In Zeiten von Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen und Globalisierung brechen die gesellschaftlichen Veränderungen auch die Geschlechterrollen und das Geschlechterverständnis auf. In der bisherigen Forschung wurden in diesem Zusammenhang vorwiegend Veränderungen für Frauen beachtet, obwohl solche tiefgreifenden Umbrüche auch Auswirkungen auf Männer haben und deren Rolle und -verständnis neu interpretiert und reflektiert werden muss.
Helen Franks schrieb noch 1985 in ihrem Werk ,,Goodbye Tarzan. Der endgültige Abschied vom Macho-Mann“ ,,Es ist eine Ironie, aber vielleicht keine Überraschung, daß ich bei den Nachforschungen zu diesem Buch gezwungen war, unter dem Stichwort ,Frauenforschung` nachzuschlagen, um etwas über die heutigen Männer zu erfahren." [1] Das Thema Männlichkeiten und Mannsein war in den 70ern ein noch so gut wie unbekanntes Thema. Jedoch änderte sich dieses in den letzten 20 Jahren, denn seit Anfang der 90er boomt die Männerbewegung, die akademische Forschung sowie die Zahl der Veröffentlichungen.[2] Der feministische bzw. akademische Blick allgemein wurde seitdem auf die Männer ausgeweitet, auf deren Rolle innerhalb des Prozesses der Gleichberechtigung, auf die Konzeption eines neuen Geschlechterverhältnisses sowie auf ihre spezifischen Lebenszusammenhänge und -umstände.
Denn heute scheint nicht länger eindeutig zu sein, was ein ,,richtiger" Mann ist oder zu sein hat, oder was Männer überhaupt auszeichnet. Was sich in den letzten Jahren entwickelte, war ein kritischer Blick auf den Mann. Gerade die Emanzipation und ihre Konsequenzen betreffen unmittelbar die Männer. Das Verständnis der Geschlechts- und Elternrollen heute ist ein anderes als noch vor 20 Jahren.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Frauen heute über eine bessere Bildung verfügen und ihren Beruf genauso so gerne ausüben wie ihre männlichen Kollegen. Der Anteil erwerbstätiger Frauen ist im Steigen begriffen. Selbst wenn sie eine Familie gründen, steigen sie nicht mehr automatisch aus dem Erwerbsleben aus. Manche von ihnen wollen mit der Arbeitswelt in Verbindung bleiben und arbeiten (zumindest auf Teilzeitbasis) in ihrem Beruf weiter. Im Zuge dieser Entwicklung wird auch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern neu definiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die abhängigen Variablen
2.1 Die abhängigen Variable: Normative Vorstellung und Arbeitsteilung
2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit-Hausarbeit-Kindererziehung
3. Die unabhänige Variable
3.1. Die unabhänige Variable: Erwerbsstatus
3.2. Die unabhänige Variable: Einkommen
3.3. Die Dritt-Variablen-Kontrolle
4. Hypothesen
5. Methoden
6. Grundgesamtheit und Strichprobe
7. Validitätsmaßnahmen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das moderne "Mannsein" und dessen Auswirkungen auf die Aufteilung von Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen normativen Vorstellungen von Männlichkeit und der tatsächlichen Arbeitsteilung in Familien zu analysieren, wobei insbesondere der Einfluss von Erwerbsstatus und Einkommen im Fokus steht.
- Wandel von Geschlechterrollen und Männlichkeitsverständnis
- Einfluss von Arbeitslosigkeit auf Identität und Haushaltsteilung
- Zusammenhang zwischen Einkommen und traditionellen Ernährermodellen
- Methodische Vorgehensweise und Validierung eines empirischen Forschungsprojekts
Auszug aus dem Buch
2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit – Hausarbeit – Kindererziehung
Durch den Wandel der Arbeitswelt und die Pluralisierung der Lebensformen verliert die traditionelle geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Erwerbsbereich ebenso an Selbstverständlichkeit wie das Normalarbeitsverhältnis. So werden die als atypisch bezeichneten Erwerbsbiographien von Frauen zu mehr oder weniger typischen Arbeitsverhältnissen für Männer, und immer mehr Frauen ziehen eine berufliche Karriere einer rein familienzentrierten Lebensweise vor. Beide Geschlechter identifizieren sich somit verstärkt über Erwerbstätigkeit und berufliches Engagement.
Dadurch bekommt auch die bislang klare Trennung von Familie und Arbeitswelt, sowie die damit verbundenen stereotypen Aufgabenzuschreibungen und Verhaltensweisen, neue Konturen. Fragen, wie nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die bisher vor allem Frauen betroffen haben, geraten in die gesamtgesellschaftliche Diskussion, da zunehmend auch Männer die Wechselwirkung dieser Bereiche unmittelbar erfahren.
