'Wie sollte der Staat auf den steigenden Cannabiskonsum reagieren?'


Unterrichtsentwurf, 2005

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Lernausgangslage
1.1 Lerngruppe / Lernvoraussetzungen / Lernklima
1.2 Vorkenntnisse / Vorwissen / Erfahrungen

2. Didaktische Überlegungen
2.1 Fachliche Einordnung in die Reihe
2.2 Formale Legitimation
2.3 Begründungszusammenhang

3. Kompetenzen und Lernziele
3.1 Angestrebte Kernkompetenzen der Reihe
3.2 Lernziel der heutigen Stunde

4. Überlegungen zum Lehr-Lern-Prozess
4.1 Methodische Überlegungen
4.2 Besondere Berücksichtigung einzelner SchülerInnen
4.3 Störungen

5. Verlaufsplanung/Synopse

1. Lernausgangslage

1.1 Lerngruppe / Lernvoraussetzungen / Lernklima

- Die Lerngruppe befindet sich in der Jahrgangsstufe 11 der Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen. Formales Bildungsziel ist das Erlangen der Fachhochschulreife mit Abschluss der Klasse 12. Die SchülerInnen besuchen das BKE montags und freitags in Teilzeit, an den übrigen Wochentagen absolvieren sie in spezifischen Einrichtungen ihre Pflichtpraktika (vornehmlich in Kindergärten, Jugendzentren und anderen Sozialeinrichtungen).

- Die 25 SchülerInnen kenne ich seit Beginn des Schuljahres 2005, als ich die Klasse in den Fächern PLK und SOZ übernommen habe. Das Fach PLK wird als Doppelstunde im zweiwöchigen Wechsel unterricht. Die heutige Doppelstunde ist die fünfte insgesamt. Keine/r der SchülerInnen ist nach meinem Kenntnisstand Mitglied einer Partei oder politischen Organisation.
- Wenngleich die Zugangsvoraussetzung für die FOS die Fachoberschulreife ist, so müssen lebensweltlicher Erfahrungsreichtum sowie politische Interessen als heterogen eingeschätzt werden. Ebenso unterschiedlich erleben die SchülerInnen die psychischen und physischen Belastungen, die mit ihren Praktika einhergehen.
- Arbeitsbereitschaft, Disziplin und Leistungsvermögen der Lerngruppe können als gut eingeschätzt werden. Hier stechen vor allem Alessa, Samira, Nadine und Eva positiv hervor aber auch Dalahoo und Jennifer. Maximilian und Nurhan kenne ich bereits aus dem vergangenen Jahr. Obwohl ich mit meiner Benotung ihr „Sitzenbleiben“ mitzuver-antworten habe, ist unser Verhältnis konstruktiv. Gleichwohl ist die Mitarbeit von Nurhan nach wie vor kaum ausreichend und die zwar häufigen Beiträge von Maximilian sind inhaltlich wenig ergiebig geblieben. Christian wiederholt ebenfalls. Die weinigen Male, die ich ihn bislang im Unterricht erlebt habe, waren seinerseits von leicht aggressiven Untertönen beherrscht, deren Grund mir noch nicht klar ist. Besonders ruhig sind Lena, Julia, Patricia und vor allem Mierweis. Mierweis scheint zudem wenig Interesse zu haben, mit anderen SchülerInnen zu kooperieren.
- Die Lerngruppe insgesamt wirkt auf mich leistungsorientiert, aufgeschlossen und interessiert. Die Zusammenarbeit bereitet mir Freude. Ich habe bereits bei der Bereichsleitung nachgefragt, ob ich diese Lerngruppe auch in der Jahrgangsstufe 12 unterrichten kann. Ich könnte mit vorstellen, ggf. dort meine UPP durchzuführen.

1.2 Vorkenntnisse / Vorwissen / Erfahrungen

- Vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen als Thema im Unterricht wurde deutlich, dass die Lerngruppe Defizite in der Institutionenkunde hat. Diese Erkenntnis erstaunt mich mittlerweile kaum mehr; verblüfft war ich allerdings doch, als einige SchülerInnen im Rahmen der Themenwahl für das Halbjahr den Wunsch an mich heran trugen, genau diese Defizite auszugleichen. Daraufhin habe ich in einer Doppelstunde die konstituierenden Elemente des demokratischen Rechtsstaates am Beispiel der Gewaltenteilung bearbeitet.
- Bezogen auf das aktuelle Thema ist zu sagen, dass nur 2 SchülerInnen angaben, noch keine persönlichen Erfahrungen mit Cannabis gemacht zu haben. Auf Erfahrungen aus Konsumentensicht kann demnach, dies hat auch die vorangegangene Doppelstunde gezeigt, aufgebaut werden. Kaum bekannt sind hingegen Ursachen und Folgen der drogenpolitischen Richtlinien und mithin der uneinheitlichen Rechtssprechung.
- Meine Annahme bei der Planung der Reihe, dass die große Mehrzahl der SchülerInnen eine positive oder zumindest wenig reflektierte Haltung zum Cannabiskonsum haben wird, hat sich nur in Teilen bestätigt. Eine kritische Einstellung war festzustellen. Die konträren Meinungen zu Risiko und Nutzen führten im Vorfeld zu angeregten Diskussionen.

