of the Cubans in Ethiopia.“
Bereits die sowjetische Unterstützung der angolanischen Bürgerkriegsfraktion MPLA hatte 1975 die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen nachhaltig belastet. Nur zwei Jahre später wurde der afrikanische Kontinent erneut Konfliktgegenstand in den Beziehungen zwischen den Supermächten. Am Horn von Afrika kam es im Sommer 1977 zum offenen Ausbruch lang schwelender Territorialstreitigkeiten zwischen Äthiopien und Somalia um die äthiopische Provinz Ogaden, die von etwa zwei Millionen somalischen Nomaden bewohnt wurde. Die strategische Lage der Provinz am Horn von Afrika sowie die Tatsache, daß sowohl Somalia als auch Äthiopien Klientelstaaten jeweils einer Supermacht waren, führten zu einer direkten Verwicklung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in die Auseinandersetzungen. Im Verlauf dieses Konfliktes kam es zu einem Wechsel der Patronagestaaten als die zunehmend links orientierte äthiopische Regierung mit dem Westen brach, während die Somalis, zuvor unterstützt durch die Sowjetunion, sich den Vereinigten Staaten zuwandten. Im November 1977 begannen die Sowjets, Waffen und kubanische Truppen nach Äthiopien zu entsenden, um der Invasion der Provinz Ogaden durch somalische Truppen zu begegnen. Die Vereinigten Staaten hatten zunächst den Somalis ihre Bereitschaft signalisiert, anstelle der Sowjets Waffen zu liefern, hatten dann jedoch plötzlich ihre Zusage zurückgenommen. Der Gegenoffensive durch Äthiopien im Januar 1978 hatte Somalia nichts entgegenzusetzen und Mitte März endete der Krieg am Horn von Afrika.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Faktoren für das Ende der Entspannungsära zwischen 1977 und 1980 unter Jimmy Carter zu untersuchen, und erläutert die methodische Herangehensweise durch die Analyse unterschiedlicher Entspannungskonzeptionen in exemplarischen Politikfeldern.
I. BESTANDSAUFNAHME DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN ZUM BEGINN DER AMTSZEIT JIMMY CARTERS: Dieses Kapitel skizziert den Stand der bilateralen Beziehungen nach der Ära Nixon/Ford, geprägt von den anfänglichen Erfolgen der Entspannung, wie SALT I und Helsinki, sowie den wachsenden Belastungen durch innenpolitischen Druck in den USA und die sowjetische Außenpolitik in der Dritten Welt.
II. UNTERSCHIEDLICHE ENTSPANNUNGSKONZEPTIONEN: Hier werden die gegensätzlichen Ansätze analysiert: Breschnews Festhalten an der „ideologischen Klassenpolitik“ und sowjetischer Machtparität sowie Carters Versuch, durch eine moralisch orientierte Menschenrechtspolitik und den Abbau von Geheimdiplomatie einen neuen, transparenten Kurs in der Außenpolitik zu etablieren.
III. PRAKTISCHE AUSWIRKUNGEN DER UNTERSCHIEDLICHEN ENTSPANNUNGS KONZEPTIONEN: Dieses Kapitel zeigt an den Beispielen der schwierigen SALT II-Verhandlungen und der Stellvertreterkonflikte in der Dritten Welt, wie die unterschiedlichen Vorstellungen und der zunehmende Konfrontationskurs zu einer irreversiblen Verschlechterung der Beziehungen führten.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst zusammen, dass das Scheitern der Détente primär auf die Unvereinbarkeit der unterschiedlichen Entspannungskonnotationen, auf persönliches Unvermögen der Akteure sowie auf gegenseitige Fehleinschätzungen der politischen Natur der jeweils anderen Supermacht zurückzuführen ist.
Schlüsselwörter
Entspannungspolitik, Détente, Kalter Krieg, Jimmy Carter, Leonid I. Breschnew, SALT II, Rüstungskontrolle, Menschenrechte, Linkage-Konzept, Sowjetunion, USA, Dritte Welt, Geopolitik, Afghanistan-Invasion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Analyse der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1977 und 1980 und dem daraus resultierenden Ende der „Ära der Entspannung“ während der Präsidentschaft von Jimmy Carter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Definitionen von Entspannungspolitik in Moskau und Washington, die Auswirkungen dieser Differenzen auf die Rüstungskontrolle sowie die geopolitische Rolle von Konflikten in der Dritten Welt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Entspannungskonzeptionen sowie die Akteure, die hinter ihnen standen, die Entscheidungsprozesse beeinflussten und maßgeblich zum Scheitern der Entspannungsära beitrugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch eine systematische Analyse von Primärquellen, insbesondere Memoiren beteiligter Akteure und Dokumenten aus den USA und der Sowjetunion, um die unterschiedlichen politischen Strategien und Entscheidungsprozesse in den jeweiligen Politikfeldern zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ideologischen und strategischen Konzeptionen der Carter-Administration und des Politbüros um Breschnew sowie deren praktische Anwendung in den SALT II-Verhandlungen und in regionalen Konflikten wie am Horn von Afrika.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Entspannungspolitik (Détente), Linkage-Konzept, strategische Parität, Menschenrechtspolitik sowie die spezifische Rolle der jeweiligen Staatschefs bei der Führung ihrer Nationen.
Warum konnte die SALT II-Ratifizierung nicht erfolgreich abgeschlossen werden?
Die Ratifizierung scheiterte an einer Kombination aus wachsendem Konservatismus in den USA, dem Linkage-Konzept (der Kopplung von Rüstungsfragen an sowjetisches Verhalten in anderen Regionen) und schließlich dem direkten Einbruch der Beziehungen durch die sowjetische Invasion in Afghanistan.
Welche Rolle spielte die „Dritte Welt“ für das Ende der Entspannung?
Die Dritte Welt fungierte als entscheidender Konfliktherd, da die Sowjetunion dort expandierte, während die USA diese Aktivitäten zunehmend als Bedrohung für das globale Gleichgewicht ansahen und mit der Kopplung von regionalem Verhalten an die Rüstungskontrollverhandlungen reagierten.
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- Sandra Fabry (Author), 2001, Das Ende der Détente - Entspannungspolitik unter Carter und Breschnew, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11025