Wittgenstein erläutert in seinem Werk der Philosophischen Untersuchungen am Beispiel eines Zitat von Augustinus, ein klassisches und pragmatisches Bild der Spracherlernung eines Kindes. Nach Augustinus Auffassung lernt das Kind die Sprache, indem es Gegenstände, auf welche die Eltern, in Form von Gebärden und Mimik hinweisen, mit den dazugehörigen Lauten bzw. Wörtern zu verbinden und diese dann in der richtigen Kombinatorik zu verwenden. Die Mimik und Gestik wird in diesem Falle als Koppelinstrument verwendet. Der Vorteil der Verwendung von Gestik und Mimik scheint mir, genau wie auch Augustinus, passend bzw. die einzigste Möglichkeit, da sie eine Sprache der Gefühle ist und Ausdrucksform von Empfindungen. Augustinus bezeichnet diese als die Ursprache aller Völker, wobei ich glaube, dass dies aufgrund der "Wortlosigkeit" dieser Kommunikation auch zutrifft, da Worte ein, durch den Menschen entwickeltes Medium sind, welches den natürlichen Irrtümern und Denkverwirrungen des menschlichen Verstandes aufheben. Viele Gefühlszustände werden auf der ganzen Welt auf gleiche Art und Weise dargestellt und sind unabhängig von unterschiedlichen kulturellen Strömungen. Trotzdem werden Laute, also Sprache, benutzt da diese sich den jeweiligen Geflogenheiten und Strömungen des jeweiligen Umfeldes anpasst und einfach nur genauer differenziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die augustinische Sprachauffassung
3. Wittgensteins Kritik an Augustinus
4. Die Bedeutung der Wörter im Sprachgebrauch
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Sprachauffassung des Augustinus auseinander, wie sie Ludwig Wittgenstein in Paragraph 1 seiner "Philosophischen Untersuchungen" darlegt. Ziel ist es, die Grenzen des augustinischen Bildes der Sprache aufzuzeigen und Wittgensteins Gegenposition, die Sprache als lebensweltlichen Gebrauch begreift, zu erläutern.
- Analyse der augustinischen Theorie der Spracherlernung und Benennung.
- Kritik an der rein nominalistischen Betrachtung von Sprache.
- Untersuchung der Grenzen einer rein objektbezogenen Bedeutungslehre.
- Einführung des Konzepts der "Lebensform" als Kontext für Sprachgebrauch.
- Diskussion der Bedeutung von Wörtern jenseits einfacher Gegenstandszuweisungen.
Auszug aus dem Buch
Die Kritik an der augustinischen Sprachauffassung
Das bedeutet, dass Wörter der Sprache Gegenstände benennen, welche eigentlich auch in Form von Gestik und Mimik dargestellt werden könnten. Aber aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten dieser wortlosen Kommunikation sieht sich der Mensch gezwungen auf Worte bzw. Sprache zurückzugreifen. Daraus leite ich ab, dass es sich bei dem gesprochenen Wort um eine „Weiterentwicklung“ der Gebärdensprache handelt, nur um der Pragmatik willen. Somit müssten Sätze wohl auch Verbindungen solcher Bezeichnungen sein. Es stellt sich jedoch die Frage ob das bloße Benennen von Gegenständen ausreicht, um eine Sprache zu sprechen und den Sinn des Wortes zu verstehen. Im Augustinischen Bild der Sprache ist die Bedeutung dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welches das Wort steht. So lernt das Kind nach Augustinus zunächst Gegenstände kennen, welche sich in seinem Umfeld befinden, welche durch Gestik klar definierbar sind. Eigentlich müsste man ja dann auch Empfindungen, welche relativ einfach darzustellen sind, dem Kind durch Gestik und Mimik verdeutlichen können. Doch ist dies denn möglich?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sprachphilosophie und die Relevanz von Wittgensteins Analyse der augustinischen Sprache.
2. Die augustinische Sprachauffassung: Darstellung der Theorie des Augustinus, nach der Sprache primär durch das Benennen von Gegenständen und die Nachahmung erlernt wird.
3. Wittgensteins Kritik an Augustinus: Auseinandersetzung mit den logischen Lücken in der augustinischen Lehre, insbesondere am Beispiel des Begriffs "fünf".
4. Die Bedeutung der Wörter im Sprachgebrauch: Erörterung von Wittgensteins These, dass die Bedeutung eines Wortes in seinem tatsächlichen Gebrauch innerhalb einer Lebensform liegt.
5. Fazit: Abschließende Reflexion über den Übergang von einer metaphysischen Sprachbetrachtung hin zu einer praxisorientierten Sprachphilosophie.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Augustinus, Sprachauffassung, Bedeutung, Spracherlernung, Gegenstandsbenennung, Sprachgebrauch, Lebensform, Pragmatik, Sprachphilosophie, logische Kombinatorik, Kommunikation, Wortbedeutung, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachphilosophischen Kritik Ludwig Wittgensteins an der klassischen, augustinischen Auffassung von Sprache als reinem Benennungsprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das augustinische Bild der Sprache, der Prozess der Spracherlernung, die Bedeutung von Wörtern und die Rolle des Sprachgebrauchs im menschlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Differenzierung zwischen Augustinus' idealistischer Sprachansicht und Wittgensteins pragmatischem Ansatz, der Sprache fest in der Lebensform verankert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen" basiert und diese durch eigene Argumente und Beispiele reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Beispiel der "fünf roten Äpfel", diskutiert die Unzulänglichkeiten der bloßen Gegenstandsbenennung und führt den Begriff der Lebensform als Bedingung für echtes Sprachverstehen ein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachgebrauch, Lebensform, Bedeutungstheorie, augustinisches Sprachbild und die Kritik an der metaphysischen Sprachbetrachtung.
Warum ist das Beispiel der „fünf roten Äpfel“ für Wittgenstein so entscheidend?
Es verdeutlicht, dass Wörter wie „fünf“ keine einfachen Gegenstände bezeichnen, sondern eine logische oder mathematische Regelhaftigkeit erfordern, die über das einfache Zeigen hinausgeht.
Welche Rolle spielt die „Lebensform“ bei Wittgenstein laut dem Autor?
Die Lebensform bildet den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext, ohne den Sprache ihre Bedeutung und ihren konkreten Gebrauchswert verlieren würde.
- Citar trabajo
- Roman Grzyb (Autor), 2002, Ludwig Wittgenstein - §§ 1 der Philosophischen Untersuchungen - das Augustinische Bild der Sprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11029