2. Didaktische Überlegungen

2.1 Fachliche Einordnung in die Reihe

Die aktuelle Unterrichtsreihe ist auf 3 bis 4 Doppelstunden ausgerichtet und umfasst die Themen:

- „Risikoeinschätzung des Cannabiskonsums - Eine Bestandaufnahme“,
- „Wie sollte der Staat auf den Cannabiskonsum reagieren?““,
- „Was kann Prävention leisten und wo soll sie ansetzten?“

Das aktuelle Reihenthema hat sich im Rahmen der Besprechung der Bundestagswahl und dort im Zusammengang mit der Nutzung des ‚Wahl-O-Mat’ ergeben. Hier wurde unter anderem gefragt, ob man der Legalisierung von Cannabis zustimmen würde. Einige der im Wahl-O-Mat angerissenen Themenfelder habe ich der Lerngruppe zur Auswahl gestellt: das Votum der Klasse ging eindeutig zugunsten des Problemfeldes Drogenpolitik aus.

Das Thema „Risikoeinschätzung des Cannabiskonsums - Eine Bestandaufnahme“ wurde von der Lerngruppe in der letzten Doppelstunde bearbeitet. Zentraler Inhalt war neben den Erfahrungsberichten der SchülerInnen die Analyse der Verbreitung, der Risikofaktoren und des medizinischen Einsatzes von Cannabis.

Zum einen soll das heutige Thema am Beispiel der uneindeutigen gesetzlichen Lage einen praktischen Zugang zu den konstituierenden Gremien der Bundesrepublik ermöglichen. Zum anderen soll es innerhalb der Reihe zu einer weiteren Versachlichung der zum Teil doch emotional aufgeladenen Debatte führen.

Da quer durch die Parteien der Bereich der Prävention die deutlichste Schnittmenge hinsichtlich der insgesamt konträren politischen Diskussion zum Umgang mit Cannabis

(-produkten) bildet, soll hierauf in der letzten Unterrichtseinheit gesondert eingegangen werden (vgl. auch 2.3).

2.2 Formale Legitimation

Der „Lehrplan zur Erprobung für das Berufskolleg in NRW – Fachoberschule Klasse 11, 12, 13“ vom 24.06.2004 versteht sich als beispielhafte Konkretisierung der „Rahmenvorgabe Politische Bildung“ (2001). Bezogen auf den Unterricht in der Jahrgangsstufe 11 beschränkten sich die Vorschläge des Lehrplanes im Wesentlichen auf die Bereiche Institu-tionenkunde und ArbeitnehmerInnenrechte.

Der Bereich Institutionenkunde wurde – wenngleich sicherlich nicht erschöpfend – im Zusammenhang der Bearbeitung der Gewaltenteilung bereits angegangen (vgl. 1.2). Weitere Unterrichtseinheiten zu diesem Themenbereich werden folgen. ArbeitnehmerInnenrechte halte ich für diese Zielgruppe und zu diesem Zeitpunkt für wenig zielführend, da die Lerngruppe (noch) keinen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten nachgeht. (vgl. dazu auch 2.3) Im Folgenden wird das Stundenthema in Bezug zur „Rahmenvorgabe Politische Bildung“ gesetzt werden.

Laut Rahmenvorgabe soll der Politikunterricht in erster Linie auf die Mündigkeit junger Menschen abzielen, sie sollen lernen, „[...] die politische, soziale und ökonomische Realität im Hinblick auf zugrunde liegende Strukturen und Legitimation hin zu analysieren“ (s. ebd. S. 14). Es ist gut belegt, dass Cannabisgebrauch trotz gesetzlichen Verbotes zur gesellschaftlichen Realität gehört (Tendenz steigend!) und sowohl Politik als auch Strafverfolgungsbehörden vor nicht unerhebliche Probleme stellt. Gerade die diesbezügliche Bundesgesetzgebung ist uneindeutig und bedingt dadurch uneinheitliche Ansätze und Zielrichtungen der Drogenpolitik in den Bundesländern.

Hier wird zusätzlich eine weitere Leitidee Politscher Bildung berührt, nämlich die Auseinadersetzung mit Normen und Wertvorstellungen sowie die Entwicklung eigener Wertvorstellungen (vgl. ebd. S.14). Gerade mit der aktuellen drogenpolitischen Debatte ist eine Diskussion über Werte sowie die ‚normative Kraft des Faktischen’ eng verzahnt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
'Wie sollte der Staat auf den steigenden Cannabiskonsum reagieren?'
Hochschule
Studienseminar für das Lehramt für die Sekundarstufe II Köln II
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V110295
ISBN (eBook)
9783640084708
ISBN (Buch)
9783656246794
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staat, Cannabiskonsum
Arbeit zitieren
Jochen Schiffer (Autor), 2005, 'Wie sollte der Staat auf den steigenden Cannabiskonsum reagieren?', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110295

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