Die schulische Ausbildung ist der Lebensabschnitt eines jeden Schülers in dem er nicht nur Wissen vermittelt bekommt, sondern in dem er, wenn auch auf unbewusstem Wege, in seiner Denkensweise, wie auch in anderen Faktoren wie in seinem Lernverhalten oder seinem Verhalten in der Gesellschaft für sein Leben geprägt wird. Da nun in jedem Staat ein unterschiedliches Schulsystem angewandt wird, ist also offensichtlich, dass die Mentalitätsunterschiede bereits in der Schulzeit geformt werden. Deswegen ist es aus einer interkulturellen Sicht sehr interessant, verschiedene Schulsysteme zu vergleichen.
Durch den Vergleich der Primar- und der Sekundarstufen des deutschen und französischen Schulsystems sollen nun hier die Unterschiede der beiden Nachbarländer herausgearbeitet und interkulturell betrachtet werden. Hierbei finden folgende Fragen besondere Bedeutung: Welche Probleme bestehen in den beiden Ländern? Welche Faktoren erzeugen die Unterschiede und wie machen sich diese Unterschiede im späteren Leben, das ja auch eventuell im Ausland denkbar ist, bemerkbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Die schulische Laufbahn als wichtiges Element der Prägung für das weitere Leben
2. Die Primar- und Sekundarstufe in Frankreich und Deutschland: ein Vergleich
2.1. Aufbau der Primar- u. Sekundarstufe
2.1.1 Das französische Bildungssystem
2.1.2 Das deutsche Bildungssystem
2.1.3 Der markanteste Unterschied: die Durchlässigkeit im Sekundarbereich I
2.2 Geschichtlicher Hintergrund
2.2.1 Die Wurzeln der „querelle scolaire“ und Bemühungen um das Prinzip der „égalité“
2.2.2 Deutschland seit den 60er Jahren
2.3 Bildungskonzepte
2.3.1 Frankreich: „éducation“
2.3.2 Deutschland: „Bildung“
2.3.3 Vergleich anhand der Lehrpläne der école primaire bzw. Grundschule
2.4 Probleme der jeweiligen Schulsysteme
2.4.1 L´échec und querelle scolaire
2.4.2 Gesamtschulen und die aktuelle Diskussion um die Ganztagsschule
3. Abitur und was jetzt? Internationale Ausblicke
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt auf einen interkulturellen Vergleich der Primar- und Sekundarstufen in Frankreich und Deutschland ab, um strukturelle Unterschiede sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung von Schülern zu identifizieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Probleme in den jeweiligen Schulsystemen existieren, welche Faktoren diese Unterschiede prägen und wie sich diese auf das spätere Leben der Schüler auswirken.
- Struktureller Aufbau und Durchlässigkeit der Bildungssysteme
- Historische Hintergründe der nationalen Bildungskonzepte
- Vergleichende Analyse der Lehrpläne im Primarbereich
- Herausforderungen wie „L'échec scolaire“ und die Debatte um Ganztagsschulen
- Interkulturelle Kompetenz als Faktor für die internationale Arbeitsmarktfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das französische Bildungssystem
Das französische Schulsystem ist - mit Ausnahme der vorschulischen Erziehung in der école maternelle, auf die hier im weiteren nicht eingegangen wird, da sie einen eigenen Bereich des französischen Schulsystems bildet - dreigliedrig und somit in „école primaire“, „collège“ und „lycée“ eingeteilt.
Kinder und Jugendliche besuchen bis zum 15. Lebensjahr einen einheitlichen Unterricht, erst danach beginnt die Aufspaltung in verschiedene Zweige des Schulsystems. Berufliche Bildung wird im wesentlichen in schulischen Einrichtungen wie dem „lycée d'enseignement professionnel“ (L.E.P.) vermittelt.
Nach den fünf Unterrichtsjahren der école primaire, die sich aus dem einjährigen Vorbereitungskurs (CP = Cours préparatoire), dem zweijährigen Elementarkurs (CE = Cours elémentaire) und dem zweijährigen "mittleren" Kurs (CM = Cours moyen) zusammensetzen, folgt das collège mit weiteren vier Jahren. Die ersten zwei Jahre im collège kennen kaum eine äußere Differenzierung; erst danach beginnt eine Orientierung (cycle d'orientation) für die weiterführenden Schullaufbahnen. Die Ausbildung an einem collège gliedert sich in zwei Stufen von jeweils zwei Jahren, der Beobachtungsstufe und der Orientierungsstufe. Die Unterrichtsfächer sind in diesen vier Jahren für alle Schüler die gleichen. Schüler, die eine weitere schulische Karriere bis zum Abitur im lycée planen, schließen das collège nach der „troixième“ mit der Prüfung für das „brevet des collèges“ ab und erhalten somit die Berechtigung zum Besuchs des lycée général.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die schulische Laufbahn als wichtiges Element der Prägung für das weitere Leben: Einleitung in die Bedeutung der Schulzeit für die Entwicklung der Denkweise und des gesellschaftlichen Verhaltens von Schülern.
2. Die Primar- und Sekundarstufe in Frankreich und Deutschland: ein Vergleich: Detaillierter Vergleich der strukturellen Gliederung und der pädagogischen Konzepte beider Länder.
3. Abitur und was jetzt? Internationale Ausblicke: Betrachtung der Anschlussmöglichkeiten nach dem Schulabschluss und der Bedeutung interkultureller Kompetenz im internationalen Kontext.
Schlüsselwörter
Bildungssystem, Frankreich, Deutschland, Schulpädagogik, Schulstruktur, Gesamtschule, Vergleichsanalyse, Ganztagsschule, Lehrpläne, Interkulturelle Kompetenz, Chancengleichheit, Schulerfolg, Bildungspolitik, Sekundarstufe, Primarstufe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem systematischen Vergleich der Schulsysteme in Frankreich und Deutschland, insbesondere im Hinblick auf den Primar- und Sekundarbereich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der strukturelle Aufbau der Systeme, die historischen Hintergründe, unterschiedliche pädagogische Bildungskonzepte sowie aktuelle bildungspolitische Probleme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es sollen Unterschiede in den Bildungssystemen herausgearbeitet und interkulturell bewertet werden, um zu verstehen, wie diese die Bildungswege und Zukunftschancen der Schüler beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse auf Basis von Bildungsberichten, Lehrplänen und fachwissenschaftlicher Literatur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die strukturelle Gegenüberstellung, die Analyse der historischen Wurzeln, den Vergleich nationaler Bildungsbegriffe (éducation vs. Bildung) und die Diskussion aktueller Systemprobleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bildungssysteme, Schulstruktur, Chancengleichheit, Ganztagsschule, Gesamtschule und Interkulturelle Kompetenz.
Warum wird im französischen System so viel Wert auf die „éducation“ gelegt?
Das Konzept zielt darauf ab, Zöglinge im Interesse der Nation zu normen und Werten zu führen, wobei der Erzieher eine zentrale, staatlich legitimierte Rolle einnimmt.
Was ist das „größte Sorgenkind“ des französischen Bildungssystems?
Das Collège gilt als Sorgenkind, da die angestrebte Chancengleichheit aufgrund von Niveauunterschieden schwer realisierbar ist und eine hohe Zahl an Schülern in Ausweichzweige abwandert.
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- Julia Halm (Author), 2001, Die Primar- und Sekundarstufe in Frankreich und Deutschland: ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11030