Humor. Kultur oder Natur?


Ausarbeitung, 2000
4 Seiten

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HUMOR, KULTUR ODER NATUR?

Wenn es um wissenschaftliche Be­trachtungsweisen von Humor geht, stürzen sich seltsamer Weise immer die Psychologen und nicht die Sozio­logen auf dieses Thema. Es gibt nur wenige theoretisch-soziologische Stu­dien über den Humor — dabei haben Soziologie und Humor doch einiges gemeinsam: Beide treten aus der all­täglichen Routine heraus, um mensch­liches Verhalten darzustellen — und mitunter zu persiflieren.

LACHEN HAT AUTO­NOME FUNKTIONEN

Folgt frau Analysen verschiedener Philosophen und Psychologen, ist Hu­mor einer der fundamentalsten Aspekte des Menschen. So stellt die humorvolle Haltung eine Erweiterung der Möglichkeiten dar, Unlust zu vermeiden. Freud war immer der Meinung, Humor sei die ein­zige nicht-neurotische Abwehr der Leidensmöglichkeit. Wie ei­ne Neurose, so der Urvater aller Triebtheorien, entsteht auch der Humor aus dem Konflikt zwi­schen Natur und Kultur im Men­schen.

Sicher ist, dass es ein Lachen gibt, das nicht mit Humor ver­knüpft ist und Humor, der kein Lachen auslöst. Somit hätten wir zwar schon geklärt, dass Lachen autonome Funktionen hat und unabhängig vom Humor ist - nur: Ist dieser dem Menschen nun in die Wiege gelegt oder “er­lernt” er ihn im Rahmen der Sozialisa­tion?

DAS GEHEIMNIS IST GELÜFTET

Die Briten behaupten, jetzt das Rätsel gelöst zu haben. Und siehe da: Die Gene sind es nicht, die uns schenkel­klopfend zusammenbrechen lassen, wo andere uns nur irritiert mustern. Nach Ansicht einer britischen For­schergruppe sind die Erziehung und die Umgebung, in der man aufwächst, dafür verantwortlich, ob wir Humor entwickeln oder nicht. Um dieses Ergebnis in einer Studie präsen­tieren zu können, wurden ein- und zweieiigen Zwillingspaaren Gary Larson Cartoons vorgelegt, die sie dann auf einer Skala von «Papierver­schwendung» bis “eine der witzigs­ten Karikaturen, die ich je gesehen habe” bewerten sollten. Da aber lei­der wider Erwarten die eineiigen Zwillinge in ihrer Bewertung nicht näher beieinander lagen als die Kon­trollgruppe der zweieiigen Zwillinge, ist jetzt alles klar. Die Angelsachsen folgern daraus, dass es offenbar kei­nen “Humor-Faktor” gibt - auch das Alter ist unerheblich.

FORM DER AUSEIN­ANDERSETZUNG

Doch dass der Mensch überhaupt lacht, lässt sich laut Schiefenhöfel, sei­nes Zeichens Verhaltensforscher an der Universität München, durchaus genetisch erklären. So ist unser La­chen nichts weiter als die Fortent­wicklung des tierischen Spielbeissens - eine ungefährliche, unbeschwerte Auseinandersetzung mit Artgenossen. Und da können wir Soziologen schliesslich auch noch etwas zum The­ma beitragen. Ist es uns doch schon lange aufgefallen, dass Menschen la­chen, um ihren Platz in der Gruppe zu sichern, sich von “den anderen” abzu­grenzen. Humor verbindet, erzeugt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, auch wenn es nur von kurzer Dauer sein mag. Wer sich in einer Gruppe von Fremden erfolgreich mit Humor einführt, hat die ersten Hürden ge­nommen.

Humor hat in den allermeisten Fällen aber auch etwas mit der Schwäche anderer zu tun, seien es nun Biondi­nen oder Männer, und das bewirkt das Gefühl der Überlegenheit. Und je überlegener ich mich fühle oder we­nigstens präsentiere, desto weniger bedrohlich erscheint mein Gegenüber - für mich und alle anderen Anwesen­den. Humor: oft das Spiel mit der Be­deutung. Manchmal wird ein Witz er­zählt, um ein paar Lacher zu ernten. Harmlos und ohne tiefere Bedeutung. Oft aber stehen hinter Witzen psycho­logische und soziale Motive, wie das Ausdrücken von Feindschaft oder das Abreagieren von Span­nungen. Der Humor ist die einzi­ge Möglichkeit des Menschen, in einer Gruppe Ressentiments zu thematisieren, ohne die Anwe­senden zu provozieren, Stellung zu beziehen. Der Angegriffene wird zwar die Spitzen in den meisten Fällen sehr wohl regi­strieren aber nur selten wird es zu einem offenen Konflikt kom­men. Hat der (<Angreifer)) die La­cher auf seiner Seite, wird er nur den Ball aufgreifen können und scherzhaft, boshaft antworten —ansonsten geht ihm schnell der Ruf voraus, humorlos zu sein. Ein Witz ist somit oft nur in einem sozialen Kontext sinnvoll und verständlich. Die Qualität seines Humors ist abhängig von der menschlichen Interaktion in einer bestimmten Situation.

Da fällt mir ein: Wissen Sie eigentlich, was Wolken und Männer gemeinsam haben? Es kann noch ein schöner Tag werden, wenn sie sich verziehen...

Quellen:

- Sigmund Freud (1940): Gesammelte Werke Band VI: Der Witz und seine

Beziehung zum Unbewussten. Frank­furt/Main: Fischer.

Annette M. Fried & Joachim Ph. Keller (1991): Identität und Humor. Frank­furt/Main: Haag und Herchen.

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Details

Titel
Humor. Kultur oder Natur?
Hochschule
Universität Konstanz
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V110342
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Universität war nur mein Arbeitgeber. Der Artikel erschien in der Schweiz bei: NORA. Die Frau in Leben und Arbeit. 6/00, 14
Schlagworte
Humor, Kultur, Natur
Arbeit zitieren
Dr. Sabrina Böhmer (Autor), 2000, Humor. Kultur oder Natur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110342

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