Die Erwerbsarbeit ist die entlohnte, meist vertraglich geregelte Arbeit. Zu den Erwerbstätigen zählen demnach alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder selbstständig ein Gewerbe einen freien Beruf oder eine Landwirtschaft betreiben. Als Indikatoren wären zu nennen: die Regelmäßigkeit der Arbeit, also der Erwerbsstatus, die Berufsbezeichnung, der Arbeitsumfang (Vollzeit/ Teilzeit/ geringfügig beschäftigt, etc.) und die Externalität der Arbeitsstelle. Die Externalität der Arbeitsstelle erscheint uns wichtig, da jemand, der zu Hause arbeitet, die Hausarbeit besser in die Erwerbsarbeit integrieren kann und somit andere Formen der Arbeitsteilung zu erwarten sind.
Die Erwerbsarbeit hat für Männlichkeit eine zentrale Bedeutung, deshalb stellt sich die Frage, ob die Erwerbsarbeit Männer in ihrem Dominanzgefühl bestätigt, oder ob Männer durch die Erwerbsarbeit der Frau (und eventuell der Abhängigkeit dieser) erniedrigt werden. Ist für einen Mann der Beruf das Wichtigste in seinem Leben und verwendet er den Beruf um Abstand von seiner Familie zu bekommen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel der Geschlechterrollen und den daraus resultierenden Forschungsbedarf zur Bedeutung von Männlichkeit im 21. Jahrhundert.
2. Die abhängigen Variablen: Definiert die zentralen Konzepte wie normative Vorstellungen, Arbeitsteilung, Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung.
3. Die unabhänige Variable: Analysiert den Einfluss von Erwerbsstatus, Einkommen und Kontrollvariablen auf die normativen Vorstellungen zur Arbeitsteilung.
4. Hypothesen: Leitet aus dem Spannungsfeld zwischen Erwerbsleben und Familienpflichten konkrete Annahmen für das Forschungsvorhaben ab.
5. Methoden: Beschreibt das gewählte Forschungsdesign (ex post facto, Querschnittsanalyse) sowie die Entscheidung für eine quantitative Erhebung.
6. Grundgesamtheit und Strichprobe: Erläutert die Auswahl der Stichprobe mittels Einwohnermeldeamtsdaten sowie die Kriterien zur Repräsentativität.
7. Validitätsmaßnahmen: Reflektiert die Gütekriterien der Messung, einschließlich der Pretest-Phase und der Expertenvalidierung des Fragebogens.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Arbeitsteilung, Geschlechterrollen, Erwerbsarbeit, Hausarbeit, Kindererziehung, Erwerbsstatus, Einkommen, Quantitative Sozialforschung, Validität, Normative Vorstellungen, Familienarbeit, Arbeitslosigkeit, Geschlechterverständnis, Empirische Sozialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des modernen Männerbildes und analysiert, wie normative Vorstellungen die Aufteilung von Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung in der heutigen Gesellschaft beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind der Wandel der Geschlechterrollen, die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf das Ernährermodell, die Bedeutung des Einkommens für innerfamiliäre Entscheidungen sowie die methodische Gestaltung quantitativer Sozialforschung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, empirisch zu untersuchen, ob Männer aufgrund ihrer normativen Vorstellungen die Arbeitsteilung im Haushalt ablehnen oder anpassen, insbesondere im Kontext ihrer beruflichen Identität.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quantitativer Ansatz verfolgt, der auf einer Querschnittsanalyse und einer Einwohnermeldeamtsstichprobe basiert, wobei das Forschungsdesign als ex post facto Design konzipiert ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der abhängigen und unabhängigen Variablen, die Formulierung testbarer Hypothesen sowie eine detaillierte methodische Planung der Datenerhebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Männlichkeit, Arbeitsteilung, Erwerbsstatus und soziale Normen charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Einkommen bei der Arbeitsteilung?
Die Autorin geht davon aus, dass ein hohes Einkommen des Mannes traditionelle Rollenbilder (Ernährermodell) stützt, während finanzielle Engpässe, etwa durch Arbeitslosigkeit, eine Neuverhandlung der häuslichen Arbeitsteilung erzwingen können.
Wie wurde die Validität des Forschungsinstruments sichergestellt?
Die Validität wurde durch eine sorgfältige Fragebogenkonstruktion, einen Pretest unter Realbedingungen, die Überarbeitung durch Experten sowie die Nutzung standardisierter CATI-Interviews optimiert.
- Quote paper
- Ellen Ziegler (Author), 2006, 'Normative Vorstellungen' zur Arbeitsteilung in der Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110297